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Montag, 27. August 2018

Genussvoll essen und trinken: Wie viel ist zu viel?

Es war einmal ein Arzt, gleicherma├čen Alchimist und Philosoph: Theophrastus Bombast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus. Seine Verdienste um die medizinischen Fortschritte der damaligen Zeit detailliert aufzuf├╝hren, w├╝rde Seiten f├╝llen, was ich an dieser Stelle niemandem zumuten will. Paracelsus starb anno 1541 im Alter von 47 Jahren an einer Quecksilbervergiftung. Das ist insofern bemerkenswert als der gute Mann bis heute ber├╝hmt ist f├╝r seinen Ausspruch ÔÇ×Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift istÔÇť, gebr├Ąuchlich als ÔÇ×die Dosis macht das Gift.ÔÇť

Experten gehen davon aus, dass Paracelsus weder heimt├╝ckisch vergiftet wurde, noch den Freitod gesucht hat. Untersuchungen seiner sterblichen ├ťberreste deuten aber darauf hin, dass er einer schleichenden Vergiftung zum Opfer fiel. Er hatte sich ├╝ber Jahre mit Quecksilber als m├Âgliches Heilmittel gegen Syphilis besch├Ąftigt, und so wurde von Historikern auch spekuliert, er k├Ânne selbst daran erkrankt gewesen sein. Vielleicht hat er sich selbst mit Quecksilber behandelt, vielleicht waren es die D├Ąmpfe, die ihn mit der Zeit t├Âdlich erkranken lie├čen. Wie auch immer, die Dosis war f├╝r Paracelsus Gift.

Wie viel zu viel ist, damit sind Jahr f├╝r Jahr auch Studien ├╝ber den Konsum von Genuss- und Lebensmitteln befasst. Wie viel Grillfleisch, wie viel Zucker, wie viel Wei├čmehl, wie viel Fett und wie viel Alkohol zu viel sind, ist dabei h├Ąufig auch eine Sache individueller Toleranzschwellen. Gerade ist eine neue, Aufmerksamkeit erregende Studie ├╝ber den Konsum von Alkohol ver├Âffentlicht worden, die mich beim Lesen neulich abends reflexartig das Weinglas vom Mund absetzen lie├č. Im gro├č angelegten Report ÔÇ×Global Burden of DeseaseÔÇť (GBD), der seit 35 Jahren Ursachen von Krankheiten und Sterblichkeit im globalen Ma├čstab zu ergr├╝nden sucht, ist gerade das Thema Alkoholkonsum ausgeleuchtet worden. Dazu hat die Universit├Ąt Seattle einen 2.000 Seiten starken Bericht vorgelegt, in dem nicht nur die wenig schmeichelhaften Top-Platzierungen der trinkfreudigsten Nationen offenbart werden (Deutschland liegt aktuell auf Platz 9 bei den Frauen, w├Ąhrend die M├Ąnner nicht mehr unter den ersten 10 zu finden sind). Interessant finde ich die Schlussfolgerung der Autoren, es g├Ąbe im Grunde keine positive Wirkung von Alkohol, weil die negativen Wirkungen (z.B. Verkehrsunf├Ąlle, Tumorerkrankungen, Suizide, Hirnsch├Ąden), die man immer gegen├╝berstellen m├╝sse, am Ende nichts Positives mehr ├╝brig lie├čen. Und zwar egal wie gering die Dosis ist, zumindest gemessen an ├╝blichen Konsumeinheiten von Wein, Bier und Destillaten. Ob ein Teel├Âffel Rotwein w├Âchentlich vielleicht doch gesundheitsf├Ârdernd sein k├Ânnte, dar├╝ber muss man nun wirklich keine Untersuchung anstellen.

Was mir beim Lesen dieser Studie mal wieder durch den Kopf ging, war der Gedanke, inwieweit solche Bekanntmachungen unser Verhalten beeinflussen oder sogar ├Ąndern k├Ânnen. Sollten sie es ├╝berhaupt? Und wenn ja wie sehr? Ich frage mich, was dabei herauskommen soll, wenn wir uns jede dieser Untersuchungen so zu Herzen nehmen, dass wir am Ende kaum noch etwas mit Freude essen und trinken k├Ânnen, weil das meiste entweder gesundheitsgef├Ąhrdend, ├Âkologisch bedenklich oder Tierleid f├Ârdernd ist. Auf die Gesundheit bezogen kommt es mir mitunter so vor als m├╝ssten wir mit aller Macht unser eigenes Ableben verhindern, was mir ein einigerma├čen aussichtsloses Unterfangen zu sein scheint. Und auf dem Grabstein steht dann sowas wie: ÔÇ×Er lebte gesund, starb aber trotzdem.ÔÇť

Sollten wir uns jetzt also wieder bequem zur├╝cklehnen und denken, dass ohnehin alles wurscht ist? Nein, keinesfalls, denn was die Studie nicht erfasst, aber aus meiner Sicht reichlich Gewicht hat, ist das eigene Wohlbefinden. Zugegeben, schwer zu quantifizieren f├╝r eine Studie, aber f├╝r unser Konsumverhalten durchaus von Bedeutung. Dabei geht es mir nicht nur um das unmittelbar positive Gef├╝hl, dass Essen und Trinken geben k├Ânnen, nicht zuletzt als soziale Bindungsmasse in geselliger Runde, sondern auch darum, inwieweit zu viel davon langfristig unangenehme Begleiterscheinungen entwickeln. ├ťbergewicht, Unbeweglichkeit, depressive Verstimmungen, Nervensch├Ąden, diverse Verdauungsprobleme und so weiter. Wer k├Ârperlich hart arbeiten muss (was immer weniger von uns durch den Wandel in der Arbeitswelt┬á tun m├╝ssen) oder regelm├Ą├čig energieraubend Sport treibt (was immer noch zu wenige tun) bei dem schlagen Kalorien nicht so negativ durch wie bei der Couch Potato. Also ├Âfter mal bewegen, dann ist ein kleines Minus durch Genussmittelkonsum schnell ausgegelichen, wenn man die in zahlreichen Studien ermittelten positiven Auswirkungen von Bewegung einrechnet.

Ich denke, ein kompletter Verzicht auf Alkohol wird unser Leben nicht automatisch besser machen. Ein ├╝berlegter, zur├╝ckhaltender Konsum kann aber dazu beitragen, bewusster mit alkoholischen Getr├Ąnken umzugehen. Souver├Ąne Selbstbeherrschung sozusagen.

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