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Sonntag, 22. Mai 2016

Bier (2): Preisabsprachen? Beim vielleicht besten Gerstensaft der Welt ziemlich sinnlos.

Strafzahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro vehĂ€ngte unlĂ€ngst das Bundeskartellamt gegen große Handelsketten wegen unerlaubter Preisabsprachen, die vor allem beliebte Biermarken und SĂŒĂŸigkeiten betrafen. Attraktiv sind solche Preisabsprachen natĂŒrlich nur, wenn die Umsatzmengen entsprechend hoch sind. Das kann vom besten Bier der Welt (wie es Delikatessenpapst Ralf Bos adelt) wahrlich nicht behauptet werden. 39,90 Euro werden fĂŒr eine Flasche (0,75 l) des edlen Neuschwansteiner Biers fĂ€llig, und die Produktionsmenge – der Bierausstoß  wie es im Fachsprech heißt – ist so gering, dass dem Preis vermutlich auch eine RaritĂ€tenkomponente innewohnt.

Wie auch immer, dieses bayerische MĂ€rzenbier betörend zu finden, ist nicht schwer. Die prĂ€gnante Bernsteinfarbe, der feine Schaum, die nicht minder feine und gleichmĂ€ĂŸige Perlung und die aromatische, unaufringliche WĂŒrze  machen es zu einem Edelstein unter den deutschen Bieren. Anders als viele Craft Biere und belgische SpezialitĂ€ten ist das Neuschwansteiner mit seinen 6 Vol.% Alkohol ungemein trinkig. Es macht nicht satt, sondern Lust auf mehr. Und das geht dann schon extrem auf den Geldbeutel.

Das Neuschwansteiner wird nach einer besonderen Braumethode hergestellt, die MĂ©thode Royale heißt. Mit Alpenwasser gebraut, durchlĂ€uft das Neuschwansteiner im Brauprozess einen so genannten Bernsteinfilter und schließlich einen Gefriervorgang, der den Alkoholgehalt auf 6 Vol. % stabilisiert. Keine Frage, dieses Bier rechtfertigt Lobeshymnen. Hicks!

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Bier (1); 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot, nur der Verbraucher hÀlt sich (manchmal) nicht daran.

Genau 500 Jahre ist es her, dass im Herzogtum Bayern folgender Erlass erging: Wir wollen auch sonderlichen, das fĂŒran allenthalben in unnsern Steten, MĂ€rckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer StĂŒckh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.
Seither gilt 1516 als Geburtsjahr des Reinheitsgebotes fĂŒr deutsches Bier. Laut Wikipedia soll es schon zu frĂŒheren Zeiten Brauordnungen fĂŒr Bier gegeben haben, aber das wĂŒrde jetzt zu weit fĂŒhren. Warum der kompottsurfer das Thema jetzt aufgreift, hat einen unerfreulichen Grund. Zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Monaten öffneten wir hier im Hause eine BĂŒgelflasche Pils, die statt angenehm herb duftendem Hopfenaroma eine unangenehme Aschenbechernote offenbarte.

Nach RĂŒcksprache mit der Brauerei ist das undelikate Delikt von Verbrauchern verursacht, die BĂŒgelflaschen als Aschenbecher missbrauchen. Gerade in der Grill- und Freiluftsaison, wo so mancher Flascheninhalt draußen gegluckert wird, ertrĂ€nken einige Biertrinker ihre glimmenden Zigarettenstumpen in fast leere Flaschen und verschließen sie dann mit dem BĂŒgel. Liebe Biertrinker: Bitte lasst diese Unsitte! Die Reinigungsanlage fĂŒr die Flaschen schafft es nicht immer, den extrem hartnĂ€ckigen Geruch, der sich an den mehrfach genutzten VerschlĂŒssen festsetzt, rĂŒckstandsfrei zu lösen. Und schon hat der nĂ€chste Biertrinker diesen wirklich ĂŒblen Gestank am Hals.

Das Reinheitsgebot ist also keinesfalls nur eine Sache der Brauer. Auch der Verbraucher kann seinen Beitrag leisten.

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