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Sonntag, 18. Dezember 2011

antoniewicz@home (1): kompottsurfer startet neue Kochserie mit Dicker Rippe Sous Vide

Textur und Aromaübetragung gelungen: Bouillonkartoffeln im Vakuum

Ein Laborgerät fürs Kochen weiterentwickelt: fusionChef by Julabo

Ist es vermessen, als Hobbykoch Rezepte aus Heiko Antoniewicz’ großartigem Buch Sous Vide nachkochen zu wollen? Natürlich ist es das. Wenn ich allein ans Anrichten denke, schiebe ich schon Panik. Aber schöne Teller werden ja immer komplett überbewertet. Hauptsache, es schmeckt. Höher als einigermaßen gut Nachkochen will ich die Messlatte auch gar nicht legen.

Wer Heikos Rezepte nachkochen will, besucht am besten erst mal einen Intensivkurs zum Thema Beschaffungskrimina.., pardon, Beschaffungskriminologie. Seine Kreationen leben auch und besonders von der Art und Weise, wie er außergewöhnliche Zutaten einbaut, deren Namen man als Hobbykoch mitunter erst einmal googeln muss. Zumindest aber die Bezugsquellen. Ich wage mich an Dicke Rippe, Rettich, Bouillonkartoffeln. Rezept von Seite 68-71. Eindrucksvoll fotografiert. Aber ich weiß, dass wir von der abgebildeten Menge nicht satt werden. Wenn das kein Freibrief für mich ist, meinen Dilettantismus beim Anrichten zu rechtfertigen. Nur, soweit bin ich noch lange nicht.

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Donnerstag, 15. Dezember 2011

Jordi Roca: Der vielleicht beste Patissier der Welt bei der Arbeit.

Erst vor wenigen Tagen stellte der kompottsurfer ein Video von Joan Roca aus dem El Celler in Girona vor. Heute ist sein Bruder Jordi an der Reihe, dessen unfassbaren Kreationen mich seinerzeit aus dem Staunen nicht mehr herausbrachten. Er ist wirklich in der Lage, die Aromen hochwertiger Parfums in seinen Desserts nahezu 1:1 abzubilden. Ohne künstliche Zusatzstoffe. Zum Abgleich der Aromen erhält der Gast ein Aromakärtchen des Parfums serviert. Im Video ist auch zu sehen, wie Jordi den Rotationsverdampfer zur Herstellung eines Aromaöls einsetzt.

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Mittwoch, 14. Dezember 2011

Entdeckt: Die besten und außergewöhnlichsten kulinarischen Weihnachtsgeschenke 2012

Perfekte Weihnachtsüberraschungen: Kulinarische Knaller von Antoniewicz

Als ich gestern Heiko Antoniewicz in Dortmund besuchte, wurde ich auf seine vielen neuen und spannenden Produkte aufmerksam. Die haben es wirklich in sich und sind wie geschaffen für Weihnachtsgeschenke an kulinarisch interessierte Menschen, die ansonsten wirklich alles zu haben scheinen. Aber Heikos kandierte Oliven, oder das Kaffeöl, und ganz besonders das Tomatenserum in zwei Varianten sind einfach Dinge, mit denen auch ein Fast-Alles-Kenner noch überrascht werden kann. Auch die optische Gestaltung ist klasse. Zum Bestellshop geht’s hier lang.

Ach ja, wem die Optik bekannt vorkommt – richtig, auf unserem gemeinsamen Titel “Verwegen kochen” hatte sie ihr Debüt. Tolle Arbeit von Ralf Müller.

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Dienstag, 13. Dezember 2011

Schönes kleines Video über einen der weltbesten Köche: Joan Roca

Der Besuch im El Cellar gehörte ohne Zweifel zu den eindrucksvollsten Gastronomieerlebnissen des kompottsurfers ever. Gerade entdeckte ich bei youtube ein Video über Joan Roca. Und sofort war die Lust wieder da, noch einmal dort essen zu gehen.

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Freitag, 06. Mai 2011

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten. Ein Ei weichkochen manchmal auch …

Nach 90 Minuten kochen immer noch weich: Das Niedrigtemperaturei

Gelegentlich muss der kompottsurfer das Thema Essen bei den Eiern packen. Die geben nämlich immer mal wieder Stoff für Beiträge. Egal, ob sie nun rationiert werden, penetrant nach Fisch stinken oder per mathematischer Berechnung der exakten Garzeit in den perfekt weichgekochten Verzehrzustand versetzt werden sollen.

Der Beitrag zur exakten Garzeit war 2007 Teil einer, nennen wir es dreiteiligen Eierserie. In deren Verlauf ich auf ein Experiment des geschätzten chadzilla blogs stieß. Die Jungs kochten grüne Eier mithilfe der Sous-Vide-Methode. Ich fand die Nummer mit den grünen Eiern damals beinahe so unterhaltsam wie einen meiner Lieblingsfilme, Mars Attacks.

Nun las ich kürzlich einen Beitrag von Martin Lersch auf khymos zum Thema Eier. Martin bloggt ja immer wieder großartige Dinge, die mit Molekularküche zu tun haben. Es sind aber vor allem seine Versuchsreihen, die mich in den Bann ziehen. Okay, er ist Naturwissenschaftler und hat sicher mehr Nerven als unsereins, irgendwelche Versuchsreihen aufzubauen, gleichwohl, er tut das mit erstaunlicher Lust an der Sache und schreibt unterhaltsam.

Durch seinen Beitrag angestachelt, wagte ich mich dann gestern mal an ein 90-Minuten Frühstücksei, das wegen der langen Garzeit gleich als Mittagsei eingeplant wurde. Bei exakt 63° Celsius wurde das Ei (Qualität Bio, logisch) 90 Minuten gegart. Anders als bei Martin überraschte mich das Ei beim Köpfen mit einem spritzig-wässrig-wabbeligem Eiklar. Gab eine ziemliche Sauerei auf dem Tisch, und ich fluchte ungefähr so wie der hier. Denn ich wollte mich ja dem Ei zuwenden, nicht dem Putzlappen. Zum Glück war ich alleine zuhause, und so konnte ich unerhört weiter fluchen.

Die zweite Überraschung kam, als ich zum Eigelb vordrang, das eine beeindruckend cremige Textur aufwies und deutlich fester war als das Eiklar. Das war auch insofern merkwürdig, da Eiklar, wenn ich nicht irre, eine geringere Gerinnungstemperatur aufweist als Eigelb (65°/70°). Diesem theoretischen Aspekt muss sich der kompottsurfer bald noch mal zuwenden, aber was schon jetzt bleibt, ist die Erinnerung an das großartigste Mundgefühl von Eigelb, das je auf meiner Zunge lag.

Der nächste Versuch kommt bestimmt. Wahrscheinlich geht’s dann in die Verlängerung: 120 Minuten.

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Mittwoch, 16. März 2011

The Flemish Primitives: Erster Blick ins Kochkompedium MODERNIST CUISINE

Modernist Cuisine: Das Neue Kompendium des Kochens

Tja, in diesem Jahr war’s nix mit dem Besuch des wichtigen Events für experimentelles Kochen. Zu viel andere Dinge um die Ohren. Der geschätzte Kollege Martin Lersch vom khymos blog wird in den nächsten Tagen aber sicher einiges über die Themen der Veranstaltung von Montag posten. Ich bin schon sehr gespannt.

Zu lesen ist bereits, dass Martin eine Vorab-version des neuen, mehrbändigen Kochkom- pendiums Modernist Cuisine einsehen konnte. Das knapp 2.500 Seiten starke Werk wird als Meilenstein der Kochliteratur gehandelt. Im letzten Sommer versuchte ich bereits, dem Initiator des Kompendiums, Nathan Myhrvold eine Vorabversion abzuluchsen. Aber Nathan schrieb mir damals, dass es wohl noch eine Zeit brauchen würde, bis erste Kopien fertig sind.

Jetzt ist es also soweit: Dr. Nathan Myhrvold, ehemaliger Chief Technical Officer (CTO) von Microsoft, hat zusammen mit Chris Young und Maxime Bilet das monumentale Werk fertigstellen können. Aber wer ist dieser Nathan Myhrvold? Im Hauptberuf jedenfalls kein Koch, das liegt auf der Hand.  Nathan machte sich zunächst einen Namen als naturwissenschaftlicher Überflieger. Er schloss schon mit 23 Jahren in Princeton ab (mathemathische und theoretische Physik), arbeitete danach mit Stephen Hawking an dessen Quantengravitationstheorie, gründete 1991 Microsoft Research und fungierte jahrelang als deren CTO. 1999 verließ er Microsoft und folgte auch seiner Leidenschaft, dem Kochen etwas mehr. Seine Fortschritte am Herd überließ er durch Stages in verschiedenen renommierten Restaurants und Privatunterricht bei der legendäre Anne Willan von der Ecole De La Varenne nicht dem Zufall.

Nathan ist außerdem Chef von Intellectual Venture, einer auf Investitionen spezialisierten Firma, die u.a. Entwicklungen für einer Technologie Sanfter Brüter fördert. Eine angeblich nahezu risikolose Energiegewinnung aus Kernenergie. Ob so etwas wirklich machbar ist, wird in diesen Tagen der atomaren Katastrophe von Japan sicher skeptischer gesehen denn je. Ich schließe mich da, ganz offen gestanden, nicht aus.

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Dienstag, 28. Dezember 2010

The Flemish Primitives 2011: Anmeldung geöffnet

the flemish primitives

Das vom kompottsurfer hoch geschätzte Food Science Event the flemish primitives hat seit gestern seine Online-Anmeldung geöffnet. Verstärkt durch das Aufsehen erregende Programm der letzten beiden Jahre – in denen die Veranstaltung noch in Brügge stattfand – dürfte der Run auf die Karten für 2011 sicher noch zunehmen. Zudem locken neben den kulinarischen Innovationen dieses Mal auch eine Gala Night am Vorabend sowie der besondere Reiz des Städtchens Ostende.

Einige namhafte Küchenchefs haben ihr Erscheinen angekündigt und werden ihre neuesten Entwicklungen vorstellen, darunter Rene Redzepi (Noma/DK) Alex Atala (D.O.M./ BRA), Pascal Barbot (L’Astrance / FRA), Michel Bras (Bras /FRA), James Petrie (Fat Duck/GB) Kobe Desramaults (In de Wulf/BEL), Sang Hoon Degeimbre (L’air Du Temps / BEL) und Josean Martinez Alija (Guggenheim/ESP).

Ich werde am 13. und 14. März auch wieder vor Ort sein und von dort über alles Neue berichten.

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Montag, 29. November 2010

Molekularküche: Blitzgescheiter Kochkanal der Harvard University erklärt GOAL OF MESSI. Und zeigt Sous Vide Star Joan Roca in Aktion

Das bringt Bewegung in die Rübe: Über einen Youtube-Kanal können an Kochwissenschaft interessierte User jetzt jede Menge frische geistige Nahrung aufnehmen. Aber erst, nachdem sie ausführlich über die vielen Sponsoren der Unterichtsreihe informiert wurden. So viel Zeit muss natürlich sein.

Lektion 2 finde ich besonders interessant, sie startet mit der scheinbar einfachen Frage: Was ist Kochen? Um im weiteren Verlauf eine eindrucksvolle Performance von Joan Roca aus Girona (s. auch kompottsurfer aus 06/2008) zu servieren. Aber seht selbst, wie unterhaltsam und lehrreich Molekularküche sein kann, nicht zuletzt, wenn es um the goal of Messi geht  …

Und hier noch ein paar Fotos von meinem Roca-Besuch in 2008.

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Montag, 15. November 2010

Gault Millau 2011 ist da: Mario Lohninger wird Koch des Jahres

In diesen Minuten wird bei Mario Lohninger und seinem Team kräftig gefeiert. Der in Frankfurt praktizierende Salzburger sorgte mit drei Gastronomien in der Mainmetropole für Begeisterung bei den Testern um Gault-Millau-Chef Manfred Kohnke: Silk, Micro und Lohninger.

Nils Henkel (Schloss Lerbach) musste im vergangenen Jahr als Opfer für die etwas schrullig wirkende Jagd des Gault Millau auf molekular inspirierte Küche herhalten. Inzwischen wurde er rehabilitiert. Ist ja auch kaum zu vermitteln, warum der eine für den Einsatz moderner Technologie abgestraft wird, während andere, die ähnlich klug kochen, weiterhin Höchstnoten einstreichen. Mehr als ein bisschen Erschrecken war also nicht. Und das ist gut so. Scheinbar hat Kohnke erkannt, dass er zu den Wurzeln zurückkehren und den Gault Millau wieder als den aufgeschlossenen Guide gegenüber moderner, kluger und aufregender Küche positionieren muss, der er in den 1980er und 1990er Jahren war.

Im Ruhrgebiet behaupten übrigens Frank Rosin in Dorsten und Henri Bach sowie Berthold Bühler in der Résidence mit 18 von 20 Punkten ihre Spitzenstellung.

Die weiteren bundesweiten Auszeichnungen des Gault Millau im Überblick:

Oberkellner des Jahres: Ansgar Fischer von der „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn
Sommelier des Jahres: Gunnar Tietz vom „First Floor“ in Berlin
Restaurateur des Jahres: Fritz Keller vom „Schwarzen Adler“ in Vogtsburg/Kaiserstuhl
Pâtissier des Jahres: Nadja Hartl vom „Aqua“ in Wolfsburg
Kochschule des Jahres: das Studio von Alexander Herrmann in Wirsberg bei Bayreuth

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Mittwoch, 20. Oktober 2010

Aroma (I): Die Sache mit der Sahne

Lässt Sahne ranzig schmecken: Caprylsäure

In den nächsten Wochen werde ich mich in loser Folge mit diversen Aromafragen befassen. Heute soll es um Sahne gehen.

Es sind die unterschiedlichen Strukturen von Monocarbon-Fettsäuren, die unsere Wahrnehmung von Sahne beeinflussen. Die Länge der unverzweigten Kohlenwasserstoffkette ist dabei von besonderer Bedeutung. Eine 4:0 Fettsäure (Buttersäure) vermittelt ranzigen Geruch und Geschmack, 8:0-Fettsäuren (Caprylsäure) muffige und seifige, 14:0 Fettsäuren (Myristinsäure) ebenfalls seifige Noten.

Interessant ist, dass manche Fettsäuren wie die Butter- und Myristinsäure nahezu gleichermaßen über den Geruch- und Geschmacksweg wahrgenommen werden, die Caprylsäure stärker über den Geruch, die Capronsäure (6:0) dagegen mehr über den Geschmack. Dabei geht es um Mengenverhältnisse, deren Aromaschwelle manchmal schon bei 50-60 mg pro kg erreicht ist, wie bei der Buttersäure, manchmal aber auch erst bei über 400 mg/kg zum Tragen kommt, wie bei der Myristinsäure.

Außerdem von Bedeutung ist der pH-Wert der sahnigen Zubereitung, in der die jeweilige Fettsäure zu finden ist. Nahezu alle Fettsäuren nehmen mit steigendem pH-Wert extrem zu. Also immer schön aufpassen, welche Mischungen man da so anrührt in der Küche. Wenn das mal kein Argument für die Anschaffung eines pH-Wert-Messgerätes ist. Der Preis von ca. 40 Euro für das Ding ist wirklich gut investiert, denn Fettsäuren kommen ja nicht nur in Sahne, Milch oder Butter vor. Und wie könnte man schneller scheinbar unerklärlichen Geschmacks- und Geruchsdifferenzen auf den Grund gehen als über eine solche Analyse. Und natürlich gibt es noch jede Menge anderer Einsatzgebiete für das Messgerät in der Küche.

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