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Dienstag, 25. Juli 2017

Harald Wohlfahrt und das Ende einer Reise zu den Sternen?

Das war’s jetzt also mit der erfolgreichsten Geschichte der deutschen Spitzengastronomie. Der einflussreichste Sternekoch des Landes, Harald Wohlfahrt, und Heiner Finkbeiner, Eigent├╝mer des Hotels Traube Tonbach samt Restaurant Schwarzwaldstube, sind geschiedene Leute. Heute sollte vor dem Amtsgericht Pforzheim der leidige Streit zwischen dem Koch, der ├╝ber satte 25 Jahre drei Michelinsterne f├╝r das Haus verteidigen konnte, und dem Erben des einstigen Begr├╝nders des Traube-Tonbach-Erfolgs verhandelt werden. Wer aber nun erwartet hatte, dass heute k├Ârbeweise schmutzige W├Ąsche gewaschen w├╝rde, sah sich get├Ąuscht. Der Streit wurde vor Prozessbeginn geschlichtet. Und aus meiner Sicht betrachtet ist das sehr gut so ÔÇô die Kolleginnen und Kollegen aus dem Boulevard m├Âgen es anders sehen.

Die Vorgeschichte in Kurzform. Der 61-j├Ąhrige Harald Wohlfahrt, seit 40 Jahren dem Haus zu Diensten, sollte die Verantwortung am Herd nach einer gemeinsamen ├ťbergangszeit an seinen langj├Ąhrigen Sous Chef, Torsten Michel, abgeben und als K├╝chendirektor weitermachen. Die Sache schien aber nicht so reibungslos abzulaufen, wie sie nach Au├čen hin verkauft worden war. Schlie├člich soll Herr Finkbeiner vor wenigen Wochen Herrn Wohlfahrt das Betreten der K├╝che schriftlich untersagt haben, worauf der sich zur├╝ck an den Herd klagen wollte. Drama. Drama. Drama. Und ein unw├╝rdiges Spektakel f├╝r ein Haus, das kulinarisch betrachtet Weltruhm genie├čt.

Wie genau die g├╝tliche Einigung unter vereinbartem Stillschweigen aussieht, die vor wenigen Minuten unter anderem von den Stuttgarter Nachrichten bekannt gegeben wurde, ist unklar. So schnell wird Stillschweigen dann doch nicht gebrochen. Wie gerade Nikos Gourmetwelten melden, soll Wohlfahrt jedoch erkl├Ąrt haben, ihm st├╝nde die Option offen, als kulinarischer Direktor in der Traube Tonbach weiterzuarbeiten. Derweil lie├č Finkbeiner erkl├Ąren, man werde das gro├če kulinarische Erbe von Harald Wohlfahrt immer hochhalten.

Liebhaber der Kaffeesatzleserei d├╝rften daraus unschwer eine Trennung mit finanziell ausreichendem Schmerzensgeld f├╝r Wohlfahrt dechiffrieren. Harald Wohlfahrt, so beschreibt es der gesch├Ątzte Kollege Bert Gamerschlag im aktuellen stern, k├Ânnte sich schon lange von Heiner Finkbeiner missachtet, gedem├╝tigt und ausgebeutet gef├╝hlt haben. Kaum vorstellbar, dass da noch was zu kitten ist. Ganz anders sei das Verh├Ąltnis zu dessen Erb-Onkel Willi Finkbeiner gewesen, der ihn vor vier Jahrzehnten eingestellt hatte.

Wie es weitergeht mit der Traube Tonbach und Harald Wohlfahrt, vermutlich auf getrennten Wegen, wird sich zeigen. Torsten Michel wird mittelfristig mit mindestens zwei Sternen weiterkochen, davon darf man ausgehen. Und wenn er denn sogar den dritten Stern h├Ąlt, w├Ąre er der f├╝nfte von aktuell neun weiteren deutschen K├Âchen mit 3 Sternen, die Wohlfahrt ausgebildet hat (Kevin Fehling, Thomas B├╝hner, Christian Bau, Klaus Erfort). Von den vielen K├Âchen mit zwei Sternen oder einem Stern, die durch seine Schule gingen, gar nicht zu reden.

Vielleicht, so w├Ąre zu hoffen, packt Wohlfahrt was ganz Neues an und bl├╝ht mit seinem ganzen K├Ânnen und seiner Kreativit├Ąt andernorts noch einmal auf. Es w├Ąre ihm und den vielen Freunden seiner K├╝che nur zu w├╝nschen.

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