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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

23. April 2018

Schokolade: neue extreme Sorten und die Sorge vor einer Preisexplosion

Vor drei Tagen war Weltmarihuanatag. Ja, sowas gibt’s wirklich, und genauso wirklich gibt’s die Hanfschokolade von Ritter-Sport, eine ganz neue Sorte, von der ich mir schon der großartigen Verpackungsoptik wegen eine Tafel kaufen wollte. Aber zu meinem großen Schrecken titelt die Marketingplattform Horizont heut früh: “Das Gras ist alle”.  Drei Tage nach Markteinführung ist die limitiert aufgelegte Schokolade bereits ausverkauft. Und ich wollte doch so gerne ausprobieren, ob man sich daraus einen leckeren Schokojoint bauen kann, wo ich doch sonst mit dem Rauchen nichts am Hut habe.

Nun gut, vielleicht kann ich auf eBay noch was davon ersteigern.  Aber da explodieren schon jetzt die Preise. Sieben Tage vor Gebotsablauf stand eine Tafel heute früh bei 4,01 Euro. Und das, wo Schokolade insgesamtauf eine Preiserhöhung zusteuert. Von der Kostenexplosion, die einige Experten langfristig bei Kakaobohnen befürchten, weil die Klimaentwicklung den Anbau beeinträchtigen wird, ist aktuell noch nicht viel zu spüren. An der Rohstoffbörse sind die Preise für Kakao zwar seit dem Jahreswechsel um über 30 Prozent gestiegen, aber von den Höchstwerten aus 2010, wo eine Tonne Kakao 3.240 Euro kostete (aktuell 2.046 EUR) ist man noch ein ganzes Stück entfernt.

Während viele Hersteller nicht müde werden, ihrer Schokolade die aberwitzigsten aromatischen Begleiterscheinungen zu verpassen, schlägt der Lebensmittelkonzern Nestlé gerade einen anderen Weg ein. Mit einem Produkt, das aus einer besonderen brasilienischen Bohne stammt, deren besondere Farbgebung bislang im großen Bohnenmix unterging, wie das Handelsblatt schreibt, gezielt geerntet und durch ein spezielles Herstellungsverfahren der Schweizer Firma Barry Callebaut bearbeitet, erstaunlich rosafarbene Schokoladenmasse hervorbringt. Im letzten Sommer ging diese Nachricht bereits durch die Medien. Jetzt testet der Lebensmittelkonzern Nestlé als Erster die Akzeptanz der rosa Schokolade beim Verbraucher, und zwar in Asien und Großbritannien. Das Produkt: KitKat Ruby,. Eine Version des altbekannten KitKat-Riegels. Produziert wird die Spezialität übrigens in Hamburg, wie Nestlé mitteilte. In Deutschland ist die Markteinführung für den 7. Mai geplant.

Ob rosa Schokolade irgendwann auch als Solist mit hohem Kakaobutteranteil, noch dazu ohne Keks und Co. zu haben sein wird, darüber ist dem kompottsurfer im Moment nichts bekannt. Vielleicht muss ich mal einen Abstecher in die Schweiz machen …

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16. April 2018

Von wegen Zuckerbombe: Marc und Poldi machen Eis mit ganz viel Protein

Es wird heiß die nächsten Tage; und was reimt sich auf heiß? Genau, Poldi. Der legendäre Sprücheklopfer (“So ist Fußball, manchmal gewinnt der Bessere”) und Fußballweltmeister von 2014 unterstützt den Schwimmweltmeister von 2005 über 50 Meter Brust, Mark Warnecke, bei der Kreation von Proteineis. Mark, ein echter Bochumer Junge übrigens, hat in den letzten zwölf Jahren mit AM-Sport ein erfolgreiches Unternehmen für Sportlernahrung aufgebaut. Zahlreiche internationale Spitzenathleten aus vielen Disziplinen ergänzen damit ihre tägliche Ernährung, um ihren erhöhten Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen zu decken. Als Mediziner und langjährige Leistungssportler kennt er die Bedeutung optimaler Ernährung aus Theorie und Praxis. Eine Vertrauensbasis, die seine Produkte sowohl für erfolgreiche Profifußballteams als auch für Olympiasieger in Einzelsportarten attraktiv gemacht haben.

Nun klingt schon das Wort Nahrungsergänzungsmittel reichlich unappetitlich, aber als Ausdauersportler mit hohen Energieumsätzen kann ich ganz persönlich sagen: Es geht kaum ohne. Da können die Ranga Yogeshwars dieser Welt behaupten, was sie wollen. Nun endlich wird diese eher öde Zufütterungsprozedur aufgefrischt, denn Mark stellte bei der Sportmesse FIBO am letzten Wochenende ein 100% Wheyprotein-Eis vor. Damit das auch wirklich schmeckt, hat er Lukas Podolski als Geschmacksexperten dazu geholt. Dem würde ich jetzt nicht unbedingt in allen kulinarischen Genussfragen mein Vertrauen schenken, aber wenn’s um Eis geht, passt das.

Bis das Zeug auf dem Markt ist, wird es leider noch ein bisschen dauern. Aber der Sommer hat ja auch noch nicht angefangen.

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09. April 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen Südpfalz und Südafrika (III).

Cheers Mr. Koegelenberg! Foto: Martina Katz

Dem aufmerksamen Leser wird das Fehlen von Südafrika in meinem bisherigen ProWein2018-Rückblick nicht entgangen sein. Hat ein bisschen gedauert, weil, ja weil … ich war Ostereier suchen. Aber jetzt berichte ich gerne von meiner Begeisterung für südafrikanische Weine, die schon eine Weile anhält und auf der ProWein, dank Melanie und Martina von Geradeaus Kommunikation, weiter angeheizt wurde. Grund dafür ist das von den beiden eingefädelte Zusammentreffen mit Hein Koegelenberg CEO von La Motte Wine Estate. Mein Interesse für südafrikanische Weine war über die Jahre durch ein anhaltend überragendes Preis-Leistungsverhältnis gewachsen, das Rote wie Weiße vom Kap so liebenswürdig machen. Stellvertretend fallen mir da Weingut Kaapzicht, Allesverloren, Mullineux & Leeuw, The Sadie Family und Laibach ein.

Mit La Motte hatte ich noch keine Bekanntschaft machen können, was sich als Versäumnis herausstellte als ich mit Hein Koegelenberg zusammentraf und mit ihm eine Auswahl seiner Weine probierte. Das Weingut liegt im Franschhoek Valley, in der Gemeinde Stellenbosch, Distrikt Cape Winelands. Es beherbergt ein überregional bekanntes Restaurant sowie eine Museum. Erstaunlich, wie filigran und strukturiert sich die Weine präsentierten. Wer südafrikanische Weine gedanklich als Alkoholbomben abgespeichert hat, muss spätestens beim Genuss der Kollektion von La Motte umdenken. Die Weine sind allesamt zurückhaltend im Alkohol, bieten guten Trinkfluss und eine Mineralik, die verfängt. Hein Koegelenberg verriet mir, mit welcher Strategie sie an die Bewirtschaftung der Rebflächen herangehen. Exakte Bodenanalysen sowie die Berücksichtigung des Mikroklimas bilden die Basis für die Anbaustrategie. Reben und Böden müssen bestmöglich miteinander harmonieren können, um außergewöhnliche Terroir-Weine entstehen zu lassen. Bevor man irgendwo neu bestockt oder Anbaufläche kauft, wird ganz genau hingeschaut.

Syrah, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Co. stehen also genau da, wo sie hingehören. Selten habe ich einen so mineralischen Sauvignon Blanc getrunken wie den 2017er von La Motte, was umso erstaunlicher ist angesichts seiner Jugend. Zu meinen absoluten Favoriten zählte der 2015 Pierneef Syrah Viognier, eine spannende Cuvée mit pfeffrigen und floralen Noten, dezenter Holzwürze, einer guten Struktur und einem Finale, das erfreulich lange anhält. Mit 13,5 Vol% Alkohol bei nur 3 g/l Restzucker ist der Pierneef ein anspruchsvoller Wein der als Solist Spaß macht, gleichwohl sehr gut als Speisenbegleiter taugt.

Ich hatte über die gesamte Kollektion von La Motte gesehen überhaupt nicht Eindruck, es mit einer international austauschbaren Stilistik für einen Massenmarkt zu tun zu haben. Und doch sind die Weine nicht so kompliziert, dass nur Freaks ihre Freude daran haben können. Im Gegenteil, sie sind ungemein trinkig.

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02. April 2018

Kaffee und angebliche Krebsgefahr: Wie ein Urteil gegen Starbucks und Co. Verwirrung stiftet.

Als der kompottsurfer im letzten Herbst ausführlich über eine neue EU-Verordnung zum Thema Acrylamid berichtete – dabei aber Kaffee bewusst ausklammerte – war in den USA bereits eine Klage wegen Krebsgefahr durch Acrylamid im Kaffee in Vorbereitung. Eingereicht durch eine NGO, das Council for Education and Research on Toxics (CERT). Nun entschied ein Gericht in Los Angeles unter Vorsitz von Richter Elihu Berle, dass Unternehmen wie Starbucks, McDonalds und etwa 90 andere Warmhinweise auf ihre Becher drucken müssen. Abgesehen davon, dass die Unternehmen noch bis Mitte April Zeit haben, Widerspruch gegen das Urteil einzulegen, kam mir gleich der Gedanke: Und was passiert, wenn ich als Umweltfreund in LA mit meiner schicken Hydro Flask bei Starbucks Kaffee hole statt im Einwegplastikbecher? Müssen die mir dann beim Bezahlen einen Gefahrenbescheid aushändigen?

Wie auch immer: In Kalifornien sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Verbraucher zu warnen, wenn ihre Produkte Verbindungen enthalten, die Krebs verursachen könnten. Nun ist längst nicht klar, ob das beim Rösten von Kaffee entstehende Acrylamid überhaupt in gesundheitlich bedenklicher Menge anfällt. Richter Berle fällte denn auch ein auf Versäumnis denn Verseuchnis beruhendes Urteil. Die Beklagten hätten es versäumt, ihrer Beweispflicht nachzukommen, dass der Konsum von Kaffee einen Vorteil für die menschliche Gesundheit darstellt.

Anscheinend müssen Hersteller in Kalifornien nachweisen, dass der Konsum ihres Kaffees von Vorteil für die Gesundheit ist, um zu verhindern, dass des Amerikaners liebstes Heißgetränk als Krankmacher abgestempelt wird. Verstehen muss man diese juristische Logik nicht.

Aber was ist denn nun mit der Krebsgefahr? Die chemische Reaktion, die Acrylamid bildet, kommt in Gang wenn kohlenhydratige Speisen auf mehr als 120 Grad erhitzt werden. Je länger und heißer, desto mehr Acrylamid kann entstehen. Mit dem gelegentlich gefährlichen Halbwissen eines lebensmittelchemisch interessierten Journalisten frage ich mich: Sind Kaffeebohnen tatsächlich Kohlenhydratbomben? Antwort aus dem Lehrbuch von Belitz, Grosch und Schieberle: Die Anteile betragen 38% (Arabica) bzw. 41,5% (Robusta). Zum Vergleich: Weizenmehl enthält 71%, Kartoffeln 17%. Die Menge allein sagt erstmal noch nicht allzu viel aus, was aber leicht zu erkennen ist: Kaffeebohnen enthalten reichlich Kohlenhydrate.

Aber nun kommt mal wieder die Wissenschaft ins Spiel. Unbestritten ist, dass Röstprozesse kohlenhydrathaltiger Verbindungen Acrylamid entstehen lassen. Unbestritten ist auch, dass Acrylamid karzinogene Wirkung entfalten kann. Aber wie lassen sich diese Fakten mit einer Reihe Metastudien in Einklang bringen, die Kaffee gesundheitsfördernde Wirkung zuschreiben? Gar nicht. Was zeigt, dass es eben überhaupt nicht einfach ist, komplexe Lebensmittelverbindungen und ihre Wirkungen auf den menschlichen Organismus zu verstehen.

Für mich unerklärlich bleibt, warum die beklagten Unternehmen in Kalifornien, wie es scheint, keine ernsthafte Gegenwehr erkennen ließen. Hatten sie die Lage unterschätzt? Dabei wäre es so einfach gewesen, im eigenen Land bedeutende Fürsprecher zu finden. Wissenschaftler der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hatten vor wenigen Jahren drei Langzeitstudien mit über 200.000 Probanden ausgewertet. Ergebnis: Kaffeegenuss (bis 5 Tassen täglich) kann als hilfreich gegen tödliche Erkrankungsverläufe durch Herzinfarkt, Diabetes Typ 2 und Depression interpretiert werden. Dazu Frank Hu, am Institut zuständiger Professor für Ernährung und Epidemiologie: “Der regelmäßige Konsum von Kaffee kann als Teil einer gesunden, ausgewogenen Ernährung angesehen werden”,  wie auch der kompottsurfer damals berichtete.

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29. März 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen Südpfalz und Südafrika (II).

Was bei der Messe ProWein am meisten Freude bringt sind die Entdeckungen. Unbekannte, persönlich noch nicht erschlossene Weinregionen, junge Winzertalente, neue Rebsorten. Davon gibt es mehr als genug im Rahmen einer Veranstaltung mit fast 7.ooo internationalen Ausstellern (siehe auch Teil I).

In meinem Messeprogramm gesetzt ist immer der Besuch eines Weinguts, das im vergangenen Jahr beim rewirpower-Weintest zu den besten zählte. Im Herbst 2017 sorgte das Weingut Landerer für Furore, weil es gleich mit zwei Weinen einen Podestplatz schaffte. Es war ein angenehmer Besuch am Stand, der mit einer für mich sehr erheiternden Entdeckung endete: Das Weingut Landerer (Baden) bringt doch tatsächlich Weine aus der Lage Henkenberg auf die Flasche. Der Henkenberg ist die höchste natürliche Erhebung meiner Heimatstadt Bochum und ist eines meiner liebsten Trainingsreviere, wenn es darum geht, mich für Ultramarathons im Hochgebirge in Form zu bringen. Gute Form hatte auch der 2015er Spätburgunder Henkenberg Trocken, den ich probierte. In der Nase Noten von Kirsche, Zwetschge, etwas Cassis und angenehm frische Säure. Obwohl der Wein noch nicht so lang auf der Flasche ist, machte er schon richtig Spaß. Da das von mir sehr geschätzte Weingut Salwey ebenfalls Rebstöcke in der Lage Henkenberg hat, und auch die Winzergenossenschaft Oberrottweil, werde ich vielleicht mal eine Henkenberghorizontale machen. Wo ich doch sonst immer vertikal am Henkenberg unterwegs bin.

Aber zurück zur Südpfalz. Da entdeckte ich im Kreis der Generation Riesling, Hendrik Schweder vom Weingut Schweder in Hochstadt. Die Generation Riesling ist ein Verbund von Jungwinzern bis 35 Jahren – ins Leben gerufen vom Deutschen Weininstitut – das Jahr für Jahr zehn von ihnen (insgesamt hat die Generation Riesling 580 Mitglieder) Gelegenheit gibt, ihre Weine auf der ProWein zu präsentieren. Voraussetzung ist, dass sie eine aktuelle Kollektion vorweisen können, die herausragt. Hendrik Schweders Weine taten genau das und überzeugten bei der Landesweinprämierung im vergangenen Oktober.

Im Gespräch macht Hendrik Schweder sofort den Eindruck eines Jungwinzers, der eine klare Vorstellung davon hat, welche Art von Wein er machen möchte. Möglichst wenig Eingriffe in das Ökosystem Weinberg nimmt er vor, überlässt aber beim Gärungsprozess nicht alles dem Zufall. So setzt er zwar Weinberghefen ein, steuert aber gegebenenfalls mit Reinzuchthefen nach, wenn’s sein muss. Wirklich Spaß gemacht hat sein unfiltrierter Spätburgunder, der im Glas zwar eine gewöhnungsbedürftige farbliche Trübung zeigte, in der Nase und am Gaumen aber mit einer vielschichtigen Aromatik verzaubern konnte. Mir hat gefallen, dass er bei allem Engagement für Terroir und Authentizität nicht den Eindruck eines Dogmatikers macht sondern offen ist für Neues. So präsentierte er mir einen Roten aus einer neu gezüchteten Rebsorte, um die er sich gemeinsam mit einigen anderen Winzern kümmert und deren geringe Ertragsmenge in nur wenigen Großflaschen abgefüllt wird. Mal sehen, was daraus wird.

In Sachen Marketing fällt ihm auch was ein. So heißen einige seiner Weine  Alter Schwede oder Only for best friends. Die meisten mit dem Thema Weinvermarktung befassten Agenturen würde das auch nicht besser hinbekommen. Das gesparte Geld kann er also direkt ins Produkt stecken. Und das macht er auch.

Seine Kollektion umfasst überwiegend filtrierte Weine, die zur Zeit noch zu einem wahrhaft barmherzigen Preis zu haben sind.
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23. März 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen Südpfalz und Südafrika (I).

Machte ich aus der ProWein eine nüchterne Angelegenheit, würde ich mich auf die Zahlen beschränken, die der Veranstalter am Ende der internationalen Fachmesse in Düsseldorf Jahr für Jahr in einer Meldung zusammenfasst: 6.870 Aussteller aus 64 Nationen waren da und haben an drei Tagen über 60.000 Fachbesuchern aus 133 Ländern ihre Kollektionen vorgestellt. Erste Überraschung, jedenfalls für mich: Italien führt die Nationenwertung an mit 1.700 Ausstellern, vor Frankreich (1.550) und Deutschland (990). Produzenten aus Übersee waren immerhin mit 700 Ausstellern vertreten. Alles in allem mehr Aussteller und mehr Besucher als im Vorjahr, ein voller Erfolg also, wie Hans Werner Reinhard, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf betont: “Wer die Themen Wein und Spirituosen zu seiner Profession gemacht hat, kommt an der ProWein in Düsseldorf einfach nicht vorbei.” Warum ich an den Spirituosen sehr wohl vorbei bin, hatte ich ja kürzlich schon erläutert.

Eine Weinmesse nüchtern zu betrachten macht allerdings keinen Spaß, was nicht heißt, dass man dort als ernsthaft arbeitender Journalist – also echt gezz, kein Grund zu lachen – einen hohen Pegelstand anstrebt. Im Gegenteil. Jeder Probierschluck Wein wurde ordnungsgemäß in den Spucknapf befördert, was mir bei so manchem Wein wirklich leid tat. Aber im angetrunkenen Zustand wäre man nun mal nicht mehr in der Lage, beim nächsten Winzer im Vollbesitz seiner degustatorischen Fähigkeiten ins Glas zu schauen und zu probieren.

Mir kam es in diesem Jahr aber so vor, als zählte ich zum eher kleinen Kreis der Zurückhaltenden. Den passenden Slogan zu meinem Eindruck lieferte der Spruch eines jungen Mannes, der sich später als Filialleiter einer bekannten deutschen Einzelhandelskette zu erkennen gab: “Was ist ein Spucknapf?” Nur schwang nicht der Hauch von Ironie bei dieser Frage mit. Er schien mir zur tendenziell hemmungslosen Betankungsgruppe zu gehören, die einen nicht völlig unerheblichen Teil des Publikums ausmachte. Sollte das jetzt irgendwer als Kritik interpretieren – ist nicht so gemeint. Wenn man am Ende einer Weinmesse nicht mit Promille nach Hause gehen darf, wann dann?  Damit gerechnet, dass einige sogar mit Promille Auto fahren würden, hatte in jedem Fall die Polizei, denn es wurde von einigen Kontrollen rund um den Messeort berichtet. Angesichts zahlreicher Warmstreiks beim ÖPNV in NRW waren möglicherweise mehr Besucher als sonst ein gewisses Promillerisiko eingegangen.

Ist ja auch verdammt schnell passiert, bei einer Weinmesse aus Versehen betrunken zu werden, zu sein, zu müssen. Da fängt man zum Beispiel morgens mit besten Vorsätzen ernsthaft mit dem Probieren und Spucken an, aber über den Tag gesehen landet man dann doch bei zu vielen Edeltropfen, die auszuspucken man nicht übers Herz bringt. Ich gehöre durchaus zu dieser Gefährdungsgruppe, und nicht jedes Jahr komme ich unter 0,8 Promille da raus wie 2018. Deshalb auch generell keine An- und Abreise mit dem Auto. Alkoholisiertes Fahren ist in der Weinszene übrigens eine Thema ganz nah am Tabustatus.

Ich vertiefe das aber jetzt nicht, keine Sorge. Die zentrale Frage, die mich vor jeder ProWein beschäftigt ist die nach dem Programm. Was nehme ich mir vor? Zu viel ist immer schlecht, weil das frustet, wenn man nur einen Teil des Plans schafft. Deshalb waren für dieses Jahr weniger Events und mehr freie Verkostungen geplant. Im Mittelpunkt standen meine Lieblingsregion hierzulande, die Südpfalz (wegen ihrer Rebsortenvielfalt und der enormen Anzahl engagierter Jungwinzer) sowie Südafrika, ist doch eine internationale Messe wie die ProWein bestens geeignet, sich einen Überblick über dieses immer noch unterschätzte Weinland zu machen, wo es so viel Qualität zu barmherzigen Preisen gibt.

Einen idealen Einstieg in den Tag bot die von Markus Del Monego gewohnt eloquent und informativ gestaltete Reise durch die Weinpfalz. Besonders spannend wurde die Probe durch ihre kulinarischen Begleitumstände. Jeweils zwei Weine wurden zunächst solitär, dann in Kombination mit einer Speise probiert. In guter Erinnerung blieben eine trockene 2016er Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Andres zum Karotten-Orangesüppchen mit Ingwer und eine Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée von der Sektkellerei Schreier & Kohn zum Kohlrabi-Bratwurst-Carpaccio. Die Veranstaltung hat mich in meiner Vorliebe für Weine aus der Pfalz mal wieder bestätigt. Da ist weiterhin richtig viel in Bewegung, vor allem im unteren Preissegment. Dazu später in Teil II noch mehr.

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18. März 2018

Ach du dickes Überraschungsei: Studie widerlegt Zusammenhang zwischen Übergewicht und Süßwarenkonsum bei Kindern.

Da muss der gesundheitsbewusste Leser zweimal hingucken, bevor er’s glauben kann: Ein Forscherteam der Universität Melbourne hat im Rahmen einer belastbaren Metastudie, die insgesamt 19 Studien mit über 170.000 Teilnehmern auswertete, herausgefunden, dass es eine umgekehrte Kausalität zwischen Süßigkeitenkonsum und Übergewicht bei Kindern gibt. Die gierigsten Naschkatzen hatten tatsächlich ein um 18% niedrigeres Risiko übergewichtig zu werden als die zurückhaltenden Kinder aus den Kontrollgruppen. Wie kann das sein?

Nun wurde ja gerade erst in einer Untersuchung die angebliche herzschützende Wirkung von leichtem Übergewicht als höchst fragwürdig entlarvt, was mir vom Bauchgefühl her schon lange klar war. Insofern ist es sicher nicht verkehrt, auch der australischen Studie eine kleine Portion Skepsis entgegenzubringen.

Ganz unwissenschaftlich aus meinem privaten Nähkästchen geplaudert, muss ich eingestehen, als Kind Umengen Süßigkeiten vertilgt zu haben. Und ich hatte trotzdem kaum ein Gramm Fett am Leib. Allerdings kam ich auch auf ein wöchentliches Sportprogramm von 7-10 Stunden. Und das wiederum passt perfekt zu den Aussagen von Wissenschaftlern aus Medizin und Ernährungsforschung, die mit Abstand wichtigste Waffe gegen Krankheiten und Übergewicht sei nicht die richtige Ernährung sondern Bewegung, was zahlreiche Metastudien belegten.

Leider konnte ich in der Melbourner Untersuchung bisher keine Aussagen über die körperliche Aktivität der unterschiedlichen Süßwarenfraktionen finden. Vielleicht liegt da schon eine Erklärung: Die Vielvertilger bewegen sich einfach mehr?

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12. März 2018

Schon mal was von Mukbang gehört?

Neulich fragte ich mich beim ziellosen Surfen durchs Netz, was wohl nach food porn kommt. Der Trend, schick angerichtetes Essen im Restaurant zu fotografieren und die Welt wissen zu lassen, was man da gerade tafelt. Nach dem Motto: Seht her, ihr armen Wichte, was ich mir gerade gönne, während ihr belangloses Zeug in euch hineinstopft. Fast könnte man meinen, Mukbang, ist die direkte Antwort auf food porn, weil nicht Schönheit und Qualität des Essens im Vordergrund stehen, sondern Menge und Fastfood-Faktor.

Die Wortschöpfung Mukbang beschreibt im Grunde ähnliches wie food porn und kann in etwa mit Essen senden übersetzt werden, worunter – jedenfalls im Moment noch – digitales Senden zu verstehen ist. Zumindest bis zu dem Tag an dem wir erstmals unser komplettes Menü aus dem 3D-Drucker ziehen. Wo war ich? Ach ja, die Antwort auf food porn – Mukbang.

In Südkorea ist Mukbang (laut wikipedia auch Mok-Bang oder Meokbang) eine große Sache. Im Land mit dem schnellsten Internet der Welt erreichen Fressvideos – vor allem als vlogs – auf youtube Reichweiten, die man hierzulande nicht mal erreichen könnte, wenn Helene Fischer zusammen mit Tim Mälzer und Johann Lafer im ZDF ein Dreierlei vom gebratenen Dackel anrichten würden. Aber wahrscheinlich wäre das immer noch sehr viel ansehnlicher als dieses Mukbangdings, wo die größten Reichweiten nicht selten von grell geschminkten jungen Frauen erreicht werden, die sich an monströse Mengen Pasta, Pizza oder Burger heranmachen. Nach Dackelessen hab’ ich übrigens noch nicht gesucht, weil ich nicht weiß, was Dackel auf koreanisch heißt.

Wer sich ohnehin gelegentlich bei youtube herumtreibt, sollte einfach mal das Wörtchen “Mukbang” eingeben und sehen, was da so geboten wird. Der Trend hat auch schon auf die USA übergegriffen (watch me eat). Ob Mukbang auch in Deutschland ein großes Ding werden kann? Natürlich, was für eine Frage. Die Protagonisten werden aber vermutlich keine durchgestylten, jungen Frauen sein, sondern angetrunkene, rülpsende Kerle, die sich mit Bier, Mayo, Ketchup und Käsefäden das schöne Metallica-T-Shirt einsauen. Aber warten wir’s ab.


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05. März 2018

Messegigant ProWein: Überflüssiges Kontra im Konzept

Wie es sich für eine ordentliche Messevorbereitung geziemt, schaute ich mich kürzlich auf den Programmseiten der ProWein um, inzwischen die weltweite Nummer Eins unter den Fachmessen in Sachen Wein. Nach so einem Erfolg sah es für die Messe anfangs überhaupt nicht aus. Ich erinnere mich noch gut an die erste Austragung 1994. Da traf ich bei einer Bordeauxprobe den Bochumer Gastronomen Udo Drews (der später einen Weinhandel aufmachte und vor wenigen Jahren leider verstarb), und beide waren wir der Ansicht, dass die seinerzeit dürftig besetzte und besuchte Fachmesse zwar eine gute aber wahrscheinlich keine zukunftsträchtige Idee sein dürfte. Damit lagen wir reichlich daneben. Heute ist das Welttreffen in Sachen Wein mit Schwerpunkt auf Verkostung aus dem Kalender von Winzern, Händlern, Sommeliers und Fachjournalisten nicht mehr wegzudenken.

Mit Erstaunen stelle ich nun fest, dass in den letzten Jahren ProWein immer mehr weinfremde Themen reüssieren. Für die in wenigen Wochen beginnende ProWein 2018 stellt der Veranstalter nun den interessierten Messebesuchern die Trendthemen des Jahres vor, kommentiert von Experten aus der Szene. Und was finde ich da? Zum Beispiel Whisky und Whiskey – Für Traditionalisten und Millennials. Und dieses Thema: Kreativbier-Boom – Der Durchbruch der neuen Biervielfalt. Auch zum Aperitif findet sich was.

Man mag es mir als Dogmatismus auslegen, aber du meine Güte, hat die Weinwelt nicht wahrlich genug zu bieten als dass man sie noch mit Schnaps, Bier und sonstigem Gedöns überfrachten muss? Käme doch auch keiner auf die Idee, bei einer Fußballweltmeisterschaft ein paar Spiele Polo zu zeigen, nur weil da auch einem Ball hinterhergejagt wird.
Wie auch immer: Ich werde mich vom 18.-20. März wieder nach Düsseldorf begeben und schauen, was es Neues gibt. Und bei der Gelegenheit auch wieder den einen oder anderen Winzer aus der Siegerliste des letzten rewirpower-Weintests besuchen. Dazu dann in 14 Tagen mehr.

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28. Februar 2018

Steckrübenwinter 2017/18

Es ist gerade so dermaßen saukalt da draußen, dass einem die Einkäufe auf dem Heimweg einzufrieren drohen, wenn man nicht gerade im beheizten Auto unterwegs ist. Und ich bin selten mit dem Auto zum Einkaufen unterwegs. Schließlich braucht mein Fitnesstracker Futter, sonst fehlen am Abend gelaufene Meter und hochgestiegene Treppen, und das Tagesziel ist im Eimer. Apropos Eimer, apropos Futter. Meine Mutter erzählte mir früher oft, wie sie daheim die Schweine gefüttert und ihnen Eimer voller Steckrüben zum Fressen hingekübelt haben. Deshalb schaute mein Vater neulich auch reichlich verwundert drein, als ich ihm begeistert von meinem Genusshunger auf Steckrüben berichtete. Genuss und Runkelrüben, wie diese Unterart des Rapses im Ruhrgebiet despektierlich bezeichnet wird, das passt für viele Menschen der älteren Generationen nicht zusammen. Durchaus verständlich vor dem Hintergrund an die Erinnnerungen, die damit verknüpft sind: Krieg und Hungersnot.

Andererseits: Diese Wurzelknolle hat hunderttausenden Menschen im so genannten Steckrübenwinter 1916/17, während des Ersten Weltkriegs, das Überleben gesichert. Nicht nur deshalb hat sie unsere Aufmerksamkeit verdient. Und Berücksichtigung im winterlichen Speiseplan, zumal das Gemüse reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, die Anteile Betacarotin und Kalium sind sogar beachtlich.

Was sie aus meiner Sicht besonders attraktiv macht, ist ihr Status als Heimatprodukt von einzigartigem Geschmack mit einer spannenden Wechselwirkung aus Herbe und Süße, die auch guten Spargel auszeichnet. Vergleicht man übrigens die Inhaltsstoffe, wird man erstaunt sein, wie ähnlich Anteile und Gewichtung der Mikronährstoffe sind. An verwertbaren Kohlenhydraten bringt die Steckrübe allerdings mehr mit als der Spargel, nur längst nicht so viel mehr wie ich vermutet hatte. Gerade mal 5,7 g Anteil Kohlenhydrate sind es pro 100 Gramm. Zum Vergleich: Spargel hat 2,0 g und Kartoffeln bringen es auf 14,8 g.

Warum ich hier so sehr am Spargel hängen bleibe? Weil er in Sachen Image und Preis das genaue Gegenstück zur Steckrübe ist. Keine Zwei Monate mehr, dann wird der Spargelwahnsinn wieder losgehen. Ganz ehrlich, ich finde dieses Stangenzeugs reichlich überschätzt. Ab und an mal eine Portion essen, wenn hohe Spargelzeit ist (also nicht gleich nach dem ersten Abstechen) – aber das reicht mir dann auch. Und so taufe ich lieber die Steckrübe auf den Namen Dicke Spargelbertha, oder nein, besser: Schwedenspargel. Vielleicht bringt das ja ein bisschen Imagegewinn.

In einem alten, geerbten Henriette-Davidis-Kochbuch meiner Oma, gedruckt im Jahre 1914 – also zwei Jahre vor dem berüchtigten Steckrübenwinter 1916/17 – fand ich ein Rezept unter dem Namen Steckrüben auf gewöhnliche Art. Dort wird empfohlen, die gewaschene, geschälte und in dünne Scheiben geschnittene Steckrübe in “nicht allzu viel Wasser und mit etwas Nierenfett” zu garen, dann mit Butter, süßer Sahne und etwas Maismehl vorsichtig durchmengen, mit Muskatnuss würzen und zu Kartoffeln mit Bratwurst oder gebratener Leber servieren. Aber wo bekommt man heutzutage noch Nierenfett her? Ich werde mal beim Metzger meines Vertrauens nachfragen.

Nach meiner bisherigen Erfahrung mit Steckrüben, bringt allzu langes Kochen kohlige Aromen stärker zum Vorschein, was besonders bei der Zubereitung von Suppen schnell passiert ist. Wer das vermeiden will, gart sie nur soweit, dass sie noch spürbar Biss haben.

Und noch mal kurz den Bogen zurück zum Anfang geschlagen: Weder friert uns die Steckrübe, pardon, der Schwedenspargel in diesem Bibberwinter auf dem Heimweg ein, noch nimmt er nennswert Schaden, wenn man ihn über Wochen im tiefkalten Keller lagert.

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