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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

09. Februar 2019

Nicht verpassen: Die Saison der Blutorangen.

“Blut ist ein ganz besonderer Saft”, schrieb Goethe. Ob er dabei auch an den Saft von Blutorangen gedacht hat, ist jedoch nicht ĂŒberliefert. Passen wĂŒrde es, denn Blutorangen sind wirklich ganz besonders. Jedes Jahr muss ich höllisch aufpassen, den Einstieg in die kurze Saison nicht zu verpassen, weil ich sĂŒchtig bin nach ihrem außergewöhnlichen Aroma. Der Liebhaber giert nach FrĂŒchten aus Sizilien, wobei er unterschiedlichen Sorten zugeneigt sein kann. Sanguine/Sanguinello, Tarocco, Moro und Manica erkennt er sowohl an der Farbe ihres Fruchtfleischs als auch am Vorhandensein von KerngehĂ€use und – natĂŒrlich – am Geschmack. Ich persönlich bevorzuge die Moro. Ihr Fruchtfleisch kennzeichnet ein besonders krĂ€ftiges Weinrot, aber das ist fĂŒr mich nur Nebensache. Im Vergleich zu ihren Geschwistern betört mich das mehr an SĂ€ure und Bitterstoffen, dazu die aromatische Melange aus Orange- und Himbeernoten. Vor wenigen Tagen probierte ich die Sorten erstmals direkt nacheinander und fand meine Ansicht bestĂ€tigt. Moro ist meins.

Die klimatischen Bedingungen rund um den Ätna und die großen Temperaturschwanken zwischen Tag und Nacht, die dort im Winter herrschen, sind perfekt fĂŒr Blutorangen, die zwar auch in Spanien und Florida angebaut werden, aber meinen Erfahrungen nach nicht in vergleichbarer QualitĂ€t zu haben sind, zumindest nicht hierzulande. Am besten plant man seinen Winterurlaub im Januar auf Sizilien und suchtet die FrĂŒchte gleich vor Ort weg. Aus Untersuchungen der Lebensmittelforschung ist nĂ€mlich bekannt, dass Lagerung dem Aroma von Orangen schadet, je lĂ€nger desto fader.

Blutorangen enthalten besonders viele Anthocyane, wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, denen antioxidative Wirkung zugeschrieben werden. Wobei die tatsĂ€chliche BioverfĂŒgbarkeit umstritten ist. FĂŒr meinen Geschmack sind die geringen Unterschiede zwischen Orangen und Blutorangen, bezogen auf die Inhaltsstoffe, kaum der Rede wert. Bei den Aromen aber sind sie gewaltig, finde ich. Und nicht vergessen: schnell wegessen die Dinger. Schon bald werden sie aus den MĂ€rkten wieder verschwunden sein.

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31. Januar 2019

Einfach loslegen: Warum im Kochalltag ein Kniefall vor dem Kochaltar nur stört.

Gelegentlich werde ich gefragt, was ich denn so koche, im Alltag. Ich bin ĂŒberrascht, wie viele Leute das wissen wollen. Dabei ist das Internet voller Rezeptideen, an denen man sich austoben kann. Ich antworte dann meist mit einem lang gezogenen Ähem und stottere mir anschließend was zusammen, von wegen mal Risotto und Eintopf oder so. TatsĂ€chlich habe ich nie einen Überblick darĂŒber gehabt, was ich daheim auf den Tisch bringe, Tag fĂŒr Tag. Vielleicht wollen die Leute aber auch gar keine Anregungen haben, wenn sie fragen, sondern nur eine Vorstellung von dem, was im Alltag möglich ist. Wer jeden Abend frisches Essen zubereiten will und dabei noch die Vorlieben und Aversionen mehrerer Personen berĂŒcksichtigen muss, die jahreszeitlichen UmstĂ€nde, die Zeitfenster von Koch und den Bekochten, ja fĂŒr den ist das schon eine TschĂ€llĂ€nsch wie man neudeutsch so sagt. Besonders dann, wenn man die Messlatte hoch legt. Das passiert, wenn einem zu viele Rezepte von Sterneköchen im Hirn herumgeistern und man das Kochaltar-Regal vollstehen hat mit BĂŒchern großer Meister am Herd. Und am Ende ist man so frustriert angesichts der tollen, aufwĂ€ndigen Gerichte, die man selbst niemals auch nur ansatzweise an einem gewöhnlichen Abend auf die Reihe brĂ€chte, dass man gar nicht erst anfĂ€ngt. Ging mir frĂŒher oft so, bis ich beschloss, meine AnsprĂŒche an mein Alltagsgebrutzel herunterzuschrauben. Seitdem bin ich vor keinem GAU auf dem Teller mehr fies.

Dieser blog ist fĂŒr mich auch eine fortwĂ€hrende Übung darin zu lernen, dass Kochen eine ganz normale Sache ist, die Freude machen kann, manchmal auch Stress, in fast jedem Falle aber satt. FĂŒr 2019 habe ich mir vorgenommen, mal ein wenig Buch darĂŒber zu fĂŒhren, was ich da so fabriziere. FĂŒr den Januar hat das immerhin schon geklappt, sogar meinen Vorsatz, einmal im Monat ein Gericht zu kochen, das ich vorher noch nie zubereitet habe, konnte ich einhalten. Gelang allerdings nur so mittel. HĂ€tte ich vorher Kitchen Impossible mit Hans Neuners Versuch, eine Shakshuka zu kochen, gesehen – ich wĂ€re gewarnt gewesen und hĂ€tte die Aufgabe, Eier auf einer Tomatensauce zu garen, nicht mehr als Kinkerlitzchen betrachtet.

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22. Januar 2019

GefĂ€hrliches GeflĂŒgel: Warum Einkauf und Verzehr von Huhn und Pute sehr gut ĂŒberlegt werden sollten.

Ende 2018 erschĂŒtterte ein Skandal um giftiges GeflĂŒgelfutter die Republik. Na ja, zumindest all’ jene von uns, die zwischen Advents- und Weihnachtsfeiern noch zum Lesen gekommen sind. Als es gegen Weihnachten Zeit wurde, die obligatorische Gans in den Ofen zu schieben, war die Geschichte auch schon wieder vergessen. Letzte Woche dann der nĂ€chste Aufreger. Auf eine Bundestagsanfrage von Anton Hofreiter (BĂŒndnis 90 / Die GrĂŒnen) zur bakteriellen Belastung von FrischgeflĂŒgel teilte das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft mit, dass bei Stichproben in hohem Maße das krankheitserregende Bakterium Campylobacter gefunden wurde. Die Problematik ist seit Jahren bekannt und taucht in vielen Varianten immer wieder auf. Auch der kompottsurfer berichtete darĂŒber, zum Beispiel hier.

Es steht fĂŒr mich außer Frage, dass wir es mit einem strukturellen Problem zu tun haben. Ob Fipronil im Ei, ESBL und MRSA im Putenfleisch oder Campylobacter im MasthĂ€hnchen – die großindustrielle Verarbeitung von GeflĂŒgel hat entscheidenden Anteil daran, dass die Sorge vor GesundheitsschĂ€den zum verlĂ€sslichen Begleiter bei Einkauf und Verzehr geworden ist. Neulich stieß ich im Agrar-Nachrichtendienst proplanta auf einen Beitrag aus 2016. Dort war folgendes zu lesen: “Aus einem 4 kg schweren Schlachtkörper eines Hahnes ergeben sich ca. 1,3 kg Keulen (mit Knochen), 1,2 kg Brustfilet und 1,2 kg GeflĂŒgelklein (HĂŒhnersuppe), 80 g Leber und 150 g Fett. Werden die Schlachtkörper im Rahmen der Direktvermarktung abgegeben, sollte ein kostendeckender Preis von mindestens 8,00 EUR/kg Schlachtgewicht erzielt werden. Bei TeilstĂŒckvermarktung sind bei diesem Preisniveau fĂŒr Brustfilet ca. 15,00 und fĂŒr Keulen 10,00 EUR/kg zu kalkulieren, damit ein Erlös Ă€hnlich dem beim ganzen Schlachtkörper zuzĂŒglich zusĂ€tzlicher Zerlegekosten generiert werden kann.” Schlachtkörper, auf solche Wortschöpfungen kommen wahrscheinlich nur wir Deutsche. Aber davon ab: Wenn beim Direktvermarkter ein Verkaufspreis von 8 Euro als kostendeckend kalkuliert gilt, fĂŒr ein Kilo Huhn mit allem verwertbaren Teilen, wie schaffen es dann die Discounter den teuersten Teil vom Huhn, nĂ€mlich das Brustfilet, fĂŒr 4,49 bis 4,99 Euro pro Kilo anzubieten? Zumal da ja noch HĂ€ndlermarge sowie Transport- und Verpackungskosten drin sind. Keine Frage, irgendwas muss dabei den Bach runtergehen. Ob QualitĂ€t, Sicherheit oder Tierwohl. Oder alles zusammen. Ich finde, da braucht es ein Umdenken von uns allen. Meinen GeflĂŒgelkonsum habe ich deshalb ĂŒber die letzten Jahre deutlich reduziert. Mal ganz abgesehen davon, dass ich HĂ€hnchen oder Putenbrust ohnehin nicht fĂŒr eine kulinarische Delikatesse halte. WildgeflĂŒgel ist eine ganz andere Geschichte. Krieg ich leider nur so selten zu fassen. Mit den Jahren hat mein Tempo nachgelassen – ich krieg’ die Viecher im Lauf einfach nicht mehr eingefangen.

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14. Januar 2019

Franck RibĂ©ry und die Frage, warum ein Goldsteak die GemĂŒter erhitzt.

FĂŒr die Medien ist um den Jahreswechsel Sauregurkenzeit. Was kommt da gelegener als Wetterextreme und Dschungelcamp mit C-Promis? Klar, ein echter Promi, der ĂŒber die StrĂ€nge schlĂ€gt. Der Brockhaus erklĂ€rt ĂŒber die StrĂ€nge schlagen als “unerwĂŒnschtes Treten eines Pferdes oder eines anderen Zugtieres mit den Hinterbeinen ĂŒber die ZugstrĂ€nge seines Geschirres; das Pferd hatte es also mit dem Galopp ĂŒbertrieben oder war zu wild”. Und mit Treten hat das Geschehen im Dubaier Steakhaus Nusr-Et von Nusret Gökçe ohne Zweifel zu tun. Franck RibĂ©ry, begnadeter Fußballer aus den Reihen des FC Bayern MĂŒnchens, trat diesmal nicht einen Gegenspieler böse weg (wie seinerzeit Vidal von Juventus Turin), sondern Kritiker der Medien, die ihn fĂŒr den Konsum eines HolzfĂ€ller-, pardon, Ribeye-Steaks mit Blattgoldbelag kritisiert hatten. Man mag nicht alles wiederholen, was der Franzose von sich gab, aber fĂŒr seine unflĂ€tige Wortwahl in einem Tweet wĂŒrden minderjĂ€hrige Kinder drei Jahre Stubenarrest anhĂ€ufen.

Aus meiner Sicht ist das auch der einzige echte Aufreger im Fall #goldsteak. Denn eine derart beleidigende Wortwahl ist unter aller Sau. Was allerdings am Genuss eines blattgoldigen StĂŒcks Hochrippe vom Rind ernsthaft verwerflich sein soll, entzieht sich meinem VerstĂ€ndnis. RibĂ©ry hat weder Affenhirn, noch eine vom Aussterben bedrohte Tierart verspeist. Ohne Zweifel ist dieses Blattgoldgedöns kulinarisch an LĂ€cherlichkeit kaum zu ĂŒberbieten, wie Sarah Wiener und Alfons Schuhbeck glaubten der Nation sogar noch erklĂ€ren zu mĂŒssen. Aber okay, die Medienleute fragen, und dann werden von namhaften Köchen halt solche Statements abgegeben.

Dass aber einige ansonsten ernstzunehmende Zeitungen und Magazine den Anschein erwecken, das Blattgold des angeblich 1.300 Euro teuren Steaks hĂ€tte um die 1.000 Euro gekostet, ist mindestens so unsinnig, wie ein Steak mit diesem Zeug aufwerten zu wollen. TatsĂ€chlich sind die hauchdĂŒnnen, lebensmitteltauglichen Blattgoldauflagen fĂŒr ein Minimum des Preises zu haben. Bei Amazon zum Beispiel kosten 10 Blatt in 23 Karat gerade mal 22,99 Euro. Bei einer SeitenlĂ€nge von 8 cm sollten vier Blatt sogar fĂŒr ein Riesensteak wie RibĂ©ry es auf dem Teller hatte, ausreichen. Wir reden also ĂŒber 10 Euro extra, nicht 1.000. Das Fleisch allerdings, das in den SteakhĂ€usern von Nusret Gökçe serviert wird, ist fĂŒr hohe GĂŒte bekannt. Und da ist es durchaus vorstellbar, dass den Hausherrn ein 500-g-Ribeye-Steak vom Wagyu-Rind aus Kobe im Marmorierungsgrad 5 reichlich 250 Euro im Einkauf gekostet haben könnte, erst recht in Dubai. Wobei ich meine Zweifel habe, ob RibĂ©ry ein Grad-2- von einem Grad-5-Steak geschmacklich unterscheiden kann. Aber das ist eine andere Geschichte. NatĂŒrlich kann man darĂŒber streiten, ob hohe FleischqualitĂ€t einen so hohen Preis rechtfertigt. So, wie man das tun kann bei TrĂŒffel, Kaviar und was einem sonst noch alles einfĂ€llt an Edelprodukten. Jede gĂ€ngige Pizza beim Italiener wird – ausgehend vom Wareneinsatzwert – mit einem prozentual sehr viel höherem Aufschlag kalkuliert sein als so ein Premiumsteak.

Inzwischen ist Lukas Podolski seinem Fußballkollegen RibĂ©ry zur Seite gesprungen. Auf SPON wird er dazu mit folgenden Worten zitiert: “Das ist in Deutschland extrem. Wenn ich als Lukas Podolski jetzt einen Döner esse, sagen sie: Boah, was fĂŒr ein geiler Typ! Und wenn ich mir am nĂ€chsten Tag ein goldenes Steak reinhaue, heißt es: Was ist das denn fĂŒr ein Arschloch?” Poldi betreibt ĂŒbrigens einen Döner-Laden in Köln und spielt aktuell ausgerechnet beim japanischen Fußballclub Vissel Kobe. Ja, genau dort, wo die berĂŒhmtesten aller Wagyu-Rinder gezĂŒchtet und aufgezogen werden. Unterhaltsamer Zufall.

Die Bezeichnung Blattgold fĂŒr das, was da auf Prahlhansis Steak drappiert wird, ist ĂŒbrigens reichlich ĂŒbertrieben, denn es erreicht nicht mal ansatzweise PapierblattstĂ€rke sondern ist viel dĂŒnner. Deshalb heißt das Zeug in Fachkreisem des Goldschmiedehandwerks auch gar nicht Blattgold sondern Dukatengold. Jahrhunderte lang wurde es von Hand hergestellt, wieder und wieder ausgewalzt auf einer Unterlage aus Leder. Der Begriff Dukatengold ist abgeleitet von einer Goldlegierung, die seinerzeit fĂŒr die Herstellung von DukatenmĂŒnzen verwendet wurde. Ein Material, das hauchdĂŒnnes Auswalzen erlaubte. Zur Verwendung als Deko auf dem Ritterhelm, oder so. Und was fĂ€llt uns noch zu Dukaten ein? Richtig, der Goldesel aus Grimms MĂ€rchenerzĂ€hlung Tischlein, deck dich! Wenn RibĂ©ry genug Goldsteaks vertilgt, könnte er dann vielleicht als Goldesel reĂŒssieren? Denkbar wĂ€r’s, denn das Edelmetall wird vollstĂ€ndig unverdaut wieder ausgeschieden. Und wie hat diese Geschichte angefangen? Richtig, mit Tischlein deck’ dich in Dubai. Und den verbalen KnĂŒppel ließ RibĂ©ry auch noch aus dem Sack. So gehen moderne MĂ€rchen fĂŒr alternde Fußballstars.

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07. Januar 2019

Spanischer Winter mit Rosenkohl: Tortilla de Coles de Bruselas

Tortilla Coles de Bruselas

Keine Ahnung, wie viele Tortillas ich im vergangenen Jahr in den Ofen geschoben habe, aber ganz sicher waren es viel mehr als in meinem ganzen Leben davor. Was nicht nur daran liegt, dass ich bequemer geworden bin – Tortillas sind gut vorzubereiten und taugen als Heiß- und Kaltgerichte – sondern vor allem an der Unerschöpflichkeit möglicher Rezepturen. Ich bin ohnehin der Meinung, dass die GĂŒte eines Gerichts in der alltĂ€glichen HaushaltskĂŒche – von der QualitĂ€t seiner Zutaten abgesehen – besonders von der Routine bei der Zubereitung abhĂ€ngt. Wenn die Handgriffe sitzen und der Akteur am Herd Gedanken an Feinabstimmung und Varianten verschwenden kann, statt stĂ€ndig AblĂ€ufe und Zutatenmengen im Kochbuch nachschlagen oder mit fettigen Fingern in einer App auf dem iPad herumtippen zu mĂŒssen, nur dann kann man in die Tiefen einer Zubereitung vorstoßen. Genau deshalb erinnern sich die meisten von uns so gut an Lieblingsgerichte aus Omas oder Mamas KĂŒche – weil die ĂŒber Jahre, ach was, Jahrzehnte perfektioniert worden waren und deshalb auch immer nahezu identisch gut gelangen. Keine Ahnung, in welchen kulinarischen Erinnerungen aus meiner AlltagskĂŒche mein verwandtschaftliches Umfeld eines Tages schwelgen wird, wenn mein Gebrutzel dafĂŒr ĂŒberhaupt mal reicht, aber zu den heißesten Kandidaten dĂŒrften Pfannkuchen, Risotto, Frikadellen, Hummus und Linseneintopf zĂ€hlen, denke ich.

Was Tortillas angeht, wird es dagegen noch eine Weile brauchen, bis ich verlĂ€sslich abliefern kann. Immerhin, ich arbeite dran, und das mit Freude. Am Wochenende wandte ich mich einer vegetarischen Variante mit Rosenkohl zu. Der hat Hochkonjunktur im Moment, und ist so gut wie gĂŒnstig beim GemĂŒsehĂ€ndler meines Vertrauens zu haben. Zugegeben, ich bin kein wirklich großer Fan von Rosenkohl, vor allem, wenn ich ihn lediglich gekocht und nur in ganzen Kugeln vorgesetzt bekomme. Ich mag ihn am liebsten halbiert und geschmort, mit allerlei Zutaten aufgepeppt. So kam es also zu dieser Variante. Keine Ahnung, ob Tortilla de Coles de Bruselas in irgendeiner spanischen Provinz Kulturgut sind und ich ein kulinarisches Heiligtum gemeuchelt habe. Vielleicht frage ich bei Gelegenheit mal meinen Laufkumpel Miguel, der mit traditioneller spanischer KĂŒche gut vertraut ist.

Meine Rosenkohl-Tortilla geht jedenfalls so:

Zutaten fĂŒr 4 Personen
1 kg Kartoffeln (festkochend) // 500 g Rosenkohl // 200 ml GemĂŒsebrĂŒhe // 10 Bio-Eier (M) // 100 g Parmesan // 2 TL Scharfer Senf // 25 ml frische Vollmilch // 25 ml Mineralwasser (sprudelnd) // 1 EL Aceto Balsamico // 1 EL Sesamöl // Salz, Pfeffer, Olivenöl, Butter

Zubereitung
Backofen auf 125° C. vorheizen. Rosenkohl putzen und halbieren. Kartoffeln schĂ€len und mit etwas Wasser abspĂŒlen. In 2 cm große WĂŒrfel schneiden, auf ein Trockentuch legen und krĂ€ftig abrubbeln.

2 EL Olivenöl mit etwas Butter in einen Stieltopf geben und auf halber Hitze erwĂ€rmen bis die Butter Blasen wirft. Rosenkohl zugeben und zugedeckt kontrolliert anbraten, sodass angenehme Röstaromen entstehen also nicht kohlrabenschwarz. Senf zugeben und kurz mit anbraten, anschließend GemĂŒsebrĂŒhe auffĂŒllen bis die Rosenköhler knapp bedeckt sind. Bei kleiner Flamme zugedeckt 20 Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen, FlĂŒssigkeit abgießen, etwas Salz und das Sesamöl zum Rosenkohl geben und Topf beiseite stellen. Kartoffeln in der Pfanne wie Bratkartoffeln mit leichter BrĂ€unung zubereiten.

Eier mit Milch, Wasser, Salz und Pfeffer in einer SchĂŒssel homogen verrĂŒhren. Sobald die Bratkartoffeln fertig und gesalzen sind, werden sie vor dem Rosenkohl schichtweise in eine gefettete Auflaufform gegeben. Dazwischen den ParmesankĂ€se einstreuen und den Balsamessig spurenweise verteilt auftrĂ€ufeln. Eimasse einfĂŒllen, GemĂŒse etwas andrĂŒcken bis alles von der Eimasse umgeben ist, und die Form in den vorgeheizten Ofen geben. Unter gelegentlicher Beobachtung ca. 40 Minuten garen lassen (gegebenenfalls lĂ€nger) bis das Ei gestockt ist. NatĂŒrlich könnte man die Tortilla auch bei deutlich höherer Temperatur garen, nicht zuletzt als Zubereitung in der Pfanne auf dem Herd aber fĂŒr meinen Geschmack geht darĂŒber die Cremigkeit der Eimasse verloren. Schließlich die Tortilla nach Wunsch noch in der Form aufteilen und servieren.

Ach ja: Ob die Truppen unter Admiral Mendoza im Spanischen Winter anno 1589/99 mit Tortilla de Coles de Bruselas bei KrĂ€ften gehalten wurden, als sie auch Teile des Ruhrgebiets in Schach hielten, ist nicht ĂŒberliefert. Gesichert ist aber, dass Rosenkohl erstmals exakt in eben dieser Zeit in den damaligen Spanischen Niederlanden (heute Belgien) angebaut wurde.

NACHTRAG: Die lange Garzeit des Rosenkohls erklĂ€rt sich mit meiner Abneigung des MundgefĂŒhls im Ganzen gegarter Kugeln. Deshalb diese weichgekochte Variante. Wer es fest und im Ganzen mag, kocht sie nur 6-8 Minuten, je nach GrĂ¶ĂŸe.

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30. Dezember 2018

Es muss nicht immer Selbstoptimierung sein: Zehn gute VorsĂ€tze fĂŒrs neue Jahr.

Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber fĂŒr mich gab es in der Vergangenheit nur wenige Jahre in denen ich mir kurz vor Silvester sagen konnte: Jawoll, du alter Schwede, du hast nicht nur deinen Vorsatz durchgehalten, sondern dich durchs Einhalten der VorsĂ€tze sogar besser gefĂŒhlt. Vorletztes Jahr gelang das mal, weil ich meinen Zuckerkonsum so drastisch wie erfolgreich einschrĂ€nken konnte. Anfangs war das Folter, weil mir als Sportjunkie stĂ€ndig die Energie auszugehen schien, aber irgendwann bekam ich das Problem in den Griff, und ich fĂŒhlte mich frischer als frĂŒher. Aber sonst? Gelang fast nix. Selbst das Jahr, in dem ich mir vorgenommen hatte, wieder mehr Alkohol – vor allem mehr Wein – zu trinken, ging als Rohrkrepierer in die Annalen meiner guten VorsĂ€tze ein. Kann man sich das vorstellen? NatĂŒrlich halten mich die Misserfolge nicht davon ab, fĂŒrs kommende Jahr wieder gute VorsĂ€tze zu basteln. Meine Strategie fĂŒr 2019: viele kleine davon – genauer gesagt zehn – zu einem großen und guten Ganzen werden zu lassen. Wenn ich dann im kommenden Dezember an mehr als der HĂ€lfte davon guten Gewissens einen Haken machen kann, ist die Sache geritzt. Diesmal hat alles mit Genuss, ErnĂ€hrung und Konsum zu tun.

1. Weniger Essensreste wegschmeißen
Gelingt mir schon ganz gut, aber da ist noch Luft nach oben. Angesichts eines Bergs von durchschnittlich ĂŒber 80 Kilogramm verklappter Lebensmittelreste pro BundesbĂŒrger zĂ€hlt jedes Gramm. Bei mir sind es selten verwendete Produkte wie Saure Sahne und Kokosmilch, von denen Reste schon mal im KĂŒhlschrank vergammeln und dann im MĂŒll landen. Kleinere PackungsgrĂ¶ĂŸen könnten helfen, aber das steht dann gleich im Widerspruch zu Vorsatz Nummer …
2. VerpackungsmĂŒll vermeiden
Vor allem Plastik, das als Verpackung fĂŒr Lebensmittel wie KĂ€se, GemĂŒse, Salat, Kaffee usw. dient, möchte ich auf ein Minimum beschrĂ€nken.
3. Öfter mal Freunde zum Essen nach Hause einladen
Scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein. Bestimmt ist Netflix Schuld. Aber gut Essen, Trinken und Reden sind doch die schönsten analogen Dinge, die wir tun können, oder? Außer Laufen natĂŒrlich. Und Fußball live im Stadion gucken. FĂŒr alles andere bin ich zu alt.
4. Kreativer kochen
Untrennbar mit Vorsatz 3 verbunden. Wenn Freunde zu Besuch kommen, bin ich bereit mehr Aufwand fĂŒrs Kochen zu treiben als im Alltagsleben. Aber halt, dann mĂŒssten meine Freunde ja als Probanden herhalten. Kann man das machen? Ähem, ich denke schon. FĂŒnfeinhalb Stunden verbringt der BundesbĂŒrger ĂŒbrigens im Wochendurchschnitt mit Kochen. Bei mir sind es mehr als doppelt so viele Stunden. Aber diese Zahl sagt wenig aus, spielen doch Faktoren wie Anzahl der bekochten Personen (wer bekocht wird, kocht nicht selbst), Aufwand fĂŒr die Zubereitung und Routine eine Rolle, die kaum tragfĂ€hig berechnet werden können. Interessanter sind da schon die Ergebnisse aus dem Consumers Choice 2017, erarbeitet von der Bundesvereinigung der Deutschen ErnĂ€hrungsindustrie (BVE) und der Gesellschaft fĂŒr Konsumforschung (GfK), wonach in nur noch jedem vierten Haushalt hierzulande tĂ€glich frisch gekocht wird. Wobei ich gerne wĂŒsste, was so mancher MitbĂŒrger heutzutage so alles als frisch gekocht durchwinkt. Ist aber ‘ne andere Geschichte. Ich fĂŒr meinen Teil will in 2019 mehr ausprobieren. Mindestens ein Gericht pro Monat, das ich noch nie zuvor gekocht habe. Klingt vielleicht wenig, ist aber reichlich viel, wenn ich bedenke, was ich mir in meinem Leben schon so alles zusammengebrutzelt habe.
5. Bewusster und weniger Fleisch essen
Soweit möglich, vermeide ich ohnehin schon Fleisch, Schinken und Wurst aus Massentierhaltung und beschrÀnke meinen Fleisch- und Wurstkonsum auf dreimal pro Woche. Aber es geht nicht nur um Vermeidung, sondern auch um mehr Genuss. So bekommt die BeschrÀnkung Mehrwert. Und zwar durch bewusstere Auswahl besonderer Schnitte, zum Beispiel Schulternaht oder Nierenzapfen vom Rind.
6. Zu Fuß oder mit dem Rad zum Einkaufen auf den Biohof
Mag man außerhalb des Ruhrgebiets kaum glauben, aber wir haben hier nicht nur viel GrĂŒn, sondern auch reichlich Bio-Landwirtschaft. Der Klosterberghof liegt nur zwei Kilometer von daheim entfernt, wohin es aber so steil und kurvig bergab und wieder bergan fĂŒhrt (+110 Höhenmeter), dass kein Linienbus da lang fĂ€hrt. Und bepackt per pedes oder per pedales ist das auch kein Spaß. Zumal der Hof stark eingeschrĂ€nkte Öffnungszeiten hat. Ja,  ich geb’s zu, am Ende fehlt nur der Wille. Also ab 2019 einmal monatlich einkaufen im Klosterberghof oder Schepershof (der liegt zwar etwas weiter weg, bietet dafĂŒr aber KĂ€se aus eigener Herstellung an). NatĂŒrlich ohne Auto.
7. Mehr haltbare Zutaten selbst herstellen
Zum Beispiel KrÀutersalz, Fonds, Pesto und Brotaufstriche. Vielleicht wage ich mich auch mal an Essig heran.
8. Wochenplan fĂŒrs Kochen machen.
So viel Freude mir das tĂ€gliche Einkaufen und Kochen nach Marktlage auch macht – es geht einfach zu viel Zeit dabei drauf. Also mehr Kochen nach Plan. Einschließlich der Bereitschaft, meinen Plan von gestern mit aller SouverĂ€nitĂ€t in die Tonne zu treten, wenn die Marktlage mir bessere Möglichkeiten bietet.
9. Brauereibesichtigung bei Moritz Fiege
Bier von hier, von daheim. Ich will wissen: Wie haben es die Bochumer geschafft – als eine der wenigen Brauereien in Deutschland – gegen den Trend ĂŒber Jahrzehnte ihr Pils in klassisch-herber Machart zu bewahren und nicht dem stumpfen Stil des Massengeschmacks zu opfern.
10. Praktikum im Sterne-Restaurant
AlltĂ€gliche HaushaltskĂŒche und Kochen in der Spitzengastronomie sind zwei sehr unterschiedliche Sportarten. Ein Vorsatz fĂŒr 2019 ist, mal fĂŒr eine Woche in der KĂŒche eines Sternerestaurants zu hospitieren. Ich will AblĂ€ufe besser kennenlernen und ein bisschen Inspiration mitnehmen, einschließlich einiger Kniffe, was das Anrichten betrifft, meine Katastrophendisziplin. Mal sehen, ob ich ein bereitwilliges Haus finde.

Der kompottsurfer wĂŒnscht allen Lesern einen prickelnden Jahresausklang und alles Gute fĂŒr 2019!

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20. Dezember 2018

Auf zum BratenbegrÀbnis: Die Reste der Feste lecker verwerten.

Normalerweise wird der MĂŒll bei uns am Dienstag abgeholt, so gegen 7 Uhr morgens. Wehe dem, der spĂ€ter aufstehen muss, denn die Entsorgungstruppe kennt keine Gnade. Sie rumpelt im Umkreis von 100 Metern jeden wach, der am Vorabend keine Stöpsel in die Ohren gesteckt hat. SpĂ€testens zwischen den Jahren sehnt man die AbrĂ€umer aber herbei, auch wenn sie noch so einen LĂ€rm veranstalten. Die ĂŒberquellenden MĂŒlltonnen werden an Feiertagen nĂ€mlich nicht geleert, so der auf einen turnusmĂ€ĂŸigen Abholtag fĂ€llt. Und auch nicht am nĂ€chsten Werktag, nicht mal am ĂŒbernĂ€chsten. Das Szenario fĂŒr die anstehende Jahresendfeiertagssaison sieht fĂŒr uns hier in der Gegend finster aus. Am 18.12. war die letzte Leerung. Der 25.12. – als nĂ€chster turnusmĂ€ĂŸiger Abholtag – ist erster Weihnachtstag und genau eine Woche spĂ€ter Neujahr. Wenn es dumm lĂ€uft, und ganz bestimmt lĂ€uft es dumm, wird der MĂŒll erst am 8.1.2019 wieder geleert. Klar stinkt mir das, und ich werde noch stinkiger auf den Klimawandel, denn der “scheint weiße Weihnachten zu verhindern” wie die Experten von Wetter.com schreiben. Das bedeutet milde, geruchsfördernde Temperaturen und ĂŒber Wochen stinkenden MĂŒll, weil viele MitbĂŒrger nicht nur die Verpackung ihres geschenkt bekommenen Home Trainers verklappen, sondern auch die Reste ihrer Festmahlzeiten. Womit ich (endlich) beim eigentlichen Thema bin: Resteverwertung.

Wie viel Nahrungsmittel wir hierzulande wegschmeißen, darĂŒber hat der kompottsurfer mehr als nur einmal gebloggt. Nun fiel mir heute ein altes, handgeschriebenes Kochbuch meiner Oma in die HĂ€nde und erinnerte mich daran, mit welcher SelbstverstĂ€ndlichkeit und breiter gesellschaftlichen Akzeptanz frĂŒher Essensreste zu neuen Gerichten umgewidmet wurden. Alte KochbĂŒcher enthielten sogar gesonderte Rubriken zu dem Thema. Ganz persönlich erinnere ich mich an die Verwertung von ĂŒberzĂ€hligen Salzkartoffeln, die am nĂ€chsten Tag als sowas wie gebratene Gnocchi serviert wurden. Ich mochte das sehr, genauso wie die zu Suppe gestreckte Bratensauce, in der – bestenfalls – sogar noch ĂŒbrig gebliebene Fleischfetzen schwammen.

Ist reichlich Fleisch ĂŒbrig, wird ein BratenbegrĂ€bnis fĂ€llig. So nannte man frĂŒher ein Auflaufgericht aus Resten von Rinderschmorbraten. Das Bratenfleisch wurde dafĂŒr zusammen mit einer gleichen Menge frisch gekochter Kartoffeln und rohen, geschĂ€lten Apfelscheiben in eine Auflaufform gefĂŒllt und mit einem Gemisch aus Bratensauce, Ei und Saurer Sahne ĂŒbergossen. Geriebener KĂ€se obendrauf und ab damit zum Überbacken in den Ofen. Zu Senffleisch wurden Fleischreste verarbeitet, die man in Suppenfett und Bouillon einweichte, anschließend in einer Mischung aus Semmelbrösel, fein gehackten Zwiebeln, Petersilie, Salz und schwarzem Pfeffer wĂ€lzte und mit etwas Butter im Ofen aufbackte.

Übrig gebliebenes Fleisch aus Fondansatz oder KraftbrĂŒhen wurde gerne zu Dominikanerschnitten veredelt, dafĂŒr in Scheiben geschnitten und mit einer Farce aus Sardellenbutter, ParmesankĂ€se, Semmelbröseln, Eiern, Zitronenabrieb, Salz und Pfeffer bestrichen. Den letzten Schliff bekommen sie in der Pfanne gebraten und schließlich mit etwas flĂŒssiger Butter und Madeira ĂŒbergossen. Pannfisch kennt man vor allem in den kĂŒstennahen Regionen, wo es bis heute auf vielfĂ€ltige Weise variiert wird. Im Kochbuch meiner Oma ist es aus Resten von Stockfisch gemacht, der entgrĂ€tet und gehĂ€utet, dann feingehackt und schließlich mit gehackten Zwiebeln und in der Schale gekochten und anschließend geriebenen Kartoffeln in der Pfanne geschmort wird.

Und wenn die gierigen Fleischesser am Feiertag nur Kartoffeln ĂŒbrig gelassen haben? Dann gibt’s entweder die erwĂ€hnten Pseudo-Gnocchi oder den Spionstopf. Ist kaum ĂŒberliefert, das Gericht – was auch kein Wunder ist, bei dem Namen – aber wer es kennt, mischt dafĂŒr zermanschte Kartoffeln mit zerfetztem gekochten Schinken, bereitet eine Mehlschwitze zu und mischt sie mit BrĂŒhe zu einer Sauce. Der warme Kartoffel-Schinkenberg wird mit der Sauce ĂŒbergossen, mit gehackter glatter Petersilie garniert und schließlich mit zwei obenauf gesetzten und wachsweich gekochten Ei-HĂ€lften serviert. Die zwei Eier dĂŒrften auch den Namen erklĂ€ren: Sie beobachten dich wie das Augenpaar eines Spions.

Der kompottsurfer wĂŒnscht allen Lesern restlos genussvolle Feiertage.

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12. Dezember 2018

kompottsurfers liebste Rezepte-Blogs (I): Arthurs Tochter kocht.

Rezepte bloggen ist einfach? Von wegen. Der kompottsurfer weiß nur zu genau, welche TĂŒcken da im Detail lauern. Wohl dem, der treue Leserinnen und Leser hat, die gleich aufmerken, wenn irgendwo was hakt oder nicht plausibel ist. Neulich kommentierte die geschĂ€tzte Kollegin Astrid Paul von Arthurs Tochter kocht via Facebook meinen Beitrag ĂŒber die vergessenen FleischstĂŒcke mit drei  sexy GrĂŒnkotz TrĂ€nen-emojis, weil die von mir angegebene Gartemperatur von 70° Celsius ihren Erfahrungen nach deutlich zu hoch sei. Astrid hat meinen großen Respekt als Mensch, Köchin und Bloggerin, und deshalb nehme ich ihr die Drama-Drama-Drama-Heulsusen auch ĂŒberhaupt nicht krumm.

Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich ein Botulinum-Schisser bin, und mich an Gartemperaturen unter 60° Celsius Sous-Vide nur mit Unbehagen heranwage. Und empfehlen will ich sowas erst recht nicht. Zumal die Denaturierung kollagener Strukturen im Fleisch erst ab 70° Celsius einsetzt und der von mir angesprochene Nierenzapfen mehr Kollagen enthÀlt als beispielsweise Filet und deshalb die 70° Celsius gut vertrÀgt, finde ich zumindest.

Soviel zur Vorgeschichte, die mich auf den Gedanken brachte, an dieser Stelle mal in loser Folge jene rezept-orientierte Blogs von Kolleginnen und Kollegen vorzustellen, die mir gefallen. Ja, es gibt unzÀhlige bei denen es ums Kochen geht, aber nur sehr wenige bringen neben den rein technischen Zubereitungsaspekten auch eine Prise kulinarischen Esprits mit. Astrids Blog ist so einer.

Wenn ich bei ihr vorbeischaue, werde ich gleich daran erinnert, warum der kompottsurfer Rezepte nur gelegentlich oder als Experimentierreihe veröffentlicht: Weil andere das viel besser können. Das detaillierte Beschreiben, das Anrichten vor allem und natĂŒrlich das Fotografieren. Nur Essen und Trinken kann ich mindestens genauso gut. Ist ja auch schon mal was.

Arthurs Tochter kocht hat in der letzten Dekade eine erstaunliche Entwicklung genommen und ist bei aller gewonnenen ProfessionalitĂ€t eine liebenswerte Adresse fĂŒr Freundinnen und Freunde kulinarischer GenĂŒsse geblieben. Als wir 2009 in Kontakt kamen und der kompottsurfer ihren neuen Blog in seine Empfehlungsliste aufnahm, konnte man nicht ahnen, dass Arthurs Tochter zum Paradebeispiel einer Web_2.0-Karriere auf kulinarischem Gebiet reĂŒssiert. Das liegt auch an der Art wie sie ihre Rezepte auswĂ€hlt, aufbereitet, einfĂŒhrt, kommentiert. So schreibt sie zu Pasta Alfredo, nur mal als Beispiel: “
. Ich verwende keine Sahne, Sahne an Pasta Alfredo geht NÄMLICH GAR NICHT und zieht Einreiseverbot nach Italien nach sich!”

Bald dĂŒrfte ihr Rezeptfundus zu einer Art Brockhaus mutiert sein. Und der geneigte Alltags- und Hobbykoch fragt sich: Wann zum Teufel bereitet sie das alles zu? Und vor allem: Wann isst sie das alles? Nach ĂŒbermĂ€ĂŸigem Konsum sieht sie nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht aus. Vielleicht liegt der SchlĂŒssel darin, dass sie so viel fĂŒr andere kocht. Alle vier bis sechs Wochen richtet sie daheim den so genannten Supperclub aus, wo einander oft unbekannte GĂ€ste am Chefs Table sitzen und Essen und Trinken auf eine gemeinschaftliche Weise genießen, wie das in Restaurants nur selten möglich ist. Dabei wissen wir doch: Kulinarische GenĂŒsse bereiten in Gemeinschaft gegessen mehr VergnĂŒgen als alleine. Einfach immer mal wieder auf ihrer Seite nach Terminen Ausschau halten. Sicher schickt Astrid auch Geschenkgutscheine fĂŒr Genießer raus, die ihren Liebsten noch wertvolle Gaben unter den Weihnachtsbaum legen möchten. Eines Tages werde ich mich auch mal an Astrids Tisch einfinden. DarĂŒber sinniert haben wir schon vor zehn Jahren. Hat nur leider nie geklappt. Der Wein, den ich dafĂŒr beiseite gelegt habe, ist ĂŒbrigens immer noch nicht ausgetrunken.

Nur wenige ihrer Geschichten beginne ich mit Widerwillen zu lesen, wie die ĂŒber ihre erste Kreuzfahrt. Warum? Weil ich mir zumindest einige wenige meiner hart erarbeiteten Vorurteile erhalten und nicht Gefahr laufen möchte bekehrt zu werden. Sollte ich jemals so einen schwimmenden Wasserpanzer betreten und damit raus aufs Meer fahren, soll mich auf der Stelle der Blitz treffen.

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03. Dezember 2018

Die Suche nach den vergessenen FleischstĂŒcken.

Deutscher Schnitt vom Rind in einem Kochbuch von Bocuse. Abbildungen von FleischstĂŒcken in Henriette Davidis Kochbuch von 1921

Wer beim Metzger seines Vertrauens in die Auslage blickt, erspĂ€ht zumeist die ĂŒblichen StĂŒcke Fleisch. Filet, Hack, Gulasch, Schnitzel und Kotelett vom Schwein; Filet, Hack, Gulasch, Ober- und Unterschale sowie Tafelspitz und diverse Steaks vom Rind. Vergeblich sucht der nach Abwechslung gierende Feinschmecker nach den besonderen Schnitten.

Ich erinnere mich noch gut an meine frĂŒhen Jahre als kochender Kerl, der aus seinem ersten selbst gekauften Kochbuch Rezepte von Altmeister Paul Bocuse nachzukochen versuchte. Eine Zubereitung aus dessen Werk “Die Neue KĂŒche” verlangte nach Rindfleisch aus der Schulternaht. Also latschte ich zum Metzger um die Ecke und fragte danach. Die VerkĂ€uferin schaute mich an als hĂ€tte ich Zahnfleisch vom Tyrannosaurus geordert, sagte, davon hĂ€tte sie noch nie gehört, wĂŒrde aber den Chef fragen. Und dass ich mich am nĂ€chsten Tag noch mal telefonisch melden sollte, dann wisse sie mehr. Ich tat wie geheißen, nur um zu hören, dass auch der Chef mit diesem StĂŒck Fleisch nichts anfangen konnte. “So etwas gibt’s nicht”, sagte er mir. Weil ich mit Ende Zwanzig weniger gelassen war als heute und es mir noch etwas ausmachte fĂŒr bescheuert gehalten zu werden, stiefelte ich mit meinem Bocuse-Kochbuch erneut zu besagter Metzgerei und zeigte mit dem Finger auf den im Buch abgebildeten Deutschen Schnitt vom Rind (s. Foto): “Ich meine dieses StĂŒck!” sagte ich zum anwesenden Metzgermeister, der einigermaßen verdattert dreinschaute und antwortete, den Schnitt wĂŒrde er im Schlachthaus nicht bekommen. Nun gut. Nach einigem Suchen fand ich schließlich einen anderen Metzger, der meine ungewöhnliche Fleischeslust befriedigen konnte. Und fĂŒrwahr, dieses StĂŒck Rind war ein Hochgenuss.

Wenn der Beef-Trend der letzten Jahre etwas Positives mitbrachte, dann einen neuen Blick auf diverse Schnitte aus dem Rind. Aktuell sind mal wieder Nierenzapfen angesagt und die haben nur so viel mit Innereien zu tun, dass es namentlich und zuordnungstechnisch einen Zusammenhang gibt. Der geschĂ€tzte Kollege Bert Gamerschlag vom stern erinnerte mich mit einem kĂŒrzlich veröffentlichten Beitrag an dieses besondere StĂŒck, das man auch als Kronfleisch oder Onglet kennt und an dem ich mich erstmals in meiner frĂŒhen “französischen Phase” versuchte, irgendwann in den 1990ern. Vorgestern hatte ich es mal wieder zubereitet. Vorausgegangen waren zwei Wochen Wartezeit. So lange dauerte es, bis der Metzger meines Vertrauens wieder schlachtete und dieses besondere, am Zwerchfell sitzende StĂŒck Muskelfleisch fĂŒr mich herausschneiden konnte. Was Nierenzapfen so außergewöhnlich macht ist ihre von feinen Fettadern durchzogene Maserung. Anders als bei RĂŒckensteaks verlĂ€uft der Muskel des Nierenzapfens quer zur Mittelsehne. Diese Mittelsehne stellt auch den anspruchsvollsten Teil der Zubereitung dar, bei der es darauf ankommt, das Fleisch vor dem Garen mit möglichst wenig Verschnitt von der Sehne zu befreien. Wer Fleisch mit besonderem Eigengeschmack sucht, sollte Nierenzapfen unbedingt probieren. Am besten gelingt er Sous-vide bei Niedrigtemperatur (ca. 70° C.) zubereitet und abschließend kurz und scharf angebraten.

Weitere außergewöhnliche FleischstĂŒcke vom Rind:
Das FledermausstĂŒck (auch Schablatti oder Spider, wegen der Spinnennetz Ă€hnlichen Marmorierung) ist ein besonderer Schnitt aus dem Hinterschinken.
Als MetzgerstĂŒck oder Petite Tender firmiert ein Teil aus der hinteren Schulter, das so heißt, weil es die Schlachter angeblich gerne fĂŒr sich selbst beiseite legen.
Das Große Bavette in Frankreich bekannt als Bavette d`Aloyau ist ein saftiges StĂŒck mit deutlicher Marmorierung aus der Flanke.
Aus der Unterschale geschnitten wird das RosenstĂŒck. Diese bindegewebsreiche Fleisch aus der Keule (umgibt die Achillessehne) eignet es sich fĂŒr langes Garen bei Niedrigtemperatur, am besten Sous-vide.

So, und nun viel VergnĂŒgen und gute Nerven bei der Bestellung.

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26. November 2018

Die zehn grĂ¶ĂŸten aktuellen ErnĂ€hrungsmythen.

Experten immer wieder im Streit: Ist Kaffee nun Bösewicht oder WohltÀter?

Ich liebe Bestenlisten. Wage mich aber viel zu selten an selbst erstellte heran. Was dem Absolutheitsanspruch geschuldet ist, der solchen Listen innewohnt. Möchte ich doch nicht als ErnÀhrungspapst wahrgenommen werden, der alles besser weiss und den Menschen mit Geboten kommt. Echt nicht.

Warum ich nun doch wieder eine Liste mache, hat mit meiner Durchsicht alter BeitrĂ€ge zu tun, die ich in den letzten zwölf Jahren an dieser Stelle verfasst habe. Immer mal wieder ging es um neue Erkenntnisse der Wissenschaft, aber in der Masse gehen viele dieser Informationen unter. NatĂŒrlich ist diese Liste der zehn grĂ¶ĂŸten ErnĂ€hrungsmythen von mir höchst subjektiv zusammengestellt und gewichtet worden. Getreu einer alten Werbung fĂŒr Kreditkarten: “Die Freiheit nehm’ ich mir!” Die Links fĂŒhren zu BeitrĂ€gen des kompottsurfers, die das Thema streifen. Los geht’s.

1.  Immer wieder lesen wir von Superfood. Von gesundem Obst und GemĂŒse, von gesunden Wurzeln und KrĂ€utern. Dabei gibt es keine gesunden Lebensmittel, es gibt nur gesunde ErnĂ€hrung. Einzelne Lebensmittel verteufeln oder glorifizieren ist Unsinn.

2. Der frischeste Fisch ist qualitativ der beste? Falsch. Erst nach einem Tag Lagerung ist das fĂŒr den Wohlgeschmack des Fischs bedeutende Glutamat gereift.

3. Kaffee ist ungesund. Alle Jahre wieder gerĂ€t unser liebstes HeißgetrĂ€nk in die Kritik. Zum Beispiel, weil es den Körper entwĂ€ssere und angeblich Acrylamid belastet sei. Zu Unrecht.

4. Vegane ErnĂ€hrungstrendsetter behaupten: Eisenhaltiges GemĂŒse könne einen durch Fleischverzicht entstehenden Eisenmangel ausgleichen. Schön wĂ€r’s, denn die BioverfĂŒgbarkeit ist nicht annĂ€hernd so hoch wie bei Fleisch.

5. Cholesterinhaltige Lebensmittel wie Ei, Butter und Leber erhöhen den Cholesterinspiegel und sind deshalb schlecht fĂŒr unsere Gesundheit, heißt es hĂ€ufig. Mit den Tatsachen hat das wenig zu tun.

6. Low-Carb-ErnĂ€hrung macht gesund und schlank – eine Behauptung die nicht zu verallgemeinern ist. Wichtiger ist das VerhĂ€ltnis von verbrauchter und zugefĂŒhrter Energie. Auch das individuelle Stoffwechselverhalten spielt beim Abnehmen eine Rolle. Dazu kommt, dass ein Mangel an Kohlenhydraten unser Sozialverhalten negativ beeinflussen kann.

7. Rotwein passt nicht zu Fisch. Die MÀr hÀlt sich hartnÀckig, obwohl sogar in Spitzenrestaurants lÀngst das Gegenteil praktiziert und Rotwein zu Fisch serviert wird. Auch eine Untersuchung aus der Schweiz konnte die Entwicklung nicht aufhalten. Und das Gegenteil beweisen schon gar nicht.

8. Frisches GemĂŒse enthĂ€lt mehr Vitamin als TiefkĂŒhlgemĂŒse. Stimmt nur in AusnahmefĂ€llen. Sobald das frische GemĂŒse fĂŒr wenige Tage im KĂŒhlschrank liegt, sinkt der Vitamingehalt rapide. Beim TK-GemĂŒse bleibt er lange auf hohem Niveau.

9. Das Datum auf Lebensmittelverpackungen steht fĂŒr den Verfallstermin des Inhalts. Obwohl so ziemlich jeder Verbraucher schon mal das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gehört oder gelesen hat, landen Lebensmittel nach Ablauf des MHDs sehr oft im MĂŒlleimer, einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr die Wegwerferitis in Deutschland. Dabei bedeutet Mindesthaltbarkeit – man ahnt es irgendwie schon – MINDESThaltbarkeit
.
10. Wein auf Bier, das rat’ ich dir. Passend zu den anstehenden Weihnachtsfeiern in Betrieb und Verein muss gesagt werden: Ist genauso falsch wie die Warnung “Bier auf Wein, das lass’ sein.” Aber so gerne wir mal ein oder zwei Glas Wein oder Bier trinken – schon geringe Mengen wirken schĂ€dlich. Leider.

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