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Donnerstag, 04. Juni 2009

Wie Verbraucherministerin Aigner die Nährwert-Ampel in Verruf bringen will

AmpelSeit Monaten spitzt sich nun schon der Streit zwischen Verbraucherschützern, Politik und Wirtschaft über Sinn und Unsinn einer Ampelkennzeichnung für Lebensmittel zu, wie sie bespielsweise in England praktiziert wird.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) lehnt die Ampel ab und unterstützt dagegen ein so genanntes Eins-Plus-Vier-Modell mit einer Kennzeichnung, die den Energiewert in Kalorien sowie den Gehalt an Salz, Zucker, Fett und gesättigten Fettsäuren in Bezug auf die empfohlenen Tagesverzehrmengen angibt. Im Grunde also exakt das, was einflussreiche Unternehmen der Lebensmittelindustrie in grausigstem Marketingsprech als GDA, genauer Guideline daily amount definieren und favorisieren.

Das Kürzel GDA gäbe auch andere Interpretationen her. Gängelband der Aigner oder Gaukelbild dickt Ahnungslose, denn der tägliche Bedarf wird auf den bereits gehandelten GDAten Produkten an einer völlig diffusen Größe festgemacht, nämlich dem Kalorienbedarfswert einer erwachsenen Frau. Da wir aber noch keine Klongesellschaft sind, wo Menschen normierte Größen und Gewichtsklassen haben (dann hätten wir ohnehin keine Gewichtsprobleme mehr, weil alle genetisch relevanten Fettigungsfaktoren schon im Labor abgesaugt worden wären), liegt zwischen dem Tagesbedarf einer 1,80 Meter großen Landwirtin mit 80 kg und einer gleichaltrigen, 1,65 Meter kleinen Finanzbeamtin mit 65 kg schon die satte Menge von rund 700 Kalorien täglich (über den ganz dicken Daumen gerechnet).
Die Werte der Landwirtin im Einzelnen: Gesamtumsatz 2679 kcal, Grundumsatz 1762 kcal, Leistungsumsatz 916 kcal, Eiweißbedarf 98 g, Fettlimit 86 g, Kohlenhydrate 359 g

Die Werte der Finanzbeamtin im Einzelnen: Gesamtumsatz 1977 kcal, Grundumsatz 1497 kcal, Leistungsumsatz 479 kcal, Eiweißbedarf 72 g, Fettlimit 64 g, Kohlenhydrate 265 g.

Die Angaben für Kinderprodukte werden im Rahmen der GDA-Kennzeichnung, laut foodwatch, auf der Basis von 2.000 kcal berechnet, also etwa dem Verbrauch einer 65 kg schweren Finanzbeamtin. Für einen 1,40 Meter großen, noch normalgewichtigen Grundschüler wohl kaum das richtige Orientierungsmaß.

Über die angegeben GDA-Werte zu Verzehrmengen im Zusammenwirken mit den abweichenden Portionsgrößen der Produkte, erhält das Ergebnis endgültig die Messgenauigkeit einer Baggerschaufel. Also nehmen wir besser die Baggerschaufel und begraben diesen GDA-Eins_plus_Vier-Unsinn.

Mit einem Taschenspielertrick versucht nun Ministerin Aigner das Ampelmodell zu diskreditieren, in dem sie behauptet, Vollkornbrot würde mit einem roten Punkt gekennzeichnet werden müssen, während Weißbrot einen gelben bekäme. Ihre Behauptung ist indes völliger Unfug, denn im Ampelsystem gäbe es mehrere zu bewertende Aspekte. Und nur in der Kategorie Salz könnte es möglich sein, dass Vollkornbrot tatsächlich ein Rot bekäme. Alle anderen Bewertungspunkte würden eine grüne Ampel zeigen, nämlich Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Kalorien. Insofern also ein sehr empfehlenswertes Produkt. Der Vorteil der Ampel: Sie ist einfach, klar und verständlich, und zugleich so differenziert wie nötig.

Nach einer emnid-Umfrage befürworten 67% der Bundesbürger die Einführung einer Nährwert-Ampel. Mit einer sehr geschickten Marketingstrategie hat nun der Tiefkühlkosthersteller FroSTA die Ampel für seine Produkte angekündigt, was dem Unternehmen heute glatt eine Titelseite bei BILD einbrachte. Und die Konkurrenz in Zugzwang bringen könnte.

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