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Sonntag, 22. Juli 2018

Was für ein Gegurke, ganz ohne Fußball.

“Das ist aber ein große Gurke”, hörte ich kürzlich ein Kind zu seinem Papa sagen, als der auf dem Markt eine Zucchini in die Hand nahm und dem Händler am Stand zum Abwiegen anreichte. “Das ist keine Gurke, das ist eine Zucchini”, belehrte der Vater das Kind, worauf das Kind eine Mini-Gewürzgurke zur Hand nahm und trotzig “klein!” rief. Um es kurz zu machen: Ich habe des Vaters Vortrag zur botanischen Differenzierung nicht abgewartet, statt dessen meine Tüte mit Kartoffeln eingepackt und bin von dannen gezogen. Wobei mir diese Geschichte nicht aus dem Kopf ging. Für einen Dreikäsehoch ist es wahrlich nicht so recht einleuchtend, warum zwei Lebensmittel, die derart ähnlich aussehen, zwei verschiedene Dinge sind.

“Zucchini sind Kürbisse, das weiß doch jedes Kind!”, wird der eine oder andere kulinarisch interessierte Leser vielleicht empört ausrufen. Aber so einfach ist es nicht. Klar sind es Kürbisse, aber nicht mal jeder Erwachsene weiß das. Und wer sich nun genüsslich wissend zurücklehnt, dem sei gesagt, dass grüne Zucchini und Gurken sehr wohl mehr Gemeinsamkeiten haben als die Farbe. Beide sind nämlich sogenannte Fruchtgemüse. Neben Gurken und Kürbissen zählen auch Auberginen, Tomaten, Okra und Paprika dazu wie dem Lehrbuch der Lebensmittelchemie zu entnehmen ist. Ja, schon gut, ich schalte den Oberlehrermodus aus und widme mich umgehend dem Fruchtgemüse als Nahrungs- und Genussmittel.

Zucchini und Gurken spalten die Genussfraktion, die mitunter mangelnde geschmackliche Prägnanz bei beiden bemängeln. Aus meiner Sicht ist entscheidend, welche Qualität das Gemüse hat und wie es verarbeitet, kombiniert und gegessen wird. So zeigt zum Beispiel ein kühles Gurkensüppchen, erst recht an heißen Sommertagen genossen, geschmackliche Ausdrucksstärke. Die entscheidende Aromaverbindung heißt hier (E,Z)-2,6-Nonandienal, was man getrost gleich wieder vergessen kann. Aber der sehr erinnerungsstarke Duft der Gurke wird nach meinen Erfahrungen am besten retronasal wahrgenommen, also schmeckend gerochen. Das kalte Gurkensüppchen wird im Mund warm und steigt durch den Rachenraum in die Nase. Bei Zucchini empfinde ich es als deutlich schwieriger, so etwas wie Eigengeschmack herauszuarbeiten und wahrzunehmen, wobei ich gestehen muss, dass mir Zucchini in gegrillter oder stark angebratener Form am besten mundet, der typische Eigengeschmack hat mir nicht selten eine etwas unangenehm kohlartige Note. Auch deshalb aromatisiere ich Zucchini gerne mit etwas Sesamöl. Auch Estragon passt gut, finde ich. Empfehlen kann ich außerdem eine über Schwarzen Tee gedämpfte Variante. Aber probiert’s aus, Geschmäcker sind schließlich verschieden ….

Weil das Wetter in diesem Jahr alles Obst und Gemüse früher erntereif werden lässt, mache ich mich jetzt über Berge Zucchini aus dem elterlichen Garten her. In rund, in gelb, in gurkengrün. Ich verschwinde dann mal in die Küche.

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