rewirpower.de – Das Revierportal


Suche:

Dienstag, 11. September 2018

Die TĂŒcken von Low-Carb-ErnĂ€hrung: Wie FrĂŒhstĂŒck unser Sozialverhalten beeinflusst.

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr unser ErnĂ€hrungsverhalten mit unserer Psyche verdrahtet ist. Und mich verwundert, wie wenig wir daraus zu lernen scheinen. Essen, das unsere Leistungsbereitschaft steigern oder schwĂ€chen, Depressionen begĂŒnstigen oder mildern kann – alles keine wirklich neuen Erkenntnisse. Trotzdem sehen die gefĂŒllten Einkaufswagen der Konsumenten im Supermarkt oft aus, als wĂŒsste der Mensch nicht, was hochverarbeitete Lebensmittel und ein Übermaß an Zucker, Kohlenhydraten und Transfetten anrichten können. Die tickenden Zeitbomben, die wir uns einverleiben –  kaum in Schach zu halten von einem Körper, den Bewegungsmangel in Beruf und Freizeit saft- und kraftlos gemacht haben – bedrohen unser Leben auf eine Weise, die wir ernster nehmen sollten.

NatĂŒrlich muss jeder erwachsene Mensch selbst entscheiden können, was und wieviel er von welchen Nahrungsmitteln vertilgt. Denn Bevormundung löst das Problem nicht, und ist selbst bei der Kindererziehung kaum hilfreich. Warum mir ausgrechnet jetzt das Thema wieder in den Sinn kommt? Hab’ ich wĂ€hrend und nach der Fußball-WM vielleicht zu viele Chips, ErdnĂŒsse und Salzstangen gegessen  und Bier getrunken? UneingeschrĂ€nktes Ja. Und die Bewegung kam wegen einer Verletzung auch zu kurz. Aber aufgerĂŒttelt hat mich etwas anderes. Und das betrifft den Kopf.

Eine Untersuchung der UniversitĂ€t LĂŒbeck mit dem Titel Impact of nutrition on social decision making legt beispielhaft dar, wie sehr unterschiedliche NĂ€hrstoffzusammensetzungen im FrĂŒhstĂŒck Entscheidungsverhalten beeinflussen kann. Prof. Dr. Soyoung Park, Professorin fĂŒr Sozialpsychologie und Neurowissenschaft der Entscheidung an der UniversitĂ€t zu LĂŒbeck, leitete die Studie. Sie sagt: „Tier- und Humanstudien haben schon vor vielen Jahren gezeigt, dass die Zusammensetzung unserer Nahrung Einfluss auf die im Gehirn zur VerfĂŒgung stehenden Neurotransmitter hat. Bisher war jedoch nicht klar, ob dies in einem Maß geschieht, welches tatsĂ€chlich unser Verhalten messbar verĂ€ndert.“ Inzwischen wissen die Forscher mehr. Das VerhĂ€ltnis von Kohlenhydraten, Fett und Protein zueinander steuert unseren AminosĂ€uren-Haushalt. Der wiederum hat großen Einfluss darauf, welche Neurotransmitter in unserem Gehirn aktiviert werden, die wiederum unser Entscheidungsverhalten steuern. Je höher der Anteil an Kohlenhydraten im zurĂŒckliegenden FrĂŒhstĂŒck war, desto sensibler reagierten die Probanden auf Unfairnis. Ermittelt wurde das anhand von Reaktionen auf ein Spiel aus der mathematischen Spieltheorie.

Man kann daraus schließen, dass unsere ErnĂ€hrung nicht nur offensichtliche, körperliche Unterschiede wie Übergewicht beeinflusst sondern auch psychische. „DiĂ€ten, wie die derzeit beliebte ‚Low Carb‘-DiĂ€t, sollten vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kritisch betrachtet werden. Sie fĂŒhren zwar eventuell zu dem gewĂŒnschten Gewichtsverlust, beinhalten aber ein extrem unausgewogenes VerhĂ€ltnis von Kohlehydraten und Proteinen und können dadurch einen direkten Einfluss auf unser alltĂ€gliches Verhalten haben“, gibt Dr. Sabrina Strang, Mitautorin der Studie zu bedenken.

Ich habe daraufhin mal einen kritsichen Blick auf mein ĂŒbliches FrĂŒhstĂŒck geworfem. VollkornmĂŒsli mit ein paar TrockenfrĂŒchten, Weizenkeimlinge, ungezuckerter Naturjoghurt aus eigener Herstellung, Granatapfelkerne und weiteres frisches Obst sowie 10 Gramm Bitterschokolade (80%). Damit komme ich bis in die spĂ€te Mittagszeit prima hin, ohne HungergefĂŒhl. Verzichte ich weitgehend auf Kohlenhydrate zum FrĂŒhstĂŒck, kommt der Hunger frĂŒher, meine Ungeduld steigt, und schon deshalb bin ich dann nicht mehr ganz so umgĂ€nglich wie sonst. Wie heißt es so schön in der Werbung: Du bist nicht du wenn du hungrig bist.

____

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Dienstag, 04. September 2018

Einmachen. Eine ausgemacht gute Idee.

Was mussten wir alles lesen, sehen, hören in den letzten Jahren ĂŒber den bedauernswert fahrlĂ€ssigen Umgang von Produzenten und Verbrauchern mit Nahrungsmitteln hierzulande. Aber halt, stop! Warum ĂŒberhaupt bedauernswert? Wir sind die Konsumenten, und wir können selbst entscheiden, welchen KĂ€se wir machen. Ob wir unseren KĂŒhlschrank vollstopfen als stĂŒnden monatelange VersorgungsengpĂ€sse wegen Alienangriffen bevor. Dabei zĂŒchten wir die Aliens selbst. Der KĂ€se kriegt FĂŒĂŸe, und die Sahne verfĂ€rbt sich blau wie Kree-Schergen vom Planeten Hala. Nur weil wir zu oft und zu gierig planlos einkaufen, mutieren unsere KĂŒhlschrĂ€nke zu unheimlichen Orten. Vollgestopft mit BehĂ€ltern aus Plastik, die nicht selten unangetastet samt Inhalt in den MĂŒll wandern, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Meine Omas kannten noch Zeiten ohne KĂŒhlschrank. Zeiten mit Nahrungsmittelmangel. Zeiten in denen Essen kostbar war. Und wo alles nutzbar gemacht wurde. Wenn man zum Beispiel Schweine schlachtete, dann mit hoher WertschĂ€tzung fĂŒr alles, was das Tier an Nahrhaftem hergab. Von den Ohren ĂŒber das Blut bis zu den FĂŒĂŸen. Genauso verfuhr man mit Obst und GemĂŒse. Äpfel, die wurmstichig vom Stamm fielen waren immer noch gut fĂŒr Apfelmost.

Die meisten Stadtmenschen verfĂŒgen heutzutage weder ĂŒber Schweine, Kaninchen oder HĂŒhner im Hinterhof noch ĂŒber einen Garten mit Obst und GemĂŒse. Und doch steht die TĂŒr zu verantwortungsvollem Genuss jedem offen, der den Willen dazu aufbringt. Wer die Augen offen hĂ€lt, kann sogar Obst, GemĂŒse und KrĂ€uter heranschaffen ohne Geld dafĂŒr auszugeben. Außerdem wachsen in fast allen stĂ€dtischen Regionen massenhaft Brombeeren, die sich an jeder zweiten Ecke ernten und dann sowohl frisch im MĂŒsli oder eingekocht als Marmelade verwenden lassen. Neben den Brombeeren stehen sehr oft HolunderbeerstrĂ€ucher, deren FrĂŒchte etwa zur gleichen Zeit reif werden. Man sollte sie nicht roh essen, aber als Gelee oder Sirup schmecken sie vorzĂŒglich. Sie machen sich wunderbar im Duett mit Brombeeren und können auch diverse Apfelzubereitungen geschmacklich veredeln.

Nur wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt lebte einst Henriette Davidis, die sich um die Pflege und Verbreitung von Rezepten aller Art verdient gemacht hat. Ein Museum im StĂ€dtchen Wetter an der Ruhr erinnert an ihr Wirken. Ihre BĂŒcher wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts millionenfach verkauft. In meinem Kochbuchregal findet sich ein Exemplar der 48. Ausgabe von 1921. Ein ErbstĂŒck von meiner Oma vĂ€terlicherseits. Wenn nicht darin, wo sonst sollte ich einen guten Überblick an Rezepten finden mit deren Hilfe Obst und GemĂŒse schmackhaft haltbar zu machen wĂ€ren? Zumal Davidis in unserer Heimat lebte und mit dem Umgang hier gut gedeihender Grundprodukte bestens vertraut war.

Und tatsĂ€chlich sind seitenweise Anregungen zu finden. Im Grunde unterscheidet sie drei Arten des Einmachens. Mit Branntwein (Obst), mit Zucker (Obst und GemĂŒse) und mit Essig (GemĂŒse). Da sind die Schwarzkirschen (alternativ Heidelbeeren) zum Kompott eingemacht mit Essig und Zucker, was laut Davidis im Winter als Beigabe zu diversen Obstkuchen schmeckt. Überhaupt macht sie einiges zusammen mit Essig und Zucker ein, sogar Melone, was mich einigermaßen erstaunt hat. Wobei mir nicht klar war, dass die Zuckermelone eine Verwandte der Gurke ist, und Gurken durchaus  als sehr einmachtaugliche Dinger bekannt sind. Was mich wirklich interessiert und ich unbedingt probieren muss, bevor die Saison vorbei ist: Senfzwetschen. Das “man nehme” liest sich bei Davidis großartig, vor allem, was die Mengen betrifft: 8,5 kg abgeriebene Zwetschen, 3 l Bieressig, 1 kg Zucker, 20 g Nelken, 15 g Zimt sowie 250 g braune Senfsamen. Vermutlich werde ich mit knapp der HĂ€lfte auskommen. FĂŒr die nĂ€chsten paar Jahre.
____

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Montag, 27. August 2018

Genussvoll essen und trinken: Wie viel ist zu viel?

Es war einmal ein Arzt, gleichermaßen Alchimist und Philosoph: Theophrastus Bombast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus. Seine Verdienste um die medizinischen Fortschritte der damaligen Zeit detailliert aufzufĂŒhren, wĂŒrde Seiten fĂŒllen, was ich an dieser Stelle niemandem zumuten will. Paracelsus starb anno 1541 im Alter von 47 Jahren an einer Quecksilbervergiftung. Das ist insofern bemerkenswert als der gute Mann bis heute berĂŒhmt ist fĂŒr seinen Ausspruch „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“, gebrĂ€uchlich als „die Dosis macht das Gift.“

Experten gehen davon aus, dass Paracelsus weder heimtĂŒckisch vergiftet wurde, noch den Freitod gesucht hat. Untersuchungen seiner sterblichen Überreste deuten aber darauf hin, dass er einer schleichenden Vergiftung zum Opfer fiel. Er hatte sich ĂŒber Jahre mit Quecksilber als mögliches Heilmittel gegen Syphilis beschĂ€ftigt, und so wurde von Historikern auch spekuliert, er könne selbst daran erkrankt gewesen sein. Vielleicht hat er sich selbst mit Quecksilber behandelt, vielleicht waren es die DĂ€mpfe, die ihn mit der Zeit tödlich erkranken ließen. Wie auch immer, die Dosis war fĂŒr Paracelsus Gift.

Wie viel zu viel ist, damit sind Jahr fĂŒr Jahr auch Studien ĂŒber den Konsum von Genuss- und Lebensmitteln befasst. Wie viel Grillfleisch, wie viel Zucker, wie viel Weißmehl, wie viel Fett und wie viel Alkohol zu viel sind, ist dabei hĂ€ufig auch eine Sache individueller Toleranzschwellen. Gerade ist eine neue, Aufmerksamkeit erregende Studie ĂŒber den Konsum von Alkohol veröffentlicht worden, die mich beim Lesen neulich abends reflexartig das Weinglas vom Mund absetzen ließ. Im groß angelegten Report „Global Burden of Desease“ (GBD), der seit 35 Jahren Ursachen von Krankheiten und Sterblichkeit im globalen Maßstab zu ergrĂŒnden sucht, ist gerade das Thema Alkoholkonsum ausgeleuchtet worden. Dazu hat die UniversitĂ€t Seattle einen 2.000 Seiten starken Bericht vorgelegt, in dem nicht nur die wenig schmeichelhaften Top-Platzierungen der trinkfreudigsten Nationen offenbart werden (Deutschland liegt aktuell auf Platz 9 bei den Frauen, wĂ€hrend die MĂ€nner nicht mehr unter den ersten 10 zu finden sind). Interessant finde ich die Schlussfolgerung der Autoren, es gĂ€be im Grunde keine positive Wirkung von Alkohol, weil die negativen Wirkungen (z.B. VerkehrsunfĂ€lle, Tumorerkrankungen, Suizide, HirnschĂ€den), die man immer gegenĂŒberstellen mĂŒsse, am Ende nichts Positives mehr ĂŒbrig ließen. Und zwar egal wie gering die Dosis ist, zumindest gemessen an ĂŒblichen Konsumeinheiten von Wein, Bier und Destillaten. Ob ein Teelöffel Rotwein wöchentlich vielleicht doch gesundheitsfördernd sein könnte, darĂŒber muss man nun wirklich keine Untersuchung anstellen.

Was mir beim Lesen dieser Studie mal wieder durch den Kopf ging, war der Gedanke, inwieweit solche Bekanntmachungen unser Verhalten beeinflussen oder sogar Ă€ndern können. Sollten sie es ĂŒberhaupt? Und wenn ja wie sehr? Ich frage mich, was dabei herauskommen soll, wenn wir uns jede dieser Untersuchungen so zu Herzen nehmen, dass wir am Ende kaum noch etwas mit Freude essen und trinken können, weil das meiste entweder gesundheitsgefĂ€hrdend, ökologisch bedenklich oder Tierleid fördernd ist. Auf die Gesundheit bezogen kommt es mir mitunter so vor als mĂŒssten wir mit aller Macht unser eigenes Ableben verhindern, was mir ein einigermaßen aussichtsloses Unterfangen zu sein scheint. Und auf dem Grabstein steht dann sowas wie: „Er lebte gesund, starb aber trotzdem.“

Sollten wir uns jetzt also wieder bequem zurĂŒcklehnen und denken, dass ohnehin alles wurscht ist? Nein, keinesfalls, denn was die Studie nicht erfasst, aber aus meiner Sicht reichlich Gewicht hat, ist das eigene Wohlbefinden. Zugegeben, schwer zu quantifizieren fĂŒr eine Studie, aber fĂŒr unser Konsumverhalten durchaus von Bedeutung. Dabei geht es mir nicht nur um das unmittelbar positive GefĂŒhl, dass Essen und Trinken geben können, nicht zuletzt als soziale Bindungsmasse in geselliger Runde, sondern auch darum, inwieweit zu viel davon langfristig unangenehme Begleiterscheinungen entwickeln. Übergewicht, Unbeweglichkeit, depressive Verstimmungen, NervenschĂ€den, diverse Verdauungsprobleme und so weiter. Wer körperlich hart arbeiten muss (was immer weniger von uns durch den Wandel in der Arbeitswelt  tun mĂŒssen) oder regelmĂ€ĂŸig energieraubend Sport treibt (was immer noch zu wenige tun) bei dem schlagen Kalorien nicht so negativ durch wie bei der Couch Potato. Also öfter mal bewegen, dann ist ein kleines Minus durch Genussmittelkonsum schnell ausgegelichen, wenn man die in zahlreichen Studien ermittelten positiven Auswirkungen von Bewegung einrechnet.

Ich denke, ein kompletter Verzicht auf Alkohol wird unser Leben nicht automatisch besser machen. Ein ĂŒberlegter, zurĂŒckhaltender Konsum kann aber dazu beitragen, bewusster mit alkoholischen GetrĂ€nken umzugehen. SouverĂ€ne Selbstbeherrschung sozusagen.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Montag, 13. August 2018

Bittere Erfahrung: Hitzestress kann Giftstoff in Zucchini aktivieren

Es sollte ein sommerlich leichtes SĂŒppchen werden, das ich da neulich Abends zubereitete. Statt dessen braute sich im Topf ein Unheil zusammen, das mich und meinen Tischgenossen schlimmstenfalls den Kopf hĂ€tte kosten können. Cucurbitacine heißen die Schurken, denen ich bislang noch nie begegnet war, die aber nun aus meinen Zucchini, die ich beim GemĂŒsehĂ€ndler meines Vertrauens kaufte, vegane GrĂŒne Mambas gemacht hatten.

Cucurbitacine kommen bei den heutigen, umgezĂŒchteten Zucchinisorten kaum noch vor. In hitzereichen Jahren allerdings, können sie wieder zutage treten, als Stressreaktion sozusagen. GrĂŒne Mambas beißen ja auch nur zu, wenn sie sich bedroht fĂŒhlen. Stern Online hatte vor einer Weile ĂŒber den Fall eines Mannes berichtet, der an den Folgen einer Zucchini-Vergiftung starb. Die Ärzte im Krankenhaus hatten nichts mehr fĂŒr ihn tun können.

Warum meine Tischgenossen und ich einem Drama entkommen konnten, hatte mit dem Umstand zu tun, dass ich die bitter schmeckende Suppe niemandem zumuten wollte, mir selbst natĂŒrlich auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich die wahre Gefahr, die in der Suppe lauerte nicht, aber da eine Bitternote alles andere als typisch fĂŒr Zucchini ist, entschied ich mich zum Wegkippen, statt mit irgendwelchen schmutzigen Tricks zu versuchen, die Bitternote zu kaschieren. Ja, unsere Skepsis gegenĂŒber Bitterstoffen hat durchaus Berechtigung. Mögen Gesundheitsapostel die positiven Wirkungen von Bitterstoffen zu recht auch noch so herausstellen, im Zweifel ist es immer besser auf sie zu verzichten, vor allem wenn man das GefĂŒhl hat, sie gehören da nicht hin wo man sie gerade schmeckt.

Meinen GemĂŒsehĂ€ndler rief ich ĂŒbrigens gleich am nĂ€chsten Morgen an. Der bedankte sich mehrmals fĂŒr die Warnung und versicherte mir, die komplette Lieferung sofort zu entsorgen.

______

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Montag, 16. Juli 2018

Frankreich auch Weltmeister der Herzen – beim Essen.

Gestern gewann die Equipe Tricolore einigermaßen abgeklĂ€rt den Weltmeistertitel im Herrenfußball. Begeisterung konnte das Spiel bei mir keine entfachen – sechs Tore hin oder her. Ganz anders ein Gesetzesentwurf der französischen Regierung, mit dem unsere Nachbarn vor drei Jahren die EindĂ€mmung der Lebensmittelvernichtung ins Visier nahmen. Besonders betroffen: der Groß- und Einzelhandel. Dem es untersagt werden sollte, Nahrungsmittel wegzuschmeißen, denen im Regal der Verfall droht. NatĂŒrlich war das ein großes Politikum. Und es gab damals tatsĂ€chlich einige irrlichternde Gestalten aus Handel und Wirtschaft, die das fĂŒr einen unzulĂ€ssigen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit hielten.

Nun ist Frankreich keinesfalls das Land mit der höchsten Wegwerfquote in Europa. Auch wenn die (etwas Ă€lteren) Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind – wir Deutschen vernichten angeblich pro Kopf mehr als die vierfache Menge dessen, was die Franzosen an Essbarem entsorgen. 20 Kilogramm stehen da 81 Kilogramm gegenĂŒber. So bezeichnend wie beschĂ€mend fĂŒr eine Republik mit dem umkĂ€mpftesten Lebensmittelmarkt der Welt, wie namhafte Agrarökonomen Deutschlands ErnĂ€hrungswirtschaft beschreiben. Möglichst wenig Geld fĂŒr Nahrungsmittel bezahlen wollen und gleichzeitig viel wegschmeißen – mir hat diese Haltung noch nie geschmeckt, und vielleicht ist auch das ein Grund fĂŒr meine frankophile Gesinnung: Wenn es um Genuss und Essen geht, sind uns die Franzosen um LĂ€ngen voraus. Im Fußball nur manchmal.

Trotz großer WiderstĂ€nde haben die Franzosen ihr Ding durchgezogen. Und entgegen den obligatorischen Skeptikern, die es in jedem Land gibt, und die guten AnsĂ€tzen gerne und vorschnell Wirkungslosigkeit unterstellen (weil sie die Vorhaben aus ganz anderen GrĂŒnden ablehnen) ist nach drei Jahren Anwendung ein Erfolg zu bilanzieren. Das ĂŒbrig gebliebene Essen, verteilt an BedĂŒrftigte, kommt da an, wo es benötigt wird. Die Wegwerfmenge sinkt, und kein Handelsbetrieb, egal ob klein oder groß, hat wegen dieser Maßnahme dichtmachen mĂŒssen.

Höchste Zeit, die Sache auch hierzulande konsequent anzugehen, statt nur mit Selbstverpflichtung. Ja, es gibt Initiativen, aber richtig Schwung hat das Ganze noch nicht. Aus meiner Sicht wird der Stellenwert von Essen und ErnĂ€hrung in einer Gesellschaft besonders dadurch sichtbar, wie ĂŒberschĂŒssig Nahrung produziert, konsumiert und entsorgt wird. Wenn nicht nur Kinder, sondern auch erwachsene Menschen dazu erzogen werden mĂŒssen, Lebensmittel wertzuschĂ€tzen, dann lĂ€uft was schief. Es sollte nicht sein, dass der vollgepubteste, ausrangierte Autositz bei eBay einen neuen Besitzer fndet, aber Essen schneller auf dem MĂŒll landet als man Stop! rufen kann.

Vor fĂŒnf Jahren berichtete der kompottsurfer ĂŒber MĂŒlltaucher, die in Aachen vor Gericht standen, weil sie den Abfallcontainer eines Supermarktes nach Essbarem durchsucht hatten. Eine geradezu bizarre Angelegenheit. GĂ€be es ein gesetzlich unterlegtes Gebot, verantwortungsvoll mit Nahrungsmitteln umzugehen und sie BedĂŒrftigen zugute kommen zu lassen, mĂŒsste auch in Deutschland niemand mehr im MĂŒll nach Essbarem suchen. Bevor man also Brot, Obst, GemĂŒse und Milch nutzlos verklappt, sollte es kostenlos verteilt werden. Meine Meinung. Aber bevor wir uns nur auf den Handel einschießen: Der Endverbraucher hat keinen Grund mit dem Finger auf den Handel zu zeigen. Er selbst geht viel zu oft mit schlechtem Beispiel voran.

Vielleicht wird Deutschland in vier Jahren Weltmeister. Wenn nicht im Fußball, dann bei der Lebensmittelrettung. Illusorisch? Ach was, man wird ja wohl noch wĂŒnschen dĂŒrfen.
________

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Samstag, 19. Mai 2018

Warum Lachs zum Spargel heikel ist.

Ich habe mich schon oft gefragt, warum da draußen so viele Köche unterwegs sind, die in ihren Rezepten Kombinationen von Spargel und Lachs empfehlen. Und jetzt, wo wieder Spargelsaison ist, frage ich mich das wieder. Hörte ich doch heute auf dem Wochenmarkt eine SpargelkĂ€uferin am GemĂŒsestand darĂŒber klagen, ihren GĂ€sten in diesem Jahr nicht wie gewohnt Lachs zum Spargel vorsetzen zu können, weil der gerade hoch in Misskredit stĂŒnde. TatsĂ€chlich tut er das schon lĂ€nger. Wegen gesundheitsgefĂ€hrdender Inhaltsstoffe wie Peroxide, die, lachs gesagt, leicht spaltbar sind und dabei reaktive Radikale freisetzen können. Zumindest gilt das fĂŒr den Zuchtlachs. Einen erhellenden Dokumentarfilm ĂŒber das dĂŒstere Geschehen unter der MeeresoberflĂ€che gibt es hier zu sehen. Wildlachs dagegen gilt als deutlich weniger belastet, wobei angesichts plastikvermĂŒllter Meere auch da perspektivisch Skepsis angebracht sein dĂŒrfte. Massenware ist das ohnehin nicht, und so mancher sparfĂŒchsige deutsche Verbraucher nicht bereit, dafĂŒr tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Aber selbst wenn alles gesund zugehen wĂŒrde mit dem Lachs – es macht mir auch geschmacklich kaum Freude, Lachs zum Spargel zu kombinieren. Wobei noch ein deutlicher Unterschied zu machen ist zwischen Lachs in rohem oder gegartem Zustand. Denn die Garung verĂ€ndert das Aromaprofil von Lachs immens. Die Aromaverbindungen Acetaldehyd und Propanal nehmen ab, Hexanal und Methional dagegen zu. Vielleicht ist das Grund, warum mir der rohe Lachs zum Spargel nicht ganz so unpassend erscheint wie der gegarte. Beim Blick auf die Seiten von foodpairing sah ich meine Bedenken bestĂ€tigt, was die Kombination von Spargel mit gekochtem Lachs angeht. Als Alternative aus der Welt von Fisch und MeeresfrĂŒchten stehen bei den Aromaexperten Muscheln und MeerĂ€sche hoch im Kurs. Hab’ ich beides noch nicht ausprobiert. Aber ein paar Saisonwochen Spargel bleiben dafĂŒr ja noch.

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Montag, 02. April 2018

Kaffee und angebliche Krebsgefahr: Wie ein Urteil gegen Starbucks und Co. Verwirrung stiftet.

Als der kompottsurfer im letzten Herbst ausfĂŒhrlich ĂŒber eine neue EU-Verordnung zum Thema Acrylamid berichtete – dabei aber Kaffee bewusst ausklammerte – war in den USA bereits eine Klage wegen Krebsgefahr durch Acrylamid im Kaffee in Vorbereitung. Eingereicht durch eine NGO, das Council for Education and Research on Toxics (CERT). Nun entschied ein Gericht in Los Angeles unter Vorsitz von Richter Elihu Berle, dass Unternehmen wie Starbucks, McDonalds und etwa 90 andere Warmhinweise auf ihre Becher drucken mĂŒssen. Abgesehen davon, dass die Unternehmen noch bis Mitte April Zeit haben, Widerspruch gegen das Urteil einzulegen, kam mir gleich der Gedanke: Und was passiert, wenn ich als Umweltfreund in LA mit meiner schicken Hydro Flask bei Starbucks Kaffee hole statt im Einwegplastikbecher? MĂŒssen die mir dann beim Bezahlen einen Gefahrenbescheid aushĂ€ndigen?

Wie auch immer: In Kalifornien sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Verbraucher zu warnen, wenn ihre Produkte Verbindungen enthalten, die Krebs verursachen könnten. Nun ist lĂ€ngst nicht klar, ob das beim Rösten von Kaffee entstehende Acrylamid ĂŒberhaupt in gesundheitlich bedenklicher Menge anfĂ€llt. Richter Berle fĂ€llte denn auch ein auf VersĂ€umnis denn Verseuchnis beruhendes Urteil. Die Beklagten hĂ€tten es versĂ€umt, ihrer Beweispflicht nachzukommen, dass der Konsum von Kaffee einen Vorteil fĂŒr die menschliche Gesundheit darstellt.

Anscheinend mĂŒssen Hersteller in Kalifornien nachweisen, dass der Konsum ihres Kaffees von Vorteil fĂŒr die Gesundheit ist, um zu verhindern, dass des Amerikaners liebstes HeißgetrĂ€nk als Krankmacher abgestempelt wird. Verstehen muss man diese juristische Logik nicht.

Aber was ist denn nun mit der Krebsgefahr? Die chemische Reaktion, die Acrylamid bildet, kommt in Gang wenn kohlenhydratige Speisen auf mehr als 120 Grad erhitzt werden. Je lĂ€nger und heißer, desto mehr Acrylamid kann entstehen. Mit dem gelegentlich gefĂ€hrlichen Halbwissen eines lebensmittelchemisch interessierten Journalisten frage ich mich: Sind Kaffeebohnen tatsĂ€chlich Kohlenhydratbomben? Antwort aus dem Lehrbuch von Belitz, Grosch und Schieberle: Die Anteile betragen 38% (Arabica) bzw. 41,5% (Robusta). Zum Vergleich: Weizenmehl enthĂ€lt 71%, Kartoffeln 17%. Die Menge allein sagt erstmal noch nicht allzu viel aus, was aber leicht zu erkennen ist: Kaffeebohnen enthalten reichlich Kohlenhydrate.

Aber nun kommt mal wieder die Wissenschaft ins Spiel. Unbestritten ist, dass Röstprozesse kohlenhydrathaltiger Verbindungen Acrylamid entstehen lassen. Unbestritten ist auch, dass Acrylamid karzinogene Wirkung entfalten kann. Aber wie lassen sich diese Fakten mit einer Reihe Metastudien in Einklang bringen, die Kaffee gesundheitsfördernde Wirkung zuschreiben? Gar nicht. Was zeigt, dass es eben ĂŒberhaupt nicht einfach ist, komplexe Lebensmittelverbindungen und ihre Wirkungen auf den menschlichen Organismus zu verstehen.

FĂŒr mich unerklĂ€rlich bleibt, warum die beklagten Unternehmen in Kalifornien, wie es scheint, keine ernsthafte Gegenwehr erkennen ließen. Hatten sie die Lage unterschĂ€tzt? Dabei wĂ€re es so einfach gewesen, im eigenen Land bedeutende FĂŒrsprecher zu finden. Wissenschaftler der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hatten vor wenigen Jahren drei Langzeitstudien mit ĂŒber 200.000 Probanden ausgewertet. Ergebnis: Kaffeegenuss (bis 5 Tassen tĂ€glich) kann als hilfreich gegen tödliche ErkrankungsverlĂ€ufe durch Herzinfarkt, Diabetes Typ 2 und Depression interpretiert werden. Dazu Frank Hu, am Institut zustĂ€ndiger Professor fĂŒr ErnĂ€hrung und Epidemiologie: “Der regelmĂ€ĂŸige Konsum von Kaffee kann als Teil einer gesunden, ausgewogenen ErnĂ€hrung angesehen werden”,  wie auch der kompottsurfer damals berichtete.

_______

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Sonntag, 18. MĂ€rz 2018

Ach du dickes Überraschungsei: Studie widerlegt Zusammenhang zwischen Übergewicht und SĂŒĂŸwarenkonsum bei Kindern.

Da muss der gesundheitsbewusste Leser zweimal hingucken, bevor er’s glauben kann: Ein Forscherteam der UniversitĂ€t Melbourne hat im Rahmen einer belastbaren Metastudie, die insgesamt 19 Studien mit ĂŒber 170.000 Teilnehmern auswertete, herausgefunden, dass es eine umgekehrte KausalitĂ€t zwischen SĂŒĂŸigkeitenkonsum und Übergewicht bei Kindern gibt. Die gierigsten Naschkatzen hatten tatsĂ€chlich ein um 18% niedrigeres Risiko ĂŒbergewichtig zu werden als die zurĂŒckhaltenden Kinder aus den Kontrollgruppen. Wie kann das sein?

Nun wurde ja gerade erst in einer Untersuchung die angebliche herzschĂŒtzende Wirkung von leichtem Übergewicht als höchst fragwĂŒrdig entlarvt, was mir vom BauchgefĂŒhl her schon lange klar war. Insofern ist es sicher nicht verkehrt, auch der australischen Studie eine kleine Portion Skepsis entgegenzubringen.

Ganz unwissenschaftlich aus meinem privaten NĂ€hkĂ€stchen geplaudert, muss ich eingestehen, als Kind Umengen SĂŒĂŸigkeiten vertilgt zu haben. Und ich hatte trotzdem kaum ein Gramm Fett am Leib. Allerdings kam ich auch auf ein wöchentliches Sportprogramm von 7-10 Stunden. Und das wiederum passt perfekt zu den Aussagen von Wissenschaftlern aus Medizin und ErnĂ€hrungsforschung, die mit Abstand wichtigste Waffe gegen Krankheiten und Übergewicht sei nicht die richtige ErnĂ€hrung sondern Bewegung, was zahlreiche Metastudien belegten.

Leider konnte ich in der Melbourner Untersuchung bisher keine Aussagen ĂŒber die körperliche AktivitĂ€t der unterschiedlichen SĂŒĂŸwarenfraktionen finden. Vielleicht liegt da schon eine ErklĂ€rung: Die Vielvertilger bewegen sich einfach mehr?

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Dienstag, 20. Februar 2018

Die flackernde Lebensmittelampel hat wieder neuen Strom. Aus Frankreich. Aber leuchtet sie deshalb besser?

Nutri-Score in Frankreich

Sie war ĂŒber Jahre auch fĂŒr den kompottsurfer ein großes Thema: die Lebensmittelampel. Und nach grĂŒndlicher AbwĂ€gung des FĂŒr und Wider kam ich 2010 zu dem Schluss, dass diese Ampel alles andere als hilfreich ist, das Ziel zu erreichen, den Verbraucher besser auf versteckte Inhaltstoffe, NĂ€hrwerte und die Gefahren falscher ErnĂ€hrung hinzuweisen. Nun ist in Frankreich, gefĂŒttert mit reichlich medialer Aufmerksamkeit, eine Lebensmittelampel in Betrieb gegangen, die einen sogenannten Nutri-Score ausleuchtet, fĂŒnffarbig, kombiniert mit den Buchstaben A bis E. Von DunkelgrĂŒn bis Dunkelrot.

Abgesehen davon, dass die Ampelkennzeichnung in Frankreich der Freiwilligkeit unterliegt, geht die ganze Geschichte meines Erachtens in die falsche Richtung. Auch diese Ampel suggeriert dem Verbraucher, dass es gute und schlechte Lebensmittel gibt. Aber – und ich kann das nicht oft genug wiederholen – es gibt keine guten und schlechten Lebensmittel. Es gibt nur gute und schlechte ErnĂ€hrung, und die Unterscheidung lernt man nicht mit Hinweisen auf Verpackungen von Lebensmitteln. Genauso gut könnte man Richtungspfeile auf Torpfosten malen, in der Hoffnung, dass mit dieser Hilfe Fußballspieler das Tor besser treffen.

Schon das Festlegen von Grenzwerten ĂŒber alle Produktgruppen hinweg ist ein reichlich irrefĂŒhrendes Vorgehen. Mir steht da der GesamtnĂ€hrwert zu sehr im Vordergrund. Aber Fett ist nicht gleich Fett, und Zucker nicht gleich Zucker. Um nur ein Beispiel von zig möglichen zu nennen: Allein die Differenzierung beim Schalenobst ist schon eine Herausforderung. Viel zu viel Fett, könnte man als NĂ€hrwertkontroletti sagen. Nein, könnten die anderen kontern, die JĂŒnger Yogeshwars vielleicht, da sind hauptsĂ€chlich gute Fette drin.  Omega-3 und so. Nur stimmt auch das nicht unbedingt, wenn man den hohen Anteil Omega-6-FettsĂ€uren in manchen Sorten berĂŒcksichtigt. Vom Allergiepotential ganz abgesehen.

Auch bleibt der Grad der Verarbeitung, soweit ich das verstanden habe, bei der Nutri-Score-Ampel weitgehend unberĂŒcksichtigt. Kein Wunder also, dass Lebensmittelunternehmen wie Fleury Michon, Danone und McCain ihre Teilnahme an der Ampel bereits zugesagt haben. Mit geschickter Verabeitung lĂ€sst sich viel schönes, grĂŒnes Ampelessen herstellen. Ob das aber einer gesunden ErnĂ€hrung zugute kommt, darf man durchaus bezweifeln. Und so sehe ich die entstandene Aufregung ĂŒber die AnkĂŒndigung einiger Lebensmittelriesen wie NestlĂ©, Unilever und Coca Cola eine eigene Kennzeichnung einzufĂŒhren als pures Scheingefecht. WĂ€hrend VerbraucherschĂŒtzer und Politiker ihre Energie in diesem Streit verpulvern, geht wertvolle Zeit verloren, die Sache von Grund auf anzugehen. Zum Beispiel mit einer europaweiten EinfĂŒhrung (die EU redet bei dem Thema ja mit) von ErnĂ€hrungslehre und Kochen als Pflichtfach in der Grundschule und als freiwilliges Fach in allen weiterfĂŒhrenden Schulen. Anders wird das nichts, fĂŒrchte ich.

_____

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF

Freitag, 26. Januar 2018

Afrikanische Schweinepest: Ist die Gefahr wirklich so groß?

“Es ist Ă€ußerste Undankbarkeit, wenn die Wurst das Schwein ein Schwein nennt”, schrieb Karl Kraus vor ziemlich genau einem Jahrhundert. Keine Ahnung, warum mir das legendĂ€re Zitat des Satirikers gerade im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest einfĂ€llt. Ich werde wohl mal wieder meine Psychologin anrufen mĂŒssen.

Mit der EuropĂ€ischen Schweinepest hatten wir es in Deutschland im grĂ¶ĂŸeren Ausmaß zuletzt 2006 zu tun. Ganz in der NĂ€he, am Nordrand des Ruhrgebiets hatte sich die Seuche ausgebreitet, in deren Folge knapp 100.000 Schweine gekeult wurden. Gut zehn Jahre zuvor waren in den Niederlanden ĂŒber 12 Millionen Schweine den Maßnahmen zur EindĂ€mmung der Seuche zum Opfer gefallen. Nun sorgt die Afrikanische Schweinepest fĂŒr Aufregung bei Landwirten, Politikern, Verbrauchern und TierschĂŒtzern, die sich derzeit im nahen Osteuropa bei Wildschweinen ausbreitet und im ferneren Russland (Region Belgorod) bereits Hausschweine in einer Mastanlage befallen haben soll.

Laut Wikipedia gilt die Afrikanische Schweinepest als deutlich weniger ansteckungsgefĂ€hrdend als die EuropĂ€ische. Dem Menschen, so ist zu lesen, kann sie auch nicht gefĂ€hrlich werden, soweit er sein Geld nicht mit Viehzucht verdient und die Keule der Zwangstötung kompletter TierbestĂ€nde fĂŒrchten muss. Und so wirkte die Wucht der medialen Gefahrenbeschwörung auf mich zunĂ€chst ein wenig befremdlich. Angeblich Schuld an dem Schlamassel – einer muss ja Schuld sein – das Wildschwein als ÜbertrĂ€ger, dessen Lobby hierzulande kaum grĂ¶ĂŸer sein dĂŒrfte als die der Klapperschlangen in Texas, wo es alljĂ€hrlich ein mehrtĂ€giges Jagdfestival gibt, wie der Guardian vor gut zwei Jahren berichtete. Das Fleisch der Schlangen wird dort (angeblich, ich war noch nie dabei) frittiert gegessen. Wildschwein isst man hierzulande eher gebraten, aber das nur am Rande. Wissen ohnehin die allermeisten, die hier mitlesen. Wo wollte ich hin? Ach ja: FĂ€llt das Borstenvieh noch mehr in Ungnade, weil es jetzt nicht mehr nur an besiedelten StadtrĂ€ndern den HausmĂŒll durchwĂŒhlt, sondern auch noch das Hausschwein mit der Afrikanischen Schweinepest anstecken könnte, wird es vielleicht schon bald in Bayern oder Brandenburg Widschwein auf texanische Art geben – bei Festivals gejagt und anschließend gegrillt als Texasburger serviert.

Auf der Suche nach sachkundigen Aussagen von Experten bin ich auf dieses aktuelle Interview von Dagny LĂŒnemann mit dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Wildtier Stiftung, Hilmar Freiherr von MĂŒnchhausen gestoßen, veröffentlicht auf Zeit Wissen Online. Kann ich jedem Interessierten unbedingt empfehlen, egal, ob man nun fĂŒr die ausgedehnte Wildschweinjagd ist oder nicht. Es erlaubt einen Blick in eine Welt, die man als Stadtmensch nicht unbedingt so wahrnimmt, der wiederum alles andere als unschuldig ist an der Gefahrenlage. “Maßgeblicher ÜbertrĂ€ger der Afrikanischen Schweinepest ist der Mensch, der das Virus ĂŒber Lebensmittel oder kontaminierte Fahrzeuge verschleppt” sagt der Freiherr und kritisiert den aktuellen politischen Aktionismus: “Keine Schonzeiten mehr, Jagen mit kĂŒnstlichen Lichtquellen auch zur Nachtzeit, AbschussprĂ€mien. Sogar ĂŒber große Lebendfallen, sogenannte SaufĂ€nge wird diskutiert. So etwas hat nicht mehr viel mit Jagd zu tun, sondern Ă€hnelt der SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung.” Was fĂŒr eine Schweinerei, möchte man sagen. Selbst wenn man Wildschweinbraten lecker findet.

_____

  • Twitter
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Digg
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Yahoo! Bookmarks
  • FriendFeed
  • Posterous
  • RSS
  • Print
  • PDF