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Mittwoch, 20. Januar 2010

Essen als Mutprobe und Schärfe als Geschmackswert

chiliEine Meldung aus der Augsburger Allgemeinen erinnerte mich heute mal wieder an ein paar Erlebnisse aus meiner Jugend. In Augsburg hatten sich nämlich ein paar Schüler mit einer Chilisauce, die sie wohl über das Internet bestellt hatten, einen besonders scharfen Wettstreit geliefert. Die hochkonzentrierte Sauce wurde von zehn Jugendlichen probiert, die im Anschluss allesamt notärztlich versorgt werden mussten. Acht von ihnen wurden anschließend in eine Kinderklinik eingeliefert. Dass Chilis selbst die furchtlosesten Esser bezwingen können, hatte der kompottsurfer bereits im Dezember in einem Videobeitrag vor Augen geführt.

Zu meinen kulinarischen Mutproben aus Jugendzeiten zählten unter anderem das Essen von lebenden Würmern sowie von zwei Portionen eingelegte Ingwerkugeln in einem China-Restaurant, irgendwo an der Nordsee (danach war mir speiübel). Extreme Überwindung kotzete, pardon, kostete mich auch das Schlürfen von sechs frischen Austern in einem Strandlokal an der französischen Atlantikküste, da war ich 19. Mit Genuss habe ich Austern erst sechs Jahre später essen können, kombiniert mit Champagner von Gonet, wenn ich nicht irre.

Was ich, im Gegensatz zu jugendlichen Mutproben, aber nie verstanden habe, ist, dass erwachsene Mitteleuropäer die geschmackliche Wertigkeit eines Essens am Schärfegrad festmachen. Je schärfer, umso besser. Bin ich Drache oder was? Das Einzige, was wirklich scharf sein muss, (nee, nee, was Anzügliches kommt jetzt nicht, zu früh gefreut) sind Messer.

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8 Antworten zu “Essen als Mutprobe und Schärfe als Geschmackswert”

  1. Thea sagt:

    Champagner ganz sicher von GOSSET! Heute noch ein Genuss! Mal wieder probieren…. Zu Austern “tut” es auch ein guter Weißwein, z.B. Pouilly Fumé – erst neulich bei “Vinum” in Berlin genossen: 12 Austern, ohne alles, auch ohne Zitrone, und 2 Gläser P.F.

  2. kompottsurfer sagt:

    Nee, nee, Gosset ganz bestimmt nicht. Ich bin recht sicher, dass es Michel Gonet war, weil der Gastgeber ebendiesen Champagner auch als Händler vertrieben hat.

    kompottsurfer

  3. fressack sagt:

    Wie bei so vielen Dingen ist es eine Frage der Gewöhnung. Genau wie wir am Anfang unserer Heimkochkarriere schon mutig waren,wenn wir eine GANZE Knoblauchzehe am Essen hatten – Anfang der Achtziger – haben wir auch mit den Chilis sanft angefangen.
    Mittlerweile können selbst meine Kids frische Habanero-Chilis im Essen vetragen. Hat man sich erst einmal an die Schärfe gewöhnt (das ist nichts anderes als eine Gewöhnung an Schmerz), kann man die unterschiedliche Aromatik verschiedener Chilisorten gut unterscheiden – und auch geniessen.
    Ausserdem ist Capsaicin sehr gesund.

  4. kompottsurfer sagt:

    Au Mann, ja, die ersten Knoblauchzehen. Ein kulinarischer Kulturschock. In der bürgerlichen Familienküche meines elterlichen Zuhauses spielte Knoblauch nämlich gar keine Rolle. Und ja, “Gewöhnung” ist tatsächlich das Zauberwort. Im Sport nennt man das “Superkompensation”. Gewöhnung an Trainingsreize. Bei meinem Marathontraining weiß ich zum Beispiel sehr genau, warum ich mir in manchen Trainingsphasen die Gewöhnung an Schmerz antue. Einfach, weil ich im nächsten Rennen schneller sein will. Aber bei Chili erschließt sich mir der Sinn einer Gewöhnung an innere Verbrennungen einfach noch nicht ;-) . Da bin ich also eher defensiv orientiert. Nicht, dass ich keine Chili-Schärfe mögen würde, aber doch eher zurückhaltend dosiert. Zum Thema “Capsaicin” gibt’s übrigens auch interessante Infos auf http://www.chili-balkon.de

    kompottsurfer

  5. fressack sagt:

    Ernsthaft, die Geschmacksunterschiede zwischen einem Birdseye, Jalapeno oder Habanero sind ebenso faszinierend wie enorm. Vor den Genuss ist aber die Gewöhnung an die Schärfe gesetzt.
    Aber danke für den Link.

  6. kompottsurfer sagt:

    Jetzt bin ich aber richtig neugierig auf deine Bezugsquellen geworden. Welchen Chili-Dealer könntest du mir empfehlen? Ich gehe mal davon aus, dass Habaneros nicht überall von gleicher Qualität sind, also ein ähnliches Beschaffungsproblem wie bei allen anderen Lebensmitteln besteht.

  7. fressack sagt:

    Wir sind hier im Hessenland natürlich, weil zentraleuropäisch gelegen, mit den besten Quellen gesegnet. So z.B. die Kleinmarkthalle in Frankfurt, wo es mittlerweile ca. 25-30 Sorten frische Chilis zu kaufen gibt. Aber auch der grosse Handels konzern M***o führt mittlerweile ein Anfängersortiment.
    Dann wären da natürlich die Gemüsehändler des Vetrauens, die bestimmt mehrere Sorten besorgen können.
    Hilfe geben auch die verschiedenen Chiliforen und für verarbeitete Produkte mal bei
    http://www.pepperworld.com
    geguckt.

  8. kompottsurfer sagt:

    Mein Gemüsehändler führt gerade mal drei Sorten. Aber ich werde mal den großen Asia-Shop in Bochum durchforsten, da sollte es auch einige Sorten geben. Hatte ich ganz vergessen. Ich werde dann mal von meinen Vergleichsproben berichten.

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