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Montag, 27. Oktober 2014

Mindesthaltbarkeit bei Lebensmitteln: Schmeckt das noch, oder lebt das schon?

Mindesthaltbarkeit: Lizenz zum Wegwerfen von Lebensmitteln?

Neulich las ich in der Holzausgabe des stern einen so unterhaltsamen wie erhellenden Beitrag des Kollegen Dirk van Versendaal über ein Lufthansa-Bordsandwich. Der mit Wurst und Remoulade belegte Doppeldecker war am 13. Januar 2013 auf einem Flug von Mailand nach Hamburg ausgegeben und von seinem Besitzer mit nach Hause genommen worden. Dort landete das Sandwich mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 19.1.2013 sogleich in der hintersten Ecke des Kühlschranks. Erst hunderte Generationen von Sandwichleben später wurde es wiederentdeckt, dann planmäßig noch eine Weile unter Beobachtung gehalten und im August 2014 an ein Labor geschickt und untersucht. Was hatte sich unter der Schutzatmosphäre des eingeschweißten Sandwiches wohl getan? Optisch sah das Ding nämlich auch nach eineinhalb Jahren Lagerung noch erstaunlich frisch und appetitlich aus.

Im Labor wurden Schimmel- und Hefepilze entdeckt, deren Anzahl oberhalb des Richtwertes für Sandwiches und belegte Brötchen der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie lagen. Vitamin C war noch vorhanden, Weichmacher wurden nicht nachgewiesen. Diese Fliegerstulle warf also keine tückischen Keimbomben ab, sondern brachte lediglich etwas erhöhten mikrobiologischen Fallout mit. Branntweinessig und Natriumnitrit als Konservierungsmittel sowie die luftdichte Verpacken machten es möglich. Der kompottsurfer hat lustigerweise genau einen Tag bevor das MHD des Sandwiches im Januar 2013 ablief, einen Beitrag über eine Tomate veröffentlicht, die in seiner heimischen Küche 37 Tage in einer Gemüseschale bei Temperaturen zwischen 17 und 20° Celsius überlebt hatte, obwohl man maximal von nur 14 Tage Haltbarkeit ausgeht. Allerdngs wurde die Tomate nicht in ein Labor geschickt.

Nun wird heute im Großen Haushalts-Check (ARD., 20.15 Uhr) die Moderatorin Yvonne Willicks gemeinsam mit dem Ernährungsminister ein Frühstück mit Produkten vertilgen, deren MHD abgelaufen ist. Und dabei feststellen: Alles ist noch bestens genießbar. Willicks wird auch Studienergebnisse der Fachhochschule Münster (Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft) präsentieren, die belegen sollen, dass das MHD von Seiten der Hersteller nicht dafür eingesetzt wird, den Verbrauchern verlässliche Orientierung zu geben. Und zitiert Petra Teitscheid, Professorin der FH Münster mit den Worten: „Unternehmen und Handel haben natürlich auch Interesse zu verkaufen und […] da setzt man vielleicht das MHD knapper, um dann Nachkäufe zu erzeugen.“ Wird das MHD also gezielt eingesetzt, um den Verbraucher zu lenken? Yvonne Willicks wird der Frage nachgehen.

Der kompottsurfer hat das Thema MHD in den letzten Jahren immer mal wieder thematisiert. Zum Beispiel hier vor dem Hintergrund der gigantischen Lebensmittelvernichtung von jährlich 81,6 Kilogramm pro Bundesbürger, die nicht zuletzt mit dem MHD einhergeht. Und zehn Empfehlungen aufgestellt, um Abhilfe zu schaffen.

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2 Antworten zu “Mindesthaltbarkeit bei Lebensmitteln: Schmeckt das noch, oder lebt das schon?”

  1. ecki sagt:

    Lieber Kompottsurfer
    Es muss in den 1980ern gewesen sein, zu Zeiten also, da man Aufforderungen, beim Umzug mitzuhelfen, nicht so einfach ausschlagen konnte. Kurzum: Bei einem Umzug von Ulli B. innerhalb Kiels fand sich hinter einem Regal ein Burger von McDoof wieder, der dort einige Jahre sein Leben verbrachte. Aber so viel Leben war da gar nicht, weil der ebenfalls überhaupt keinen Schimmel aufwies. Auf den Verzehr wurde – diesmal nicht aus politischen Gründen – aber verzichtet. – ecki

  2. kompottsurfer sagt:

    Das Ding würde sich im Deutschen Zusatzstoffmuseum bestimmt gut machen. Nach dem Motto: Was muss rein, damit ein Burger auch nach Jahren noch so gut aussieht? ;-)

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