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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

14. Mai 2012

Kann Coca Cola tödlich sein?

Hatten unsere Eltern und Großeltern doch Recht, als sie uns Kindern das Colatrinken wegen des gefährlichen Coffeins verboten? Der Tod einer Neuseeländerin, die angeblich bis zu acht Liter Coca Cola am Tag getrunken haben soll, erregt derzeit die Gemüter. Der Genuss von Coca Cola, so urteilte ein Gericht in Wellington jetzt, habe nicht ursächlich zum Tod von Natasha Harris geführt, könne aber durchaus dazu beigetragen haben. Der Konzern selbst bedauert den Vorfall, fühlt sich aber nicht verantwortlich.

Zu Recht. Denn es handelt sich um eine reichlich hanebüchene Auseinandersetzung, findet der kompottsurfer. Nehmen wir an, ich würde zehn Maurerbomben Fiege Pils am Tag trinken (und ich schwöre, dass ich schon Leute getroffen habe, die das tatsächlich über Monate fertig brachten), dann das Zeitliche segnen und meine Familie im Anschluss die Fiege Brauerei dafür veantwortlich machen, dass da ja Alkohol im Bier war, durch den ich möglicherweise zu Tode gekommen bin. Also sollte das jemals passieren, dass ich so viel Fiege Pils am Tag trinken und dann abdanken würde, spreche ich die Brauerei schon vorab von jeder Schuld frei. Weil ein klitzekleines Detail entscheidend ist: Ich habe das Bier getrunken, nicht die Brauerei.

Zur Koffeinmenge in Coca Cola hat der kompottsurfer vor zwei Jahren schon mal ausführlicher gepostet, denn die ist wahrlich zu vernachlässigen. Bei Natasha Harris ist durch Autopsie zwar ein gefährlicher Kaliummangel im Blut festgestellt worden, der u.a. auch durch Koffein verursacht sein kann, aber ob ihr Tod allein dadurch erklärt werden kann, hält der kompottsurfer für einigermaßen fragwürdig. Denn eine Frau, die es fertigbringt, acht Liter Cola am Tag zu trinken, konsumiert möglicherweise noch ganz andere Sachen in unverhältnismäßigen Dosierungen. So rauchte sie am Tag auch etwa 30 Zigaretten und aß wenig, wie der englische Guardian berichtete.

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10. Mai 2012

Von der Unmöglichkeit, ein gutes vegetarisches Restaurant zu etablieren

Das hatten sich Nina und Oliver Beisert ganz anders vorgestellt. Nachdem die beiden erfolgreichen gastronomischen Quereinsteiger aus der IT-Szene ihr Dortmunder Restaurant Vegetaria in Folge dubioser Auseinandersetzungen mit dem Vermieter schließen mussten und 2010 nach Bayern auswanderten, schien für die Beiserts auf Gut Kerschlach nun alles gut zu werden. Doch nun müssen die jungen Eltern feststellen, dass man auch mit Vermietern aus Süddeutschland im Clinch liegen kann, selbst wenn man zunächst ein gutes Verhältnis hatte.

Das Restaurant mit der amitionierten vegetarischen Küche wird nun auch in Bayern schließen müssen. Und zwar zum 31.7.2012. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, ist es das Ergebnis eines Vergleichs vor dem OLG München. Was genau zu dem Zerwürfnis führte, darüber kann nur spekuliert werden. Ein Blick in die beiden Beiträge der SZ (hier und hier) bringt zumindest ein bisschen Licht in die Sachlage. Mal sehen, ob die Beiserts langfristig wieder ins Ruhrgebiet zurückkehren. Für die Gastronomielandschaft wäre es sicher ein Gewinn.

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07. Mai 2012

Wer braucht beim Laufen schon industrielle Energieriegel, wenn es Natural Food wie Fruchtleder gibt?

Fruchtleder - ideal für unterwegs

Es ist ja nicht neu, dass ich gelegentlich auf mehrstündigen Läufen unterwegs bin. Mit der Zunahme an Kilometern am Stück, steigt in der Regel auch mein Wunsch, mich unterwegs nicht von übersüßten, künstlich aromatisierten Energieriegeln und Gels ernähren zu wollen.

Beim legendären Rennsteiglauf im Thüringer Wald bekommt es die Organisation vorbildlich hin, die Teilnehmer mit leckerem Haferschleim (schmeckt wirklich viel besser als es klingt), Schmalzstullen und Würstchen zu versorgen. Aber was tun, wenn man autonom unterwegs ist und sich komplett selbst verpflegen muss? Zu meinen bisherigen Favoriten, kleine runde Pumpernickelscheiben mit Schmalz und Dinkelpfannkuchen mit etwas Rübekraut, gesellt sich jetzt eine Neuentdeckung: Fruchtleder. Zugegeben, das klingt irgendwie nur bedingt essbar, ist aber absolut köstlich. Einfach nur pure konzentrierte Frucht in hauchdünnen Scheiben, ideal zum Mitnehmen.

Der Hersteller verzichtet sowohl auf Industriezucker wie auch auf Gelatine, Farbstoffe, Geschmackzusatzstoffe, Konservierungsstoffe und auf das Schwefeln. Über 20 Sorten hat er im Angebot. Jetzt tüftele ich noch an einer Variante, mit dem Fruchtleder Couscous oder Milchreis einzurollen. Fortsetzung folgt.

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04. Mai 2012

Reben statt Stahl: Weinanbau am Dortmunder Phönixsee hat begonnen

Der Klimawandel machts’s möglich: Ernsthafter Weinanbau scheint nun auch in nördlicher gelegenen Regionen realistisch zu werden. Das mag man bedauern oder als Trostpflaster ansehen, immerhin zeigt die Entwicklung der letzten Jahre – auch nach Ansicht zahlreicher Winzer – , dass sich zumindest schon mal die klimatischen Bedingungen für den Rotweinanbau in Deutschland verbessert haben (der kompottsurfer berichtete). Nun hat die Emschergenossenschaft in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Geisenheim heute am neu angelegten Phönixsee – wo früher ein großes Stahlwerk stand – die ersten 92 Rebstöcke gepflockt, um im Rahmen eines Projekts gemeinsam herauszufinden, ob Weinbau auch in nördlicheren Regionen wie dem Ruhrgebiet zu qualitativ respektablen Ergebnissen führen kann.

Es wird aber auch schon längst weiter nördlich experimentiert. Der stern berichtete vor drei Jahren von einem deutsch-norwegischen Gemeinschaftsprojekt, das bereits hoffnungsvolle erste Ergebnisse geliefert haben soll.

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01. Mai 2012

Essener Spitzengastronom und Sternekoch geehrt: Berthold Bühler wird Bürger des Ruhrgebiets

Bürger des Ruhrgebiets: Sternekoch und Spitzengastronom Berthold B. Bühler

Ganz ohne Frage hat Berthold Bühler dem Ruhrgebiet genau die Portion kulinarisches Selbstvertrauen eingeflößt, die der Region deutschlandweit gastronomische Beachtung einbrachte. Und es ist ganz entscheidend auch sein Verdienst, den nötigen Wandel initiiert zu haben, der Köche wie Gastronomen im Ruhrgebiet überhaupt erst dazu bewegte, anspruchsvolle und kreative moderne Küche anzubieten. Weil sie gesehen haben, dass es funktionieren kann.

Über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg ist Berthold B. Bühler, Begründer und Patron der Résidence in Essen-Kettwig, konsequent seinen Weg gegangen, der sicher nicht einfach war. Zumal sein Engagement volles eigenes Risiko bedeutete. Er hatte keinen Mäzen im Hintergrund wie so viele seiner erfolgreichen Kollegen, und das macht aus meiner Sicht sein gastronomisches Lebenswerk noch bedeutsamer.

Obwohl er vom Bodensee stammt, pflegt er einen angenehmen Lokalpatriotismus für das Ruhrgebiet. Mir fiel das über die zwei Jahrzehnte, in denen ich seine Arbeit und sein Engagement mittlerweile verfolge, immer wieder positiv auf. Nicht zuletzt im Kulturhauptstadtjahr sorgte sein Einsatz für viele schöne Momente. Eine Reihe sehr guter Köche wurden über die Jahre in der Résidence ausgebildet oder holten sich dort ihren Schliff und führen heute erfolgreiche eigene Restaurants.

Berthold Bühler war immer interessiert an der Entwicklung seiner einstigen Schützlinge und gerne mit Rat und Tat zur Stelle. Das ist eine Eigenschaft, die man den Menschen im Ruhrgebiet immer nachsagt. Zur Stelle sein, wenn’s drauf ankommt. Nicht zuletzt auch deshalb freue ich mich sehr über die Auszeichnung für Berthold Bühler. Er hat sie verdient.

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30. April 2012

Kopenhagener NOMA erneut als bestes Restaurant der Welt ausgezeichnet

Auf Platz 2 der weltbesten Restaurants vorgerückt: El Celler de Can Roca

Vor wenigen Minuten präsentierte die Jury der The World’s 50 Best Restaurants Academy, die sich aus 800 internationalen Meinungsführern der Gastronomieszene rekrutiert, ihre Entscheidungen für 2012. Das beste Restaurant der Welt ist demnach erneut das Kopenhagener Noma unter Leitung von Rene Redzepi. Keine wirkliche Überraschung, obwohl vereinzelt auch mit einem Sieg des El Cellar de Can Roca (Girona) – kompottsurfers Darling – gerechnet wurde, das auf dem zweiten Platz landete. Hier die komplette Top 10:

1. Noma, Kopenhagen, Dänemark
2. El Celler de Can Roca, Girona, Spanien
3. Mugaritz, San Sebastián, Spanien
4. D.O.M., São Paolo, Brasilien
5. Osteria Francescana, Modena, Italien
6. Per Se, New York, USA
7. Alinea, Chicago, USA
8. Arzak, San Sebastián, Spanien
9. Dinner by Heston Blumenthal, London, England
10. Eleven Madison Park, New York, USA

Weitere Entscheidungen der Jury: Elena Arzak (Restaurant Arzak / San Sebastian) erhält die Auszeichnung als Best Female Chef und Thomas Keller (French Laundry / Kalifornien) den Preis für sein Lebenswerk.

Wie es sich für besondere gastronomische Auszeichnungen gehört, sind auch die Rankings der Best Restaurants Academy oft umstritten. Zumal die jährliche Liste der besten 50 Restaurants der Welt nicht selten einen einigermaßen eurozentristischen Eindruck macht. Gleichwohl weist der kompottsurfer immer wieder gerne auf die Ergebnisse hin, weil die beteiligten Gastronomiekritiker, Gastronomen und Küchenchefs (die sich selbstverständlich nicht selbst wählen können), durchaus ein überwiegend plausibles Gesamtbild der weltweiten Restaurantszene entwerfen.

Kaum noch der Rede wert, dass nahezu alle genannten Häuser eine stark von der Molekularküche inspirierte Ausrichtung haben, ohne die in der Spitze längst nichts mehr geht. Klug kochen können ist eben kein Makel sondern eine Fähigkeit, die oft genug den Unterschied zwischen Sehr Gut und Extraklasse ausmacht.

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25. April 2012

Hobbywinzer Günther Jauch erkennt seinen eigenen Wein nicht.

Klar, dass so eine Meldung schnell die Runde macht. Denn es dürfte so manchen Zeitgenossen geben, der sich diebisch darüber freut, dass ausgerechnet Günther Jauch seinen eigenen Wein nicht erkennt. Der Hobbywinzer, der bei Wer wird Millionär schwere Schicksale besiegelt und schon mal die Augen verdreht, wenn einer seiner Kandidaten an einer scheinbar simplen Frage hängen bleibt, dieser Mann kriegt also im SWR-Talk mit Fritz Frey einen Wein aus dem eigenem Weingut serviert und kommentiert den Probierschluck dann unter anderem mit den Worten: “Ich weiß ja nicht, was für einen Fusel Sie hier ausschenken.”

Mensch Jauch, da müssen einem doch alle Alarmglocken schrillen, wenn man als Hobby-Winzer mit 1a-Prominentenstatus einen verdeckt servierten Wein im Glas hat und dazu befragt wird. Er hätte zumindest in Erwägung ziehen können, dass der Wein aus seinem eigenen Weingut stammen könnte. Das sympathische an Jauch ist allerdings, dass er so was wegsteckt und mit Abstand darüber sogar herzlich lachen wird. Zumal Jauch wahrlich nicht der erste Winzer ist, der seinen eigenen Wein nicht erkennt. Solche Geschichten hört man sogar über Profi-Winzer immer mal wieder. Und meine Güte, wie oft liegen wir Weinliebhaber mit irgendwelchen Einschätzungen krass daneben. Klar, das interessiert dann natürlich auch niemanden wirklich.

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23. April 2012

Lanz kocht macht Feierabend.

Wetten, dass im Januar 2013 kein Alfons Schuhbeck am Freitagabend mehr Vorträge über die Gesundheitswirkung von Kräutern und Gewürzen abhält, kein Kolja Kleeberg mehr den letzten Zipfel Humor in einer deutschsprachigen Kochsendung hochhält und kein Alexander Herrmann mehr Schwiegermütterherzen höher schlagen lässt?

Ja, Ende des Jahres soll Schluss sein mit der freitagabendlichen Show, die so viele Köche populär gemacht hat. Den Herrn Lafer, die Frau Wiener und nicht zuletzt auch den Herrn Müller aus Essen. Es war ein Fomat, das sich – der Legende nach – aus Zufall ergeben hatte. Produkt einer hochgelobten Sendung im Rahmen eines Talks bei Lanz’ Vorgänger Johannes B. Kerner. Der kompottsurfer wunderte sich, dass nach Kerner’s Abschied vom ZDF, Markus Lanz nicht nur dessen Talk sondern auch Deutschlands beliebteste Futterkrippe übernahm. Immerhin zeigte Lanz, dass er von Kulinarik mehr versteht als Kerner, vor allem aber neugieriger ist. Interessantes gab die Sendung aber schon einige Zeit vorher unter Kerner nicht mehr her. Daran änderte auch die Übernahme von Lanz nichts.

Nun macht Markus Lanz, der Gerüchten zufolge schon im Sommer die Kochlöffel beiseite legen wollte, erst im Winter Feierabend mit seiner Sendung. Bleibt zu hoffen, dass sich das ZDF im Nachgang nicht für einen weiteren Aufguss des Formats entscheidet.

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19. April 2012

Sous Vide und die wundervolle Textur eines Eigelbs, das 75 Minuten gegart wurde.

Ein normales Frühstücksei, so wie wir es kennen, kommt entweder weich oder hart gekocht auf den Tisch. Wie unfassbar cremig ein weichgekochtes Ei sein kann, wenn man es über 75 Minuten bei exakt 63° Celsius gart, zeigt ein Video vom geschätzten Kollegen Martin Lersch vom khymos blog.

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16. April 2012

Entdeckung im Harz: Ziegen-Eis!

Harzer Ziegenkäse direkt vom Bauern

Da renne ich am Samstag über die Berge im Südharz, will hinter der nächsten Ecke auf einen schönen Trail abbiegen, der Teilstück der 51-km-Harzquerung ist, und was sehen meine Augen: Ein Hinweisschild, das Ziegen-Eis anpreist. Tatsächlich produziert die Ziegenalm Sophienhof nahe Ilfeld im Thüringer Landkreis Nordhausen nicht nur Käse aus Ziegenmilch sondern auch Eis. Natürlich war ich extrem neugierig – aber leider nicht mit Portemonnaie unterwegs, so dass es mit dem Eis nix wurde. Aber bei der nächsten Gelegenheit, also spätestens zur Harzquerung 2013, werde ich so lange suchen, bis ich ein Eis in der Waffel habe.

Die Ziegenalm bietet übrigens eine ganze Reihe hausgemachter Ziegenkäsesorten und Ziegenwurst an, die auch Online bestellt werden können.

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