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Mittwoch, 27. Oktober 2010

ARD-Themenwoche Ernährung (II): Gute Argumente bei Maischberger

Was bin ich dankbar für diese Sendung bei Maischberger von heute Abend in der ARD-Themenwoche Ernährung: Karotten gegen Krebs, Fisch gegen Herzinfarkt – ist Essen die beste Medizin? Mit den Ärzten Dr. Gunter Frank und Dr. Werner Bartens waren zwei überzeugende Gäste dabei, die – ohne jeden Dogmatismus – nicht nur klarstellten, dass Essen keine Medizin ist und das vermaledeite Functional Food eine Veräppelung des Verbrauchers, sondern dass es belastbare Studien braucht, um wissen zu können, was Ernährung bewirken kann und was nicht.

Die Frontlinien zwischen Frank und Bartens auf der einen – und TV-Köchin Sarah Wiener sowie Klinik-Chefin Dr. Francoise Wilhelmi de Toledo auf der anderen Seite, dürften hinichtlich der präferierten Ernährungsempfehlungen kaum zu erkennen sein, so nah liegen sie beieinander, was in der Sendung vielleicht nicht deutlich genug wurde. Aber darum ging es thematisch ja auch gar nicht. Und genau das schienen Sarah Wiener und de Toledo leider nicht zu verstehen. Sie machten auf mich den Eindruck eines Kirchgängers, der mit dem festen Glauben, dass ihn Gebete gesund machen, missioniert, so wie sie die positiven gesundheitlichen Wirkungen von vielen Nahrungsbestandteilen postulierten, obwohl sie es schlichtweg nicht wissen können, weil es nicht belegt ist.

Um nicht misverstanden zu werden: Jeder soll seinen Weg finden dürfen, aber wenn individuelle Erfahrungen als allgemeingültige Erkenntnis in die Welt gesendet werden, wird der Weg der verantwortungsvollen Darstellung verlassen. So erfreulich und wunderschön die Heilung von Todkranken auch ist – sie sollte immer im individuellen Kontext gesehen werden und nicht für moralische Feldzüge missbraucht werden. Was in diesem Zusammenhang an Falschinformation verbreitet wird, wurde in der Sendung auch gleich deutlich, als ein von schwerstem Krebsleiden geheilter Gast von Darmreinigung und Entschlackung redete, was Frank und Bartens zum Glück schnell richtigstellten. Der Mensch braucht nun mal keinen gereinigten Darm, bloß das nicht, und eine Entschlackung des Körpers gibt es ebensowenig wie Poren im Fleisch, die beim Braten verschlossen werden. Aber solche Geschichten wird die Welt vermutlich nie los.

An einer anderen Stelle hieß es, der Mensch hätte seine Probleme damit, ja, er sei gar nicht dazu gemacht, tierische Eiweiße aufzuspalten und deshalb sollte er auf die Zufuhr möglichst verzichten. Jeder Evolutionsbiologe droht bei solchen Aussagen einen Lachkrampf oder vor Schreck einen Herzinfarkt zu bekommen, weil sich der Mensch überhaupt erst durch den Konsum von tierischem Eiweiß und hochwertigen tierischen Fetten entwickeln konnte. Auch Sarah Wiener machte mit einigen Aussagen zu Nahrungsempfehlungen bei Erkrankungen aus meiner Sicht eine unglückliche Figur. Dass sie es gut meint, steht natürlich außer Frage. Aber gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Und wer wüsste das besser als Köche.

Alles in allem aber eine sehr gute Sendung, und Sandra Maischberger gelang es zumeist auch, ein Abdriften der Diskussion in abseitige Gebiete zu verhindern. Alle die’s verpasst haben, können vielleicht auf eine baldige Online-Verfügbarkeit in der ARD-Mediathek hoffen.

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6 Antworten zu “ARD-Themenwoche Ernährung (II): Gute Argumente bei Maischberger”

  1. Christel aus Berlin sagt:

    Die Sendung wird am kommenden Samstag um 23:55 Uhr in 3sat wiederholt. Ich habe sie auch leider am Dienstag verpasst.

  2. Arthurs Tochter sagt:

    Dazu lest doch mal diesen Bericht, da wird das ganz anders gesehen. Ein Blog, btw., den ich sehr schätze. Ob man jetzt immer gleicher Meinung ist, sei dahingestellt.
    http://www.wohl-bekomms.info/index.php?/archives/828-Schwer-verdaulich-Maischbergers-Talk.html

  3. kompottsurfer sagt:

    Was im Wohl-bekomm’s-Blog aus meiner Sicht auf jeden Fall richtig gesehen wird, ist die Einschätzung der teils unerträglichen Gesprächskultur, wenn man das Geschehen in diesen Talk-Sendungen überhaupt so nennen will, vom Diskussionsstil einzelner Teilnehmer mal ganz abgesehen. Aber ich hab’ mich offensichtlich schon so daran gewöhnt, dass ich dankbar bin, wenn ich den Ausführungen der Disputanten folgen kann ;-) . Nur inhaltliche Kritik an den Aussagen von Dr. Frank und Dr. Bartens konnte ich bei Wohl bekomm’s nicht entdecken. Die beiden hatten es echt nicht leicht.

  4. Hingucker sagt:

    Hier ist der Link zur Sendung in der ARD-Mediathek

    http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5695804?pageId=487890&moduleId=311210

  5. Norman sagt:

    Sehr guter Beitrag…

    ich habe die Sendung gesehen. Die Kritik an der Diskussionskultur teile ich, auch dass wir uns insofern einsehbare “Championsleaquestudien” zu den Problemen vorliegen, von Plausibilitätsargumenten verabschieden müssen. Solange wir aber keine zuverlässigen Studien haben, müssen wir zunächst noch den plausiblen Argumenten den Vorrang geben.

    Den Hinweis, den ich aber hinterlassen möchte, betrifft den Fakt, dass Dr. Gunter Frank offensichtlich Entschlackungskuren anbietet, so zumindest wird es auf seiner Website angeboten (http://www.frank-gesundheit.de/web/entschl.htm). Insofern kam wahrscheinlich Dr. Gunter Frank nicht ausreichend zu Wort und der Hinweis in Ihrem Beitrag, dass er sich dagegen verwahrt hätte, muss wohl inhaltlich falsch sein. Persönlich habe ich keine Ahnung von Entschlackung, weiß nichtmal genau, was das ist. Das aber oftmals auch eine wissenschaftliche Doppelmoral vorliegt (vielleicht unabsichtlich) kann ich mir auch vorstellen, das heißt, dass einerseits Wissenschaftlichkeit propagiert wird, dann aber doch durch die Hintertür mit Plausibilität argumentiert wird. Wir sind nun mal nicht immer ideale Diskursteilnehmer.

    Gruß und schöner Blog übrigens, ich werde mich mal ein bisschen weiter durchlesen :)

  6. kompottsurfer sagt:

    Danke für die Blumen, die ich gerne zurückgebe für den differenzierten Kommentar ;-) .

    Da hatte ich möglicherweise wohl ein Beobachtungsproblem in der Sendung oder hab’ gerade Bier nachgeschüttet. Wenn Frank tatsächlich Entschlackungskuren anbietet, muss wohl Bartenes der entschiedene Gegenredner gewesen sein. Mir schien es dann wohl nur so, dass Frank Zustimmung suggerierte. Schon richtig, diese wissenschaftliche Doppelmoral ist nicht gerade selten zu beobachten und ideale Diskursteilnehmer erlebt man weder bei Maischberger, noch bei Will, Plasberg und Illner besonders häufig. Sind ja meistens ohnehin die selben Gesichter.

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