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Samstag, 30. September 2017

Nach der Butter wird bald auch der Käse teurer. Nur die Gründe sind andere.

Gerade haben wir den rasanten Anstieg der Butterpreise erlebt, nach Expertenmeinung eine Folge der gestrichenen Milchquotenregelung, die kleine Produzenten zunehmend aus dem Markt drängt, was jetzt zu einer Knappheit führt. Was nicht heißen soll, dass die Quote eine gute Sache war, die man wieder einführen müsste. Es ist komplizierter (der kompottsurfer berichtete), aber auch eine andere Geschichte.
Preisanstieg droht nun auch beim Käse. Als Folge des 2016 verabschiedeten neuen Gentechnikgesetzes stellen große Molkereien derzeit auf gentechnikfreie Produktion um, was eine aufwändige und schwierige Sache ist, denn schließlich gilt es sicherzustellen, dass die Bauern ihren Milchkühen kein Futter auf der Basis gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mehr verabreichen. Ich spiele mal den Propheten und sage voraus, dass es keine drei Jahre dauern wird, bis wir einen “Skandal” haben, weil Bauern an ihre Viecher gentechnisch veränderte Pflanzen verfüttert haben, die von Futtermittelherstellern irgendwo aus Nicht-EU-Staaten kommen.

Nimmt man Standardkäse wie mittelalten Gouda zum Maßstab, der bei vielen Discountern kaum mehr als 5,50 Euro das Kilogramm kostet, wäre selbst ein Preisanstieg von 300% Prozent keine Katastrophe. Ich sehe schon in Leserköpfen die Frage aufblinken, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Zugegeben, es gibt Menschen, die würden das mit einem entschiedenen “vielleicht nicht” beantworten. Aber ich habe gute Gründe für meine Auffassung. Bei der Recherche zum Thema stieß ich auf einen Artikel aus dem Spiegel von 1958 bei dem es um die Verbraucherpreise für Gouda ging. Damals kostete ein Kilogramm 3,20 DM und sank, dank Aufhebung des niederländischen Mindestpreises für Gouda, auf 2,55 DM. Der Jahresdurchschnittsverdienst lag 1958 bei 5.330 DM. 2017 in Deutschland (alte Bundesländer) bei 37.103 Euro. Was sofort zu erkennen ist: Selbst die 2,55 DM sind gemessen am Jahresverdienst von damals exorbitant viel Geld gewesen. Zugespitzt formuliert: Nahrungsmittel waren damals noch wirklich etwas wert. Auch deshalb wurde – im Vergleich zu heute – so wenig davon weggeschmissen. Wenn ich mich mal an den Statistikprofis vorbeimogel (an meine damaligen Klausuren zum Thema habe ich grausige Erinnerungen) und einfach DM gleich Euro setze, müsste – gemessen am Verdienst – ein Kilogramm Gouda heute, simsalabim, 17,75 Euro kosten. Und das ist jetzt wirklich Käse gerechnet. Bereinigt käme man auf einen noch deutlich höheren Wert. Ach ja, das Wörtchen Wert sollten wir im Zusammenhang mit Lebensmitteln und unserer Ernährung viel häufiger gebrauchen. Damit uns dieser Wert wieder bewusster wird.

Okay, genug der Bekehrung. Ich werd’ jetzt erstmal Käse essen. Aber keinen Gouda. Sondern perfekt gereiften Morbier aus Frankreich.

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