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Samstag, 29. Februar 2020

COVID-19 und die Frage: Müssen wir unsere Ernährungsgewohnheiten wegen der Virus-Gefahr ändern?

Gerade war ich mit meiner Programmplanung fĂĽr die weltgrößte Weinfachmesse ProWein fertig, da poppt eine neue Email in meinem Postfach auf. Und ich lese: “Die Messe DĂĽsseldorf GmbH verschiebt die Messen ProWein, wire, Tube, Beauty, Top Hair sowie die Energy Storage Europe. In enger Abstimmung mit allen beteiligten Partnern wird das Unternehmen zeitnah ĂĽber alternative Messetermine beraten, um größtmögliche Planungssicherheit zu garantieren. Damit folgt die Messe DĂĽsseldorf der Empfehlung des Krisenstabs der Bundesregierung, bei der Risikobewertung von GroĂźveranstaltungen die Prinzipien des Robert-Koch-Instituts zu berĂĽcksichtigen.”

Offen gestanden hatte ich schon vor zwei Wochen damit gerechnet, dass es so kommen würde. Nicht zuletzt, weil Aussteller und Fachbesucher zu großen Teilen aus dem Ausland anreisen, inklusive China. Da erschien mir die erste Ankündigung der Messebetreiber, die Teilnehmer durch erhöhte Desinfektionsmöglichkeiten an Eingängen und in sanitären Einrichtungen schützen zu wollen, ein reichlich optimistisches Unterfangen. Zumal ich mir vorstellte, wie das wohl ist, Wein zu verkosten, wenn überall der Geruch von Desinfektionsmittel in der Luft liegt.

Das Thema COVID-19 und wie schĂĽtze ich mich am besten, berĂĽhrt auch unseren Ernährungsalltag. Da Risikominimierung oberstes Gebot ist, sollten wir unsere Essgewohnheiten der Gefahrenlage anpassen. Ganz besonders heikel ist aus meiner Sicht diese ganze Unterwegsesserei. Mal eben eine Brezel auf die Faust am Bahnhof, die Stadionwurst beim FuĂźball-Bundesligaspiel, der Döner nach Feierabend – während rundherum virale Gefahren lauern. Bei Durchsicht der behördlichen Empfehlungen des zuständigen Bundesinstituts fĂĽr Risikobewertung (BfR) erhalten Verbraucher den Hinweis, dass “eine Ăśbertragung des Virus ĂĽber kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich” ist, zumal, wenn “allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden.” Dazu gehört, beim Verzehr von rohen Lebensmitteln größte Vorsicht walten zulassen. Die Obst- und GemĂĽsetheken im Supermarkt oder beim Einzelhändler werden von vielen Menschen frequentiert, die Waren oft begrapscht. Und auch ein HĂĽsterchen oder Niesen kann schnell mal zur Bestäubung von Ă„pfel, Birnen und Salaten mit verunreinigten Tröpfchen fĂĽhren. Da Viren hitzeempfindlich sind, sollten in Zeiten wie diesen Lebensmittel konsumiert werden, die erhitzt oder gekocht werden mĂĽssen, weil das die Infektionsgefahr deutlich verringert. Ist ja ohnehin gerade noch die Zeit des Winterkohls.

Eine weitere Empfehlung der Behörden betrifft die Vorratshaltung, wobei diese Ratschläge grundsätzlichen Charakter haben, aufgrund der COVID-19-Lage aber noch einmal herausgestellt werden. Jeder Haushalt sollte zu jeder Zeit Lebensmittel für zehn Tage vorhalten, die in Notfallsituationen als Nahrungsvorrat dienen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hält für uns Bürger sogar ein Notfallkochbuch bereit. Aber was brauchen wir nun konkret? Zunächst einmal zwei Liter Wasser pro Tag und Person. Und wo wir gerade beim Trinken sind: Wer einen kleinen Weinkeller pflegt, muss in schweren Zeiten nicht mal auf Genuss verzichten. Macht das Leben zumindest ein bisschen angenehmer.

Auch was das Essen betrifft, darf ein Notfallvorrat durchaus auf Genuss ausgelegt sein, wobei die nötige Energieversorgung natürlich abgesichert sein sollte. Mein Favorit ist Couscous, da es nur ein wenig ungekochtes frisches Wasser braucht, um ihn quellen zu lassen und verzehrfertig zu machen. Etwas abweichend von der offiziellen Empfehlungsliste, die mir auf zu viele nur bedingt haltbare Lebensmittel wie Kartoffeln setzt, empfehle ich folgenden Vorräte:

Couscous, Nudeln (100% Hartweizengries), Getrocknete Hülsenfrüchte (Linsen und Kichererbsen), Sardellen (Glas), Tomaten (Dose), Kalamatra-Oliven (Glas), Pesto (Glas), Risotto, Pumpernickel, Knäckebrot, Erdnüsse, H-Milch, Kokosmilch, Honig, Marmelade, Getrocknete Gemüsebrühe, Getrocknete Tomaten, Getrocknete Pilze, Semmelbrösel, Knoblauch, Trockenfrüchte, Risottoreis, Parmesankäse. Auch ein gut sortierter Gefrierschrank macht das Überleben im Notfall leichter, zumindest so lange, wie die Stromversorgung gesichert ist. Da können zum Beispiel Erbsen, Bohnen und Spinat das Kochspektrum erweitern. Wichtig ist, dass genug lang haltbare getrocknete Lebensmittel am Start sind und man im Ernstfall zuerst alles das wegfuttert, was noch frisch vorrätig ist. Versteht sich eigentlich von selbst. Aber in Krisenfällen ist das Gehirn nicht immer auf der Höhe. Zum Glück bedroht uns so eine Situation noch nicht akut, aber manchmal kann es schneller gehen als man sich das vorstellen kann. Und dann ist man besser gut vorbereitet.

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Sonntag, 05. Januar 2020

Visite mit Schmackes: Spitzenköche entwickeln Krankenhauskost für Patienten.

Ich wollte einfach nur raus. Raus aus dem Zimmer. Weg vom schnarchenden Nachbarn, der immerzu Besuch hatte. Und vor allem wollte ich größtmöglichen Sicherheitsabstand zum Essen, das man mir ans Bett stellte. Krankenhausaufenthalte sind ja schon aufgrund der zu kurierenden Ursache hart genug – wenn dann noch erschwerende Umstände zukommen, muss man als Patient doppelt tapfer sein. Nun sind für eine Kreuzband-OP, wie ich sie kürzlich zu überstehen hatte, drei bis vier Tage Aufenthalt im Krankenhaus üblich, aber beim Blick auf die Mahlzeiten fragte ich mich: Wie überlebe ich das so lange? Und ganz nebenbei: Wer soll so gesund werden?

Ich will das Gute nicht verschweigen, man hatte mir wirklich 1a Opiate gegen die Schmerzen serviert. Nur waren die leider wirkungslos gegen die Qualen, die mir Geruch und Geschmack des Essens bereiteten. Dazu diese Unmengen an Kohlenhydraten. Da kam so viel Süßes und Schweres auf die Tabletts, noch dazu übergart, dass ich mir schon ab Tag 1 von daheim Müsli mit frischen Früchten mitbringen ließ (unendlichen Dank für diesen Service!). Kaum war ich wieder zuhause (vorzeitig abgereist), erreichte mich eine Pressemitteilung der Helios-Kliniken. Helios startet neues Speisenkonzept mit Sterneköchen stand dort zu lesen. Zum Glück musste ich mich nicht ärgern, ich hatte in keiner Helios-Klinik gelegen, zudem startet das Programm erst im März 2020. Aber ich stellte mir schon die Frage, welchen Stellenwert ich dem Essen als Entscheidungskriterium für die Auswahl einer Klinik beimessen würde, sollte ich mal wieder hinein müssen. Dass Helios die Aktion nicht allein zum Wohle der Patienten, sondern auch als Werbebotschaft initiiert hat, darf man getrost annehmen. Es geht im Klinikgeschäft immer um Geld, um ertragreiches Wirtschaften, auch deshalb ist das Essen in den meisten Krankenhäusern so wie es ist: erbarmungswürdig.

Erbarmt haben sich nun einige Spitzenköche – vermutlich zwar nicht pro bono, aber immerhin – und stellen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in den Dienst des Patienten. Mit Nils Henkel, Thomas Bühner, Hendrik Otto, Juan Amador, Christoph Rüffer und Maike Menzel hat das Klinik-Unternehmen wirklich erstklassige Leute an Bord geholt. Unterstützt werden sie dabei vom Service-Experten Carsten Rath. „Gesunde Küche sollte immer auch köstlich sein. Daher finde ich es spannend, bei diesem Projekt meine Ideen beizusteuern“, sagt Nils Henkel und Thomas Bühner ergänzt: „Ich durfte bereits einige Erfahrungen in der Klinikverpflegung sammeln und konnte mich daher mit eigenen Augen davon überzeugen, wie wichtig eine gute Verpflegung im Krankenhaus ist. Schließlich dient gutes Essen dem Wohlbefinden – und damit auch der Genesung!“ Da stimme ich voll und ganz zu, und ich wünsche mir, dass die Aktion andere Kliniken zur Nachahmung bewegt. In den Genuss des besseren Essens sollen übrigens sowohl Privat- als auch Kassenpatienten kommen, gut so. Alles andere wäre wohl auch schwer zu vermitteln gewesen.

Nun ist es nicht das erste Mal, dass Spitzenköche antreten, KantinenkĂĽche besser zu machen. Man denke nur an Jamie Oliver’s Engagement fĂĽr besseres Schulessen, auch Tim Raue und Tim Mälzer haben sich in ähnliche Projekte eingebracht. Nun war es aber ausgerechnet Mälzer, der die Erwartung dämpfte, man könne ĂĽber Schulkantinen eine gesunde Ernährung absichern: “Eltern dĂĽrfen nicht von einer Schulkantine erwarten, dass dort auf Restaurantniveau gekocht wird, wenn das Essen nur 2,50 Euro pro Portion kostet.” Zumal es schwer sein dĂĽrfte, so Mälzer, Dienstleister zu finden, die damit klar kämen, nichts an ihrer Arbeit zu verdienen. Wenn ich das Kostenproblem auf das Vorhaben ĂĽbertrage, Essen in Krankenhäusern besser zu machen, sind Zweifel angebracht, ob die Unternehmung nicht zum Scheitern verurteilt ist. Anders herum: Es ist Geld im System. Der Einsatz einer neuen HĂĽfte kostet ca. 7.500 Euro, da sollten doch fĂĽr den Patienten die 6 Euro fĂĽr ein saftiges HĂĽftsteak mit Salat locker drin liegen. Muss ja nicht unbedingt vergoldet sein.

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Dienstag, 17. Dezember 2019

Die zerfleischte Lust auf den Weihnachtsbraten.

Als ich im Januar dieses Jahres mal wieder über nachgewiesene Keimbelastungen bei Fleischprodukten vom Discounter schrieb, war es alles andere als eine steile These, hierzulande ein strukturelles Problem bei der großindustriellen Herstellung von Fleisch- und Geflügelwaren auszumachen. Aktuell beklagen nun die selbsternannten Essensretter von foodwatch einen eklatanten Mangel an Lebensmittelkontrollen in Deutschland. Das Problem ist alles andere als neu, nur wird es jetzt durch die Ankündigung aus dem zuständigen Bundeministerium befeuert, die Kontrollfrequenz senken zu wollen. Nach dem Motto: Wenn wir die vorgeschriebene Stichprobenzahl nicht schaffen, dann passen wir halt die Vorschriften an die Möglichkeiten an. Angesichts des Umstands, dass selbst die Zahl der vorgeschriebenen Kontrollen nicht mal ansatzweise ausreichen, die unfassbaren Mengen verpackter Frischfleischware stichprobenhaft auf Verderb und Keimbelastung zu prüfen, eine tickende Zeitbombe, wenn man mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.

Vor wenigen Wochen machte der stern mit einer Titelgeschichte über den Mangel an Staatsdienern auf. Und enthüllte, wie wenig die Ansicht vieler Bürger von einem aufgeblähten Staatsapparat mittlerweile noch mit den Tatsachen zu tun hat. Die über Jahre praktizierten Einsparungen mangels klammer öffentlicher Kassen haben dazu geführt, dass nicht zuletzt in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Polizei, Feuerwehr und Lebensmittelkontrolle Personalnot herrscht, vom Schul- und Justizwesen gar nicht zu reden. Dazu kommen die gestiegenen Ansprüche an behördliche Dienstleistungen beim Bürger.

Eine der wichtigsten Ursachen für die Misere aus meiner Sicht: die scheinbar unausrottbare Geiz-ist-geil-Mentalität in Deutschland. Wobei Differenzierung angebracht ist, geben wir doch gerne reichlich Geld für Urlaub, Auto, Möbel und Konzerte aus, betrachten aber jeden Betrag für behördliche Dienstleistungen als Wegelagerei. Auch beim Essen sind viele gern knausrig. Aber wehe, da stimmt was mit der Qualität nicht. Und so mixen wir uns als Staatsbürger und Verbraucher den gefährlichen Cocktail höchstselbst zusammen. Die Zutaten sind Billigware, Massentierhaltung und fehlende Kontrollen. Und die Umweltaspekte einer fleischlastigen Ernährung, zu der die Billigware führt, sind da noch gar nicht eingepreist.

Und so stehen wir nun da, kurz vor den Feiertagen, mit einer möglicherweise zerfleischten Lust auf den Weihnachtsbraten und fragen uns: Müssen wir wirklich auf Tofu-Steak umschwenken? Wenn es Sie beruhigt: Ich mache das nicht. Aber ich kaufe auch nicht massenweise Fleisch ein, billig schon gar nicht, und auch eine Mastgans kommt mir nicht auf den Tisch, Pute erst recht nicht. Am liebsten serviere ich ein Stück Wild, und damit gut. Solange wir ein Kilogramm Hähnchenfleisch (3,98 €) zum Preis von drei Tüten Chips einkaufen können, läuft gewaltig was schief. Und wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn uns schon bald der nächste Lebensmittelskandal erwischt.

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Montag, 21. Oktober 2019

Ständig neue Studien zur Wirkung von Lebensmitteln auf unsere Gesundheit. Aber wie aussagekräftig sind sie?

Ganz ehrlich, es gibt Tage, da wische ich Meldungen über neue Lebensmittelstudien einfach weg. Wird in zwei Monaten sowieso widerlegt. Oder in zwei Jahren. Aber ich halte die Ignoranz nicht lange durch. Einmal eingenistet in meinem Hirn, martert mich der Gedanke, vielleicht wichtige Informationen verdrängt zu haben. Was, wenn ich Frühstück für Frühstück Obstmüsli vertilge, davon aber irgendwann Haarausfall bekomme? Oder schlimmeres? Plattfüße, zum Beispiel. Das alles nur, weil ich eine Meldung nicht gelesen habe. Ich mag es mir nicht ausmalen. Also sah ich sie mir an, diese frischen Nachrichten über rotes Fleisch. Da berichtete die Süddeutsche Zeitung vor einigen Tagen unter der Überschrift Entwarnung für rotes Fleisch? über eine kanadische Studie, wonach Menschen die Anzahl ihrer Fleischmahlzeiten (3-4 mal pro Woche) nicht einschränken bräuchten, da keine gesundheitliche Gefährdung drohe. Spiegel, stern, Zeit – überall war ähnliches zu lesen.

Das Plöppen der Champagner-Korken im Metzgerhandwerk war noch nicht verhallt, da widersprach Martin Smollich, Professor am Institut für Ernährungsmedizin der Universität Lübeck, jener Lesart der Studie, die Entwarnung für rotes Fleisch signalisierte. In einem unbedingt lesenswerten Beitrag auf Zeit Online verweist er auf fehlende Unabhängigkeit der Untersuchung, die von einem Lobby-Verband der texanischen Agrarindustrie gefördert sei. Deren erklärtes Unternehmensziel: die Rinderzucht in Texas fördern.

 Keine Frage, das allein reichte schon aus, der Untersuchung mit reichlich Skepsis zu begegnen. Aber Smollich weiß noch mehr zu berichten. Er schreibt, dass die Autoren der Studie selbst den Evidenzgrad ihrer Arbeit als gering einschätzen und namhafte Institutionen sich bereits der medialen Wucht der publizierten Ergebnisse entgegen stemmten.

Ja, so ist das in der meldungshungrigen Medienwelt von heute. Hauptsache schnell raus mit der Nachricht. Bei Studien– und das erwähne ich an dieser Stelle nicht zum ersten Mal – ist das besonders heikel. Zudem werden Ergebnisse oft wild interpretiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wirklich mühsam, als Verbraucher den Überblick zu behalten, was nun tatsächlich Stand der Wissenschaft ist und was nur Fantasie von Medienmachern. Und wo ich jetzt gerade erschrocken über eine kahle Stelle an meinem Kopf streiche und an mein Obstmüsli denke, fällt mir ein – es kommt nicht vom Essen, es kommt vom Haare raufen.

Wer weiter ins Thema einsteigen will, für den hat der kompottsurfer ein paar ältere Beiträge parat. Einfach mal reinschauen, zum Beispiel hier und hier.

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Montag, 14. Oktober 2019

Unsere Milch und das Auto.

BILD-Titelblatt vom 12.10.

Am Freitag hörte ich mit halbem Ohr im Radio irgendwas von wegen “RĂĽckrufaktion”. Ich dachte: Wieder so eine Automarke, die in einigen Modellen aus Versehen durchbrennende Sitzheizungen eingebaut hat, die den Fahrern ihren Allerwertesten ankokeln können. Mir schien das alles halb so wild. Und ich hatte die ganze Geschichte auch schon wieder vergessen, als ich tags darauf an einem Kiosk vorbei kam und die Titelzeile von BILD las: So verseucht ist unser Essen.

Warum ich sofort an die Rückrufsache aus dem Radio denken musste, weiß ich nicht. Aber es schien tatsächlich um etwas ernsteres zu gehen als angebratene Pobacken. Ich zückte mein iPhone und musste im Internet nicht lange suchen, bis ich von der bakteriell verunreinigten fettarmen Frischmilch erfuhr, die zuhauf in Supermarktregalen – sozusagen Schläfer-mäßig – darauf wartet, uns angreifen zu können. Selbst Schuld, wer diese fettarme Plörre trinkt, dachte ich im ersten Moment, beruhigt, dass mich das Problem nicht betraf. Aber schon mit dem nächsten Gedanken war ich wieder auf Kurs. Darf natürlich nicht passieren sowas, klar. Außer dem amerikanischen Präsidenten und einigen anderen Typen, die mir unsympathisch sind, gönne ich auch niemandem den Durchfall, den man von dieser Milch bekommt.

Wie anfällig wir in Deutschland für derartige Lebensmittel sind, beweist der Umstand, dass gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Milch nicht nur eine Marke betroffen ist, sondern gleich mehrere, wie im vorliegenden Fall. Milsani von Aldi Nord und Süd, Gut & Günstig von Edeka, K-Classic von Kaufland, Milbona von Lidl, Aro von Metro, Gutes Land von Netto, Tip von real und Ja von Rewe. Wollten Bösewichter die bundesdeutsche Bevölkerung für eine Weile außer Gefecht setzen – die Milch wäre eine prima Waffe.

Wenn konkurrierende Discounter und Supermarktketten viele ihrer Milchprodukte von nur einer Molkerei beziehen, braucht man nicht lange darüber grübeln, warum die Milchpreise so niedrig sind. Weil nur absolut kostengünstige Massenproduktion Milch zu diesem Preis möglich macht. Und wer ist schuld? Wir. Die Verbraucher im Land des preislich umkämpftesten Lebensmittelmarktes der Welt. Ja, das hören wir nicht gerne. Ist aber leider so.

Schnell stellte ich mir die Frage, wie zum Teufel man ĂĽberhaupt herausfinden kann, welche Milch unter welchem Label betroffen ist. Die Antwort: Ein Blick aufs Genusstauglichkeitskennzeichen bzw. Identitätskennzeichen. Sie werden wahrscheinlich fragen: Bitte, was? Ja, so hab’ ich im ersten Moment auch reagiert. Aber in einem Land, das gefĂĽhlt mehr Verwaltungsvorschriften als Einwohner hat, gibt es tatsächlich auch ein Genusstauglichkeitskennzeichen.

Laut Wikipedia ist ein “Genusstauglichkeitskennzeichen die amtliche Bezeichnung fĂĽr ein EU-einheitliches Symbol, das auf amtlich geprĂĽfte Schlachtkörper gestempelt wird. Seit 1. Januar 2006 existiert neben dem Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen auch der Begriff Identitätskennzeichen. Das Identitätskennzeichen wird von Lebensmittelunternehmern auf sonstigen tierischen Erzeugnissen bzw. deren Verpackungen angebracht. Der Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen wird z. T. fälschlicherweise auch fĂĽr das auf Verpackungen angebrachte Identitätskennzeichen verwendet.” Mit weiteren Einzelheiten dazu, die BĂĽcher fĂĽllen könnten, möchte ich niemandem zur Last fallen. Gesagt werden soll nur noch, dass das Kennzeichen fĂĽr die verseuchte Milch DE NW 508 EG lautet.

So unerquicklich die Sache mit der Milch auch ist – ein Blick ins Warnverzeichnis für problematische Lebensmittel offenbart weitaus Besorgnis erregendere Vorkommnisse.  Allen voran die in weit verbreiteteten Fleisch- und Molkerei-Erzeugnissen entdeckten Listerien sind gesundheitlich nicht nur heikel, sondern geradezu gefährlich. Da hilft eigentlich nur, die Finger von billigen Lebensmitteln zu lassen. Wir müssen unsere Einstellung zum Essen gründlich überdenken. Wir Deutschen neigen dazu, die Qualitätslatte bei technischem Gerät wie Auto, Smartphone oder Fernseher höher zu legen als beim Essen. Obwohl wir nur das Essen in unseren Körper lassen. Wer möchte schon Smartphones essen? Treue Leser dieses blogs kennen meine Haltung zur Qualität von Nahrung und auch meine unzähligen Beiträge über verseuchte Lebensmittel in den letzten eineinhalb Jahrzehnten. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, wenn uns ein oft zu gedankenloser Konsum Sorgenmomente wie die aus der letzten Woche beschert.

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Samstag, 28. September 2019

Mein letzten Schluck aus der Plastikpulle.

Wasser ist ein freundliches Element fĂĽr den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiĂź. Dieser schöne Satz stammt leider nicht von mir, sondern von Goethe, der sogar weit ausfĂĽhrlichere Einlassungen zur Natur verfasst hat. Ich schreibe das, weil mir nach einer Ăśberleitung dellingscher Prägung zumute ist: Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben nämlich herausgefunden, dass – egal wie dicht du bist – Goethe Dichter war. Ach nee, das ist der Lieblingswitz meines Sohnes. Tatsächlich fand die Forschungsgruppe PlastX der Universität heraus, wie sehr in Plastikflaschen abgefĂĽlltes Mineralwasser von unzähligen, toxisch wirkenden Chemikalien traktiert wird. Wie war das noch? Wasser ist ein freundliches Element fĂĽr den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiĂź? Und jetzt wird es erst richtig interessant, denn eigentlich wissen wir Wasser ja so zu behandeln, dass es uns Menschen ein freundliches Element ist. Aber wir tun es nicht. Und nicht nur mit Wasser gehen wir unerfreulich um, sondern auch mit anderen Lebensmitteln.  „Wir fanden in drei von vier getesteten Produkten schädliche Substanzen, darunter Chemikalien, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormonähnliche Effekte hervorrufen”, berichtet Lisa Zimmermann, Erstautorin der Studie. Sogar Bioplastik ist nicht so unbedenklich, wie es uns seine euphemistische Bezeichnung glauben machen möchte.

So leicht es ist, die große Lebensmittelindustrie für ihre Plastikverpackungen an den Pranger zu stellen, so schwer fällt es uns Konsumenten, unser Einkaufsverhalten zu ändern. Wir sind es doch, die das Zeug kaufen. Es ist noch keine zehn Jahre her, da besorgte ich mir auf dem Weg nach München im Umsteigebahnhof Kassel-Wilmhelmshöhe regelmäßig einen Coffee-2-go im Pappbecher für die Weiterfahrt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht ungesund und alles andere als nachhaltig ist, was ich da mache. Mit dem Kaffee war es natürlich nicht getan. Ich kaufte auch noch eine Literflasche Wasser, ebenfalls im praktischen Plastikgebinde. Und wenn ich ganz schlimm hungrig und nichts anderes aufzutreiben war, besorgte ich mir auch noch eines dieser plattgewalzten und akkurat zu zwei rechtwinkligen Dreiecken geschnittenen Sandwiches, ebenfalls in Plastik verpackt. Wenn ich einen Marathon lief, trank ich an den Verpflegungsständen aus Einwegplastikbechern, die ein paar Meter weiter in einen Müllsack geworfen wurden. Da regte mich nur auf, wenn andere Läufer ihre Becher nicht in den Müll, sondern achtlos in der Botanik entsorgten. Heute schmiere ich mir Butterbrote für unterwegs, fülle meinen knallblauen Hydro-Flask-Becher randvoll mit hausgemachtem Cappu und packe noch einen Liter Wasser (Glasflasche) mit ein. Das alles wiegt zwar ein bisschen was, aber meine Güte, was schleppe ich Tag für Tag nicht alles durch die Gegend. Da kommt es auf das bisschen mehr auch nicht mehr an.

Mein letzter Schluck aus der Plastikpulle liegt jetzt drei Monate zurĂĽck. Bahnfahrt aus den Alpen heimwärts. Alle Vorräte waren ausgetrunken und nirgendo Glasflaschen aufzutreiben. Ich ĂĽbertreibe nicht, wenn ich sage: dieser Einkauf hat wehgetan. Zwei gewichtige GrĂĽnde sprechen also dafĂĽr, möglichst keine in Plastik verpackte Lebensmittel mehr zu konsumieren: Schutz der Umwelt und RĂĽcksicht auf die eigene Gesundheit. Braucht es mehr? Ich finde nicht. Packen wir’s an!

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Donnerstag, 05. September 2019

Wie unsere Lebensmittel den Müllschlucker ernähren.

An sonnigen Morgenden nehme ich mein Frühstück gerne auf der Terrasse zu mir. Die Sonne schickt erste sanfte Strahlen über die Häuser der Nachbarschaft, ich lausche in Ruhe dem Vogelgezwitscher und dann: Rumms! Polter! Quietsch! Ach ja, Montag heute. Müllabfuhr, Gelbe Tonne. Höchste Zeit, dass die kommen. Quoll am Vortag schon wieder über, der Kübel. Dabei bin ich schon seit Monaten auf Verpackungsdiät. Motto: Möglichst wenig kaufen, was unnötig verpackt ist. Und es ist vieles unnötig verpackt. Vor allem bei Lebensmitteln. Bei Frischmilch sind wir gerade von Tetra Pak auf Glas umgestiegen, was bei einem Verbrauch von fünf Litern pro Woche schon mal ordentlich Sparpotential bringt. Dosentomaten bevorrate ich schon seit einer Weile nur noch im Winter. Im Sommer wird alles frisch gekauft und höchstselbst enthäutet. Bequemlichkeit war gestern. Aber was das frisch Kaufen von Tomaten angeht, so bin ich immer wieder erstaunt, ach was, erschüttert, wie oft man beim Discounter Tomaten in Plastik verpackt herumliegen sieht. Und Champignons, Paprika, Pfirsiche, Birnen, Pflaumen. Muss das? Muss nicht. Natürlich nicht.

Immerhin spĂĽre ich seit einigen Monaten einen Hauch von Veränderung im Obst- und GemĂĽseregal. So werden, zum Beispiel, Multifrischenetze als Ersatz von Plastikverpackungen und -beuteln angeboten. Zufall? Einsicht? Marketing? Oder am Ende nur ökonomische Berechnung? Denn seit Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, dessen proklamiertes Ziel es ist, die Mengen an VerpackungsmĂĽll einzudämmen. Vater Staat bittet deshalb jeden zur Kasse, der als Wiederverkäufer Verpackungen einkauft und in Umlauf bringt. Und er gibt Quoten fĂĽr das Recycling von Verpackungen vor, die am Ende bei uns privaten Verbrauchern als “gelber MĂĽll” anfallen, dessen Entsorgung mich Montagmorgens die FrĂĽhstĂĽcksruhe kostet, Sie erinnern sich. Die dualen Systeme, also die Wiederverwerter, mĂĽssen im Rahmen des sogenannten „Mengenstromnachweises“ jährlich nachweisen, dass sie die geforderten Quoten des Recyclings erfĂĽllen. Klingt nach Verwaltungskauderwelsch, ist aber ein guter Ansatz. Wobei mich schon wundert, dass die vorgeschriebene Quote bei Plastik gerade mal 58,5 % beträgt. Bedeutet: Fast die Hälfte aller von uns mĂĽhselig in gelbe Säcke und Tonnen sortierten Verpackungen muss nicht recycelt werden. Das wirft natĂĽrlich die Frage auf, ob Aufwand und Nutzen da in einem akzeptablen Verhältnis stehen.

Deshalb meine Devise: Möglichst erst gar keine Waren kaufen, die in Plastik verpackt sind. Allein 2016 fielen in Deutschland 3,1 Millionen Tonnen PlastikverpackungsmĂĽll an. Wie viel davon auf Lebensmittelverpackungen entfallen, darĂĽber gibt es keine verlässlichen Zahlen angesichts eines weit verzweigten internationalen Lebensmittelhandels. Wenn ich raten sollte, wĂĽrde ich mindestens von einem Drittel, also 1 Mio. ausgehen, weil Lebensmittel einen sehr hohen Durchlauf bei der Verumschlagung haben und nicht nur frisches GemĂĽse, sondern viel mehr noch Käse, Wurst, Milch- und TiefkĂĽhlprodukte darin verpackt sind. Nimmt man noch die ca. 6,6 Mio Tonnen Lebensmittel dazu, die Jahr fĂĽr Jahr in Deutschland entsorgt werden, offenbart allein schon die MĂĽllbilanz eine schockierende Wahrheit ĂĽber unsere Ernährungsgewohnheiten. Wenn ich jetzt noch die ĂĽberzähligen Kilos Körpergewicht zusammenrechne, die unsere BundesbĂĽrgerschaft mit sich herumschleppt …. Aber nein, das hebe ich mir mal lieber fĂĽr einen späteren Beitrag auf.

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Donnerstag, 29. August 2019

Neue Studie unterstreicht positive Wirkung von Ballaststoffen gegen Diabetes.

Keine Frage, Vollkorn und Folter können in der Genusswelt eng beieinander liegen. Allen voran an der Kuchenfront lassen mich Vollkornprodukte häufig erschaudern. Nicht nur meinem Geschmack machen diese Kreationen zu schaffen, sondern auch meiner Psyche. Vollkornkuchen suggeriert gesunde Sünde, und mit derartigen Widersprüchen mag sich mein Hirn nicht herumplagen. Zumal der größte gesundheitliche Malus von Kuchen, der Zuckergehalt, auch den meisten Vollkornvariationen innewohnt. Und mit Vollkornpizza oder Vollkornnudeln muss man mir ebenfalls nicht kommen.

Nun gibt es aber eine große Anzahl Menschen, die an Diabetes leiden bzw. gefährdet sind, und wie eine neue randomisierte Untersuchung unter Leitung des Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) belegt, profitieren die Betroffenen vom Konsum von Vollkornprodukten. 180 Probanden mit IGT-Prädiabetes erhielten ein Jahr Ernährungsberatung (PRÄDIAS) und ein spezielles Getränk (2x tgl. 7,5 g Hafer-Ballaststoffe vs. Placebo). Bei den 124 Probanden, die nach einem Jahr die Kontrolluntersuchung absolvierten, zeigte die Balaststoffgruppe eine signifikante Verbesserung von 2-Stunden-Glukose, sowie Insulinsensitivität, Insulinextraktion, Inflammation und Leberverfettung (Fatty-Liver-Index) gegenüber den Vergleichsgruppen. Auch der Entzündungsparameter (CRP) wies signifikant niedrigere Werte aus.  Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Bezogen auf die Mitwirkungsmöglichkeiten des Patienten, erweist sich der Konsum cerealer Ballaststoffe als antidiabetisch wirksam. Es müssten allerdings noch größere und langfristigere Studien folgen, um diese Befunde zu bestätigen.

Für mich kommt die gute alte Haferflocke ganz ohne Spezialdrink in meine Ernährung. Morgens landet sie bei mir im Müsli, mittags gelegentlich in Form von Dinkel-Hafer-Brot aus der Vollkornbäckerei meines Vertrauens (Hutzel) auf meinem Teller. Haferflocken (hohe Güte vorausgesetzt) sind reich an Mineralstoffen und Vitaminen und für mich aus einem köstlichen Früchtemüsli am Morgen nicht wegzudenken.

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Mittwoch, 03. Juli 2019

Spinat, der Popeye-Effekt und eine neue Studie: Gehört das Gemüse tatsächlich auf die Dopingliste?

Wenn in diesen Tagen und Wochen die Tour de France 2019 ausgefahren wird, geht das Thema Doping wieder mit auf die Reise durch Vogesen, Pyrenäen und Alpen. Wie immer, möchte man sagen. Dass der Träger des Gelben Trikots künftig ausgerechnet durch den Verzehr von grünem Gemüse, genauer gesagt: Spinat, in Bedrängnis geraten könnte, verdanken die Sportler einer Untersuchung unter Beteiligung der Freien Universität Berlin. Demnach soll die im Spinat enthaltene Substanz Ecdysteron bei den Probanden einen signifikanten Zuwachs der muskulären Maximalkraft bewirkt haben. Was der Comic-Held Popeye allerdings schon in den 1930er Jahren wusste. Die Autoren der Studie schlugen der Weltdopingagentur WADA aufgrund ihrer Ergebnisse nun vor, die Aufnahme von Ecdysteron in die Liste der verbotenen Substanzen zu prüfen. Der Wirkstoff wird schon länger auch als frei zugängliches Nahrungsergänzungsmittel gehandelt.

Ich will keinen Hehl daraus machen, dass ich die Diskussion über Spinatdoping reichlich irrsinnig finde. Die Welt der natürlichen Lebensmittel ist voll von Wirkstoffen die Muskelwachstum, Ausdauer oder Regeneration fördern. Ich erinnere mich noch gut daran, dass auch Koffein schon auf der Dopingliste stand. Zwischen 1984 und 2004 ist das gewesen. Einem Athleten konnte es da passieren, nach zwei Tassen Espresso und einer Dose Red Bull über dem zulässigen Grenzwert zu liegen und eine Sperre zu kassieren. Dabei bewegen wir uns hier ausdrücklich nicht in jenem medikamentös fragwürdigen Bereich, wo zum Beispiel Arzneimittel – wie Herzpräparate – von herzgesunden Spitzensportlern zur Leistungssteigerung genutzt werden.

Hochleistungssportler benötigen ausgefeilte Ernährungsprogramme, um ihren Körper, dem mehr als reichlich abverlangt wird, in der Balance zu halten und nicht substantiell zu schädigen. Mikronährstoffe können da einen wichtigen Beitrag leisten. So fördert die in Fleisch, Erdnüssen und Soja enthaltene Aminosäure Arginin die Ausschüttung von Wachstumshormon und verbessert die Durchblutung. L-Carnithin, ebenfalls im Fleisch enthalten, gilt als Vitaminoid, das die Energiegewinnung aus Fetten optimiert und somit für Ausdauersportler wie Marathonläufer oder Radrennfahrer interessant ist. Außerdem wirkt es regenerationsfördernd. Bei den Olympischen Spielen 1972 schrieben Experten die außergewöhnlichen Leisungen der US-Schwimmer nicht zuletzt der Einnahme von Coenzym Q10 zu, das unter anderem in Eiern und Leber enthalten ist. Vitamin D wiederum stärkt die Muskulatur in Mangelsituationen, wie sie bei Etappenrennen oder während intensiver Trainingsphasen auftreten können. Enthalten ist es unter anderem in Ei, Hartkäse und Fisch. Es kann auch durch Eigensynthese aus UV-Sonnenlicht über die Haut aufgenommen und im Körper gebildet werden, wozu jedoch ausreichend hohe Strahlungsintensität bei geringer Luftverschmutzung nötig ist.

Wenn Wirkstoffe wie Ecdysteron dem Dopingbegriff zugeordnet werden, entsteht meiner Ansicht nach eine gefährliche Schieflage auf Kosten der Gesundheit der Leistungssportler. Vor dem Hintergrund des neuen Anti-Doping-Gesetzes sehe ich schon Schlagzeilen wie diese in der Boulevard-Presse: Deutscher Etappensieger der Tour de France wegen Spinatkonsum vor Gericht. Man kann nur hoffen, dass die WADA das Mittel nicht auf die Dopingliste setzt. Meine Meinung.

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Dienstag, 28. Mai 2019

Studie: Warum Fertigessen Ăśbergewicht verursachen kann.

Erst neulich hat der kompottsurfer wieder über die Lebensmittelampel berichtet. Eine Endlosdebatte, die auch durch neue Untersuchungsergebnisse so oft angefüttert wird. Nun veröffentlichte eine Gruppe Wissenschaftler aus dem National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (Bethesda, USA) eine Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Nahrungsmittel und Gewichtszunahme untersucht hat. Dazu wurden zwanzig gewichtsstabile und gesunde Erwachsene im Alter zwischen 29 und 33 Jahren mit einem BMI von 25 bis 29 in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam stationär eine 2-Wochen-Diät verabreicht. Während die eine Gruppe viermal täglich mit verschiedenen hochverabeiteten Lebensmitteln versorgt wurde, stand der anderen Gruppe genauso oft frische und unverabeitete Kost zur Verfügung. Gegessen durfte, hier wie dort, so viel wie der einzelne Proband essen mochte. Nach zwei Wochen wurde getauscht.

Alle Mahlzeiten beider Gruppen wurden auf Kalorien, Energiedichte, Makronährstoffe, Zucker, Natrium und Ballaststoffe vergleichbar abgestimmt. Die Probanden wurden angewiesen, so viel oder so wenig wie gewünscht zu konsumieren. Ergebnis: In den zwei Wochen Ernährung mit verarbeiteter Kost legten beide Gruppen an Gewicht und Körperfettanteil zu. Interessant ist aber noch ein anderer Aspekt: Man fragte bei den Probanden auch immer den Hungerzustand vor und das Sättigungsgefühl sowie die Zufriedenheit nach den Mahlzeiten ab. In diesem Punkt gab es in beiden Gruppen keine nennenswerten Unterschiede. Sehr wohl aber bei der zugeführten Kalorienmenge. Es sieht also so aus, als ob hochverarbeitete Lebensmittel in größerer Menge konsumiert werden müssen, um das gleiche Sättigungsgefühl und die gleiche Zufriedenheit zu erreichen wie mit dem Konsum unverarbeiteter Kost.

Was heißt das, wenn wir über die Lebensmittelampel nachdenken? Inhaltsstoffe wie Kohlenhydrate, Zucker, Salz und Fett geben nur bedingt Aufschluss über mögliche Gefahren einer Fehlernährung. Der Verarbeitungsgrad scheint – zumindest, wenn man den Ergebnissen dieser Studie folgt – ein viel wichtigerer Schlüssel zu einer individuell angemessenen Ernährung zu sein. Aber Hinweise in dieser Richtung auf Verpackungen dürften sich noch viel schwieriger durchsetzen lassen als reine Nährstoffangaben – weil es hier ums Eingemachte der großen Lebensmittelindustrie geht.

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