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Dienstag, 19. November 2019

Brauereibesichtigung bei Moritz Fiege: Darum machen die Bochumer so gutes Bier.

Historischer Braukeller Bei Moritz Fiege in Bochum (Foto: Fiege Brauerei)

Ich bin gerade im Stress. Aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht noch an meine Liste von Vorhaben fĂŒr 2019, die ich im vergangenen Dezember hier gepostet habe. Diese Liste droht mir schon bald schmerzhaft auf die FĂŒĂŸe zu fallen, so viel Gewicht das unerledigte Zeug immer noch hat. Deshalb also Stress. Weil ich es noch immer nicht hinbekomme, einfach zu sagen: Was interessiert ich mein GeschwĂ€tz von gestern. Aber gut, noch ist ja nicht der 31.12., und wenn ich mich ranhalte, krieg’ ich noch ein bisschen was weg, auf dass die Sache unter dem Strich wenigstens einigermaßen hinkommt. Und so nahm ich auch dankend an, als mein Laufkumpel Wolfgang fĂŒr interessierte Vereinskolleginnen und -kollegen eine Brauereibesichtigung bei Moritz Fiege organisierte. Die stand nĂ€mlich auch auf meiner To-Do-Liste 2019 und war noch nicht abgearbeitet.

Irgendwann in den frĂŒhen 1990ern hatte ich dort schon mal eine Besichtigung gemacht, aber die Erinnerung daran ist bestenfalls verschwommen, mein Zustand damals … – ich verzichte besser auf Details. Also lief ich dort letzte Woche stocknĂŒchtern auf, um mitzubekommen, wie mein erklĂ€rtes Lieblingspils gebraut wird. Der Status Lieblingspils hat ĂŒbrigens nur sehr bedingt mit Lokalpatriotismus zu tun. Der bildet kaum mehr als die perfekte Schaumkrone meiner Zuneigung. Entscheidend ist der Geschmack, Doppelschwör! Und zur Schaumkrone kommen wir spĂ€ter noch.

Zu Beginn des Rundgangs fanden wir uns im Fiege Fanshop auf dem GelĂ€nde der 1876 gegrĂŒndeten Privatbrauerei ein und wurden von einer Art BierkulturattachĂ© begrĂŒĂŸt, dessen Name mir entfallen ist; und ich verbitte mir jetzt jeden spekulativen Kommentar ĂŒber die GrĂŒnde meiner Amnesie. Wo war ich? Ach ja. Fanshop. Sowas haben die hier, weil die Fiege-Brauerei sich einer treuen AnhĂ€ngerschaft erfreut, die aus ihrer BierprĂ€ferenz kein Geheimnis macht, sondern sie der Welt gerne auf MĂŒtzen, Jacken, Shirts und VfL-Bochum-Schals prĂ€sentiert. Was auch daran liegt, dass die Fans die hopfenherbe Note von Fiege Pils gegenĂŒber Bierbanausen des öfteren verteidigen muss. Und das geht man am besten offensiv an.

WĂ€hrend der Tour erfuhren wir einiges ĂŒber den außergewöhnlichen Aufwand, den man hier vom Einkauf der Zutaten, ĂŒber den Brauprozess, bis hin zur AbfĂŒllung betreibt. Moritz Fiege ist eine von aktuell nur 17 Brauereien in Deutschland, die das Zertifikat slow brewing tragen dĂŒrfen. Wie der Name verrĂ€t, reift das Bier hier lĂ€nger als bei großen Marken, die auf Massenproduktion setzen und – meine Meinung – auch Massengeschmack bedienen. Einige dieser Brauereien verdĂŒnnen ihr Bier sogar nachtrĂ€glich mit Wasser. Kein Witz. Das VerdĂŒnnen (High Gravity Brewing) ist völlig legal, verstĂ¶ĂŸt auch nicht gegen das Reinheitsgebot, macht aber den Herstellungsprozess billiger. Der Trick besteht darin, mit höherer StammwĂŒrze zu arbeiten. Durch die VerdĂŒnnung wird das Bier schließlich auf das gewĂŒnschte Aromaprofil gebracht. Der Unterschied erinnert mich an Orangensaft. Den gibt’s entweder frisch gepresst oder aus Orangensaftkonzentrat. Zugestanden, nicht ganz vergleichbar, aber es geht in diese Richtung.

Jeden Monat ĂŒberprĂŒfen Experten der TU MĂŒnchen-Weihenstephan die geschmackliche QualitĂ€t der Biere. Einmal im Jahr findet zudem eine ÜberprĂŒfung durch das unabhĂ€ngige Slow-Brewing-Institut statt, wo RohstoffqualitĂ€t, Brauweise und Unternehmenskultur beurteilt werden. Nur wenn eine Brauerei in allen Bereichen Bestnoten abliefert, bekommt sie das Zertifikat fĂŒr die Dauer von einem Jahr zugesprochen.

Ich geb’s zu, ziemlich trocken das Ganze. Aber unser BierkulturattachĂ© brachte die vielen Fakten bei unserem Rundgang auf wunderbar kurzweilige Weise rĂŒber, und FlĂŒssigkeit gab’s am Ende auch noch reichlich. Erst durften wir uns im Braukeller das köstliche Zwickelbier (noch ungefiltert) selbst zapfen, dann ging’s hoch ins oberste Stockwerk des Fiege-Turms zur Verkostung aller aktuellen Sorten in der Zirbelstube – von Bernstein Hell bis zum klassischen Fiege Pils. Dazu gab’s die legendĂ€re Bochumer Currywurst von Dönninghaus mit scharfer Sauce.

Ja, richtig, da war noch was. Die Schaumkrone. Ich nutze die Gelegenheit, den Mann am Zapfhahn nach der berĂŒhmten 7-Minuten-Regel zu befragen, nach der angeblich ein Pils mit perfekter Schaumkrone ĂŒber diese sieben Minuten etappenweise gezapft werden soll. Die Wissenschaft hat das zwar lĂ€ngst widerlegt, aber was sagt der Praktiker? “Sieben Minuten ist tatsĂ€chlich Unsinn, aber drei bis vier Minuten halte ich schon fĂŒr nötig, damit die Schaumkrone eine gute Festigkeit bekommt.”

Ich kann die BrauKultTour bei Moritz Fiege uneingeschrĂ€nkt empfehlen. Die 16,50 Euro fĂŒr ein Ticket sind bestens investiert, zumal der Preis fĂŒr An- und Abreise mit Bus und Bahn (VRR) inbegriffen ist. Na dann, Prost!

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Sonntag, 28. Mai 2017

Die Prepaid Card fĂŒr Bier aus dem Zapfhahn.

beer o' clock

Kaum bin ich in Annecy fĂŒr ein paar Stunden mit einem in Frankreich lebenden US-Amerikaner unterwegs, schon lande ich in einem Bierlokal. Der Begriff Kneipe wĂ€re fĂŒr Beer o’ Clock unpassend, weil das Bier aus dem Fass – die Franzosen nennen es Pression – selbst und eigenhĂ€ndig gezappft und per Prepaid Card bezahlt wird. “Das wĂŒrde bei uns in den USA niemals funktionieren”, sagte mir mein Begleiter. Denn damit es funktioniert, sind Ehrlichkeit und Aufmerksamkeit gefragt, und gerade Letzteres kommt einem bei erhöhtem Alkoholpegel schnell mal abhanden.

Geboten werden im Beer o’ Clock diverse Craft-Biere aus der ganzen Welt. Wechselnde SpezialitĂ€ten aus USA, Japan, Belgien, Tschechien, DĂ€nemark werden fassweise bereitgestellt und können aus einer Batterie ZapfhĂ€hne so lange abgefĂŒllt werden bis man abgefĂŒllt und die Prepaid Card aufgebraucht ist. Wer jetzt annimmt, hier torkelten die GĂ€ste unkontrollierbar zwischen Tresen und Tisch hin und her, wird ĂŒberrascht sein, dass es tatsĂ€chlich erstaunlich kultiviert zugeht. Ob das Konzept auch fĂŒr Massenbierausschank in großen Gastronomiebetrieben funktionieren wĂŒrde? Ich denke, eher nicht.

So interessant die Idee auch ist – ich mag es lieber, von einem leibhaftigen Wirt mein Bier gezapft und serviert zu bekommen.

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Sonntag, 22. Mai 2016

Bier (2): Preisabsprachen? Beim vielleicht besten Gerstensaft der Welt ziemlich sinnlos.

Strafzahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro vehĂ€ngte unlĂ€ngst das Bundeskartellamt gegen große Handelsketten wegen unerlaubter Preisabsprachen, die vor allem beliebte Biermarken und SĂŒĂŸigkeiten betrafen. Attraktiv sind solche Preisabsprachen natĂŒrlich nur, wenn die Umsatzmengen entsprechend hoch sind. Das kann vom besten Bier der Welt (wie es Delikatessenpapst Ralf Bos adelt) wahrlich nicht behauptet werden. 39,90 Euro werden fĂŒr eine Flasche (0,75 l) des edlen Neuschwansteiner Biers fĂ€llig, und die Produktionsmenge – der Bierausstoß  wie es im Fachsprech heißt – ist so gering, dass dem Preis vermutlich auch eine RaritĂ€tenkomponente innewohnt.

Wie auch immer, dieses bayerische MĂ€rzenbier betörend zu finden, ist nicht schwer. Die prĂ€gnante Bernsteinfarbe, der feine Schaum, die nicht minder feine und gleichmĂ€ĂŸige Perlung und die aromatische, unaufringliche WĂŒrze  machen es zu einem Edelstein unter den deutschen Bieren. Anders als viele Craft Biere und belgische SpezialitĂ€ten ist das Neuschwansteiner mit seinen 6 Vol.% Alkohol ungemein trinkig. Es macht nicht satt, sondern Lust auf mehr. Und das geht dann schon extrem auf den Geldbeutel.

Das Neuschwansteiner wird nach einer besonderen Braumethode hergestellt, die MĂ©thode Royale heißt. Mit Alpenwasser gebraut, durchlĂ€uft das Neuschwansteiner im Brauprozess einen so genannten Bernsteinfilter und schließlich einen Gefriervorgang, der den Alkoholgehalt auf 6 Vol. % stabilisiert. Keine Frage, dieses Bier rechtfertigt Lobeshymnen. Hicks!

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Bier (1); 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot, nur der Verbraucher hÀlt sich (manchmal) nicht daran.

Genau 500 Jahre ist es her, dass im Herzogtum Bayern folgender Erlass erging: Wir wollen auch sonderlichen, das fĂŒran allenthalben in unnsern Steten, MĂ€rckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer StĂŒckh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.
Seither gilt 1516 als Geburtsjahr des Reinheitsgebotes fĂŒr deutsches Bier. Laut Wikipedia soll es schon zu frĂŒheren Zeiten Brauordnungen fĂŒr Bier gegeben haben, aber das wĂŒrde jetzt zu weit fĂŒhren. Warum der kompottsurfer das Thema jetzt aufgreift, hat einen unerfreulichen Grund. Zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Monaten öffneten wir hier im Hause eine BĂŒgelflasche Pils, die statt angenehm herb duftendem Hopfenaroma eine unangenehme Aschenbechernote offenbarte.

Nach RĂŒcksprache mit der Brauerei ist das undelikate Delikt von Verbrauchern verursacht, die BĂŒgelflaschen als Aschenbecher missbrauchen. Gerade in der Grill- und Freiluftsaison, wo so mancher Flascheninhalt draußen gegluckert wird, ertrĂ€nken einige Biertrinker ihre glimmenden Zigarettenstumpen in fast leere Flaschen und verschließen sie dann mit dem BĂŒgel. Liebe Biertrinker: Bitte lasst diese Unsitte! Die Reinigungsanlage fĂŒr die Flaschen schafft es nicht immer, den extrem hartnĂ€ckigen Geruch, der sich an den mehrfach genutzten VerschlĂŒssen festsetzt, rĂŒckstandsfrei zu lösen. Und schon hat der nĂ€chste Biertrinker diesen wirklich ĂŒblen Gestank am Hals.

Das Reinheitsgebot ist also keinesfalls nur eine Sache der Brauer. Auch der Verbraucher kann seinen Beitrag leisten.

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