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Montag, 21. Oktober 2019

Ständig neue Studien zur Wirkung von Lebensmitteln auf unsere Gesundheit. Aber wie aussagekräftig sind sie?

Ganz ehrlich, es gibt Tage, da wische ich Meldungen über neue Lebensmittelstudien einfach weg. Wird in zwei Monaten sowieso widerlegt. Oder in zwei Jahren. Aber ich halte die Ignoranz nicht lange durch. Einmal eingenistet in meinem Hirn, martert mich der Gedanke, vielleicht wichtige Informationen verdrängt zu haben. Was, wenn ich Frühstück für Frühstück Obstmüsli vertilge, davon aber irgendwann Haarausfall bekomme? Oder schlimmeres? Plattfüße, zum Beispiel. Das alles nur, weil ich eine Meldung nicht gelesen habe. Ich mag es mir nicht ausmalen. Also sah ich sie mir an, diese frischen Nachrichten über rotes Fleisch. Da berichtete die Süddeutsche Zeitung vor einigen Tagen unter der Überschrift Entwarnung für rotes Fleisch? über eine kanadische Studie, wonach Menschen die Anzahl ihrer Fleischmahlzeiten (3-4 mal pro Woche) nicht einschränken bräuchten, da keine gesundheitliche Gefährdung drohe. Spiegel, stern, Zeit – überall war ähnliches zu lesen.

Das Plöppen der Champagner-Korken im Metzgerhandwerk war noch nicht verhallt, da widersprach Martin Smollich, Professor am Institut für Ernährungsmedizin der Universität Lübeck, jener Lesart der Studie, die Entwarnung für rotes Fleisch signalisierte. In einem unbedingt lesenswerten Beitrag auf Zeit Online verweist er auf fehlende Unabhängigkeit der Untersuchung, die von einem Lobby-Verband der texanischen Agrarindustrie gefördert sei. Deren erklärtes Unternehmensziel: die Rinderzucht in Texas fördern.

 Keine Frage, das allein reichte schon aus, der Untersuchung mit reichlich Skepsis zu begegnen. Aber Smollich weiß noch mehr zu berichten. Er schreibt, dass die Autoren der Studie selbst den Evidenzgrad ihrer Arbeit als gering einschätzen und namhafte Institutionen sich bereits der medialen Wucht der publizierten Ergebnisse entgegen stemmten.

Ja, so ist das in der meldungshungrigen Medienwelt von heute. Hauptsache schnell raus mit der Nachricht. Bei Studien– und das erwähne ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal – ist das besonders heikel. Zudem werden Ergebnisse oft wild interpretiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wirklich mühsam, als Verbraucher den Überblick zu behalten, was nun tatsächlich Stand der Wissenschaft ist und was nur Fantasie von Medienmachern. Und wo ich jetzt gerade erschrocken über eine kahle Stelle an meinem Kopf streiche und an mein Obstmüsli denke, fällt mir ein – es kommt nicht vom Essen, es kommt vom Haare raufen.

Wer weiter ins Thema einsteigen will, für den hat der kompottsurfer ein paar ältere Beiträge parat. Einfach mal reinschauen, zum Beispiel hier und hier.

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