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Mittwoch, 22. August 2018

Neue Rebsorten braucht das Land. Ein Besuch bei Winzertalent Hendrik Schweder.

Bei mir geht Urlaub nur mit Wein. Und mit Laufen. Und Wandern. Wenn meine Gräten es denn hergeben. Für so eine Kombination wie geschaffen ist das Naturreservat Pfälzer Wald. Anspruchsvolle, felsige Pfade auf der einen Seite und eine vielfältige Weinlandschaft abseits des Waldes auf der anderen.

Als ich im März dieses Jahres im Rahmen der Düsseldorfer Fachmesse ProWein den Pfälzer Jungwinzer Hendrik Schweder an einem Stand entdeckte und mich durch seine Kollektion probierte, war klar: Beim nächsten Trip in die Pfalz würde ich seinem Betrieb einen Besuch abstatten. Am letzten Wochenende klappte das auch. Nur stand bei der Anfahrt auf das im Örtchen Hochstadt gelegene Weingut erstmal ein großer Reisebus im Weg. Einfahrt in die Straße zu Schweders Domizil unmöglich. Wie sich später herausstellte, war eine Gruppe von 40 Weinfreunden aus Schweden mit diesem Gefährt unterwegs, die jedes Jahr Touren durch europäische Anbaugebiete machen. Dort besuchen sie Winzer und packen den Bus randvoll mit Wein für den Genuss daheim. In Hochstadt machte die Gruppe nun Zwischenstop auf dem Weg ins Elsass. Aber wie kommen 40 Schweden auf den Gedanken, einen (noch) eher unbekannten Weinbaubetrieb in der Pfalz zu besuchen, die doch so viele große Winzernamen zu bieten hat? Nun, einer aus der Truppe hatte Hendrik Schweder bei der Traditionsveranstaltung Wein am Dom in Speyer kennengelernt und seine Gefährten überzeugen können, ihn bei ihrem nächsten Trip nach Deutschland aufzusuchen.

Sicher war diese Entscheidung nicht nur dem Umstand geschuldet, dass zwei Weine in Schweders Sortiment unter der Bezeichnung Alter Schwede(r) firmieren. Der Stoff überzeugt einfach. Hendrik Schweder ist nach Ausbildung, Oenologie-Studium sowie Auslandsaufenthalten in Frankreich, Kalifornien und Österreich in den elterlichen Betrieb eingestiegen, der nun nach und nach erweitert wird. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sind ihm ein besonderes Anliegen, deshalb pflegt er nicht nur die Flagschiffe unter den heimischen Rebsorten, Riesling und Spätburgunder, sondern auch Neuzüchtungen wie Cabernet Blanc. „Wir wollen mit so wenig Pflanzenschutzmitteln wie möglich auskommen, und einige neue PIWI-Rebsorten helfen dabei“, sagt Schweder. PIWI steht für Pilzwiderstandsfähigkeit. PIWI International für eine Arbeitsgemeinschaft, die im Jahre 2000 in der Schweiz mit dem Ziel gegründet wurde, die Entwicklung solcher Sorten voranzubringen und Erfahrungsaustausch unter den Winzern zu pflegen. Bekannteste heimische PIWI-Rebsorte ist der Regent, entwickelt in den 1960er Jahren. Im Erprobungsanbau ist bei den Schweders auch eine weiße Rebsorte, die noch den sperrigen Forschungsnamen CAL 604 trägt, aber wohl bald „irgendwas mit Blanc“ heißen wird, wie Hendrik Schweder spekuliert. Und der sich sichtlich darüber freut, wie wenig er bei dieser Rebsorte gegen Pilzbefall tun muss. Irgendwas mit Blanc ist in der Weißwein-Cuvée Alter Schwede(r) zusammen mit anderen weißen Rebsorten des Hauses verschnitten. Für meinen Geschmack ein Alltagsweißwein im besten Sinne mit Frische, Frucht und Mineralik, aber vor allem einer guten Portion Typizität.

Einen Besuch im alten Weinkeller gab‘s auch noch. Hendrik Schweder präsentierte dort unter anderem alte Holzfässer, die sein Großvater mal gebaut hatte und die jetzt nur noch Zierwert haben. Gleich gegenüber wird es irgendwann einen Durchbruch zum benachbarten Gebäude geben, das vor Kurzem von den Schweders übernommen wurde und die Möglichkeiten der Weinverarbeitung vor Ort erheblich verbessern sollen.

Natürlich lassen sich solche Auf- und Umbrüche nicht im Alleingang wuppen. Im schwederschen Familienbetrieb sind auch noch Frau und Eltern im vollen Einsatz. Man darf gespannt sein, wie sich das Weingut in Zukunft entwickelt. Wenn ich mir das Engagement und die Freude an der Arbeit bei Hendrik Schweder so ansehe – es kann nur eine erfolgreiche werden.
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