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Dienstag, 29. September 2020

Küchenstehrümpel: Was brauchen wir wirklich zum Kochen?

Ich will ehrlich sein: In den Küchenschränken bei mir daheim steht viel Zeug herum, das so gut wie nie gebraucht wird. Obwohl ich mal dachte, so eine Küchenmaschine wäre unverzichtbar. Dieses elektrische Ungetüm mit Rührschüssel und dreitausendfünfhunderthaumichtot Funktionen, Einsätzen, Aufsätzen, Einstellungsmöglichkeiten. Verwende ich alle zwei Jahre mal, und dann auch nur deshalb, weil ich denke: kann ja nicht die ganze Zeit so ungenutzt vor sich hin gammeln. Oder der Rundhobel samt Käsebrett für Tête de Moine. Zuletzt benutzt, hmm, lassen Sie mich überlegen, ich glaube, Gerhard Schröder war da noch Kanzler. Letzte Woche hab‘ ich Weinverschlüsse entsorgt. Drei kegelförmige Dinger, mit denen man angebrochene Flaschen schick verschließen kann. Ganz ehrlich, ich weiß gar nicht, wo die alle hergekommen sind. Und auch nicht, was das sein soll – eine angebrochene Flasche. Die unzähligen Backformen, die ganz hinten im Schrank standen, habe ich schon vor Jahren in den Keller verbannt. Denn das einzige, was ich backe sind Pfannkuchen, und dafür braucht man, stimmt genau, keine Backform.

Vor ein paar Tagen hatte ich den neuen Küchenkatalog von manufactum in der Post. Eigentlich sollte ich derlei Gefahrgut gleich im Altpapier entsorgen, weil darin zu viele schöne Utensilien zu entdecken sind, die man voller Vorfreude kauft, aber dann doch so gut wie nie benötigt. Andersherum betrachtet stellt genau dieser Katalog auch Dinge vor, die für meine Art zu kochen unverzichtbar und von beachtenswerter Qualität sind. Aber was brauche ich wirklich? Und wäre es nicht sinnvoller, mehr Geld für höchste Qualität der Utensilien zu investieren, die langlebig sind und mir Tag für Tag weiterhelfen statt Schnickschnack anzuhäufen, der alle Jubeljahre mal Verwendung findet, ansonsten aber nur Platz verschwendet und nach der dritten Benutzung kaputt ist? Oder wie eine alte Nachbarin zu sagen pflegte: Ich bin zu arm, um billig zu kaufen. Bis heute steht eine Thermoskanne von ihr bei mir im Regal, die noch den zweiten Weltkrieg überstanden hat. Für die mache ich übrigens immer eine Ausnahme, wenn es ans Aussortieren geht. Benutze ich zwar fast nie, aber Erinnerungsstücke wie dieses genießen Sonderbehandlung.

Ich bin also gestern mal durch die Küche gegangen und hab’ geschaut, worauf ich keinesfalls verzichten will, sollte ich zum Beispiel mal in ein Tiny House am Waldrand umziehen. Übrig geblieben sind: Die Messer von Güde und Global samt Wetzstahl und Holzschneidebrett. Ein Stabmixer, den ich mir – von wegen zu arm, um billig zu kaufen – zeitnah unbedingt in hochwertiger Qualität zulegen muss, weil das Ding häufig in Betrieb ist und der alte längst Anzeichen von Schwäche zeigt. Dann ist da noch ein solider Krups Handmixer aus den 1970ern, der immer noch verlässlich Dienst tut und eine Stielkasserolle aus Edelstahl, die mir meine Mutter zum 25. Geburtstag geschenkt hat und nicht kaputt zu kriegen ist, trotz intensiver Nutzung. Auch die alten Apothekengläser zur Aufbewahrung von Gewürzen möchte ich nicht missen. Neu in die Liste der für mich unverzichtbaren Gegenstände hat es die Eisenpfanne von Turk geschafft. Zwischen unverzichtbar und kann weg gibt es noch eine große Grauzone, deren Anwachsen man unbedingt verhindern muss. Denn je größer die Grauzone, um so mehr Kandidaten finden sich im nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: aussortieren, bitte!

Im Grunde ist es mit Küchenutensilien wie mit Kleidung. Was man zwei Jahre nicht mehr in Gebrauch hatte, kann weg. Und jetzt, viel Spaß beim Aussortieren. Trinken Sie ein Glas Sekt dabei, und machen Sie ein Event daraus. Dann kann die Prozedur sogar lustig werden. Versprochen!

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Montag, 14. September 2020

Gesünder ernähren durch Erbgut-Analyse: geniale Lösung oder Augenwischerei?

APOE (Bildquelle gemeinfrei, Rupp, B., Peters-Libeu, C.A. - RCSB Protein Data Bank)

Vor einigen Jahren trainierte ich regelmäßig mit einem Sportkollegen, der unbedingt ein Sixpack wollte. Nennen wir ihn hier mal Peter. Peter tat eine Menge dafür, wie er meinte. Er ging regelmäßig laufen, machte Krafttraining, spielte Fußball und ernährte sich ausgewogen. Trotzdem wurde er seinen leichten Bauchansatz nicht los.

Da Peter wusste, dass ich mich ausgiebig mit Sport und Ernährung beschäftige, fragte er mich immer wieder, was er noch tun könne. Meine Lieblingsantwort: Wenn du ein Sixpack willst, geh’ in den Getränkemarkt, und kauf’ dir ein Fiege-Häuschen. Er lachte dann kurz, und ich hatte erstmal erreicht, was ich wollte – er wurde lockerer. Mit Verbissenheit kommt man dem Thema Ernährung nämlich nicht bei, davon bin ich überzeugt. Essen ist nicht nur Sättigung, sondern auch Genuss, vor allem aber Teil unseres Sozialverhaltens. Wir Menschen essen, um zu feiern oder uns zu belohnen, um Entspannung zu finden oder Trost. Solange wir das nicht verinnerlicht haben, hat jeder Versuch die eigene Ernährung zu verändern beste Chancen, krachend zu scheitern.

Über Monate besprachen wir seine Ernährung, und ich gab verschiedene Tipps, die aber alle nicht zum gewünschten Ziel führten. Was also tun? Peter überlegte ernsthaft, einen vierstelligen Betrag für eine Gen-Analyse zu investieren. So viel kostete das damals noch. Ich war erschrocken, wie ernst ihm die Sache war, ertappte mich aber auch dabei, den Betrag umgehend in Restaurantbesuche umzurechnen, die man dafür unternehmen könnte. “Warum willst du das überhaupt, das Sixpack?”, fragte ich ihn. Er schwieg eine Weile und sagte dann: “Weil mir nicht gefällt, wie ich bin.” Ich weiß nicht mehr, was ich darauf antwortete, aber jetzt, wo ich darüber schreibe, kommt mir ein Zitat von Baruch de Spinoza in den Sinn, wonach es das Ziel unseres Lebens sei, zu sein, was wir sind und zu werden, was wir werden können. Aber was können wir werden? Klüger? Gelassener? Schlanker? Six-packiger? Können uns die Gene vielleicht sagen, ob wir das werden können, was wir werden wollen auf der Basis dessen, was wir sind?

Das Thema hat jedenfalls Hochkonjunktur. Es vergeht kaum eine Woche, wo ich nicht in irgendeiner Zeitschrift, TV- oder Radiosendung mit Beiträgen über die Frage nach der Nützlichkeit von Gen-Tests konfrontiert werde. Meist mit Bezug auf individuell passende Diäten. Tatsächlich können Gene zum Beispiel Auskunft über den Fettstoffwechsel geben, wie das Protein APOE4. Es soll hohe Cholesterinspiegel begünstigen, die wiederum mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose in Verbindung gebracht werden. Wenn ich das weiß, könnte ich also auf bestimmte fettreiche Nahrungsmittel verzichten, die nachweislich negative Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel haben. Aber die wenigen, die das tun, sollten wir ohnehin meiden. Zumal die Geschichte mit den Fetten und dem Cholesterinspiegel sowieso eine so komplizierte wie umstrittene Angelegenheit ist, wie ich in anderen Beiträgen schon mehrmals erwähnte. Wo liegt also der Nutzen? Und wenn es tatsächlich stimmt, dass APOE4 auch als Marker für ein erhöhtes Risiko steht, an Alzheimer zu erkranken, dann frage ich mich: Will ich das wirklich wissen? Solange kein Kraut gegen Alzheimer gewachsen ist, vermutlich nicht.

Als Erfolg versprechendes Mittel gegen Übergewicht, sehe ich Gen-Tests eher nicht. In Einzelfällen mag es sinnvoll sein, aber wie schon die Ergebnisse der europäischen Studie food4me nahelegen, ist nicht die Tiefe des Hintergrundwissens und der Ernährungsberatung wichtig (die ja auch nach einem Gen-Test erfolgen soll), sondern der Umstand, dass überhaupt eine Beratung stattfindet. Womit ich wieder bei meinem Kumpel Peter wäre. Was soll ich ihm sagen? Er hat kein Übergewicht, ist auch ansonsten kerngesund und treibt regelmäßig Sport. Ich werd’ ihm wohl wieder sagen: Wenn du ein Sixpack willst, geh’ in den Getränkemarkt und kauf’ dir ‘nen Fiege-Häuschen mit sechs Bügelflaschen Pils.

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Sonntag, 09. August 2020

Öffentliche Obstwiesen: Regionaler und billiger geht’s nicht.

Gestern war ich mal wieder länger zum Laufen unterwegs. Der Hitze wegen starteten wir früh. Als ich um 6 Uhr morgens aus der Haustür komme, um Richtung Treffpunkt Weitmarer Holz zu traben, liegt die Temperatur bei 17° Celsius. BBBRRR. Wenn ich mir da mal keine Frostbeulen hole, so wie ich unterwegs bin, in kurzer Buxe und T-Shirt, witzelt es mir im Kopf herum.

Kaum brechen die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel, zieht die Temperatur an, und mir steigt unvermittelt der Duft von Brombeeren in die Nase. Ein Blick nach Links, einer nach Rechts – Bingo! Brombeersträucher. So industriell und urban das Ruhrgebiet auch strukturiert ist – was den Bewuchs selbst kleinster Grünflächen mit Brombeersträuchern angeht, reicht uns niemand das Wasser. Wir sind die Weltmetropole der Brombeerbüsche. Die meisten davon sind frei zugänglich, trotzdem verenden jedes Jahr Millionen wilder Brombeeren elendig am Strauch, sträflich ignoriert von uns Bürgern, die sich von ein paar Dornenzweigen abschrecken lassen. Könnte ja ein paar Kratzerchen geben an unserer Nivea verwöhnten Streichelhaut.

Bei mir ist sowieso alles zerknittert, zerkratzt und nix mehr zu retten, deshalb greife ich immer zu, wenn ich irgendwo reife Brombeeren entdecke. Ob sie reif sind, entscheidet der Zupftest. Lassen sich die Beeren nicht mit einem ganz leichten Zupfen vom Strauch lösen, sind sie noch unreif und schmecken sauer. Bei der einen oder anderen Beere ignoriere ich das mal, wenn nichts Reifes zu finden ist. Der innere Drang ist zu stark. Unterwegs einfach Essen vom Strauch pflücken können, finde ich unwiderstehlich. Wahrscheinlich bricht da der Urmensch in mir durch.

Nun sind Brombeeren nicht die einzigen Früchte, die man im Ruhrgebiet einfach so ungestraft abpflücken kann. Auch bei Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Kirschen kann man Glück haben. Einige Städte und Gemeinden machen inzwischen über die Medien Werbung für das Ernten von Obst auf öffentlichen Wiesen. Natürlich ist das nur für den Privatgebrauch zulässig. Man kann da also nicht mit Auto und Erntehelfern aufkreuzen und das Zeug nachher am Straßenrand vertickern.

Im Netz finden sich unter essbare Stadt und mundraub zahlreiche Ortsangaben fürs kostenlose Ernten. Eignet sich auch prima als Familienausflug mit kleinen Kindern. Und anschließend wird mit den Äpfeln, Birnen oder Pflaumen noch ein leckerer Kuchen gebacken.

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Samstag, 23. Mai 2020

Der Ausbruch in Leer und die neue Realität im Restaurant: Gäste sollten Geduld, Disziplin und Gelassenheit pflegen.

Ich bin ein vorsichtiger Mensch. Zumindest solange ich keine Wetten auf Ergebnisse meines Lieblingsvereins VfL Bochum abschließen soll. Da tippe ich sogar auf Sieg, wenn der Gegner im Pokal Bayern München heißt und unsere Truppe zeitgleich in der Zweiten Fußballbundesliga gegen den Abstieg kämpft. Nun wurde ich nach meinem letzten blog-Beitrag gefragt, welche Prognose ich für die Zukunft der Gastronomie in Corona-Zeiten abgebe. Wie gefährlich sind die Lockerungen für die Gäste? Wie gefährlich die wirtschaftlichen Folgen des eingeschränkten Betriebs? Ich musste lange überlegen, im Grunde überlege ich noch immer.

Gerade als ich diesen blog-Beitrag schreiben und von meinem ersten Gastronomiebesuch seit Beginn der Lockerungen berichten wollte, hörte ich von Corona-Infektionen in einem Restaurant im niedersächsischen Leer, wo sich 11 Personen mit dem Virus angesteckt hatten. Was war dort passiert? “Nach ersten Erkenntnissen ist das Infektionsgeschehen vor Ort nicht auf einen normalen Restaurantbesuch zurückzuführen”, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann gegenüber der Presse. Ursache soll eine größere private Feier in einem Restaurant gewesen sein, das die Veranstaltung im geschlossenen Kreis bewirtet habe. Wobei, wie der NDR berichtet, Zeugen ausgesagt hätten, dass Gäste Hände schüttelten, keinen Mund-Nase-Schutz trugen und den Mindestabstand nicht einhielten. Wer immer noch denkt, der Corona-Spuk sei vorbei und die Maßnahmen der letzten Monate für übertrieben hält, bekommt am Beispiel Leer vorgeführt, wie heikel es werden kann, wenn Vorgaben nicht exakt eingehalten werden.

Ich war jedenfalls voller Vetrauen und Zuversicht vor meinem ersten Gastronomiebesuch. Die Wahl fiel auf eines meiner Lieblingscafés in Bochum, ein Lokal mit großem Freiluftbereich. Bevor ich mich vielleicht schon bald irgendwo in den Innenraum eines Restaurants begäbe, wollte ich erstmal antesten, wie ich draußen klarkomme. Rein psychisch. Denn wirklich geheuer ist mir das Ganze nicht, und das noch bevor ich wusste, was in Leer passiert war.

Als ich nun auf das Café zusteuere, sehe ich auf dem Bürgersteig, rund um die Tische, rote Linien und Pfeile aufgemalt, oft daneben geschrieben: die Dezimalzahl 1,5. Mindestabstand in Meter. Unter einem Sonnenschirm vor dem Eingang sitzt ein maskierter junger Mitarbeiter und gibt freundlich Zettel an die Neuankömmlinge aus. Wer keinen eigenen Stift zum Ausfüllen dabei hat, kann sich einen ausleihen, frisch desinfiziert. In den Tiefen meines Rucksacks finde ich einen roten Kugelschreiber mit der Aufschrift Vin de Bordeaux und trage ein, was gefordert ist: Name, Alter, Adresse. Keine Telefonnummer, keine Mailadresse. Auch gut. Zettel zurück. Danke. Jetzt kann ich mich setzen und meine Bestellung aufgeben.

Ich schaue mich um. Alle Tische draußen sind besetzt. Das freut mich für den engagierten Chef des Hauses, den ich schon seit Jahrzehnten kenne. Ist die Anmeldeprozedur erstmal erledigt, läuft alles beinahe normal, wie mir scheint. Die meisten Gäste wirken routiniert, so als ob sie seit der Wiedereröffnung der Gastronomie nahezu jeden Tag irgendwo auswärts zu Tisch gesessen hätten. Maske auf beim Gang auf die Toilette, Maske runter wenn man wieder am Tisch sitzt. Der Chef bringt mir meinen Cappuccino, und ich frage ihn, wie es denn so läuft unter den Corona-Auflagen. Die erste Woche sei gut gelaufen, berichtet er mir. Aber dann sei bei mehr und mehr Gästen Ungeduld aufgekommen. Das Verständnis dafür, dass unter den Auflagen alles ein bisschen länger braucht, bröckelt. Das passt zu den Vorgängen in Leer. Keine Frage: Unbesonnenheit ist nicht das Mittel der Wahl, das Virus in Schach zu halten, sie grenzt sogar an Verantwortungslosigkeit.

Der Ausbruch in Leer hat auch eine positive Seite, und damit ist jetzt nicht das Testergebnis der Gäste gemeint. Sondern die wachrüttelnde Wirkung, die das Geschehen dort hat. Gastronomen und Gäste dürfen nicht vergessen, wie wichtig die Einhaltung der Regeln ist. Denn niemand will in eine zweite Welle oder gar einen zweiten Lockdown geraten. Und noch etwas Positives gibt es: Die Gesundheitsbehörden können zeigen, wie gut es mit der Nachverfolgung inzwischen klappt und wie sicher sich das lokale Ausbruchsgeschehen eindämmen lässt.

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Donnerstag, 23. April 2020

Was man so alles essen und trinken kann: Zehn kuriose Lebensmittel und Getränke

Eine alte Freundin postete kürzlich einen bebilderten Beitrag auf Facebook, der mich irrierte. Ach was, höflich untertrieben. Ich war geradezu empört. Da bewirbt eine Firma doch tatsächlich Infektionsburger. Wie geschmacklos ist das denn bitte, in diesen Zeiten? Ich stellte mir ein paar zynische Werbefuzzis vor, die sich ins Fäustchen lachen, weil sie mit ihrer grenzdebilen Werbung viral richtig steil gehen und Aufmerksamkeit für irgendein dämliches Produkt generieren. Dann las ich noch mal genauer. Upps. Es ging nicht um absonderliche Infektionsburger, sondern um ganz normale Insektenburger. Ich war schlagartig beruhigt und atmete tief durch. Wie konnte ich bloß auf Infektionsburger kommen? Verseuchtes Fleisch aus dem Kühlregal im Supermarkt, tss, wo gibt’s denn sowas? Hätte mir gleich auffallen müssen, dass da was nicht stimmen konnte.

Insektenburger also. Die gibt es tatsächlich schon eine ganze Weile in Deutschland zu kaufen, und es wurde auch schon mehrfach darüber berichtet. Sie wollen wissen, ob ich die Dinger schon mal probiert habe? Na, was glauben Sie? Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Einmal in der Woche ist bei mir Insekten-Day. Da gibt’s zur Vorspeise In-Sekt. Gerade besonders angesagt: Der Stoff aus dem Sekthaus Raumland. Ja, tut mir ehrlich leid, aber ich konnte diesen total flachen Witz einfach nicht liegen lassen. Ich liebe flache Witze. Da müssen Sie leider durch. Wo war ich? Ach ja, Insekten. Nein, so einen Burger hab’ ich noch nicht gegessen, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, so ein Ding mal zu probieren.

Nun ist so ein Insektenburger beileibe nicht das einzige kuriose Lebensmittel, dessen pures Vorhandensein mich schon überrascht. Hier meine aktuelle Top 10 der gewöhnungsbedürftigsten Lebensmittel und Getränke:

1. Balut // gekochtes Enten-Embryo-Ei // Spezialität aus Südostasien // Eier werden ausgeschlürft wie Austern
2. Durion // auch als Kotzfrucht bekannt // tropische Frucht des Durianbaums // komplexes Aromenspektrum mit lauchigen, käsigen aber auch süß-fruchtigen Noten
3. Kopi Luwak // Kaffee von der Insel Java // die Bohnen werden von Schleichkatzen gefressen und bis auf die Schale unverdaut wieder ausgeschieden
4. Casu Marsu // Schafskäse aus Sardinien // reift so lange, bis er von Maden befallen wird, die dem Käse eine cremige Textur und besonderes Aroma verleihen // die lebendigen Maden werden mitgegessen
5. Kobraschnaps // wird auf der Basis von Reiswein hergestellt // enthält den Körper einer Kobra und deren teils giftigen Sekrete, die aber durch den Alkohol neutralisiert werden // in Asien als Potenzmittel geschätzt
6. Insektenburger // enthält gezüchtetete Buffalowürmer sowie u.a. Soja und Gewürze // aktuell bei REWE erhältlich
7. Kumys // vergorene Stutenmilch // es gibt verschiedene Herstellungsverfahren, eines basiert auf einer mehrtägigen Lagerung der Milch in geräucherten Behältern // u.a. beliebt in der Mongolei und Kirgisistan
8. Hákarl // umgangssprachlich auch Gammelhai genannt // fermentiertes Fleisch des Grönlandhais //früher wurde der ausgenommene Hai monatelang zum Reifen vergraben, heute reift er in Holzkisten und wird anschließend getrocknet
9. Surströmming // Hering, der in Salzlake eingelegt wird und mittels Milchsäuregärung  haltbar gemacht wird // Schwedische Spezialität mit faulig-stinkender Geruchsnote
10. Smalahove // Norwegisches Schafskopfgericht, teils mit, teils ohne Hirn zubereitet // Augen und Ohren werden traditionell zuerst verspeist

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Donnerstag, 16. April 2020

Das Spargel-Bärlauch-Prinzip

Kürzlich erheiterte mich ein Beitrag des Zukunftsforschers Matthias Horx über Die Welt nach Conora. Horx entwirft darin ein erstaunlich positives Szenario über ein mögliches Geschehen nach der Corona-Krise. Für einen Moment gewundert habe ich mich allerdings über seine Frage, ob der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher schmecken wird. Was für eine Frage! Warum sollte es nicht wie früher schmecken? Natürlich weiß ich, dass man als Infizierter zeitweilig das Geruchs- und Geschmacksempfinden verlieren kann. Aber auf dieser Spur ist Horx gar nicht unterwegs. Er will seine Leser in eine besondere Übung leiten, die er Regnose nennt: Worüber werden wir uns rückblickend wundern? Und nimmt sich die Freiheit des Autors, auf seine Fragen erst einmmal selbst zu antworten. Verzichte, so sagt er, “müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte.”

Ich bin zwar schon oft Intervalle gerannt, habe aber noch nie Intervall gefastet. Trotzdem ist mir einigermaßen klar, was Horx meint. Und vielleicht wird es nach Corona tatsächlich so sein, dass wir Dinge, von denen wir dachten, sie seien selbstverständlich, wie mit Freunden gemeinsam bei Tisch zu sitzen, zu essen und Wein zu trinken, wieder mehr zelebrieren werden. Ich will ehrlich sein: So viele schöne Dinge habe ich in der Vergangenheit nicht gemacht, weil ich dachte: kann ich ja immer machen. Von wegen. Jetzt schmiede ich schon Pläne, welche Freunde ich alle einladen und was ich für sie kochen werde, wenn Corona durch ist. Und mit welchen Weinen wir uns betrinken, weiß ich auch schon. Das hält mich aufrecht. Pläne schmieden ist wunderbar, erst recht, wenn sie mit kulinarischem Genuss in Gemeinschaft einhergehen.

Nun wird uns Corona aber wohl noch für eine Weile auf Abstand halten im Freundeskreis, zumindest physisch. Andere Dinge, von denen ich dachte: kann ich ja immer machen, kann ich jetzt tatsächlich endlich mal machen. So oft vorgenommen, so selten in die Tat umgesetzt. Wie Brot backen zum Beispiel. Oder Maracarons. Der geschätzte Kollege Bert Gamerschlag erinnerte mich mit seinem Beitrag über bevorratendes Einkochen im stern kürzlich daran, dass da auch noch Übungsfelder brach liegen, auf denen ich mich immer schon ausprobieren wollte, zumal in den Erbkochbüchern meiner Großmütter so viele reizvolle Beispiele zu finden sind. Als kleine Motivationshilfe für mehr experimentelles Engagement in meiner Küche hab’ ich mir ein neues Kochmesser aus der Solinger Manufaktur Güde gegönnt, über die ich hier schon mal berichtete. Das gute Stück hat die Zwischengröße 16 cm, sowas fehlte noch im Arsenal, irgendwie. Man muss sich das nur lange genug einreden.

Ich nehme mir also für die nächste Zeit vor, konsequenter nach dem Spargel-Bärlauch-Prinzip zu leben. Das heißt: die Dinge machen, für die jetzt Saison, also Zeit ist. Wie Max Frisch einmal sagte: “Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.” Ich bin gespannt, ob ich meinen Experimenten katastrophalen Beigeschmack nehmen kann. Und sicher über das eine oder andere hier berichten.

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Sonntag, 15. März 2020

Das Corona-Virus und der Hamsterkaufreflex

Es wird gehamstert als stünden Rationierungen kurz bevor.

Haben Sie schon mal von der Hypothese der somatischen Marker (SMH) gehört? Wenn ja, Respekt! Sie sind entweder Hirnforscher oder gut belesen. Mir jedenfalls war dieser Begriff aus der Neurobiologie noch bis vor wenigen Wochen vollkommen unbekannt. Dann las ich in Richard David Prechts Werk Eine Geschichte der Philosophie (Band II) über Baruch de Spinoza (1632-1677) und welchen Einfluss der große Denker und Rationalist auf die Arbeit des portugiesischen Hirnforschers António Damásio hat. Ja, genau – António wer? Zum Glück gibt’s Wikipedia: Damásio ist Professor für Neurologie und Psychologie am Brain and Creativity Institute der University of Southern California, wo man sich, unter anderem, mit Forschungen über das menschliche Entscheidungsverhalten befasst.

Sie ahnen sicher schon, worauf ich hinaus will: Warum kaufen wir in Deutschland in der Corona-Krise wie die Irren Klopapier, Nudeln und alle möglichen Lebensmittel auf Vorrat? Gestern war beim Biobäcker meines Vertrauens doch tatsächlich schon am späten Vormittag alles Brot ausverkauft. Auf meine Frage an die Verkäuferin, ob wegen Corona die Backstube nicht mehr in voller Belegschaftsstärke arbeiten könne, antwortete sie: “Nein, es wird einfach mehr gekauft. Sie glauben es vielleicht nicht, aber es gibt wirklich Kunden, die bis zu sieben frische Brote einkaufen, um alles einzufrieren. Zur Sicherheit.”

Das war der Moment, wo ich mich fragte: Warum machen Menschen das? Hamstern. Trotz ungefähr 99%-iger Übereinstimmung von menschlicher und hamsterlicher DNA hatte ich gedacht, das eine Prozent würde stärker ins Gewicht fallen. Wie auch immer, die Frage ließ mich nicht mehr los, bis mir plötzlich Spinoza, Damásio und die Hypothese der somatischen Marker wieder einfielen, wonach es – jetzt wird es sprachlich etwas ungelenk – im Menschen verkörperlichte emotionale Erfahrungen sind, die seine Entscheidungen beeinflussen. Auf der Grundlage von Untersuchungen bei Menschen mit Hirnverletzungen im Präfrontalen Cortex, die nachweislich negative Auswirkungen auf deren Entscheidungskraft hatten, schließt Damásio (wenn ich es einigermaßen richtig verstanden habe), dass der Mensch in Situationen, die Entscheidungen verlangen, zunächst über das “Emotionsgedächtnis” nach Informationen sucht. Das, sagt Damásio, ginge am schnellsten. In der Evolution des Menschen eine möglicherweise schon früh angelegte Hirnfunktion, da man sich damals zum Überleben viel mehr auf seine Sinne verlassen musste. Der Präfrontale Cortex empfängt, vereinfacht gesagt, Reizsignale der Sinnesorgane und übernimmt die Integration von Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen. Wir sehen also ein leeres Supermarktregal, hören im Radio was von Quarantäne und denken: Scheiße, jetzt muss ich aber schnell Klopapier kaufen. Jedenfalls so ungefähr. Nur geht es ja nicht jedem Mitbürger so. Was bedeutet, jeder Hamsterkäufer wird von irgendwas aus der Vergangenheit getriggert, was seinen Kauftrieb auslöst. Als Kind vielleicht mal hilflos ohne Klopapier auf der Toilette gesessen? Könnte sein. Im Zweifel hilft der Psychologe bei der Ursachenforschung.

Erst kürzlich hatte ich hier Vorschläge für die Vorratshaltung an Lebensmitteln gemacht, damit man im Notfall nicht jeden Tag Nudeln essen muss. Hamsterkäufe waren damit nicht gemeint, nur damit keine Missverständnisse aufkommen und es nachher nicht heißt: Der kompottsurfer ist Schuld. Ich bin da ausnahmsweise mal mit der zuständigen Bundesministerin, Frau Klöckner, einig, die gestern sagte: “Ich appelliere daher an die Bürger, ihre Vorräte mit Bedacht, Augenmaß und umsichtig aufzustocken – dann ist genügend für alle verfügbar, die Regale werden zeitnah wieder aufgefüllt. Unnötige Hamsterkäufe führen leider häufig dazu, dass Lebensmittel letztlich in der Tonne landen.“ Hier sehe ich tatsächlich das viele größere Problem im aktuellen Kaufverhalten. Nämlich, dass am Ende der Krise noch mehr Lebensmittel auf dem Müll landen als ohnehin schon. Von einer Situation, die zu staatlich limitierter Lebensmittelzuteilung führt, sind wir weit entfernt. Vorausgesetzt, wir alle behalten die Nerven.

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Samstag, 22. Februar 2020

Fastenzeit? Keine Zeit.

Keine Ahnung, ob es irgendwen interessiert – aber ich bin definitiv raus, wenn dieser Tage die Fastenzeit beginnt. Statt dessen werde ich weitermachen wie immer und so maß- wie lustvoll essen. Ostern werden mir dann die Hosen weder aus den Nähten geplatzt, noch auf die Arschritze gerutscht sein. Das Geld, das ich für den Einkauf passender Kleidung einspare, kann ich dann in eine gute Flasche Wein investieren. Damit könnte ich das Thema eigentlich abhaken, wenn da nicht die Neugierde wäre. Warum machen Menschen sowas überhaupt? Also fasten natürlich, nicht Wein trinken. Für Letzteres würden mir nämlich reihenweise Gründe einfallen.

Gefastet wurde schon bei den alten Griechen. Der Philosoph Empedokles, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte, ist daran nicht ganz unschuldig. Empedokles zählt zu meinen antiken Helden (aber nicht wegen des Fastens, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Er war ein Vorkämpfer für die Demokratie, zudem ein aufmerksamer Naturforscher. Der im sizilianischen Akragas wirkende Grieche dachte schon damals in eine Richtung, die knapp zweieinhalb Jahrtausende später als Evolutionstheorie nicht nur die Biologie fundamental verändern, sondern in ihrem Sog auch religiöse Weltbilder ins Wanken bringen sollte. Sein Nachruhm liegt nicht zuletzt in der von ihm entwickelten Elementenlehre begründet, die auf den vier empedokleischen Grundelementen (Feuer, Erde, Wasser und Luft) aufbaut. Deren Eigenschaften wurden von ihm auch medizinisch zugeordnet, woraus später – nein, das ist jetzt überhaupt nicht lustig – die Humorallehre entstand (lat. humor: Feuchtigkeit bzw. Körpersaft).

Noch zu Lebzeiten des Empedokles begann der bis heute weltberühmte Arzt Hippokrates von Kos sein Wirken. Ihm wird viel Gutes zugeschrieben, vor allem Fortschritte in der Behandlung von Krankheiten. Aber gesichert und im Detail weiß man heute herzlich wenig darüber. Viel mehr dagegen über den Arzt Galenos von Pergamon (Galen), der Hippokrates’ zugeschriebene Lehre von den Körpersäften weiterentwickelt und die Entstehung von Krankheiten aus dem Ungleichgewicht von Körpersäften (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) sowie aus verschobenen Spannungszuständen im Gewebe herleitet. Um alles wieder ins Lot zu bringen und Krankheiten zu heilen, verordnete er unter anderem eine Umstellung der Ernährung, sowie Heilfasten und Bewegungstherapie. Aus heutiger Sicht ein sehr moderner Ansatz, mit Hipnessfaktor sozusagen.

Es mag Zufall sein, dass die Ursprünge des christlichen Fastens, die im zweiten Jahrhundert nach Christus vermutet werden, mit der Lebzeit von Galen zusammenfallen. Man darf allerdings vermuten, dass sein Wirken zu Zeiten und zu Diensten des römischen Kaisers Mark Aurel auch Spuren in der kleinen christlichen Glaubensgemeinschaft in Rom hinterlassen hat. Zumal Galen als Gladiatorenarzt arbeitete, und die von Mark Aurel teils brutal verfolgten Christen zu Gladiatorenkämpfen gezwungen wurden, so sie nicht ihrem Glauben abschworen.

Zu wissen, wie die vorösterliche Fastentradition entstanden ist, gibt natürlich noch keine Antwort darauf, wie sinnvoll Fasten aus heutiger medizinischer Sicht wirklich ist, inklusive psychologischer Aspekte. Beim Blick auf die Studienlage stellt man aber fest, dass Fasten tatsächlich eine Reihe positiver Effekte haben kann. So soll es bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und chronischen Schmerzsyndromen stimmungsaufhellend wirken und die Wirksamkeit von Strahlen- und Chemotherapie verbessern. Außerdem gilt Wasserfasten als hilfreiche Maßnahme bei Bluthochdruck. Alles das bestätigt also die schon in der Antike gepredigte ärztliche Empfehlung des Fastens zur Behandlung von Krankheiten.

Da es Krankheiten egal ist, ob der Kalender gerade vorösterliche Fastenzeit oder Ramadan anzeigt, hebe ich mir das Fasten besser für die Zeiten auf, wo es mir helfen kann. Da bin ich ganz pragmatisch. Und wenn ich einmal tot bin, bleibt noch genug Zeit zum Fasten. Jetzt ist keine Zeit dafür. Meine Meinung. Jeder, der auch eine Meinung zum Thema Fasten hat, ist aufgerufen, an einer Befragung der Fernuniversität Hagen teilzunehmen. Die Wissenschaftler der FU wollen mehr über aktuelle Motive des Fastens erfahren und starten am Aschermittwoch eine Online-Befragung, die bis zum 30. April geöffnet ist.

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Dienstag, 21. Januar 2020

Der smarte Garten in der Wohnung.

Es ist ein Graus mit den Kräutern. Immer wenn ich ein neues Rezept testen will, fehlt irgendein Grünzeug. Entweder, weil es gerade auf unserer Terrasse nicht wächst, oder weil es da nie wächst. Oder ohne große Fahrerei auch sonst nicht aufzutreiben ist.

Bald aber könnte es bei mir daheim eine smarte Lösung für das Problem geben und indoor die grüne Hölle losbrechen. Wodurch ich beim Kochen endlich auf Beschaffungskriminalität in Gestalt unnötiger Autofahrten für – sagen wir mal – Bergbohnenkraut verzichten kann. Möglich machen soll das smart garden, ein App-gesteuerter Pflanzenkasten, der das angebaute Grünzeug automatisch und optimal dosiert mit Wasser versorgt und das Wachstum mit UV-Licht steuert. Damit nicht das passiert, was gerne passiert, wenn man es im eigenen Garten oder auf dem heimischen Balkon versucht, und die Pflänzchen an Mickrigkeit kaum noch zu unterbieten sind. Ein mehr brauner als grüner Daumen, wie ich ihn habe, tut ein Übriges.

Applaus also für eine App samt Apparat, die mir die Laus vom Rosmarin fernhalten. Abgeriegelt von Wind, Wetter und Feinstaub gedeihen die Kräuter angeblich prächtig. Und wenn das wirklich so ist, will ich das Wunderding sofort haben. SOFORT! Zu meiner Freude stellte ich fest, dass ausgerechnet die Emsdettener Firma EMSA solche Geräte anbietet. Bin ja ein markentreuer Konsument und deren bisweilen ikonisch gestalteten Haushaltswaren haben mich schon als Kind begeistert. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut an das drehbare Etagen-Utensilo in Rot- und Orangetönen aus den 1970er Jahren. Meine Mutter füllte es immer mit Knabberzeug, wenn zuhause Party war. Erdnüsse, Salzbrezel, Goldfischli – und wo ich das gerade so schreibe, muss ich an das Mundgefühl der Fischli denken, nachdem wir sie kurz in Cola hatten schwimmen lassen, bbbrrr.

Aber zurück zum smarten Garten. Natürlich gibt es längst eine Reihe Hersteller, die entsprechende Geräte anbieten. Viele davon arbeiten mit Pflanzenkapseln, mit denen ein gefüllter Wassertankbehälter bestückt wird. LED-Beleuchtung lässt die Sämlinge dann wachsen und gedeihen. Wie in einem Mini-Gewächshaus. Und vielleicht werde ich mir bei der Benutzung vorkommen wie Matt Damon in Der Marsianer – Rettet Mark Watney, ein Film von Ridley Scott aus dem Jahre 2015, der mich seinerzeit entrückt aus dem Kino schwanken ließ. Darin versucht ein auf dem Mars zurückgelassener Astronaut zu überleben, in dem er Kartoffeln in einem Gewächshaus züchtet, gedeihend auf einer Mischung aus Marserde und Exkrementen der Crew. Und nein, ich werde bestimmt nicht auf die Idee kommen, meinen smarten Garten auf der Toilette einzurichten – wo denken Sie hin.

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Dienstag, 10. Dezember 2019

Glühbier statt Glühwein – besser ist das!

Liefmans Glühbier

Am letzten Samstag saß ich mit meinem alten Freund Ecki in einer Kneipe zum Fußballgucken. Der VfL Bochum musste zum Auswärtsspiel bei Greuther Fürth ran, und weil unsere Mannen von der Castroper Straße auf fremden Plätzen nicht viel zustande bringen in dieser Saison, wollten wir wenigstens Anfeuerung am Fernseher leisten. Möge die Unterstützung im übertragenen Sinne ankommen in Fürth.

Kam sie nicht, wie die Fußballfreunde unter den Lesern längst wissen. Immerhin sprang aber für mich an diesem frühen Nachmittag ein wirklich guter Genusstipp heraus. Für den anschließenden Weihnachtsmarkt- besuch mit der Verwandtschaft in Bochum empfahl Freund Ecki einen Abstecher zum Mittelaltermarkt. Dort sollte ich mal das Glühbier probieren. Glühbier? Glühbirne sagte mir was, ist nur leider längst verboten. Und warmes Bier kannte ich aus meiner Kindheit als gefühlt hilfreiches Hausmittel gegen Erkältung, wobei ich den Geschmack als reichlich unerfreulich in Erinnerung hatte. Als Kind schmeckte es wie bittere Medizin, aber ich trank’s trotzdem gerne, durfte ich doch auch mal vom Giergesöff der Großen probieren. Nein, es ging tatsächlich um Glühbier als Genussmittel. “Da weiß ich wenigstens, was drin ist,” sagte der Freund, und damit hatte er bei mir einen Nerv getroffen, machte ich doch genau aus diesem Grund um Glühweinstände auf dem Weihnachtsmarkt einen großen Bogen. Bin ohnehin kein Freund dieser Drängel- und Schubsveranstaltung. Nun ist es aber Familientradition, dass meine Lieblingstante und mein Lieblingsonkel aus Ostwestfalen in der Adventszeit zum Bochumer Weihnachtsmarkt anreisen und wir uns dort zum Glühweinumtrunk treffen. Ausnahmezustand. Einmal im Jahr kann man das Zeug ja mal trinken.

Kaum war ich nach dem Spiel raus aus der Kneipe, ging es für mich zum vereinbarten Treffpunkt – mit dem festen Vorsatz, die anderen vom Besuch des Glühbierstandes zu überzeugen. Glühbier? Die Verwandtschaft schaute verdutzt. So was gibt’s? Klar, gibt’s das. Wusstet ihr nicht? Musste ja keiner wissen, dass ich es auch erst seit 45 Minuten wusste.

Offen gestanden hatte ich keine Ahnung, welche Art von Bier uns erwarten würde. Als wir aber vor der Holzhütte neben der Pauluskirche standen, wurde mir schlagartig klar, worin das große Genussversprechen lag: Dampfendes belgisches Kriek von Liefmans. Den Gouldenbrand dieser 340 Jahre alten Traditionsbrauerei aus Ostflandern hatte ich vor gut zwei Jahrzehnten schon mal mit Begeisterung getrunken. Experten lobpreisen es als eines der besten braunen Ales der Welt. Schon die normalen Biere reifen sehr lang, sechs Wochen für gewöhnlich. Der Gouldenbrand reift außerdem noch drei bis zwölf Monate auf der Flasche, bevor er in den Handel kommt. Liefmans pflegt auch die Tradition der Kriek-Biere, bei der dem klassischen braunen Ale des Hauses Kirschen zugesetzt werden. Zusammen reift das Ganze über viele Monate, und am Ende erhält man ein süß-saures Bier mit feiner Portweinnote und 6 Vol. % Alkohol.

Liefmans vermarktet einen Teil seiner Kriek-Biere inzwischen explizit als Glühbier, edel verpackt in Seidenpapier, wie auch andere Spezialbiere der Brauerei. Ich bin sicher, dass auch die Fruchtbiere anderer Erzeuger als Glühbier reüssieren können. Ich werde in den nächsten Wochen wohl mal das eine oder andere Experiment in diese Richtung starten. Hicks.

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