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Samstag, 28. September 2019

Mein letzten Schluck aus der Plastikpulle.

Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß. Dieser schöne Satz stammt leider nicht von mir, sondern von Goethe, der sogar weit ausführlichere Einlassungen zur Natur verfasst hat. Ich schreibe das, weil mir nach einer Überleitung dellingscher Prägung zumute ist: Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben nämlich herausgefunden, dass – egal wie dicht du bist – Goethe Dichter war. Ach nee, das ist der Lieblingswitz meines Sohnes. Tatsächlich fand die Forschungsgruppe PlastX der Universität heraus, wie sehr in Plastikflaschen abgefülltes Mineralwasser von unzähligen, toxisch wirkenden Chemikalien traktiert wird. Wie war das noch? Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß? Und jetzt wird es erst richtig interessant, denn eigentlich wissen wir Wasser ja so zu behandeln, dass es uns Menschen ein freundliches Element ist. Aber wir tun es nicht. Und nicht nur mit Wasser gehen wir unerfreulich um, sondern auch mit anderen Lebensmitteln.  „Wir fanden in drei von vier getesteten Produkten schädliche Substanzen, darunter Chemikalien, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormonähnliche Effekte hervorrufen”, berichtet Lisa Zimmermann, Erstautorin der Studie. Sogar Bioplastik ist nicht so unbedenklich, wie es uns seine euphemistische Bezeichnung glauben machen möchte.

So leicht es ist, die große Lebensmittelindustrie für ihre Plastikverpackungen an den Pranger zu stellen, so schwer fällt es uns Konsumenten, unser Einkaufsverhalten zu ändern. Wir sind es doch, die das Zeug kaufen. Es ist noch keine zehn Jahre her, da besorgte ich mir auf dem Weg nach München im Umsteigebahnhof Kassel-Wilmhelmshöhe regelmäßig einen Coffee-2-go im Pappbecher für die Weiterfahrt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht ungesund und alles andere als nachhaltig ist, was ich da mache. Mit dem Kaffee war es natürlich nicht getan. Ich kaufte auch noch eine Literflasche Wasser, ebenfalls im praktischen Plastikgebinde. Und wenn ich ganz schlimm hungrig und nichts anderes aufzutreiben war, besorgte ich mir auch noch eines dieser plattgewalzten und akkurat zu zwei rechtwinkligen Dreiecken geschnittenen Sandwiches, ebenfalls in Plastik verpackt. Wenn ich einen Marathon lief, trank ich an den Verpflegungsständen aus Einwegplastikbechern, die ein paar Meter weiter in einen Müllsack geworfen wurden. Da regte mich nur auf, wenn andere Läufer ihre Becher nicht in den Müll, sondern achtlos in der Botanik entsorgten. Heute schmiere ich mir Butterbrote für unterwegs, fülle meinen knallblauen Hydro-Flask-Becher randvoll mit hausgemachtem Cappu und packe noch einen Liter Wasser (Glasflasche) mit ein. Das alles wiegt zwar ein bisschen was, aber meine Güte, was schleppe ich Tag für Tag nicht alles durch die Gegend. Da kommt es auf das bisschen mehr auch nicht mehr an.

Mein letzter Schluck aus der Plastikpulle liegt jetzt drei Monate zurück. Bahnfahrt aus den Alpen heimwärts. Alle Vorräte waren ausgetrunken und nirgendo Glasflaschen aufzutreiben. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: dieser Einkauf hat wehgetan. Zwei gewichtige Gründe sprechen also dafür, möglichst keine in Plastik verpackte Lebensmittel mehr zu konsumieren: Schutz der Umwelt und Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Braucht es mehr? Ich finde nicht. Packen wir’s an!

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