rewirpower.de – Das Revierportal


Suche:

Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

27. März 2015

Familie Furtmann verabschiedet sich aus ihrem Traditionsrestaurant Kölner Hof in den Ruhestand

Wie der kompottsurfer heute erfuhr, werden Heinz und Rosmarie Furtmann nach 35 Jahren im einst elterlichen Kölner Hof in den Ruhestand gehen. Über diesen Zeitraum haben sie das Haus zu einem Aushängeschild der ambitionierten Küche im Ruhrgebiet gemacht und vor allem auch mit hoch entwickelten, gleichwohl gnädig kalkulierten regionalen Gerichten für Begeisterung bei Gästen und Gastronomiekritikern gesorgt. Nun gehen sie also, die herzlichen Furtmanns, was jammerschade ist, aber andersherum haben sie sich nach so vielen Jahren Spitzengastrononmie den Ruhestand mehr als verdient. 2010 hatten wir den rewirpower-Weintest im Kölner Hof ausrichten lassen und reichlich Vergnügen dabei gehabt.

Das Team von Essen Genießen, Ausrichter diverser Gastronomiemeilen und -events, organisierte für die Furtmanns zum Abschied ein Dankeschön-Dinner, bei dem auch namhafte Kollegen als Überraschungsgäste dabei waren. Auch der kompottsurfer sagt Danke und wird nie die köstlichen Lammnierchen mit getrüffeltem Kartoffelpüree vergessen, die es irgendwann Anfang der 1990er Jahre für eine vergleichsweise schmale Mark auf die Gabel gab. Wie es mit dem Kölner Hof weitergehen und ob es einen Nachfolger geben wird, steht noch nicht fest. Vielleicht findet sich ja jemand, der sich in die großen Fußstapfen der Furtmanns traut.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

22. März 2015

Eine kleine kulinarische Perle Asiens, mitten in Dortmund: Der Ruan-Thai-Imbiss

Was machte eine Metropole aus, kulinarisch gesehen? Die besternten Spitzenrestaurants? Keineswegs, denn die meisten von ihnen befinden sich abseits der Millionenstädte, in Orten die Bergisch-Gladbach heißen, Baiersbronn, Saarbrücken, Osnabrück und Rottach-Egern. Nein, der kulinarische Reiz der Metropolen liegt in der Dichte ambitionierter Landesküchen, Lokale, die nicht mit großem Tamtam daherkommen, sondern wo nur eines zählt: gute Küche, und das zu fairen Preisen. Oft sind es sogar imbissartige Betriebe, die den kompottsurfer begeistern. So wie das höchst unscheinbare Ruan Thai in Dortmund, die ja noch ein Weilchen brauchen wird, um eines Tages Millionenstadt zu sein. Im Schatten des monumentalen U gelegen, nach dem Selbstverständnis der Stadt, Dortmunds neuem kulturelles Zentrum, bietet dieses spartanisch eingerichtete und mit allerhand folkloristischen Accessoires aufgehübschte Lokal an der Rheinischen Straße 35 eine so wunderbar aromatische, nicht ansatzweise überwürzte Thaiküche zum kleinen Preis, dass einem das Herz aufgeht. Schärfe wird sehr dosiert eingesetzt, es gibt also kein Essen für Angebergäste, die gerne damit prahlen, wieviel Fantastillionen Scoville sie vertragen können sondern eine frische Küche ür Aromafreunde.

Wer das Ruan Thai besucht, muss allerdings seine Getränke selbst mitbringen, was definitiv Kultfaktor hat. Nebenan gibt’s einen Kiosk, wo man für einen schmalen Euro eine Flasche Bier kaufen kann. Wer Wein will, muss ihn sich selbst von zuhause mitbringen. Dieser Imbiss passt sowas von gut ins Ruhrgebiet, dass man in Ahnlehnung an eine alte Fußballweisheit sagen muss: die Wahrheit liegt auf dem Teller

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

15. März 2015

Auf der Suche nach dem verschollenen Rezept: Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums nutzen

Seit 2011 ist das Deutsche Kochbuch- museum am alten Standort Westfalenpark nun schon dicht, aber der Verwaltungsvor- stand der Stadt Dortmund hat letzte Woche endlich beschlossen, ein neues Domizil als Außenstelle des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in der Volkshochschule zu schaffen. Ein löblicher Beschluss, nach dem das Kochbuchmuseum dort Ende 2016 wird einziehen können, wenn alle baulichen Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Als Gesamtkosten für Einrichtung und Investition veranschlagt die Verwaltung 537.500 Euro.

Der Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung wird auf der Präsentation der Entwicklung der Esskultur nach 1945 liegen, ihre kulturelle Vielfalt und die Aspekt gesunder Ernährungsweise. Die historische und in ihrer Art einzigartige Bibliothek mit mehr als 10.000 Titeln steht der interessierten Öffentlichkeit allerdings schon jetzt zur Verfügung. Wer auf der Suche nach einem alten Rezept ist, nach dem zum Beispiel die verstorbene Oma immer das Lieblingsgericht ihrer Enkel fabriziert hat, kann hier vielleicht fündig werden.

Geöffnet hat die Bibliothek allerdings nur einmal in der Woche Mittwochs von 10–14 Uhr, ansonsten nur nach Absprache. Und verortet ist sie noch am alten Standort an der Buschmühle 3 im Westfalenpark, wo früher auch das Museum war.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

11. März 2015

Warum Umräumarbeiten im Keller lohnenswert sein können? Weil man unter Umständen eine besondere Flasche Wein entdeckt.

Gerade waren ein paar Kräfte nach der scheinbar überstandenen Grippe zurückgekehrt, als es mich in den Keller trieb, weniger zum Auf- oder Umräumen – soviel sei der Ehrlichkeit halber gesagt – sondern um das Überleben nach diesem fiesen viralen Angriff mit einem guten Wein zu begießen. Dabei räumte ich ein paar Kisten von Rechts nach Links und von Oben nach Unten, war sofort völlig schlapp, aber siehe da, im Zuge der Räumarbeit stieß ich auf eine einsame Flasche 1992er Langenlonsheimer Königsschild Auslese vom Weingut Erbhof Tesch an der Nahe. Tesch? Tesch? Tesch? Ja, hatte ich den Sohnemann anno Tuck nicht mal auf einer Weinmesse auf Schloss Hugenpoet kennenglernt? Richtig, so war’s. Und dann seinen Riesling unplugged probiert. Mittlerweile haben Tesch Juniors Weine Kultstatus, der das Weingut 1997 von seinem Vater übernommen hat. Ich erinnerte mich, dass mir die Flasche vor gut und gerne 20 Jahren mal von einer weinkundigen Freundin geschenkt worden war (Danke Kathrin!) und sah augenblicklich den Moment gekommen, die Buddel zu öffnen, die noch einen guten Füllstand aufwies.

Also aufgezogen, eingegossen und mich über einen würdig gereiften Tropfen gefreut. In der Nase Aromen von getrockneter Aprikose, Rosinen und Honig, dabei aber noch durchaus frisch wirkend. Am Gaumen ätherische Noten und Karamell, der Nachklang anhaltend. Dabei haben mir meine angeschlagenen Geruchs- und Geschmackssinne sicher noch das Meiste vorenthalten. Egal, psychologisch waren damit auch die letzten nervenden Reste der Grippe verarbeitet.

Noch gut eine Woche bis zur Prowein in Düsseldorf. Ich werde auf jeden Fall mal bei Tesch vorbeischauen, wenn ich bis dahin wieder richtig auf der Höhe bin.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

08. März 2015

Gastronomiekritiker Jürgen Dollase beim Kölner Treff zum Gespräch, und was den kompottsurfer daran neugierig machte

Es ist schon erstaunlich: Über Jahrzehnte wurde das Ruhrgebiet nur als kulinarische Diaspora wahrgenommen obwohl Deutschlands namhafteste Gastronomiekritiker genau aus dieser Region stammen. Passt irgendwie nicht zusammen. Oder doch erst recht, weil es hier so viel zu kritisieren gab? Wolfram Siebeck jedenfalls, bis in die 1990er Jahre meinungsführende Feder der Feinschmeckerszene und frankophil bis ins Mark, wurde in Duisburg geboren und wuchs dann in Bochum und Essen auf, bevor es ihn irgendwann über viele Stationen in den Breisgau verschlug, wo er bis heute lebt.

Ein ganz anderer Typ und als Kritiker weniger laut und polternd als Siebeck, dafür geradezu akribisch sezierend, ist Jürgen Dollase, der im neuen Jahrtausend als Kolumnist in der FAZ sozusagen das Erbe des Meinungsmachers Siebecks angetreten ist, obwohl er das Erbe vermutlich gar nicht haben will. Gleichwohl kann er auch mal rustikale Sätze raushauen wie “schlecht essen ist wie sich nicht richtig waschen.” Sei’s drum, Jürgen Dollase stammt aus Castrop-Rauxel, und es war schon reichlich erstaunlich, als ich seinen Aufstieg zum Gastronomiekritiker erlebte. Nicht, weil er aus dem Ruhrgebiet stammt, natürlich nicht. Sondern weil ich mal als Jugendlicher ein Konzert mitorganisierte, bei dem Dollase mit seiner Band Wallenstein auftrat. Ich konnte ihn mir beim besten Willen nicht als Gastrnomiekritiker vorstellen. Aber was heißt das schon? Wenn ich so manchen meiner Jugendfreunde höre, konnte sich von denen auch keiner vorstellen, dass ich mich mal für Haute Cuisine interessieren und für außergewöhnliches Essen bis nach Spanien, Italien oder Frankreich reisen würde.

Nun war Jürgen Dollase vorgestern bei Bettina Böttinger im Kölner Treff zu sehen. “Der Wildeste in dieser Runde”, so Böttinger, gab ein paar Geschichten über seine Vergangenheit zum Besten, nicht zuletzt, weil auch Böttinger ihre Hausaufgaben gemacht hatte und zum Beispiel einen Auftritt seiner Band in Ilja Richters legendärer Samstagabendsendung “Disco” erwähnte. Und dann war auch noch die charmante Lea Linster dabei, und der kompottsurfer weiß aus mehreren persönlichen Begegnungen, dass sie wirklich sehr charmant sein kann, nicht nur vor der Kamera. Aber seht selbst, was Dollase zum Beispiel zu unserer wachsenden Abhängigkeit von industriellen Geschmacksbildern und zur Folgenlosigkeit von Kochsendungen zu sagen hat. Und dann die steile These über die kulinarisch Unaufgeschlossenen, die er für nicht sonderlich nützlich für die “Entwicklung unserer Gesellschaft” hält.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

05. März 2015

Fucking Perfekt: Rock’N'Roll in der Küche mit Sergio Herman

Auf der Berlinale 2015 wurde mit Fucking Perfect ein Film vorgestellt, der einen der besten Köche der Welt bei der Arbeit zeigt. Und was Arbeit auf diesem Niveau mit dem Protaginisten machen kann. Nach der Schließung seines legendären Oude Sluis in den Niederlanden macht Herman nun zwei Restaurants. The Jane in einer ehemaligen Kirche in Antwerpen und das Pure C in de Dünen von Cadzand. Erstaunlich wie erschwinglich die Küche von Herman ist, denn einer, der es nicht nur auf 3 Sterne sondern auf 20 von 20 Punkten im Gault Millau schaffte – was vor ihm weltweit nur Marc Veyrat – erreichte, ruft normalerweise nur Menüpreise im dreistelligen Bereich ab. Man kann aber bei ihm ein kleines Menü schon für gut 50 Euro bekommen, was den kompottsurfer dazu veranlasst, Herman als den großen kulinarischen Demokraten auszurufen, von denen die Spitzengastronomie noch viel mehr braucht. Wenn, wie Ferran Adrià einmal sagte, jede Zutat den gleichen kulinarischen Wert hat, braucht es eben nicht zwingen die sauteuren Edelprodukte. Es reichen auch solche, die sehr gut sind, aber im Grundpreis eher niedrig. Dann liegt es am Koch, daraus etwas Besonderes zu machen. Küchenleistung bemisst sich eben nicht am Einkaufspreis der Zutaten.

Okay, hier kann man einfach mal reinschauen, wie so eine brillante Küchenleistung wie die von Herman zustande kommt.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

28. Februar 2015

Gutes Fleisch braucht Reifezeit

Wenn Metzger und Großfleischereien zuerst an den Profit und nicht an die Qualität und den Geschmack denken, lassen sie Fleisch schon sehr zeitnah nach der Schlachtung vom Knochen gelöst und vakuumiert in Folie reifen. So bleiben der Gewichtsverlust gering und die Ausbeute hoch, weil sich Metzger auch die Kosten für ein spezielles Reifekühlhaus sparen. Dabei wäre ein erster Reifeprozess an der Luft und am Knochen hängend für Geschmack und Textur viel besser, und ein qualitätsorientierter Esser auch bereit, ein paar Euronen mehr dafür zu zahlen. Aber offensichtlich gibt es von denen zuwenige. Sonst gäbe es wohl auch kaum Fleisch aus Massentierhaltung.

Zu frühes und zu langes Reifen in der Folie lässt Fleisch säuerlich schmecken, was nicht im Sinne des Genusses ist. Wenn findige Fleischer nicht nachgeholfen haben, sieht gut gereiftes Rindfleisch dunkelrot aus, schlecht gereiftes bekommt dagegen einen Graustich.

Immer mehr Spitzenrestaurants gehen auf Nummer sicher, kaufen das Fleisch frisch und steuern den Reifeprozess selbst in eigens dafür angeschafften Reifekühlhäusern oder -schränken. Der kompottsurfer entdeckte kürzlich einen solchen Schrank im Hattinger Restaurant “Zum kühlen Grunde”, wo die Familie Diergardt bestes Rindfleisch abhängen lässt, und das sichtbar für alle Gäste. Eine Maßnahme, die Vertrauen schafft und die Wertigkeit von Fleisch erhöht. Fleisch ist, oder besser: Fleisch sollte kein Allerweltsnahrungsmittel für jeden Tag sondern etwas Besonderes sein. Eine solche Kultur zu pflegen – auch dazu kann Spitzengastronomie beitragen.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

25. Februar 2015

Die neue Kochshow GAME OF CHEFS: Alles nur geklaut? In jedem Fall lässt THE TASTE vernehmbar grüßen.

Es ist immer wieder der gleiche Programmreflex, den Fernsehzuschauer erleben, sobald irgendwo ein halbwegs funktionierendes neues Format auftaucht: Es wird – behutsam formuliert – orginalgetreu variiert. Ganz übel lang fortgeschrieben wurde die Idee, Kochprofis zum Einsatz an den Herd kriselnder Restaurants zu schicken. Bereits 2005 hatten Ralf Zacherl, Martin Baudrexel, Mario Kotaska und Stefan Marquard diese gastronomisch unterfütterte Doku-Soap für vier Jahre erfolgreich auf RTL 2 zelebriert. Im selben Jahr kam Christian Rach als der Restauranttester in gleicher Mission zu den Gastronomen und auf den Schirm. Mittelfristig gerettet wurden übrigens nur ein gute Drittel aller Lokale. Laut Wikipedia sind von den 65 über die Jahre betreuten Restaurants heute nur noch 23 mit den gleichen Betreibern im Geschäft, was in Anbetracht der ohnehin hohen Fluktuation in der Gastronomie sowie der angespannten Lage vor Rachs Besuchen durchaus als Erfolg gewertet werden kann.

Wer rettet das Fernsehen vor den Restaurantrettern? Wer versucht etwas Neues? Das war die Frage, die vor eineinhalb Jahren mit der Übertragung der The-Voice-Idee unter Lizenznahme des US-Vorbilds The Taste beantwortet wurde und schließlich bei Sat1 auf den Schirm kam. Ein Kochwettstreit zwischen Profis und ambitionierten Amateuren, der durchaus Unterhaltungswert generieren konnte. Und die Quoten waren in Staffel 1 und 2 zumindest so solide, dass derzeit für eine dritte Staffel gecastet wird.

Es war klar, dass so eine Idee Nachamer finden muss. VOX hat nun gestern – in sprachlicher Anspielung auf das Fantasy-Spektakel Game of Thrones – mit Game of Chefs einen solchen Nachahmer präsentiert. Die mit sechs Michelinsternen bewehrte Jury, bestehend aus den drei Spitzenköchen Christian Jürgens, Christian Lohse und Holger Bodendorf bringen – ohne Zweifel – mehr kulinarisches High End ein als alle vier Juroren von The Taste zusammen. Aber wird damit ein Unterhaltungsformat besser? Der kompottsurfer ist nicht der Ansicht. Und ein Blick auf die Quoten zeigt, dass auch der Fernsehzuschauer kaum Interesse an Game of Chefs zeigte. Laut Quotenmeter ergaben die 1,04 Millionen Zuschauer einen Marktanteil von gerade einmal 3,3 Prozent.

Man fragt sich überhaupt, warum VOX den wirklich kurzweiligen Wettstreit zwischen Tim Mälzer und Tim Raue unter dem Titel Kitchen Impossible nicht mit mehr Vehemenz verfolgt. Nach Informationen des kompottsurfers stand bereits die Ausstrahlung der zweiten Folge, die nun am kommenden Sonntag ausgestrahlt wird, auf der Kippe. Dabei hatte die Sendung mit einer Quote von 5,9 Prozent immerhin den Senderschnitt von 5 Prozent überschritten. Kitchen Impossible hat auf jeden Fall Potential, und der Fernsehzuschauer kann nur hoffen, dass die Sendung auch über die nächste Episode hinaus im Programm bleibt. Wer Game of Chefs verpasst hat und sich selbst ein Bild machen will, kann die Folge übrigens noch in der VOX-Mediathek ansehen.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

21. Februar 2015

Gesundheitswahn? Moralismus? Religion? Der neue stern-Titel und die Frage: Wird Ernährung zum Glaubensbekenntnis?

Der kompottsurfer hat in den letzten Jahren schon über viele Kanäle seine kritische Haltung gegenüber einer Entwicklung deutlich gemacht, die Ernährung zur Glaubensfrage verklärt. Jeden zweiten Tag, und das ist keine Übertreibung, landet im Postfach des kompottsurfers eine Mail, die entweder ein neues Buch oder eine neue Gastronomie ankündigt, die irgendwie mit reduziertem Ernährungsverhalten zu tun hat.

Schon eine Weile sind Ratgeber und Lokalitäten zum Thema Veganes Kochen in Mode. Dazu Paläo-Diät, eine vorindustrielle Ernährungsweise, die uns mit dem Steinzeitknüppel eins überbrät. Man möchte reimen, so konstruiert kommt einem das Ganze vor: Der Tag, ab dem ich mit Low Carb nicht starb. Gleiche chose ohne Lactose. Und noch vergessen: glutenfrei essen. Amazon listet 1.096 Treffer bei Büchern zum Thema “Low Carb”, 3.160 zum Thema “Vegan”. Bei “Paläo” sind’s 155, da geht noch was. Ebenso bei glutenfrei (316).

Bei allen diesen Ernährungsratgebern geht es um Verzicht, weil alles immer irgendwo ohne ist. Ohne Fleisch, ohne Fisch, ohne Eier, ohne Milch, ohne Kohlenhydrate, ohne Lactose, ohne Weizen, ohne Gluten, ohne Fett, ohne Zucker, ohne Nüsse. Medial werden Ängste vor Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten geschürt, die mit dem tatsächlichen Ausmaß der potentiellen Gefährdung herzlich wenig zu tun hat. Bei so viel ohne möchte man im Sinne der Kondomwerbung lauthals ausrufen: Mach’s mit!

Nun hat der stern das Thema aufs Titelblatt gehoben und dazu im Heft eine höchst unterhaltsame Story fabriziert. ESSEN – DIE NEUE RELIGION lautet die Headline, und die beste unter vielen guten Aussagen im Text lautet: “Woran erkennst du einen Veganer? Er wird es dir sagen.” Genau da liegt der Hase im Pfeffer oder, wenn man so will, das vegane Mett auf dem Brötchen: der Missionierungseifer – gepaart mit Moralpredigten. In seinen extremsten Auswüchsen könnte man auch von Veganismus sprechen. Holger Stromberg, Küchenchef der Deutschen Fußballnationalmannschaft und durchaus auch vegetarischen und veganen Zubereitungen zugewandt, sieht sich auf seinem Facebookprofil immer wieder heftigsten persönlichen Anfeindungen ausgesetzt, weil er keinen Totalverzicht auf tierische Lebensmittel erklärt sondern einen bewussten und zurückhaltenden Umgang mit Fisch und Fleisch fordert, einschließlich einer Abkehr von der Massentierhaltung. Aber das ist den Veganisten nicht genug.

Dabei ist übersteigertes Sendungsbewusstsein nicht mal der kurioseste Aspekt dieser Ernährungsapostelitis. Es ist der Hipnessfaktor. Man lässt überall raushängen, dass man was Besonderes isst. Holger Stromberg wird im stern dazu wie folgt zitiert: “60-70 Prozent tun es, weil sie gerade ein Projekt brauchen.” Der kompottsurfer ist der Ansicht, dass die Verzichtsfanatiker, egal welcher Ausprägung, nicht nur denken, sie seien besser, klüger, rücksichtsvoller als der Rest der Menschheit, nein, sie reden auch ständig drüber und fluten ihr Umfeld mit etwas, was ein alter Freund “Distinktionsgehabe” nennen würde. Schnoddrig übersetzt könnte man sagen: Man hält sich für was Besseres.

Mit Genuss hat das alles gar nichts zu tun. Aber womit dann? Warum dieser Trend? Weil die Kirchen mit ihren Moralvorstellungen – nicht zuletzt dank Missbrauchsskandal und Verschwendung a la Tebartz van Elst – in Europa gescheitert sind? Weil es eine Ersatzreligion braucht für den Fall, dass Fußball dafür nicht in Frage kommt? Weil mit einem dicken Auto anzugeben uncool und auch viel zu teuer geworden ist? Essverhalten zu einer Botschaft zu machen, passt jedenfalls zum phänomenalen Erfolg der sozialen Medien, weil jeder eine Plattform zur Verfügung hat, seinen Missionierungseifer auszuleben. Und weil das Ganze auch als Geschäftsmodell taugt, steigen Verlage, Gastronomie und Lebensmittelhandel darauf ein.

Schlimm ist das alles nicht. Es gibt sogar positive Aspekte, weil dieser Trend den Einen oder Anderen unter uns dazu bringt, über Ernährung überhaupt erstmal nachzudenken. Nur den Genuss am Essen sollten wir uns darüber nicht verderben lassen. Und wie geht es weiter? Der kompottsurfer ist sicher, dass irgendwann jede Ernährungssau durchs Dorf getrieben wurde und eine Normalisierung eintritt. Und wenn hier nur der Wunsch Vater des Gedankens sein sollte, dann ist das auch nicht wirklich schlimm.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

16. Februar 2015

Da sind sie, die Kücheninnovationen des Jahres 2015. Ein Robocuse ist nicht dabei.

Dieser Tage ist die Ambiente zu Gast auf dem Messeglände Frankfurt. Und wie jedes Jahr im Rahmen dieser hochfrequentierten Konsumgütermesse werden auch wieder Kücheninnovationen belobigt. Für 2015 als Best of Best mit dem Golden Award ausgezeichnet werden Grohe für seine Küchenamatur Blue, Rösle für einen Pelletgrill, Bauknecht für eine Kühl-Gefrierkombination. Ein neue Ausführung der Kitchen Aid bekommt ebenfalls den Gold Award, genauso wie Grundig für einen Teebereiter und Röndell für die Topf- und Pfannenkollektion Walzer. Ach ja, die Aufbahrungsbehälter der ASA Collection fehlen noch.

Design, Nachhaltigkeit, Ökologie, Produktion – das sind die Stichworte, die zu den Auszeichnungen meistens fallen. Soweit, so gut. Aber den kompottsurfer reißen die Innovationen nicht sonderlich vom Hocker, allenfalls die neue KitchenAid weckt gesteigertes Interesse, wobei die Details noch nicht bekannt ist, aber dem Foto nach zu urteilen bewegt man sich möglicherweise Richtung Thermomix.

Interessanter ist da schon, was Fissler vorhat, nämlich einen Schnellkochtopf mit Bluetooth-Schnittstelle auf den Markt zu bringen, um den Kochvorgang mittels Handy oder Tablet vom Sofa aus steuern zu können. Es geht also auch da in die Richtung die WMF mit dem Cook Assist und Vorwerk mit dem neuen Thermomix TM 5 eingeschlagen hat, von dem der kompottsurfer kürzlich berichtete. Demnächst machen wir uns also mal ein Appchen zu essen.

Und? Brauchen wir das ganze technische Zeug, wo doch ohnehin immer weniger gekocht und immer mehr aufgewärmt und aufgebacken wird? Der kompottsurfer ist der Ansicht, dass diese Entwicklungen mehr Schnicknack sind als dass sie wirklich die Kochkultur und die Qualität der Nahrungsmittelzubereitung voranbringen. Und wartet sehnsüchtig auf den ersten ROBOCUSE. So sollte er heißen, der erste Heimroboter, von dem wir uns daheim sternemäßig bekochen lassen können. Wenn man bloß wüsste, wo man den jetzt schon vorbestellen kann.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF