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Sonntag, 29. Juli 2018

Rosin versus Bühner: Was steckt hinter dem Streit der beiden Sterneköche?

Schließung des La Vie: Kein Held des Monats hätte sie verhindert. (Foto: Infoboard Küche La Vie / K. Dahlbeck)

‚Was bitte ist denn da los?‘, dachte ich beim Lesen eines Kommentars von Frank „Rose“ Rosin zur so überraschenden wie kurzfristigen Schließung des Osnabrücker Restaurants La Vie, wo Thomas Bühner mit seinem Team drei Michelinsterne erkochen und zu einem der besten Häuser in Europa machen konnte. Rose hatte nicht nur mich irritiert mit seinem Kommentar „Kochen kann er ja, jetzt muss er nur noch lernen Geld zu verdienen“, sondern auch einige hochdekorierte Kollegen wie Christian Bau. Thomas Bühner selbst reagierte angefressen und konterte mit einem rustikalen „So reagieren nur Arschlöcher!“

Ehrlich gesagt, ich war zunächst skeptisch, ob die Geschichte überhaupt Frank Rosin zuzuschreiben war, da in den Sozialen Medien zahlreiche Prominente gedoubelt werden. So gibt es auch mehrere Frank Rosins. Echte wie unechte. Andererseits traute ich dem Dorstener durchaus zu, mal spontan so ein Ding rauszuhauen. Nun sind Instagram und Facebook aber nicht The Taste oder Restaurantrettungsfernsehen. Vom Ende gedacht, sollte Rose sich so einen Spruch unter diesen Umständen verkneifen können. Hatte ich jedenfalls angenommen.

Dann aber stellt sich heraus: Es war wirklich ein Originalzitat, das Rosin jedoch schnell wieder hatte entfernen lassen. Zu spät in Zeiten rasanter Verbreitung von Information und Desinformation – die Geschichte war in der Welt. Schon bald setzte er ein Statement ab, in dem er sein Verhalten geißelte, um Entschuldigung bat und Bühner samt Team alles Gute wünschte.

Damit könnte die Geschichte abgehakt sein. Aber da ich beide schon lange kenne, da ich noch weiß, wie sie im Ruhrgebiet angefangen haben als Küchenchefs mit 13 oder 14 Punkten im Gault Millau als erste Anzeichen ihres Könnens am Herd, kann und will ich mir das Angebrannte doch mal genauer ansehen. Zunächst hatte ich überlegt, beide anzurufen und nach Statements zu fragen. Aber da ich ziemlich sicher weiß, dass beide die Geschichte schnell abhaken wollen, erschien mir das als wenig ertragreich.

Stattdessen hörte ich mich bei einigen Leuten aus der Gastronomieszene um, denen ich eine solide Einschätzung in der Sache zutraute, und siehe da, ich konnte mich in meiner Ahnung bestätigt fühlen, es gehe bei der verbalen Rauferei um Grundsätzliches und nicht um Persönliches. Ein trennendes Grundproblem in der Spitzengastronomie, wo die Einen den Kopf schütteln über Sterneköche als Dauergäste im TV und die Anderen über Kollegen Klage führen, die mit ihrem Restaurant nicht zwingend Geld erwirtschaften müssen, weil Nobelhotellerie und Mäzenatentum deren Kochkunst fördern und Spitzenleistungen leichter erreichbar machen würden. Ich bin in beide Richtungen skeptisch. Wenn man es zumindest  in die eine Richtung mal auf den Fußball herunter bricht: Geld schießt keineswegs immer Tore. Wie auch immer, Rose repräsentiert den Fernsehkoch, der schon als Kind durch familiäre Erfahrung lernte, wie hart es ist mit Gastronomie Geld zu verdienen. Und der heute kein Problem damit hat, die werbende Wirkung seiner regelmäßigen TV-Auftritte einzugestehen. Warum auch. Das Geld für Mitarbeiter, Waren und Location muss schließlich irgendwo herkommen. Offensichtlich hat er aber ein Problem mit gesponserten Spitzenköchen.

Andersherum müsste ein so hochveranlagter Koch wie Thomas Bühner mit dem Fischmesser frisiert sein, wenn er eine Gelegenheit zur Entfaltung, wie sie ihm damals der bekennende Gourmet und Großunternehmer Dr. Jürgen Großmann im Osnabrücker La Vie geboten hat, nicht nutzte.

Immer wieder höre ich von Sticheleien gegen besternte Fernseh- und gesponsorte Sterneköche. Besonders die Kollegen aus der Babyboomer-Generation erscheinen mir da oft etwas unentspannt. Bei den jüngeren Köchen dagegen steht oft der Kumpelfaktor im Vordergrund. So ist es besser. Klar, in jeder Branche wird geredet, wird gelästert und gestichelt. Aber egal wo und was man werkelt – die eigene Leistung wird nicht dadurch besser, dass man die der anderen herabwürdigt. Soweit mein kulinarisches Wort zum Sonntag.

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