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Sonntag, 28. Mai 2017

Die Prepaid Card fĂŒr Bier aus dem Zapfhahn.

beer o' clock

Kaum bin ich in Annecy fĂŒr ein paar Stunden mit einem in Frankreich lebenden US-Amerikaner unterwegs, schon lande ich in einem Bierlokal. Der Begriff Kneipe wĂ€re fĂŒr Beer o’ Clock unpassend, weil das Bier aus dem Fass – die Franzosen nennen es Pression – selbst und eigenhĂ€ndig gezappft und per Prepaid Card bezahlt wird. “Das wĂŒrde bei uns in den USA niemals funktionieren”, sagte mir mein Begleiter. Denn damit es funktioniert, sind Ehrlichkeit und Aufmerksamkeit gefragt, und gerade Letzteres kommt einem bei erhöhtem Alkoholpegel schnell mal abhanden.

Geboten werden im Beer o’ Clock diverse Craft-Biere aus der ganzen Welt. Wechselnde SpezialitĂ€ten aus USA, Japan, Belgien, Tschechien, DĂ€nemark werden fassweise bereitgestellt und können aus einer Batterie ZapfhĂ€hne so lange abgefĂŒllt werden bis man abgefĂŒllt und die Prepaid Card aufgebraucht ist. Wer jetzt annimmt, hier torkelten die GĂ€ste unkontrollierbar zwischen Tresen und Tisch hin und her, wird ĂŒberrascht sein, dass es tatsĂ€chlich erstaunlich kultiviert zugeht. Ob das Konzept auch fĂŒr Massenbierausschank in großen Gastronomiebetrieben funktionieren wĂŒrde? Ich denke, eher nicht.

So interessant die Idee auch ist – ich mag es lieber, von einem leibhaftigen Wirt mein Bier gezapft und serviert zu bekommen.

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Sonntag, 22. Mai 2016

Bier (2): Preisabsprachen? Beim vielleicht besten Gerstensaft der Welt ziemlich sinnlos.

Strafzahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro vehĂ€ngte unlĂ€ngst das Bundeskartellamt gegen große Handelsketten wegen unerlaubter Preisabsprachen, die vor allem beliebte Biermarken und SĂŒĂŸigkeiten betrafen. Attraktiv sind solche Preisabsprachen natĂŒrlich nur, wenn die Umsatzmengen entsprechend hoch sind. Das kann vom besten Bier der Welt (wie es Delikatessenpapst Ralf Bos adelt) wahrlich nicht behauptet werden. 39,90 Euro werden fĂŒr eine Flasche (0,75 l) des edlen Neuschwansteiner Biers fĂ€llig, und die Produktionsmenge – der Bierausstoß  wie es im Fachsprech heißt – ist so gering, dass dem Preis vermutlich auch eine RaritĂ€tenkomponente innewohnt.

Wie auch immer, dieses bayerische MĂ€rzenbier betörend zu finden, ist nicht schwer. Die prĂ€gnante Bernsteinfarbe, der feine Schaum, die nicht minder feine und gleichmĂ€ĂŸige Perlung und die aromatische, unaufringliche WĂŒrze  machen es zu einem Edelstein unter den deutschen Bieren. Anders als viele Craft Biere und belgische SpezialitĂ€ten ist das Neuschwansteiner mit seinen 6 Vol.% Alkohol ungemein trinkig. Es macht nicht satt, sondern Lust auf mehr. Und das geht dann schon extrem auf den Geldbeutel.

Das Neuschwansteiner wird nach einer besonderen Braumethode hergestellt, die MĂ©thode Royale heißt. Mit Alpenwasser gebraut, durchlĂ€uft das Neuschwansteiner im Brauprozess einen so genannten Bernsteinfilter und schließlich einen Gefriervorgang, der den Alkoholgehalt auf 6 Vol. % stabilisiert. Keine Frage, dieses Bier rechtfertigt Lobeshymnen. Hicks!

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Bier (1); 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot, nur der Verbraucher hÀlt sich (manchmal) nicht daran.

Genau 500 Jahre ist es her, dass im Herzogtum Bayern folgender Erlass erging: Wir wollen auch sonderlichen, das fĂŒran allenthalben in unnsern Steten, MĂ€rckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer StĂŒckh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.
Seither gilt 1516 als Geburtsjahr des Reinheitsgebotes fĂŒr deutsches Bier. Laut Wikipedia soll es schon zu frĂŒheren Zeiten Brauordnungen fĂŒr Bier gegeben haben, aber das wĂŒrde jetzt zu weit fĂŒhren. Warum der kompottsurfer das Thema jetzt aufgreift, hat einen unerfreulichen Grund. Zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Monaten öffneten wir hier im Hause eine BĂŒgelflasche Pils, die statt angenehm herb duftendem Hopfenaroma eine unangenehme Aschenbechernote offenbarte.

Nach RĂŒcksprache mit der Brauerei ist das undelikate Delikt von Verbrauchern verursacht, die BĂŒgelflaschen als Aschenbecher missbrauchen. Gerade in der Grill- und Freiluftsaison, wo so mancher Flascheninhalt draußen gegluckert wird, ertrĂ€nken einige Biertrinker ihre glimmenden Zigarettenstumpen in fast leere Flaschen und verschließen sie dann mit dem BĂŒgel. Liebe Biertrinker: Bitte lasst diese Unsitte! Die Reinigungsanlage fĂŒr die Flaschen schafft es nicht immer, den extrem hartnĂ€ckigen Geruch, der sich an den mehrfach genutzten VerschlĂŒssen festsetzt, rĂŒckstandsfrei zu lösen. Und schon hat der nĂ€chste Biertrinker diesen wirklich ĂŒblen Gestank am Hals.

Das Reinheitsgebot ist also keinesfalls nur eine Sache der Brauer. Auch der Verbraucher kann seinen Beitrag leisten.

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