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Dienstag, 22. Januar 2019

Gefährliches Geflügel: Warum Einkauf und Verzehr von Huhn und Pute sehr gut überlegt werden sollten.

Ende 2018 erschütterte ein Skandal um giftiges Geflügelfutter die Republik. Na ja, zumindest all’ jene von uns, die zwischen Advents- und Weihnachtsfeiern noch zum Lesen gekommen sind. Als es gegen Weihnachten Zeit wurde, die obligatorische Gans in den Ofen zu schieben, war die Geschichte auch schon wieder vergessen. Letzte Woche dann der nächste Aufreger. Auf eine Bundestagsanfrage von Anton Hofreiter (Bündnis 90 / Die Grünen) zur bakteriellen Belastung von Frischgeflügel teilte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit, dass bei Stichproben in hohem Maße das krankheitserregende Bakterium Campylobacter gefunden wurde. Die Problematik ist seit Jahren bekannt und taucht in vielen Varianten immer wieder auf. Auch der kompottsurfer berichtete darüber, zum Beispiel hier.

Es steht für mich außer Frage, dass wir es mit einem strukturellen Problem zu tun haben. Ob Fipronil im Ei, ESBL und MRSA im Putenfleisch oder Campylobacter im Masthähnchen – die großindustrielle Verarbeitung von Geflügel hat entscheidenden Anteil daran, dass die Sorge vor Gesundheitsschäden zum verlässlichen Begleiter bei Einkauf und Verzehr geworden ist. Neulich stieß ich im Agrar-Nachrichtendienst proplanta auf einen Beitrag aus 2016. Dort war folgendes zu lesen: “Aus einem 4 kg schweren Schlachtkörper eines Hahnes ergeben sich ca. 1,3 kg Keulen (mit Knochen), 1,2 kg Brustfilet und 1,2 kg Geflügelklein (Hühnersuppe), 80 g Leber und 150 g Fett. Werden die Schlachtkörper im Rahmen der Direktvermarktung abgegeben, sollte ein kostendeckender Preis von mindestens 8,00 EUR/kg Schlachtgewicht erzielt werden. Bei Teilstückvermarktung sind bei diesem Preisniveau für Brustfilet ca. 15,00 und für Keulen 10,00 EUR/kg zu kalkulieren, damit ein Erlös ähnlich dem beim ganzen Schlachtkörper zuzüglich zusätzlicher Zerlegekosten generiert werden kann.” Schlachtkörper, auf solche Wortschöpfungen kommen wahrscheinlich nur wir Deutsche. Aber davon ab: Wenn beim Direktvermarkter ein Verkaufspreis von 8 Euro als kostendeckend kalkuliert gilt, für ein Kilo Huhn mit allem verwertbaren Teilen, wie schaffen es dann die Discounter den teuersten Teil vom Huhn, nämlich das Brustfilet, für 4,49 bis 4,99 Euro pro Kilo anzubieten? Zumal da ja noch Händlermarge sowie Transport- und Verpackungskosten drin sind. Keine Frage, irgendwas muss dabei den Bach runtergehen. Ob Qualität, Sicherheit oder Tierwohl. Oder alles zusammen. Ich finde, da braucht es ein Umdenken von uns allen. Meinen Geflügelkonsum habe ich deshalb über die letzten Jahre deutlich reduziert. Mal ganz abgesehen davon, dass ich Hähnchen oder Putenbrust ohnehin nicht für eine kulinarische Delikatesse halte. Wildgeflügel ist eine ganz andere Geschichte. Krieg ich leider nur so selten zu fassen. Mit den Jahren hat mein Tempo nachgelassen – ich krieg’ die Viecher im Lauf einfach nicht mehr eingefangen.

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