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Samstag, 08. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 8: Grande Finale mit Grillfleisch

Es war eine gute Entscheidung der Rennleitung, die urspr├╝ngliche Startzeit von 9 Uhr auf 8 Uhr vorzuverlegen, denn es sollten uns heute sehr mucklige Temperaturen begleiten, auf dem Weg zu den Drei Zinnen hinauf und dann weiter nach Sexten. Wir wollten die letzte Etappe ganz entspannt angehen, nichts riskieren und einfach nur genie├čen ÔÇô so war unser Plan. Und auch die meisten anderen Teams hatten an diesem achten Tag nur noch das eine Ziel: So entspannt wie m├Âglich finishen, und vor allem die Momente oben an den Drei Zinnen noch einmal verinnerlichen.

Es war tats├Ąchlich die sch├Ânste Etappe von allen, mit grandiosen Ausblicken und immer mit dem wunderbaren Gef├╝hl unterwegs, diese unfassbaren 320 Kilometer, diese oft m├╝hsamen 15.000 H├Âhenmeter, jeweils in Auf- und Abstieg, tats├Ąchlich erfolgreich absolviert zu haben. Auf dem Weg von den Drei Zinnen hinunter begegneten uns zahlreiche Bergwanderer, die das Kaiserwetter an diesem Samstag zu einer Tour nutzen. Nahezu alle blieben stehen, wenn L├Ąufer des Trans Alpine Runs an ihnen vorbeiliefen und applaudierten. Eine absolute G├Ąnsehautatmosph├Ąre, die ihren H├Âhepunkt im Ziel von Sexten fand. Wir haben es tats├Ąchlich geschafft, wir sind Finisher des Transalpine Runs 2012. Nur ein Team, das gestern noch im Rennen war, konnte sich diesen Traum nicht mehr erf├╝llen. Aber 173 von 290 gestarteten Teams aus ├╝ber 30 Nationen kamen an. Dazu 82 L├Ąufer, die nach dem Ausscheiden des Teampartners allein weitermachten.

Seit unserem Zieleinlauf am sp├Ąten Mittag floss schon reichlich Bier durch meine Kehle, sodass ich mich einfach nicht mehr erinnern kann, welche leckere Tiroler Grillspezialit├Ąt meinen ersten Hunger verscheuchte. Jetzt ist Party, und ja, wir k├Ânnen sogar noch tanzen.

An dieser Stelle vielen Dank an Familie, Freunde, Bekannte und Leser, die ├╝ber all’ die Tage mitgefiebert haben.

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Freitag, 07. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 7: Steinschlacht mit Traumpanorama

Keine Frage, vor dieser Etappe hatte das Team Kompottsurfer reichlich Bammel. Nicht die 41,8 Kilometer und rund 2.000 H├Âhenmeter jeweils im Auf- und Abstieg machten uns Sorgen, sondern die Cut-Off-Zeit an der dritten Kontrollstelle, die eventuell f├╝r uns zu knapp bemessen sein k├Ânnte. Also sahen wir zu, dass wir auf den ersten, vergleichsweise gering ansteigenden 11 Kilometern mit 350 H├Âhenmetern bis zum langen Anstieg zur Forcella Sora Forno (2.383 m ├╝NN) schon mal Zeit rauslaufen konnten, ohne dabei gleich alle K├Ârner zu lassen.

Als wir die ersten paar hundert Meter aus St. Vigil hinausgelaufen waren, versteckte sich die Sonne erst mal f├╝r einige Zeit hinter den hohen Bergen. Es war k├╝hl, gerade mal 6-8┬░ Celsius, und die Beine waren schwer von den Belastungen der Vortage. Leider mussten wir gleich ein paar technische Pausen einlegen. Zun├Ąchst machten meiner Teampartnerin zu enge Socken, die am Schienbeinansatz unangenehm dr├╝ckten, Probleme und die sie deshalb aufschnitt, und ich hatte einen l├Ąngeren Toilettengang zu absolvieren. Statt der geplanten 1:10 Stunden f├╝r die ersten 11 km wurden es dann 1:17. Also ranhalten am Berg. Ein steiler, unangenehmer Anstieg, dem im Abstieg sehr technisches Terrain mit einigen seilversicherten Passagen folgte. Daf├╝r gab er einen phantastischen Blick auf einen Pragser Wildsee frei, der unter strahlend blauem Himmel in dunklem T├╝rkisblau verlockend schimmerte. Genau das Wetter, um unten mal kurz reinzuspringen.

Taten wir aber nicht. Denn uns dr├Ąngte die Zeit, zumal es einen weiteren harten Anstieg, hoch zum Wei├člahnsattel (2.194 m ├╝NN), zu absolvieren galt. Der lange, ├╝ber 1.000 H├Âhenmeter verlaufende Abstieg entpuppte sich als eine nicht enden wollende, rutschige Steinschlacht. Aber wir schafften es, 30 Minuten vor dem Cut Off am dritten Kontrollpunkt zu sein und konnten auf den letzten flachen Kilometern sogar weitere 30 Minuten auf das Zeitlimit herauslaufen. Unsere Erleichterung im Ziel war riesengro├č, denn jetzt sieht es tats├Ąchlich danach aus, als w├╝rde einem erfolgreichen Finish am morgigen Tag in Sexten nicht mehr viel im Weg stehen. Und wir freuen uns schon sehr auf die Genussetappe zu den Drei Zinnen hoch. Heute erwischte es weitere vier Teams, was besonders schade ist, so kurz vor dem Ziel. 174 Mann- und Frauschaften werden sich also morgen auf den Weg nach Sexten machen.

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Donnerstag, 06. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 6: Das steilste Brett ÔÇô gekr├Ânt mit Waldhimbeeren vom Berg

Was Streckenchef Wolfgang Pohl beim gestrigen Briefing f├╝r die heutige Etappe ank├╝ndigte, lie├č mich erstmal schlucken. Weil bei der letzten Austragung der Transalpin-Run-Ostroute einige Teilnehmer das lange flache St├╝ck von Sand in Taufers nach Bruneck mokiert hatten, von wo aus es zum l├Ąngsten Anstieg der gesamten acht Tage hoch zum Kronplatz geht, habe man sich entschlossen, nach vier Kilometern noch einen Buckel einzubauen. So, so, einen Buckel. Was aber so ein Buckel im alpinen Sprachgebrauch bedeutet, k├Ânnen Unbedarfte kaum ermessen. Tja, und so stemmten wir uns auf einem Teilst├╝ck von 2,5 Kilometern gleich mal ├╝ber 550 H├Âhenmeter. Zum Vergleich: Der traditionsreiche Hermannslauf von Detmold nach Bielefeld weist diese 550 H├Âhenmeter ebenfalls auf ÔÇô allerdings auf einer Streckenl├Ąnge von 31,1 Kilometern.

Auf dem folgenden Flachst├╝ck Richtung Bruneck kamen wir aber dann gut vorw├Ąrts bis dann bei Streckenkilometer 23 der Anstieg zum Kronplatz wartete. Kurz zuvor hatte ich an der Verpflegungsstelle noch mal meinen Trinkrucksack randvoll mit Wasser betankt, zwei Energieriegel eingesteckt und Wurstbrote vertilgt. Vor uns lagen nun 7 Kilometer mit 1.400 zu ├╝berwindenden H├Âhenmetern. Uff. Beim Anstieg wurde es mir bereits kalt am Kopf, obwohl die Sonne strahlte und der Wind nur m├Ą├čig zog. Waren das die Vorboten einer Erk├Ąltung? Blo├č das nicht. Ich setzte eine M├╝tze auf ÔÇô wof├╝r schleppt man schlie├člich die ganzen Tage kiloweise Pflichtausr├╝stung mit sich herum.

Als wir etwa auf einer H├Âhe von 1.900 Metern ├╝NN angekommen waren, ├╝berraschte mich Teampartnerin Birte mit der Frage “Magst du Himbeeren?” Und wie ich mochte. Tats├Ąchlich wuchsen hier, dreihundertf├╝nfzig Meter unterhalb des Gipfels, noch Waldhimbeeren. Sie reichte mir eine handvoll davon her├╝ber, und ich muss sagen, es waren die k├Âstlichsten Himbeeren meines Lebens. Noch dazu sind Himbeeren ein nat├╝rlicher Bomber an Vitamin C, Kalium, Calcium und Magnesium. Konnte in dieser Situation sicher auch nicht schaden.

Nur mein Kopf f├╝hlte sich weiterhin unangenehm kalt an, auch als wir die Spitze des Berges schon l├Ąngst ├╝berwunden hatten. Bis 500 Meter vor dem Ziel lie├č ich die M├╝tze auf, dann nahm ich sie ab, weil’s mir bei diesem Kaiserwetter schlichtweg peinlich vorkam, mit M├╝tze einzulaufen. Zum Gl├╝ck ging’s mir nach dem ersten Bier in der Chill Out Area schon sehr viel besser, und ich konnte mich ├╝ber unsere ansonsten problemlos durchgelaufene Etappe freuen. F├╝r die 38,5 km mit 2.289 H├Âhenmetern Aufstieg ben├Âtigten wir 6:55 Stunden. Auch wenn uns von Beginn des gesamten Etappenrennens an nur das Ankommen und Genie├čen interessiert hat, freuten wir uns, dass wir damit im Overall Ranking der Etappe Platz 142 erreichen konnten. M├╝hsam ern├Ąhrt sich das Schleichh├Ârnchen. Wobei es auch an diesem Tag wieder einige Teams (21) komplett aus der Wertung katapultierte. Lediglich 178 von 290 Teams sind jetzt noch im Rennen.

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Mittwoch, 05. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 5: Bretterscharte und viel Kuchen

Schlafen wird ├╝berbewertet. Anders kann ich mir die verdammt kurzen N├Ąchte jedenfalls nicht sch├Ânreden. Die ├ťbernachtungen auf der Isomatte im Schlafsack, umringt von zig anderen Schnarchern sind ÔÇô trotz Ohrst├Âpseln, Vorabendbier und Anstrengungsm├╝digkeit ÔÇô kein Erholungsprogramm sondern mehr Erschwerniszugabe. Ich schlafe zu kurz und zu unruhig. Aber das geh├Ârt nun mal dazu, und so stehe ich auch an diesem Morgen wieder guten Mutes auf, sortiere meine Gr├Ąten und wanke schlaftrunken zum Fr├╝hst├╝ck im Zelt. Gestern sp├Ątabends hatte ich mir noch eine Massage geg├Ânnt und ein Tape am linken Knie anbringen lassen, wo es am Sehnenansatz zeitweilig arg schmerzte.

Beim Fr├╝hst├╝ck geht es wie gewohnt lustig zu. Mit f├╝nf Teams aus dem Dunstkreis der Tortour de Ruhr sind wir zum Trasnsalpine Run angereist. Und die wirklich gute Nachricht ist: Auch am f├╝nften Tag sind noch alle im Rennen. Auch wenn Raimund inzwischen mit Erk├Ąltungssymptomen zu k├Ąmpfen hat, Frank mit einem zeternden Knie, Julia mit Knie- und Schienbeinschmerzen und Susanne mit den Folgen einer nicht optimalen Vorbereitung.

Meine Schuhe waren nach der Reinigung in der Schuhwaschmaschine nicht ganz trocken geworden, aber das war zu erwarten gewesen. Wie immer cremte ich meine F├╝├če satt mit Hirschtalg ein und hoffte, dass ich weiterhin ohne Blasen durchk├Ąme.

Vom Start weg ging’s gleich 500 H├Âhenmeter hinauf zur Alprechtalm, der ersten Kontroll- und Verpflegungsstelle. Irgendwie war heute Kuchentag, denn schon hier schmiss ich reichlich Marmorkuchen ein, bevor es weiter hochzu Richtung Bretterscharte auf 2.513 m ├╝NN ging. Zum Gl├╝ck war das Gel├Ąnde nahezu schneefrei. Der Grat mit seinen steilen W├Ąnden war so spektakul├Ąr, dass ich kaum dort weg wollte. Zum Heulen sch├Ân. Runterw├Ąrts gab’s dann eine kleine steile Matsch- und Schneepassage, die zahlreiche L├Ąufer mit einer kurzen Hosenbodeneinlage passierten – Kompottsurfer inklusive. Auch eine Art, wieder Bodenhaftung zu gewinnen.

Die Etappe endete nach einem langen Abstieg Richtung Sand in Taufers, bei dem wir ├╝berraschender Weise ein Team aus der Spitzengruppe ├╝berholten. Einer der beiden hatte ein heftiges Knieproblem. Weil die beiden sonst immer vorne im Feld unterwegs waren und keine Ahnung von den Cut-Off-Zeiten hatten, erkundigten sie sich erst mal bei uns, ob sie es denn ab jetzt wandernd noch im Zeitlimit bis ins Ziel schaffen w├╝rden. Birte und ich sch├Ątzen ab, dass es wohl klappen d├╝rfte – mit einem 5-10 Minuten Polster. Als wir dann bei sch├Ânstem Sonnenschein schon l├Ąngst das erste Bier in der Chill Out Area von Hauptsponsor Gore-tex intus hatten, kamen dann auch tats├Ąchlich die beiden Jungs rechtzeitig ins Ziel. Und bedankten sich f├╝r unsere gute Beratung. Ach ja: 7:18 Stunden sind wir heute unterwegs gewesen. Und der Transalpine Run 2012 hat sich auch heute von der Seite eines gnadenlosen Ausscheidungsrennens pr├Ąsentiert. Weitere 19 Teams sind leider drau├čen.

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Dienstag, 04. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 4: S├╝dtiroler Graupensuppe am Ende eines Wahnsinnstages

K├Ânigsetappen hei├čen K├Ânigsetappen weil, ja, warum eigentlich? Weil sie nur K├Ânige schaffen? Weil steil? Weil schwerer als alle anderen Etappen? Oder weil es ├╝ber den h├Âchsten Punkt geht? Egal. Das St├╝ck von Neukirchen am Gro├čvenediger nach Prettau im Ahrntal wurde im Feld jedenfalls als K├Ânigesetappe gehandelt. Tats├Ąchlich schienen die 43,3 km mit 1.997 H├Âhenmetern im Aufstieg sowie 1.420 im Abstieg, die ├╝ber die Birnl├╝cke (2.665 m ├╝NN) f├╝hrte, ein echtes Brett zu werden, zumal alle Teilnehmer schon drei schwere Etappen in den Beinen hatten.

Zun├Ąchst ging’s aber ├╝ber ein 11 km langes, nahezu ebenes St├╝ck aus Neukirchen hinaus, ideal f├╝r uns Flachlandtiroler. Hier konnten wir mit etwas Tempo erst mal Zeit aufs Cut Off herauslaufen, bevor es mit einem steilen Anstieg entlang der ber├╝hmten Krimmler Wasserf├Ąlle erstmals ans Eingemachte ging. Atemberaubender Ausblick gekoppelt mit ruppiger Steigung. Ich konnte mich kaum satt sehen, an den rauschenden Wasserf├Ąllen, die sich nach jeder Kehre wieder anders pr├Ąsentierten. Und wir kamen z├╝gig voran. Keine Frage, es lief gut f├╝r uns.

Im Flachst├╝ck hatten wir tats├Ąchlich reichlich Zeit rausgelaufen und hochzu bauten wir nicht ab. Am zweiten Anstieg, hinauf zur Birnl├╝cke wurde die Luft zwar d├╝nner, aber anders als vor zwei Jahren, als den L├Ąufern oben reichlich Schnee und frostige Temperaturen begegneten, mussten wir nur mit etwas Restschnee und k├╝hlem Wind fertig werden. Kaum war die L├╝cke ├╝berwunden blickten wir nicht nur Richtung Italien, sondern auch in eine strahlend sonnige Landschaft, die Herz und K├Ârper w├Ąrmte. Zum Schluss der Etappe noch mal eine sanft abfallende, gut laufbare Passage, die das Team Kompottsurfer mit einer Zeit von 7:58 Stunden und rund 105 Minuten vor den Cut Offs ins Ziel kommen lie├č. Nicht f├╝r alle Teams lief die K├Ânigsetappe so gut. 24 Teams strichen die Segel, so dass von den urspr├╝nglich 290 Mann- und Frauschaften morgen nur noch 218 ins Rennen gehen werden.

Die Belohnung f├╝r unseren guten Lauf wartete beim Essen. Von der wunderbar abgeschmeckten Tiroler Graupensuppe verputzte ich ebenso wie von den scharfen Penne zwei ├╝ppige Portionen. Hinunter gesp├╝lt mit Bier der Brauerei Forst. Morgen geht’s auf eine eher kurze Strecke von 32 Kilometern, die es aber in sich haben d├╝rfte,┬á denn es warten 1.821 H├Âhenmeter Aufstieg und unfassbare 2.403 Meter Abstieg auf uns. Mal sehen, ob ich heute Nacht im Camp ausnahmsweise mal mehr als f├╝nf Stunden Schlaf bekomme.

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Montag, 03. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 3: Downgrade auf Filterkaffee und wilde Blaubeeren als Wegzehrung

Heute zum Fr├╝hst├╝ck h├Ątte ich Latte Macchiato trinken k├Ânnen. Ausnahmsweise. Denn in der Regel ist nur Filterkaffee im Angebot. Aber manchmal bin ich abergl├Ąubisch. Warum etwas ├Ąndern, wenn bisher alles gut lief? Au├čerdem f├╝rchtete ich zuviel Schleimbildung durch die Milch, also belie├č ich es bei Filterkaffee. Der Genussmensch in mir str├Ąubte sich zwar, aber vergebens.

Die dritte Etappe sollte uns von Kitzb├╝hel nach Neukirchen am Gro├čvenediger f├╝hren. 46, 5 Kilometer mit Anstiegen, die uns erstmals auf Berge oberhalb von 2.000 Metern ├╝NN bringen w├╝rden. Highlight: der Wildkogel. Bereits um 7 Uhr wurde gestartet, weil die Etappe lang werden w├╝rde. Die ersten Verschlei├čerscheinungen machten sich im Feld breit, und das ├ärzte und Versorgungsteam hatte bereits vor dem Startschuss einige Blasen zu versogen und man verklebte sonstwie l├Ądierte F├╝├če und Knie mit Tapes.

Zun├Ąchst ging es die legend├Ąre Skipiste “Streif” hinauf zum Hahnenkamm. Steil, aber technisch zum Gl├╝ck nicht anspruchsvoll. Danach weiter zur Rettensteinalm. Nach dem Aufstieg zum Sch├Ântaljoch und vorbei an der Herrensteigscharte erreichten wir auf einer Hochebene (2.000 m ├╝NN) eine Oase wilder Blaubeerstr├Ąucher mit reifen Fr├╝chten, die nur darauf warteten gepfl├╝ckt und auf der Stelle verzehrt zu werden. K├Âstlich! Vorhin beim Abendessen fragte ich Philipp Reiter, der inzwischen mit Iker Karrera souver├Ąn die Gesamtwertung anf├╝hrt, ob sie da vorne im Feld ├╝berhaupt einen Blick f├╝r so was h├Ątten. Zu meinem Erstaunen antwortete Philipp: “Klar! Wir sind da mit dem Handkamm durch und haben dabei einige Beeren erwischt. Lecker!” Na, hoffentlich war nicht zu viel Gestr├╝pp dazwischen.

Die Etappe war extrem erm├╝dend, aber allein der Blick vom Wildkogel auf die Spitze des Gro├čvenediger, die ├╝ber eine dichte Wolkendecke hinausragte, war so imposant, dass es mich die letzten Kilometer hinunter fast von selbst trug. Meine Teampartnerin Birte, die schon vor dem Rennen f├╝r sich gr├Â├čte Vorsicht beim Downhill reklamiert hatte, gab mir f├╝r den wundersch├Âne Abw├Ąrtspassage vom Wildkogel hinab sozusagen den Laufpass. Ich kachelte und sprang also im Affenzahn ├╝ber Steine und Wurzeln und wartete zwei Kilometer weiter unten keuchend, adrenalinbetankt und mit der Kamera im Anschlag darauf, dass meine Begleiterin aufschloss. Mit 8:46 Stunden wurde es ein sehr langer Tag, an dem weitere 25 Teams ausschieden. Von 290 waren jetzt nur noch 242 im Rennen.

Zum Essen sind wir vorhin mit der Seilbahn zur Wildkogel-Bergstation hochgefahren, wo wir ja schon am Nachmnittag vorbeigelaufen waren. Auf dem Weg zur Seilbahn bin ich doch tats├Ąchlich ├╝ber eine Bordsteinkante gestolpert. Tss, da kommt man heil durch schwierigstes Gel├Ąnde, und am Ende schie├čt man sich an einer Bordsteinkante weg. Zum Gl├╝ck konnte ich mich noch rechtzeitig abfangen. Oben gab’s dann unter anderem sehr sch├Âne Salate, die ich mit K├╝rbiskern├Âl veredelte. Dazu ein ├╝ppiges Reisgericht und reichlich Petit Fours. Ach ja: Beim Bier habe ich inzwischen auf alkoholisiertes umgestellt. Schmeckt besser, und die dezente Dr├Âhnung hilft beim Einschlafen im Camp.

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Sonntag, 02. September 2012

Transalpine Run, Etappe 2: Salamitaktik

Heute fr├╝h mit einem leichten Ziehen im linken Fu├č und etwas verspannten Oberschenkeln und einem unguten Gef├╝hl aufgestanden. Von der Papierform standen “nur” 34,8 Kilometer an. Aber meine Teampartnerin Birte, die ├╝ber ausgiebige Streckenkenntnis verf├╝gt, hatte schon gestern gewarnt, dass das kein Kindergeburtstag werden w├╝rde. Schon nach zwei flachen Kilometern aus dem Ort hinaus w├╝rde es einen heftigen Stieg hinaufgehen, der zudem mit einer seilversicherten Passage gespickt ist. Es w├╝rde ganz sicher zum Stau kommen, wenn es ├╝ber einen sehr kleinen Zugang in den Berg hineinging. Und so machten wir auf den ersten 2 Kilometern mit einer Pace von 5:20 gleich etwas Tempo, um nicht ganz am Ende der Schlange in den Berg zu kommen. Leider waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee, und so mussten wir fast zwanzig Minuten Wartezeit aufbringen, in der es nur Stillstand oder minimale Fortbewegung gab.

Die erste Verpflegung kam auf der Oberen Regalm auf 1.326 m ├╝NN. Ich hatte schon m├Ârderischen Kohldampf und versenkte reichlich Brot mit Salami, bevor es hochzu weiterging Richtung Brennender Palven. Durch die Wartezeit im Berg und die durch den Regen teils sehr rutschigen Passagen waren wir gef├Ąhrlich nah ans Cut Off geraten, der Zeit, die an den Kontrollpunkten nicht ├╝berschritten werden darf. Ansonsten wird man aus der Etappe und aus der Wertung genommen. Man d├╝rfte dann am Folgetag zwar wieder starten, w├╝rde dann aber nicht mehr die Chance haben, am Ende als Finisher im italienischen Sexten einlaufen zu k├Ânnen.

Wir hatten gerade mal zehn Minuten aufs Cut Off. Aber es waren mindesten noch 20 bis 30 Teams hinter uns. Wahrscheinlich w├╝rde die Rennleitung die Time Limits erweitern, denn f├╝r die Warterei am Berg mit dem extrem engen Zugang durch ein schmales T├╝rchen konnte ja keiner was. Nur sicher war das nicht, also hie├č es, ranhalten bis zur n├Ąchsten Verpflegungs- und Kontrollstation bei Kilometer 19 unten in Going. Ich futterte mich in Rekordzeit quer durchs ├╝ppige Angebot. Melone, Tomate, Gurkenscheiben mit Salz sowie K├Ąse- und Salamibrot. ├ťberhaupt, Salami. Das konnte jetzt nur unsere Strategie sein: Salamitaktik. Von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt denken. Das Doofe war nur: Es gab nur noch einen weiteren bei km 28.

Das Gel├Ąuf blieb weiterhin schwierig, der Anstieg zum Astberg fordernd. Die Farbe meiner Schuhe war unter der dicken Schlammkruste nur noch zu erahnen. Als wir die dritte Kontrollstelle erreichen, erhalten wir Gewissheit, dass die Time Limits um eine Stunde verl├Ąngert wurden. F├╝r uns nicht mehr relevant, da wir den Abstand aufs urspr├╝ngliche Cut Off auf eine halbe Stunde ausgebaut hatten. Auf dem letzten Flachst├╝ck hinein nach Kitzb├╝hel lie├č es sich dann auch noch besser laufen, und wir kamen in 7:30 im sonnigen Kitzb├╝hel an. Die Laufzeit klingt abenteuerlich viel f├╝r 34,8 km, aber wer auf der Strecke war, wei├č, dass es wahrlich kein Spaziergang gewesen ist. Zumal morgen eine weitere harte Etappe wartet. Und ├╝bermorgen. Und ├ťber├╝bermorgen. Und …. . Da gilt es, mit den Kr├Ąften hauszuhalten. F├╝r 14 weitere Teams geht es morgen nicht mehr weiter. Jetzt sind nur noch 267 im Rennen. Dabei sind gerade mal zwei Etappen vorbei.

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Samstag, 01. September 2012

Transalpine Run 2012, Etappe 1: Kaiserschmarrn, R├╝hrei mit Speck und f├╝nfzig matschige Kilometer

Gestern Abend hie├č es: reinschaufeln, was der Magen h├Ąlt. Denn heute galt’s f├╝r das Team Kompottsurfer, die ersten 49,9 Kilometer und 1.663 H├Âhenmeter Aufstieg auf dem 320 Kilometer langen Weg ├╝ber die Alpen zu ├╝berstehen. Zur Begr├╝├čung im Startort Ruhpolding hatte die K├╝che von allem reichlich aufgefahren. Das besondere Interesse des Kompottsurfers galt dem Kaiserschmarrn zum Nachtisch, der durchaus passabel schmeckte, von dem mein ├Âsterreichischer Tischnachbar Oliver allerdings meinte, dass ihn seine Oma luftig-lockerer zubereiten w├╝rde. Aber es ist nat├╝rlich ein anderer Schnack, wenn man nur f├╝r den lieben Enkel oder f├╝r eine wilde Armee von Sechshundert hungrigen L├Ąufern auf Halde produzieren muss.

Zum Fr├╝hst├╝ck um 6:30 Uhr heute morgen g├Ânnte ich mir zun├Ąchst M├╝sli mit Fr├╝chten, dann deftiges R├╝hrei mit Speck und Br├Âtchen. Bis zum Start um 9 Uhr, so hoffte ich, w├Ąre das Ganze so weit vorverdaut, dass ich keine Seitenstiche bek├Ąme.

Die vergangenen 40 Stunden hat es durchg├Ąngig geregnet, und so musste uns Streckenchef Wolfgang Pohl, vom Veranstalter Plan B, beim gestrigen Briefing f├╝r die heutige Etappe nicht nur sehr schlammige und rutschige Trails ank├╝ndigen sondern auch die ├ťberquerung einer Bachpassage, die durch Unmengen Regenwasser heikel geworden war und mit einem Seil gesichert werden musste. Ich hatte Gl├╝ck und kam an der Stelle halbwegs trocken r├╝ber, einige andere rutschen leider weg und holten sich einen nassen Hintern.

Der Transalpine Run wird ÔÇô aus Sicherheitsgr├╝nden ÔÇô in Zweierteams gelaufen. Und entsprechend auch nur teambezogen gewertet. Es kommt also darauf an, die Strecke gemeinsam zu meistern, was eine v├Âllig andere Herangehensweise erfordert als bei einem Einzellauf. Gegenseitige R├╝cksichtnahme ist oberstes Gebot, wenn ein Team am Ende erfolgreich ├╝ber die Alpen kommen will.

├ťber einen zun├Ąchst leichten, dann etwas steileren Anstieg durch die Felsen des eindrucksvollen Staubfalls ging’s zun├Ąchst hinauf zur Winkelmoosalm, wo ich vergeblich nach Rosi Mittermaier Ausschau hielt. H├Âchster Punkt war die Straubinger H├╝tte (1.556 m ├╝NN), wonach die Strecke ├╝ber rutschige Trails und Wiesen steil abw├Ąrts f├╝hrte. Ein Spanier vor mir fluchte wie ein Rohrspatz, weil er innerhalb weniger Minuten mehrmals unfreiwillig die Arschbremse machen musste. Mich schmiss es zum Gl├╝ck nur einmal auf den Hosenboden, aber das geh├Ârt halt dazu, wenn man bei so einem Wetter ├╝ber schmale Pfade abw├Ąrts muss. Probleme machten mir die schmalen, endlosen langen und matschigen, rechts zum Hang geneigten Pfade, weil dass die Sehne am linken Sprunggelenk innen ├╝berhaupt nicht mag.

Am Ende kamen meine Teampartnerin Birte und ich ersch├Âpft aber gl├╝cklich in 8:38 Stunden im ├Âsterreichischen St. Johann an. Von den 290 gestarteten Teams mussten bereits 9 die Segel streichen. Wir lassen es weiter ruhig angehen. Es ist noch ein langer Weg bis zum Ziel in Sexten. Jetzt Abendessen, dann schlafen. Um 5:15 Uhr klingelt schon wieder der Wecker.

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