Die Unmöglichkeit, das garantiert perfekte Frühstücksei zu kochen (1)
Neulich blätterte ich mal wieder in Peter Barham’s Buch Die letzten Geheimnisse der Kochkunst. Der von mir sehr geschätzte Autor bringt die naturwissenschaftlichen Aspekte des Kochens auf anschauliche Weise an den Leser, und ich habe schon so manche Erkenntnis aus seinen Beschreibungen gewinnen können.
Nun animierten mich Peters Ausführungen zur Berechnung der Garzeit für ein perfektes Frühstücksei zu einem Versuch. Peter veröffentlichte eine Formel, nach der die Garzeit anhand des Durchmessers berechnet werden und ein Ei mit festem Eiklar und weichem Eigelb gekocht werden könne. Ich besorgte mir zwei Pakete Bio-Eier mit gleichem Haltbarkeitsdatum, eines aus dem Supermarkt, ein anderes vom Bauernhof. Das ausgewählte Supermarkt-Ei war im Durchmesser 4,2 cm, das Ei vom Bauernhof 4 cm dick. Schwierig exakt zu messen, aber schon mit bloßem Auge war zu erkennen, dass das Supermarkt-Ei eine Spur größer und dicker war.
Beide Eier (gleich kalt aus dem Kühlschrank entnommen) legte ich exakt zur gleichen Zeit für 5 Minuten zusammen in einen Topf mit kochendem Wasser und schreckte sie anschließend mit kaltem Wasser ab. Kurioses Ergebnis: Das Eigelb des größeren Eies war schon stärker durchgegart als das des kleineren. Bei näherer Begutachtung wurde mir klar, warum: Das größere Ei war von deutlich weniger Eiklar umgeben als das kleinere. Eiklar gerinnt bei über 65° Celsius, Eigelb bei über 70° Celsius. Daraus schließe ich, dass ich beim Garen zweier Eier unterschiedlicher Herkunft mit gleichem Durchmesser in einem Topf bei über 65° und unter 70° zwar sicher flüssiges Eigelb, aber sicher auch ein unterschiedlich festes Eiklar erhalte. Und bei Temperaturen deutlich über 70° Celsius, dass Eigelb im Ei mit dem geringeren Anteil Eiklar schneller fest wird. Da ich nicht wüsste, wie von Außen der Anteil Eiklar am Gesamtvolumen des Eies festzustellen wäre, komme ich zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die exakte Garzeit für das meinen morgendlichen Gelüsten voll entsprechende Frühstücksei, nicht zu berechnen ist.






12. Juli 2007 um 01:26
Ernüchternd, stimmt.
Die Kunst ist, von 100 Frühstücksteiern ca. 90 so hinzubekommen, dass der Rest der Frühstücksgesellschaft nicht murrt.
Was für mich erstaunlich ist, das altbekannte 4-Minuten-Ei wäre heutzutage noch roh. Meine Eier koche ich mittlerweile fast 6 Minuten. (Meereshöhe 95m), dann sind sie – fast – tadellos.
19. Juli 2007 um 09:06
Ich habe die positive Erfahrung gemacht das Eier im Wasserdampf (z.B. Sieb im kochenden Topf einhängen) sehr gut gelingen. Allerdings benötigt man mehr Zeit, einfach mal ausprobieren.
18. Januar 2008 um 14:21
das mit den 6 min hängt vermutlich damit zusammen, daß die eier immer größer werden. somit haben sie ja auch mehr Volumen. Peter Barham hat ja eine tolle näherungsformel zum eier kochen entwickelt, in der natürlich der durchmesser des zu kochenden eies maßgeblich die kochzeit beeinflußt.
kleine eier kochen schneller als große.