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Donnerstag, 11. März 2010

Lachs lieber links liegen lassen

Investigative Sendungen im Fernsehen flimmern in der Regel zu nachtschlafender Zeit über die Mattscheibe. Will ja angeblich keiner sehen, so was kopfzerbrechendes. Und so lief auch der Dokumentationsfilm Lachsfieber gestern Abend erst um 23.30 Uhr im Ersten. Dabei vertilgen die Verbraucher in Deutschland pro Jahr und Kopf immerhin rund 1,6 Kilogramm Lachs. Wenn das mal kein Grund ist, genauer hinzuschauen. Hab’ ich gemacht, obwohl mein Jahresverbrauch an Lachs maximal bei 160 Gramm liegen dürfte. Denn Wildlachs ist nahezu unbezahlbar geworden, und um Zuchtlachs mache ich ohnehin einen ganz großen Bogen. Darüber war in den letzten Jahren wahrlich genug Schauderhaftes zu lesen, zum Beispiel hier, hier und hier.

Der Bogen wird, nachdem ich gestern den eindrucksvollen Beitrag von Wilfried Huismann und Arno Schumann gesehen habe, ganz bestimmt noch größer werden. Die beiden WDR-Autoren ziehen ihre Geschichte am Beispiel des Unternehmens Marine Harvest, dem größten Zuchtlachsfabrikanten der Welt auf, das dem norwegischen Milliardär John Fredriksen gehört. Ihre Bilder zeigen die drastischen Auswirkungen der Lachszucht auf dem Meeresboden der Fjorde, ökologische Friedhöfe, zugemüllt mit oft kaum verrottbaren Abfällen und den Abzug der Industrie gen Patagonien (Chile). Taucher erzählen von ihren gefährlichen Einsätzen bei Reparaturarbeiten an den Käfigen. Sogar der World Wildlife Fond (WWF) gerät in das Visier der Autoren, weil Marine Harvest für angeblich 100.000 Euro jährliche Spende mit dem Pandabärchen der Wildtierschutzorganisation werben darf.

Was mir nach solchen Berichten immer wieder schlagartig und erschreckend bewusst wird, ist, dass es an jeder Ecke unserer Lebensmittelversorgung solche dramatischen Fehlentwicklungen gibt.

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Mittwoch, 24. Februar 2010

Drei Sterneköche und der Scheibenkäse vom Discounter

LIDL-Aktion: Genuss mit Stern

Moderne Bahnhöfe haben teure Toiletten, aber sie haben auch Supermärkte, die bis in die Nacht, ja sogar an Sonntagen aufgesperrt haben. Im Essener Bahnhof ist neuerdings ein LIDL verortet, wo derzeit auf großen Werbeflächen für LIDL – Genuss mit Stern geworben wird. Was das wohl für ein Genuss ist, wollte ich wissen und nahm eines dieser Rezeptheftchen aus dem Aufsteller mit, von deren Titelseite mit verschränkten Armen Mario Kotaska (La Societe in Köln, TV: Die Kochprofis), Kolja Kleeberg (Restaurant VAU in Berlin, TV: Lanz kocht) sowie Dieter Müller (Schloß Lerbach, Bergisch-Gladbach) herablächeln. Die Aktion gibt’s wohl schon ein Weilchen länger. War mir aber entgangen. Kann man mal sehen, wie lange ich schon nicht mehr bei LIDL vorbeigekommen bin.

Jedes Rezept im Heft wird mit Produkten aus dem LIDL-Sortiment unterfüttert. Bei Müller sind es Grafschafter Toastbrotscheiben, Milbona Goudascheiben, Dulano Landschinken und Vitas D’Or Rapsöl. Kleeberg baut die Vollmilch und den Tilsiterscheibenkäse von Milbona ein. Kotaska unter anderem die Nusscreme choco nussa, das Zimtpulver von Kania und das bereits von Müller präferierte Grafschafter Toastbrot.

Ach ja, ein paar Kochtalente werden auch gesucht, steht irgendwo in dem Heftchen. Hobbyköche, die mit ihren Rezeptideen überzeugen, können einen Hammereinkaufsgutschein von LIDL im Wert von 50 Euro gewinnen (www.lidl-genuss.de).

Ich find’s super, dass es LIDL tatsächlich gelungen ist, drei Spitzenköche an Land zu ziehen, die Scheibenkäse promoten. Da hat der Discounter richtig gut investiert. Und das schreibe ich ohne jede Ironie. Dem Image des Unternehmens wird die Aktion ganz sicher nicht schaden. Nach der Spitzelaffäre kann es ohnehin nur besser werden. Ach so, was mit dem Image der Sterneköche ist, wollt ihr viel lieber wissen? Na ja, in dem Zusammenhang fällt mir nur ein Zitat von Prof. Dr. Quadbeck-Seeger ein, das ich mal irgendwo gelesen habe: Das Gegenteil von Vorbild ist Image. Aber wenn das Gegenteil von Vorbild tatsächlich Image ist, kann’s den Sterneköchen ja eigentlich piepschnurzegal sein.

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Samstag, 16. Januar 2010

Superchef Gordon Ramsay verliert Michelinstern im Claridge’s

ramsayDer nach Jamie Oliver international beliebteste Koch aus Großbritannien hat nach Angaben des Guardian einen von vormals acht Michelinsternen für eines seiner vielen Restaurants verloren. Betroffen ist das Claridge’s in der Londoner Brook Street, das nun ganz ohne den Glanz eines Sterns auskommen muss. Der Schotte Gordon Ramsay ist in Deutschland vor allem bekannt durch seine Sendung Chef ohne Gnade (DMAX), sozusagen die Mutter aller televisionären Gastronomierettungskommandos, die auf der Insel schon seit 2004 läuft.

Laut Wikipedia besitzt Ramsay weltweit 18 Restaurants, ist unter anderem in den USA, Japan und Dubai vertreten. Pikant sind die Details, auf welchem Weg das heiße Gerücht in Umlauf kam. Denn der neue Guide Michelin soll in England erst in einigen Tagen erscheinen. Angeblich, so berichtet Guardian Blogger Richard Ehrlich in einem Posting von gestern, habe ein Mitarbeiter aus dem Restaurant 21212 bei Amazon ein Exemplar des neuen Guide Michelin vorbestellt und, zu seiner Verwunderung, prompt geliefert bekommen. Darin fand sich dann die für Ramsay ärgerliche Neuigkeit. Im Gegensatz zu Ramsay hat ein anderer Superchef mit Restaurants in aller Welt, der Franzose Alain Ducasse, jetzt einen Stern mehr auf dem Konto, weil sein Haus in Dorchester nun den dritten erhielt.

Ich frage mich, brauchen wir diese Superchefs, diese miles-and-more-maker wirklich? Ansätze davon haben wir ja auch inzwischen in Deutschland, wo Juan Amador seinen Ruhm durch Dependancen zu mehren sucht. Gewinnträchtig ist die Strategie nicht unbedingt, wie das Beispiel Ramsay zeigt. Denn wenn es an einer Stelle im imagelastigen Unternehmensgefüge Probleme gibt, laufen die anderen Betriebe schnell Gefahr in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Nicht viele Geldgeber machen so etwas lange mit.

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Dienstag, 15. Dezember 2009

Rach und Co.: Wie viele Restaurantretter braucht das Land?

Als ich vor wenigen Wochen meine politisch vollkommen unkorrekte Lieblingssendung 24 mit Kiefer Sutherland schauen wollte, war ich schockiert. Die Serie machte Pause, und statt ein die Welt rettender Jack Bauer schaute mir Frank Rosin mit ernstem Gesicht entgegen. Der Sternekoch aus Dorsten soll nicht die Welt retten, sondern Restaurants. Schade, dass er nicht bewaffnet ist und ihm nicht alle illegalen Hilfsmittel von Jack Bauer zur Verfügung stehen, denn dann wäre die Sendung keine Kopie von Rach, der Restauranttester sondern hätte ihre eigene Spur und vermutlich richtig Drive. Und Frank hätte es ganz sicher drauf, als Undercover Agent gastronomische Katastrophen abzuwenden. Schade, dass er – ähnlich wie der talentierte Herr Rach – Gezwängnisfernsehen machen muss. Nur schüttelt er nicht so viele Hände wie Christian Rach, was in Zeiten von Schweinegrippe sicher von Vorteil ist.

Ich gestehe freimütig, dass ich nur auf die Mutter aller Rettungskompanien stehe: die Kochprofis. In einer Besetzung aus dem Pool Ralf Zacherl, Martin Baudrexel, Mario Kotaska und Stefan Marquard. Alles andere finde ich nur schwer verdaulich. Richtig unterhaltsam finde ich dagegen, wenn Max Giermann den Rach macht. Das sehe ich genauso wie bloggerkollege fressack.

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Dienstag, 08. Dezember 2009

Verdammt scheiße scharf

Als ich Ende September den Koch der Deutschen Fußballnationalmannschaft, Holger Stromberg, in München zum Interview besuchte, machte ich auch einen Abstecher zu seiner Imbissbude Curry 73. Und da amüsierten mich die Flammen an der Fassade genauso wie die Bezeichnungen der Currysaucen, von denen eine als “scheiße scharf!” firmiert.

Mein lieber Holger, wenn du das jetzt liest, muss du sehr tapfer sein. Denn scheiße scharf ist wohl eher das, was Adam Richman in seiner legendären Sendung man vs. food verspeisen musste, um mit einem Foto an die wall of pain von Munchies 420 Café in Sarasota /Florida zu kommen.

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Mittwoch, 23. September 2009

Nelson Müller und die Musik

ZNelson Müllerugegeben, der kompottsurfer hatte peinlich tief in die Klischeekiste gegriffen, als er den aus Lanz kocht bekannten Nelson Müller als musizierenden Koch charakterisierte. Das war zwar keinesfalls despektierlich gemeint, konnte aber so verstanden werden. Dafür sorry. Also hier noch mal richtig: Nelson Müller ist ein ambitionierter junger Koch, der auch Qualitäten als Sänger hat. Was ihn übrigens auch mit Kolja Kleeberg verbindet, wie er sagt.

Heute war offizieller Pressetermin zur Eröffnung des Lokals, das allerdings schon seit dem 1. September aufgesperrt hat. Die ersten Tage verliefen nach Auskunft Müllers überaus erfolgreich. Das Lokal war durchgängig gut besucht, und die Gäste zufrieden. Den anwesenden Pressevertretern verriet Nelson Müller noch, dass ihm auch Alfons Schuhbeck zur Übernahme seines ersten eigenen Restaurants geraten und Johann Lafer einen Satz zum Michelin mit auf den Weg gegeben hatte: “Die vergeben Sterne für erbrachte Leistungen, nicht für zukünftig zu erbringende.”

Mehr über und von Nelson Müller gibt’s nächste Woche im großen kompottsurfer-Interview zu lesen.

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Mittwoch, 16. September 2009

Die größten Ernährungslügen bei Maischberger

Gestern Abend im Ersten. Eine Expertenrunde, erweitert um die Schauspielerin und Vegetarierin Marion Kracht, diskutierte bei Sandra Maischberger zum Thema Die größten Ernährungslügen: Wie gesund ist unser Essen? Als Experten waren die TV-Köche Tim Mälzer und Christian Rach, die Verbraucherschützerin Silke Schwartau, Susanne Langguth vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde der Lebensmittelwirtschaft und der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer dabei. Komplette Sendung als Video gibt’s hier
Vorab gesagt: Das Thema wurde weitgehend verfehlt, denn es ging in der Hauptsache um Kennzeichnungsfragen. Um Authentizität von Lebensmitteln. Trotzdem war es unterhaltsam, wenn auch nur bedingt informativ.

Mir schien es im Verlauf der Sendung so, als hätte der kompottsurfer den Stichwortgeber für Frau Maischberger gegeben. Als wären ihre Redakteure einmal durchs Archiv gesaust und hätten daraus die Triggerpunkte für die Sendung generiert. Weil aber die Sendung meist nur Ansätze bot und keine Hintergründe – was angesichts der kurzen (weiterlesen…)

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Dienstag, 15. September 2009

Mobbing in der Küche: Johann Lafer gegen Tim Raue

Gestern, 22 Uhr im WDR-Fernsehen: Die Autoren Ellen Trapp und Kristian Kähler berichten in ihrer sehenswerten Reportage Traumberuf Koch? 16 Stunden am Tag schuften über den Alltag in der Spitzengastronomie am Beispiel von Koch-Azubis und solchen, die es werden wollen. Was mich an diesem Beitrag (Wdh. 17.9. um 14.15 Uhr) schockiert hat, war nicht die Erkenntnis, dass das Leben eines Kochs in der Spitzengastronomie anstrengend ist, denn das ist nun wirklich nicht neu. Aber dass ein junger, mehrfach ausgezeichneter Koch wie Tim Raue (Restaurant MA im Hotel Adlon) seinen Kopf in die Kamera hält und Zuschauern wie mir nachhaltig den Eindruck vermittelt, wer Koch werden wolle, müsse in der Ausbildung nicht zu viel Intelligenz mitbringen und es aushalten können, gebrochen zu werden, finde ich schlimm. Ganz schlimm. Andere Leute würden das vielleicht Mobbing nennen, so sagte Raue sinngemäß, aber er fände das in diesem Beruf ganz normal und unbedenklich. In diesem Zusammenhang verweise ich auf einen bereits älteren blogbeitrag von Dr. Friedhelm Mühleib auf wohl-bekomms. Ob es sich alles so zugetragen hat, wie dort beschrieben, dafür kann ich mich natürlich nicht verbürgen, aber es passt zu Raues Äußerungen vor der Kamera.

Ganz anders Johann Lafer, der im Beitrag ebenfalls zu Wort kam und einen verantwortungsvollen und pfleglichen Umgang mit Azubis fordert. Zwar weiß ich nicht, wie es in Lafers Küche wirklich zugeht, aber er vermittelte mir den durchaus glaubwürdigen Eindruck, dass er seinen Ansichten gemäß handelt.
Nicht wenige Köche pflegen ja diese Wir-sind-ganz-harte-Jungs-Attitüde und merken gar nicht, wie lächerlich sie dabei wirken. Es ist aus meiner Sicht jedenfalls völliger Irrsinn, dass in einem Beruf, in dem es lediglich darum geht, einigen  Privilegierten Leckerlies aufzutischen, anscheinend völlig selbstverständlich weit abseits des Arbeitszeitgesetzes gewerkelt werden muss. Zur Erinnerung hier mal §3 ArbZG: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Da stimmt doch was nicht. Wir reden ja hier nicht über Soldaten im Kampfeinsatz in Afghanistan oder (weiterlesen…)

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Dienstag, 08. September 2009

Lanz-kocht-Koch Nelson Müller übernimmt Essener Schote

Ab dem 23. September wird Nelson Müller, der kochende Musiker aus Essen wieder zum musizierenden Koch. Müller, den musikalisch weniger Interessierten eher bekannt aus der ZDF-Fernsehsendung Lanz kocht, übernimmt den Herd in der Rüttenscheider Gastonomie Schote. Ein Gewinn für den kulinarisch wahrlich nicht unterversorgten Stadtteil. Ich bin allerdings gespannt, ob er, trotz seiner musikalischen Ambitionen, in der Schote wirklich ein langfristiges Zuhause finden kann.

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Mittwoch, 12. August 2009

Schweinegerippe bei Man versus Food

Diese Art Fressfernsehen haben wir in Deutschland noch nicht. Aber es wird bestimmt nicht mehr lange dauern. Von mir aus gerne im Tausch gegen Das perfekte Promi-Dinner. Die Sendung Man v. Food von und mit Adam Richman läuft auf Travel Channel in den USA seit Dezember 2008.

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