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Essen und Trinken - Blog

DER KOMPOTTSURFER

Der Journalist und Autor Klaus Dahlbeck durchquert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die genussvollen Gebiete des Lebens. Sein persönliches Tagebuch öffnet den Blick in eine weite und spannende kulinarische Welt zwischen Versuchung und Verunsicherung.

03. Juli 2015

Barack Obama und die Erbsenquälerei: US-Präsident heizt Debatte um das richtige Rezept für Guacamole an.

Das wäre doch mal was: Angela Merkel nutzt das Sommerloch und kommentiert ein Kartoffelsalatrezept aus dem stern. “Nein, Gelbe Paprikaschote und Kapern gehören nicht in einen Kartoffelsalat, da sei die deutsche Küche alternativlos,” ließe sie Regierungssprecher Steffen Seibert am Ende einer Pressekonferenz zum Thema, sagen wir Griechenland, verkünden. Undenkbar? Nun ja, US-Präsident Barack Obama hat sich gerade in eine Debatte um ein Guacamole-Rezept eingemischt, das in der New York Times veröffentlicht wurde.

Es geht um die Zugabe von Erbsen. “Give peas no chance!” wird sich Obama gedacht haben, denn was zur Hölle haben Erbsen in einer Guacamole zu suchen? Und so äußerte er sich auch auf Twitter zwar nicht ganz so deftig, aber unmissverständlich: respect the nyt, but not buying peas in guac. onions, garlic, hot peppers. classic.

Und? Hat er recht? Was für eine Frage, er ist der Präsident. Möglicherweise hat seine NSA auch jahrelang eine alte Aztekenfamilie abgehört und ihn jetzt mit brisanten Geheiminformationen gefüttert, die bestätigen, was ohnehin schon alle wussten: In Guacamole gehören keine Erbsen!

Aber was gehört wirklich rein? Nun ja, eine meiner aktuell liebsten rezeptuellen Spielwiesen ist, richtig geraten, die Guacamole. Angeregt durch eine Aktion des khymos blogs kommen in meiner Küche seit 2010 Avocados vermehrt zum Einsatz, auch als Basis für ungewohnte Kombinationen.  Je nach Qualität der Avocados – die nach den Erfahrungen des kompottsurfers weniger von der Sorte abhängt als von einem perfekten Reifezustand – kann schon eine simple Version aus Avocado, Salz, Pfeffer und ein paar Spritzern Limettensaft köstlich sein. Da braucht es nicht mal das Gedöns aus Zwiebeln, Knoblauch und Chili. Aber sie können einen geschmacklichen Mehrwert bringen, je nachdem, wie die Guacamole kombiniert wird, genauso wie die Zugabe von frischem Koriandergrün, dezent dosiert. Gebratener Speck schmeckt köstlich zu einer geschärften Guacamole, genauso wie Räuchermatjes. Alles schon ausprobiert. Genauso wie der Austausch von Chili gegen Wasabi. Aber Erbsen? Mal sehen, vielleicht kommt mal der Tag, an dem mein Alkoholpegel vor der Zubereitung des Essensd hoch genug ist, dass ich mich heranwage.

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28. Juni 2015

Frau Wiener schaltet auf Angriff: “Vegan ist auch keine Lösung.”

Das letzte Jahr lief nicht gut für Sarah Wiener. Erst ging ihre Ehe mit dem Filmstar Peter Lohmeyer in die Brüche, dann ihr Vertrag mit dem Autobauer Mercedes-Benz, für den sie zwei Gastronomiebetriebe managte.

Aber jetzt hat die bekannte Fernsehköchin mal wieder auf Angriff geschaltet. In einem viel beachteten und in den sozialen Medien kontrovers diskutierten Beitrag für das Magazin enorm bezieht sie Stellung zum veganen Ernährungstrend und verkündet: “Die vegane Industrie produziert genauso falsch wie das Fleischsystem.”

Kritiker des veganen Ernährungstrends werden von deren Befürwortern nicht selten mit einem Taschenspielertrick unter Rechtfertigungsdruck gesetzt. Man argumentiert mit Massentierhaltung.  Und jeder, der vegane Ernährung für sich ablehnt, fördere eben diese Massentierhaltung. Aber – und das muss man einigen Veganern zugute halten – nicht alle argumentieren im Billigmodus. Erfreulicherweise verzichten sogar einige auf Missionierungsversuche, und dann bereitet eine Diskussion zum Thema bisweilen sogar Vergnügen. Der kompottsurfer kann da immer wieder nur auf einen der Superstars des Ultralaufens verweisen, den US-Amerikaner Scott Jurek (Eat & Run). Er ist der Überzeugung, dass ihn die vegane Ernährungsweise gesünder gemacht hat und vertritt das auch offensiv, aber er kommt ohne Moralkeule aus.

Zurück zu Sarah Wiener. Sie verweist zurecht auf die hochindustriell verarbeiteten Nahrungsprodukte, derer sich viele Veganer bedienen, wie zum Beispiel Sojamilch. Doch Typen wie Jurek achten auch auf solche Dinge. Sie meiden derartige Zutaten weitestgehend. Jurek ist aber auch kein Trendveganer. Der kompottsurfer wagt die These, dass es die Trendveganer sind, die am liebsten die Moralkeule schwingen. Man kann den Eindruck gewinnen, es gehe ihnen nicht um die Sache sondern um Selbsterhöhung. Ich bin was besseres, weil ich nicht so böse Dinge verursache wie die Fleischesser.

Das ist natürlich Unsinn. Allein die vegetabile Landwirtschaft verursacht ein so massenhaftes Tiersterben, dass einem Veganer der Soja-Hamburger im Hals stecken bleiben müsste. Daran ändert auch nichts, dass ein Teil dieser Landwirtschaft Nahrung für Massentierhaltung produziert. Es sei denn, man will auch kein Gemüse und Getreide mehr essen. Und dann sind wir ganz schnell bei hochindustrieller Nahrung. “Vegane Ersatzprodukte sind ein Tor für die Nahrungsmittelindustrie, um noch mehr künstliche, stark verarbeitete Lebensmittel minderer Qualität auf den Markt zu werfen”, sagt denn auch Frau Wiener richtig.

Der kompottsurfer wird weiterhin keine Veganer bekehren, er wird auch weiterhin die Massentierhaltung ablehnen, einen Bogen um hochindustriell verarbeitete Lebensmittel machen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) und den Genuss eines gebratenen Wildschweinrückens hochhalten. Mit Genuss essen und trinken zu können ist eine Errungenschaft der Menschheit, die es zu verteidigen gilt.

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23. Juni 2015

Spaghetti-Eis mit Erdbeeren mal anders …

Auch wenn der Sommer nur schwer in Gang kommt – die Erdbeerzeit mit Früchten vom Freiland hat immerhin Einzug gehalten. Auch wenn manche Bauern einen kreativen Umgang mit der Bezeichnung Freiland pflegen, obwohl sie ihren roten Schützlingen unter Folien quasi Gewächshausatmosphäre angedeihen ließen, ist die Zeit nun reif für allerlei aus Erdbeeren. Wie man Spaghetti-Eis mit Erdbeeren auf eine andere, moderne Art und mithilfe eines pflanzlichen Texturgebers herstellen kann, zeigt das folgende Video. Der kompottsurfer räumt allerdings freimütig ein, dass so ein Produktionsprozess nicht gerade alltäglich ist. Wer über eine blühende Fantasie verfügt und außerdem kein Blut sehen kann, sollte sich zweimal überlegen, das Video zu starten. Den kompottsurfer erinnert das Ganze nämlich ein wenig an eine Blutabnahme. Zugegeben, es ist eine leckere. Ach ja: Der Film zeigt Himbeeren und keine Erdbeeren, aber keine Sorge: Es funktioniert mit beiden.

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19. Juni 2015

Mein Steckenpferd zum Spargel: Feiner Rheingauer Riesling mit Restsüße

Folgt man den Bedenkenträgern unter Weinliebhabern und Gourmets, dann kommen nur wenige Weine für eine Vermählung mit Spargel in Frage. Wegen seiner feinen Bitterstoffe gilt das Saisongemüse als sperrig in Kombination mit Wein. Aber das allein ist nun wirklich kein Grund, auf Wein zum Spargel zu verzichten. Denn nur wer ihn in einer essigsauren Sauce oder entsprechend eingelegt serviert, landet ziemlich sicher in der Geschmacksfalle. Das bisschen Bitternote dagegen, bekommt so mancher ausdrucksstarke Tropfen harmonisch gekontert.

Unter den zum Spargel empfohlenen Weißweinen sucht man den Riesling allerdings oft vergeblich. Zuviel Säure, so heißt es, verderbe den Genuss. Tatsächlich entlockte mir ein trockener Riesling zum Spargel bisher auch nicht gerade Schreie der Begeisterung. Aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben, und deshalb wagte ich neulich die Kombination mit einem Rheingauer Riesling 2013 vom Weingut Prinz von Hessen. Der Wein ist nicht nur mit einer schönen Balance aus Säure und Restsüße gesegnet, sondern auch mit einem Namen, der haften bleibt: Steckenpferd. Sowohl die angenehme Süße, als auch die Noten von Grapefruit, Limette und Apfel bei einem Alkoholgehalt von 11 Vol.% trugen dazu bei, dass der Wein mit dem schlicht gebutterten Spargel erstaunlich gut harmonierte. Sage noch einer, Riesling mit Spargel ginge nicht.

Unter der Leitung von Dr. Clemens Kiefer und Heinrich Donatus Prinz von Hessen hat der Betrieb in den letzten Jahren immer mehr Beachtung gefunden. Eine Reihe internationaler Auszeichnungen für die Weine des Hauses zeugen davon. Beste Lagen sind Winkeler Hasensprung, Kiedricher Sandgrub, Johannisberger Klaus, Dachsberg und Jesuitengarten.

So irreführend die Lagenbezeichnungen Deutscher Weine für manchen Konsumenten auch sein mag, den unterhaltsamen Aspekt möchte ich keinesfalls missen. Und wie alle diese Lagen wohl zu ihren Namen gekommen sind? Brauneberger Juffer, Trittenheimer Apotheke, Monzinger Frühlingsplätzchen, Forster Ungeheuer, Gundersheimer Höllenbrand, Escherndorfer Lump – spätestens nach dem dritten Glas Wein machen Gespräche darüber aus jeder geselligen Runde eine besonders heitere.

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16. Juni 2015

Mit viel Liebe zum Detail: Tim Mälzer feiert gelungene Eröffnung seines Düsseldorfer Lokals Hausmann’s

Tim Mälzer sah reichlich geschafft aber auch zufrieden aus, als er gestern Abend durch die Gasträume seines neuen Lokals Hausmann’s in der Düsseldorfer Altstadt schritt. Immer wieder Hände schüttelnd, Smalltalk haltend, zuprostend. In einer kurzen Ansprache verriet der beliebte Fernsehkoch und Gastronom, dass er sich vor zwei Wochen noch nicht vorstellen konnte, bis zum Eröffnungstermin tatsächlich fertig zu werden, und dass seine für heute geladenen Gäste noch ungefähr eine halbe Stunde Fotos von ihm machen könnten, danach bitte nicht mehr, denn dann wäre er betrunken. Der kompottsurfer hielt sich dran und beschäftigte sich mit dem Wesentlichen: Konzept, Küche, Ambiente, Essen, Trinken.

Was Tim Mälzer und sein Geschäftspartner Patrick Rüther da mit einem großen Team aus Planern, Koordinatoren, Architekten und Köchen realisiert haben, ist ein typisches Mälzerding geworden, so wie man eine Gastronomie erwarten kann, die der umtriebige Hamburger auf die Beine stellt. Ein Lokal, in das er selbst gerne ginge, wenn er irgendwo unterwegs nach einer Möglichkeit zum Essen und Trinken suchen würde. Unkompliziert, aber qualitativ geerdet. Mit kommunikativer Atmosphäre. Wo man gerne mal versackt. Gestalterisch ist der Laden alles andere als gelackt, sondern von einer amüsanten, wertigen Rustikalität, die im Moment noch frisch ist und wahrscheinlich erst mit den Jahren nach reichlich Gebrauch ihr ganzes Potential entfaltet. Massives Eichenholz, bunte Stoffe, erheiternde Kunstwerke an den Wänden, weiche Kissen, vergitterte Lampen im Bauleuchtenstil, die auch eine zünftige Kneipenschlägerei unbeschadet überstehen dürften – das alles trägt zum besonderen Charme des Ladens bei. Wenn es die Idee der Planer war, das Ambiente der kulinarischen Ausrichtung des Hausmann’s anzupassen, dann muss man ihre Arbeit wirklich einen Volltreffer nennen.

Ja, die Küche. Natürlich Mälzerstil. Üppig belegte Stullen, deftige Schmorgemüse, saftige Fleischkeulen, Burger, Blutwurst – all’ das nicht zahm gewürzt sondern mit Arsch in der Hose. Dazu gut ausgewählte Craft Biere. Wein gibt’s selbstverständlich auch. Man kann Tim Mälzer nur wünschen, dass ihm, trotz seiner wachsenden, über ganz Deutschland verteilten gastronomischen Aktivitäten, nicht der Humor abhanden kommt. Für so viele Projekte in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und sonstwo die Birne hinhalten zu müssen, dürfte weitaus stressiger sein, als einen Kandidaten aus dem eigenen Team ins Finale von The Taste (SAT.1) zu führen, wo in dieser Woche die Dreharbeiten zur dritten Staffel begonnen haben. Übrigens mit neuem Coach. Cornelia Poletto wird Lea Linster ersetzen.

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11. Juni 2015

Angst und Schmerzempfinden für Pflanzen nachgewiesen: Wie neueste Forschung Veganer mit Gewissensbissen füttert

Vor fünf Jahren war der Unterton noch ein belustigter, wenn über Forschung berichtet wurde, die der Gefühlswelt von Pflanzen auf den Grund geht. Heute, in einer Zeit, wo Veganismus bisweilen religiöse Züge annimmt, ist mit so was nicht mehr zu spaßen. Da landet man bei Facebook schneller auf einer Ignorierliste als man “Fleisch” sagen kann. Und nun rauscht diese Nachricht durch den Blätterwald: Pflanzen haben Gefühle und können sogar Furcht empfinden.

Wirklich neu ist die Erkenntnis allerdings nicht. Professor Dr. Edgar Wagner, der an der Freiburger Universität lange Zeit Molekulare Pflanzenphysiologie gelehrt und dazu geforscht hat und viele andere seiner Kollegen erklärten in der Vergangenheit über die Medien immer mal wieder, wie sensibel so manches Grünzeug ist. Einige Pflanzen sollen sogar hören können, manche mögen angeblich Klassische Musik. Dank neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, die an der Columbia University, Division of Plant Sciences, gewonnen wurden, wissen wir jetzt auch, dass Pflanzen so etwas wie Angstreaktionen zeigen, bevor es ihnen ans Leben geht, das gilt zumindest für die untersuchte Arabidopsis Thaliana, ein Kressegewächs, das in Deutschland unter dem so sperrigen wie erheiternden Namen Acker-Schmalwand geführt wird.

Welche Schlüsse können die Menschen aus diesem Wissen ziehen, vor allem die ethisch motivierten Veganer, die nicht aus gesundheitlichen Gründen auf Lebensmittel tierischen Ursprungs verzichten, sondern weil sie nicht am Töten von Tieren Schuld sein wollen? Darf der Mensch also nicht nur Tiere nicht essen sondern auch Pflanzen nicht? Was sagen die Philosophen, ein Berufszweig, dem man im Allgemeinen noch am ehesten zutrauen kann, die ethischen Aspekte dieser Frage herauszuarbeiten? Der australische Philosoph Peter Singer ist zum Beispiel einer, der sich als Bioethiker intensiv mit der Thematik befasst hat. Allerdings sind einige seiner Thesen sehr umstritten, was auf seinem Arbeitsfeld natürlich alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal ist. Singer geht, um es kurz zu machen, davon aus, dass Leben schützenswert ist, wenn es über Selbstbewusstsein verfügt, sozuagen eine Art Ich-Gefühl besitzt. Unabhängig, ob man diese Ansicht teilt, lässt das natürlich Interpretationsspielräume in alle Richtungen zu. Der kompottsurfer fragt sich: Ist es überhaupt möglich Angst zu haben, wenn man kein Ich-Gefühl besitzt? Haben also auch Pflanzen ein Ich-Gefühl? Welche Ich-Gefühle darf ich verletzen, um satt zu werden und welche nicht? Ein Thema, bei dem einem glatt der Appetit auf ein veganes Mettbrötchen vergehen kann, wenn man zulange darauf herum kaut.

In jedem Fall bringen die Erkenntnisse über das Pflanzengefühl neuen Schwung in die Moraldiskussion zum Thema Ernährung. Wer danach strebt, ethisch unangreifbar zu leben, dem dürfte es in Zukunft nicht nur schwerer fallen satt zu werden, sondern auch Fleisch- und Käse-Essern mit der Moralkeule eins überzubraten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Umstand, dass Pflanzen extremere Empfindungen haben, als wir Menschen bisher für möglich hielten, ist natürlich alles andere als ein Signal, ethische Gesichtspunkte beim Essen komplett außer Acht zu lassen. Man denke nur an Massentierhaltung. Aber es relativiert aus Sicht des kompottsurfers eine oft allzu rigoros, ja geradezu feindselig geführte Diskussion zum Thema. Vielleicht fällt der Lebensmittelindustrie ja eines Tages eine derart lecker und gesunde synthtische Nahrung ein, dass wir alle nichts anderes mehr wollen. Und jede ethische Diskussion wäre überflüssig.

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07. Juni 2015

Ausgerechnet in Düsseldorf: Tim Mälzer macht auf Hausmannskost und eröffnet neues Lokal im Juni

Der kompottsurfer hatte es Ende 2014 bereits angedeutet: Der Hamburger Gastronom und Fernsehkoch Tim Mälzer eröffnet ein Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt. War der Start des Lokals in der Hafenstraße von lokalen Medien zunächst für März erwartet worden, zog es sich schließlich doch bis Juni hin. Aber um mal wieder eine Binsenweisheit über Gebühr zu strapazieren: Gut Ding will Weile haben. Und dass es gut werden wird, davon darf man ausgehen, schließlich entspricht das Konzept seines neuen Ladens Hausmanns genau seiner Kragenweite. Die Leute kulinarisch an der Haustür abholen, sozusagen. Der kompottsurfer fühlt sich gleich an Mälzers Quarks&Co.-Aktion (2011) erinnert. Unter dem Motto: Das große Ernährungsexperiment Was ist gesünder – Hausmannskost, Fast Food oder mediterranes Essen futterten sich 45 Probanden durch. Und da kam die so genannte Hausmannskost (hier die Verpflegung im Detail) gar nicht mal so schlecht weg. Außerdem passt die Hausmannskost auch zu Mälzers im Oktober 2014 erschienenen Kochbuch Heimat.

Klassiker. Ehrliche Küche. Brotzeit. Regionale Lieferanten – das sind die Stichworte, die der handfeste Mälzer zur Beschreibung seines Konzepts kommunizieren lässt. Der kompottsurfer wird zur Eröffnungsfeier am 15.6. vor Ort sein und schauen, was Tim und seine Leute so alles angerichtet haben. Ab dem 16.6. werden dann die Tore offiziell geöffnet sein. Mal sehen, ob das als schick und trendorientiert geltende Düsseldorfer Publikum mit Mälzers Hausmannskost etwas anfangen kann. Der kompottsurfer ist zuversichtlich, dass es funktioniert, zumal Mälzers Promibonus sicher nicht schaden wird.

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02. Juni 2015

Diabetes und die Frage: Ist gesunde Ernährung eine Sache des Geldbeutels?

Schon bei der Diskussion um einen direkten Zusammenhang zwischen Ernährung und Cholesterinspiegel gibt es mehr Fragen als Antworten, und der kompottsurfer verweist in diesem Zusammenhang immer gerne auf das Buch von Uffe Ravnskov Mythos Cholesterin, weil darin die vermeintliche Gefahrenzone anschaulich hinterfragt wird und der Leser im Anschluss gelassener mit seinen Cholesterinwerten umgehen kann.

Was Diabetes Typ 2 betrifft, zählen Ernährungsfaktoren dagegen durchaus zu den relevanten Ursachen für die Erkrankung. Erst letztens berichtete mir Prof. Dietrich Grönemeyer in einem Gespräch, dass er mit großer Sorge die unter Jugendlichen deutlich zunehmende Erkrankungsrate von Typ-2-Diabetes sieht, früher auch als Altersdiabetes bekannt. Ohne Frage eine besorgniserregende Entwicklung.

Heute erreichte den kompottsurfer nun eine Meldung der Deutschen Diabetes Hilfe, wonach es einen engen Zusammenhang gäbe zwischen Diabetesrisiko und Armut. Nachvollziehbar argumentiert wird da allerdings nicht, sondern lediglich abgeleitet vom unbestreitbar vorhandenem, allgemeinen Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozialer Lage. Es erinnert ein wenig an die leidige Fahrradhelmdiskussion, wonach die Gegner des Helmtragens mit einer Statistik argumentieren, die besagt, Radfahrer mit Helm verunglückten häufiger als Radfahrer ohne Helm. Dabei ist doch die entscheidende Frage eine andere: Was passiert mir, wenn ich ohne Helm mit dem Kopf irgendwo aufpralle und was, wenn ich beim Aufprall einen Helm trage. Der Helm wird schließlich für den Fall des Fallens aufgesetzt.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe argumentiert so: “Während sich Kinder von Eltern mit hoher Schulbildung und hohem Haushaltseinkommen häufiger nach einem gesunden Ernährungsmuster ernähren, essen Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen eher nach einem ‚süßen Schema‘, das viel verarbeitete und hochkalorische Lebensmittel einschließt.” Soweit, so gut, wenn wir mal davon ausgehen, dass es für diese Aussage eine belastbare Datenlage gibt. Was ja, wie der kompottsurfer erst kürzlich berichtete, alles andere als selbstverständlich ist. Trotzdem geht hier einiges durcheinander. Hohe Schulbildung und hohes Haushaltseinkommen müssen nämlich nicht zwingend zusammengehören. Und da wir sowohl wissen, dass die Ausgaben der Bundesbürger für Ernährung nur zwischen 10 und 11 Prozent ihres Einkommens ausmachen, als auch, dass eine Ernährung mit süßen sowie industriell verarbeiteten Lebensmitteln nicht unbedingt billiger ist als frisch zubereitetes Essen, fällt das finanzielle Argument praktisch weg, und es bliebe nur die Frage der Schulbildung. Aber da sich längst nicht jeder gut ausgebildete, gut verdienende Bundesbürger gesund ernährt (ich kenne sogar einige Ärzte, die dringend eine Beratung benötigen würden) kann es das auch nicht sein. Zumal man in anderen Regionen Europas wie zum Beispiel Frankreich oder Italien auch bei der einfachen Landbevölkerung oft vorzüglich und gesund zu Hause bekocht wird.

Also was bleibt? Der kompottsurfer sieht den Grund für die missliche Lage in einem mangelnden Ernährungswissen in Tateinheit mit einer immer noch viel zu geringen Bereitschaft vieler Bundesbürger, einen höheren Anteil ihres Einkommens für gute Ernährung auszugeben. Statt Sky Abo, monströses LCD TV, Designerjeans und neuestes iPhone – wie wär’s mal mit täglich frischer Küche. Und wer jetzt mit fehlender Zeit argumentiert, der darf gerne mal alle Minuten zusammenrechnen, die er allein für sinnlose Kommunikation in den sozialen Medien, zielloser Internetsurferei und den Konsum von kompletten DVD-Staffeln verprasst ;-) .

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27. Mai 2015

Die Schokoladendiätlüge

So ist das mit den Studien: traue keiner, die du nicht selbst gefälscht hast. Aber diese Geschichte ist im Nasch-, pardon: Nachgeschmack viel bitterer als es zunächst scheint. Denn mit der Glaubwürdigkeit von Studien selbst hoher Evidenzklassen scheint es nicht weit her zu sein. Seht selbst, aber bleibt kritisch, vielleicht ist diese Geschichte ja auch nur ein Fake …

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27. Mai 2015

Rachs neues Format im ZDF und eine Fischsuppe mit Fleischeinlage

Da ist er wieder, der ehemalige Sternekoch und einstige Chef des Hamburger Restaurants Tafelhaus Christian Rach. Diesmal in Mission als Rach & die Restaurantgründer fürs ZDF. Rettete er seinerzeit für RTL Restaurants aus dem laufenden Betrieb zumindest kurzfristig vor dem Abgrund, so will er jetzt Restaurantgründer davor bewahren, gleich vom Start weg mit ungebremster Ahnungslosigkeit in die Katastrophe zu rauschen.

Aber sonderlich anders als der Vorläufer auf RTL schaut das trotzdem nicht aus, was da vom Mainzer Sender am Dienstag zur besten abendlichen Sendezeit ins Quotenrennen geschickt wird. Würde das kleine ZDF-Logo am Bildrand fehlen – der Zuschauer könnte glauben, er sähe eine alte Folge Rach, der Restauranttester. Entsprechend mau war auch das Einspielergebnis der ersten Folge, deren unterhaltsamste Szene für den kompottsurfer aus einem Zitat der geplanten Speisekarte bestand: Fischsuppe mit Fleischeinlage. Nur 2,49 Millionen Zuschauer wollten Rach in seiner leicht modifizierten Rolle sehen, was unter dem Senderdurchschnitt liegt.

Der kompottsurfer ist sicher, dass Rachs Knowhow vielen Gastronomen und solchen, die es werden wollen weiterhelfen kann. Aber die x-te Version dieser Idee ins Fernsehprogramm zu hieven ist nun wirklich überflüssig. Da ist der Rundfunkbeitrag, der für die Rechte zur Ausstrahlung der Champions-League aufgewendet wird, besser angelegt als der für die Produktion von Aufgüssen. Warum nicht mal was wirklich Neues in Sachen Ernährung & Genuss auf den Schirm bringen? Und warum sollte das nicht auch mit Rach gehen? Na ja, möglicherweise fehlt es in Mainz an Mut und Ideen.

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