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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

24. März 2017

ProWein 2017 (1): Wo der Mondwein hinters Licht führte und die Zeit für die Sonnenuhr nicht reichte.

Neulich telefonierte ich mit einem Küchenchef aus dem erlauchten Kreis der mit drei Michelinsternen erleuchteten. Ob er denn auch zur ProWein käme, wollte ich wissen, nachdem wir beide feststellten, dass wir uns schon eine ganze Weile nicht gesehen hatten. Ich hatte gedacht, so bei einem guten Glas Wein, ließe sich doch nett plaudern. “Was soll ich denn da?” kam zur Antwort, ergänzt um wenig schmeichelhafte Auslassungen zu einer besonderen Besucherklientel, die dort in stattlicher Anzahl durch die Gänge wankt und die abenteuerlichsten Aromen im Wein entdeckt und herausschmeckt. Ach, was haben wir gelacht am Telefon. Bis mir der Gedanke kam, ob ich nicht vielleicht auch dazu gehörte. Nee, völlig unmöglich. Ich wanke doch nicht. Bis auf ein paar Schlucke – in diesem Jahr aus dem Sortiment der Domaine Bichot und dem Mondwein von Wanne-Eickel, quatsch, von Tesch – wird immer alles brav ausgespuckt. Sonst käme ich doch niemals den vielen außergewöhnlichen Aromen auf die Spur, die es in so manchem Tropfen zu entdecken gibt.

Der Mondwein. Als ich in einer Pressemitteilung des Hauses darüber las, fürchtete ich, im Weingut Tesch (ja, das sind die mit dem Toten Hosen Wein, der kompottsurfer berichtete) stünde neuerdings Esoterik hoch im Kurs. Man erntete Trauben bei Vollmond und streute vielleicht sogar im Sommer Globolikügelchen unter den Rebstöcken aus, damit die Pflanzen gegen Hitzestress gewappnet sind. Aber nein. Es ist nicht das, wonach es aussieht. Obwohl ein ziemlich esoterisch anmutender Mond auf dem Etikett zu sehen ist. Meine Frage am Stand des immer sehr belagerten Nahe Winzers, was es denn bitte mit dem Mond auf sich hat, wurde schmunzelnd überhört. Alles andere aber umfänglich beantwortet. Und keine Frage, der Wein ist tatsächlich so außergewöhnlich wie rar. Nur knapp 600 Liter, so verriet man mir, konnten davon auf die Flasche gebracht werden.

Es ist ein Wein mit Gen-defektem Lesegut. In jedem Weinberg gibt es eine geringe Anzahl kleiner goldgelber Trauben, die keine Kerne haben. Und je älter der Weinberg, um so höher ist der Anteil dieser Sonderlinge. Nur in Jahren, in denen das Wetter durchgängig perfekt ist, können diese Trauben gesondert gesammelt werden. Erstens, weil sei überhaupt noch hängen, denn sie wachsen an kleinen Seitentrieben, die unter Umständen im Laufe ihres Wachstums weggeschnitten werden. Und zweitens, weil auch bei der Ernte das Wetter stabil sein muss, damit genügend Zeit für die aufwändige Handarbeit bleibt. Für ein kleines Fass müssen über 12 Hektar Rieslingweinberge durchkämmt werden. Bei der Verarbeitung der Trauben kann der Winzer dann die Extraktion auf die Spitze treiben, da nach dem Abbeeren der Anteil Tannin besonders gering ist, weil die Bitterstoffe aus den Kernen fehlen.

Ich muss zugeben, dass mich dieser trocken ausgebaute Wein wirklich gepackt hat. Extrem konzentrierte Frucht und eine – für diesen niedrigen Alkoholgehalt (13 Vol.%) – unglaubliche Tiefe und Länge. Wer eine dieser raren Flaschen ergattern will, muss 20 Euro investieren (zum Beispiel hier). Ein geradezu barmherziger Preis für diesen Wein, wie ich finde. Ach ja, und lange überlegen ist keine gute Idee.

Einen Nachteil hatte die lange Beschäftigung mit dem Mondwein allerdings schon. Es blieb nicht mehr genug Zeit für die Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese von Dr. Loosen. Die wollte ich – nach vielen lobenden Kommentaren von guten Weinfreunden – unbedingt noch vor Ort probiert haben. Sei’s drum, dann muss ich wohl irgendwo mal ein ganzes Fläschchen ordern.

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19. März 2017

Preise für Parmesankäse teilweise um bis zu 50 Prozent gestiegen. Gibt es Alternativen?

Als 2012 ein Erdbeben Norditalien erschütterte, traf es auch die Region Emilia-Romagna empfindlich. Dort nahm ein Parmesanlager schweren Schaden, etwa 400.000 Laibe Käse gingen zu Bruch. Man musste damals befürchten, dass dieser Verlust heftigen Niederschlag in der Preisentwicklung finden würde, aber so schlimm wurde es zum Glück nicht.

Nun sehen wir aktuell eine heftige Preisentwicklung beim Parmesan, die viel eher zu einem Erdbebenereignis passt. Nur hat dort zuletzt nichts ähnlich schlimm gerüttelt. Die Preiserhöhungen, wie sie bei Fachhändlern, in Supermärkten und bei Discountern zu beobachten sind, müssen andere Ursachen haben. Der kompottsurfer hat sich bei Insidern aus der Milchwirtschaft umgehört, die hauptsächlich gestiegene Rohmilchpreise in der Region für die Preisentwicklung verantwortlich machen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Käsesorten handelt es sich bei Grana Padano und Parmigiano-Reggiano um gebietsgeschützte Bezeichnungen. Wird die Rohmilch in der Region teurer, schlägt das auch ungepuffert auf den Käsepreis durch. Zumal nicht überall in Europa solche Dumpingpreise für Milch üblich sind wie in Deutschland. Da sich bei einigen Onlinehändlern jedoch deutlich günstigere Bezugspreise erzielen lassen als aktuell beim Discounter, kann es nicht allein an den Milchpreisen liegen. Vielleicht wurde falsch disponiert, vielleicht wird die Preistoleranz des Verbrauchers getestet. Anders als bei der saisonal extremen Verteuerung von Sommergemüse, wie sie zuletzt bei Zucchini zu beobachten war, mit Spitzenpreisen von 8 Euro pro Kilogramm (der kompottsurfer berichtete), ist der gestiegene Parmesanpreis also nicht so einfach zu erklären.

Aber muss es überhaupt immer Parmesan sein? Keinesfalls. Als Alternative könnte zum Beispiel auch Alter Holland Gouda dienen, nicht zu verwechseln mit in Deutschland großindustriell hergestelltem Gouda. Alter Holland Gouda reift mitunter bis zu sechs Jahre, und erreicht dann jene Spitzenqualität, wie sie beim legendären Affineur Waltmann zu haben ist.

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14. März 2017

Tim Raue erster deutscher Koch in der kulinarischen Kultstaffel CHEF’S TABLE

Ich gebe offen zu, Netflix nicht in erster Linie wegen der großartigen Serie über internationale Spitzenköche anzusteuern. Chef’s Table wirkt neben den von mir gesuchteten Serien wie House of Cards und der Riege der Superhelden (Daredevil, Jessica Jones, Luke Jones, Arrow) wie Arte-Programm, für das ich mich eher selten erwärmen kann. Gleichwohl fasziniert mich die Serie. Weil die Köche Innereien offenbaren. Aspekte ihres emotionalen Ichs, die sich später in ihren Kreationen widerspiegeln. Ob Kochen Kunst ist, hängt auch mit dem Blickwinkel zusammen aus dem es betrachtet wird. Und in Chef’s Table zeigt der Blickwinkel Kunst. Und Künstler. Ein Gericht wird aus meiner Sicht nicht durch den Blick auf den Teller zur Kunst, vom Ende her zu denken funktioniert zumindest beim Essen nicht. Vielmehr ist der Anfang wichtig. Die Idee, der Schaffensprozess.

Nun wird mit Tim Raue der erste Koch aus Deutschland in der Serie vorgestellt. Warum gerade er? Gäbe es hierzulande nicht auch andere Kandidaten seiner Klasse? Klar, die gibt es. Ich weiß natürlich nicht, warum Raue ausgesucht wurde. Ich weiß nur: Ich hätte ihn auch ausgesucht. Er hat einen steinigeren Weg zurücklegen müssen als die meisten seiner Kollegen, schon da gibt es was zu erzählen. Außerdem wirkt er in seiner rustikalen Art authentisch und trägt das Herz auf der Zunge. Es wird Zeit, meine hier vor gut acht Jahren mal formulierte Kritik zu relativieren, alles unter dem Vorbehalt, dass ich ihn zwischenzeitlich nur mal kurz am Rande einer Veranstaltung gesprochen habe, ihn also weiterhin nur anhand seiner Medienauftritte beurteilen kann. Wie auch immer, Raue wirkt auf mich nicht mehr so getrieben wie früher. Ich sehe ihn gerne. Jetzt also in der neuen Staffel Chef’s Table.

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08. März 2017

Kitchen Impossible: “Mälzer ist hinterlistig.”

So muss das. Mit Mälzer. Den Episoden ohne Beteiligung des Hamburgers fehlt einfach diese Portion Rotzigkeit, die Kitchen Impossible (VOX) so besonders macht. Es ist so ein bisschen wie bei Spielen des FC Bayern München in der Bundesliga. Bis auf die Anhänger der Roten selbst hoffen alle darauf, dass der Favorit strauchelt. Und bei KI ist immer der Mälzer Favorit, egal, mit wie vielen Michelinsternen seine Gegner dekoriert sind.

Und so hielt Mälzers zweites Duell mit Lohse auch wieder alles an kulinarischen Fallstricken und verbalen Gemeinheiten bereit, die der kompottsurfer bei der Sendung Kitchen Impossible so genießt. “Mälzer ist hinterlistig,” sagt Lohse, und natürlich hat er recht. Besser kochen kann Mälzer nicht, also muss er schmutzig gewinnen, wie es in der Fußballersprache heißt. Deshalb suchte Tim für Christian ein Gericht mit einer Zutat aus, die zum Zeitpunkt der Zubereitung keine Saison hat, nämlich Mais. Und weil Mälzer weiß, dass Lohse keine C-Ware verarbeitet, konnte er sicher sein, dass das nachzukochende Gericht dem Original kaum entsprechen würde.

Und Lohse keult in seiner Not sehr unterhaltsam weiter: “Mälzer würde auch einen Schwamm panieren.”

Neben all’ der echten Verzweiflung, die den Kombattanten bei ihren Nachkochversuchen ins Gesicht geschrieben steht, neben all’ den fiesen Sprüchen, ist auch spannend zu sehen, wie das Format – möglicherweise sogar ungewollt – die Grenzen der guten Küche auslotet. Was ist eine möglichst originalgetreue Kopie von Gerichten wert, wenn sie mit Kompromissen erkauft wird, die gegen die Ehre eines Spitzenkochs gehen? Ist es da nicht vielleicht besser, weniger original aber dafür qualitativ hochwertiger abzuliefern? So jedenfalls tickt Lohse, und das war schön zu sehen am letzten Sonntag.

Der kompottsurfer hatte es ja schon nach der Pilotsendung so eingeschätzt, dass das Format Unterhaltungspotential und kulinarisch einiges zu bieten hat. Schön, dass es die Zuschauer ähnlich sehen. Die Quoten sind gut,  2,2 Millionen sahen die Folge vom vergangenen Sonntag. In Sachen Kampflustigkeit dürfte Mälzers nächste Auseinandersetzung der gegen Lohse kaum nachstehen. Und das ist wahrscheinlich noch untertrieben. Sein Gegner Tim Raue lässt schon durchblicken, was der Zuschauer am kommenden Sonntag ab 20.15 Uhr erwarten darf: eine “Herausforderung an der Grenze zur Bösartigkeit”. Da kommt doch Freude auf.

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04. März 2017

Die Begegnung zweier Genusswelten: Laufen und Wein trinken.

Keine Sorge, das soll kein Grundssatzbeitrag zum Thema Alkohol und Doping im Sport werden. Okay, vielleicht doch ein bisschen. Alkohol steht immerhin auf der Dopingliste. Das Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) hat dazu ein paar lesenswerte Zeilen verfasst: “Unter Alkoholeinfluss kommt es bei den meisten Sportarten zu keiner Leistungssteigerung. Ausnahmen sind aber jene Sportarten, wo eine sympathische Erregung zu Leistungseinbußen führen kann. So ist z.B. beim Schießen in Sportarten wie Schießsport, Moderner Fünfkampf und Biathlon Alkohol verboten und Alkoholkontrollen können vorgenommen werden.” Sympathische Erregung nimmt in diesem Fall Bezug auf das Vegetative Nervensystem, wo der Parasympathikus für das Beruhigen des Systems steht.
Den ersten Satz der Einlassungen des Instituts kann ich bedingt bestätigen. Meine Erfahrungen mit Sport unter Alkoholeinfluss waren unterschiedlich. Damals, vor Fußballspielen, ging das gar nicht. Heute ist das anders. Am Abend vor einem mehr als 24 Stunden langen Ultrarennen, das oft in den frühen Morgenstunden beginnt, hilft mir das eine oder andere Glas Wein dabei, in den Schlaf zu finden. Während der Alkohol am nächsten Tag schnell rausgelaufen ist, bleibt ein eventueller Schlafmangel über das ganze Rennen hinweg ein unliebsamer Begleiter. Da fällt die Entscheidung leicht, hicks. Vielleicht begegnet man deshalb so vielen Weinliebhabern in der Ultralaufszene. Einer der namhaftesten ist sogar selbst Winzer. Im Beaujolais. Er heißt François D’Haene, leitet die Domaine du Germain und gewann unter anderem legendäre Rennen wie den Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) oder die Diagonale der Verrückten auf La Réunion. Warum ich überhaupt auf das Thema Wein und Laufen komme? Weil ich mich kürzlich für einen Ultratrailmarathon anmeldete und mir der Veranstalter persönlich ein paar Zeilen schrieb. Ich solle meine Laufschuhe nicht vergessen. Als ob ich jemals meine Laufschuhe vergessen hätte. Na ja, bis auf ein oder zweimal. Ich schrieb zurück, notfalls liefe ich barfuß. Darauf sendete er mir das Foto von einem Weinetikett mit Barfüßen drauf: barefoot wine. Und dann erinnerte ich mich an ein Etikett der Weine von François. So kam das.

Aber zurück zum Alkoholverbot. Und ein paar krausen Gedanken dazu. Schon mal überlegt, woher die Redewendung der hat sich weggeschossen stammt? Also ich vermute, es könnte mit einem Gespräch unter Athleten im Olympischen Dorf begonnen haben. Turin 2006 – die berüchtigten Dopingspiele in der berühmten Weinregion Piemont. Ein paar Biathleten und Snowboarder sitzen abends gemeinsam an einem Tisch in der Kantine und diskutieren die Festnahmen einiger österreichischer Athleten wegen des dringenden Verdachts von EPO-Doping. Weil Dopingmissbrauch in Italien schon damals ein gravierender Gesetzverstoß war (in Deutschland hat der Beschluss eines Gesetzes dazu bis 2016 gebraucht), rückte man gleich mit der Kavallerie im Mannschaftsquartier der Österreicher an. Wo sich die Snowboarder und die Biathleten nun gerade so schön unterhalten, bechern die Boarder eine paar Gläser Barbera del Monferrato. Die Biathleten dürfen nicht und winken ab. Dabei fällt die Formulierung “Wollt ihr uns abschießen?” Derweil geben die Boarder zu, lieber Marihuana zu konsumieren, aber das dürfen sie nicht. 1998 bei den Olympischen Spielen von Nagano hatte ihr kanadischer Sportkollege Ross Rebagliati unter Einfluss von Marihuana Silber gewonnen, wie der Nachweis von THC in der anschließende Dopingprobe ergab. Eine Aberkennung der Medaille war aber nicht möglich, da THC noch nicht auf der Dopingliste stand. Erst daraufhin wurde die Substanz auf die Liste verbotener Mittel gesetzt.

Also hier dann mal meine aktuell liebsten Lieblingsetiketten:

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26. Februar 2017

ResQ Club: Wie funktioniert die Rettung von Essen und Nahrungsmitteln?

Erst kürzlich berichtete der kompottsurfer über die Aktion niederländischer Künstler, die so genannter “Schadtiere” im urbanen Lebensraum, wie Ratten, Füchse oder Krähen zu Essen verarbeiten. Tiere also, deren Kadaver ansonsten einfach verbrannt oder verscharrt würden.

Der Rettung von Nahrungsmitteln hat sich auch der ResQ Club verschrieben. Allerdings ist der Ansatz ein ganz anderer. ResQ ist der Dienst eines finnischen StartUps, der es einerseits den teilnehmenden Restaurants, Cafés und Hotels ermöglicht, überschüssige Gerichte und Lebensmittel dem sicheren Mülltod zu entreißen und sie statt dessen zum erniedrigten Mitnahmepreis noch verkaufen zu können und andererseits Konsumenten auffordert, eben diese Gerichte günstig zu erwerben. Das alles funktioniert mithilfe einer App, in der Verbraucher sehen können, wo in ihrer Nähe gerade Reste-Essen angeboten wird.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist zu sehen, dass der so findige wie junge Dienst natürlich noch nicht überall richtig läuft. Dort, wo es läuft, wie in Amsterdam, sah der interessierte Konsument am gestrigen Samstagabend folgende Angebote:

Misosuppe (2 Euro)
Gegrillte Champignons gefüllt mit Mangold und Topinambur (2,50 Euro)
Erbesensuppe mit Bratwurst (2,50 Euro)
Scharfer Tunfisch Wrap (6,50 Euro)
Ossobuco Tagliatelle mit Karotten und Paprika (4 Euro)

Das sieht noch nicht danach aus, als beteiligten sich tatsächlich viele Restaurants mit “qualitativ hochwertigen” Mitnahmeportionen an dem Projekt. Und sicher besteht auch die Gefahr, dass so mancher Gastronom auf dieser Welle mitreitet, um minderwertiges Essen zum üblichen Preis zu verkaufen. Frei nach dem Motto: Wenn Verbraucher eine bestimmte Biermarke bevorzugen, weil mit jeder Kiste ein bisschen Regenwald gerettet wird, dann sind sie auch mit dem Versprechen der Vermeidung von Nahrungsmittelvernichtung zu ködern.

Warum der kompottsurfer gerade bei einer so guten wie sinnvollen Idee genau dahin schaut, wo es Probleme geben könnte? Weil nirgendwo klar beantwortet wird, wie Qualitätssicherung betrieben wird und wie das Geschäftsmodell hinter der Idee funktioniert. Auch ein Beitrag im Green Alley-Netzwerk, wo der Gründer des Unternehmens zu Wort kommt, gibt keinen Aufschluss.

Keine Frage, der Wegwerfwahn bei Lebensmitteln hat vor allem in Deutschland erschreckende Ausmaße angenommen. Ideen, wie die des Res Q Clubs, zielen also genau in die richtige Richtung. Nur, was vor dem Hintergrund zahlloser Lebensmittelskandale nicht vergessen werden sollte: Es braucht auch Transparenz und Kontrollmechanismen, damit solche Projekte am Ende den Erfolg haben, den sie verdienen. Sollten nämlich eines Tages Gastronomen auffliegen, die den Kunden systematisch dubiose Nahrungsmittel untergeschoben haben, ist eine gute Idee schnell beerdigt.

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20. Februar 2017

Ausgekocht: Die Mannschaft muss nun ohne Holger Stromberg satt werden.

Es war eine lange Partnerschaft, die Spitzenkoch Holger Stromberg als kulinarische Versorgungsinstanz mit der deutschen Fußballnationalmannschaft verband. Wochenlang begleitete er Neuer, Lahm, Özil und die anderen zu den großen Turnieren, erstellte mit dem Betreuerstab individuelle Ernährungsratgeber für die Spieler und sorgte höchstselbst dafür, dass es ihnen in der Ferne nicht an genussvollem Essen mangelte. Vor Jahren verriet er mir mal im Interview einige besonders delikate Schmankerl, nur leider grätschte die Pressestelle des DFB dazwischen, und ich durfte die unterhaltsamsten Anekdoten für mich behalten.

Man fragt sich jetzt natürlich: warum dieser Abschied? Hatte Stromberg, der am nördlichen Rand des Ruhrgebiets aufwuchs, zu schlecht gekocht? Hatte er heimlich Details über einen Zaubertrank ausgeplaudert? Oder war Strombergs neue Riesenbrille im Look der 70er Jahre den Stil-Ikonen Bierhoff und Löw ein Dorn im Auge? Wohl nichts von alledem. Die anstrengenden Touren zu den Spielen und Turnieren waren dem Familienvater wohl auf Dauer zu zeitraubend. Schließlich hat er ja noch sein Cateringunternehmen in München zu leiten. Er bleibt aber Ernährungsberater beim DFB.

Zum Abschied drei meiner Lieblingssätze aus meinen Interviews mit ihm:
“Auch beim DFB gibt es Etats, die eingehalten werden müssen.”
“Am Spieltag gibt es klare Rituale. Da brauche ich nicht mit einem Octopussalat kommen.”
“Als Küchenchef in einem Münchener Restaurant wurde ich anfangs von Gästen lauthals angeranzt, wie ich denn nur so riesige Portionen servieren könnte. Es hatte den Leuten zwar geschmeckt, aber sie drohten, nicht wiederzukommen, wenn ich weiterhin solche Mengen auftischen würde.“

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15. Februar 2017

Was ist der Unterschied zwischen Frankfurter Kranz, Frankfurter Würstchen und Frankfurter Brett?

Alle drei Dinge haben mit Essen zu tun, aber während die ersten beiden für bürgerliche Esstradition stehen und direkt dem leiblichen Wohl oder Unwohl dienen, ist das Frankfurter Brett eine Neuheit, die Hobby- und Profiköche interessieren dürfte. Der Tipp stammt übrigens von einem aufmerksamen Leser des kompottsurfer blogs (danke, Toni!).

Allerdings hat auch das Frankfurter Brett mit Tradition zu tun, da der Name Bezug auf die Frankurter Küche nimmt, der Mutter aller Einbauküchen, vor neunzig Jahren als modulares System entwickelt mit dem Ziel, die Arbeitsabläufe in der Küche zu vereinfachen und zu verkürzen.

Jetzt also das Frankfurter Brett. Oben kann auf einer massiven Holzplatte bequem Gemüse und anderes Gedöns geschnibbelt werden, darunter ermöglicht ein Schubladensystem eine direkte Versorgung mit zu bearbeitenden Zutaten, die nun nicht mehr neben oder auf dem Brett herumliegen müssen sowie die mitunter nervtötende Entsorgung der Abfälle. Typischer Küchendialog dazu: “Schatz, mir ist gerade ein Stück Tomate runtergefallen, siehst du das irgendwo?” – “Ja, ich seh’s. Du hast es gerade plattgetreten.”

Das Frankfurter Brett wurde mithilfe von Crowdfounding entwickelt und produziert und kann jetzt hier vorbestellt werden. Und im Video kann man anschauen wie das Ding funktioniert.

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10. Februar 2017

Ausblick ProWein 2017: Die besten 100 Bordeaux zum Entdecken.

Wenn Weintrinken konzentriertes Beurteilen und Ausspucken der angestellten Tropfen erfordert, hat das immer mit Arbeit zu tun. Nun sagt aber niemand, dass Arbeit nicht auch Vergnügen bereiten darf. Und das war bei der Verkostung zur Auswahl der besten 100 Bordeaux zum Entdecken uneingeschränkt gegeben. Eine so fachkundige wie kurzweilige Runde war da in Essers Gasthaus (Köln-Ehrenfeld) zusammengekommen, um in fünf Panels die geographisch kleine, aber in Sachen Wein so große und legendäre Welt der Anbaugebiete von Bordeaux zu vermessen. Das Preisfeld, auf dem das Geschehen spielte: 6 bis 30 Euro. Und so viel vorweg: Es gibt wirklich eine Menge guten bis sehr guten Stoff in diesem Kosmos. Guter Bordeaux muss also wirklich nicht teuer sein, wie wir auch beim letzten rewirpower-Weintest feststellen konnten, wo ein roter Château les Rambauds aus 2010 den ersten Platz bei den Weinen unter 8 Euro belegte.

Die Ergebnisse unserer aktuellen Verkostung werden zur ProWein 2017 verkündet, die vom 19.-21. März in Düsseldorf stattfindet. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Besuch der ersten ProWein, eine damals noch kleine Veranstaltung, deren Zukunft höchst ungewiss schien. Heute ist sie eine der bedeutendsten Fachmessen weltweit. Und die nun schon im zehnten Jahr von der Sommelier-Consult Köln unter Mitwirkung vieler Experten erstellte Liste mit den 100 Bordeauxweinen zum Entdecken ist eine der besonderen Ankerpunkte für die Besucher, die im Rahmen der Messe an gut strukturierten Verkostungen teilnehmen wollen. Jurypräsident Markus Del Monego wird auch 2017 wieder im Rahmen der ProWein, gewohnt kurzweilig und informativ, ausgewählte Weine aus der 100er Liste vorstellen (19.3. //17:15-17:45 // Halle 11, Stand J6). Veranstaltet wird das Ganze von der L’École du Vin de Bordeaux Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux (CIVB).

Natürlich darf im Vorfeld nichts von den Ergebnissen durchsickern, und ich werde mich hier hüten, Konkretes auszuplaudern. Aber was ich verraten kann, ist, dass mir ganz persönlich die Roséweine aus 2016, die getrennt von den Clairets probiert wurden, überraschend viel Vergnügen bereitet haben. Auch die angestellten Weine aus Margaux (Jahrgänge 2010-2014) markierten in meiner individuellen Beurteilungskurve Gipfelpunkte.

Sobald die Liste öffentlich werden kann, gibt’s an dieser Stelle einen Link als Update.

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07. Februar 2017

Was der Kompottsurfer an München besonders mag

Das  Essen. Oder genauer: die Essmöglichkeiten abseits der bayerischen Landesküche. Auch wenn es im Ruhrgebiet durchaus einige  kulinarische Hotspots abseits der Spitzengastronomie gibt – sobald ich in München unterwegs bin, kommt mir meine Heimat wie eine  kulinarische Diaspora vor. Ganz besonders die asiatischen Lokale begeistern mich. Und vermutlich gibt es in der Stadt noch eindrucksvollere als die von mir hier genannten. Aber soll ja auch nicht mein letzter Besuch in München gewesen sein.

Da ist zum Beispiel der kleine vietnamesische Imbiss Ha Noi an der Schellingstraße 104. Zu den besonderen Köstlichkeiten des Hauses zählen die trefflich abgestimmten Nudelsuppen. Die zudem barmherzig kalkuliert sind.

Für Freunde koreanischer Küche ist Kims Restaurant eine Empfehlung. Wer das spartanische Ambiente auszublenden versteht und mit der Aufmerksamkeit beim Essen bleibt, wird seine Freude haben – nicht nur an Kimchi und gebratenem Wasserspinat sondern vor allem an den hauchdünn geschnittenen Fleischgerichten vom Tischgrill.

Und dann ist da noch Kushi-Tei of Tokio mit seinen betörenden Grillgerichten. Auch das Sushi verdient Aufmerksamkeit. Ich freu’ mich schon auf die nächste Reise nach München.

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