rewirpower.de – Das Revierportal


Suche:

Sonntag, 30. Dezember 2018

Es muss nicht immer Selbstoptimierung sein: Zehn gute VorsĂ€tze fĂŒrs neue Jahr.

Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber fĂŒr mich gab es in der Vergangenheit nur wenige Jahre in denen ich mir kurz vor Silvester sagen konnte: Jawoll, du alter Schwede, du hast nicht nur deinen Vorsatz durchgehalten, sondern dich durchs Einhalten der VorsĂ€tze sogar besser gefĂŒhlt. Vorletztes Jahr gelang das mal, weil ich meinen Zuckerkonsum so drastisch wie erfolgreich einschrĂ€nken konnte. Anfangs war das Folter, weil mir als Sportjunkie stĂ€ndig die Energie auszugehen schien, aber irgendwann bekam ich das Problem in den Griff, und ich fĂŒhlte mich frischer als frĂŒher. Aber sonst? Gelang fast nix. Selbst das Jahr, in dem ich mir vorgenommen hatte, wieder mehr Alkohol – vor allem mehr Wein – zu trinken, ging als Rohrkrepierer in die Annalen meiner guten VorsĂ€tze ein. Kann man sich das vorstellen? NatĂŒrlich halten mich die Misserfolge nicht davon ab, fĂŒrs kommende Jahr wieder gute VorsĂ€tze zu basteln. Meine Strategie fĂŒr 2019: viele kleine davon – genauer gesagt zehn – zu einem großen und guten Ganzen werden zu lassen. Wenn ich dann im kommenden Dezember an mehr als der HĂ€lfte davon guten Gewissens einen Haken machen kann, ist die Sache geritzt. Diesmal hat alles mit Genuss, ErnĂ€hrung und Konsum zu tun.

1. Weniger Essensreste wegschmeißen
Gelingt mir schon ganz gut, aber da ist noch Luft nach oben. Angesichts eines Bergs von durchschnittlich ĂŒber 80 Kilogramm verklappter Lebensmittelreste pro BundesbĂŒrger zĂ€hlt jedes Gramm. Bei mir sind es selten verwendete Produkte wie Saure Sahne und Kokosmilch, von denen Reste schon mal im KĂŒhlschrank vergammeln und dann im MĂŒll landen. Kleinere PackungsgrĂ¶ĂŸen könnten helfen, aber das steht dann gleich im Widerspruch zu Vorsatz Nummer …
2. VerpackungsmĂŒll vermeiden
Vor allem Plastik, das als Verpackung fĂŒr Lebensmittel wie KĂ€se, GemĂŒse, Salat, Kaffee usw. dient, möchte ich auf ein Minimum beschrĂ€nken.
3. Öfter mal Freunde zum Essen nach Hause einladen
Scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein. Bestimmt ist Netflix Schuld. Aber gut Essen, Trinken und Reden sind doch die schönsten analogen Dinge, die wir tun können, oder? Außer Laufen natĂŒrlich. Und Fußball live im Stadion gucken. FĂŒr alles andere bin ich zu alt.
4. Kreativer kochen
Untrennbar mit Vorsatz 3 verbunden. Wenn Freunde zu Besuch kommen, bin ich bereit mehr Aufwand fĂŒrs Kochen zu treiben als im Alltagsleben. Aber halt, dann mĂŒssten meine Freunde ja als Probanden herhalten. Kann man das machen? Ähem, ich denke schon. FĂŒnfeinhalb Stunden verbringt der BundesbĂŒrger ĂŒbrigens im Wochendurchschnitt mit Kochen. Bei mir sind es mehr als doppelt so viele Stunden. Aber diese Zahl sagt wenig aus, spielen doch Faktoren wie Anzahl der bekochten Personen (wer bekocht wird, kocht nicht selbst), Aufwand fĂŒr die Zubereitung und Routine eine Rolle, die kaum tragfĂ€hig berechnet werden können. Interessanter sind da schon die Ergebnisse aus dem Consumers Choice 2017, erarbeitet von der Bundesvereinigung der Deutschen ErnĂ€hrungsindustrie (BVE) und der Gesellschaft fĂŒr Konsumforschung (GfK), wonach in nur noch jedem vierten Haushalt hierzulande tĂ€glich frisch gekocht wird. Wobei ich gerne wĂŒsste, was so mancher MitbĂŒrger heutzutage so alles als frisch gekocht durchwinkt. Ist aber ‘ne andere Geschichte. Ich fĂŒr meinen Teil will in 2019 mehr ausprobieren. Mindestens ein Gericht pro Monat, das ich noch nie zuvor gekocht habe. Klingt vielleicht wenig, ist aber reichlich viel, wenn ich bedenke, was ich mir in meinem Leben schon so alles zusammengebrutzelt habe.
5. Bewusster und weniger Fleisch essen
Soweit möglich, vermeide ich ohnehin schon Fleisch, Schinken und Wurst aus Massentierhaltung und beschrÀnke meinen Fleisch- und Wurstkonsum auf dreimal pro Woche. Aber es geht nicht nur um Vermeidung, sondern auch um mehr Genuss. So bekommt die BeschrÀnkung Mehrwert. Und zwar durch bewusstere Auswahl besonderer Schnitte, zum Beispiel Schulternaht oder Nierenzapfen vom Rind.
6. Zu Fuß oder mit dem Rad zum Einkaufen auf den Biohof
Mag man außerhalb des Ruhrgebiets kaum glauben, aber wir haben hier nicht nur viel GrĂŒn, sondern auch reichlich Bio-Landwirtschaft. Der Klosterberghof liegt nur zwei Kilometer von daheim entfernt, wohin es aber so steil und kurvig bergab und wieder bergan fĂŒhrt (+110 Höhenmeter), dass kein Linienbus da lang fĂ€hrt. Und bepackt per pedes oder per pedales ist das auch kein Spaß. Zumal der Hof stark eingeschrĂ€nkte Öffnungszeiten hat. Ja,  ich geb’s zu, am Ende fehlt nur der Wille. Also ab 2019 einmal monatlich einkaufen im Klosterberghof oder Schepershof (der liegt zwar etwas weiter weg, bietet dafĂŒr aber KĂ€se aus eigener Herstellung an). NatĂŒrlich ohne Auto.
7. Mehr haltbare Zutaten selbst herstellen
Zum Beispiel KrÀutersalz, Fonds, Pesto und Brotaufstriche. Vielleicht wage ich mich auch mal an Essig heran.
8. Wochenplan fĂŒrs Kochen machen.
So viel Freude mir das tĂ€gliche Einkaufen und Kochen nach Marktlage auch macht – es geht einfach zu viel Zeit dabei drauf. Also mehr Kochen nach Plan. Einschließlich der Bereitschaft, meinen Plan von gestern mit aller SouverĂ€nitĂ€t in die Tonne zu treten, wenn die Marktlage mir bessere Möglichkeiten bietet.
9. Brauereibesichtigung bei Moritz Fiege
Bier von hier, von daheim. Ich will wissen: Wie haben es die Bochumer geschafft – als eine der wenigen Brauereien in Deutschland – gegen den Trend ĂŒber Jahrzehnte ihr Pils in klassisch-herber Machart zu bewahren und nicht dem stumpfen Stil des Massengeschmacks zu opfern.
10. Praktikum im Sterne-Restaurant
AlltĂ€gliche HaushaltskĂŒche und Kochen in der Spitzengastronomie sind zwei sehr unterschiedliche Sportarten. Ein Vorsatz fĂŒr 2019 ist, mal fĂŒr eine Woche in der KĂŒche eines Sternerestaurants zu hospitieren. Ich will AblĂ€ufe besser kennenlernen und ein bisschen Inspiration mitnehmen, einschließlich einiger Kniffe, was das Anrichten betrifft, meine Katastrophendisziplin. Mal sehen, ob ich ein bereitwilliges Haus finde.

Der kompottsurfer wĂŒnscht allen Lesern einen prickelnden Jahresausklang und alles Gute fĂŒr 2019!

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Auf zum BratenbegrÀbnis: Die Reste der Feste lecker verwerten.

Normalerweise wird der MĂŒll bei uns am Dienstag abgeholt, so gegen 7 Uhr morgens. Wehe dem, der spĂ€ter aufstehen muss, denn die Entsorgungstruppe kennt keine Gnade. Sie rumpelt im Umkreis von 100 Metern jeden wach, der am Vorabend keine Stöpsel in die Ohren gesteckt hat. SpĂ€testens zwischen den Jahren sehnt man die AbrĂ€umer aber herbei, auch wenn sie noch so einen LĂ€rm veranstalten. Die ĂŒberquellenden MĂŒlltonnen werden an Feiertagen nĂ€mlich nicht geleert, so der auf einen turnusmĂ€ĂŸigen Abholtag fĂ€llt. Und auch nicht am nĂ€chsten Werktag, nicht mal am ĂŒbernĂ€chsten. Das Szenario fĂŒr die anstehende Jahresendfeiertagssaison sieht fĂŒr uns hier in der Gegend finster aus. Am 18.12. war die letzte Leerung. Der 25.12. – als nĂ€chster turnusmĂ€ĂŸiger Abholtag – ist erster Weihnachtstag und genau eine Woche spĂ€ter Neujahr. Wenn es dumm lĂ€uft, und ganz bestimmt lĂ€uft es dumm, wird der MĂŒll erst am 8.1.2019 wieder geleert. Klar stinkt mir das, und ich werde noch stinkiger auf den Klimawandel, denn der “scheint weiße Weihnachten zu verhindern” wie die Experten von Wetter.com schreiben. Das bedeutet milde, geruchsfördernde Temperaturen und ĂŒber Wochen stinkenden MĂŒll, weil viele MitbĂŒrger nicht nur die Verpackung ihres geschenkt bekommenen Home Trainers verklappen, sondern auch die Reste ihrer Festmahlzeiten. Womit ich (endlich) beim eigentlichen Thema bin: Resteverwertung.

Wie viel Nahrungsmittel wir hierzulande wegschmeißen, darĂŒber hat der kompottsurfer mehr als nur einmal gebloggt. Nun fiel mir heute ein altes, handgeschriebenes Kochbuch meiner Oma in die HĂ€nde und erinnerte mich daran, mit welcher SelbstverstĂ€ndlichkeit und breiter gesellschaftlichen Akzeptanz frĂŒher Essensreste zu neuen Gerichten umgewidmet wurden. Alte KochbĂŒcher enthielten sogar gesonderte Rubriken zu dem Thema. Ganz persönlich erinnere ich mich an die Verwertung von ĂŒberzĂ€hligen Salzkartoffeln, die am nĂ€chsten Tag als sowas wie gebratene Gnocchi serviert wurden. Ich mochte das sehr, genauso wie die zu Suppe gestreckte Bratensauce, in der – bestenfalls – sogar noch ĂŒbrig gebliebene Fleischfetzen schwammen.

Ist reichlich Fleisch ĂŒbrig, wird ein BratenbegrĂ€bnis fĂ€llig. So nannte man frĂŒher ein Auflaufgericht aus Resten von Rinderschmorbraten. Das Bratenfleisch wurde dafĂŒr zusammen mit einer gleichen Menge frisch gekochter Kartoffeln und rohen, geschĂ€lten Apfelscheiben in eine Auflaufform gefĂŒllt und mit einem Gemisch aus Bratensauce, Ei und Saurer Sahne ĂŒbergossen. Geriebener KĂ€se obendrauf und ab damit zum Überbacken in den Ofen. Zu Senffleisch wurden Fleischreste verarbeitet, die man in Suppenfett und Bouillon einweichte, anschließend in einer Mischung aus Semmelbrösel, fein gehackten Zwiebeln, Petersilie, Salz und schwarzem Pfeffer wĂ€lzte und mit etwas Butter im Ofen aufbackte.

Übrig gebliebenes Fleisch aus Fondansatz oder KraftbrĂŒhen wurde gerne zu Dominikanerschnitten veredelt, dafĂŒr in Scheiben geschnitten und mit einer Farce aus Sardellenbutter, ParmesankĂ€se, Semmelbröseln, Eiern, Zitronenabrieb, Salz und Pfeffer bestrichen. Den letzten Schliff bekommen sie in der Pfanne gebraten und schließlich mit etwas flĂŒssiger Butter und Madeira ĂŒbergossen. Pannfisch kennt man vor allem in den kĂŒstennahen Regionen, wo es bis heute auf vielfĂ€ltige Weise variiert wird. Im Kochbuch meiner Oma ist es aus Resten von Stockfisch gemacht, der entgrĂ€tet und gehĂ€utet, dann feingehackt und schließlich mit gehackten Zwiebeln und in der Schale gekochten und anschließend geriebenen Kartoffeln in der Pfanne geschmort wird.

Und wenn die gierigen Fleischesser am Feiertag nur Kartoffeln ĂŒbrig gelassen haben? Dann gibt’s entweder die erwĂ€hnten Pseudo-Gnocchi oder den Spionstopf. Ist kaum ĂŒberliefert, das Gericht – was auch kein Wunder ist, bei dem Namen – aber wer es kennt, mischt dafĂŒr zermanschte Kartoffeln mit zerfetztem gekochten Schinken, bereitet eine Mehlschwitze zu und mischt sie mit BrĂŒhe zu einer Sauce. Der warme Kartoffel-Schinkenberg wird mit der Sauce ĂŒbergossen, mit gehackter glatter Petersilie garniert und schließlich mit zwei obenauf gesetzten und wachsweich gekochten Ei-HĂ€lften serviert. Die zwei Eier dĂŒrften auch den Namen erklĂ€ren: Sie beobachten dich wie das Augenpaar eines Spions.

Der kompottsurfer wĂŒnscht allen Lesern restlos genussvolle Feiertage.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Mittwoch, 12. Dezember 2018

kompottsurfers liebste Rezepte-Blogs (I): Arthurs Tochter kocht.

Rezepte bloggen ist einfach? Von wegen. Der kompottsurfer weiß nur zu genau, welche TĂŒcken da im Detail lauern. Wohl dem, der treue Leserinnen und Leser hat, die gleich aufmerken, wenn irgendwo was hakt oder nicht plausibel ist. Neulich kommentierte die geschĂ€tzte Kollegin Astrid Paul von Arthurs Tochter kocht via Facebook meinen Beitrag ĂŒber die vergessenen FleischstĂŒcke mit drei  sexy GrĂŒnkotz TrĂ€nen-emojis, weil die von mir angegebene Gartemperatur von 70° Celsius ihren Erfahrungen nach deutlich zu hoch sei. Astrid hat meinen großen Respekt als Mensch, Köchin und Bloggerin, und deshalb nehme ich ihr die Drama-Drama-Drama-Heulsusen auch ĂŒberhaupt nicht krumm.

Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich ein Botulinum-Schisser bin, und mich an Gartemperaturen unter 60° Celsius Sous-Vide nur mit Unbehagen heranwage. Und empfehlen will ich sowas erst recht nicht. Zumal die Denaturierung kollagener Strukturen im Fleisch erst ab 70° Celsius einsetzt und der von mir angesprochene Nierenzapfen mehr Kollagen enthÀlt als beispielsweise Filet und deshalb die 70° Celsius gut vertrÀgt, finde ich zumindest.

Soviel zur Vorgeschichte, die mich auf den Gedanken brachte, an dieser Stelle mal in loser Folge jene rezept-orientierte Blogs von Kolleginnen und Kollegen vorzustellen, die mir gefallen. Ja, es gibt unzÀhlige bei denen es ums Kochen geht, aber nur sehr wenige bringen neben den rein technischen Zubereitungsaspekten auch eine Prise kulinarischen Esprits mit. Astrids Blog ist so einer.

Wenn ich bei ihr vorbeischaue, werde ich gleich daran erinnert, warum der kompottsurfer Rezepte nur gelegentlich oder als Experimentierreihe veröffentlicht: Weil andere das viel besser können. Das detaillierte Beschreiben, das Anrichten vor allem und natĂŒrlich das Fotografieren. Nur Essen und Trinken kann ich mindestens genauso gut. Ist ja auch schon mal was.

Arthurs Tochter kocht hat in der letzten Dekade eine erstaunliche Entwicklung genommen und ist bei aller gewonnenen ProfessionalitĂ€t eine liebenswerte Adresse fĂŒr Freundinnen und Freunde kulinarischer GenĂŒsse geblieben. Als wir 2009 in Kontakt kamen und der kompottsurfer ihren neuen Blog in seine Empfehlungsliste aufnahm, konnte man nicht ahnen, dass Arthurs Tochter zum Paradebeispiel einer Web_2.0-Karriere auf kulinarischem Gebiet reĂŒssiert. Das liegt auch an der Art wie sie ihre Rezepte auswĂ€hlt, aufbereitet, einfĂŒhrt, kommentiert. So schreibt sie zu Pasta Alfredo, nur mal als Beispiel: “
. Ich verwende keine Sahne, Sahne an Pasta Alfredo geht NÄMLICH GAR NICHT und zieht Einreiseverbot nach Italien nach sich!”

Bald dĂŒrfte ihr Rezeptfundus zu einer Art Brockhaus mutiert sein. Und der geneigte Alltags- und Hobbykoch fragt sich: Wann zum Teufel bereitet sie das alles zu? Und vor allem: Wann isst sie das alles? Nach ĂŒbermĂ€ĂŸigem Konsum sieht sie nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht aus. Vielleicht liegt der SchlĂŒssel darin, dass sie so viel fĂŒr andere kocht. Alle vier bis sechs Wochen richtet sie daheim den so genannten Supperclub aus, wo einander oft unbekannte GĂ€ste am Chefs Table sitzen und Essen und Trinken auf eine gemeinschaftliche Weise genießen, wie das in Restaurants nur selten möglich ist. Dabei wissen wir doch: Kulinarische GenĂŒsse bereiten in Gemeinschaft gegessen mehr VergnĂŒgen als alleine. Einfach immer mal wieder auf ihrer Seite nach Terminen Ausschau halten. Sicher schickt Astrid auch Geschenkgutscheine fĂŒr Genießer raus, die ihren Liebsten noch wertvolle Gaben unter den Weihnachtsbaum legen möchten. Eines Tages werde ich mich auch mal an Astrids Tisch einfinden. DarĂŒber sinniert haben wir schon vor zehn Jahren. Hat nur leider nie geklappt. Der Wein, den ich dafĂŒr beiseite gelegt habe, ist ĂŒbrigens immer noch nicht ausgetrunken.

Nur wenige ihrer Geschichten beginne ich mit Widerwillen zu lesen, wie die ĂŒber ihre erste Kreuzfahrt. Warum? Weil ich mir zumindest einige wenige meiner hart erarbeiteten Vorurteile erhalten und nicht Gefahr laufen möchte bekehrt zu werden. Sollte ich jemals so einen schwimmenden Wasserpanzer betreten und damit raus aufs Meer fahren, soll mich auf der Stelle der Blitz treffen.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Montag, 03. Dezember 2018

Die Suche nach den vergessenen FleischstĂŒcken.

Deutscher Schnitt vom Rind in einem Kochbuch von Bocuse. Abbildungen von FleischstĂŒcken in Henriette Davidis Kochbuch von 1921

Wer beim Metzger seines Vertrauens in die Auslage blickt, erspĂ€ht zumeist die ĂŒblichen StĂŒcke Fleisch. Filet, Hack, Gulasch, Schnitzel und Kotelett vom Schwein; Filet, Hack, Gulasch, Ober- und Unterschale sowie Tafelspitz und diverse Steaks vom Rind. Vergeblich sucht der nach Abwechslung gierende Feinschmecker nach den besonderen Schnitten.

Ich erinnere mich noch gut an meine frĂŒhen Jahre als kochender Kerl, der aus seinem ersten selbst gekauften Kochbuch Rezepte von Altmeister Paul Bocuse nachzukochen versuchte. Eine Zubereitung aus dessen Werk “Die Neue KĂŒche” verlangte nach Rindfleisch aus der Schulternaht. Also latschte ich zum Metzger um die Ecke und fragte danach. Die VerkĂ€uferin schaute mich an als hĂ€tte ich Zahnfleisch vom Tyrannosaurus geordert, sagte, davon hĂ€tte sie noch nie gehört, wĂŒrde aber den Chef fragen. Und dass ich mich am nĂ€chsten Tag noch mal telefonisch melden sollte, dann wisse sie mehr. Ich tat wie geheißen, nur um zu hören, dass auch der Chef mit diesem StĂŒck Fleisch nichts anfangen konnte. “So etwas gibt’s nicht”, sagte er mir. Weil ich mit Ende Zwanzig weniger gelassen war als heute und es mir noch etwas ausmachte fĂŒr bescheuert gehalten zu werden, stiefelte ich mit meinem Bocuse-Kochbuch erneut zu besagter Metzgerei und zeigte mit dem Finger auf den im Buch abgebildeten Deutschen Schnitt vom Rind (s. Foto): “Ich meine dieses StĂŒck!” sagte ich zum anwesenden Metzgermeister, der einigermaßen verdattert dreinschaute und antwortete, den Schnitt wĂŒrde er im Schlachthaus nicht bekommen. Nun gut. Nach einigem Suchen fand ich schließlich einen anderen Metzger, der meine ungewöhnliche Fleischeslust befriedigen konnte. Und fĂŒrwahr, dieses StĂŒck Rind war ein Hochgenuss.

Wenn der Beef-Trend der letzten Jahre etwas Positives mitbrachte, dann einen neuen Blick auf diverse Schnitte aus dem Rind. Aktuell sind mal wieder Nierenzapfen angesagt und die haben nur so viel mit Innereien zu tun, dass es namentlich und zuordnungstechnisch einen Zusammenhang gibt. Der geschĂ€tzte Kollege Bert Gamerschlag vom stern erinnerte mich mit einem kĂŒrzlich veröffentlichten Beitrag an dieses besondere StĂŒck, das man auch als Kronfleisch oder Onglet kennt und an dem ich mich erstmals in meiner frĂŒhen “französischen Phase” versuchte, irgendwann in den 1990ern. Vorgestern hatte ich es mal wieder zubereitet. Vorausgegangen waren zwei Wochen Wartezeit. So lange dauerte es, bis der Metzger meines Vertrauens wieder schlachtete und dieses besondere, am Zwerchfell sitzende StĂŒck Muskelfleisch fĂŒr mich herausschneiden konnte. Was Nierenzapfen so außergewöhnlich macht ist ihre von feinen Fettadern durchzogene Maserung. Anders als bei RĂŒckensteaks verlĂ€uft der Muskel des Nierenzapfens quer zur Mittelsehne. Diese Mittelsehne stellt auch den anspruchsvollsten Teil der Zubereitung dar, bei der es darauf ankommt, das Fleisch vor dem Garen mit möglichst wenig Verschnitt von der Sehne zu befreien. Wer Fleisch mit besonderem Eigengeschmack sucht, sollte Nierenzapfen unbedingt probieren. Am besten gelingt er Sous-vide bei Niedrigtemperatur (ca. 70° C.) zubereitet und abschließend kurz und scharf angebraten.

Weitere außergewöhnliche FleischstĂŒcke vom Rind:
Das FledermausstĂŒck (auch Schablatti oder Spider, wegen der Spinnennetz Ă€hnlichen Marmorierung) ist ein besonderer Schnitt aus dem Hinterschinken.
Als MetzgerstĂŒck oder Petite Tender firmiert ein Teil aus der hinteren Schulter, das so heißt, weil es die Schlachter angeblich gerne fĂŒr sich selbst beiseite legen.
Das Große Bavette in Frankreich bekannt als Bavette d`Aloyau ist ein saftiges StĂŒck mit deutlicher Marmorierung aus der Flanke.
Aus der Unterschale geschnitten wird das RosenstĂŒck. Diese bindegewebsreiche Fleisch aus der Keule (umgibt die Achillessehne) eignet es sich fĂŒr langes Garen bei Niedrigtemperatur, am besten Sous-vide.

So, und nun viel VergnĂŒgen und gute Nerven bei der Bestellung.

_____

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF