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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

12. November 2019

Panizzi: Wie aus dem untersch├Ątzten Vernaccia ein Spitzenwein wurde.

Angiolino Amato vom Weingut Panizzi

Es ist bereits einige Wochen her, da lernte ich den wunderbaren Angiolino Amato kennen. Angiolino ist Markenbotschafter des toskanischen Weinguts Panizzi und ein alter Freund des inzwischen verstorbenen Gr├╝nders Gianni Panizzi. Die von mir sehr gesch├Ątzte Sommeliere Christine D├Ârdelmann, Verkaufsleiterin bei Schlumberger, hatte mich zu einer Verkostung in die Essener Osteria da Pandi eingeladen, bei der es um die Weine von Panizzi gehen sollte. “Freu’ dich auf wirklich au├čergew├Âhnliche Vernaccia Weine,” sagte sie mir, und hinterlie├č damit ein kleines Fragezeichen in meinem Kopf. Vernaccia? Au├čergew├Âhnlich? Ich hatte schon mal davon geh├Ârt, dass es auch sehr guten Vernaccia geben soll, aber noch nie Gelegenheit gehabt, solchen probieren zu k├Ânnen. Bekannt ist die Rebsorte, die eigentlich Canaiolo Bianco hei├čt, n├Ąmlich eher f├╝r Allerweltsqualit├Ąten. Dass Vernaccia auch als Synonym f├╝r diverse italienische Weine mit beigef├╝gter Ortsbezeichnung benutzt wird, macht die Differenzierung f├╝r Unwissende noch schwerer. Aber ich wollte ja nun zu einem Wissenden werden.

Angiolino erwies sich jedenfalls als bestm├Âglicher Lotse f├╝r eine gef├╝hrte Vernaccia-Weinprobe. Kundig und kurzweilig erz├Ąhlte er von der Geschichte des Weinguts Panizzi, eingebettet in die Geschichte der toscanischen Weinbauregion, zu der die Ortschaft San Gimignano geh├Ârt, wo Panizzi zuhause ist. Gianni Panizzi kaufte das Weingut 1979, arbeitet mit einem namhaften Oenologen zusammen, der ihn beriet und erntete zehn Jahre sp├Ąter den ersten Wein. Immer mit dem Anspruch, das beste aus dem heimischen Vernaccia herauszuholen. Das gelang recht schnell. Schon in der 2001er Ausgabe des Gambero Rosso, ma├čgeblicher Wine Guide f├╝r Tropfen aus Italien,┬á erhielt die 1998er Abf├╝llung die H├Âchstbewertung von 3 Gl├Ąsern. L├Ąngst hat das ganze Anbaugebiet von Panizzis Initiativen und Anstrengungen profitiert, darf es doch heute das h├Âchste offizielle Qualit├Ątsiegel f├╝r Weine aus Italien f├╝r sich beanspruchen: DOCG.

Meine besondere Begeisterung weckten der Vigna Santa Margherita und der Riserva, wobei auch Chianti und Rosato gro├čen Eindruck auf mich machten. Sie alle zeichnet individueller Charakter aus. Da langweilt keine international austauschbare Stilistik, sondern Mineralit├Ąt, Frucht, S├Ąure und Alkohol kulminieren zu finessenreichen Kreszenzen, die ein ums andere Mal zum Riechen, Schl├╝rfen und Trinken verf├╝hren. Wer gerne selbst probieren m├Âchte, kann bei einem Besuch in der Osteria da Pandi zur guten italienischen K├╝che einen Wein von Panizzi trinken. Und ein genussreicher Abend ist gesichert.

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05. November 2019

Diergardts K├╝hler Grund: Moderne Garniturenk├╝che, erlesene Weine ÔÇô welch’ ein Vergn├╝gen!

Wenn der Guide Michelin am 3. M├Ąrz 2020 die neu und wieder besternten H├Ąuser der Republik verk├╝ndet, wird das Hattinger Restaurant Diergardts K├╝hler Grund wahrscheinlich nicht dabei sein. Noch nicht. Denn wer sich bei Philipp Diergardt zu Tisch setzt, wird schnell feststellen, dass hier mit Herz, Verstand und Ambition gekocht wird. M├Âgen die Inspektoren des Guide vielleicht befremdlich finden, dass der 115 Jahre alte Familienbetrieb mit seinem Angebot auch den G├Ąsten entgegen kommt, die mit der Haute Cuisine fremdeln ÔÇô die Leistungen der K├╝che schm├Ąlert das nicht. So gibt es hier jeden Sonntagabend Schnitzelprogramm, und auch gastronomische Traditionen wie Spargelwochen und G├Ąnse-Essen werden gepflegt. Ein Haus dieser ├╝ppigen Gr├Â├čenordnung auch betriebswirtschaftlich verantwortungsvoll zu bespielen, ist eben eine besondere Herausforderung.

Wie auch immer ÔÇô anspruchsvolle Esser werden ihre Freude haben, wenn sie Philipp Diergardts regional grundierte K├╝che genie├čen d├╝rfen. Das Spannungsfeld seiner Gerichte liegt zwischen Gebratenem Schollenfilet Finkenwerder Art und Kalbskotelett mit Steinpilzrahm auf der einen sowie Burrata mit Tomatentee und eingelegtem Radicchio-Treviso-Salat auf der anderen Seite. Wobei es vor allem Diergardts Interpretationen der Klassischen Garniturenk├╝che sind, die G├Ąste wie mich in Versuchung bringen, die Speisekarte rauf und runter zu futtern. Wo gibt es das heute noch auf diesem Niveau? Wehm├╝tig erinnere ich mich an die Zeit zur├╝ck, als Berthold B├╝hler und Henri Bach in der Kettwiger R├ęsidence diese Art K├╝che wieder aufleben lie├čen und an einigen Tagen in der Woche einen Teil ihrer Zwei-Sterne-Gastronomie zum Restaurant P├╝ree umfunktioniert hatten. Nun also bei Diergardts. Mit besagter Scholle Finkenwerder Art, mit Kalbsleber Berliner Art und K├Ânigsberger Klopse.

Diergardt junior gestand mir in einem Interview mal freim├╝tig ein, dass er nach Abitur und Zivildienst mit Gastronomie nicht viel zu tun haben wollte. “Ich habe gesehen, wie wenig Freizeit meine Eltern durch die Arbeit hatten, und als Jugendlicher konnte ich mir so ein Leben f├╝r mich nicht vorstellen.” Da er zun├Ąchst nicht so recht wusste, ob, und wenn ja, was er studieren sollte, ├╝berbr├╝ckte er die Bedenkzeit mit einem Praktikum im Weingut Meyer-N├Ąkel. Werner N├Ąkel hatte er bei einer Veranstaltung im elterlichen Betrieb kennengelernt und sich nach diesem Abend zu einem Praktikum beim ihm entschieden. Er blieb ein halbes Jahr und lernte in dieser Zeit Hans Stefan Steinheuer kennen, vom Restaurant Alte Post, das nur wenige Kilometer vom Weingut entfernt lag: “Pl├Âtzlich fand ich den Gedanken ganz spannend, in einem Zwei-Sterne-Haus Kochen zu lernen. Aber ich war auch angefixt von den Gen├╝ssen, an denen ich an der Ahr in dieser Zeit teilhaben konnte. Die gro├čen Gew├Ąchse probieren, sogar mal einen Roman├ęe Conti. Dazu das Handwerkliche im Weingut, das Einmaischen, das Abf├╝llen ÔÇô es hat mich einfach gepackt.” Irgendwann fragte er nach einem Praktikum bei Steinheuer, und nach ein paar mal Probearbeiten klappte es sogar mit einem Ausbildungsplatz. Was ihm bei Steinheuer gefallen hat: “Es hat da nie nur die Haute Cuisine gegeben, sondern neben der Zweisternek├╝che liefen auch immer wieder die Schweinefiletspitzen f├╝r die Skatrunde oder K├Ąse-Champignon-Toasts f├╝r die Kegelbahn.” Kein Wunder also, dass er es selbst mit seiner kulinarischen Ausrichtung im eigenen Haus ├Ąhnlich h├Ąlt.

Philipp Diergardt hatte keinen Masterplan im Kopf, wie er sagt. Seine Entscheidungen “hatten auch immer was Spontanes.” Nach der Kochausbildung fragte ihn Werner N├Ąkel, ob er nicht noch bei ihm eine Winzerausbildung machen wolle. “Ich muss sagen, mich hat der Gedanke schon am├╝siert und fasziniert, der erste Winzer von Hattingen zu werden. Au├čerdem fandÔÇÖ ichÔÇÖs einfach cool, Winzer zu sein, gerade in einer Zeit, wo Weine aus Deutschland ihre gro├če Renaissance erlebten.” Und so folgte die Winzerausbildung auf die Kochlehre und schlie├člich noch die Sommelierschule in Koblenz sowie eine Station bei Nils Henkel in Bergisch-Gladbach. Und dann f├╝hrte ihn, der an der Ahr schon heimisch geworden war, der Weg doch eines Tages wieder zur├╝ck zu seinen Wurzeln und in den elterlichen Betrieb, wo er auch von den Erfahrungen des Vaters profitieren konnte und immer noch kann, der das Haus ├╝ber Jahrzehnte erfolgreich gef├╝hrt hat und f├╝r dessen Unterst├╝tzung er dankbar ist. ├ähnlich wie im Velberter Haus Stemberg (die Familien kennen und sch├Ątzen sich ├╝brigens), verl├Ąsst die alte Garde nicht fluchtartig den Schauplatz, sondern sorgt mit ihrer Pr├Ąsenz f├╝r die besondere Atmosph├Ąre, die gut gef├╝hrte Familienbetriebe ausmacht.

Der Wein ÔÇô was Wunder ÔÇô spielt in Diergardts Restaurant auch eine wichtige Rolle. F├╝r Veranstaltungen hat man inzwischen einen wundersch├Ânen Weinkeller eingerichtet und die Weinkarte ist wirklich herausragend best├╝ckt, auch mit reiferen Kreszenzen, was auch Diergardt Senior zu verdanken ist, der schon vor Jahrzehnten in sehr gute und lagerf├Ąhige Weine investiert hat. Und barmherzig kalkuliert ist das Ganze auch noch. Wo in der Gastronomie bekommt man eine Flasche 1990er Chateau Gruaud-Larose f├╝r 170 Euro? Ein Wein, den Robert M. Parker mit 93 Punkten geadelt hat (obwohl ich mich pers├Ânlich nicht an Parker-Punkten orientiere, aber sie sind zweifelsfrei preistreibend). Noch spannender als Bordeaux finde ich allerdings die Auswahl an Wein aus Deutschland auf der Karte. Da bleiben wirklich kaum W├╝nsche offen.

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29. Oktober 2019

Paul Bocuse und seine vegetarischen Gerichte ÔÇô eine Erkundung wert.

Der Meister ist tot? Von wegen! Mag man seinen K├Ârper auch zu Grabe getragen haben, vor nicht allzu langer Zeit, im Januar 2018 ÔÇô seine K├╝che lebt weiter. Damit meine ich nicht die Fortf├╝hrung seines Lyonner Restaurants durch Christophe Muller, der schon seit 1995 K├╝chenchef in der┬á L┬┤Auberge du pont de Collonges ist und ├╝ber den der Gault Millau einst sinngem├Ą├č schrieb, Muller k├Ânne den Bocuse-Stil besser kochen als Bocuse selbst. Nein, ich meine die Rezepte, die er in seinen B├╝chern ver├Âffentlicht hat und die vor vielen, vielen Jahren meinen Aktivit├Ąten am heimischen Herd erstmals einen Hauch von Anspruch verleihen sollten. ├ťberhaupt war Paul Bocuse schon immer ein Typ nach meinem Geschmack. Er hatte als junger Mann in der R├ęsistance mutig gegen die Nazis gek├Ąmpft. Er galt als Teamplayer, der als gefeierter K├╝chenchef auch dem Sp├╝lpersonal Respekt entgegen brachte. Und er setzte auf eine regionale wie saisonale K├╝che mit frischen Produkten und meldete sich zu Wort, wenn ihm kulinarische Trends nicht passten. Als lebender franz├Âsischer Nationalheld hatte seine Stimme Gewicht. Selbst die Vermarktung von Dosensuppe verzieh man ihm gn├Ądig.

Das ber├╝hmteste Gericht von Paul Bocuse ist zweifellos La soupe aux Truffes V.G.E.. Eine Suppe aus Schwarzer Tr├╝ffel mit Bl├Ątterteighaube, die es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht hat. Allerdings ist sie alles andere als ein leuchtendes Beispiel f├╝r eine vegetarische Rezeptur, auch wenn die Bezeichnung Tr├╝ffelsuppe durchaus danach klingt. Bei Bocuse jedenfalls finden sich unter den Zutaten reichlich Fleisch und Innereien.

Wer aber das 1977 erstmals erschienene Standardwerk von Paul Bocuse Die Neue K├╝che durchforstet (lobenswert ├╝bersetzt von Isabelle und Bernd Neuner-Duttenhofer), wird trotzdem mit einer spannenden Vielzahl Rezepten belohnt, die ohne Fisch, Fleisch und Gefl├╝gel auskommen. Erst neulich, als ich nach K├╝rbisrezepten Ausschau hielt, fiel mir wieder auf, wie gro├č die Auswahl vegetarischer Gerichte im Buch ist, obwohl das Wort vegetarisch nicht einmal darin vorkommt.

Mein aktuelles Lieblingsrezept aus dem Buch sind die Erbsen auf Franz├Âsische Art, ein P├╝ree aus gr├╝nen Erbsen, Kopfsalat und Lauchzwiebeln, aromatisiert mit einem Gew├╝rzstrau├č aus Petersilienwurzel, Thymian, Lorbeer und Bohnenkraut. Und was bei Bocuse nie fehlen darf: reichlich Butter.

Gestern versuchte ich mich an M├Âhrenp├╝ree auf Basis von 400 g geputzten M├Âhren und 125 g Reis. Die M├Âhren werden zusammen mit dem Reis, 60 g Butter, einer Prise Salz (und eigentlich auch Zucker, den ich aber weg gelassen habe, die M├Âhren sind mir s├╝├č genug)┬á in einen Topf verfrachtet. Anschlie├čend wird so viel Wasser aufgef├╝llt bis das Gemisch gerade eben bedeckt ist. Das Ganze wird dann so lange sprudelnd verkocht, bis der Reis das Wasser komplett aufgesogen hat, was bedeutet, man sollte dem Herd w├Ąhrend des Kochvorgangs nicht allzu lange fern bleiben und derweil Computerspiele zocken, weil sonst pl├Âtzlich Steinkohle im Topf ist statt M├Âhren-Reis-Gematsche. Die Masse soll anschlie├čend durch ein Sieb gestrichen werden, was mir gestern zu m├╝hselig war. Und ich sah das Unheil schon kommen, bevor ich mich entschied, anstelle der Sieberei den Stabmixer einzusetzen, hoffte aber trotzdem, dass die Sache gut gehen w├╝rde. Ging sie aber nicht. Statt dessen entwickelte sich der bef├╝rchtete z├Ąhe Brei, der auch mit reichlich Nacharbeit durch Montieren von Butter und Milch kaum aufzulockern war. Ich h├Ątte das Zeug vielleicht durch eine Kartoffelpresse dr├╝cken sollen, wo mir das Sieben zu viel war. Ach ja: H├Ątte, h├Ątte – Mopedkette.

Ich habe ein paar grob gew├╝rfelte Croutons eingestreut und darf sagen, so bescheiden es aussah, so gut hat es geschmeckt. Mir jedenfalls.┬á Einen zweiten Versuch mit M├Âhrenp├╝ree verschiebe ich aber erst mal weit nach hinten. So ein gro├čer M├Âhrenfreund bin ich nun auch wieder nicht. Statt dessen probiere ich’s wohl mal mit B├ęarner Garbure. Ja, ich wei├č, da ist G├Ąnsefleisch drin. Aber passt doch gut in den November. ├ťbrigens: Paul Bocuse ÔÇô Die Neue K├╝che gibt es noch immer zu kaufen, gebunden und als Taschenbuch. Es lohnt sich.

An alle food stylisten: Nein, ich mache keine Inszenierung aus meinen Alltagsgerichten. Die werden mehr hin- als angerichtet und nebenher mit dem Handy fotografiert, wenn ich’s vor lauter Hunger nicht vergesse.

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21. Oktober 2019

St├Ąndig neue Studien zur Wirkung von Lebensmitteln auf unsere Gesundheit. Aber wie aussagekr├Ąftig sind sie?

Ganz ehrlich, es gibt Tage, da wische ich Meldungen ├╝ber neue Lebensmittelstudien einfach weg. Wird in zwei Monaten sowieso widerlegt. Oder in zwei Jahren. Aber ich halte die Ignoranz nicht lange durch. Einmal eingenistet in meinem Hirn, martert mich der Gedanke, vielleicht wichtige Informationen verdr├Ąngt zu haben. Was, wenn ich Fr├╝hst├╝ck f├╝r Fr├╝hst├╝ck Obstm├╝sli vertilge, davon aber irgendwann Haarausfall bekomme? Oder schlimmeres? Plattf├╝├če, zum Beispiel. Das alles nur, weil ich eine Meldung nicht gelesen habe. Ich mag es mir nicht ausmalen. Also sah ich sie mir an, diese frischen Nachrichten ├╝ber rotes Fleisch. Da berichtete die S├╝ddeutsche Zeitung vor einigen Tagen unter der ├ťberschrift Entwarnung f├╝r rotes Fleisch? ├╝ber eine kanadische Studie, wonach Menschen die Anzahl ihrer Fleischmahlzeiten (3-4 mal pro Woche) nicht einschr├Ąnken br├Ąuchten, da keine gesundheitliche Gef├Ąhrdung drohe. Spiegel, stern, Zeit ÔÇô ├╝berall war ├Ąhnliches zu lesen.

Das Pl├Âppen der Champagner-Korken im Metzgerhandwerk war noch nicht verhallt, da widersprach Martin Smollich, Professor am Institut f├╝r Ern├Ąhrungsmedizin der Universit├Ąt L├╝beck, jener Lesart der Studie, die Entwarnung f├╝r rotes Fleisch signalisierte. In einem unbedingt lesenswerten Beitrag auf Zeit Online verweist er auf fehlende Unabh├Ąngigkeit der Untersuchung, die von einem Lobby-Verband der texanischen Agrarindustrie gef├Ârdert sei. Deren erkl├Ąrtes Unternehmensziel: die Rinderzucht in Texas f├Ârdern.ÔÇĘÔÇĘ Keine Frage, das allein reichte schon aus, der Untersuchung mit reichlich Skepsis zu begegnen. Aber Smollich wei├č noch mehr zu berichten. Er schreibt, dass die Autoren der Studie selbst den Evidenzgrad ihrer Arbeit als gering einsch├Ątzen und namhafte Institutionen sich bereits der medialen Wucht der publizierten Ergebnisse entgegen stemmten.

Ja, so ist das in der meldungshungrigen Medienwelt von heute. Hauptsache schnell raus mit der Nachricht. Bei StudienÔÇô und das erw├Ąhne ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal ÔÇô ist das besonders heikel. Zudem werden Ergebnisse oft wild interpretiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wirklich m├╝hsam, als Verbraucher den ├ťberblick zu behalten, was nun tats├Ąchlich Stand der Wissenschaft ist und was nur Fantasie von Medienmachern. Und wo ich jetzt gerade erschrocken ├╝ber eine kahle Stelle an meinem Kopf streiche und an mein Obstm├╝sli denke, f├Ąllt mir ein ÔÇô es kommt nicht vom Essen, es kommt vom Haare raufen.

Wer weiter ins Thema einsteigen will, f├╝r den hat der kompottsurfer ein paar ├Ąltere Beitr├Ąge parat. Einfach mal reinschauen, zum Beispiel hier und hier.

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14. Oktober 2019

Unsere Milch und das Auto.

BILD-Titelblatt vom 12.10.

Am Freitag h├Ârte ich mit halbem Ohr im Radio irgendwas von wegen “R├╝ckrufaktion”. Ich dachte: Wieder so eine Automarke, die in einigen Modellen aus Versehen durchbrennende Sitzheizungen eingebaut hat, die den Fahrern ihren Allerwertesten ankokeln k├Ânnen. Mir schien das alles halb so wild. Und ich hatte die ganze Geschichte auch schon wieder vergessen, als ich tags darauf an einem Kiosk vorbei kam und die Titelzeile von BILD las: So verseucht ist unser Essen.

Warum ich sofort an die R├╝ckrufsache aus dem Radio denken musste, wei├č ich nicht. Aber es schien tats├Ąchlich um etwas ernsteres zu gehen als angebratene Pobacken. Ich z├╝ckte mein iPhone und musste im Internet nicht lange suchen, bis ich von der bakteriell verunreinigten fettarmen Frischmilch erfuhr, die zuhauf in Supermarktregalen ÔÇô sozusagen Schl├Ąfer-m├Ą├čig ÔÇô darauf wartet, uns angreifen zu k├Ânnen. Selbst Schuld, wer diese fettarme Pl├Ârre trinkt, dachte ich im ersten Moment, beruhigt, dass mich das Problem nicht betraf. Aber schon mit dem n├Ąchsten Gedanken war ich wieder auf Kurs. Darf nat├╝rlich nicht passieren sowas, klar. Au├čer dem amerikanischen Pr├Ąsidenten und einigen anderen Typen, die mir unsympathisch sind, g├Ânne ich auch niemandem den Durchfall, den man von dieser Milch bekommt.

Wie anf├Ąllig wir in Deutschland f├╝r derartige Lebensmittel sind, beweist der Umstand, dass gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Milch nicht nur eine Marke betroffen ist, sondern gleich mehrere, wie im vorliegenden Fall. Milsani von Aldi Nord und S├╝d, Gut & G├╝nstig von Edeka, K-Classic von Kaufland, Milbona von Lidl, Aro von Metro, Gutes Land von Netto, Tip von real und Ja von Rewe. Wollten B├Âsewichter die bundesdeutsche Bev├Âlkerung f├╝r eine Weile au├čer Gefecht setzen ÔÇô die Milch w├Ąre eine prima Waffe.

Wenn konkurrierende Discounter und Supermarktketten viele ihrer Milchprodukte von nur einer Molkerei beziehen, braucht man nicht lange dar├╝ber gr├╝beln, warum die Milchpreise so niedrig sind. Weil nur absolut kosteng├╝nstige Massenproduktion Milch zu diesem Preis m├Âglich macht. Und wer ist schuld? Wir. Die Verbraucher im Land des preislich umk├Ąmpftesten Lebensmittelmarktes der Welt. Ja, das h├Âren wir nicht gerne. Ist aber leider so.

Schnell stellte ich mir die Frage, wie zum Teufel man ├╝berhaupt herausfinden kann, welche Milch unter welchem Label betroffen ist. Die Antwort: Ein Blick aufs Genusstauglichkeitskennzeichen bzw. Identit├Ątskennzeichen. Sie werden wahrscheinlich fragen: Bitte, was? Ja, so hab’ ich im ersten Moment auch reagiert. Aber in einem Land, das gef├╝hlt mehr Verwaltungsvorschriften als Einwohner hat, gibt es tats├Ąchlich auch ein Genusstauglichkeitskennzeichen.

Laut Wikipedia ist ein “Genusstauglichkeitskennzeichen die amtliche Bezeichnung f├╝r ein EU-einheitliches Symbol, das auf amtlich gepr├╝fte Schlachtk├Ârper gestempelt wird. Seit 1.┬áJanuar 2006 existiert neben dem Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen auch der Begriff Identit├Ątskennzeichen. Das Identit├Ątskennzeichen wird von Lebensmittelunternehmern auf sonstigen tierischen Erzeugnissen bzw. deren Verpackungen angebracht. Der Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen wird z.┬áT. f├Ąlschlicherweise auch f├╝r das auf Verpackungen angebrachte Identit├Ątskennzeichen verwendet.” Mit weiteren Einzelheiten dazu, die B├╝cher f├╝llen k├Ânnten, m├Âchte ich niemandem zur Last fallen. Gesagt werden soll nur noch, dass das Kennzeichen f├╝r die verseuchte Milch DE NW 508 EG lautet.

So unerquicklich die Sache mit der Milch auch ist ÔÇô ein Blick ins Warnverzeichnis f├╝r problematische Lebensmittel offenbart weitaus Besorgnis erregendere Vorkommnisse.┬á Allen voran die in weit verbreiteteten Fleisch- und Molkerei-Erzeugnissen entdeckten Listerien sind gesundheitlich nicht nur heikel, sondern geradezu gef├Ąhrlich. Da hilft eigentlich nur, die Finger von billigen Lebensmitteln zu lassen. Wir m├╝ssen unsere Einstellung zum Essen gr├╝ndlich ├╝berdenken. Wir Deutschen neigen dazu, die Qualit├Ątslatte bei technischem Ger├Ąt wie Auto, Smartphone oder Fernseher h├Âher zu legen als beim Essen. Obwohl wir nur das Essen in unseren K├Ârper lassen. Wer m├Âchte schon Smartphones essen? Treue Leser dieses blogs kennen meine Haltung zur Qualit├Ąt von Nahrung und auch meine unz├Ąhligen Beitr├Ąge ├╝ber verseuchte Lebensmittel in den letzten eineinhalb Jahrzehnten. Wir m├╝ssen uns an die eigene Nase fassen, wenn uns ein oft zu gedankenlose Konsum Sorgenmomente wie die aus der letzten Woche beschert.

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06. Oktober 2019

Irgendwas mit K├╝rbis.

Alle Jahre wieder sind zeitgleich mit dem ersten Weihnachtsgeb├Ąck auch die ersten K├╝rbisse in den Regalen der Superm├Ąrkte zu finden. Ja, ich wei├č, das ist jetzt schon wieder einige Wochen her, aber genauso, wie ich N├╝rnberger Lebkuchen und Aachener Dominosteine fr├╝hestens ab dem 1. Advent anr├╝hre, kommt mir K├╝rbis erst ab Oktober auf den Tisch.

Meine erste Begegnung mit einem K├╝rbis hatte ich ├╝brigens als Achtj├Ąhriger. Genau genommen waren es Dutzende K├╝rbisse, gro├č wie Medizinb├Ąlle, die auf einem Acker in der ostwestf├Ąlischen Heimat meiner Mutter herumlagen. In diesem Moment damals ÔÇô und das erinnere ich noch erstaunlich gut ÔÇô musste ich an mein erstes Kinderbuch denken: James und der Riesenpfirsich, von Roald Dahl. In der Geschichte geht es um einen Jungen, dessen Eltern von einem Nashorn gefressen worden waren, weshalb er zum Leben bei seinen boshaften Tanten Schwamm und Zinke verdammt war. Irgendwann wuchs durch einen versehentlich im Garten der Tanten vergossenen Zaubertrank an einem Pfirsichbaum ein goldener Riesenpfirsich. Durch ein Loch kriecht James eines Tages in den Pfirsich hinein, der pl├Âtzlich vom Baum abbricht, seine b├Âsen Tanten ├╝berrollt und gleich weiter Richtung Meer kullert, um von dort nach Amerika zu schwimmen. Gro├čartige Geschichte.

Als ich die K├╝rbisse so auf dem Feld liegen sah, damals, fiel mir schlagartig auf, dass ich sie doch schon mal gesehen hatte. Aber anders. Ausgeh├Âhlt. Mit ausgestochenen Augen, Mund und Nase und einer Kerze von innen schaurig-sch├Ân beleuchtet. Ja, vermutlich w├╝rde man auch in einem K├╝rbis nach Amerika schwimmen und Abenteuer erleben k├Ânnen. Aber essen? Nein, weder gesuppt noch gebraten oder zu sonst irgendeiner Mahlzeit verarbeitet, hatte ich in meiner Kindheit K├╝rbisse verzehrt. Und es sollte auch noch Jahre dauern, bis ich das erste Mal K├╝rbis zwischen die Z├Ąhne bekam. Und zwar als K├╝rbis-Orangen-Suppe, zu fruchtig abgeschmeckt wie mir in Erinnerung geblieben ist.

Passend dazu las ich im vergangenen Jahr auf Zeit Campus ein Traktat ├╝ber K├╝rbissuppe. "Die K├╝rbissuppe ist das suppengewordene Ikea-Wandbild. Sie ist die Times New Roman der Amateurk├╝che, eine Ausrede in Form eines Abendessens. Sie tr├Âstet nicht bei Erk├Ąltung wie eine fette H├╝hnerbr├╝he und ist kein Freund wie ein samtiger Kartoffeleintopf. Sie ist nicht f├╝r einen da, wenn man Liebeskummer hat. Sie ist das Bananenbrot der Hauptgerichte." Meine Meinung dazu: Traue keiner Behauptung, die Essen mit Typographie vergleicht. Times New Roman? Echt jetzt? F├╝r mich klingt der K├╝rbistext beinahe traumatisch und irgendwie rachs├╝chtig. So, als w├Ąre der Autor dieser Zeilen mal als Praktikant in einer hippen Werbeagentur zum kochen von 5 Liter K├╝rbissuppe verdonnert worden, f├╝rs kollegiale Mittagessen. Das dann keinem geschmeckt hat.

Wobei ich eine gewisse Schmalspurigkeit bei der kulinarischen K├╝rbisverwertung hierzulande schon zugestehen muss. Da geht tats├Ąchlich vor allem eins: Suppe. Und doch gibt es so viel mehr M├Âglichkeiten aus K├╝rbis was zu machen. Hier sind f├╝nf ÔÇô f├╝r meinen Geschmack abwechslungsreiche ÔÇô Zubereitungsm├Âglichkeiten, gefunden in meiner Kochbuchsammlung (inklusive Suppe):

1. Muskatk├╝rbis Sous-vide (Heiko Antoniewicz, Werne)
Aus Heikos Buch Sous-vide: Der in Stifte geschnittene K├╝rbis wird mit Koriandersamen, Ingwer, Gem├╝sefond, Mirin und Salz f├╝r 15 Minuten bei 85┬░ C. im Vakuumbeutel gegart. Gro├čartig bissfest und aromatisch, diese Version.

2. K├╝rbis-Chutney (Iris Bettinger, Rheda-Wiedenbr├╝ck)
Aus dem Sammelband Die Neue Deutsche K├╝che: In Champagneressig geschmolzener Zucker wird der Muskatk├╝rbis mit Wei├čwein, Apfelsaft, Gem├╝sefond, Schalotte und etwas Lorbeer eingekocht und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Wunderbar auch zur Bevorratung geeignet.

3. K├╝rbissuppe mit Schinken, Perlgraupen und Salbei (Jamie Oliver, London)
Zutaten aus Kochen f├╝r Freunde: Butternussk├╝rbis, Rote Zwiebel, Knoblauchzehen, Koriandersamen, Esskastanien, Schinkenspeck (im ganzen St├╝ck), Salbei, Gem├╝sebr├╝he und Oliven├Âl. Zum Abschmecken getr. Chili, Salz, Pfeffer und Muskatnuss. Eine K├╝rbissuppe, die ohne Ingwer auskommt und mit Kastantien und Salbei eine spannende Aromatik entwickelt. Der Schinken zieht am St├╝ck etwa 1,5 Stunden im Sud und wird dann klein gefleddert zugegeben. Ich liebe diese Variante.

4. K├╝rbis-Pie (Caroline und Terence Conran, London)
Aus Das Conran Kochbuch: Unges├╝├čter M├╝rbeteig, K├╝rbis (nach Wahl), Zucker, Piment, Eier, Milch, Muskat.
Ein K├╝rbiskuchen ohne Schnickschnack, perfekt f├╝r ein Kaffeetrinken nach der Herbstwanderung. Wer dazu noch eine fruchtige Note braucht, bestreicht den Kuchen mit Orangenmarmelade.

5. K├╝rbis-Chips (K├Ânemann, K├Âln)
Aus Das Gro├če Buch der Vegetarischen K├╝che: K├╝rbis in d├╝nne Scheiben schneiden und in einer Pfanne in kleinen Portionen knusprig frittieren. F├╝r meinen Geschmack nimmt man dazu am besten gutes Sonnenblumen├Âl und f├╝gt ein paar Spritzer Sesam├Âl bei. Auf K├╝chenpapier abtropfen lassen und mit Salz und etwas Currypulver w├╝rzen.

Die Angaben der Zutaten sind als Anregung zum Ausprobieren gedacht, die detaillierten Rezepte sind selbstverst├Ąndlich nur den angegebenen Kochb├╝chern zu entnehmen.

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28. September 2019

Mein letzten Schluck aus der Plastikpulle.

Wasser ist ein freundliches Element f├╝r den, der damit bekannt ist und es zu behandeln wei├č. Dieser sch├Âne Satz stammt leider nicht von mir, sondern von Goethe, der sogar weit ausf├╝hrlichere Einlassungen zur Natur verfasst hat. Ich schreibe das, weil mir nach einer ├ťberleitung dellingscher Pr├Ągung zumute ist: Wissenschaftler der Goethe-Universit├Ąt Frankfurt haben n├Ąmlich herausgefunden, dass ÔÇô egal wie dicht du bist ÔÇô Goethe Dichter war. Ach nee, das ist der Lieblingswitz meines Sohnes. Tats├Ąchlich fand die Forschungsgruppe PlastX der Universit├Ąt heraus, wie sehr in Plastikflaschen abgef├╝lltes Mineralwasser von unz├Ąhligen, toxisch wirkenden Chemikalien traktiert wird. Wie war das noch? Wasser ist ein freundliches Element f├╝r den, der damit bekannt ist und es zu behandeln wei├č? Und jetzt wird es erst richtig interessant, denn eigentlich wissen wir Wasser ja so zu behandeln, dass es uns Menschen ein freundliches Element ist. Aber wir tun es nicht. Und nicht nur mit Wasser gehen wir unerfreulich um, sondern auch mit anderen Lebensmitteln.┬á ÔÇ×Wir fanden in drei von vier getesteten Produkten sch├Ądliche Substanzen, darunter Chemikalien, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormon├Ąhnliche Effekte hervorrufen”, berichtet Lisa Zimmermann, Erstautorin der Studie. Sogar Bioplastik ist nicht so unbedenklich, wie es uns seine euphemistische Bezeichnung glauben machen m├Âchte.

So leicht es ist, die gro├če Lebensmittelindustrie f├╝r ihre Plastikverpackungen an den Pranger zu stellen, so schwer f├Ąllt es uns Konsumenten, unser Einkaufsverhalten zu ├Ąndern. Wir sind es doch, die das Zeug kaufen. Es ist noch keine zehn Jahre her, da besorgte ich mir auf dem Weg nach M├╝nchen im Umsteigebahnhof Kassel-Wilmhelmsh├Âhe regelm├Ą├čig einen Coffee-2-go im Pappbecher f├╝r die Weiterfahrt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht ungesund und alles andere als nachhaltig ist, was ich da mache. Mit dem Kaffee war es nat├╝rlich nicht getan. Ich kaufte auch noch eine Literflasche Wasser, ebenfalls im praktischen Plastikgebinde. Und wenn ich ganz schlimm hungrig und nichts anderes aufzutreiben war, besorgte ich mir auch noch eines dieser plattgewalzten und akkurat zu zwei rechtwinkligen Dreiecken geschnittenen Sandwiches, ebenfalls in Plastik verpackt. Wenn ich einen Marathon lief, trank ich an den Verpflegungsst├Ąnden aus Einwegplastikbechern, die ein paar Meter weiter in einen M├╝llsack geworfen wurden. Da regte mich nur auf, wenn andere L├Ąufer ihre Becher nicht in den M├╝ll, sondern achtlos in der Botanik entsorgten. Heute schmiere ich mir Butterbrote f├╝r unterwegs, f├╝lle meinen knallblauen Hydro-Flask-Becher randvoll mit hausgemachtem Cappu und packe noch einen Liter Wasser (Glasflasche) mit ein. Das alles wiegt zwar ein bisschen was, aber meine G├╝te, was schleppe ich Tag f├╝r Tag nicht alles durch die Gegend. Da kommt es auf das bisschen mehr auch nicht mehr an.

Mein letzter Schluck aus der Plastikpulle liegt jetzt drei Monate zur├╝ck. Bahnfahrt aus den Alpen heimw├Ąrts. Alle Vorr├Ąte waren ausgetrunken und nirgendo Glasflaschen aufzutreiben. Ich ├╝bertreibe nicht, wenn ich sage: dieser Einkauf hat wehgetan. Zwei gewichtige Gr├╝nde sprechen also daf├╝r, m├Âglichst keine in Plastik verpackte Lebensmittel mehr zu konsumieren: Schutz der Umwelt und R├╝cksicht auf die eigene Gesundheit. Braucht es mehr? Ich finde nicht. Packen wir’s an!

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20. September 2019

17. rewipower-Weintest: Warum es sinnvoll ist, beim Fachh├Ąndler vor Ort zu kaufen.

Ich bin wirklich stolz auf unsere Jury. Seit 2003 sitzen wir einmal im Jahr beisammen, um Weine von Fachh├Ąndlern aus der Region zu verkosten und die besten auszuzeichnen. In diesem Jahr war Patrick Jabs von lecker werden unser Gastgeber und hat uns 1a Rahmenbedingungen geschaffen, danke Patrick! F├╝r viele von uns ist die aktuelle Preisgrenze von 8 Euro pro Flasche, die wir beim rewirpower-Weintest festgelegt haben, der untere Bereich dessen, was man so trinkt, wenn man Lust auf eine gute Flasche Wein hat. Andererseits liegt der durchschnittliche Endverbraucherpreis f├╝r eine Flasche Wein in Deutschland bei 2,19 Euro, wie es das Deutsche Weininstitut in seiner Jahresstatistik ausweist.

Als Weintrinker sollte man also erwarten k├Ânnen, dass ein Wein im Preissegment zwischen 6 und 8 Euro ├╝berdurchschnittliche Qualit├Ąt hat, wenn man schon einen ├╝berdurchschnittlichen Preis daf├╝r bezahlt. Nun sind wir Deutschen nicht gerade daf├╝r bekannt, gerne viel Geld f├╝r gutes Essen und Trinken auszugeben. Im Gegenteil, Deutschlands Lebensmittelmarkt gilt als der preislich am h├Ąrtesten umk├Ąmpfte unter den Industrienationen der Welt. Und die Doppelmoral feiert Kirmes, weil wir Bundesb├╝rger trotzdem erwarten, dass Lebensmittel und Getr├Ąnke top sind, obwohl man sie f├╝r Niedrigstpreise erwerben will. Das funktioniert nat├╝rlich nicht, weder bei Gem├╝se, Fleisch und K├Ąse noch bei Wein.

So ist die Preisgrenze von 8 Euro, die wir f├╝r den rewirpower-Weintest festgelegt haben, Ergebnis der ├ťberlegung, einen Preisbereich in den Blick zu nehmen, der f├╝r die einen Maximalbetrag, f├╝r die anderen Einstiegspreis f├╝r Alltagsweine ist. Unsere Auswahl soll also f├╝r alle funktionieren, das war und ist immer der Plan. Nun fragen mich immer wieder Leute: Warum testet ihr keine Supermarktweine? Meine Antwort: Weil Weine im Supermarkt oder beim Discounter kaufen keine gute Idee ist, wenn man einen Tropfen finden will, der einem pers├Ânlich wirklich schmeckt. Denn dort kann der Kunde nicht probieren und vergleichen. Beim Fachh├Ąndler vor Ort sehr wohl. Mehr noch, er erf├Ąhrt dort etwas ├╝ber den Winzer und unter Umst├Ąnden auch noch, welches Essen zu diesem oder jenem Wein am besten passt. Entscheidend ist doch, dass jeder den Wein seines Geschmacks findet. Und das geht am besten beim Fachh├Ąndler vor Ort. Genau das will der rewirpower-Weintest unterst├╝tzen.

Sicher gibt es auch den einen oder anderen Wein im Supermarkt, der gut gemacht und f├╝r unter 8 Euro zu haben ist. Aber so einen Wein kauft man blind, man kann ihn nicht probieren und niemand erz├Ąhlt einem etwas dar├╝ber. Wer nun wissen will, welche Weine uns in diesem Jahr am meisten ├╝berzeugt haben, der findet hier alle Einzelheiten. Und kann sogar Probierpakate mit den drei besten Wei├čen und Roten bestellen und bei einem H├Ąndler seiner Wahl pers├Ânlich abholen.

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13. September 2019

Flop 8: Wo Wein und Essen selten Freunde werden

Das Leben ist zu kurz f├╝r schlechte Weine lautet ein Allgemeinplatz vinophiler Genie├čer. F├╝nf Euro ins Phrasenschwein, w├╝rden Fu├čballfans sagen, so sie denn mit den Gepflogenheiten in der Fernsehsendung Doppelpass vertraut sind, wovon ich ausgehe, sonst w├Ąren es keine Fu├čballfans.

Manchmal ÔÇô und ja, jetzt wird es spitzfindig ÔÇô ist der Wein aber nicht schlecht, sondern er schmeckt nur schlecht. Ist das nicht das Gleiche, werden sie vielleicht verwundert fragen? Ist es nicht. Beim Teutates, sogar ├╝berhaupt nicht! Die T├╝cken liegen oft an den Begleitumst├Ąnden seines Genusses. Sie wundern sich, warum ein Wein, von dem Sie schon mindestens zehn Flaschen des selben Jahrgangs in den letzten Monaten getrunken haben, pl├Âtzlich keinen Spa├č mehr macht? Sie mutma├čen, der Tropfen tauge nichts mehr, weil ├╝berlagert oder Montagsabf├╝llung, oder was auch immer? Nehmen Sie das Essen als m├Âglichen ├ťbelt├Ąter ins Visier, und die Erkenntnis wird Ihnen wie Schuppen aus den Haaren, ├Ąhem, von den Augen fallen. Ja, ich seh’s ein: 5 Euro ins Phrasenschwein.

Wir Weintrinker spielen die Weingenussgef├Ąhrdung durchs Essen gerne herunter. Wird schon passen, ungef├Ąhr. Denken Sie blo├č nicht, ich sei vor derartigen Katastrophen gefeit. Mein Gehirn ist auch nicht immer eingeschaltet. Vor allem dann nicht, wenn mich Hei├čhungerattacken auf Chips oder Erdn├╝sse befallen und der Wein, der vom Abendmahl ├╝brig blieb, als Begleiter herhalten muss, nur weil ich zu faul bin, in den Keller hinabzusteigen und Bier raufzuholen. Die einzige Bank, wenn es darum geht, salziges Knabberzeug geschmacksvertr├Ąglich runterzusp├╝len.

Und es gibt eine weitere T├╝cke, wenn es um die Liason von Wein und Speisen geht. Gerade Experten, ob echte oder halbgare wie ich, legen den Fokus auf die Frage: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Ist sch├Ân und gut, f├╝r gro├če Men├╝abende zu Feiertagen oder im Freundeskreis alles detailliert und langfristig im Voraus zu planen. Aber mal im Ernst: Wie viele Tage gibt es davon im Jahr? Im Regelfall ist es doch so, dass man Essen einkauft und vorbereitet und erst anschlie├čend ├╝berlegt, welche Flasche man dazu aus dem Keller holt. Und nicht jeder hat daheim einen Keller, der f├╝r alle Eventualit├Ąten ger├╝stet ist. So nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ich habe mal meine pers├Ânliche Flop 8 zusammengestellt (zu mehr hat es ÔÇô zum Gl├╝ck f├╝r uns Weinfreunde ÔÇô nicht gereicht). Zutaten und Gerichte ├╝ber die ich aus Erfahrung sage: Wein besser weglassen.

Gr├╝nkohl mit Speck Gar nicht erst auf krumme Gedanken kommen, sondern gleich Bier aus dem K├╝hlschrank holen. Ich kann mir vorstellen, dass der hohe Anteil Apfel- und Citronens├Ąure im Gr├╝nkohl (215/220 mg pro 100g) zur Unvertr├Ąglichkeit mit Wein beitr├Ągt.

Kaviar F├╝r mich eines der gr├Â├čten und teuersten geschmacklichen Missverst├Ąndnisse, ihn mit Champagner kombinieren zu wollen, wie das in feinen Kreisen gerne zelebriert wird. Akzeptabel ist, wenn ├╝berhaupt, ein wuchtiger Vertreter aus der Prickelfraktion wie Bollinger. In Paris wurde mir mal bei einer privaten Einladung im kleinen, h├Ąuslichen Kreis Kaviar mit Blini und Sauerrahm aufgetischt. Dazu gab es Krimsekt brut. Ich hab’ nur kurz dran genippt (bbbrrr), und dann das Essen pur genossen.

R├Ąuchermatjes Ohne Beilagen verspeist, passt nur Schnaps oder trockener Sherry. R├Ąuchermatjes mit Guacamole, wie ich es gerne mal kombiniere, kann mit Chardonnay funktionieren, kann aber auch schiefgehen.

R├╝hrei Ganz schwieriger Fall. Da passt nichts, au├čer ÔÇô theoretisch vielleicht ÔÇô Champagner. Praktisch habe ich nach zwei Fehlversuchen aufgegeben, mehr von dem guten Zeug zu vergeuden. Wobei, da f├Ąllt mir ein: Vor zig Jahren hab’ ich mal bei Gerad Boyer im Les Crayer├Ęs zum Fr├╝hst├╝ck Tr├╝ffelr├╝hrei mit Champagner von Pommery (Cuv├ęe Louise) serviert bekommen. Und das passte sogar, wenn auch nur einigerma├čen, was wohl am Tr├╝ffel lag. Angesicht des Umstands, dass sowohl Tr├╝ffel als auch Cuv├ęe Louise solit├Ąr betrachtet K├Âstlichkeiten sind, ganz sicher nichts, was unbedingt zusammen genossen werden sollte.

Salat mit Vinaigrette Die S├Ąure des Essigs killt jeden Wein. Das pure Geschmacksmassaker.

Schokolade ├ťber m├Âgliche Kombinationen mit Wein habe ich schon viel zweifelhaftes Zeug gelesen. So wird Banyuls gerne als Empfehlung genannt, weil er im Aroma Noten von Kaffee und Vanille aufweist. Bei einer Verkostung, Anfang der Nuller-Jahre, haben wir mal in einem gro├čen Kreis von Weinfreunden alle erdenklichen Kombinationen von Wein mit diversen Schokoladen (Vollmilch bis 99% Bitter) ausprobiert, und nur ein gespriteter Wein brachte erfreuliche Ergebnisse.

Spinat Ganz schwere Kost f├╝r jeden Wein. Geschmacklich ungef├Ąhr so, wie auf rostiger Stahlwolle herumzukauen.

Tomaten
Der Liebesapfel ist zu Wein gar nicht lieb, was an den sauren Noten im Aromaprofil liegt. Nur wenn die S├Ąure durch Beilagen oder erg├Ąnzende Zutaten gut gepuffert wird, nimmt der Weingeschmack am Gaumen keinen Schaden.

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05. September 2019

Wie unsere Lebensmittel den M├╝llschlucker ern├Ąhren.

An sonnigen Morgenden nehme ich mein Fr├╝hst├╝ck gerne auf der Terrasse zu mir. Die Sonne schickt erste sanfte Strahlen ├╝ber die H├Ąuser der Nachbarschaft, ich lausche in Ruhe dem Vogelgezwitscher und dann: Rumms! Polter! Quietsch! Ach ja, Montag heute. M├╝llabfuhr, Gelbe Tonne. H├Âchste Zeit, dass die kommen. Quoll am Vortag schon wieder ├╝ber, der K├╝bel. Dabei bin ich schon seit Monaten auf Verpackungsdi├Ąt. Motto: M├Âglichst wenig kaufen, was unn├Âtig verpackt ist. Und es ist vieles unn├Âtig verpackt. Vor allem bei Lebensmitteln. Bei Frischmilch sind wir gerade von Tetra Pak auf Glas umgestiegen, was bei einem Verbrauch von f├╝nf Litern pro Woche schon mal ordentlich Sparpotential bringt. Dosentomaten bevorrate ich schon seit einer Weile nur noch im Winter. Im Sommer wird alles frisch gekauft und h├Âchstselbst enth├Ąutet. Bequemlichkeit war gestern. Aber was das frisch Kaufen von Tomaten angeht, so bin ich immer wieder erstaunt, ach was, ersch├╝ttert, wie oft man beim Discounter Tomaten in Plastik verpackt herumliegen sieht. Und Champignons, Paprika, Pfirsiche, Birnen, Pflaumen. Muss das? Muss nicht. Nat├╝rlich nicht.

Immerhin sp├╝re ich seit einigen Monaten einen Hauch von Ver├Ąnderung im Obst- und Gem├╝seregal. So werden, zum Beispiel, Multifrischenetze als Ersatz von Plastikverpackungen und -beuteln angeboten. Zufall? Einsicht? Marketing? Oder am Ende nur ├Âkonomische Berechnung? Denn seit Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, dessen proklamiertes Ziel es ist, die Mengen an Verpackungsm├╝ll einzud├Ąmmen. Vater Staat bittet deshalb jeden zur Kasse, der als Wiederverk├Ąufer Verpackungen einkauft und in Umlauf bringt. Und er gibt Quoten f├╝r das Recycling von Verpackungen vor, die am Ende bei uns privaten Verbrauchern als “gelber M├╝ll” anfallen, dessen Entsorgung mich Montagmorgens die Fr├╝hst├╝cksruhe kostet, Sie erinnern sich. Die dualen Systeme, also die Wiederverwerter, m├╝ssen im Rahmen des sogenannten ÔÇ×MengenstromnachweisesÔÇť j├Ąhrlich nachweisen, dass sie die geforderten Quoten des Recyclings erf├╝llen. Klingt nach Verwaltungskauderwelsch, ist aber ein guter Ansatz. Wobei mich schon wundert, dass die vorgeschriebene Quote bei Plastik gerade mal 58,5 % betr├Ągt. Bedeutet: Fast die H├Ąlfte aller von uns m├╝hselig in gelbe S├Ącke und Tonnen sortierten Verpackungen muss nicht recycelt werden. Das wirft nat├╝rlich die Frage auf, ob Aufwand und Nutzen da in einem akzeptablen Verh├Ąltnis stehen.

Deshalb meine Devise: M├Âglichst erst gar keine Waren kaufen, die in Plastik verpackt sind. Allein 2016 fielen in Deutschland 3,1 Millionen Tonnen Plastikverpackungsm├╝ll an. Wie viel davon auf Lebensmittelverpackungen entfallen, dar├╝ber gibt es keine verl├Ąsslichen Zahlen angesichts eines weit verzweigten internationalen Lebensmittelhandels. Wenn ich raten sollte, w├╝rde ich mindestens von einem Drittel, also 1 Mio. ausgehen, weil Lebensmittel einen sehr hohen Durchlauf bei der Verumschlagung haben und nicht nur frisches Gem├╝se, sondern viel mehr noch K├Ąse, Wurst, Milch- und Tiefk├╝hlprodukte darin verpackt sind. Nimmt man noch die ca. 6,6 Mio Tonnen Lebensmittel dazu, die Jahr f├╝r Jahr in Deutschland entsorgt werden, offenbart allein schon die M├╝llbilanz eine schockierende Wahrheit ├╝ber unsere Ern├Ąhrungsgewohnheiten. Wenn ich jetzt noch die ├╝berz├Ąhligen Kilos K├Ârpergewicht zusammenrechne, die unsere Bundesb├╝rgerschaft mit sich herumschleppt …. Aber nein, das hebe ich mir mal lieber f├╝r einen sp├Ąteren Beitrag auf.

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