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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

25. April 2017

Lebensmittelfälschungen im großen Stil: ZDF-Magazin Frontal 21 berichtet

Der kompottsurfer hatte das Thema Lebensmittelfälschungen in den letzten Jahren immer mal wieder auf dem Schirm. Nicht zuletzt bei Olivenöl und Wein gab es wiederholt alarmierende Meldungen. Nun wird das ZDF-Magazin frontal 21 heute Abend über eine Aktion der Strafverfolgungsbehörden Europol und Interpol berichten, die alle bisherigen Fälschungsskandale in den Schatten stellt. Auf die Formulierung “Peanuts” habe ich aus guten Grund verzichtet, denn ausgerechnet Erdnüsse machen einen Teil des Problems aus. Sie wurden beispielsweise undeklariert gerösteten Haselnüssen beigemischt.

Betrogen wird überall, nicht nur bei Produkten, wo hohe Gewinnspannen zu erzielen sind. Neben Champagner, Kaviar und Trüffel wurden auch Kaffee, Tee und Mineralwasser gefälscht. Der Marktwert aller Fälschungen, die bei den Kontrollen sichergestellt wurden, wird auf rund 230 Mio. Euro beziffert. 61 Länder, davon 21 aus der EU, sind dabei im Visier der Fahnder gewesen.

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21. April 2017

Note by note cooking: Was bitte ist das?

Als ich vor Jahren zum ersten Mal von Note by Note Cooking las, in einer Email von Hervé This, Direktor am International Centre for Molecular Gastronomy Paris, da hielt ich das Projekt des geschätzten französischen Wissenschaftlers für einen interessanten, aber einsamen Ausflug in die Welt der Dekonstruktion, eine erweiterte Variante des Flavour Pairings, über das der kompottsurfer vor zehn Jahren mehrmals berichtet hat. Sogar vor einer Beteiligung an der Arbeitsreihe TGRWT – They go really well together des norwegischen Bloggers Martin Lersch schreckte ich nicht zurück. Es ging zum Beispiel darum, Knoblauch, Kaffee und Schokolade zu kombinieren. Neue Kreationen vor dem Hintergrund entwickeln, dass im Code eines jeden Grundprodukts Schlüsselaromen stecken, deren chemische Verbindung deckungsgleich ist mit denen, die auch in anderen Grundprodukten zu finden sind. Dazu bediente man sich den Erkenntnissen der Aromenindustrie, die – zwecks Nachbildung – unzählige Aromen bereits entschlüsseln konnten. Von Ananas bis Zimt – viele Aromengeheimnisse gibt es da nicht mehr.

Der Ansatz der Haute Cuisine war allerdings ein komplett anderer. Man wollte nichts nachbilden, wie die Industrie, sondern eine neue Inspirationsquelle anzapfen. Einige Spitzenköche taten das mit großem Erfolg. Note by Note geht einen Schritt weiter mit Blick auf Dekonstruktion und Kreation und macht es experimenteller. Die Anzahl aller Bestandteile des ersten Produkts mal die Anzahl der Bestandteile des zweiten Produkts ergibt die Summe aller Möglichkeiten, die man durch weglassen und neu kombinieren schaffen kann.

Inzwischen finden regelmäßig Events zum Thema Note by Note Cooking statt. Aromatische Neuschöpfungen aus dem Labor, ohne chemische Kampfstoffe hergestellt, können neuerdings sogar bestellt werden. Wie Chole, eine Kreation aus Aromen von Unterholz, Moos und Pilzen.

Im Grunde macht Note by Note mit Plan das, was zum Beispiel bei langer Flaschenreife von Wein unkontrollierbar passiert, wo Tertiäraromen entstehen, die mit dem Ausgangsprodukt, der Traube, aromatisch nichts mehr gemein haben. Sondern die an ganz andere Dinge erinnern, wie Laub, nasses Tierfell, Tabak, Unterholz, Leder.

Wird das ein Zukunftsweg für die Haute Cuisine sein? Ich denke, eher nein. Aber das gewonnene Verständnis wird weiterhelfen, unser Essen in Zukunft besser und aromatischer zu machen und so zu bereichern. Vielleicht sogar mehr auf der breiten Ernährungsfront als in den Küchen der Spitzenrestaurants.

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15. April 2017

kompottsurfers Bärlauch-Guacamole: Ein Dip für viele Gelegenheiten.

Ob Ex-Präsident Obama via Twitter Protest erheben würde, wenn er hört oder liest, dass der kompottsurfer eine Guacamole mit Bärlauch fabriziert? Denkbar wäre es, schließlich hat er sich noch zu Amtszeiten in eine Guacamole-Debatte eingemischt, bei der es um die Verwendung von Erbsen ging, ausgelöst durch ein Rezept in der New York Times (der kompottsurfer berichtete).

Nun sind Erbsen kein Bärlauch, und die Verklappung der süßlichen Hülsenfrüchte in eine Guacamole – da muss man Obama beipflichten – geht gar nicht. Aber Bärlauch ist wirklich ein Gewinn, der allerdings nur zeitlich sehr begrenzt abgeschöpft werden kann, denn die krautige Pflanze lädt nur wenige Wochen im Frühjahr zur Ernte, so wie aktuell. Als Verwandte von Zwiebel und Knoblauch ersetzt sie ebendiese in der Guacamole. In der Grundausrichtung bleibt es also guacamolisch, im Detail schmeckt es aber anders.

Das Rezept ist simpel: 2 reife, aber keinesfalls überreife Avocados (Sorte: Hass), eine Handvoll Bärlauchblätter, halbe Chilischote, Saft von einer halben Limette (eher noch etwas weniger), Salz, Pfeffer.

Zubereitung: Bärlauchblätter waschen und von den Stielen befreien, anschließend fein hacken. Avocados der Länge nach halbieren. Mit einem Löffel den Stein entfernen und das Fruchtfleisch ebenfalls mit dem Löffel aus der Schale nehmen. Eventuell vorhandene braune Stellen abschneiden. Halbe Chili der länge nach noch mal halbieren, Samen entfernen und dann fein hacken. Alle Zutaten in eine schmale Rührschüssel geben, mit dem Zauberstab pürieren und mit Salz und etwas Pfeffer abschmecken.

Die Bärlauch Guacamole ist ebenso vielseitig einsetzbar wie das Original. Einfach mal in den nächsten Tagen ausprobieren, so lange Bärlauch noch zu haben ist.

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10. April 2017

Die vielleicht 50 besten Restaurants der Welt 2017

Haben die Juroren den Stein der Weisen entdeckt? In der Vinothek des Restaurants El Celler Can Roca (Platz 3 der Bestenliste) wird dieser hier aufbewahrt.

Und da ist sie wieder, die neue Jahresliste mit den angeblich besten 50 Restaurants der Welt. Früher als S.Pellegrino-Liste bekannt, sind heute weitere Sponsoren im Boot. So können prima zusätzliche Bestenlisten in Unterkategorien generiert werden. Wie der beste Aufsteiger oder der beste weibliche Küchenchef. Merkwürdig, dass es keine gesonderte Kategorie für den besten männlichen Küchenchef gibt. Entweder, wie im Sport, komplett getrennte Wertungen, oder alles in einem Pott. Aber nicht so eine vergurkte, abwertende Sonderkategorie. Aber das Thema hatten wir ja schon mal. Nur geändert hat sich leider nix.

Deutsche unter den Top 50? Ja, Platz 47 und 48 mit Joachim Wissler und Tim Raue. Letztes Jahr belegten sie die Plätze 34 und 35. Ganz ehrlich, so ein deutsches Doppel im zweiten Jahr hintereinander darf man durchaus gewürfelt finden. Oder gar designt. Ach, vergessen wir das. Wissler war 2013 mal auf Platz 10, dann 2014 auf Platz 12, wenn ich’s recht erinnere. Warum dieser Absturz? Kocht er jetzt schlechter als vor fünf Jahren? Sicher nicht. Aber der aktuelle Hype um die Andenküche aus Peru,  Chile und Argentinien,  der den skandinavischen Hype ablöste, der wiederum auf den spanischen Hype folgte, drückt viele andere Spitzenköche an den Rand. Ginge es nach Michelinsternen, genauer gesagt nach der Anzahl der 3-Sterne-Restaurants, müsste Japan klar dominieren, Frankreich, USA und Deutschland folgen. Hier aber steht nur ein japanisches Restaurant unter den ersten 40, warum auch immer.

Wer die gesamte Liste einsehen will, schaut hier. Ganz oben steht die Küche des Schweizers Daniel Humm, die er zusammen mit Dmitri Magi im New Yorker Eleven Madison Park zelebriert. Das Restaurant wird allerdings in diesem Sommer für drei Monate geschlossen und eröffnet dann, neu gestaltet, im September. Auf Platz 2 und 3 der Liste folgen Massimo Botturas Osteria Francescana in Modena und das El Cellar can Roca der drei Gebrüder Roca in Girona.

Braucht es solche Bestenlisten wirklich? Der kompottsurfer hält sie für überholt, zumindest was ein explizites Durchplatzieren der Restaurants angeht. Die besten 100 der Welt täten es auch. Aber dann dürfte das Geschäft mit der Liste vermutlich nicht mehr so einträglich sein. Was man den Verantwortlichen für das Zustandekommen des Rankings aber unbedingt zugute halten muss: Sie lenken medienwirksam den Blick auf neue, spannende Küchen, auch abseits der alten kulinarischen Metropolen. Und das wirkt befruchtend.

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03. April 2017

ProWein (2): Besuch bei den Siegerwinzern des rewirpower-Weintests

Ja, die gesammelten Eindrücke von der letzten ProWein mussten erstmal reifen, bevor ich das eine oder andere Detail in die Tastatur hacken konnte. Quark. Ist natürlich nur eine billige Ausrede. Ich bin einfach nicht früher dazu gekommen, Teil 2 von insgesamt drei oder vier Beiträgen zusammenzufassen. Aber jetzt.

Was mir immer ein besonderes Anliegen ist, wenn ich durch die Messehallen an den Ständen der ProWein entlanglaufe (Betonung auf LANG – mein Fitnesstracker zeigte 15.356 Schritte an einem Tag an): ein Besuch bei den siegreichen Winzern unseres rewirpower-Weintests. Nicht immer klappt das überall, weil die Stände oft belagert sind von Händlern und anderweitig Interessierten. In diesem Jahr konnte ich jedenfalls beim Weingut Bernhard (Anbaugebiet Rheinhessen) und bei Köster-Wolf ( ebenfalls Rheinhessen) mit den Verantwortlichen sprechen und erfahren, dass die guten Ergebnisse im Test positive Resonanz brachte. “Wir zählen ja noch zu den Newcomern, und da können gute Verkostungsergebnisse schon für Aufmerksamkeit sorgen” sagte mir Jörg Bernhard, der gemeinsam mit seiner Tochter Martina das Familienweingut auf der ProWein repräsentierte. Eigenständigkeit und Charakter – ein Credo, das so viele Winzer für sich reklamieren – bei den Bernhards drückt sich das im Wein tatsächlich aus. Ein Geheimtipp ist der Spätburgunder des Hauses, der – so Bernhard – ein paar “Ecken und Kanten” haben soll. Und die hat er im besten Sinne. Sie können also nicht nur Weiß in Wolfsheim.

Nur wenige Schritte von Bernhards entfernt, stellte sich das Weingut Köster-Wolf den Messebesuchern vor. Bärbel Wolf berichtete erleichtert von den guten Ergebnissen, die man in dem schwierigen Jahr 2016 erzielen konnte, denn “einige Winzerkollegen verloren aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen fast den gesamten Ertrag.” Tatsächlich forderte das Wetter den Winzern in 2016 alles ab. Erst gab es einen sehr milden Winter, über den sich nur die vielen überlebenden Weinschädlinge freuen konnten. Dann kam der Spätfrost, der die Knospen in Gefahr brachte, und schließlich plätscherten auch noch Unmengen Niederschläge im Mai und Juni auf die Reben herab, was den Pilzbefall begünstigte. Und weil das alles nicht reichte, kam im heißen Juli auch noch Trockenstress dazu. Wer bis Ende August mit Glück und Geschick seine Trauben gerettet hatte, profitierte immerhin vom warmen September, der beim Abbau der Säure half. Was man bei Köster-Wolf schließlich auf die Flasche bringen konnte, macht der Winzerfamilie Hoffnung. Und den Konsumenten vermutlich ähnliche Freude wie die Weine aus dem Vorgängerjahrgang.

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29. März 2017

Auch das noch: Kerners Köche wiederbelebt

Also gut, mit The Taste und Kitchen Impossible ist es für den kompottsurfer erstmal vorbei, denn mit der heutigen Umstellung auf DVBT-2 sind die privaten Sender per Antenne nur noch kostenpflichtig zu empfangen. Und für eine Handvoll ansehbarer Sendungen Geld rauswerfen, das hauptsächlich in Fremdschämprogramm investiert wird? Nein, danke. Netflix und gebührenfinanziertes TV müssen reichen. Es sei denn, die olle Satellitenschüssel auf dem Dach lässt sich reaktivieren. Muss aber nicht sein.

Genauso wie die Reaktivierung von Kerner’s Köche nicht sein muss, die vor knapp zwanzig Jahren im ZDF Premiere feierte. Als Moderator Johannes B. Kerner zu Sat1 abwanderte, übernahm Markus Lanz die Sendung, die schließlich im Dezember 2012 eingestellt wurde. Nun also wieder Kerners Köche. Zwei von Kerners alten Spezis sind auch wieder dabei: Johann Lafer und Alexander Herrmann. Dazu kommen Meta Hiltebrand (bekannt aus Kitchen Impossible und Die Küchenschlacht) sowie Alexander Kumptner. Alexander wer? Ein fescher Österreicher mit Waschbrettbauch, der in der Alpenrepublik mit Kinderkoch-Shows populär wurde und in der Wiener Albertiner Passage ein Restaurant mit Fusionsküche führt.

Fällt denen beim ZDF wirklich nichts Neues mehr ein? Zumal ab 2018 das Ende der Übertragungen von Spielen aus der Fußball-Champions-League droht. Dann schwindet vermutlich auch das letzte bisschen Attraktivität für die Zuschauer unterhalb des Renteneintrittsalters. Okay, erstmal ist Kerners Köche auf samstags 16.15 Uhr terminiert (erster Sendetermin 1.4.), aber es steht zu befürchten, dass die Mainzer Programmmacher im Überschwang der Ideenlosigkeit Kerners Köche schon bald das Abendprogramm abkochen lassen. Hoffentlich werde ich eines Besseren belehrt.

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24. März 2017

ProWein 2017 (1): Wo der Mondwein hinters Licht führte und die Zeit für die Sonnenuhr nicht reichte.

Neulich telefonierte ich mit einem Küchenchef aus dem erlauchten Kreis der mit drei Michelinsternen erleuchteten. Ob er denn auch zur ProWein käme, wollte ich wissen, nachdem wir beide feststellten, dass wir uns schon eine ganze Weile nicht gesehen hatten. Ich hatte gedacht, so bei einem guten Glas Wein, ließe sich doch nett plaudern. “Was soll ich denn da?” kam zur Antwort, ergänzt um wenig schmeichelhafte Auslassungen zu einer besonderen Besucherklientel, die dort in stattlicher Anzahl durch die Gänge wankt und die abenteuerlichsten Aromen im Wein entdeckt und herausschmeckt. Ach, was haben wir gelacht am Telefon. Bis mir der Gedanke kam, ob ich nicht vielleicht auch dazu gehörte. Nee, völlig unmöglich. Ich wanke doch nicht. Bis auf ein paar Schlucke – in diesem Jahr aus dem Sortiment der Domaine Bichot und dem Mondwein von Wanne-Eickel, quatsch, von Tesch – wird immer alles brav ausgespuckt. Sonst käme ich doch niemals den vielen außergewöhnlichen Aromen auf die Spur, die es in so manchem Tropfen zu entdecken gibt.

Der Mondwein. Als ich in einer Pressemitteilung des Hauses darüber las, fürchtete ich, im Weingut Tesch (ja, das sind die mit dem Toten Hosen Wein, der kompottsurfer berichtete) stünde neuerdings Esoterik hoch im Kurs. Man erntete Trauben bei Vollmond und streute vielleicht sogar im Sommer Globolikügelchen unter den Rebstöcken aus, damit die Pflanzen gegen Hitzestress gewappnet sind. Aber nein. Es ist nicht das, wonach es aussieht. Obwohl ein ziemlich esoterisch anmutender Mond auf dem Etikett zu sehen ist. Meine Frage am Stand des immer sehr belagerten Nahe Winzers, was es denn bitte mit dem Mond auf sich hat, wurde schmunzelnd überhört. Alles andere aber umfänglich beantwortet. Und keine Frage, der Wein ist tatsächlich so außergewöhnlich wie rar. Nur knapp 600 Liter, so verriet man mir, konnten davon auf die Flasche gebracht werden.

Es ist ein Wein mit Gen-defektem Lesegut. In jedem Weinberg gibt es eine geringe Anzahl kleiner goldgelber Trauben, die keine Kerne haben. Und je älter der Weinberg, um so höher ist der Anteil dieser Sonderlinge. Nur in Jahren, in denen das Wetter durchgängig perfekt ist, können diese Trauben gesondert gesammelt werden. Erstens, weil sei überhaupt noch hängen, denn sie wachsen an kleinen Seitentrieben, die unter Umständen im Laufe ihres Wachstums weggeschnitten werden. Und zweitens, weil auch bei der Ernte das Wetter stabil sein muss, damit genügend Zeit für die aufwändige Handarbeit bleibt. Für ein kleines Fass müssen über 12 Hektar Rieslingweinberge durchkämmt werden. Bei der Verarbeitung der Trauben kann der Winzer dann die Extraktion auf die Spitze treiben, da nach dem Abbeeren der Anteil Tannin besonders gering ist, weil die Bitterstoffe aus den Kernen fehlen.

Ich muss zugeben, dass mich dieser trocken ausgebaute Wein wirklich gepackt hat. Extrem konzentrierte Frucht und eine – für diesen niedrigen Alkoholgehalt (13 Vol.%) – unglaubliche Tiefe und Länge. Wer eine dieser raren Flaschen ergattern will, muss 20 Euro investieren (zum Beispiel hier). Ein geradezu barmherziger Preis für diesen Wein, wie ich finde. Ach ja, und lange überlegen ist keine gute Idee.

Einen Nachteil hatte die lange Beschäftigung mit dem Mondwein allerdings schon. Es blieb nicht mehr genug Zeit für die Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese von Dr. Loosen. Die wollte ich – nach vielen lobenden Kommentaren von guten Weinfreunden – unbedingt noch vor Ort probiert haben. Sei’s drum, dann muss ich wohl irgendwo mal ein ganzes Fläschchen ordern.

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19. März 2017

Preise für Parmesankäse teilweise um bis zu 50 Prozent gestiegen. Gibt es Alternativen?

Als 2012 ein Erdbeben Norditalien erschütterte, traf es auch die Region Emilia-Romagna empfindlich. Dort nahm ein Parmesanlager schweren Schaden, etwa 400.000 Laibe Käse gingen zu Bruch. Man musste damals befürchten, dass dieser Verlust heftigen Niederschlag in der Preisentwicklung finden würde, aber so schlimm wurde es zum Glück nicht.

Nun sehen wir aktuell eine heftige Preisentwicklung beim Parmesan, die viel eher zu einem Erdbebenereignis passt. Nur hat dort zuletzt nichts ähnlich schlimm gerüttelt. Die Preiserhöhungen, wie sie bei Fachhändlern, in Supermärkten und bei Discountern zu beobachten sind, müssen andere Ursachen haben. Der kompottsurfer hat sich bei Insidern aus der Milchwirtschaft umgehört, die hauptsächlich gestiegene Rohmilchpreise in der Region für die Preisentwicklung verantwortlich machen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Käsesorten handelt es sich bei Grana Padano und Parmigiano-Reggiano um gebietsgeschützte Bezeichnungen. Wird die Rohmilch in der Region teurer, schlägt das auch ungepuffert auf den Käsepreis durch. Zumal nicht überall in Europa solche Dumpingpreise für Milch üblich sind wie in Deutschland. Da sich bei einigen Onlinehändlern jedoch deutlich günstigere Bezugspreise erzielen lassen als aktuell beim Discounter, kann es nicht allein an den Milchpreisen liegen. Vielleicht wurde falsch disponiert, vielleicht wird die Preistoleranz des Verbrauchers getestet. Anders als bei der saisonal extremen Verteuerung von Sommergemüse, wie sie zuletzt bei Zucchini zu beobachten war, mit Spitzenpreisen von 8 Euro pro Kilogramm (der kompottsurfer berichtete), ist der gestiegene Parmesanpreis also nicht so einfach zu erklären.

Aber muss es überhaupt immer Parmesan sein? Keinesfalls. Als Alternative könnte zum Beispiel auch Alter Holland Gouda dienen, nicht zu verwechseln mit in Deutschland großindustriell hergestelltem Gouda. Alter Holland Gouda reift mitunter bis zu sechs Jahre, und erreicht dann jene Spitzenqualität, wie sie beim legendären Affineur Waltmann zu haben ist.

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14. März 2017

Tim Raue erster deutscher Koch in der kulinarischen Kultstaffel CHEF’S TABLE

Ich gebe offen zu, Netflix nicht in erster Linie wegen der großartigen Serie über internationale Spitzenköche anzusteuern. Chef’s Table wirkt neben den von mir gesuchteten Serien wie House of Cards und der Riege der Superhelden (Daredevil, Jessica Jones, Luke Jones, Arrow) wie Arte-Programm, für das ich mich eher selten erwärmen kann. Gleichwohl fasziniert mich die Serie. Weil die Köche Innereien offenbaren. Aspekte ihres emotionalen Ichs, die sich später in ihren Kreationen widerspiegeln. Ob Kochen Kunst ist, hängt auch mit dem Blickwinkel zusammen aus dem es betrachtet wird. Und in Chef’s Table zeigt der Blickwinkel Kunst. Und Künstler. Ein Gericht wird aus meiner Sicht nicht durch den Blick auf den Teller zur Kunst, vom Ende her zu denken funktioniert zumindest beim Essen nicht. Vielmehr ist der Anfang wichtig. Die Idee, der Schaffensprozess.

Nun wird mit Tim Raue der erste Koch aus Deutschland in der Serie vorgestellt. Warum gerade er? Gäbe es hierzulande nicht auch andere Kandidaten seiner Klasse? Klar, die gibt es. Ich weiß natürlich nicht, warum Raue ausgesucht wurde. Ich weiß nur: Ich hätte ihn auch ausgesucht. Er hat einen steinigeren Weg zurücklegen müssen als die meisten seiner Kollegen, schon da gibt es was zu erzählen. Außerdem wirkt er in seiner rustikalen Art authentisch und trägt das Herz auf der Zunge. Es wird Zeit, meine hier vor gut acht Jahren mal formulierte Kritik zu relativieren, alles unter dem Vorbehalt, dass ich ihn zwischenzeitlich nur mal kurz am Rande einer Veranstaltung gesprochen habe, ihn also weiterhin nur anhand seiner Medienauftritte beurteilen kann. Wie auch immer, Raue wirkt auf mich nicht mehr so getrieben wie früher. Ich sehe ihn gerne. Jetzt also in der neuen Staffel Chef’s Table.

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08. März 2017

Kitchen Impossible: “Mälzer ist hinterlistig.”

So muss das. Mit Mälzer. Den Episoden ohne Beteiligung des Hamburgers fehlt einfach diese Portion Rotzigkeit, die Kitchen Impossible (VOX) so besonders macht. Es ist so ein bisschen wie bei Spielen des FC Bayern München in der Bundesliga. Bis auf die Anhänger der Roten selbst hoffen alle darauf, dass der Favorit strauchelt. Und bei KI ist immer der Mälzer Favorit, egal, mit wie vielen Michelinsternen seine Gegner dekoriert sind.

Und so hielt Mälzers zweites Duell mit Lohse auch wieder alles an kulinarischen Fallstricken und verbalen Gemeinheiten bereit, die der kompottsurfer bei der Sendung Kitchen Impossible so genießt. “Mälzer ist hinterlistig,” sagt Lohse, und natürlich hat er recht. Besser kochen kann Mälzer nicht, also muss er schmutzig gewinnen, wie es in der Fußballersprache heißt. Deshalb suchte Tim für Christian ein Gericht mit einer Zutat aus, die zum Zeitpunkt der Zubereitung keine Saison hat, nämlich Mais. Und weil Mälzer weiß, dass Lohse keine C-Ware verarbeitet, konnte er sicher sein, dass das nachzukochende Gericht dem Original kaum entsprechen würde.

Und Lohse keult in seiner Not sehr unterhaltsam weiter: “Mälzer würde auch einen Schwamm panieren.”

Neben all’ der echten Verzweiflung, die den Kombattanten bei ihren Nachkochversuchen ins Gesicht geschrieben steht, neben all’ den fiesen Sprüchen, ist auch spannend zu sehen, wie das Format – möglicherweise sogar ungewollt – die Grenzen der guten Küche auslotet. Was ist eine möglichst originalgetreue Kopie von Gerichten wert, wenn sie mit Kompromissen erkauft wird, die gegen die Ehre eines Spitzenkochs gehen? Ist es da nicht vielleicht besser, weniger original aber dafür qualitativ hochwertiger abzuliefern? So jedenfalls tickt Lohse, und das war schön zu sehen am letzten Sonntag.

Der kompottsurfer hatte es ja schon nach der Pilotsendung so eingeschätzt, dass das Format Unterhaltungspotential und kulinarisch einiges zu bieten hat. Schön, dass es die Zuschauer ähnlich sehen. Die Quoten sind gut,  2,2 Millionen sahen die Folge vom vergangenen Sonntag. In Sachen Kampflustigkeit dürfte Mälzers nächste Auseinandersetzung der gegen Lohse kaum nachstehen. Und das ist wahrscheinlich noch untertrieben. Sein Gegner Tim Raue lässt schon durchblicken, was der Zuschauer am kommenden Sonntag ab 20.15 Uhr erwarten darf: eine “Herausforderung an der Grenze zur Bösartigkeit”. Da kommt doch Freude auf.

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