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Montag, 12. April 2010

TV-Köche unter Druck: Werbung für zweifelhafte Produkte

Zwischen Sein und Schein, pardon Scheinen, liegt manchmal nur ein Stück signiertes Papier, auch Vertrag genannt. Darin verpflichtet sich ein prominenter Koch, für Produkt XY gegen Zahlung einiger Euro-Scheine Werbung zu machen. Als so genannte Testimonials, wie es im Werbersprech heißt, preisen Köche wie Schuhbeck, Lichter, Baudrexel und Co. Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie an. Dem haftet aus Sicht des Kompottsurfers zunächst nichts Verwerfliches, sondern höchstens ein unangenehmer Beigeschmack an (wie an dieser Stelle kürzlich berichtet und teils bitterböse kommentiert).

Heikel wird es aber, wenn die unterstützten Produkte nicht mehr problemlos mit der in ihren Shows öffentlich eingenommenen Grundhaltung der Fernsehköche in Einklang zu bringen sind. Wie im Fall Alfons Schuhbeck, der die so genannte Escoffier Duett Creme Champignonsuppe anpreist, die der Hersteller recht unglücklich als 2-Komponenten-Suppe beschreibt, womit er den Gedankensprung zum Zweikomponentenkleber als nicht gekennzeichneten, ideellen Zusatzstoff gleich mitliefert. Als Suppenpatron handelte sich Schuhbeck gar eine höchst unerfreuliche Nominierung für den Goldenen Windbeutel ein. Der Kompottsurfer berichtete im letzten Sommer auch mal über eine von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann gepriesene Suppe, die ebenfalls das Zeug für eine Nominierung gehabt hätte (hier und hier).

Neben Schuhbeck, Baudrexel (Rama Cremefine) und Horst Lichter (Maggi Gewürzmischung) ist auch der von mir geschätzte Sternekoch Alexander Herrmann in den Fokus der Kritik geraten, und zwar, weil er – als bekannter Verfechter von höchstselbst und vollkommen natürlich hergestelltem Gemüsebrühpulver – für Knorr Bouillon Pur wirbt, die es auch als Rinderbrühe gibt. Genau diese Rinderbrühe sei aber problematisch, weil sie Hefeextrakt, Xanthan und Johannisbrotkernmehl enthalte, behaupten die Kritiker von foodwatch. Da ich bekannter Maßen kein Problem mit Hefeextrakt, Xanthan und Johannisbrotkernmehl habe, kann ich die Empörung in diesem Fall allerdings nicht nachvollziehen.

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4 Antworten zu “TV-Köche unter Druck: Werbung für zweifelhafte Produkte”

  1. DirkNB sagt:

    Die Empörung ist einfach zu verstehen, wenn man sich die Verpackung der Bouillon ansieht, ein paar Bilder habe ich hier (http://blog.rundumgenuss.de/?p=2328) verlinkt. Wenn vorn draufsteht, dass ohne Geschmacksverstärker gearbeitet wird und hinten Hefeextrakt, dann ist das Etikettenschwindel, gesetzlich zwar erlaubt, aber der Gesetzgeber ist ja auch nicht allwissend und vollkommen …

  2. fressack sagt:

    Und so schliessen wir den Zirkel und verweisen auf meinen Kommentar zu den erwähnten Posts aus dem Februar.
    Der einzige Ehrliche ist doch der Lichter.

    Übrigens rühre ich auch einmal Stärke in kurze Fonds.
    Mea culpa.

  3. DirkNB sagt:

    Die ehrlichsten werden wohl letztendlich die sein, die ihr Gesicht nicht für irgendein Produkt hinhalten. Ich bin gerade beim Buch “Wir schnellen den Gürtel weiter.” von Wiglaf Droste und Vincent Klink. Der Klink wird mir immer sympathischer. Das ist ehrliche Küche.

  4. Frank Drechsler sagt:

    … vor kurzem beschwerte ich mich beim ZDF darüber, gerade diese Köche, die immer in der Sendung Lanz Kocht vollmundig davon sprechen, dass es überhaupt kein Problem sei, frisch und vollwertig zu kochen. Kürzlich gind es um den sogenannten “Retortenkäse” auf Pizzas. Alle hielten dies natürlich für nicht akzeptabel. Doch welcher Unterschied besteht nun zwischen eben diesem “Käse”, einer Tütensuppe, Dosensuppe, Brühpaste u.v.m.. Alle gaukeln etwas vor, was sie nicht sind, Die Inhalte dieser Produkte würde eine Hausfrau (Hausmann) zum großen Teil niemals ans Essen kippen. Unbestritten ist, dass Kochshows mit dazu beigetragen haben, dass eine Wende vom Tütenaufreißen zum Frischkochen eingeleitet wurde. Unbestritten ist auch die Tatsache, dass industriell aufbereitete oder Fertignahrung mit den Problemen rund ums Essen zusammenhängen, die seit Jahren bestehen…

    Die “Starköche” haben sich u.a. durch unsere Gebühren einen Namen gemacht, den sie jetzt zu Geld machen wollen. Meiner Ansicht nach gehört Sterneköchen selbiger aberkannt, wenn sie sich wie genannten zur Werbung bewußt missbrauchen lassen.

    Übrigens! Trotz Mahnung beim ZDF warte ich seit 22.6.2011 vergeblich auf eine Reaktion….. Keie Antwort ist, wie so vielfach, auch eine treffender Antwort…..

    Prominente, die sich zu Werbezwecke hergeben fallen bei mir in der Beliebtheitsskala nach ganz unten und Produkte mit Geschmacksverstärkern (mogel Hefextrakt) werden prinzipiell nicht gekauft.

    Na dann guten Appetit!

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