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Dienstag, 17. Dezember 2019

Die zerfleischte Lust auf den Weihnachtsbraten.

Als ich im Januar dieses Jahres mal wieder über nachgewiesene Keimbelastungen bei Fleischprodukten vom Discounter schrieb, war es alles andere als eine steile These, hierzulande ein strukturelles Problem bei der großindustriellen Herstellung von Fleisch- und Geflügelwaren auszumachen. Aktuell beklagen nun die selbsternannten Essensretter von foodwatch einen eklatanten Mangel an Lebensmittelkontrollen in Deutschland. Das Problem ist alles andere als neu, nur wird es jetzt durch die Ankündigung aus dem zuständigen Bundeministerium befeuert, die Kontrollfrequenz senken zu wollen. Nach dem Motto: Wenn wir die vorgeschriebene Stichprobenzahl nicht schaffen, dann passen wir halt die Vorschriften an die Möglichkeiten an. Angesichts des Umstands, dass selbst die Zahl der vorgeschriebenen Kontrollen nicht mal ansatzweise ausreichen, die unfassbaren Mengen verpackter Frischfleischware stichprobenhaft auf Verderb und Keimbelastung zu prüfen, eine tickende Zeitbombe, wenn man mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.

Vor wenigen Wochen machte der stern mit einer Titelgeschichte über den Mangel an Staatsdienern auf. Und enthüllte, wie wenig die Ansicht vieler Bürger von einem aufgeblähten Staatsapparat mittlerweile noch mit den Tatsachen zu tun hat. Die über Jahre praktizierten Einsparungen mangels klammer öffentlicher Kassen haben dazu geführt, dass nicht zuletzt in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Polizei, Feuerwehr und Lebensmittelkontrolle Personalnot herrscht, vom Schul- und Justizwesen gar nicht zu reden. Dazu kommen die gestiegenen Ansprüche an behördliche Dienstleistungen beim Bürger.

Eine der wichtigsten Ursachen für die Misere aus meiner Sicht: die scheinbar unausrottbare Geiz-ist-geil-Mentalität in Deutschland. Wobei Differenzierung angebracht ist, geben wir doch gerne reichlich Geld für Urlaub, Auto, Möbel und Konzerte aus, betrachten aber jeden Betrag für behördliche Dienstleistungen als Wegelagerei. Auch beim Essen sind viele gern knausrig. Aber wehe, da stimmt was mit der Qualität nicht. Und so mixen wir uns als Staatsbürger und Verbraucher den gefährlichen Cocktail höchstselbst zusammen. Die Zutaten sind Billigware, Massentierhaltung und fehlende Kontrollen. Und die Umweltaspekte einer fleischlastigen Ernährung, zu der die Billigware führt, sind da noch gar nicht eingepreist.

Und so stehen wir nun da, kurz vor den Feiertagen, mit einer möglicherweise zerfleischten Lust auf den Weihnachtsbraten und fragen uns: Müssen wir wirklich auf Tofu-Steak umschwenken? Wenn es Sie beruhigt: Ich mache das nicht. Aber ich kaufe auch nicht massenweise Fleisch ein, billig schon gar nicht, und auch eine Mastgans kommt mir nicht auf den Tisch, Pute erst recht nicht. Am liebsten serviere ich ein Stück Wild, und damit gut. Solange wir ein Kilogramm Hähnchenfleisch (3,98 €) zum Preis von drei Tüten Chips einkaufen können, läuft gewaltig was schief. Und wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn uns schon bald der nächste Lebensmittelskandal erwischt.

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