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Sonntag, 03. August 2008

R.D. Precht und die Frage: Dürfen wir Tiere essen?

FerkelRichard David Prechts philosphisches Reisebuch Wer bin ich und wenn ja, wie viele? geht den großen ethischen und moralischen Lebensfragen des Menschen auf erfrischend anregende Weise nach. Es liefert nämlich keine fertigen Antworten, sondern bringt philosphische Denkmodelle näher, analysiert Strukturen, macht Wissens- und Bewusstseinsprobleme transparent. Ein im besten Sinne populärwissenschaftliches Buch, in dem an – bisweilen unterhaltsam haarsträubend – wirkenden Fallbeispielen Erkenntnis bringende Brücken zwischen Naturwissenschaften wie der Neurobiologie und Philosophie geschlagen werden.
Nun geht Precht auch der Frage nach, ob wir Menschen Tiere essen dürfen und führt dem Leser das Problem an einem krassen Beispiel vor Augen: Außerirdische landen auf der Erde, und mit Hilfe ihrer technologischen Überlegenheit überziehen sie die Menschen mit einer Schreckensherrschaft. Sie benutzen uns für medizinische Versuche und essen – wegen der Zartheit des Fleisches – unsere Babys und Kinder. Ein Appell der Menschen an Moral und Mitleid der Aliens bleibt ohne Wirkung. Sie seien eine höhere Spezies, sagen die Aliens, und deshalb dürften sie alles mit uns machen, was sie wollen. Und außerdem schmeckten wir einfach lecker.

Tja, und schon sitzen wir Lamm-, Kalb- und sonstiges Fleisch essenden Menschen in der Moralfalle. Sicher, unsere Vorfahren brauchten Fleisch zum Überleben, aber brauchen wir das heute auch noch? Bedeutet überlegene Intelligenz, dass wir gegenüber anderen Lebewesen tun und lassen dürfen, was wir wollen? Vor allem: Dürfen wir ihnen Leid antun? Aber was sind in diesem Sinne überhaupt Lebewesen, denn Pflanzen gehören dem Grunde nach auch dazu. Können Pflanzen Schmerz empfinden, können sie leiden? Dürfen wir Pflanzen essen?

Precht verweist in diesem Zusammenhang auf unsere Instinkte und auf chemische Abläufe in unserem Hirn, wo Spiegelneuronen unser Gefühlsleben beeinflussen, weshalb wir einer Lauchstange immer den Garaus machen können, einer Spinne immerhin noch relativ problemlos, einem Äffchen dagegen – zumindest im europäischen Kulturraum – so gut wie gar nicht (Forschungszwecke mal ausgenommen).

Letzten Endes unterfüttert Precht mit seinen Einsichten meine ganz individuelle Auffassung, Fleisch nur gelegentlich und dann auch nur von Tieren zu verspeisen, die aus möglichst leidensminimierter Haltung stammen oder Jagdwild sind. Vielleicht sollten wir – wie unsere Vorfahren – die Tiere, die wir essen wollen wieder eigenhändig töten. Ich tippe mal ganz verwegen, dass der Fleischkonsum drastisch sinken würde.

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