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Montag, 30. Januar 2017

Sollten wir Krähen essen? Oder Fuchs und Bisamratte? Und wie schmeckt eigentlich ein Pony-Burger?

Auch auf die Gefahr hin von radikalen Tierschützern gnadenlos niedergestreckt zu werden, möchte der kompottsurfer auf das heikle Thema der Verwertung von Schadtieren als Nahrungsmittel hinweisen. Wobei schon der Begriff Schadtiere heikel ist, weil sie nur aus der Sicht des Menschen Schaden anrichten. Aber sei’s drum. In der aktuellen Druckausgabe des stern hat der Kollege Rüdiger Braun einen hochinteressanten Beitrag zum Thema verfasst.

Ausgangspunkt seiner Story ist das Projekt zweier Künstler aus Amsterdam. Rob Hagenouw und Nicolle Schatborn sind darum bemüht, im urbanen Lebensraum unerwünschte Tiere wie Krähen, Füchse, Ratten und Gänse (anders als in Deutschland sind sie in den Niederlanden kulinarisch unbeliebt) nach ihrer Tötung nicht in der Müllverbrennung enden zu lassen, sondern Nahrungsmittel daraus zu machen. Eine so aufregende wie sinnvolle Idee. Denn realistisch betrachtet kann man die Tiere weder unkontrolliert durch die Gassen streifen lassen, noch auswildern oder gar Streichelzoos mit ihnen bestücken. Und wie gut eine Kampagne Rettet die Ratten in der Bevölkerung ankäme? Okay, geschenkt. Also jagen und essen.

Foodguerilla heißt ein Netzwerk, das in den Niederlanden gegen die auch an dieser Stelle schon mehrfach beklagte Wegwerfmentalität bei Nahrungsmitteln aktiv ist. Aber es nicht bei mahnenden Worten belässt, doch bitte das Brot nicht gleich wegzuwerfen, nur weil es am Rand etwas trocken geworden oder die Erdbeerkonfitüre, weil das Haltbarkeitsdatum um zwei Tage überschritten ist. Die Foodguerilla geht auch dahin, wo’s wehtut, wo der Konsument sowohl mit dem massenhaften Tod von Tieren in der Stadt konfrontiert wird als auch mit dem mulmigen Gefühl bei den Fragen Kann ich das essen? Darf ich das essen? Soll ich das essen? Und die beiden Künstler Hagenouw und Schatborn gehen nicht nur mit, sondern voran. Das erstaunlich aber ist: Sogar Kinder, die uns ihre Empörung beim Gedanken ans Essen von Pferden erst einmal wie Hufeisen an den Kopf schleudern, kann das Projekt erreichen. Durch erklären und Vermitteln. Manche wagen sich danach sogar an einen Pony-Burger wie Rüdiger Braun schreibt. Und die Erwachsenen überwinden Abneigung und Ekel und finden zum eigenen Erstaunen plötzlich Gefallen an einer Krähenbrust oder Fuchskeule.

Der stern-Artikel ist auf jeden Fall zu empfehlen. Er zeigt einen mutigen Umgang mit einem oft verdrängten Thema.

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