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Montag, 14. Oktober 2019

Unsere Milch und das Auto.

BILD-Titelblatt vom 12.10.

Am Freitag h√∂rte ich mit halbem Ohr im Radio irgendwas von wegen “R√ľckrufaktion”. Ich dachte: Wieder so eine Automarke, die in einigen Modellen aus Versehen durchbrennende Sitzheizungen eingebaut hat, die den Fahrern ihren Allerwertesten ankokeln k√∂nnen. Mir schien das alles halb so wild. Und ich hatte die ganze Geschichte auch schon wieder vergessen, als ich tags darauf an einem Kiosk vorbei kam und die Titelzeile von BILD las: So verseucht ist unser Essen.

Warum ich sofort an die R√ľckrufsache aus dem Radio denken musste, wei√ü ich nicht. Aber es schien tats√§chlich um etwas ernsteres zu gehen als angebratene Pobacken. Ich z√ľckte mein iPhone und musste im Internet nicht lange suchen, bis ich von der bakteriell verunreinigten fettarmen Frischmilch erfuhr, die zuhauf in Supermarktregalen ‚Äď sozusagen Schl√§fer-m√§√üig ‚Äď darauf wartet, uns angreifen zu k√∂nnen. Selbst Schuld, wer diese fettarme Pl√∂rre trinkt, dachte ich im ersten Moment, beruhigt, dass mich das Problem nicht betraf. Aber schon mit dem n√§chsten Gedanken war ich wieder auf Kurs. Darf nat√ľrlich nicht passieren sowas, klar. Au√üer dem amerikanische Pr√§sidenten und einigen anderen Typen, die mir unsympathisch sind, g√∂nne ich auch niemandem den Durchfall, den man von dieser Milch bekommt.

Wie anf√§llig wir in Deutschland f√ľr derartige Lebensmittel sind, beweist der Umstand, dass gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Milch nicht nur eine Marke betroffen ist, sondern gleich mehrere, wie im vorliegenden Fall. Milsani von Aldi Nord und S√ľd, Gut & G√ľnstig von Edeka, K-Classic von Kaufland, Milbona von Lidl, Aro von Metro, Gutes Land von Netto, Tip von real und Ja von Rewe. Wollten B√∂sewichter die bundesdeutsche Bev√∂lkerung f√ľr eine Weile au√üer Gefecht setzen ‚Äď die Milch w√§re eine prima Waffe.

Wenn konkurrierende Discounter und Supermarktketten viele ihrer Milchprodukte von nur einer Molkerei beziehen, braucht man nicht lange dar√ľber gr√ľbeln, warum die Milchpreise so niedrig sind. Weil nur absolut kosteng√ľnstige Massenproduktion Milch zu diesem Preis m√∂glich macht. Und wer ist schuld? Wir. Die Verbraucher im Land des preislich umk√§mpftesten Lebensmittelmarktes der Welt. Ja, das h√∂ren wir nicht gerne. Ist aber leider so.

Schnell stellte ich mir die Frage, wie zum Teufel man √ľberhaupt herausfinden kann, welche Milch unter welchem Label betroffen ist. Die Antwort: Ein Blick aufs Genusstauglichkeitskennzeichen bzw. Identit√§tskennzeichen. Sie werden wahrscheinlich fragen: Bitte, was? Ja, so hab’ ich im ersten Moment auch reagiert. Aber in einem Land, das gef√ľhlt mehr Verwaltungsvorschriften als Einwohner hat, gibt es tats√§chlich auch ein Genusstauglichkeitskennzeichen.

Laut Wikipedia ist ein “Genusstauglichkeitskennzeichen die amtliche Bezeichnung f√ľr ein EU-einheitliches Symbol, das auf amtlich gepr√ľfte Schlachtk√∂rper gestempelt wird. Seit 1.¬†Januar 2006 existiert neben dem Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen auch der Begriff Identit√§tskennzeichen. Das Identit√§tskennzeichen wird von Lebensmittelunternehmern auf sonstigen tierischen Erzeugnissen bzw. deren Verpackungen angebracht. Der Begriff Genusstauglichkeitskennzeichen wird z.¬†T. f√§lschlicherweise auch f√ľr das auf Verpackungen angebrachte Identit√§tskennzeichen verwendet.” Auf weitere Einzelheiten dazu, mit denen sich B√ľcher f√ľlllen lie√üen, m√∂chte ich niemandem zur Last fallen. Gesagt werden soll nur noch, dass das Kennzeichen f√ľr die verseuchte Milch DE NW 508 EG lautet.

So unerquicklich die Sache mit der Milch auch ist ‚Äď ein Blick ins Warnverzeichnis f√ľr problematische Lebensmittel offenbart weitaus Besorgnis erregendere Vorkommnisse.¬† Allen voran die in weit verbreiteteten Fleisch- und Molkerei-Erzeugnissen entdeckten Listerien sind gesundheitlich nicht nur heikel, sondern geradezu gef√§hrlich. Da hilft eigentlich nur, die Finger von billigen Lebensmitteln zu lassen. Wir m√ľssen unsere Einstellung zum Essen gr√ľndlich √ľberdenken. Wir Deutschen neigen dazu, die Qualit√§tslatte bei technischem Ger√§t wie Auto, Smartphone oder Fernseher h√∂her zu legen als beim Essen. Obwohl wir nur das Essen in unseren K√∂rper lassen. Wer m√∂chte schon Smartphones essen? Treue Leser dieses blogs kennen meine Haltung zur Qualit√§t von Nahrung und auch meine unz√§hligen Beitr√§ge √ľber verseuchte Lebensmittel in den letzten eineinhalb Jahrzehnten. Wir m√ľssen uns an die eigene Nase fassen, wenn uns ein oft zu gedankenlose Konsum Sorgenmomente wie die aus der letzten Woche beschert.

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Samstag, 28. September 2019

Mein letzten Schluck aus der Plastikpulle.

Wasser ist ein freundliches Element f√ľr den, der damit bekannt ist und es zu behandeln wei√ü. Dieser sch√∂ne Satz stammt leider nicht von mir, sondern von Goethe, der sogar weit ausf√ľhrlichere Einlassungen zur Natur verfasst hat. Ich schreibe das, weil mir nach einer √úberleitung dellingscher Pr√§gung zumute ist: Wissenschaftler der Goethe-Universit√§t Frankfurt haben n√§mlich herausgefunden, dass ‚Äď egal wie dicht du bist ‚Äď Goethe Dichter war. Ach nee, das ist der Lieblingswitz meines Sohnes. Tats√§chlich fand die Forschungsgruppe PlastX der Universit√§t heraus, wie sehr in Plastikflaschen abgef√ľlltes Mineralwasser von unz√§hligen, toxisch wirkenden Chemikalien traktiert wird. Wie war das noch? Wasser ist ein freundliches Element f√ľr den, der damit bekannt ist und es zu behandeln wei√ü? Und jetzt wird es erst richtig interessant, denn eigentlich wissen wir Wasser ja so zu behandeln, dass es uns Menschen ein freundliches Element ist. Aber wir tun es nicht. Und nicht nur mit Wasser gehen wir unerfreulich um, sondern auch mit anderen Lebensmitteln.¬† ‚ÄěWir fanden in drei von vier getesteten Produkten sch√§dliche Substanzen, darunter Chemikalien, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormon√§hnliche Effekte hervorrufen”, berichtet Lisa Zimmermann, Erstautorin der Studie. Sogar Bioplastik ist nicht so unbedenklich, wie es uns seine euphemistische Bezeichnung glauben machen m√∂chte.

So leicht es ist, die gro√üe Lebensmittelindustrie f√ľr ihre Plastikverpackungen an den Pranger zu stellen, so schwer f√§llt es uns Konsumenten, unser Einkaufsverhalten zu √§ndern. Wir sind es doch, die das Zeug kaufen. Es ist noch keine zehn Jahre her, da besorgte ich mir auf dem Weg nach M√ľnchen im Umsteigebahnhof Kassel-Wilmhelmsh√∂he regelm√§√üig einen Coffee-2-go im Pappbecher f√ľr die Weiterfahrt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht ungesund und alles andere als nachhaltig ist, was ich da mache. Mit dem Kaffee war es nat√ľrlich nicht getan. Ich kaufte auch noch eine Literflasche Wasser, ebenfalls im praktischen Plastikgebinde. Und wenn ich ganz schlimm hungrig und nichts anderes aufzutreiben war, besorgte ich mir auch noch eines dieser plattgewalzten und akkurat zu zwei rechtwinkligen Dreiecken geschnittenen Sandwiches, ebenfalls in Plastik verpackt. Wenn ich einen Marathon lief, trank ich an den Verpflegungsst√§nden aus Einwegplastikbechern, die ein paar Meter weiter in einen M√ľllsack geworfen wurden. Da regte mich nur auf, wenn andere L√§ufer ihre Becher nicht in den M√ľll, sondern achtlos in der Botanik entsorgten. Heute schmiere ich mir Butterbrote f√ľr unterwegs, f√ľlle meinen knallblauen Hydro-Flask-Becher randvoll mit hausgemachtem Cappu und packe noch einen Liter Wasser (Glasflasche) mit ein. Das alles wiegt zwar ein bisschen was, aber meine G√ľte, was schleppe ich Tag f√ľr Tag nicht alles durch die Gegend. Da kommt es auf das bisschen mehr auch nicht mehr an.

Mein letzter Schluck aus der Plastikpulle liegt jetzt drei Monate zur√ľck. Bahnfahrt aus den Alpen heimw√§rts. Alle Vorr√§te waren ausgetrunken und nirgendo Glasflaschen aufzutreiben. Ich √ľbertreibe nicht, wenn ich sage: dieser Einkauf hat wehgetan. Zwei gewichtige Gr√ľnde sprechen also daf√ľr, m√∂glichst keine in Plastik verpackte Lebensmittel mehr zu konsumieren: Schutz der Umwelt und R√ľcksicht auf die eigene Gesundheit. Braucht es mehr? Ich finde nicht. Packen wir’s an!

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Donnerstag, 05. September 2019

Wie unsere Lebensmittel den M√ľllschlucker ern√§hren.

An sonnigen Morgenden nehme ich mein Fr√ľhst√ľck gerne auf der Terrasse zu mir. Die Sonne schickt erste sanfte Strahlen √ľber die H√§user der Nachbarschaft, ich lausche in Ruhe dem Vogelgezwitscher und dann: Rumms! Polter! Quietsch! Ach ja, Montag heute. M√ľllabfuhr, Gelbe Tonne. H√∂chste Zeit, dass die kommen. Quoll am Vortag schon wieder √ľber, der K√ľbel. Dabei bin ich schon seit Monaten auf Verpackungsdi√§t. Motto: M√∂glichst wenig kaufen, was unn√∂tig verpackt ist. Und es ist vieles unn√∂tig verpackt. Vor allem bei Lebensmitteln. Bei Frischmilch sind wir gerade von Tetra Pak auf Glas umgestiegen, was bei einem Verbrauch von f√ľnf Litern pro Woche schon mal ordentlich Sparpotential bringt. Dosentomaten bevorrate ich schon seit einer Weile nur noch im Winter. Im Sommer wird alles frisch gekauft und h√∂chstselbst enth√§utet. Bequemlichkeit war gestern. Aber was das frisch Kaufen von Tomaten angeht, so bin ich immer wieder erstaunt, ach was, ersch√ľttert, wie oft man beim Discounter Tomaten in Plastik verpackt herumliegen sieht. Und Champignons, Paprika, Pfirsiche, Birnen, Pflaumen. Muss das? Muss nicht. Nat√ľrlich nicht.

Immerhin sp√ľre ich seit einigen Monaten einen Hauch von Ver√§nderung im Obst- und Gem√ľseregal. So werden, zum Beispiel, Multifrischenetze als Ersatz von Plastikverpackungen und -beuteln angeboten. Zufall? Einsicht? Marketing? Oder am Ende nur √∂konomische Berechnung? Denn seit Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, dessen proklamiertes Ziel es ist, die Mengen an Verpackungsm√ľll einzud√§mmen. Vater Staat bittet deshalb jeden zur Kasse, der als Wiederverk√§ufer Verpackungen einkauft und in Umlauf bringt. Und er gibt Quoten f√ľr das Recycling von Verpackungen vor, die am Ende bei uns privaten Verbrauchern als “gelber M√ľll” anfallen, dessen Entsorgung mich Montagmorgens die Fr√ľhst√ľcksruhe kostet, Sie erinnern sich. Die dualen Systeme, also die Wiederverwerter, m√ľssen im Rahmen des sogenannten ‚ÄěMengenstromnachweises‚Äú j√§hrlich nachweisen, dass sie die geforderten Quoten des Recyclings erf√ľllen. Klingt nach Verwaltungskauderwelsch, ist aber ein guter Ansatz. Wobei mich schon wundert, dass die vorgeschriebene Quote bei Plastik gerade mal 58,5 % betr√§gt. Bedeutet: Fast die H√§lfte aller von uns m√ľhselig in gelbe S√§cke und Tonnen sortierten Verpackungen muss nicht recycelt werden. Das wirft nat√ľrlich die Frage auf, ob Aufwand und Nutzen da in einem akzeptablen Verh√§ltnis stehen.

Deshalb meine Devise: M√∂glichst erst gar keine Waren kaufen, die in Plastik verpackt sind. Allein 2016 fielen in Deutschland 3,1 Millionen Tonnen Plastikverpackungsm√ľll an. Wie viel davon auf Lebensmittelverpackungen entfallen, dar√ľber gibt es keine verl√§sslichen Zahlen angesichts eines weit verzweigten internationalen Lebensmittelhandels. Wenn ich raten sollte, w√ľrde ich mindestens von einem Drittel, also 1 Mio. ausgehen, weil Lebensmittel einen sehr hohen Durchlauf bei der Verumschlagung haben und nicht nur frisches Gem√ľse, sondern viel mehr noch K√§se, Wurst, Milch- und Tiefk√ľhlprodukte darin verpackt sind. Nimmt man noch die ca. 6,6 Mio Tonnen Lebensmittel dazu, die Jahr f√ľr Jahr in Deutschland entsorgt werden, offenbart allein schon die M√ľllbilanz eine schockierende Wahrheit √ľber unsere Ern√§hrungsgewohnheiten. Wenn ich jetzt noch die √ľberz√§hligen Kilos K√∂rpergewicht zusammenrechne, die unsere Bundesb√ľrgerschaft mit sich herumschleppt …. Aber nein, das hebe ich mir mal lieber f√ľr einen sp√§teren Beitrag auf.

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Donnerstag, 29. August 2019

Neue Studie unterstreicht positive Wirkung von Ballaststoffen gegen Diabetes.

Keine Frage, Vollkorn und Folter k√∂nnen in der Genusswelt eng beieinander liegen. Allen voran an der Kuchenfront lassen mich Vollkornprodukte h√§ufig erschaudern. Nicht nur meinem Geschmack machen diese Kreationen zu schaffen, sondern auch meiner Psyche. Vollkornkuchen suggeriert gesunde S√ľnde, und mit derartigen Widerspr√ľchen mag sich mein Hirn nicht herumplagen. Zumal der gr√∂√üte gesundheitliche Malus von Kuchen, der Zuckergehalt, auch den meisten Vollkornvariationen innewohnt. Und mit Vollkornpizza oder Vollkornnudeln muss man mir ebenfalls nicht kommen.

Nun gibt es aber eine gro√üe Anzahl Menschen, die an Diabetes leiden bzw. gef√§hrdet sind, und wie eine neue randomisierte Untersuchung unter Leitung des Instituts f√ľr Ern√§hrungsforschung Potsdam-Rehbr√ľcke (DIfE) belegt, profitieren die Betroffenen vom Konsum von Vollkornprodukten. 180 Probanden mit IGT-Pr√§diabetes erhielten ein Jahr Ern√§hrungsberatung (PR√ĄDIAS) und ein spezielles Getr√§nk (2x tgl. 7,5 g Hafer-Ballaststoffe vs. Placebo). Bei den 124 Probanden, die nach einem Jahr die Kontrolluntersuchung absolvierten, zeigte die Balaststoffgruppe eine signifikante Verbesserung von 2-Stunden-Glukose, sowie Insulinsensitivit√§t, Insulinextraktion, Inflammation und Leberverfettung (Fatty-Liver-Index) gegen√ľber den Vergleichsgruppen. Auch der Entz√ľndungsparameter (CRP) wies signifikant niedrigere Werte aus.¬† Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Bezogen auf die Mitwirkungsm√∂glichkeiten des Patienten, erweist sich der Konsum cerealer Ballaststoffe als antidiabetisch wirksam. Es m√ľssten allerdings noch gr√∂√üere und langfristigere Studien folgen, um diese Befunde zu best√§tigen.

F√ľr mich kommt die gute alte Haferflocke ganz ohne Spezialdrink in meine Ern√§hrung. Morgens landet sie bei mir im M√ľsli, mittags gelegentlich in Form von Dinkel-Hafer-Brot aus der Vollkornb√§ckerei meines Vertrauens (Hutzel) auf meinem Teller. Haferflocken (hohe G√ľte vorausgesetzt) sind reich an Mineralstoffen und Vitaminen und f√ľr mich aus einem k√∂stlichen Fr√ľchtem√ľsli am Morgen nicht wegzudenken.

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Mittwoch, 03. Juli 2019

Spinat, der Popeye-Effekt und eine neue Studie: Geh√∂rt das Gem√ľse tats√§chlich auf die Dopingliste?

Wenn in diesen Tagen und Wochen die Tour de France 2019 ausgefahren wird, geht das Thema Doping wieder mit auf die Reise durch Vogesen, Pyren√§en und Alpen. Wie immer, m√∂chte man sagen. Dass der Tr√§ger des Gelben Trikots k√ľnftig ausgerechnet durch den Verzehr von gr√ľnem Gem√ľse, genauer gesagt: Spinat, in Bedr√§ngnis geraten k√∂nnte, verdanken die Sportler einer Untersuchung unter Beteiligung der Freien Universit√§t Berlin. Demnach soll die im Spinat enthaltene Substanz Ecdysteron bei den Probanden einen signifikanten Zuwachs der muskul√§ren Maximalkraft bewirkt haben. Was der Comic-Held Popeye allerdings schon in den 1930er Jahren wusste. Die Autoren der Studie schlugen der Weltdopingagentur WADA aufgrund ihrer Ergebnisse nun vor, die Aufnahme von Ecdysteron in die Liste der verbotenen Substanzen zu pr√ľfen. Der Wirkstoff wird schon l√§nger auch als frei zug√§ngliches Nahrungserg√§nzungsmittel gehandelt.

Ich will keinen Hehl daraus machen, dass ich die Diskussion √ľber Spinatdoping reichlich irrsinnig finde. Die Welt der nat√ľrlichen Lebensmittel ist voll von Wirkstoffen die Muskelwachstum, Ausdauer oder Regeneration f√∂rdern. Ich erinnere mich noch gut daran, dass auch Koffein schon auf der Dopingliste stand. Zwischen 1984 und 2004 ist das gewesen. Einem Athleten konnte es da passieren, nach zwei Tassen Espresso und einer Dose Red Bull √ľber dem zul√§ssigen Grenzwert zu liegen und eine Sperre zu kassieren. Dabei bewegen wir uns hier ausdr√ľcklich nicht in jenem medikament√∂s fragw√ľrdigen Bereich, wo zum Beispiel Arzneimittel ‚Äď wie Herzpr√§parate ‚Äď von herzgesunden Spitzensportlern zur Leistungssteigerung genutzt werden.

Hochleistungssportler ben√∂tigen ausgefeilte Ern√§hrungsprogramme, um ihren K√∂rper, dem mehr als reichlich abverlangt wird, in der Balance zu halten und nicht substantiell zu sch√§digen. Mikron√§hrstoffe k√∂nnen da einen wichtigen Beitrag leisten. So f√∂rdert die in Fleisch, Erdn√ľssen und Soja enthaltene Aminos√§ure Arginin die Aussch√ľttung von Wachstumshormon und verbessert die Durchblutung. L-Carnithin, ebenfalls im Fleisch enthalten, gilt als Vitaminoid, das die Energiegewinnung aus Fetten optimiert und somit f√ľr Ausdauersportler wie Marathonl√§ufer oder Radrennfahrer interessant ist. Au√üerdem wirkt es regenerationsf√∂rdernd. Bei den Olympischen Spielen 1972 schrieben Experten die au√üergew√∂hnlichen Leisungen der US-Schwimmer nicht zuletzt der Einnahme von Coenzym Q10 zu, das unter anderem in Eiern und Leber enthalten ist. Vitamin D wiederum st√§rkt die Muskulatur in Mangelsituationen, wie sie bei Etappenrennen oder w√§hrend intensiver Trainingsphasen auftreten k√∂nnen. Enthalten ist es unter anderem in Ei, Hartk√§se und Fisch. Es kann auch durch Eigensynthese aus UV-Sonnenlicht √ľber die Haut aufgenommen und im K√∂rper gebildet werden, wozu jedoch ausreichend hohe Strahlungsintensit√§t bei geringer Luftverschmutzung n√∂tig ist.

Wenn Wirkstoffe wie Ecdysteron dem Dopingbegriff zugeordnet werden, entsteht meiner Ansicht nach eine gefährliche Schieflage auf Kosten der Gesundheit der Leistungssportler. Vor dem Hintergrund des neuen Anti-Doping-Gesetzes sehe ich schon Schlagzeilen wie diese in der Boulevard-Presse: Deutscher Etappensieger der Tour de France wegen Spinatkonsum vor Gericht. Man kann nur hoffen, dass die WADA das Mittel nicht auf die Dopingliste setzt. Meine Meinung.

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Dienstag, 28. Mai 2019

Studie: Warum Fertigessen √úbergewicht verursachen kann.

Erst neulich hat der kompottsurfer wieder √ľber die Lebensmittelampel berichtet. Eine Endlosdebatte, die auch durch neue Untersuchungsergebnisse so oft angef√ľttert wird. Nun ver√∂ffentlichte eine Gruppe Wissenschaftler aus dem National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (Bethesda, USA) eine Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Nahrungsmittel und Gewichtszunahme untersucht hat. Dazu wurden zwanzig gewichtsstabile und gesunde Erwachsene im Alter zwischen 29 und 33 Jahren mit einem BMI von 25 bis 29 in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam station√§r eine 2-Wochen-Di√§t verabreicht. W√§hrend die eine Gruppe viermal t√§glich mit verschiedenen hochverabeiteten Lebensmitteln versorgt wurde, stand der anderen Gruppe genauso oft frische und unverabeitete Kost zur Verf√ľgung. Gegessen durfte, hier wie dort, so viel wie der einzelne Proband essen mochte. Nach zwei Wochen wurde getauscht.

Alle Mahlzeiten beider Gruppen wurden auf Kalorien, Energiedichte, Makron√§hrstoffe, Zucker, Natrium und Ballaststoffe vergleichbar abgestimmt. Die Probanden wurden angewiesen, so viel oder so wenig wie gew√ľnscht zu konsumieren. Ergebnis: In den zwei Wochen Ern√§hrung mit verarbeiteter Kost legten beide Gruppen an Gewicht und K√∂rperfettanteil zu. Interessant ist aber noch ein anderer Aspekt: Man fragte bei den Probanden auch immer den Hungerzustand vor und das S√§ttigungsgef√ľhl sowie die Zufriedenheit nach den Mahlzeiten ab. In diesem Punkt gab es in beiden Gruppen keine nennenswerten Unterschiede. Sehr wohl aber bei der zugef√ľhrten Kalorienmenge. Es sieht also so aus, als ob hochverarbeitete Lebensmittel in gr√∂√üerer Menge konsumiert werden m√ľssen, um das gleiche S√§ttigungsgef√ľhl und die gleiche Zufriedenheit zu erreichen wie mit dem Konsum unverarbeiteter Kost.

Was hei√üt das, wenn wir √ľber die Lebensmittelampel nachdenken? Inhaltsstoffe wie Kohlenhydrate, Zucker, Salz und Fett geben nur bedingt Aufschluss √ľber m√∂gliche Gefahren einer Fehlern√§hrung. Der Verarbeitungsgrad scheint ‚Äď zumindest, wenn man den Ergebnissen dieser Studie folgt ‚Äď ein viel wichtigerer Schl√ľssel zu einer individuell angemessenen Ern√§hrung zu sein. Aber Hinweise in dieser Richtung auf Verpackungen d√ľrften sich noch viel schwieriger durchsetzen lassen als reine N√§hrstoffangaben ‚Äď weil es hier ums Eingemachte der gro√üen Lebensmittelindustrie geht.

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Dienstag, 30. April 2019

Neuer √Ąrger um die Lebensmittelampel

Es ist noch gar nicht lange her, da war hier ein Beitrag √ľber die Wiederbelebung der totgeglaubten Lebensmittelampel zu lesen. Die Einf√ľhrung eines Nutri Scores bei den Franzosen hatte die Debatte neu entfacht. Spiegel Online berichtet nun √ľber einen Vorgang zum Thema Ampel, der Julia Kl√∂ckner in Bedr√§ngnis bringt, die als zust√§ndige Ministerin eine von ihr selbst in Auftrag gegebene Untersuchung unter Verschluss gehalten haben soll. Den Stein ins Rollen brachten die Verbrauchersch√ľtzer von foodwatch, denen eine Email von Frau Kl√∂ckner an das beauftragte Max Rubner-Institut (MRI) vorliegen soll. Das MRI war im Rahmen ihrer Untersuchungen angeblich schon im Herbst 2018 zu dem Schluss gekommen, dass die Nutri-Score-Ampel grunds√§tzlich vorteilhaft f√ľr eine gut sichtbare N√§hrwertkennzeichnung auf der Frontseite von Verpackungen ist.

Nun soll es im Ministerium einen internen Vermerk geben, in dem es hei√üt, Ministerin Kl√∂ckner habe im Umgang mit den Ergebnissen ‚Äěausdr√ľcklich darum gebeten, (‚Ķ) gr√∂√üte Vertraulichkeit sicherzustellen.‚Äú Damit wird nat√ľrlich das Tor zu Spekulationen und Verschw√∂rungstheorien weit aufgesto√üen. Warum wird ein solches Ergebnis so lange unter Verschluss gehalten? Was w√§re gewesen, wenn die Wissenschaftler im Ergebnis keinen Vorteil der Ampel h√§tten erkennen k√∂nnen? H√§tte es dann auch erst so sp√§t eine Verlautbarung gegeben?

Ein vorl√§ufiger Bericht wurde jedenfalls erst am 11. April vom Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft (BMEL) vorgestellt, der aber ‚Äď laut foodwatch ‚Äď die Untersuchungsergebnisse eher verzerrt spiegeln w√ľrde. Unter Bezugnahme auf das Informationsfreiheitsgesetz fordert man Bundesern√§hrungsministerin Julia Kl√∂ckner nun auf, die Original-Studienergebnisse des Max-Rubner-Instituts umgehend herauszugeben. Man darf gespannt sein, was im Original wirklich drin steht, denn um eine Herausgabe wird sie wohl kaum herumkommen. Aber wer wei√ü (Verschw√∂rungstheoriemodus ein): Vielleicht bleibt das Dokument aus Gr√ľnden der nationalen Sicherheit am Ende doch noch unter Verschluss.

Der Sache ist dieser Vorgang √ľberhaupt nicht dienlich. Statt mit allen Beteiligten auf Grundlage der Ergebnisse schnell eine verbraucherfreundliche Regelung auf den Weg zu bringen, ist jetzt erstmal Misstrauen ges√§t, das keinem nutzt.

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Mittwoch, 06. März 2019

CO2-Kennzeichnung f√ľr Lebensmittel: Eine Idee auch f√ľr Deutschland?

Wenn es um die Kennzeichnung von Nahrungsmitteln geht, hat der Verbraucher vor allem eins vor Augen: die Lebensmittelampel. Jahrelang diskutiert und hei√ü umstritten (der kompottsurfer berichtete u.a. hier und hier). Nun r√ľckt im Rahmen der Klimadebatte ein anderer Aspekt f√ľr eine m√∂gliche Kennzeichnungspflicht in den Blickpunkt: ein CO2-Label.

D√§nemark ist schon seit einigen Jahren f√ľr besonderes Engagement bei Lebensmittelsicherheit und Umweltschutz bekannt. Nun will unser Nachbar im Norden bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln vorangehen und deren jeweiligen CO2-Emissionsgrad als Verbraucherinformation aufs Etikett bringen. Wie das vonstatten gehen soll, dar√ľber sind noch keine Details bekannt. Die viel wichtigere Frage aber stellt sich nach der Sinnhaftigkeit des Vorhabens. Fakt ist: Etwa ein Viertel aller Gesamtemissionen weltweit h√§ngen mit unserer Ern√§hrung zusammen. Das Bundesministerium f√ľr Umwelt und Naturschutz geht davon aus, dass “die Ern√§hrung j√§hrlich mit rund 1,75 Tonnen an klimarelevanten Emissionen pro Person zu den Treibhausgasemissionen durch privaten Konsum” beitr√§gt und damit “fast in derselben Gr√∂√üenordnung wie bei den Emissionen durch Mobilit√§t in Deutschland” liegt.

Es ergibt also Sinn, bei der Ern√§hrung nicht nur N√§hrwerte und heikle Inhaltsstoffe zu bedenken, sondern auch den Klima-Aspekt. So schwierig und strittig wie bei der Lebensmittelampel sollte es dabei im Grundatz aber nicht zugehen. Anders als bei der Lebensmittelampel, deren Schw√§che eine zu starke Fokussierung auf einzelne Produkte ist (zum Beispiel m√ľssten N√ľsse wegen ihres hohen Fettgehalts rote Warnfarbe tragen, obwohl sie in einer insgesamt gesunden Ern√§hrung aufgrund wichtiger Mikron√§hrstoffinhalte positiv wirken k√∂nnen) ist bei einer CO2-Kennzeichnung keine vergleichbare Gro√übaustelle in Sicht.

Es ist auch nicht so als h√§tte die Bundesregierung zu diesem Problemfeld f√ľr Deutschland √ľberhaupt noch keine √úberlegungen angestellt. Immerhin wurde vor wenigen Wochen das auf einen Kabinettsbeschluss vom 24. Februar 2016 zur√ľckgehende Nationale Programm f√ľr nachhaltigen Konsum (der kompottsurfer berichtete) ver√∂ffentlicht, das Interessierte hier kostenlos herunterladen k√∂nnen. Die Brosch√ľre hat allerdings reichlich unspezifischen Charakter. Und es ist mehr ein Anmahnkatalog adressiert an die Bev√∂lkerung, denn ein zielgerichteter Ma√ünahmenkatalog. Zudem spielen Aspekte in Zusammenhang mit Nahrungsmittelkonsum nur am Rande eine Rolle. Wenn so ein Papier drei Jahre vom Beschluss bis zur Ver√∂ffentlichung braucht, l√§sst das keinen gro√üen Interpretationsspielraum dar√ľber zu, welchen Stellenwert die Umsetzung nachhaltiger Ma√ünahmen im Bereich Konsum tats√§chlich haben.

Was nicht bedeutet, dass der Verbraucher dem Ganzen tatenlos zusehen muss und jeder von uns einiges tun kann, um emissions√§rmer zu konsumieren, und damit ist nicht der Verzicht auf bl√§hende H√ľlsenfr√ľchte und Zwiebeln gemeint, nur damit keine Missverst√§ndnisse aufkommen. Am heftigsten schl√§gt Butter ins Kontor, noch vor Rindfleisch und K√§se. Bei der Produktion von frischem Gem√ľse fallen im Schnitt am wenigsten CO2-√Ąquivalente an. So gesehen scheint vegane Ern√§hrung am wenigsten klimasch√§dlich zu sein, soweit das Gem√ľse nicht aus √úbersee angekarrt, √ľber Wochen in K√ľhlcontainern aufbewahrt und in Plastik verpackt eingekauft wird. Aber w√ľrde ich wegen CO2-Vermeidung zum Veganer werden? Ganz sicher nicht. Ern√§hrung hat so viele Facetten. Makro- und Mikron√§hrstoffe sind auch wichtig. Und Genuss, ja Genuss. Also versuche ich meinen CO2-Fu√üabdruck auf anderem Wege so klein wie m√∂glich zu halten. Ich lasse ihn bei der Ern√§hrung nicht allzu gro√ü werden, aber g√∂nne mir meine Butter, mein Fleisch und meinen K√§se, in Ma√üen nat√ľrlich. Und spare umso mehr bei Autoverkehr und Flugreisen ein. Letzten Endes muss nat√ľrlich jeder f√ľr sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will. Das Bewusstsein daf√ľr schaffen ist ein erster Weg dorthin.

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Dienstag, 22. Januar 2019

Gef√§hrliches Gefl√ľgel: Warum Einkauf und Verzehr von Huhn und Pute sehr gut √ľberlegt werden sollten.

Ende 2018 ersch√ľtterte ein Skandal um giftiges Gefl√ľgelfutter die Republik. Na ja, zumindest all’ jene von uns, die zwischen Advents- und Weihnachtsfeiern noch zum Lesen gekommen sind. Als es gegen Weihnachten Zeit wurde, die obligatorische Gans in den Ofen zu schieben, war die Geschichte auch schon wieder vergessen. Letzte Woche dann der n√§chste Aufreger. Auf eine Bundestagsanfrage von Anton Hofreiter (B√ľndnis 90 / Die Gr√ľnen) zur bakteriellen Belastung von Frischgefl√ľgel teilte das Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft mit, dass bei Stichproben in hohem Ma√üe das krankheitserregende Bakterium Campylobacter gefunden wurde. Die Problematik ist seit Jahren bekannt und taucht in vielen Varianten immer wieder auf. Auch der kompottsurfer berichtete dar√ľber, zum Beispiel hier.

Es steht f√ľr mich au√üer Frage, dass wir es mit einem strukturellen Problem zu tun haben. Ob Fipronil im Ei, ESBL und MRSA im Putenfleisch oder Campylobacter im Masth√§hnchen ‚Äď die gro√üindustrielle Verarbeitung von Gefl√ľgel hat entscheidenden Anteil daran, dass die Sorge vor Gesundheitssch√§den zum verl√§sslichen Begleiter bei Einkauf und Verzehr geworden ist. Neulich stie√ü ich im Agrar-Nachrichtendienst proplanta auf einen Beitrag aus 2016. Dort war folgendes zu lesen: “Aus einem 4 kg schweren Schlachtk√∂rper eines Hahnes ergeben sich ca. 1,3 kg Keulen (mit Knochen), 1,2 kg Brustfilet und 1,2 kg Gefl√ľgelklein (H√ľhnersuppe), 80 g Leber und 150 g Fett. Werden die Schlachtk√∂rper im Rahmen der Direktvermarktung abgegeben, sollte ein kostendeckender Preis von mindestens 8,00 EUR/kg Schlachtgewicht erzielt werden. Bei Teilst√ľckvermarktung sind bei diesem Preisniveau f√ľr Brustfilet ca. 15,00 und f√ľr Keulen 10,00 EUR/kg zu kalkulieren, damit ein Erl√∂s √§hnlich dem beim ganzen Schlachtk√∂rper zuz√ľglich zus√§tzlicher Zerlegekosten generiert werden kann.” Schlachtk√∂rper, auf solche Wortsch√∂pfungen kommen wahrscheinlich nur wir Deutsche. Aber davon ab: Wenn beim Direktvermarkter ein Verkaufspreis von 8 Euro als kostendeckend kalkuliert gilt, f√ľr ein Kilo Huhn mit allem verwertbaren Teilen, wie schaffen es dann die Discounter den teuersten Teil vom Huhn, n√§mlich das Brustfilet, f√ľr 4,49 bis 4,99 Euro pro Kilo anzubieten? Zumal da ja noch H√§ndlermarge sowie Transport- und Verpackungskosten drin sind. Keine Frage, irgendwas muss dabei den Bach runtergehen. Ob Qualit√§t, Sicherheit oder Tierwohl. Oder alles zusammen. Ich finde, da braucht es ein Umdenken von uns allen. Meinen Gefl√ľgelkonsum habe ich deshalb √ľber die letzten Jahre deutlich reduziert. Mal ganz abgesehen davon, dass ich H√§hnchen oder Putenbrust ohnehin nicht f√ľr eine kulinarische Delikatesse halte. Wildgefl√ľgel ist eine ganz andere Geschichte. Krieg ich leider nur so selten zu fassen. Mit den Jahren hat mein Tempo nachgelassen ‚Äď ich krieg’ die Viecher im Lauf einfach nicht mehr eingefangen.

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Montag, 26. November 2018

Die zehn größten aktuellen Ernährungsmythen.

Experten immer wieder im Streit: Ist Kaffee nun Bösewicht oder Wohltäter?

Ich liebe Bestenlisten. Wage mich aber viel zu selten an selbst erstellte heran. Was dem Absolutheitsanspruch geschuldet ist, der solchen Listen innewohnt. Möchte ich doch nicht als Ernährungspapst wahrgenommen werden, der alles besser weiss und den Menschen mit Geboten kommt. Echt nicht.

Warum ich nun doch wieder eine Liste mache, hat mit meiner Durchsicht alter Beitr√§ge zu tun, die ich in den letzten zw√∂lf Jahren an dieser Stelle verfasst habe. Immer mal wieder ging es um neue Erkenntnisse der Wissenschaft, aber in der Masse gehen viele dieser Informationen unter. Nat√ľrlich ist diese Liste der zehn gr√∂√üten Ern√§hrungsmythen von mir h√∂chst subjektiv zusammengestellt und gewichtet worden. Getreu einer alten Werbung f√ľr Kreditkarten: “Die Freiheit nehm’ ich mir!” Die Links f√ľhren zu Beitr√§gen des kompottsurfers, die das Thema streifen. Los geht’s.

1.¬† Immer wieder lesen wir von Superfood. Von gesundem Obst und Gem√ľse, von gesunden Wurzeln und Kr√§utern. Dabei gibt es keine gesunden Lebensmittel, es gibt nur gesunde Ern√§hrung. Einzelne Lebensmittel verteufeln oder glorifizieren ist Unsinn.

2. Der frischeste Fisch ist qualitativ der beste? Falsch. Erst nach einem Tag Lagerung ist das f√ľr den Wohlgeschmack des Fischs bedeutende Glutamat gereift.

3. Kaffee ist ungesund. Alle Jahre wieder gerät unser liebstes Heißgetränk in die Kritik. Zum Beispiel, weil es den Körper entwässere und angeblich Acrylamid belastet sei. Zu Unrecht.

4. Vegane Ern√§hrungstrendsetter behaupten: Eisenhaltiges Gem√ľse k√∂nne einen durch Fleischverzicht entstehenden Eisenmangel ausgleichen. Sch√∂n w√§r’s, denn die Bioverf√ľgbarkeit ist nicht ann√§hernd so hoch wie bei Fleisch.

5. Cholesterinhaltige Lebensmittel wie Ei, Butter und Leber erh√∂hen den Cholesterinspiegel und sind deshalb schlecht f√ľr unsere Gesundheit, hei√üt es h√§ufig. Mit den Tatsachen hat das wenig zu tun.

6. Low-Carb-Ern√§hrung macht gesund und schlank ‚Äď eine Behauptung die nicht zu verallgemeinern ist. Wichtiger ist das Verh√§ltnis von verbrauchter und zugef√ľhrter Energie. Auch das individuelle Stoffwechselverhalten spielt beim Abnehmen eine Rolle. Dazu kommt, dass ein Mangel an Kohlenhydraten unser Sozialverhalten negativ beeinflussen kann.

7. Rotwein passt nicht zu Fisch. Die Mär hält sich hartnäckig, obwohl sogar in Spitzenrestaurants längst das Gegenteil praktiziert und Rotwein zu Fisch serviert wird. Auch eine Untersuchung aus der Schweiz konnte die Entwicklung nicht aufhalten. Und das Gegenteil beweisen schon gar nicht.

8. Frisches Gem√ľse enth√§lt mehr Vitamin als Tiefk√ľhlgem√ľse. Stimmt nur in Ausnahmef√§llen. Sobald das frische Gem√ľse f√ľr wenige Tage im K√ľhlschrank liegt, sinkt der Vitamingehalt rapide. Beim TK-Gem√ľse bleibt er lange auf hohem Niveau.

9. Das Datum auf Lebensmittelverpackungen steht f√ľr den Verfallstermin des Inhalts. Obwohl so ziemlich jeder Verbraucher schon mal das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) geh√∂rt oder gelesen hat, landen Lebensmittel nach Ablauf des MHDs sehr oft im M√ľlleimer, einer der Hauptgr√ľnde f√ľr die Wegwerferitis in Deutschland. Dabei bedeutet Mindesthaltbarkeit ‚Äď man ahnt es irgendwie schon ‚Äď MINDESThaltbarkeit
.
10. Wein auf Bier, das rat’ ich dir. Passend zu den anstehenden Weihnachtsfeiern in Betrieb und Verein muss gesagt werden: Ist genauso falsch wie die Warnung “Bier auf Wein, das lass’ sein.” Aber so gerne wir mal ein oder zwei Glas Wein oder Bier trinken ‚Äď schon geringe Mengen wirken sch√§dlich. Leider.

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