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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

12. Dezember 2018

kompottsurfers liebste Rezepte-Blogs (I): Arthurs Tochter kocht.

Rezepte bloggen ist einfach? Von wegen. Der kompottsurfer wei├č nur zu genau, welche T├╝cken da im Detail lauern. Wohl dem, der treue Leserinnen und Leser hat, die gleich aufmerken, wenn irgendwo was hakt oder nicht plausibel ist. Neulich kommentierte die gesch├Ątzte Kollegin Astrid Paul von Arthurs Tochter kocht via Facebook meinen Beitrag ├╝ber die vergessenen Fleischst├╝cke mit drei┬á sexy Gr├╝nkotz Tr├Ąnen-emojis, weil die von mir angegebene Gartemperatur von 70┬░ Celsius ihren Erfahrungen nach deutlich zu hoch sei. Astrid hat meinen gro├čen Respekt als Mensch, K├Âchin und Bloggerin, und deshalb nehme ich ihr die Drama-Drama-Drama-Heulsusen auch ├╝berhaupt nicht krumm.

Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich ein Botulinum-Schisser bin, und mich an Gartemperaturen unter 60┬░ Celsius Sous-Vide nur mit Unbehagen heranwage. Und empfehlen will ich sowas erst recht nicht. Zumal die Denaturierung kollagener Strukturen im Fleisch erst ab 70┬░ Celsius einsetzt und der von mir angesprochene Nierenzapfen mehr Kollagen enth├Ąlt als beispielsweise Filet und deshalb die 70┬░ Celsius gut vertr├Ągt, finde ich zumindest.

Soviel zur Vorgeschichte, die mich auf den Gedanken brachte, an dieser Stelle mal in loser Folge jene rezept-orientierte Blogs von Kolleginnen und Kollegen vorzustellen, die mir gefallen. Ja, es gibt unz├Ąhlige bei denen es ums Kochen geht, aber nur sehr wenige bringen neben den rein technischen Zubereitungsaspekten auch eine Prise kulinarischen Esprits mit. Astrids Blog ist so einer.

Wenn ich bei ihr vorbeischaue, werde ich gleich daran erinnert, warum der kompottsurfer Rezepte nur gelegentlich oder als Experimentierreihe ver├Âffentlicht: Weil andere das viel besser k├Ânnen. Das detaillierte Beschreiben, das Anrichten vor allem und nat├╝rlich das Fotografieren. Nur Essen und Trinken kann ich mindestens genauso gut. Ist ja auch schon mal was.

Arthurs Tochter kocht hat in der letzten Dekade eine erstaunliche Entwicklung genommen und ist bei aller gewonnenen Professionalit├Ąt eine liebenswerte Adresse f├╝r Freundinnen und Freunde kulinarischer Gen├╝sse geblieben. Als wir 2009 in Kontakt kamen und der kompottsurfer ihren neuen Blog in seine Empfehlungsliste aufnahm, konnte man nicht ahnen, dass Arthurs Tochter zum Paradebeispiel einer Web_2.0-Karriere auf kulinarischem Gebiet re├╝ssiert. Das liegt auch an der Art wie sie ihre Rezepte ausw├Ąhlt, aufbereitet, einf├╝hrt, kommentiert. So schreibt sie zu Pasta Alfredo, nur mal als Beispiel: ÔÇťÔÇŽ. Ich verwende keine Sahne, Sahne an Pasta Alfredo geht N├äMLICH GAR NICHT und zieht Einreiseverbot nach Italien nach sich!ÔÇŁ

Bald d├╝rfte ihr Rezeptfundus zu einer Art Brockhaus mutiert sein. Und der geneigte Alltags- und Hobbykoch fragt sich: Wann zum Teufel bereitet sie das alles zu? Und vor allem: Wann isst sie das alles? Nach ├╝berm├Ą├čigem Konsum sieht sie n├Ąmlich ├╝berhaupt nicht aus. Vielleicht liegt der Schl├╝ssel darin, dass sie so viel f├╝r andere kocht. Alle vier bis sechs Wochen richtet sie daheim den so genannten Supperclub aus, wo einander oft unbekannte G├Ąste am Chefs Table sitzen und Essen und Trinken auf eine gemeinschaftliche Weise genie├čen, wie das in Restaurants nur selten m├Âglich ist. Dabei wissen wir doch: Kulinarische Gen├╝sse bereiten in Gemeinschaft gegessen mehr Vergn├╝gen als alleine. Einfach immer mal wieder auf ihrer Seite nach Terminen Ausschau halten. Sicher schickt Astrid auch Geschenkgutscheine f├╝r Genie├čer raus, die ihren Liebsten noch wertvolle Gaben unter den Weihnachtsbaum legen m├Âchten. Eines Tages werde ich mich auch mal an Astrids Tisch einfinden. Dar├╝ber sinniert haben wir schon vor zehn Jahren. Hat nur leider nie geklappt. Der Wein, den ich daf├╝r beiseite gelegt habe, ist ├╝brigens immer noch nicht ausgetrunken.

Nur wenige ihrer Geschichten beginne ich mit Widerwillen zu lesen, wie die ├╝ber ihre erste Kreuzfahrt. Warum? Weil ich mir zumindest einige wenige meiner hart erarbeiteten Vorurteile erhalten und nicht Gefahr laufen m├Âchte bekehrt zu werden. Sollte ich jemals so einen schwimmenden Wasserpanzer betreten und damit raus aufs Meer fahren, soll mich auf der Stelle der Blitz treffen.

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03. Dezember 2018

Die Suche nach den vergessenen Fleischst├╝cken.

Deutscher Schnitt vom Rind in einem Kochbuch von Bocuse. Abbildungen von Fleischst├╝cken in Henriette Davidis Kochbuch von 1921

Wer beim Metzger seines Vertrauens in die Auslage blickt, ersp├Ąht zumeist die ├╝blichen St├╝cke Fleisch. Filet, Hack, Gulasch, Schnitzel und Kotelett vom Schwein; Filet, Hack, Gulasch, Ober- und Unterschale sowie Tafelspitz und diverse Steaks vom Rind. Vergeblich sucht der nach Abwechslung gierende Feinschmecker nach den besonderen Schnitten.

Ich erinnere mich noch gut an meine fr├╝hen Jahre als kochender Kerl, der aus seinem ersten selbst gekauften Kochbuch Rezepte von Altmeister Paul Bocuse nachzukochen versuchte. Eine Zubereitung aus dessen Werk “Die Neue K├╝che” verlangte nach Rindfleisch aus der Schulternaht. Also latschte ich zum Metzger um die Ecke und fragte danach. Die Verk├Ąuferin schaute mich an als h├Ątte ich Zahnfleisch vom Tyrannosaurus geordert, sagte, davon h├Ątte sie noch nie geh├Ârt, w├╝rde aber den Chef fragen. Und dass ich mich am n├Ąchsten Tag noch mal telefonisch melden sollte, dann wisse sie mehr. Ich tat wie gehei├čen, nur um zu h├Âren, dass auch der Chef mit diesem St├╝ck Fleisch nichts anfangen konnte. “So etwas gibt’s nicht”, sagte er mir. Weil ich mit Ende Zwanzig weniger gelassen war als heute und es mir noch etwas ausmachte f├╝r bescheuert gehalten zu werden, stiefelte ich mit meinem Bocuse-Kochbuch erneut zu besagter Metzgerei und zeigte mit dem Finger auf den im Buch abgebildeten Deutschen Schnitt vom Rind (s. Foto): “Ich meine dieses St├╝ck!” sagte ich zum anwesenden Metzgermeister, der einigerma├čen verdattert dreinschaute und antwortete, den Schnitt w├╝rde er im Schlachthaus nicht bekommen. Nun gut. Nach einigem Suchen fand ich schlie├člich einen anderen Metzger, der meine ungew├Âhnliche Fleischeslust befriedigen konnte. Und f├╝rwahr, dieses St├╝ck Rind war ein Hochgenuss.

Wenn der Beef-Trend der letzten Jahre etwas Positives mitbrachte, dann einen neuen Blick auf diverse Schnitte aus dem Rind. Aktuell sind mal wieder Nierenzapfen angesagt und die haben nur so viel mit Innereien zu tun, dass es namentlich und zuordnungstechnisch einen Zusammenhang gibt. Der gesch├Ątzte Kollege Bert Gamerschlag vom stern erinnerte mich mit einem k├╝rzlich ver├Âffentlichten Beitrag an dieses besondere St├╝ck, das man auch als Kronfleisch oder Onglet kennt und an dem ich mich erstmals in meiner fr├╝hen “franz├Âsischen Phase” versuchte, irgendwann in den 1990ern. Vorgestern hatte ich es mal wieder zubereitet. Vorausgegangen waren zwei Wochen Wartezeit. So lange dauerte es, bis der Metzger meines Vertrauens wieder schlachtete und dieses besondere, am Zwerchfell sitzende St├╝ck Muskelfleisch f├╝r mich herausschneiden konnte. Was Nierenzapfen so au├čergew├Âhnlich macht ist ihre von feinen Fettadern durchzogene Maserung. Anders als bei R├╝ckensteaks verl├Ąuft der Muskel des Nierenzapfens quer zur Mittelsehne. Diese Mittelsehne stellt auch den anspruchsvollsten Teil der Zubereitung dar, bei der es darauf ankommt, das Fleisch vor dem Garen mit m├Âglichst wenig Verschnitt von der Sehne zu befreien. Wer Fleisch mit besonderem Eigengeschmack sucht, sollte Nierenzapfen unbedingt probieren. Am besten gelingt er Sous-vide bei Niedrigtemperatur (ca. 70┬░ C.) zubereitet und abschlie├čend kurz und scharf angebraten.

Weitere au├čergew├Âhnliche Fleischst├╝cke vom Rind:
Das Fledermausst├╝ck (auch Schablatti oder Spider, wegen der Spinnennetz ├Ąhnlichen Marmorierung) ist ein besonderer Schnitt aus dem Hinterschinken.
Als Metzgerst├╝ck oder Petite Tender firmiert ein Teil aus der hinteren Schulter, das so hei├čt, weil es die Schlachter angeblich gerne f├╝r sich selbst beiseite legen.
Das Gro├če Bavette in Frankreich bekannt als Bavette d`Aloyau ist ein saftiges St├╝ck mit deutlicher Marmorierung aus der Flanke.
Aus der Unterschale geschnitten wird das Rosenst├╝ck. Diese bindegewebsreiche Fleisch aus der Keule (umgibt die Achillessehne) eignet es sich f├╝r langes Garen bei Niedrigtemperatur, am besten Sous-vide.

So, und nun viel Vergn├╝gen und gute Nerven bei der Bestellung.

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26. November 2018

Die zehn gr├Â├čten aktuellen Ern├Ąhrungsmythen.

Experten immer wieder im Streit: Ist Kaffee nun B├Âsewicht oder Wohlt├Ąter?

Ich liebe Bestenlisten. Wage mich aber viel zu selten an selbst erstellte heran. Was dem Absolutheitsanspruch geschuldet ist, der solchen Listen innewohnt. M├Âchte ich doch nicht als Ern├Ąhrungspapst wahrgenommen werden, der alles besser weiss und den Menschen mit Geboten kommt. Echt nicht.

Warum ich nun doch wieder eine Liste mache, hat mit meiner Durchsicht alter Beitr├Ąge zu tun, die ich in den letzten zw├Âlf Jahren an dieser Stelle verfasst habe. Immer mal wieder ging es um neue Erkenntnisse der Wissenschaft, aber in der Masse gehen viele dieser Informationen unter. Nat├╝rlich ist diese Liste der zehn gr├Â├čten Ern├Ąhrungsmythen von mir h├Âchst subjektiv zusammengestellt und gewichtet worden. Getreu einer alten Werbung f├╝r Kreditkarten: “Die Freiheit nehm’ ich mir!” Die Links f├╝hren zu Beitr├Ągen des kompottsurfers, die das Thema streifen. Los geht’s.

1.┬á Immer wieder lesen wir von Superfood. Von gesundem Obst und Gem├╝se, von gesunden Wurzeln und Kr├Ąutern. Dabei gibt es keine gesunden Lebensmittel, es gibt nur gesunde Ern├Ąhrung. Einzelne Lebensmittel verteufeln oder glorifizieren ist Unsinn.

2. Der frischeste Fisch ist qualitativ der beste? Falsch. Erst nach einem Tag Lagerung ist das f├╝r den Wohlgeschmack des Fischs bedeutende Glutamat gereift.

3. Kaffee ist ungesund. Alle Jahre wieder ger├Ąt unser liebstes Hei├čgetr├Ąnk in die Kritik. Zum Beispiel, weil es den K├Ârper entw├Ąssere und angeblich Acrylamid belastet sei. Zu Unrecht.

4. Vegane Ern├Ąhrungstrendsetter behaupten: Eisenhaltiges Gem├╝se k├Ânne einen durch Fleischverzicht entstehenden Eisenmangel ausgleichen. Sch├Ân w├Ąr’s, denn die Bioverf├╝gbarkeit ist nicht ann├Ąhernd so hoch wie bei Fleisch.

5. Cholesterinhaltige Lebensmittel wie Ei, Butter und Leber erh├Âhen den Cholesterinspiegel und sind deshalb schlecht f├╝r unsere Gesundheit, hei├čt es h├Ąufig. Mit den Tatsachen hat das wenig zu tun.

6. Low-Carb-Ern├Ąhrung macht gesund und schlank ÔÇô eine Behauptung die nicht zu verallgemeinern ist. Wichtiger ist das Verh├Ąltnis von verbrauchter und zugef├╝hrter Energie. Auch das individuelle Stoffwechselverhalten spielt beim Abnehmen eine Rolle. Dazu kommt, dass ein Mangel an Kohlenhydraten unser Sozialverhalten negativ beeinflussen kann.

7. Rotwein passt nicht zu Fisch. Die M├Ąr h├Ąlt sich hartn├Ąckig, obwohl sogar in Spitzenrestaurants l├Ąngst das Gegenteil praktiziert und Rotwein zu Fisch serviert wird. Auch eine Untersuchung aus der Schweiz konnte die Entwicklung nicht aufhalten. Und das Gegenteil beweisen schon gar nicht.

8. Frisches Gem├╝se enth├Ąlt mehr Vitamin als Tiefk├╝hlgem├╝se. Stimmt nur in Ausnahmef├Ąllen. Sobald das frische Gem├╝se f├╝r wenige Tage im K├╝hlschrank liegt, sinkt der Vitamingehalt rapide. Beim TK-Gem├╝se bleibt er lange auf hohem Niveau.

9. Das Datum auf Lebensmittelverpackungen steht f├╝r den Verfallstermin des Inhalts. Obwohl so ziemlich jeder Verbraucher schon mal das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) geh├Ârt oder gelesen hat, landen Lebensmittel nach Ablauf des MHDs sehr oft im M├╝lleimer, einer der Hauptgr├╝nde f├╝r die Wegwerferitis in Deutschland. Dabei bedeutet Mindesthaltbarkeit ÔÇô man ahnt es irgendwie schon ÔÇô MINDESThaltbarkeit
.
10. Wein auf Bier, das rat’ ich dir. Passend zu den anstehenden Weihnachtsfeiern in Betrieb und Verein muss gesagt werden: Ist genauso falsch wie die Warnung “Bier auf Wein, das lass’ sein.” Aber so gerne wir mal ein oder zwei Glas Wein oder Bier trinken ÔÇô schon geringe Mengen wirken sch├Ądlich. Leider.

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16. November 2018

Weniger M├╝ll beim Lebensmittelkauf ÔÇô Handelskette testet erfolgreich Multifrischenetz.

Der kompottsurfer hat das Thema M├╝llvermeidung bei Lebensmitteln schon mehrmals in den Blickpunkt ger├╝ckt. Egal, ob es um das Wegwerfen von Essen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder den gedankenlosen Verbrauch von Einwegkaffeebechern und Einkaufst├╝ten geht ÔÇô jeder Verbraucher kann selbst zur M├╝llvermeidung beitragen, und daran kann nicht oft genug erinnert werden. Immerhin, die Trendwende ist geschafft. Nach Auskunft des Bundesumweltministeriums wurden 2017 in Deutschland 2,4 Milliarden Tragetaschen aus Plastik in Umlauf gebracht, ein R├╝ckgang von 1,3 Milliarden im Vergleich zu 2016. Umgerechnet auf die 69,25 Mio. Erwachsenen in Deutschland sieht das Problem mit rund 35 Tragetaschen pro Person und Jahr sogar einigerma├čen harmlos aus. Gleichwohl ist dieses ├ťberbleibsel immer noch eine unglaubliche Menge. Nebeneinander gelegt entspricht die damit abgedeckte Fl├Ąche 67.226 Fu├čballfelder, wenn der kompottsurfer richtig gerechnet hat. Bei einer Anzahl von rund 27.000 Fu├čballvereinen in Deutschland d├╝rfte die Menge j├Ąhrlich verbrauchter Plastikt├╝ten also nahezu jeden Fu├čballplatz hierzulande einmal im Jahr verh├╝llen k├Ânnen.

Nun geht es bei den genannten Zahlen aber um Tragetaschen und nicht um die d├╝nnen, transparenten T├╝ten, wie sie etwa f├╝r Obst, Gem├╝se, Wurst und K├Ąse genutzt werden. An dieser Front tut sich noch herzlich wenig. Warum? Gehen Sie mal mit ihrer Tupperdose an die K├Ąse- oder Wursttheke im Supermarkt und bitten darum, ihren Einkauf dort reinzupacken. Man wird Ihnen was husten und in den meisten F├Ąllen mit den gesetzlichen Hygienevorschriften kommen. Nun pirscht sich die Handelskette REWE an das Problem heran. Zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), der das K├Âlner Unternehmen seit 2009 in einer strategischen Partnerschaft verbunden ist, will man mit dem sogenannten Mehrwegfrischenetz ein Angebot zum t├╝tenfreien Obst- und Gem├╝sekauf machen. Zugegeben, der Name f├╝r dieses Ding ist reichlich sperrig. aber es sieht so aus als verfinge die Idee beim Verbraucher (die Testphase lief erfolgreich) und k├Ânnte zum Beispiel auch den Weg f├╝r Mett & more im Multifrischepack bereiten.

Es ist ├╝brigens nicht nur der M├╝ll, der Plastikt├╝ten so vermeidungsw├╝rdig macht. Auch der Umstand, dass die Herstellung einer 20 g schweren Plastikt├╝te 40┬ág Erd├Âl ben├Âtigt ist reichlich unerfreulich f├╝r die Umwelt. Und wenn man jetzt noch die durchschnittlich 25 min├╝tige Nutzungszeit im Leben einer Plastikt├╝te als Einkaufstasche bedenkt, wie es vom Umweltmagazin Robin Wood recherchiert wurde, dann sollten wir nicht taschenlos zusehen wie unsere Eink├Ąufe an der Supermarktkasse ├╝bers Band ruckeln und wir uns fragen m├╝ssen: Verdammte Axt, wohin mit dem ganzen Zeug? Und uns dann doch wieder b├╝cken m├╝ssen f├╝r diese Plastikdinger.

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08. November 2018

Au Backe: Wenn dir dein Essen auf den Zahn f├╝hlt.

Ja, ich wei├č, unangenehmes Thema. Aber frei nach dem Motto Geteiltes Leid ist halbes Leid, dachte ich mir: Da m├╝ssen meine Leser durch, jetzt, wo mir die Zahnklinik f├╝r eine Weile Ern├Ąhrungsvorschriften gemacht hat. Au├čerdem trifft es jeden mal. Irgendwann. Im Grunde geht es um zwei Dinge: 1. Was darf ich nicht essen oder trinken? 2. Was sollte ich wie essen und trinken? Ja, die Frage nach dem Wie ist nicht zu untersch├Ątzen.

Aber fangen wir vorne an. Was darf man nicht essen? Kuhmilchprodukte, so hei├čt es in vielen Ratgebern, seien heikel. Einerseits weil sie die Wirkung von Antbiotika herabsetzten und andererseits, weil sie Entz├╝ndungsprozesse f├Ârderten. Nun ist weder das eine noch das andere so unwidersprochen hinzunehmen. Nicht jedes Antibiotika scheint von der Wirkungshemmung betroffen. Und ob Kuhmilch tats├Ąchlich Entz├╝ndungsprozesse f├Ârdert, dar├╝ber streiten sich die Gelehrten ebenfalls. Der Kieferchirurg sagt, die Milchs├Ąurebakterien k├Ânnten ÔÇô zum Beispiel nach einer Zahn-OP ÔÇô in die Wunde eindringen und eine Entz├╝ndung ausl├Âsen. Ein paar Minuten vorher hatte er mir auf meine allgemeine Nachfrage zur Sterilit├Ąt von Operationsbesteck geantwortet, der Mund sei der Bereich des K├Ârpers, der am besten mit Bakterien klar k├Ąme, weil er sich andauernd damit herumschlagen m├╝sse. Ja, was denn nun?┬á Ratzfatz ist man bei einem Grundproblem angekommen, das oft auftritt, wenn es um Gesundheit und Ern├Ąhrung geht. Was ist richtig? Was sollten wir tun? Nun, im Grunde ist es einfach: Hirn einschalten, selbst nachdenken und selbst entscheiden. Ich habe mich entschieden auf Milch und K├Ąse zu verzichten, solange ich Antibiotika einnehme und in meinem Mund ein Wundheilungsprozess im Gang ist. Schaden wird mir das sicher nicht. Und ich steigere nebenbei die Vorfreude auf den n├Ąchsten Cappuccino.

Generell sind Milchprodukte kein kritisches Nahrungsmittel f├╝r unsere Z├Ąhne. Im Gegenteil. Sie enthalten oft viel Kalzium, ein Mineral, das f├╝r den Aufbau von sch├╝tzendem Zahnschmelz von Bedeutung ist.┬á Joghurt kann au├čerdem Fruchts├Ąuren neutralisieren. Wegen dieser Fruchts├Ąuren, und weil ich Joghurt als Puffer nicht einsetzen kann, verzichte ich besser komplett auf Obst und Fruchts├Ąfte, solange meine Z├Ąhne akuten Stress machen oder sich von einer Behandlung erholen m├╝ssen. Danach steht garantiert wieder M├╝sli mit frischem Obst und Joghurt auf meinem Fr├╝hst├╝ckstisch, denn im Grunde ist diese Kombination ideal, um Vitamine, Mineralstoffe und Proteine ohne Gefahr f├╝r Leib und Z├Ąhne in unseren K├Ârper zu schaffen.

Wein, Bier oder gar Hochprozentiges sollte auch gemieden werden. Kein Scherz. Ja, ich h├Âr’ meine Leser schon kichern und Alkohol desinfiziert vor sich hin brabbeln. Aber Desinfektion ist in diesem Fall von sehr untergeordneter Bedeutung, denn Alkohol erweitert die Blutgef├Ą├če, senkt die Blutgerinnung, regt die Durchblutung an ÔÇô und, simsalabim, setzen Nachblutungen ein. Will man nicht haben, sowas.

Kommen wir zur zweiten Frage: Was sollte ich wie essen und trinken? Kurze Antwort: alles was schmeckt. Kleine Einschr├Ąnkung: Solange es p├╝riert und weder zu kalt, noch zu hei├č, zu scharf und zu s├Ąurelastig ist. Denn jede Art von Reizung behindert den Heilungsprozess. Und so hab’ ich mir schon eine Liste der Gerichte zusammengestellt, die ich in den n├Ąchsten Tagen kochen werde. Da w├Ąre allen voran eine K├╝rbissuppe, asiatisch gew├╝rzt mit Kokosmilch (genau, die ist erlaubt, weil nicht von der Kuh sondern vom Kokos gemolken), Ingwer und Curry. Aber ausnahmsweise nicht so scharf, wie ├╝blich zubereitet, weil das die Wunde reizen k├Ânnte. N├Ąchster Tag: Risotto mit roten Schmorzwiebeln (wie hier in einem kompottsurfer-Rezept, nur ohne Mandelstifte). Und dann mit dem Mut zum ersten weichen Biss: Frikadellen mit Kartoffelp├╝ree und Mangold.

So, und jetzt leg’ ich mir wieder brav den Eisbeutel auf die geschundene Backe.

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29. Oktober 2018

Wenn der Kaffeebecher deinen Konsum kontrolliert und das wahrscheinlich erst der Anfang ist.

Eine Meldung des IT-Nachrichtenportals Heise br├╝hte eine alte Sorge in mir auf, bei der es um mein, ach was, um unser aller Ern├Ąhrungs- und Bewegungsverhalten geht, kontrolliert durch diverse Apps. Als Apple vor zwei Jahren f├╝r viel Geld das Start Up Gliimpse kaufte, wurde mir zum ersten Mal mulmig. Gliimpse gilt als Spezialist┬áf├╝r das Sammeln von Gesundheitsdaten zur Erstellung elektronischer Krankenakten. Meinem iPhone kann ich schon lange pers├Ânliche Gesundheitsdaten anvertrauen, die in einer Health-App gespeichert werden. Gliimpse d├╝rfte die M├Âglichkeiten der App deutlich erweitert haben. Und nun das: Die ersten app-kompatiblen Endger├Ąte sind auf dem Markt. Wie hier zu lesen ist, steuert das Ember Temperature Control Travel Mug bald nicht mehr nur die ideale Trinktemperatur meines Kaffees, sondern schickt meine Verzehrmengen direkt weiter an eine Health App in meinem iPhone. ÔÇĘÔÇĘW├Ąhrend man die gierigen kleinen App-Monster bisher mit selbst eingepflegten Daten f├╝ttern musste, bricht nun das Zeitalter der semi-autonomen Becher, Tassen und wohl bald schon Gabeln und L├Âffel an, die alles messen, wiegen, auswerten k├Ânnen, was ich in mich hinein futtere und gluckere. Kalorien, Proteine, Kohlenhydrate, Alkohole, Vitamine, Fette, gute wie schlechte.

Es gibt nun wahrlich Apps und Ger├Ątschaften mit Kontrollfunktion, die sinnig sind, hilfreich und gut, zum Beispiel, wenn es um Energieeinsparung geht. Weniger Strom- und Gasverbrauch im Haushalt, weniger Spritverbrauch im Stra├čenverkehr, weniger sch├Ądliche Emissionen, n├╝tzliche Projekte eben. Aber muss ich deshalb zum Vollkontrollpfosten in Sachen Ern├Ąhrung werden? Kann gut sein, dass ich ein paar verschw├Ârungstheoretisch verseuchte Hollywood-Filme zu viel gesehen habe ÔÇô aber was mag wohl eines Tages dabei herauskommen, wenn ich im Haushalt umgeben bin von technischen Ermittlern eines Ern├Ąhrungsgeheimdienstes?

Vision Anfang. Es ist Tag X im Jahre 2023. Gerade habe ich meinen Einkauf im Supermarkt beendet und hieve die erlegte Ware aufs Transportband. Mein Handy wird von einem Scanner erfasst, der wenig sp├Ąter auch die Strichcodes meiner Eink├Ąufe ausliest. Immer wieder blinkt es rot, gelb und gr├╝n, wenn ein Teil am Scanner vorbeizieht. Am Ende des Transportbands finde ich die gr├╝n und gelb ausgelesene Ware in Entnahmef├Ąchern. Die gr├╝ne Ware kann ich sofort entnehmen. Will ich die gelbe Ware haben, muss ich erst einen Haftungsausschluss f├╝r eventuelle gesundheitliche Sch├Ąden unterschreiben, die der Konsum f├╝r mich ganz pers├Ânlich haben k├Ânnte. Meine Krankenkasse w├╝rde die Kosten dann nicht ├╝bernehmen, da mein g├╝nstiger Prepaid Basic Life Tarif das nicht abdeckt. Die rote Ware ├╝brigens wird ├╝ber die ÔÇ×GiftspurÔÇť genannte Transportbahn gleich zur├╝ck ins Lager geschickt. Hinweis: ÔÇ×Sorry, Herr Kompottsurfer, Sie hatten diese Woche schon zu viele Erdn├╝sse.ÔÇť

Spinnen wir den Gedanken weiter. Meine Health App wei├č nat├╝rlich genau, was gut f├╝r mich ist, kennt meine Cholesterinwerte, wei├č, wie viel ich mich bewegt habe in dieser Woche und welche genetische Disposition ich mit mir herumtrage, weil ich der App das mal in einer stillen Stunde ganz im Vertrauen verraten habe. Okay, ich will ehrlich sein, es gab eine 1-Bitcoin-Gutschrift als Bonus, wenn ich die Daten auf der Gesundheitskarte meiner Krankenkasse eingebe und freischalten lasse. Vision Ende.

Ich stelle immer wieder mit Erschrecken fest, welchen Reiz diverse technische Spielereien und Spielzeuge auf mich aus├╝ben. Wie gerne ich mir Auswertungen in meiner Garmin Connect App ansehe. Wie viele Kilometer bin ich diese Woche, diesen Monat, diese Jahr schon gejoggt? Wie viele H├Âhenmeter waren dabei? Wie viele Kilometer auf dem Rad und wie viele Stunden Muckibude kamen zusammen? Und dann sind da noch die zur├╝ckgelegten Schritte, die gestiegenen Treppenstufen im Alltag. Will ich auch wissen. Wir gehen, wie ich finde, oft allzu sorglos mit unseren Daten um. Mit dem, was wir sozialen Netzwerken und Clouds anvertrauen. Auch wenn ich das allermeiste auf privat geschaltet habe. St├Ąndig werden irgendwo auf der Welt Datenbanken gehackt, und die Infos gelangen dann schnell in die H├Ąnde finsterer Gesellen, die ├╝ble Dinge damit anstellen k├Ânnen. Und schon ist gar nichts mehr privat. Aktuell steht zum Beispiel die Vivy-App in der Kritik, wie unter anderem durch MDR und andere Medien verbreitet wurde.

Ich schreibe das alles, weil wir in Sachen Ern├Ąhrung noch nicht so weit sind wie in meiner orwellschen Vorstellung ausgemalt. Und weil wir es auch nicht so weit kommen lassen sollten. Wir haben das selbst in der Hand. Noch. Wenn wir es schaffen, digitalen Verf├╝hrungen ebensowenig zu erliegen, wie ungez├╝geltem Konsum diverser Nahrungsmittel, w├Ąre viel gewonnen. Das ├╝berlebenswichtige Urbed├╝rfnis des Menschen nach Essen und Trinken sollte uns ein H├Âchstma├č Analogit├Ąt wert sein. Das wunderbar krachende Knusperger├Ąusch beim Biss in eine handvolle Kartoffelchips, der Duft eines frisch gebr├╝hten Espressos, der Geschmack eines reifen Bordeaux-Weines ÔÇô alles das m├Âchte ich mir nicht von einem selbst gew├Ąhlten digitalen Kontrollettisystem verleiden lassen, dass mich mahnt, derart ungesundes Zeug besser nicht zu konsumieren. Da passe ich doch lieber selbst auf mich auf.

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18. Oktober 2018

Die M├Ąr vom unschlagbar g├╝nstigen Discounter-Wein und die Besonderheit des rewirpower-Weintests.

Der 16. rewirpower-Weintest ist ein paar Wochen vorbei, die Probierpakete mit den Siegern sind zusammengestellt (hier kann man ordern), und wie jedes Jahr werde ich von unterschiedlichen Leuten gefragt, ob denn die Fachh├Ąndler mit ihrer Weinauswahl ÔÇô gleiches Qualit├Ątsniveau vorausgesetzt ÔÇô nicht deutlich teurer seien als die Discounter, deren Angebote in den letzten Jahren, das ist unbestritten, besser und besser geworden sind.

Ich hole dann gerne etwas aus, wie das so meine Art ist. Und verweise auf meine Ursprungsidee zum rewirpower-Weintest. Es beginnt damit, zu erkl├Ąren, dass wir aus einem schier unersch├Âpflichen Reservoir Roter und Wei├čer die ganz besonderen Tropfen herauspicken wollen. Weine aus einem f├╝r viele Konsumenten erschwinglichen Preissegment, die aktuell besonders hohen Trinkgenuss bieten. Die Vorauswahl treffen Fachh├Ąndler aus der Region. Sie suchen aus ihrem Angebot Weine unter 8 Euro Verkaufspreis heraus, denen sie gute Chancen einr├Ąumen, unsere kritische Expertenjury zu ├╝berzeugen. Seit 15 Jahren stellen wir die besten drei Roten und Wei├čen zu einem Probierpaket zusammen, das online bestellt, aber nur vor Ort beim beteiligten Fachh├Ąndler abgeholt werden kann. Warum das so ist, hat mit der Ursprungsidee zu tun. N├Ąmlich, es auch Einsteigern leichter zu machen, Weine nach ihrem Geschmack zu finden, was mit dem Probierpaket schon recht gut funktioniert. Langfristig betrachtet aber noch besser ist, wenn man seine Weine eben nicht haupts├Ąchlich im Supermarkt sondern beim regional ans├Ąssigen Fachh├Ąndler kauft. Wo probiert werden kann und kundig beraten wird. Diesen Weg zu ebnen, auch daf├╝r ist der rewirpower-Weintest gedacht. Die Idee mit den Probierpaketen haben l├Ąngst auch gro├če Zeitungen und Magazine ├╝bernommen. Vollkommen uneitel k├Ânnten wir sagen: Oft kopiert, nie erreicht.

Als wir die Idee 2003 in die Tat umsetzen, war das Ganze noch ein Projekt mit ungewissem Ausgang. Und eine gro├če Herausforderung. Nicht zuletzt organisatorisch. Man bringe die Weine von sechs Fachh├Ąndlern aus dem Ruhrgebiet und Umgebung in eine Kiste und stelle sicher, dass auch an jedem Abholort die n├Âtige Anzahl Vorbestellungen abrufbereit ist. Was bis heute tats├Ąchlich unerreicht ist bleibt der Umstand, dass da ein Expertenteam Jahr f├╝r Jahr vorausgew├Ąhlte Fachh├Ąndlerweine in einer Blindverkostung auf ihren Genusswert pr├╝ft und aus den besten davon eine Probierkiste zusammenstellt. Da spielt eben nur gepr├╝fte Qualit├Ąt eine Rolle und keine Verkaufsstrategie, irgendwelche ├╝bersch├╝ssigen Best├Ąnde unterzubringen.

Nun steht aber immer noch die Frage im Raum, ob Weine beim Discounter grunds├Ątzlich g├╝nstiger zu haben sind als beim Fachh├Ąndler. Ganz unabh├Ąngig vom Umstand, dass man bei Letzterem probieren kann. K├╝rzlich machte ich ÔÇô und das zum wiederholten Mal ÔÇô die Erfahrung, dass der gleiche Wein beim Fachh├Ąndler g├╝nstiger ist als beim Discounter. Namen tun nichts zur Sache. Aber es ging um die Liebfraumilch des Pf├Ąlzer Weinguts Hammel. Eine rests├╝├č ausgebaute Wei├čweincuv├ęe aus 2017, die beim Fachh├Ąndler 5,95 Euro kostete und bei einem namhaften Discounter zeitgleich f├╝r 6,99 Euro im Regal stand. Das sind stattliche 17% mehr.

Und die Moral von der Geschicht? Unschlagbar g├╝nstig ist das nicht.

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10. Oktober 2018

Klimavertr├Ąglich essen und trinken, wie geht das?

Am Montag wurde die Menschheit mit Nachdruck an die dramatische Lage in Sachen Erderw├Ąrmung erinnert. Der Weltklimarat (IPCC) stellte einen Sonderbericht vor, dessen wichtigste Botschaft lautet: Es sind beispiellose Ver├Ąnderungen n├Âtig bei Stromerzeugung und Mobilit├Ąt, in der Landwirtschaft und Industrieproduktion und bei urbaner Infrastruktur, um die rettende Erderw├Ąrmungsgrenze von +1,5┬░ C. (gemessen an den Durchschnittstemperaturen der vorindustriellen Zeit) nicht zu ├╝berschreiten. Wer jetzt denkt, der Einzelne kann ohnehin nichts machen, weil das eigene bisschen Umdenken sowieso nichts nutze und deshalb alle Verantwortung auf politische Entscheider abw├Ąlzt, liegt falsch. V├Âllig falsch. Wer gar den Zusammenhang zwischen Klimawandel und menschlichem Zutun negiert, ben├Âtigt eine Gef├Ąhrderansprache. Finde ich.

Von ├╝ber 10.000 Studien zum Thema Klimawandel, die seit Beginn der 1990er Jahre abgeschlossen wurden, best├Ątigen 97% den Einfluss von CO2-Aussto├č auf die zunehmende Erderw├Ąrmung. Und das Konsumverhalten der Menschen hat entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung. Man denkt nat├╝rlich sogleich an Autoverkehr, Flugreisen, Wohnen, Heizen. Aber Ern├Ąhrung ist ebenso ein Schl├╝sselthema, wenn es um die Reduzierung von klimasch├Ądlichen Emissionen geht. Ein ├Âkologischer Fu├čabdrucktest der Initiative Brot f├╝r die Welt (Link ├╝ber das Bild) widmet dem Aspekt deshalb eine eigene Rubrik. Wobei es viele weitere Ern├Ąhrungskomponenten gibt, die der Fragenkatalog nicht erfasst. Aber es ist eine gute erste Orientierung, mit welchen Quadratlatschen man als Konsument durchs Klimabeet stapft. Ich hab’s mal ausprobiert und kam dabei ziemlich gut weg (s. Bild). Selbstkritisch muss ich allerdings sagen, dass einige Aspekte unbefragt blieben, bei denen ich eher nur so mittel abschneiden w├╝rde.

Das Bundesministerium f├╝r Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit (BMU) hat vor drei Jahren das Nationale Programm f├╝r nachhaltigen Konsum (NPNK) entwickelt, das 2016 von der alten Bundesregierung beschlossen wurde. Darin enthalten ist auch ein Kapitel zur Ern├Ąhrung. Ich m├Âchte mich an dieser Stelle nicht mit der Fragestellung aufhalten, durch welche Ma├čnahmen die Ziele und Vorgaben erreicht werden k├Ânnen. Das ist mir zu viel Politik an dieser Stelle und f├╝hrt zu weit vom Essen weg. Deshalb hier nur in aller K├╝rze einige Eckpunkte des Ern├Ąhrungskapitels im NPNK, wer will, kann es dort gerne genauer nachlesen:

1..Wertsch├Ątzung von Lebensmitteln ÔÇô Initiative ÔÇ×Zu gut f├╝r die TonneÔÇť
2. F├Ârderung der ├Âkologischen Lebensmittelwirtschaft in Deutschland
3. Bundesprogramm ├ľkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B├ľLN)
4. Eiwei├čpflanzenstrategie
5. Forum Nachhaltiges Palm├Âl
6. Forum Nachhaltiger Kakao

Was ich an klimaschonender Ern├Ąhrung wirklich gro├čartig finde: Sie bietet eine sehr gro├če Schnittmenge mit gesundem und genussvollem Essen. Ich habe mal ein paar Verhaltensempfehlungen zusammengefasst, deren Einhaltung jeden Verbraucher zu einem Besseresser macht.
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02. Oktober 2018

K├╝rbistortillla zum Start in den Herbst

Wir wissen, es gibt einen meteorologischen Herbstanfang, einen botanischen und einen kalenderischen. Nur der Begriff des kulinarischen Herbstanfangs wurde noch nicht gepr├Ągt. Was im ├╝brigen auch f├╝r den kulinarischen Fr├╝hlings-, Sommer- und Winteranfang gilt. F├╝r jede Jahreszeit gibt es Gem├╝se oder Obst, das uns den Wechsel schmackhaft machen kann, vorausgesetzt wir haben eine Antenne f├╝r sowas. Der kompottsurfer hat eine.

Wenn es allerdings um den kulinarischen Herbstanfang geht, das muss ich zugeben, z├Âgere ich dessen Einl├Ąutung so weit wie m├Âglich hinaus. In diesem Jahr war das genauso. Vielleicht, weil ich mir einbilden m├Âchte, es sei irgendwie noch Sommer.

Heute gab es nun kein zur├╝ck mehr. Weil mir am Donnerstag im Bioladen perfekt bema├čte Hokkaidos zuraunten: ÔÇ×Los, kauf mich! Ist l├Ąngst Herbst, du Ignorant!ÔÇť ┬ámachte ich heute eine K├╝rbistortilla. Und die geht so:

Zutaten: 1 Hokkaido-K├╝rbis (ca. 1 kg), 10 Bio-Eier, 4 mittelgro├če rote Zwiebeln, 100 ml frische Vollmilch, 150 g durchwachsenen Speck( gew├╝rfelt), 125 g frisch geriebener Gruy├Ęre, 125 ml Tomatensugo,┬á 1 TL gem├Ârserte Macisbl├╝te (ersatzweise etwas gericbene Muskatnuss, 3 EL Balsamico, Salz , Schwarzer Pfeffer aus der M├╝hle, Oliven├Âl, Butterschmalz, Zitronensaft.

Zubereitung: Backofen auf 150┬░ C.┬á vorheizen. Zwiebeln pellen, vierteln und den Strunk entfernen. Bei mittlerer Hitze auf dem Herd zugedeckt in etwas Oliven├Âl anbraten, Balsamico angie├čen und ca. 30 Minuten schmoren. Darauf achten, dass die Zwiebeln beim Anbraten angebr├Ąunt aber nicht angeschw├Ąrzt werden. Ist eine Gratwanderung, bei der es darum geht, R├Âstaromen ohne Bitternote zu erhalten. In der Zwischenzeit K├╝rbis gr├╝ndlich abwaschen, abtrocknen und schorfige Stellen der Schale entfernen. Halbieren und Kerngeh├Ąuse mit einem L├Âffel entnehmen, darunter liegenden Geh├Ąuseschmodder auskratzen. K├╝rbis zuerst in sichelmondige Scheiben schneiden, diese anschlie├čend grob w├╝rfeln (ca. 3-4 cm Kantenl├Ąnge). Nicht verzweifeln, wenn die Kanten ungleichm├Ą├čig werden. Misst keiner nach, das Machwerk. K├╝rbisw├╝rfel mit Butterschmalz in einer gro├čen Pfanne wie Bratkartoffeln zubereiten. Anschlie├čend mit Salz, Pfeffer und ein paar Spritzern Zitronensaft w├╝rzen.

W├Ąhrend der Bratzeit des K├╝rbis’ den gew├╝rfelten Speck in ausgelassener Speckschwarte anbraten. Eier und Milch zu einer homogenen Masse verr├╝hren und mit einem gestrichenen TL Salz und Macisbl├╝te oder Muskatnuss w├╝rzen. Alle Zutaten, inklusive K├Ąse und Tomatensugo, schichtweise in eine mit Butterschmalz ausgestrichene Auflaufform geben und ca. 30 Minuten im Ofen garen bis die Eimasse komplett gestockt und die Tortilla fest geworden ist. Herausnehmen und mit einigen Minuten Abstand servieren, weil die K├╝rbesst├╝ckchen sehr gut Hitze speichern k├Ânnen. Dazu am besten einen Feldsalat mit einem Dressing aus K├╝rbiskern├Âl servieren. Als Wein passt zum Beispiel der 2017 er Gew├╝rztraminer D├╝rkheimer Nonnengarten aus dem Probierpaket unseres aktuellen rewirpower-Weintests.

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24. September 2018

16. rewirpower-Weintest: So findet man die besten Tropfen unter 8 Euro.

Weine verkosten ist Arbeit. Auch wenn das niemand glauben mag, der nicht selbst schon vor einer langen Reihe neutral verpackter Flaschen gestanden, und deren Inhalt, Buddel f├╝r Buddel, kritisch schmeckend ├╝ber die Zunge hat gleiten lassen, um schlie├člich aus jedem Schluck einen Spuck zu machen und ein Maul voll Wein in einen K├╝bel zu speien. Andererseits: Dem kompottsurfer kam zu Ohren, dass es sogar noch h├Ąrtere Arbeit geben soll. Schwer zu glauben, aber auszuschlie├čen ist das nat├╝rlich nicht. Also wollen wir mal nicht meckern, wir Tester.

Wie auch immer, die Arbeit f├╝r heute ist getan. Drei├čig Fachh├Ąndler aus dem Ruhrgebiet und Ungebung hatten ihre besten Rot- und Wei├čweine unter 8 Euro f├╝r den Wettbewerb angemeldet, bei dem es jeweils nur drei aufs Podest schaffen konnten. Beim Wei├čwein kamen Zweidrittel der eingereichten Flaschen von Winzern aus Deutschland, bei den Roten war die Verteilung zwischen Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich nahezu ausgeglichen, dazu gesellten sich, unter anderem, Kreszenzen aus ├ľsterreich und Portugal.

Was uns am meisten erstaunte, war die Tatsache, dass es bei den Wei├čweinen weniger qualitative Ausrei├čer nach oben gab als in den Vorjahren. Ob es am geringen Ernteertrag des Jahrgangs 2017 lag, der haupts├Ąchlich eingereicht worden war, und der m├Âglicherweise auf das Qualit├Ątsniveau in der untersuchten Preiskategorie insgesamt durchgeschlagen ist, dar├╝ber k├Ânnen wir nur mutma├čen. Da aber auf den vorderen Pl├Ątzen trotzdem ├╝berzeugende Weine aus 2017 landeten, zeigt das: Der Jahrgang hat auch im Preissegment unter 8 Euro etwas zu bieten. Wobei ganz oben auf dem Podest ein Wein aus Spanien steht.

Bei den Rotweinen gab es in diesem Jahr weniger Ausrei├čer nach unten als in den Vorjahren, was uns nat├╝rlich gefreut hat. Auch abzulesen an den Bewertungen der Tester f├╝r die einzelnen Weine. Der Sieger bekam durchweg von allen Testern die h├Âchste Bewertung. Hinten raus, zwischen Platz 5 und 15, ging es deutlich enger zu. Das Rennen machten schlie├člich zwei Sp├Ątburgunder, weil es einfach die Rotweine mit dem aktuell h├Âchsten Trinkgenuss sind. Gefolgt von einer Cuv├ęe aus dem Roussilion.

Unsere Anspr├╝che sind hoch, das geben wir gerne zu. Und auch deshalb ist es Arbeit, aus einer Reihe Weine mit ├Ąhnlicher Charakteristik die Perlen herauszufischen. Manche Weine pr├Ąsentieren sich im Geruch reizvoll, verflachen aber am Gaumen v├Âllig. Andere wirken in der Nase verschlossen, entfalten sich dann aber ├╝ber den Gaumen. Wir suchen Weine, die von vorne bis hinten reizvoll sind. Wo Alkohol, S├Ąure und Fruchts├╝├če gut eingebunden sind, Typizit├Ąt und Charakter erkennbar werden. Weine, wo das Trinken einfach Spa├č macht. Die Korkfehler haben aufgrund der zunehmenden Schraubverschlussung der Weine in diesem Preissegment deutlich nachgelassen, kein Vergleich mehr zu den Anfangsjahren des rewirpower-Weintests, wo wir uns oft von mehr als einer handvoll Weine die Konterflaschen ziehen mussten.

Bedanken m├Âchte mich ausdr├╝cklich beim Gastgeber, Knut Hannappel, der sein Restaurant Hannappel in Essen-Horst als Probenort zur Verf├╝gung stellte (wo man ├╝brigens hervorragend tafeln kann), und nat├╝rlich bei meinem gesch├Ątzten Verkostungsteam, Christine D├Ârdelmann und Sabrina Koos, Markus Del Monego und Oliver Speh sowie Hannappel-K├╝chenchef Tobias Weyers.

Und nun, t├Ąt├Ą, die Ergebnisse (wer die Siegerweine im Probierpaket ordern m├Âchte, bitte hier entlang):

Rotweine

1. 2015er Sasbacher Rote Halde Sp├Ątburgunder, Sasbacher Winzerkeller eG
2. 2016er Landerer Sp├Ątburgunder, Weingut Landerer
3. 2015er Dona Baissas, Dona Baissas
4. 2017er Castillo de Monte La Reina Joven, Monte La Reina
5. 2014er Salice Salentino Anticaia, Cantina San Donaci
6. 2017er Les Courtines, Caves de Cruzy
7. 2015er Mascoloso Appassimento Rosso del Veneto, Mascoloso, Terre di Campo Sasso
7. 2015er Altos de la Hoya Jumilla D.O., Bodegas Olivares
9. 2017er Cantina Due Palme Sangaetano Primitivo di Manduria Apulien, Cantine Due Palme
10. 2016er Appassionante, Ca’del Sette SrL
10. 2015er La Legua Roble, Bod. La Legua

Wei├čweine

1. 2017er Falcata Blanco, Pago Casa Gran
2. 2017er Gew├╝rztraminer D├╝rkheimer Nonnengarten, Winzer EG Herrenberg-H. Bad D├╝rkheim
3. 2017er Lecker Weiss, Weingut Mack
4. 2017er UBY No. 1, Domaine Uby
5. 2017er Bischoffinger Wei├čer Burgunder BB, Winzergenossenschaft Bischofflingen
5. 2017er Hochd├Ârffer Wei├čburgunder Riesling trocken, Weingut Hochd├Ârffer
7. 2017er Scheurebe von Simon M├╝ller-Oswald, Simon M├╝ller-Oswald
8. 2017er Grauburgunder, Matthias Gaul
9. 2015er Falkenstein, D├╝rnberg Fine Wine GmbH
10. 2017er Le Rune Bianco di Custoza, Cantine Aldegheri

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