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Montag, 28. Mai 2018

Laber Rhabarber: Eine kurze Geschichte über unbeliebtes Gemüse.

Was labert der kompottsurfer da? Rhabarber soll Gemüse sein, nicht Obst? Tja, letzteres hatte ich auch mal gedacht, und auch in einem alten geerbten Kochbuch von meiner Oma ist er unter Obst einsortiert. Aber dann las ich irgendwo in der Fachliteratur, dass der sogenannte Gemeine Rhabarber Gemüse ist, obwohl er reichlich Obstsäuren enthält, die ihm seine von einigen geliebte, von anderen gefürchtete saure Geschmacksnote verleiht. Gefürchtet ist er bei einigen Gärtenern auch wegen seiner hartnäckigen Wiederkehr – man rupft ihn aus mit Stumpf und Stiel und trotzdem wuchert das Zeug im nächsten Jahr wieder aus der Erde. Ich weiß noch genau, wie wohl sich der Rhabarber in einer schattigen Ecke neben dem Geräteschuppen im Garten meiner Eltern fühlte. Als dort irgendwann Umpflanzungen anstanden, widersetzte sich der Rhabarber erfolgreich. Jahr fürJahr schoss er wieder irgendwo aus der Erde. Obwohl die Pflanze ihren Ursprung im Himalaya haben soll, scheint sie sich auch im Ruhrgebiet sehr wohl zu fühlen. Wobei Agrarwissenschaftler den Rharbarber, der über Jahrhunderte auch als Heilpflanze begehrt war, modifizierten, damit er auch in Mitteleuropa  heimisch werden kann.

Für mich bringt der Rhabarber kulinarische Kindheitserinnerungen zurück. Allen voran im Obststreuselkuchen, der in diesem Fall wohl ein Gemüsestreuselkuchen ist, habe ich ihn schätzen gelernt Und als Eingekochtes aus dem Glas, zusammen mit Erdbeeren, gab es ihn daheim zum Nachtisch. Der geschätzte Kollege Bert Gamerschlag stellt im aktuellen stern interessante Rezepte vor, die den Rhabarber auch abseits von Kuchen und Dessert zur Geltung bringen. Zum Beispiel mit Makrelen und Lammschulter. Ich werde mich die Tage mal daran versuchen.

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Montag, 14. Mai 2018

Wie man die kleinen kulinarischen Freuden wieder schätzen lernt.

Zuhause hangele ich mich von Saison zu Saison, was die kleinen genussvollen Momente des Alltags mit heimischen Produkten angeht. Vom Bärlauch zum Spargel, zu den Erdbeeren, den Pflaumen, den Kürbissen, den Schwarzwurzeln. In der Fremde dagegen gibt es oft viele kleine Freuden auf einmal zu entdecken. Dieser Tage auf La Palma war da zum Beispiel der Blütenhonig direkt aus der Wabe gekratzt, die vollreifen Avocado vom Bauern nebenan, der Pulpo, frisch gefangen, und dann erst diese Mandarinen. Ja, richtig gelesen: Mandarinen. Bei uns oft nur als dickschaliges Etwas zu haben, gerne verklappt in Nikolaus- oder Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, damit auch was Gesundes drin ist. Doch hier musste ich die Mandarine voll und ganz rehabilitieren. Zwar ist sie äußerlich betrachtet meist unansehnlicher und schorfiger als das, was bei uns daheim zu haben ist, aber unter der dünnen Schale kommt eine derart saftige und aromatische Zitrusfrucht zum Vorschein, dass ich mehr und mehr davon wollte. Eine Jahrhunderte alte einheimische Spezialität auf den Kanaren ist Gofio, ein grobes Mehl, hergestellt aus geröstetem Getreide. Ich habe mal ein Tütchen mitgebracht und werde ausprobieren, ob es im Pfannkuchenteig funktioniert.

Was mir an Spanien noch gefällt ist die Zubereitung vieler Gerichte auf der Plancha. Tortilla schieben und kratzen sie darauf von flüssig nach fest. Frische Garnelen strömen geradezu betörende Düfte aus und entwickeln beim Zubeißen ein unwiderstehliches Aroma am Gaumen. Für die Palmeros ist das alles alltäglich. Aber wer weiß, vielleicht würde der eine oder andere von ihnen bei einem winterlichen Besuch bei uns über das Angebot an Kohl- und Wurzelgemüse jubilieren.

Einen Besuch der Kioscos von El Remo hab’ ich auch endlich hinbekommen, die von 2015 bis 2017 von den Behörden geschlossen worden waren, weil sie zu nah am Meer gestanden hätten, was aber schon seit Jahrzehnten so war und geduldet wurde. Gäste, die noch Erinnerungen daran haben, wie die auf fangfrischen Fisch spezialisierten Lokale vor dem Umbau aussahen, karge Bretterbuden am felsigen Meeresufer, blicken mit Wehmut auf die jetzt schick auf Holzpfähle gepflanzten neuen Hütten. Das Preis-Leistungsverhältnis  ist inzwischen auch sportlich geworden, erst recht, wenn man es mit dem anderer Fischlokale auf der Insel vergleicht. Aber immerhin hab’ ich’s jetzt mal gesehen und ausprobiert.

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Montag, 23. April 2018

Schokolade: neue extreme Sorten und die Sorge vor einer Preisexplosion

Vor drei Tagen war Weltmarihuanatag. Ja, sowas gibt’s wirklich, und genauso wirklich gibt’s die Hanfschokolade von Ritter-Sport, eine ganz neue Sorte, von der ich mir schon der großartigen Verpackungsoptik wegen eine Tafel kaufen wollte. Aber zu meinem großen Schrecken titelt die Marketingplattform Horizont heut früh: “Das Gras ist alle”.  Drei Tage nach Markteinführung ist die limitiert aufgelegte Schokolade bereits ausverkauft. Und ich wollte doch so gerne ausprobieren, ob man sich daraus einen leckeren Schokojoint bauen kann, wo ich doch sonst mit dem Rauchen nichts am Hut habe.

Nun gut, vielleicht kann ich auf eBay noch was davon ersteigern.  Aber da explodieren schon jetzt die Preise. Sieben Tage vor Gebotsablauf stand eine Tafel heute früh bei 4,01 Euro. Und das, wo Schokolade insgesamtauf eine Preiserhöhung zusteuert. Von der Kostenexplosion, die einige Experten langfristig bei Kakaobohnen befürchten, weil die Klimaentwicklung den Anbau beeinträchtigen wird, ist aktuell noch nicht viel zu spüren. An der Rohstoffbörse sind die Preise für Kakao zwar seit dem Jahreswechsel um über 30 Prozent gestiegen, aber von den Höchstwerten aus 2010, wo eine Tonne Kakao 3.240 Euro kostete (aktuell 2.046 EUR) ist man noch ein ganzes Stück entfernt.

Während viele Hersteller nicht müde werden, ihrer Schokolade die aberwitzigsten aromatischen Begleiterscheinungen zu verpassen, schlägt der Lebensmittelkonzern Nestlé gerade einen anderen Weg ein. Mit einem Produkt, das aus einer besonderen brasilienischen Bohne stammt, deren besondere Farbgebung bislang im großen Bohnenmix unterging, wie das Handelsblatt schreibt, gezielt geerntet und durch ein spezielles Herstellungsverfahren der Schweizer Firma Barry Callebaut bearbeitet, erstaunlich rosafarbene Schokoladenmasse hervorbringt. Im letzten Sommer ging diese Nachricht bereits durch die Medien. Jetzt testet der Lebensmittelkonzern Nestlé als Erster die Akzeptanz der rosa Schokolade beim Verbraucher, und zwar in Asien und Großbritannien. Das Produkt: KitKat Ruby,. Eine Version des altbekannten KitKat-Riegels. Produziert wird die Spezialität übrigens in Hamburg, wie Nestlé mitteilte. In Deutschland ist die Markteinführung für den 7. Mai geplant.

Ob rosa Schokolade irgendwann auch als Solist mit hohem Kakaobutteranteil, noch dazu ohne Keks und Co. zu haben sein wird, darüber ist dem kompottsurfer im Moment nichts bekannt. Vielleicht muss ich mal einen Abstecher in die Schweiz machen …

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Montag, 16. April 2018

Von wegen Zuckerbombe: Marc und Poldi machen Eis mit ganz viel Protein

Es wird heiß die nächsten Tage; und was reimt sich auf heiß? Genau, Poldi. Der legendäre Sprücheklopfer (“So ist Fußball, manchmal gewinnt der Bessere”) und Fußballweltmeister von 2014 unterstützt den Schwimmweltmeister von 2005 über 50 Meter Brust, Mark Warnecke, bei der Kreation von Proteineis. Mark, ein echter Bochumer Junge übrigens, hat in den letzten zwölf Jahren mit AM-Sport ein erfolgreiches Unternehmen für Sportlernahrung aufgebaut. Zahlreiche internationale Spitzenathleten aus vielen Disziplinen ergänzen damit ihre tägliche Ernährung, um ihren erhöhten Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen zu decken. Als Mediziner und langjährige Leistungssportler kennt er die Bedeutung optimaler Ernährung aus Theorie und Praxis. Eine Vertrauensbasis, die seine Produkte sowohl für erfolgreiche Profifußballteams als auch für Olympiasieger in Einzelsportarten attraktiv gemacht haben.

Nun klingt schon das Wort Nahrungsergänzungsmittel reichlich unappetitlich, aber als Ausdauersportler mit hohen Energieumsätzen kann ich ganz persönlich sagen: Es geht kaum ohne. Da können die Ranga Yogeshwars dieser Welt behaupten, was sie wollen. Nun endlich wird diese eher öde Zufütterungsprozedur aufgefrischt, denn Mark stellte bei der Sportmesse FIBO am letzten Wochenende ein 100% Wheyprotein-Eis vor. Damit das auch wirklich schmeckt, hat er Lukas Podolski als Geschmacksexperten dazu geholt. Dem würde ich jetzt nicht unbedingt in allen kulinarischen Genussfragen mein Vertrauen schenken, aber wenn’s um Eis geht, passt das.

Bis das Zeug auf dem Markt ist, wird es leider noch ein bisschen dauern. Aber der Sommer hat ja auch noch nicht angefangen.

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Montag, 12. März 2018

Schon mal was von Mukbang gehört?

Neulich fragte ich mich beim ziellosen Surfen durchs Netz, was wohl nach food porn kommt. Der Trend, schick angerichtetes Essen im Restaurant zu fotografieren und die Welt wissen zu lassen, was man da gerade tafelt. Nach dem Motto: Seht her, ihr armen Wichte, was ich mir gerade gönne, während ihr belangloses Zeug in euch hineinstopft. Fast könnte man meinen, Mukbang, ist die direkte Antwort auf food porn, weil nicht Schönheit und Qualität des Essens im Vordergrund stehen, sondern Menge und Fastfood-Faktor.

Die Wortschöpfung Mukbang beschreibt im Grunde ähnliches wie food porn und kann in etwa mit Essen senden übersetzt werden, worunter – jedenfalls im Moment noch – digitales Senden zu verstehen ist. Zumindest bis zu dem Tag an dem wir erstmals unser komplettes Menü aus dem 3D-Drucker ziehen. Wo war ich? Ach ja, die Antwort auf food porn – Mukbang.

In Südkorea ist Mukbang (laut wikipedia auch Mok-Bang oder Meokbang) eine große Sache. Im Land mit dem schnellsten Internet der Welt erreichen Fressvideos – vor allem als vlogs – auf youtube Reichweiten, die man hierzulande nicht mal erreichen könnte, wenn Helene Fischer zusammen mit Tim Mälzer und Johann Lafer im ZDF ein Dreierlei vom gebratenen Dackel anrichten würden. Aber wahrscheinlich wäre das immer noch sehr viel ansehnlicher als dieses Mukbangdings, wo die größten Reichweiten nicht selten von grell geschminkten jungen Frauen erreicht werden, die sich an monströse Mengen Pasta, Pizza oder Burger heranmachen. Nach Dackelessen hab’ ich übrigens noch nicht gesucht, weil ich nicht weiß, was Dackel auf koreanisch heißt.

Wer sich ohnehin gelegentlich bei youtube herumtreibt, sollte einfach mal das Wörtchen “Mukbang” eingeben und sehen, was da so geboten wird. Der Trend hat auch schon auf die USA übergegriffen (watch me eat). Ob Mukbang auch in Deutschland ein großes Ding werden kann? Natürlich, was für eine Frage. Die Protagonisten werden aber vermutlich keine durchgestylten, jungen Frauen sein, sondern angetrunkene, rülpsende Kerle, die sich mit Bier, Mayo, Ketchup und Käsefäden das schöne Metallica-T-Shirt einsauen. Aber warten wir’s ab.


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Mittwoch, 14. Februar 2018

Ölmühle Sauerland: Spitzenprodukte aus der Region

Als der kompottsurfer vor zehn Jahren auf den Spezialisten für Argan-, Lein-, Schwarzkümmel- und Traubenkernöle Fargano in Dortmund aufmerksam wurde, galten derartige Produkte noch als absolute Nischenware. Aber die Zeiten haben sich geändert, und sogar Discounter sind längst dazu übergegangen, ihr Sortiment um Speiseöle jenseits von Oliven- Raps und Sonnenblumenöl zu erweitern. Gleichwohl spielten die Produkte von Fargano schon immer in einer anderen Liga.

Mit der Umfirmierung in Ölmühle Sauerland zum vergangenen Jahreswechsel hat sich aber nicht nur Name geändert, auch die Preise sind nicht mehr die alten. Was normalerweise bedeutet: Der gute Stoff wird teurer. Hier ist es aber mal anders. Das vom kompottsurfer besonders geschätzte Arganöl wird billiger. Zudem setzt man verstärkt auf die Kooperation mit Landwirten aus der Region und kann jetzt alle Öle bio-zertifiziert anbieten.

Jeden Samstag öffnet der Mühlenladen. Ein Grund mehr, dem Städtchen Iserlohn mal einen Besuch abzustatten und das Ganze mit einem Wochenend-Abstecher zum Skifahren oder Wandern ins Sauerland zu verbinden. Ansonsten kann natürlich auch weiterhin bestellt werden. Ab 19 Euro Bestellwert sogar versandkostenfrei.

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Donnerstag, 08. Februar 2018

Ein Messer kann Werkzeug für ein ganzes Leben sein. Manchmal sogar für länger.

Was tun, wenn der Nachwuchs volljährig wird und man als Vater ein Geschenk sucht, das noch geschätzt und genutzt werden kann, wenn man selbst längst unter dem Torf liegt? Eines, das nicht so schnell abhanden kommt wie eine vererbte Uhr beispielsweise? Ich musste nicht lange grübeln bis mir als Liebhaber hochwertiger Kochwerkzeuge das Thema Messer einfiel. Zumal wir im Ruhrgebiet in unmittelbarer Nähe zur Welthauptstadt der Klingen leben: Solingen.

Kein anderer Gegenstand demonstriert derart eindrücklich den Fortschritt in der Menscheitsgeschichte. Ohne das Messer und seine Vorläufer, so scheint es, wenn man sich mit seiner Entwicklung und Nutzung befasst, gäbe es den modernen Menschen wahrscheinlich nicht. Über 2,5 Millionen Jahre ist es her als in der Altsteinzeit erstmals Steine und später Knochen mit scharfen Kanten gefertigt wurden. Der Mensch konnte sich auf diese Weise protein- und fettreiche Nahrungsquellen erschließen, die seine Entwicklung förderten und die Hirne wachsen ließen. Messer aus Bronze wurden bereits im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung hergestellt, aber es dauerte noch einmal mehrere Jahrtausende bis schließlich jene rostfreien Stahllegierungen entstanden, aus denen die Klingen hochwertiger Messer von heute gemacht sind, wobei in den bedeutendsten Herstellerländern USA, Japan und Deutschland unterschiedliche Legierungen favorisiert werden.

Güde Kochmesser mit Holzgriff aus Fasseiche

Ich nutzte also den geplanten Messerkauf für einen Besuch und eine Besichtigung der namhaften Solinger Messerschmiede Güde, ein Vorhaben, das ohnehin schon seit Jahren auf meiner to-do-Liste stand, aber immer wieder in Vergessenheit geriet. Der Betrieb wird heute in vierter Generation von Karl-Peter Born, einem promovierten Ingenieur geführt. Dessen Urgroßvater Karl Güde hatte die Schmiede 1910 gegründet, dessen Sohn Franz den internationalen Bekanntheitsgrad vorangetrieben, nicht zuletzt als Erfinder des Wellenschliffs in der heute weltweit verbreitetsten Version mit den spitzen Zähnen. Es gibt kaum ein Brotmesser, das nicht auf diese Weise geschliffen ist. Das müsste dem Unternehmen doch Jahrzehnte sprudelnder Einnahmen aus Lizenzgebühren eingebracht haben, frage ich Herrn Born. Der schüttelt schmunzelnd den Kopf: “Es gab damals nur einen Gebrauchsmusterschutz für den Schliff, und der war kurz nach dem Krieg abgelaufen. Aber immerhin haben wir bis heute noch etwas vom Ruhm der Erfindung.”

Karl-Peter Born führt mich durch die Räumlichkeiten der Werkstätten, wo es nach Eisen riecht, nach Paraffinen und Schmierölen. An Maschinen und Werktischen sitzen Borns Mitarbeiter und lassen Schritt für Schritt jene Messer entstehen, die das Gütesiegel “Made in Germany Solingen” tragen dürfen. Das bedeutet, die komplette Wertschöpfung des Werkzeugs erfolgt in der Klingenstadt. Darauf ist Born zurecht stolz, heben sich seine Messer dadurch doch erheblich von vielen Gerätschaften der deutschen Konkurrenz ab, die einen nicht unerheblichen Teil ihrer Produktion nach Asien verlegt haben. Und bei aller Traditionspflege bleibt er offen für Innovation und beweist immer wieder, dass Handwerkskunst keinesfalls bedeuten muss, sich vom Fortschritt abzukoppeln, weder technologisch noch gestalterisch. Für das Brotmesser Franz Güde gab es einen Red Dot Award, für das Delta einen Interior Innovation Award und für das neueste Modell The Knife sogar einen German Design Award. Und es geht immer weiter. So durfte ich bereits die frühen Vorstufen eines neuen Messerentwurfs in Augenschein nehmen, natürlich ohne Bilder mit der Kamera davon zu machen.

Aber abseits aller Gestaltungs- und Handhabungsaspekte: Vor allem muss ein erstklassiges Kochmesser, na klar, perfekt schneiden. Damit es diese Aufgabe auf Dauer gut erledigt, seien aufmerksame Pflege und richtige Behandlung unabdingbar, unterstreicht der Chef. Zu den wichtigsten Geboten zählen die unverzügliche Reinigung nach Benutzung, insbesondere, wenn säurehaltige Lebensmittel verarbeitet wurden. Allerdings nur mit ein wenig Wasser und einem Tuch, keinesfalls mit Scheuermitteln. Was auch die Reinigung in der Spülmaschine ausschließt. Erst recht, wenn das Messer mit Hiolzgriffen versehen ist. Außerdem ist loses Lagern in der Schublade für ein gutes Messer keine geeignete Aufbewahrung. Besser sind Messerblöcke oder Magnetleisten. Dazu kommt, mit Kochmessern möglichst nicht auf steinernen oder metallenen Flächen und auch nicht auf Porzellantellern zu schneiden. Das schadet der Klinge. Was das Schleifen angeht, so lohnt für den häufigen Messerbenutzer die Anschaffung eines original Güde Wetzstahls. Der ist zwar so teuer wie ein gutes Messer, aber hält die Klinge dauerhaft scharf. Andere Wetzstähle tun es natürlich auch, sie sind nur nicht so perfekt auf das Messer abgestimmt. Profiköche ziehen ihre Messer nach jedem Gebrauch über den Wetzstahl, damit sie beim nächsten Gebrauch wieder tiptop ihren Dienst tun. Dazu braucht es etwas Übung, weil der Winkel beim Ansetzen stimmen muss, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Nach einer Weile intensiven Gebrauchs und Wetzerei, sollte man seine Messer zum Nachschleifen geben. Güde bietet diesen Service für seine Messer gegen eine fair kalkulierte Gebühr an.

Fazit meines Besuchs: Handgeschmiedete Messer machen ist harte und aufwändige Arbeit. In der Gesenkschmiede musste ich mir teilweise die Ohren zu halten, so laut war es da. Aber wenn man sieht, was am Ende dabei herauskommt, scheint all’ der Aufwand vollkommen gerechtfertigt.

Bearbeitungskontrolle durch den Chef persönlich: Es geht auch analog

Glühender Messerstahl, frisch vom Schmiedehammer bearbeitet

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Freitag, 02. Februar 2018

Hand in Hand: Wie ein Kochbuch Völkerverständigung durch den Magen fördert

Der Nachteil sinnvoller Apps wie Notizen in meiner iCloud ist die Ansammlung von Stichworten, die binnen kürzester Zeit so weit nach unten wandern, dass ich sie aus den Augen verliere. So war es auch mit einer Notiz zu einem Kochbuch, das zu empfehlen mir eine Herzenssache ist. Hand in Hand aus dem ars viviendi Verlag – bei dem ich übrigens mit dem geschätzten Kollegen Peter-Erik Hillenbach Anfang der 1990er Jahre das erste Buch aus der Reihe Ruhrgebiet zwischen Sekt und Selters herausgegeben hatte – macht auf eindrucksvolle Weise Werbung für Völkerverständigung. Und zwar in Gestalt eines Kochbuchs. Weil nicht nur Liebe durch den Magen geht, sondern auch das Miteinander unterschiedlicher Kulturen. Wer, wenn nicht die Menschen im Ruhrgebiet, meiner Heimat, wüssten das besser. Ins industrielle Herz der Republik kamen seit den 1950er Jahren Menschen aus vielen Teilen Europas. Damals nannte man sie Gastarbeiter. Aber sie brachten nicht nur ihre Arbeitskraft mit, sondern auch ihre kulinarische Kultur. Und das war verdammt gut so für eine Region, die das Genießen von Essen & Trinken erst lernen musste und feststellen konnte, dass es eine Welt jenseits von Kartoffeln, Kohl und Kotelett gab.

Damals schien Integration, allen Erbschäden der NS-Diktatur zum Trotz, besser zu funktionieren als heute. Denn die Menschen waren in harter, gefährlicher Arbeit vereint, in den Stollen der Zechen und an den Hochöfen der Stahlwerke. Da musste man sich hundertprozentig aufeinander verlassen können. Wenn’s hart auf hart kam, spielte Herkunft keine Rolle mehr. Ich kann mich noch gut an einen Ferienjob in den 1980er Jahren erinnern,  wo ich in einem Aluminiumwerk gearbeitet hatte. Wir mussten riesige Schmelzkessel von Ablagerungen säubern. Dafür stiegen wir mit Presslufthammer, Ohrstöpseln und Atemschutz ausgestattet in den Kessel hinab und knatterten los bis der Schweiß in Bächen herabfloss. Auch wenn man am Kessel zusammenarbeitete, saßen türkische und deutsche Kollegen in den Pausen zumeist getrennt. Mir missfiel das, und ich setzte mich demonstartiv zu den türkischen Kollegen, die mir gleich einige Spezialitäten zum Essen anboten. Börek mit Spinat und Schafskäse, Lahamacun, Köfte und Sucuk – alles das lernte ich schon im Pausenraum des Betriebes kennen, lange bevor überall in der Stadt türkische Restaurants und Dönerläden aufmachten.

Arbeit und Essen verbindet Menschen. Und weil das mit den Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge aus verschiedenen Gründen kompliziert ist in Deutschland, muss es erstmal das Essen richten. Vier Studenten der Hotelfachschule Heidelberg brachten in 2016 junge Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern in Kontakt mit deutschen Spitzenköchen. Über 50 von ihnen – darunter Alfons Schuhbeck, Frank Oehler und Michael Kempf – interpretierten für das Buch Hand in Hand Gerichte aus Flüchtlingsregionen neu. Jedes Land wird von zwei Flüchtlingen vertreten, die im Buch ihre persönliche Geschichte erzählen. Autorenhonorar und ein Spendenzuschuss des Verlages kommen einem gemeinnützigen Hilfsprojekt zugute. Beispielhaft.

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Sonntag, 21. Januar 2018

Falls der Küchenalltag mal wieder knifflig werden sollte …

Normalerweise nutze ich den Youtube-Kanal nur, um atemberaubende Sportvideos zu suchten. Gelegentlich suche ich auch nach Tipps, wie ich meine lockere Kniescheibe mit Kinesiotape festkleben oder ein widerborstiges technisches Gerät zähmen kann. Auf die Idee, gezielt nach Tricks für Jobs in der Küche zu suchen, bin ich allerdings noch nie gekommen. Und so landete ich durch Zufall bei den 35 unglaublichen Küchentricks. Einige kannte ich schon, viele aber nicht. Empfehlenswert nicht nur für junge Leute, die im Begriff sind, ihre erste eigene Bude zu beziehen. Irgendwas Neues dürften selbst die gewieftesten Küchenhaudegen noch entdecken. Aber seht selbst:

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Montag, 08. Januar 2018

Ernährung in der Medienfalle: Warum die kritische Betrachtung von Diäten so tückisch ist.

Als informationsüberfütterter Mitbürger überfällt mich zu Jahresbeginn regelmäßig Würgereiz. Das liegt an der Unmenge Beiträge, die zum Thema Diäten, Abnehmen und schlank werden publiziert werden. Früher war das noch auf Print, TV und Radio beschränkt, aber im Internetzeitater ziehen auch die Online-Magazine mit.

Die Tücken des Themas liegen in der Scheinheiligkeit einer vermeintlich kritischen Betrachtung. Da werden normierte, nicht individualisierte Diäten als Scharlatanerie entlarvt, weil eben jeder Mensch Nahrungsmittel unterschiedlich verstoffwechselt, aber zugleich wird unterschwellig die Aufforderung zum Schlankwerden aufrecht erhalten. Richtig schlank werden, gesund fasten, klug die Traumfigur erreichen – das alles könnte man auch als Psychoterror bezeichnen, hochwirksam platziert nach der Völlerei zum Jahresende und zum Start der – meist kurzen – Saison der guten Vorsätze. Zur Sicherheit habe ich gerade noch mal das Grundgesetz und Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland durchgeschaut und darf allen Lesern versichern, dass niemand einer Straftat bezichtigt wird oder gar seine Grundrechte verwirkt (Art. 18), weil er den BMI gesprengt hat.

Ich mag leicht reden haben, weil mir Übergwicht nie schwer zu schaffen gemacht hat, aber ich erlebe den Druck zur Silhouettenoptimierung bei vielen Mitmenschen mit Übergewichtshintergrund. Wobei schon der Begriff Übergewicht reichlich Interpretationsspielraum lässt und zu tragikomischen Vorkommnissen führen kann. So muss ein muskelbepackter Sportler im Staatsdienst damit rechnen, nicht auf Lebenszeit verbeamtet zu werden, weil er die BMI-Messlatte der Behörde reißt, obwohl er topfit ist.

Was also tun, wenn man dieser Tage kaum eine Zeitung aufschlagen oder ein Online-Magazin besuchen kann, ohne unter Gewichtsdruck zu geraten? Ich rate zur Gelassenheit. Wer tatsächlich ein Unwohlsein mit seiner Figur herumträgt, sollte nicht zu Jahresbeginn in reflexartige Handlungsmuster verfallen. Entscheidend ist sowieso der Kopf und nicht, was Magazine nach den Fest- und Fresstagen raten. Die Lösung kommt nicht zu den Menschen, sondern der Mensch muss sich auf die Lösung zubewegen, finde ich. So erwächst aus der Sache am ehesten Nachhaltigkeit. Aber genug kluggeschwätzt. Ich bin wieder raus, weil ich mich gerade im intermittierendem Digitalfasten versuche.

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