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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

28. September 2014

Bochumer Jahrhunderthalle wird in Brand gesetzt: Mit erlesen Spirituosen aus aller Welt

Finest Spirits & Beer heißt die Convention für Liebhaber von Whisky, Rum, Gin und anderer Edelbrände, die vom 17.-19. Oktober in der Bochumer Jahrhunderthalle stattfindet und den Zusatz Beer nun wahrlich nicht gebraucht hätte. Schon die Auswahl an hochprozentigem Stoff ist so umfassend, dass da Bier nur wie ein Anhängsel wirkt. Zumal die Bierwelt eine derart große und spannende ist, dass sie locker eine eigene Veranstaltung ausfüllen dürfte. Aber sei’s drum, auch die Liste der Bierproduzenten aus dem In- und Ausland ist so eindrucksvoll, dass ein Besuch auch für Bierfreunde lohnenswert sein wird, die mit harten Sachen gar nichts anfangen können oder wollen. Aus Deutschland Norwegen, Schottland, Tschechien sind schon reichlich interessante Biere dabei, aber vor allem die us-amerikanischen Craft Beers machen den kompottsurfer neugierig.

Gut, dass es mehrere Besuchstage gibt, da kann dann ein zweiter für Single Malt Whisky investiert werden. Durcheinandertrinken ist ja ohnehin nicht zu empfehlen.

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23. September 2014

Bewerbungsstart zu den Future Food Concepts 2015: Ideen zum Thema Leidenschaft sind gefragt

Future Food Concepts

Auch wenn es noch eine Weile hin zu sein scheint, bis im Juni 2015 in Hannover das 5. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft abgehalten und der Zukunftspreis für Innovationen in der Lebensmittelbranche verliehen wird – wer mit seinen Ideen antreten will, sollte sich schon jetzt bereit machen. Das Thema lautet Leidenschaft, und das ist eine sehr passende Vorgabe. Leidenschaft ist genau das, was der Lebensmittelbranche schon lange abhanden gekommen ist, findet der kompottsurfer. Okay, die Juristen von Ritter kämpften mit Leidenschaft gegen ein Urteil der Stiftung Warentest (der kompottsurfer berichtete), foodwatch immer wieder mit Leidenschaft gegen dreiste Werbelügen. Aber bei so etwas geht es eben nicht um Ideen rund um Lebenmittel.

Was fällt dem kompottsurfer zum Thema Leidenschaft ein? Das Leidenschaft keine Vernunft kennt, wie Madame Dubarry, eine Geliebte Ludwig des XV., meinte, die später durch das Fallbeil während der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Oder dass Leidenschaft Leidenschaft erzeugt, wie Goethe findet. Den besten Satz aber lieferte Literaturnobelpreiträger Theodor Mommsen: “Ohne Leidenschaft gibt’s keine Genialität.” Tja, und da es beim Thema Lebensmittel um etwas geht, das der Mensch näher an sich heranlässt als alles andere, kann Genialität bei der Weiterentwicklung unserer Nahrung wahrlich nicht schaden. Voraussetzung nach Mommsen: Leidenschaft. Die wünscht sich der kompottsurfer bei den wirklich brennenden Ernährungsfragen der Zukunft. Wie schaffen wir es, allen Menschen genug Essen und Trinken zu verschaffen? Essen, die eine gesunde Ernährung für alle ermöglicht und dessen Herstellung unseren Planeten möglichst wenig schadet. Werden wir irgendwann Fleisch herstellen können, für das kerine Tiere mehr sterben müssen? Zugegeben, das klingt schon sehr nach Utopie. Aber wenn Leidenschaft, Genialität erzeugen kann, dann wäre es doch prima, wenn am Ende damit eine Utopie Realität wird. Und weil man irgendwo anfangen muss: Hier geht’s zur Bewerbung, die über das angesehene ttz bremerhaven geht.

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19. September 2014

Menü und Marathon: Spitzenkoch Kempf greift in Berlin nach den Sternen

Dass Marathonlaufen und Sterne erkochen sehr wohl zusammengeht, hat vor langer Zeit schon Nils Henkel aus dem Schlosshotel Lerbach eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aber längst nicht nur er bewegt sich laufend, auch außerhalb der Küche. Mit Michael Kempf aus dem Berliner Facil – der übrigens mit Henkel eine Weile auf Schloss Lerbach gemeinsam am Herd stand – ist ein weiterer Spitzenkoch auf der Langstrecke unterwegs. Bis zu 120 Wochenkilometer schrubbt er in Vorbereitung auf den Marathon in seiner Wahlheimat Berlin herunter, der am letzten Septemberwochenende stattfindet und bei dem der Mann, der schon zwei Michelinsterne auf dem Konto hat, bereits das vierte Mal an den Start geht. Der 37-jährige peilt nicht nur selbstbewusst den dritten Michelinstern an, er will in Berlin auch eine Zielzeit von unter 3:10 Stunden anvisieren, was für einen Freizeitläufer ein sehr sportliches und ehrgeiziges Vorhaben ist. Natürlich wünscht ihm der kompottsurfer alles Gute für Sterne und Rennen, auf das ihm der Mann mit dem Hammer, der in der Regel irgendwann ab Kilometer 30 auftaucht,  erspart bleibt. An der richtigen Ernährung und Verpflegung im Vorfeld und auch während des Rennens sollte es bei ihm ja nicht hapern. Hier gibt’s ein hübsches kleines Video von SSC Events über die Vorbereitung des Marathonmanns Kempf, der über das ARD-Buffet auch als Fernsehkoch bekannt wurde:

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17. September 2014

Große Bordeauxweine genießen: Mit Subskription und Geduld alles andere als ein ruinöses Vergnügen

Chateau Kirwan 2000

Es ist reichlich Zeit ins Land gezogen, bevor der Inhalt des 2000er Chateau Kirwan nach seinem Kauf tatsächlich im Glas stand und mir kürzlich aus gebotenem Anlass erstklassigen Weingenuss bescherte. Ich hatte den Wein Anfang 2002 über einen Bochumer Händler subskribiert, das heißt, bereits zu einem Zeitpunkt gekauft und bezahlt als er noch im Weinkeller seiner Fassreife entgegenruhte. Damals hatte ich sowohl für den Kirwan als auch für den 2000er Chauteau Calon-Segur aus Saint-Estephe umgerechnet 32 Euro pro Flasche bezahlt, was erst einmal ein Menge Holz ist, vor allem, weil man den Kaufgegenstand nicht gleich mit nach Hause nehmen kann sondern so lange auf die Lieferung warten muss, bis man beinahe vergessen hat, den Wein irgendwann einmal gekauft zu haben. Aber dann, gut 18 Monate nach dem Kauf, so erinnere ich mich dunkel, rief der Händler an, um mir mitzuteilen, dass der Wein jetzt abholbereit bei ihm im Laden stünde.

Normalerweise werden große Bordeauxweine nur im 12er Gebinde, also in der originalen Holzkiste des Chateaus mit zwölf Flaschen Inhalt verkauft. Versierte Händler setzen allerdings auf Sammel-bestellungen, über die zum Beispiel auch in 6er Gebinden bestellt werden kann. In meinem Fall hatte es sich zudem ausgezahlt, dass zum Zeitpunkt der Subskription noch keine Bewertung des Calon-Segur durch Robert M. Parker vorlag, dem US-amerkanischen Weinkritiker, dessen Benotungen Weinpreise in ungeahnte Höhen treiben können, wenn sie denn besonders gut ausfallen. Ich hatte den Tipp für Kirwan und Calon-Segur von einem österreichischen Weinfreund erhalten, der Jahr für Jahr selbst ins Bordeauxgebiet reist, um dort Fassproben zu nehmen. Sein Urteil: Kirwan und Calon-Segur zählen zu besten Kaufempfehlungen des Jahrgangs, so man für diesen herausragenden wie symbolträchtigen 2000er Jahrgang noch annehmbare Einkaufspreise realisieren will. Mit dem Kirwan aus Margaux hatte ich einen Wein, von dem ich schon nach acht bis zehn Jahren die ersten Flaschen mit Genuss würde trinken können, mit dem Calon-Segur einen äußert langlebigen Saint-Estephe, der vermutlich noch meinem Sohn nach Eintritt ins Rentenalter Trinkvergnügen bereiten dürfte.

Die heutigen Kaufpreise für Kirwan und Calon-Segur 2000 liegen längst jenseits dessen, was ich inzwischen für eine ausgezeichnete Flasche Wein zu zahlen bereit bin. Nach einem Hoch von 64 Euro im Mai 2012 liegt Kirwan derzeit immer noch bei 55 Euro. Für den Calon-Segur müsste man sogar rund 100 Euro pro Flasche hinblättern, vorausgesetzt, man will ihn aus sicheren Quellen einkaufen und nicht irgendwelchen windigen eBay-Angeboten aufsitzen, die sich am Ende als Fälschungen herausstellen könnten. Heute würde ich auch nicht mehr subskribieren, dafür erscheint mir einerseits die Preisentwicklung bei Bordeaux nicht mehr explosiv genug, zudem gibt es immer wieder spannende neue Entdeckungen aus anderen Regionen, die für einen Bruchteil der Preise für Bordeauxweine zu haben sind. Und wenn es dann alle Jubeljahre wirklich mal ein exklusiver Bordeaux sein soll, dann sollte sich immer eine gute Kaufadresse finden lassen.

Und wie war er nun, der 2000er Kirwan? In der Farbe ein tiefes Rubinrot, in der Nase Cassis, Brombeere, Holz- und Röstaromen, dazu Kakao- und Tabaknoten sowie Kräuter. Ein sehr gut gereifter Wein, der mir 92/100 Punkte wert ist.

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09. September 2014

Unzulässige Verzerrung des Testergebnisses: Stiftung Warentest unterliegt auch in zweiter Instanz gegen Ritter Sport

Im Schokoladenstreit zwischen der Stiftung Warentest und dem Hersteller von Ritter Sport hat das in erster Instanz erlassen Urteil (der kompottsurfer berichtete) weiter Bestand. Das Oberlandesgericht München sieht Ritter Sport im Recht, mit einer negativen Produktwertung belastet worden zu sein, die in ihrer Begründung nicht haltbar sei. Mehr dazu unter anderem auf SPON.

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08. September 2014

Was Russland mit billiger Butter zu tun hat

Verwundert reiben sich Verbraucher in Deutschland dieser Tage die Augen, wenn sie beim Discounter Butter kaufen, denn die Preise sinken. Nun warnen Wirtschaftsexperten ja ohnehin schon eine Weile vor deflationären Tendenzen, aber die aktuellen Preissenkungen bei Butter und Milch, so ist zu lesen, hängen nicht damit sondern mit den europäischen Sanktionen gegen Russland zusammen. Was für den Verbraucher auf den ersten Blick angenehm ist, bringt die Bauern auf die Palme, denen wegen fehlender Exportmöglichkeiten ein Markt wegbricht. Und diesen Druck würden nun angeblich Discounter wie Aldi nutzen, um billigere Preise rauszuschlagen, schreibt zum Beispiel die Neue Osnabrücker Zeitung. Der kompottsurfer sieht die Abwärtsspirale bei den Preisen mit Sorge, denn wir wissen ja, was auf Preisdruck folgt: Einsparungen, die zu Lasten der Qualität gehen.

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04. September 2014

Björn Freitag im kompottsurfer-Interview: Und es schmeckt doch! Oder immer noch nicht?

Er ist einer der meistgesehenen Fernsehköche in Deutschland. Nicht zuletzt mit seiner erhellenden Serie Björn Freitag tischt auf erreichte der Dorstener Sternekoch für ein ARD-Regionalprogramm respektable Quoten und Kritiken. Auch bundesweite Ausstrahlungen machten ihn bekannt. Nun geht er gemeinsam mit der als Radiomoderatorin bekannt gewordenen Journalistin Sabine Heinrich ein neues Format an: Und es schmeckt doch!? Irgendwie kommt es einem zwar vor wie eine Variation von Alfredissimo! Aber eben mit mehr Fachkompetenz. Und thematisch straffer.

Frau Heinrich scheint dankenswerter Weise gar nicht erst den Versuch machen zu wollen, ihren prominenten Gästen etwas vorkochen zu wollen, so wie Alred Biolek seinerzeit. Für diesen Job ist Björn Freitag zuständig. Aber ganz so einfach soll er es dann doch nicht haben. Seine Aufgabe: Alptraumzutaten eines anwesenden prominenten Gastes in schmackhafte Gerichte verwandeln.  Sabine Heinrich soll derweil gute Gespräche am Küchentresen ankurbeln, was sie kann, keine Frage. Ein Konzept also, das kurzweilige kulinarische Unterhaltung verspricht. Sechs Folgen der Sendung sind zunächst geplant, los geht’s am Samstag 13.9. um 17:50 Uhr im WDR.

Der kompottsurfer erwischte Björn Freitag in einer Drehpause für ein kurzes Interview.

Hallo Björn. Am Samstag startet deine neue Sendung Und es schmeckt doch!? Da geht es um Alptraumgerichte, neu gemacht. An welche Alptraumgerichte aus deiner Kindheit kannst du dich noch erinnern?
Dicke Bohnen mochte ich früher überhaupt nicht. Der Geschmack war mir einfach zu muffig. Das waren auch meist die dicken Bohnen aus dem Glas, wo die Pelle noch dran war. Aber irgendwann als ich schon als Koch arbeitete, hab’ ich sie dann mal gepellt gegessen, also nur die grünen Kerne und dazu dann Hummer. Das war richtig lecker.

Probierst du öfter mal selber aus, wie du dir deine Alptraumzutaten von früher schmackaft machen kannst, oder passiert das eher durch überraschende Erlebnisse bei Kollegen?
Also da muss ich mal ausdrücklich den Frank Rosin loben
(Küchenchef des Dorstener Zweisternerestaurant Rosin, Anm. des kompottsurfers) der mir mal vor gut zehn Jahren bei einer Veranstaltung seine Königsberger Klopse vorsetzte und schmackhaft machte. Früher mochte ich die überhaupt nicht, und ich hätte mir sie nie irgendwo im Restaurant bestellt, aber bei seinen Königsberger Klopsen hab’ ich nur “Hurra” geschrien, seitdem bin ich ein Fan der Dinger. In Hamburger Tarantella hab’ ich sie später mal mit Schwarzen Trüffeln gegessen, das fand ich auch sensationell. Zuhause früher schmeckten sie aber nur nach Kapern, und das mochte ich überhaupt nicht.

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Gästen gemacht, was deren Erlebnisse mit Apltraumzutaten oder -gerichten angeht. Beklagen die eher den Geschmack, das Mundgefühl oder das Aussehen? Ich dachte zum Beispiel als Kind früher mal, Graupen wären kleine Tiere, klang ja auch irgendwie nach “Raupen”, und dann sahen die Dinger auch noch so eigentümlich aus.

Ich kann das alles nachvollziehen, egal ob es um Geschmack oder Mundgefühl geht, oder einfach nur mit dem Namen zu tun hat. Bei mir war es sogar so, dass ich als Kind keine Pilze mochte, weil meine Oma die auch nicht mochte. Also hab’ ich sie auch nicht gegessen. Daran kann man auch gut erkennen, welchen Einfluss erwachsene Bezugspersonen auf die geschmacklichen Vorlieben von Kindern nehmen können.
Björn, vielen Dank für das Gespräch. Wir sind gespannt, welche deiner Gäste du aus ihren kulinarischen Alpträumen erlösen kannst.

Küchenparty mit Björn Freitag
Sonntag, 28.09.2014 um 17 Uhr

Restaurant Livingroom, Bochum
Essen inkl. Getränke p.P. 99 Euro
Reservierungen über 0234.9535685

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30. August 2014

150 Jahre Gastronomie Haus Stemberg: Da ist feiern nicht nur Pflicht, sondern auch Kür

Der kompottsurfer kann sich nur noch dunkel erinnern. Man schrieb das Jahr 1864, und das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, denn ein gewisser Philipp Reis aus Gelnhausen hatte erst drei Jahre zuvor das Telefon erfunden. Gastronomieempfehlungen wurden damals nur mündlich gepostet, gleichwohl schaffte es Heinrich Stemberg, der Ur-Ur-Großvater des heutigen Küchenchefs Sascha, mit seinem Fuhrmannsgasthof Gastronomiegeschichte zu schreiben. Im Nebenraum seiner Schmiede versorgte er seine Gäste mit Richrather Eierpfannkuchen und Bier aus der nahe gelegenen Zassenhauser Brauerei, das er immer perfekt temperiert servieren konnte, denn Heinrich hatte sein Haus direkt an einen Felsen gebaut und damit kühle Lagerräume für Essen und Trinken geschaffen. Lagerräume, die bis heute gute Dienste tun.

Dass der namhafte Gastronomieführer Guide Michelin – dessen deutsche Ausgabe es immerhin auch schon seit über einhundert Jahren gibt – ausgerechnet 2014, zum 150-jährigen Bestehen, das Velberter Restaurants erstmals mit einem seiner begehrten Sterne auszeichnete, mag man für verspätet halten, andererseits macht dieser Umstand das Jubiläum noch strahlender. Sascha Stemberg bringt es so auf den Punkt: ,„Der Stern ist schon fett, da braucht man nicht diskutieren. Wir freuen uns natürlich auch über alle anderen Auszeichnungen sehr, die wir in den letzten Jahren erhalten haben, aber mit dem Stern wird man in der Gastronomieszene noch mal ganz anders wahrgenommen. Unglaublich, was hier abging, als die Nachricht von unserem Stern durchsickerte. Da rauschten die Mails und Faxe der Kollegen nur so rein. Harald Wohlfarth, Juan Amador, Klaus-Peter Lumpp, Christian Bau, Kollegen aus Zürich und Hongkong – ich kann sie beim besten Willen nicht mehr alle aufzählen, die sich so herzlich mit uns gefreut haben. Wir bekamen Champagner geschickt, gravierte Pfannen, und Stammgäste brachten Blumensträuße mit, in denen Sterne hingen. Es war einfach der Wahnsinn.“

Und jetzt wird gefeiert. Und das heißt bei Petra, Walter, Coren und Sascha Stemberg für den 5.-7. September: Food- und Weinfestival. Mit prominenten Stammgästen als Moderatoren, zahlreichen geladenen Spitzenköchen und Live-Musik. Es braucht jetzt nur noch gutes Wetter, aber selbst wenn’s damit nicht klappen sollte, dürften es ereignisreiche Tage werden.

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25. August 2014

Kaffee: Gelobt sei der Robusta!

Seit vielen Jahren wird Kaffeekonsumenten über die Werbung eine Qualitätslüge mit hohem Desinformationsgehalt unterjubelt. Arabica, so wird suggeriert, sei im Vergleich zum Robusta die hochwertigere Rohkaffeevarietät. Dabei hängt schon bei der Unterscheidung etwas schief, denn Arabica ist eine von siebzig Coffea-Arten, Robusta aber nur die Varietät des Canephora. Es wäre sprichwörtlich so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Äpfel und Bírnen sind Kernobst, genauso wie Arabica, Canephora und Liberica Kaffeearten sind. Und niemand der noch alle Kaffeetassen im Schrank hat, käme auf die Idee, die Qualität eines Apfels mit dem einer Birne zu vergleichen. Und selbst der Vergleich eines Boskop mit einem Cripps Pink würde hinken wie Lionel Messi nach einem Foul von Sergio Ramos.

Arabica und Canephora sind Rohkaffee-Arten von denen die erstgenannte die größte wirtschaftliche Bedeutung hat. Arabica macht knapp 75 Prozent der weltweiten Erzeugung aus, Canephora knapp 25 Prozent. Liberica und andere Sorten liegen zusammen unter 1 Prozent der weltweiten Produktion, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil neben der besonderen Bitternote, die der Sorte Liberica zugeschrieben wird auch eine große Menge frischer Kaffeekirschen gebraucht wird, um 1 Kilogramm marktfertigen Kaffee herzustellen, nämlich 11,5 kg, wogegen Arabica nur 6,38 kg und Canephora gar nur 4,35 kg benötigt (Quelle: Lehrbuch für Lebensmittelchemie von Belitz, Grosch und Schieberle).

Bedeutendste Varietäten des Arabica sind Typica, Bourbon, Maragogips und Mocca, bei Canephora sind es Robusta, Typica Uganda und Quillon. Im Handel unterschieden wird aber oft nur zwischen Arabica und Robusta. Das ergibt natürlich ein schiefes Bild, wenn zugleich die Auffassung verbreitet wird, aus Arabica ließe sich der bessere Kaffee brühen. Gleichwohl findet man sogar in der Fachliteratur hauptsächlich Vergleiche, die Arabicas und Robustas einander gegenüberstellen. Ganz offensichtlich aus Vereinfachungsgründen in Bezug auf Produktionsmengen und wirtschaftliche Bedeutung.

Vereinfacht betrachtet bringt Robusta deutlich koffeinhaltigere Bohnen (1,7-4,0 % der Trockenmasse) hervor, wogegen die Varianten des Arabicas nur 0,8-1,4 % aufweisen. Deutliche Unterschiede gibt es ansonsten noch bei den enthaltenen Lipiden, also bei bei den Fetten und Ölen, die im Röstkaffee vorhanden sind. Da ist der Arabica deutlich fetter mit 17 % in der Trockemasse gegenüber 11 % beim Robusta.

Eine weitere Unterscheidung ist bei den Aromen zu machen. Der Aromastoff 2-Ethyl-3,5-Dimethylpyrazin, dem ein bedeutender Teil der erdig-röstigen Note eines gerösteten Kaffees zugeschrieben wird, liegt bei Robusta um rund ein Dreifaches höher als bei Arabica-Sorten. Auch die rauchig-phenolischen Noten sind beim Robusta deutlich prägnanter und liegen beim etwa Neunfachen. Süßlich-karamelige Noten dagegen, wie 4-Hydroxy-2,5-dimethyl-3[2H]-furanon sind bei den Arabicas in der Regel stärker ausgeprägt.

Abgesehen davon, dass auch nichts gegen Verschnitte aus Robusta und Arabicas zu  sagen ist – im Gegenteil können aus derartigen Cuvées wunderbare Kaffees entstehen, habe ich gerade bei röstart, dem Kaffeehändler meines Vertrauens einen sortenreinen Robusta entdeckt, der mich begeistert: Reinstoff. Ein geradezu wuchtiger Kaffee mit prägnanten erdigen, rauchigen und schokoladige Noten, der eine fantastische Crema macht. Noch dazu ist der Reinstoff ein Koffeinbooster, der mich morgens ungebremst in den Tag katapultiert.

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20. August 2014

Zu Besuch im Weingut Bergdolt-Reif & Nett

Es gibt eine Reihe Winzer, deren Weine ich erst durch den rewirpower-Weintest kennen- und schätzen gelernt habe. Bergdolt-Reif & Nett sind so ein Fall. Ich mag aber nicht nur deren Weine sondern freue mich auch über den Mut des Hauses, die Bildungsinitiative Show Racism the Red Card offensiv zu unterstützen.

Kürzlich war ich für einige Tage in der Pfalz unterwegs, und da lag es auch geographisch nah, mal in Duttweiler vorbeizuschauen. Nach dem ersten Schock beim Betreten des Hofes, als mich eine schrille Telefonklingel in Alarmanlagenlautstärke dem Herzinfarkt gefährlich nahe brachte, sorgte das gewinnende Lächeln der herbei eilenden Silja Schmid für erste Beruhigung. Die junge Sommeliere hat vor nicht allzu langer Zeit von der Gastronomie in den Weinhandel gewechselt und kommuniziert die Nett-Weine auf Fachmessen, Events und im Hofverkauf. In der Probierstube des Dreigenerationenbetriebs gab es dann auch gleich reichlich guten Stoff zu verkosten. Nicht zuletzt Weine aus Jahrgängen, die nur noch in Einzelflaschen verkauft werden. “Ich entscheide dann nach Sympathie, ob jemand was davon mitnehmen kann, ” sagte sie mit einem schelmischen Grinsen.

Es wurde eine sehr unterhaltsame Verkostungstour durch die Weine des Hauses, das auf Lagenbezeichnungen verzichtet und stattdessen auf dem Flaschenetikett die Stilistik der Weine verschlagwortet. Creation u.a. für eine Reihe Cuvées, die durchgängig ein erstaunlich gutes Preis-Leistungsniveau bieten, wie die Leib & Seele-Linie (Weiß: Gewürztraminer, Rivaner und Kerner. Rot: Portugieser und Dornfelder). Tradition steht für, na klar, die experimentelle Linie. Quatsch, es sind die zumeist rebsortenreinen Basisweine des Hauses, die unter dieser Bezeichnung verkauft werden. Und dann gibt es noch die Avantgarde-Weine, denen das Weingut eine längere Reifezeit genehmigt. Spitzenweißweine aus besten Parzellen, die erst ab Mai des auf die Ernte folgenden Jahres in der Verkauf gehen und Rotweine, die im Doppelstück-Holzfass bzw. Barrique gereift und erst 18 Monate nach der Ernte zu haben sind. Prestige schließlich steht für Weine aus der Spitzenlage Mandelberg.

Vielleicht wird es demnächst eine neue Creation aus dem Hause Nett geben. Beim heiteren Verkostungsgespräch entstanden lustige Ideen mit Provokationspotential. Wenn daraus etwas wird, lässt es der kompottsurfer seine Leser natürlich umgehend wissen.

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