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Freitag, 09. Juni 2017

Schweinerei auf dem Grill?

Neulich entdeckte ich auf der Facebookseite eines Bekannten ein geheimnissvolles Foto. Darauf sind blau illuminierte Drehregler an einer verchromten Armaturenleiste zu sehen.┬á Im Text gab es keine weiteren Erl├Ąuterungen, und ich kam zu dem Schluss, dass es sich wahrscheinlich um eine m├Ąchtige Musikanlage handeln wird, die der Kollege da anschmachtet oder in Besitz gebracht hat. Wenige Stunden sp├Ąter tauchte eine weitere Mitteilung in seiner Zeitleiste auf, und diesmal gab es auch Text: “… nur noch einmal schlafen.” Ein Blick auf das beigef├╝gte Foto machte mir sofort klar, dass ich mit der Musikanlage gr├╝ndlich falsch gelegen hatte. Denn es ging hier um einen, Trommelwirbel: Grill. Das klingt profan, ist es aber nicht. Denn das Wort Grill ist reichlich untertrieben f├╝r ein Ger├Ąt, das einen Reinigungsroboter beherbergt, 5964 cm┬▓ Gesamtgrillfl├Ąche mit zehn Brennern aufweist, sowie eine doppelte Infrarotgrillvorrichtung an Bord hat, die Temperaturen bis 815 ┬░ Celsius erzeugen kann.

So ein Spielzeug kostet die Kleinigkeit von rund 5.500 Euro, und ich versp├╝rte den Drang gleich auszurechnen, wieviele Nackenkoteletts vom edlen Ibericoschwein ich f├╝r diesen Preis in meiner schn├Âden Eisenpfanne wohl braten k├Ânnte. Ich kam auf 1.100. Wenn ich also einmal die Woche f├╝r mich und ab und zu f├╝r Familie oder Freunde Ibericokotellets braten w├╝rde, k├Ąme ich auf gesch├Ątzt acht Jahre bester w├Âchentlicher Versorgung f├╝r mich und zwei weitere Personen.

Zugegeben, das ist eine sehr theoretische Herangehensweise. Niemand k├Ąme auf die Idee, jede Woche Ibericoschwein zu essen. Na ja, zumindest niemand au├čer mir. Aber wer so einen Supergrill hat, muss ja auch irgendwas drauflegen. Und dieses Irgendwas sollte eigentlich nicht irgendwas sein, sondern am besten der Qualit├Ąt des Ger├Ąts entsprechen. Da w├Ąren Ibericokoteletts das mindeste. Wenn nicht gar ├Âfter mal Wagyu Beef den Infrarotstrahler des Grills k├╝ssen sollte. Nun gehe ich mal davon aus, dass der Bekannte den Grill nicht mit Billigfleisch beleidigt, aber sicher gibt es eine Reihe Luxusgrillbesitzer, die es mit der Qualit├Ąt des Grillguts nicht so genau nehmen und den Anschaffungspreis des Ger├Ąts durch den Einkauf von Billigschwein aus dem Supermarkt oder vom Discounter gegenfinanzieren.

Mit dem Thema Billigschwein f├╝r Grillwurst und Steak befasst sich die Titelstory des aktuellen stern (“Fleisch um jeden Preis”). In den letzten Jahren hatte auch der kompottsurfer das Thema Billigfleisch immer mal wieder ins Visier genommen, weil man es als verantwortungsvoller Genussmensch nicht wegdr├╝cken sollte. Das Magazin pr├Ąsentiert aktuelle Zahlen zum Konsum, und die sind zum einmal tief Durchgrunzen: Im Schnitt vertilgt der Deutsche pro Jahr 36,2 kg Schwein, 12,5 kg Gefl├╝gel und 9,7 kg Rind und Kalb. Dazu kommen 1,7 kg Lamm, Wild usw.. Rechnet man die vier Prozent Vegetarier und Veganer Bev├Âlkerungsanteil heraus, vertilgt ein durchschnittlicher Fleischesser pro Jahr also 62,6 kg Schwein, Rind und Co.. Finanzierbar wird das nur ÔÇô ja, ich muss auch wieder an den Grill denken ÔÇô weil so viel Billigfleisch auf dem Markt ist. Gerade in den Sommermonaten werben die gro├čen Supermarktketten und Dicounter mit Wahnsinnspreisen. F├╝nf Euro f├╝r ein Kilo Schweinesteaks sind fast schon normal, nicht selten liegt der Preis auch noch darunter.

Wer wissen will, wie man gut und sicher Fleisch kauft ÔÇô ja, die Sicherheit spielt auch eine Rolle, wie der kompottsurfer auch schon mehrmals berichtete ÔÇô findet im stern einen hilfreichen ├ťberblick, auch was die Bedeutung von G├╝tesiegeln angeht. Bevor man sich also dem Einkauf von frischem Gargut f├╝r den Luxusgrill widmet, kann ein Blick ins Heft nicht schaden.

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