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Donnerstag, 11. Mai 2017

Trinken die Deutschen wirklich zu viel Alkohol?

Du, die Wanne ist voll war Ende der 1970er Jahre ein Partyhit, gesungen von der legend√§ren Helga Feddersen im Duett mit Didi Hallervorden. Daran musste ich gerade denken als ich auf Spiegel Online den Aufmacher zur aktuellen Aktionswoche der Deutschen Hauptstelle f√ľr Suchtgefahren (DHS) las. Eine Badewanne voller alkoholischer Getr√§nke, so hei√üt es in einem Interview unter der Spiegel-Meldung, trinke der Durschschnittsdeutsche pro Jahr. Wobei nicht definiert wird, ob es Getr√§nke auf dem Alkoholniveau von Bier mit 4,9 Vol.% sind oder dem von Strohrum (80 Vol%). Welchen Unterschied das macht, wei√ü jeder, der von beidem schon mal ein paar Schlucke genommen hat.

Um gar nicht erst missverstanden zu werden, ich sehe in unserer Gesellschaft auch einen deutlich zu unreflektierten und sorglosen Umgang mit alkoholischen Getr√§nken. Die gesundheitlichen Gefahren durch √ľberh√∂hten Konsum sind ohnehin unumstritten, noch heikler aber ist, dass nur schwer zu vermitteln sein d√ľrfte, was “√ľberh√∂ht” √ľberhaupt bedeutet. Ich kann da erst recht keine Empfehlungen geben, maximal indiviuelle Erfahrungswerte, und die sind ganz sicher nicht auf die Allgemeinheit √ľbertragbar. Es h√§ngt von einer Menge Einflussfaktoren ab, wieviel Alkohol bei wem welchen Schaden anrichtet.
Wenn aber nun der Gesch√§ftsf√ľhrer des DHS, Dr. Raphael Ga√ümann, verlauten l√§sst ‚ÄěDie Aktionswoche Alkohol kratzt am Mythos, Alkohol sei ein Kulturgut” und dann einen Zusammenhang zu den Gefahren herstellt, dann l√§sst mich das als Leser irritiert zur√ľck. Alkohol ‚Äď wahrscheinlich gemeint: alkoholische Getr√§nke ‚Äď sind aus meiner Sicht unbedingt Kulturgut. Aber der Fehler liegt darin, daraus eine individuelle Rechtfertigung f√ľr ungehemmten Konsum herzuleiten. Aufgabe sollte sein, den B√ľrger zum m√ľndigen Konsumenten zu bef√∂rdern, was auch bedeutet, schon in der Schule auf die Gefahren von Alkoholkonsum hinzuweisen, was ja l√∂blicher Weise auch zunehmend gemacht wird.

Trinken die Deutschen nun wirklich zu viel Alkohol? Wenn wir es mal an einer Badewanne mit einem g√§ngigen Fassungsverm√∂gen von 140 Litern bemessen, k√§men wir pro Tag auf ein Glas Bier von 0,38 l. Aber es wurde ja nicht explizit formuliert, womit die Wanne gef√ľllt ist. Vermutlich bezieht sich die Aussage auf eine Ver√∂ffentlichung des Spirituosenverbandes, wonach der Durchschnittsdeutsche in 2015 etwa 135,5 Liter unterschiedlicher alkoholischer Getr√§nke konsumiert hat. Davon entfallen auf Bier 105,9 l, Wein 20,5 l, Spirituosen 5,4 l und Schaumwein 3,7 l. Pro Tag also ein 0,3-l-Glas Bier, pro Woche eine 0,4-l-Karaffe Wein, alle zweieinhalb Monate ist eine Flasche Schaps leergetrunken und f√ľnf Mal im Jahr pl√∂ppen die Sektkorken. Klingt vielleicht nicht nach √ľber die Ma√üen viel, aber nun gibt es diesen Durchschnittskonsument eben kaum. Vielmehr aber gibt es zigtausende Erwachsene die keinen, oder nur extrem wenig Alkohol trinken. Bleibt also f√ľr die anderen definitiv mehr √ľbrig als h√∂chstwahrscheinlich empfehlenswert ist, ganz unabh√§ngig von weiteren Einflussfaktoren.

Was können Freunde eines guten Tropfens daraus schließen? Qualität statt Quantität könnte eine Lösung sein. Lieber eine gute Flasche Wein pro Woche trinken als zwei schlechte. Nur mal so als Idee.

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Dienstag, 02. Mai 2017

Heute nicht gut drauf? Das Drogenpotential von Eiscreme.

Ich war tats√§chlich nicht gut drauf, als ich das Werbeplakat einer Eisdiele in einer mittelalterlichen Kleinstadt erblickte. Gerade erst hatte ich vom Tod des Bergsteigers Ueli Steck erfahren, zudem pr√§sentierte sich das Wetter fies regnerisch, und ich war auf dem nassen Kopfstadtpflaster bergab nach einem Ausrutscher nur knapp einer Bauchlandung entgangen. Alles echt nicht lustig. Aber siehe da, das Plakat brachte Erheiterung. Das beste daran: Ich brauchte nicht einmal Eis. Und das ist gut so. Denn das bedeutet: Ich bin nicht eiss√ľchtig. Obwohl wahrscheinlich einige Leute aus meinem engsten Familien- und Freundeskreis vor Lachen Bauchkr√§mpfe bekommen, wenn sie das lesen. Aber ich habe eine Entzugskur hinter mir. Und kann die Sache inzwischen kontrollieren.

Das ist keinesfalls selbstverst√§ndlich wie eine schon vor Jahren ver√∂ffentlichte Studie des Oregon Research Institute in Eugene ergab. Denn Eiscreme habe Drogenpotential wie Kokain, hei√üt es dort. Mal sehen wie selbstdiszipliniert ich √ľber den zweiten Sommer komme.

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Dienstag, 25. April 2017

Lebensmittelfälschungen im großen Stil: ZDF-Magazin Frontal 21 berichtet

Der kompottsurfer hatte das Thema Lebensmittelf√§lschungen in den letzten Jahren immer mal wieder auf dem Schirm. Nicht zuletzt bei Oliven√∂l und Wein gab es wiederholt alarmierende Meldungen. Nun wird das ZDF-Magazin frontal 21 heute Abend √ľber eine Aktion der Strafverfolgungsbeh√∂rden Europol und Interpol berichten, die alle bisherigen F√§lschungsskandale in den Schatten stellt. Auf die Formulierung “Peanuts” habe ich aus guten Grund verzichtet, denn ausgerechnet Erdn√ľsse machen einen Teil des Problems aus. Sie wurden beispielsweise undeklariert ger√∂steten Haseln√ľssen beigemischt.

Betrogen wird √ľberall, nicht nur bei Produkten, wo hohe Gewinnspannen zu erzielen sind. Neben Champagner, Kaviar und Tr√ľffel wurden auch Kaffee, Tee und Mineralwasser gef√§lscht. Der Marktwert aller F√§lschungen, die bei den Kontrollen sichergestellt wurden, wird auf rund 230 Mio. Euro beziffert. 61 L√§nder, davon 21 aus der EU, sind dabei im Visier der Fahnder gewesen.

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Sonntag, 19. März 2017

Preise f√ľr Parmesank√§se teilweise um bis zu 50 Prozent gestiegen. Gibt es Alternativen?

Als 2012 ein Erdbeben Norditalien ersch√ľtterte, traf es auch die Region Emilia-Romagna empfindlich. Dort nahm ein Parmesanlager schweren Schaden, etwa 400.000 Laibe K√§se gingen zu Bruch. Man musste damals bef√ľrchten, dass dieser Verlust heftigen Niederschlag in der Preisentwicklung finden w√ľrde, aber so schlimm wurde es zum Gl√ľck nicht.

Nun sehen wir aktuell eine heftige Preisentwicklung beim Parmesan, die viel eher zu einem Erdbebenereignis passt. Nur hat dort zuletzt nichts √§hnlich schlimm ger√ľttelt. Die Preiserh√∂hungen, wie sie bei Fachh√§ndlern, in Superm√§rkten und bei Discountern zu beobachten sind, m√ľssen andere Ursachen haben. Der kompottsurfer hat sich bei Insidern aus der Milchwirtschaft umgeh√∂rt, die haupts√§chlich gestiegene Rohmilchpreise in der Region f√ľr die Preisentwicklung verantwortlich machen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen K√§sesorten handelt es sich bei Grana Padano und Parmigiano-Reggiano um gebietsgesch√ľtzte Bezeichnungen. Wird die Rohmilch in der Region teurer, schl√§gt das auch ungepuffert auf den K√§sepreis durch. Zumal nicht √ľberall in Europa solche Dumpingpreise f√ľr Milch √ľblich sind wie in Deutschland. Da sich bei einigen Onlineh√§ndlern jedoch deutlich g√ľnstigere Bezugspreise erzielen lassen als aktuell beim Discounter, kann es nicht allein an den Milchpreisen liegen. Vielleicht wurde falsch disponiert, vielleicht wird die Preistoleranz des Verbrauchers getestet. Anders als bei der saisonal extremen Verteuerung von Sommergem√ľse, wie sie zuletzt bei Zucchini zu beobachten war, mit Spitzenpreisen von 8 Euro pro Kilogramm (der kompottsurfer berichtete), ist der gestiegene Parmesanpreis also nicht so einfach zu erkl√§ren.

Aber muss es √ľberhaupt immer Parmesan sein? Keinesfalls. Als Alternative k√∂nnte zum Beispiel auch Alter Holland Gouda dienen, nicht zu verwechseln mit in Deutschland gro√üindustriell hergestelltem Gouda. Alter Holland Gouda reift mitunter bis zu sechs Jahre, und erreicht dann jene Spitzenqualit√§t, wie sie beim legend√§ren Affineur Waltmann zu haben ist.

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Sonntag, 26. Februar 2017

ResQ Club: Wie funktioniert die Rettung von Essen und Nahrungsmitteln?

Erst k√ľrzlich berichtete der kompottsurfer √ľber die Aktion niederl√§ndischer K√ľnstler, die so genannter “Schadtiere” im urbanen Lebensraum, wie Ratten, F√ľchse oder Kr√§hen zu Essen verarbeiten. Tiere also, deren Kadaver ansonsten einfach verbrannt oder verscharrt w√ľrden.

Der Rettung von Nahrungsmitteln hat sich auch der ResQ Club verschrieben. Allerdings ist der Ansatz ein ganz anderer. ResQ ist der Dienst eines finnischen StartUps, der es einerseits den teilnehmenden Restaurants, Caf√©s und Hotels erm√∂glicht, uŐąberschuŐąssige Gerichte und Lebensmittel dem sicheren M√ľlltod zu entrei√üen und sie statt dessen zum erniedrigten Mitnahmepreis noch verkaufen zu k√∂nnen und andererseits Konsumenten auffordert, eben diese Gerichte g√ľnstig zu erwerben. Das alles funktioniert mithilfe einer App, in der Verbraucher sehen k√∂nnen, wo in ihrer N√§he gerade Reste-Essen angeboten wird.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist zu sehen, dass der so findige wie junge Dienst nat√ľrlich noch nicht √ľberall richtig l√§uft. Dort, wo es l√§uft, wie in Amsterdam, sah der interessierte Konsument am gestrigen Samstagabend folgende Angebote:

Misosuppe (2 Euro)
Gegrillte Champignons gef√ľllt mit Mangold und Topinambur (2,50 Euro)
Erbesensuppe mit Bratwurst (2,50 Euro)
Scharfer Tunfisch Wrap (6,50 Euro)
Ossobuco Tagliatelle mit Karotten und Paprika (4 Euro)

Das sieht noch nicht danach aus, als beteiligten sich tats√§chlich viele Restaurants mit “qualitativ hochwertigen” Mitnahmeportionen an dem Projekt. Und sicher besteht auch die Gefahr, dass so mancher Gastronom auf dieser Welle mitreitet, um minderwertiges Essen zum √ľblichen Preis zu verkaufen. Frei nach dem Motto: Wenn Verbraucher eine bestimmte Biermarke bevorzugen, weil mit jeder Kiste ein bisschen Regenwald gerettet wird, dann sind sie auch mit dem Versprechen der Vermeidung von Nahrungsmittelvernichtung zu k√∂dern.

Warum der kompottsurfer gerade bei einer so guten wie sinnvollen Idee genau dahin schaut, wo es Probleme geben k√∂nnte? Weil nirgendwo klar beantwortet wird, wie Qualit√§tssicherung betrieben wird und wie das Gesch√§ftsmodell hinter der Idee funktioniert. Auch ein Beitrag im Green Alley-Netzwerk, wo der Gr√ľnder des Unternehmens zu Wort kommt, gibt keinen Aufschluss.

Keine Frage, der Wegwerfwahn bei Lebensmitteln hat vor allem in Deutschland erschreckende Ausmaße angenommen. Ideen, wie die des Res Q Clubs, zielen also genau in die richtige Richtung. Nur, was vor dem Hintergrund zahlloser Lebensmittelskandale nicht vergessen werden sollte: Es braucht auch Transparenz und Kontrollmechanismen, damit solche Projekte am Ende den Erfolg haben, den sie verdienen. Sollten nämlich eines Tages Gastronomen auffliegen, die den Kunden systematisch dubiose Nahrungsmittel untergeschoben haben, ist eine gute Idee schnell beerdigt.

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Montag, 30. Januar 2017

Sollten wir Krähen essen? Oder Fuchs und Bisamratte? Und wie schmeckt eigentlich ein Pony-Burger?

Auch auf die Gefahr hin von radikalen Tiersch√ľtzern gnadenlos niedergestreckt zu werden, m√∂chte der kompottsurfer auf das heikle Thema der Verwertung von Schadtieren als Nahrungsmittel hinweisen. Wobei schon der Begriff Schadtiere heikel ist, weil sie nur aus der Sicht des Menschen Schaden anrichten. Aber sei’s drum. In der aktuellen Druckausgabe des stern hat der Kollege R√ľdiger Braun einen hochinteressanten Beitrag zum Thema verfasst.

Ausgangspunkt seiner Story ist das Projekt zweier K√ľnstler aus Amsterdam. Rob Hagenouw und Nicolle Schatborn sind darum bem√ľht, im urbanen Lebensraum unerw√ľnschte Tiere wie Kr√§hen, F√ľchse, Ratten und G√§nse (anders als in Deutschland sind sie in den Niederlanden kulinarisch unbeliebt) nach ihrer T√∂tung nicht in der M√ľllverbrennung enden zu lassen, sondern Nahrungsmittel daraus zu machen. Eine so aufregende wie sinnvolle Idee. Denn realistisch betrachtet kann man die Tiere weder unkontrolliert durch die Gassen streifen lassen, noch auswildern oder gar Streichelzoos mit ihnen best√ľcken. Und wie gut eine Kampagne Rettet die Ratten in der Bev√∂lkerung ank√§me? Okay, geschenkt. Also jagen und essen.

Foodguerilla hei√üt ein Netzwerk, das in den Niederlanden gegen die auch an dieser Stelle schon mehrfach beklagte Wegwerfmentalit√§t bei Nahrungsmitteln aktiv ist. Aber es nicht bei mahnenden Worten bel√§sst, doch bitte das Brot nicht gleich wegzuwerfen, nur weil es am Rand etwas trocken geworden oder die Erdbeerkonfit√ľre, weil das Haltbarkeitsdatum um zwei Tage √ľberschritten ist. Die Foodguerilla geht auch dahin, wo’s wehtut, wo der Konsument sowohl mit dem massenhaften Tod von Tieren in der Stadt konfrontiert wird als auch mit dem mulmigen Gef√ľhl bei den Fragen Kann ich das essen? Darf ich das essen? Soll ich das essen? Und die beiden K√ľnstler Hagenouw und Schatborn gehen nicht nur mit, sondern voran. Das erstaunlich aber ist: Sogar Kinder, die uns ihre Emp√∂rung beim Gedanken ans Essen von Pferden erst einmal wie Hufeisen an den Kopf schleudern, kann das Projekt erreichen. Durch erkl√§ren und Vermitteln. Manche wagen sich danach sogar an einen Pony-Burger wie R√ľdiger Braun schreibt. Und die Erwachsenen √ľberwinden Abneigung und Ekel und finden zum eigenen Erstaunen pl√∂tzlich Gefallen an einer Kr√§henbrust oder Fuchskeule.

Der stern-Artikel ist auf jeden Fall zu empfehlen. Er zeigt einen mutigen Umgang mit einem oft verdrängten Thema.

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Dienstag, 17. Januar 2017

functional food und die Frage: Was ist das √ľberhaupt?

K√ľrzlich erschien im Gourmet Report ein so interessanter wie unheimlicher Beitrag √ľber functional food, und das unter der √úberschrift Gesunde Wurst. Darin geht es um ein Entwicklungsprojekt der Arbeitsgruppe Lebensmittel- und Ern√§hrungsforschung der Hochschule Anhalt in Bernburg, an dessen Ende die Rezeptur f√ľr eine neuartige Wurst stand. Diese Wurst wird, so hei√üt es, bereits unter dem Namen ‚ÄěPro Gesundheit‚Äú in Filialen der Fleisch- und Wurstwarenproduktion Bernburg verkauft.

Irritierend an dem Beitrag findet der kompottsurfer, mit welch’ positivem Beigeschmack der Begriff functional food serviert wird. F√ľr Gourmets ein eher abschreckender Begriff, geht es bei functional food doch letzten Endes darum, hochverarbeitete Lebensmittel herzustellen. Vor zehn Jahren hat der kompottsurfer √ľbrigens schon einmal sein Fremdeln mit dieser Art von Ern√§hrung kundgetan.

Wenn es aus Sicht des kompottsurfers aktuell eine Entwicklung im Bereich der Nahrungsmittelherstellung gibt, die besonders besorgniserregend ist, dann die ungehemmte Ausbreitung vermeintlich “guter” Lebensmittelzus√§tze sowie aromatische Manipulationen aller Art. Geimpftes Essen sozusagen. Warum? Weil dieses Geschehen weitgehend unterhalb des Radars abl√§uft. Weil es eben kein klassischer Lebensmittelskandal ist. Dabei kann es viel folgenreicher sein. Was diese Zus√§tze langfristig gesundheitlich anrichten k√∂nnen ist kaum erforscht. Nat√ľrlich klingt es erstmal positiv, wenn man h√∂rt, dass die Kastration von m√§nnlichen Ferkeln bald der Vergangenheit angeh√∂ren k√∂nnte, weil man nun ein Mittel gefunden zu haben glaubt, mit dem der unangenehme Beigeschmack, der das Fleisch von Ebern kaum genie√übar macht, maskiert werden kann. Aber daf√ľr ein Mix aus diversen, zugesetzten Aromen schlucken? Maskieren ist √ľberhaupt ein gro√ües Thema in der Lebensmittelchemie. Und leider geh√∂rt nicht viel Fantasie dazu, sich auch skandaltr√§chtige Szenarien auszumalen, in denen Maskierung von Lebensmitteln eine Rolle spielt.

“Verbraucher scheitern oft an gesunder Ern√§hrung” titelte foodwatch erst k√ľrzlich zu den Ergebnissen einer aktuellen Ern√§hrungsstudie, die von den Verbrauchersch√ľtzern gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegeben worden war. “Viele Menschen wollen sich zwar gerne ges√ľnder ern√§hren, es f√§llt ihnen jedoch schwer,” hei√üt es da. Genau da setzt functional food an. Man gebe einfach ein paar Zus√§tze ins Essen, und schon haben die Konsumenten alle gesunden Dinge die sie brauchen. Oder sie sollen es zumindest glauben.

Die Sorge um die Pflege des Kulturguts Essen, sie ist in den letzten zehn Jahren keineswegs kleiner geworden. Eher größer.

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Dienstag, 03. Januar 2017

Kocht die Jugend ihre Eltern ab? Ministerium stellt Ernährungsreport 2017 vor. Und der gibt Anlass zu Optimismus.

Deutschland, wie es isst ‚Äď so betitelt das Bundeministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft ihren Ern√§hrungsreport 2017. Erinnert entfernt an K√∂ln wie es singt und lacht, aber Anlass zum Lachen bietet der Bericht nicht, es sei denn, man hat vorher ein paar Haschkekse gegessen. Aber nein, geht ja gar nicht, Kekse will n√§mlich kaum einer mehr backen. Zumindest macht das Ministerium in seinem Bericht auf die mangelnde Bereitschaft der Bundeb√ľrger aufmerksam, selbst und frisch Essen zuzubereiten.

Schrieb ich gerade, der Bericht b√∂te keine Erheiterung? Okay, ich muss das revidieren. Vielleicht sind meine Lieblingskekse, die ich gerade zum Espresso knabbere, auch etwas angereichert. Wie auch immer ‚Äď unter der √úberschrift Stimmt’s oder nicht? gibt der Report reichlich Kostfaktisches zum Besten:

1. Mehr Frauen (63 %) als Männer (46 %) bevorzugen die schnelle und einfache Essenszubereitung.
2. Je √§lter die Deutschen sind, desto h√§ufiger trinken sie t√§glich Tee oder Kaffee, entsprechend fast alle √ľber 60-J√§hrigen (97 %)
3. Im Vergleich zu Männern achten Frauen häufiger auf Biosiegel (58 zu 39 %), Fairer-Handel-Siegel (52 zu 35 %) und auch auf Tierwohllabel (52 zu 40 %).
4. Menschen im Westen greifen h√§ufiger t√§glich zu S√ľ√üigkeiten (23%) als Ostdeutsche (11%). Entsprechend stehen Obst und Gem√ľse im Osten eher auf dem Speiseplan (82 %) als im Westen (73%).
5. Die gro√üe Mehrheit h√§lt vegane Lebensmittel auch auf lange Sicht f√ľr relevant (71 %). Gleichwohl stehen Zubereitungen mit Fleisch auf Platz 1 der aktuellen Lieblingsgerichte (53%).

Der kompottsurfer kann derartigen Umfragereports kaum etwas abgewinnen. Was um alles in der Welt hilft es dem Verbraucher, wenn er wei√ü, dass er mit zunehmendem Alter anf√§lliger f√ľr den Konsum von Kaffee und Tee wird? Oder, dass Frauen einfachere Essenszubereitung bevorzugen als M√§nner? Liegt das vielleicht einfach nur daran, dass Frauen meist diejenigen in der Familie sind, die deutlich h√§ufiger den Kochl√∂ffel schwingen und auch die Zutaten (Stichwort: Biosiegel, Punkt 3) besorgen m√ľssen? Nicht selten neben Beruf und Kindererziehung? Ob die Untersuchung diese Faktoren ber√ľcksichtigt hat, wagt der kompottsurfer mal zu bezweifeln. √úber das Erhebungsverfahren der Daten erf√§hrt der Leser n√§mlich herzlich wenig.

Wir lesen auch , dass 89% der Befragten ein Schulfach Ern√§hrung f√ľr w√ľnschenswert halten. Wie gut, dass Schulpolitik L√§ndersache ist. Da muss sich der Bund mit der Umsetzung nicht herum√§rgern. Gleichwohl stellt der Ern√§hrungsreport auch fest, dass es bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren einen gro√üen Trend zum Kochen gibt. W√§hrend sich also die Eltern Ern√§hrungslehre und Kochen als Schulf√§cher w√ľnschen, steht der Nachwuchs bereits mit Begeisterung am Herd. Macht die Jugend aus der Not eine Tugend? Weil Eltern und Gro√üeltern immer weniger Ahnung davon haben, wie man mit frischen Zutaten etwas Leckeres zubereitet? Komm’ mir jetzt keiner mit “die Eltern haben keine Zeit”. Denn ginge es danach, m√ľssten Sch√ľler, vor allem die vielen G8-Penn√§ler, einen gro√üen Bogen um den Herd machen. Tun sie aber nicht, wenn man den Umfrageergebnisse zumindest ansatzweise trauen kann. Und dank youtube-Kan√§len wie yumtamtam bekommen sie hilfreiche Tipps f√ľrs Zubereiten einfacher Gerichte serviert.

Auch wenn sich am Beispiel Jugendkochtrend mal ein interessanter Aspekt aus dem Umfragesumpf des Ern√§hrungsreports fischen l√§sst ‚Äď dem kompottsurfer w√§ren eine dichtere Lebensmittelkontrolle und Erhebungen √ľber Produktqualit√§t lieber als eine Ansammlung von Umfrageergebnissen, die eher f√ľr Industrie und Handel von Belang sind als f√ľr den Verbraucher.

So, Kekse sind alle. Jetzt wird gekocht.

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Montag, 12. Dezember 2016

Das Malheur der Woche: Dinkelpfannkuchen mit Huch!

Dinkelpfannkuchen mit Apfel

Routinen sind eine gro√üartige Sache. Vor allem beim Kochen. Man muss nicht mehr in Rezepte schauen und kennt Zubereitungsabl√§ufe, Zutaten und Mengenverh√§ltnisse aus dem Effeff. Ideal nach einem Vorabend mit reichlich k√∂stlichem Wein, wenn man solche Routinen abrufen kann. W√§re da nicht dieses gelegentliche “huch!”. Huch, ich hab’ mich vertan. So wie vorgestern beim allsonnt√§glichen Pfannkuchen backen.

Wenn mein Sohn mit am Tisch sitzt, gibt es f√ľr ihn, seit Jahr und Tag, immer eine deftige Variante meines Dinkelpfannkuchens. Und zwar mit Parmesank√§se. F√ľr alle anderen steht in einer zweiten Sch√ľssel der Teig mit den einger√ľhrten St√ľckchen vom Boskop-Apfel bereit, der nach dem Backen mit Zuckerr√ľbensirup aus der Furzger√§usche machenden Dosierflasche bespritzt wird.

W√§hrend ich mich nun auf den schwierigsten Teil des Backprozesses vorbereite, dem einh√§ndig ausgel√∂sten Pfannkuchensalto, geht bei Tisch das Gespr√§ch √ľber Richard Dawkins erstes Buch Das egoistische Gen weiter. Ich versuche dem Gespr√§ch zu folgen und gleichzeitig den Salto des Pfannkuchens sauber und ohne Wackler in der Pfanne zu landen. Geschafft. Also, wie war das? Selbstlosigkeit l√§sst sich auch durch den Egoismus der Gene erkl√§ren, wobei Egoismus nur ein Begriff zur Veranschaulichung ist, denn Gene haben ja keine Gef√ľhle und Absichten? Richtig?

So, jetzt nur noch der Parmesankäse oben drauf, etwas anschmelzen lassen und, voilà, der Pfannkuchen ist servierfertig. Während ich ihn auf den Teller gleiten lassen, fällt mir auf, dass es unter der Teigoberfläche etwas uneben aussieht, so wie beim Apfelpfannkuchen. Ich hatte doch nicht etwa? Doch. Ich hatte. Den Parmesankäse auf den Apfelpfannkuchen gestreut. Und damit eine neue Generation Pfannkuchen geboren. Im Übrigen völlig selbstlos. Essen wollte das trotzdem keiner, aber zum Wegwerfen war diese ungewöhnliche Variante auch zu schade. Also musste ich das Ding selbst vertilgen, das so schlecht nun auch wieder nicht schmeckte. Flunkerte ich den anderen jedenfalls vor.

Was lerne ich daraus? Dass Novalis noch immer Recht behält mit seinem Satz: Auf alles, was der Mensch vornimmt, muß er seine ungeteilte Aufmerksamkeit richten. Und sei es auch die siebenhunderthaumichtoteste Zubereitung eines Pfannkuchens.

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Mittwoch, 30. November 2016

Frankreichs Supermärkte vorbildlich, auch bei der Lebensmittelsicherheit

Dass Frankreich ein Land tief verwurzelter kulinarischen Hochkultur ist, merkt man als Deutscher nicht nur, wenn man bei unseren Nachbarn einfache Landgasth√∂fe besucht und √ľber das beeindruckende Preis-Leistungsverh√§ltnis des Essens staunt. Ja, da wird landauf, landab noch richtig gekocht. Und das gilt auch f√ľr die privaten Haushalte. M√∂gen die Franzosen selbst die auch bei Ihnen zunehmende Fastfood-Fresserei beklagen ‚Äď es ist kein Vergleich zum Schnellfresssyndrom, das hierzulande grassiert.

Meinen ersten St. Emilion Premier Grand Cru Class√© erwarb ich √ľbrigens in einem Supermarkt, einem dieser monstr√∂sen Hypermarch√©s, wo es riesige Frischfischtheken gibt und allein die Weinabteilungen so gro√ü sind wie bei uns ein kompletter Rewe-Markt. Ausgestattet mit allem, was bei Wein und Champagner Rang und Namen hat. Ich erstand dort ‚Äď kein Witz ‚Äď einen 1990er Cheval Blanc. Zugegeben nur deshalb, weil da ein Preisetikett dran war, das ich nicht glauben konnte: 99 Franc, also umgerechnet damals etwa 30 DM. Ich dachte, sp√§testens an der Kasse m√ľsste der Irrtum auffallen, aber nein, die Kassiererin zieht den Preis anstandslos durch. Leider war es die einzige Cheval-Blanc-Flasche zu diesem Preis. Heute muss man f√ľr den von Weinpapst Robert Parker mit 98 Punkten geadelten Tropfen rund 800 Euro investieren, wohlgemerkt f√ľr eine Flasche.

Aber ich schweife ab. Mache ich ja gerne. Im Grunde wollte ich nur meine Freude dar√ľber zum Ausdruck bringen, dass franz√∂sische Superm√§rkte Mineral√∂le aus ihren Lebensmitteln verbannen wollen. Na klar, die haben darin ohnehin nichts zu suchen, nur halten sich viele Hersteller nicht daran, wie der kompottsurfer in diesem Jahr schon hier und da berichtete.

Jetzt meldet foodwatch, dass ein paar namhafte Handelsketten aus unserem Nachbarland eine Initiative gegen Mineral√∂lverunreinigungen gestartet haben. Vorbildlich. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

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