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Freitag, 25. August 2017

Kein Witz: Der Staat kann auch Dinge richtig machen. Zum Beispiel in Sachen Wein.

Bevor mich Heerscharen von Winzern einem Shitstorm aussetzen, weil allein die Überschrift sie schon in Wallung bringt, möchte ich beschwichtigen und betonen, dass es hier um einen Einzelfall geht, der seinen Ursprung im Jahr 1970 hat.

Auf den Weg in den Kurzurlaub machten wir eine Stop in Neustadt an der Weinstraße. Dort ist das Staatsweingut mit Johannitergut zu Hause. Das Johannitergut, ältester Weinbaubetrieb der Pfalz und von 1290 bis 1970 im Besitz des Johanniterordens, wurde 1970 vom Land Rheinland-Pfalz übernommen und mit dem Staatsweingut der damaligen Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau vereinigt. Ministerpräsident damals übrigens, in seinem ersten Amtsjahr: Helmut Kohl. Aber das nur am Rande.

Heute firmiert der Betrieb als Staatsweingut mit Johannitergut. Interessant ist, dass hier Traditionspflege und Weinforschungsgeschichte eine selten anzutreffende Verbindung eingehen, da der Lehr- und Versuchsbetrieb des Staatsweingutes auch schon bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht. Kurfürst Johann Casimir hatte damals für seine Lieblingssorte „Gänsfüßer“ eine eigene Pflanzungsverordnung erlassen. Diese Rotweinsorte, andernorts längst verschwunden, wird im Staatsweingut mit Johannitergut weiterhin gepflegt und vor dem Aussterben bewahrt. Älteste Einzellage des Hauses und zudem kleinste Lage der Pfalz ist der Mußbacher Johannitergarten. Weitere bekannte Lagen wie die Mußbacher Eselshaut und der Deidesheimer Herrgottsacker zählen ebenfalls zum Grundstock des Betriebs, der jährlich acht bis zehn Auszubildenden aus dem dualen Studiengang B.Sc. Weinbau und Oenologie Praxisnähe vermittelt.

Ja, es sind all’ diese Dinge, die mich neugiegig auf einen Besuch vor Ort gemacht haben, nachdem mich der überaus barmherzig kalkulierte 2015er Riesling vom Deidesheimer Herrgottsacker bei einer Verkostung geradezu verzückt hatte. So viel Weinqualität für so wenig Geld, das gefällt. Nach der Probierrunde vor Ort ist die Liste der Lieblinge noch länger geworden, was auch daran liegt, dass die Stilistik eher klassisch gehalten ist, die Weine nicht durch übermäßige Alkoholisierung aufgemotzt wirken.

Und so liegen nun ein paar Kisten im Kofferraum, und ich fahre mit dem guten Gefühl nach Hause, dass diesmal der Staat nicht mich, sondern ich den Staat angezapft habe. Und das total legal.

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