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Montag, 16. August 2010

Kühling-Gillot: Spätburgunder aus Rheinhessen überzeugt

Kühling-Gillot: Vorzüglicher Spätburgunder aus Rheinhessen

Vorbei die Zeiten, in denen Weine aus Rheinhessen bei vinophilen Genießern nur ein glykoliges Schaudern hervorriefen. Längst sind qualitätsbewusste Winzer wie Klaus-Peter Keller keine Einzelkämpfer mehr, in diesem, für süßen weißen Massenwein berüchtigten Anbaugebiet. So berichtete der kompottsurfer 2006 von einem Besuch beim aufstrebenden Weingut Kühling-Gillot und füllkrankem Wein.

Vorgestern nun öffneten wir eine Flasche des 2004 Spätburgunders von Kühling-Gillot. Nein, es war nicht der legendäre Oppenheimer Kreuz Spätburgunder Großes Gewächs aus 2004, der inzwischen auch die Fachwelt verzückt hatte und in meinem Keller auf Ausgrabung wartete, sondern nur der einfache Spätburgunder Gutswein aus dem Barrique. Aber was heißt hier nur? Ein wirklich vorzüglicher Tropfen stand da im Glas, gut gereift und alles andere als nur ein Gutswein. Immer noch sehr präsent in der Nase mit Aromen von Schwarzer Johannisbeere, Schokolade, Kaffee und Kräutern. Ein würziger Wein mit leicht pfeffriger Note und erstaunlich langem Abgang für einen Gutswein. Normalerweise hätte ich die Flasche schon ein oder zwei Jahre früher entkorkt, aber irgendwie war sie mir aus dem Blickfeld geraten. Und das war gut so. Denn ein Spätburgunder wie dieser, den es zu einem guten Stück Roastbeef mit Gemüse aus Roten Zwiebeln und Kartoffelstampf gab, macht einfach große Freude. Aus Rheinhessen Leute, aus Rheinhessen.

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Mittwoch, 11. August 2010

Glaser-Himmelstoß und das Lob der Scheurebe

Ich will ehrlich sein: Jahrelang habe ich einen weiten Bogen um die Scheurebe gemacht, oder besser, um Weine, die aus dieser Rebsorte erzeugt wurden. Angehefteter Minderwertigkeitskomplex. Doch ich muss Abbitte leisten. Immer wieder trank ich in letzter Zeit sehr beeindruckende Scheureben. Und nun hatte ich am letzten Wochenende wieder das Vergnügen mit einer Scheurebe. 2008er vom fränkischen Weingut Glaser-Himmelstoß aus der Literflasche. Ein großartiger Zechwein. Angenehm mineralisch mit zarter Grapefruitnote.

Und zum Abschluss des Abends konnte ich dann auch noch den Quittenbrand des Hauses probieren. Ein Himmelstoß von einem Brand mit glasklarer Fruchtnote. Mein Dank gilt natürlich in erster Linie den perfekten Gastgebern vom letzten Wochenende – gemeinsam schmeckt alles noch besser als einsam.

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Donnerstag, 06. Mai 2010

Warum riecht welcher Wein wie? Erhellendes Analytikprojekt des ttz Bremerhaven

Expersens: Weinverkostung trifft Analytik

Wenn Sommeliers und Weinexperten ihr Lieblingsgetränk anhand von Eindrücken in der Nase und am Gaumen beschreiben, dann klingt das bisweilen wie die Beschreibung eines gedanklichen Ausflugs in den Botanischen Garten. Aber wie glaubwürdig, wie verlässlich können solche Aussagen über Weinaromen überhaupt sein? Geschmacksforscher am ttz Bremerhaven trieb genau diese Frage um. Was also können Experten und Konsumenten schmecken und riechen, und sind diese Eindrücke tatsächlich analytisch als Inhaltsstoff im Wein nachweisbar?

Mit Hilfe des am ttz Bremerhaven erarbeiteten Analyseverfahrens expersens können Geschmacks- und Geruchswahrnehmungen nun tatsächlich messbar gemacht, und auf Inhaltsstoffe zurückgeführt werden. Jeder Wein hat eine Art chemischen Fingerabdruck. Er kann aus bis zu 800 verschiedenen organischen Komponenten bestehen, von denen etwa einhundert den Geschmack und Geruch prägen. Das vom ttz entwickelte Verfahren ermöglicht einen analytischen Abgleich mit den sensorischen Eindrücken, um Unterschiede zwischen maschineller und menschlicher Wahrnehmung deutlich zu machen, was durch Einbindung einer zu diesem Zweck entwickelten Geschmacksdatenbank eine enorme Hilfestellung bei der Bewertung von Weinen bieten kann.
(weiterlesen…)

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Donnerstag, 15. April 2010

Rodenstocks Raritätenrumoren: Stern erscheint heute mit neuen Enthüllungen

Seit März 2007 hat die Redaktion des Stern die Geschäftspraktiken des deutschen Weinsammlers und weltberühmten Raritätenhändlers Hardy Rodenstock im Visier (der kompottsurfer berichtete hier, hier und hier), der den Vorwürfen mit Gegendarstellungen begegnete, zu deren Abdruck Redaktionen in der Regel allerdings verpflichtet sind, wenn sie formal richtig sind. Nun bringt eine neue Klage, die der US-Millardär William Koch Ende März in New York einreichte (AZ laut stern 10 CIV 2804) nicht nur Hardy Rodenstock in Bedrängnis sondern auch den legendären Weinauktionator Michael Broadbent vom Aktionshaus Christie’s.

Koch klagt gegen das Auktionshaus, weil er sich betrogen fühlt. Die vier Flaschen, die er dort als über 200 Jahre alte Raritäten aus dem Keller des dritten Präsidenten der USA, Thomas Jefferson, für über 300.000 Dollar ersteigerte, sollen zuvor gefälscht worden sein. Mit Akribie ging der Stern den neuen Spuren nach, die unter anderem in den Westerwald führen, zu Glasgraveuren, durch deren Hände möglicherweise die ein oder andere dieser Flaschen gegangen ist – zur entsprechenden Bearbeitung. In Verbindung mit den früheren Enthüllungen des stern, wo es um den Nachdruck von Weinetiketten ging, ergibt sich aus Sicht des Kompottsurfers für Rodenstock eine immer bedrohlichere Indizienlage. Die Recherchen machen jedenfalls einen sehr soliden Eindruck. Aber ich will hier gar nicht zu viel vorweg nehmen, denn die über sieben Seiten laufende Geschichte lohnt auf jeden Fall einen Blick ins Heft.

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Mittwoch, 03. März 2010

Ruhr 2010: Wein und Sekt mit Kulturhauptstadtetikett

Ruhr 2010: Denkmäler mit Umdrehungen

Auf Iniative der Vereinigung Essen Geniessen e.V. wurden zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 ein Rotwein, ein Weißwein und zwei Kellereisekte abgefüllt, die mit entsprechendem Etikett versehen und nur direkt beim Verein Essen Geniessen e.V. zu beziehen sind. Beim Weißwein handelt es sich um einen Weißburgunder aus der Pfalz von Reichsrat von Buhl (Deidesheim), beim Roten um einen badischen Spätburgunder vom Weingut Roy Blankenhorn. Der Sekt (Trocken sowie Extra Trocken als Flaschengärung) stammt von der Württemberger Sektkellerei Schloss Affaltrach. Das besondere an den Flaschen ist weniger der Inhalt, sondern das Etikett, das Sehenswürdigkeiten aus dem Ruhrgebiet wie Gasometer, Tetraeder und Zeche Zollverein abbildet. Mit von Buhl und Roy Blankenhorn hat man allerdings namhafte Winzer eingebunden, die für Qualität bürgen. Zur Sektkellerei Schloss Affaltrach kann ich mir kein Urteil erlauben, da ich deren Produkte schlichtweg noch nicht probiert habe. Roy Blankenhorn machte im letzten Jahr von sich reden, weil sie mit einem ihrer Weine kurzzeitig bei ALDI-Süd vertreten war, ein Schritt, den bisher nur wenige Winzer aus dem Kreis des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) wagten.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Produkte mehr als nur auf dem Etikett einen Bezug zum Ruhrgebiet hätten. So wäre es vermutlich kein Problem gewesen, beispielsweise die in Sachen Versektung durchaus versierte Recklinghäuser Weinhandlung Molitor in das Projekt einzubeziehen, die auch den Secco Perlwein A 43 Recklinghausen herstellen.

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Dienstag, 12. Januar 2010

Skandal oder nur Sturm in der Sektflasche? frontal21 kritisiert Verbrauchertäuschung durch zugesetzte Kohlensäure

KohlensäureIn der heutigen Sendung von Frontal 21 (ZDF) wird kritisiert, dass zahlreiche deutsche Sektmarken mit industriell zugesetzter Kohlensäure arbeiten, statt, wie es die EU-Verordnung 606/2009 vorschreibt, nur Kohlendioxid aus der alkoholischen Gärung zu verwenden. Nun würde ich ohnehin nichts aus der von der frontal21-Redaktion kritisierten Pullenriege von Schloss Munzingen über Rotkäppchen bis Schwarze Mädchentraube trinken wollen. Denn Sekt in diesen Preissegmenten dürfte nur mit vergleichsweise billigem Traubenmaterial realisiert werden können, und das macht mir weitaus größere Sorgen in Bezug auf den Genusswert als die zugesetzte Kohlensäure im Großraumgärverfahren. Auch einige Sorten Mineralwasser enthalten industriell zugesetzte Kohlensäure, die nicht aus dem ursprünglichen Produkt stammt. Gesundheitliche Gefahren existieren meines Wissens nicht. Das dürfte beim Sekt nicht anders sein. In der Sendung vermutlich auch deshalb kein Wort darüber. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wenn es Gefahren geben sollte.

Hier scheint also eine Art Lebensmittelskandal inszeniert zu werden, der im Grunde nicht mehr zu sein scheint als eine Verbrauchertäuschung. Nicht, dass ich Verbrauchertäuschung für ein Kavaliersdelikt halten würde, aber hier wurde nicht Sekt als Flaschengärung verkauft, sondern lediglich gegen eine Verordnung verstoßen, über deren Sinn ohnehin gestritten werden kann. Mir kommt die Geschichte eher vor wie Lobby-Gerangel.

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Mittwoch, 06. Januar 2010

Experiment “Lampe an”: Welche Beleuchtung den Riesling besser schmecken lässt – 2

In der Frankfurter Rundschau von heute findet sich ein Beitrag von Gisela Kirschstein (DDP), die mein Thema von gestern noch etwas umfänglicher ausgeleuchtet hat. Guckst du hier

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Dienstag, 05. Januar 2010

Experiment “Lampe an”: Welche Beleuchtung den Riesling besser schmecken lässt

WeinFarbeMich erstaunt immer wieder, was Wissenschaftler so alles untersuchen. So gingen Heiko Hecht und Daniel Oberfeld vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Wickelmaier vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen der Frage nach, inwieweit die Raumbeleuchtung Einfluss auf die Wahrnehmung von Aromen hat. Zu diesem Zweck kooperierten sie mit dem Weingut Fritz Allendorf in Oestrich-Winkel, wo eine Probandengruppe, bestehend aus Kunden des Hauses, vor Ort Riesling unter wechselnden Farb- und Lichtsituationen im Raum verkosteten. Eine Kontrollgruppe testete die Weine im Labor. Ergebnis: Die Raumfarbe – beeinflusst durch Lichtinstallation – verändert die subjektive Wahrnehmung der Aromen im Wein. Blau und Rot ließen den Riesling geschmacklich besser wirken als Grün und Weiß. Die Probanden haben den Wein als wertiger wahrgenommen. Zudem betone Rot Fruchtigkeit und Süße. Wodurch sich mir wiederum Schlussfolgerungen in Bezug auf Qualität und Geschmackstyp aufdrängen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Untersuchung ist dokumentiert in der aktuellen Ausgabe des Journal of Sensory Studies. Im neusten Technology Review (1/2010) wird das Thema ebenfalls beleuchtet. (weiterlesen…)

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Montag, 28. Dezember 2009

Eiswein statt Reiswein: Kuriose Re-Importe aus China

Peter MertesIch muss ein ziemlich verdutztes Gesicht gemacht haben, als ich auf das Etikett der Flasche schaute, die mir mein Bruder in die Hand drückte. Was sollte das sein? Reiswein? Hinter Kolonnen chinesischer Schriftzeichen konnte ich dann aber ein paar mikroskopisch kleine lateinische erkennen: 2007 Rheinhessen Eiswein, LAP 290702148108, shipped by Peter Mertes GmbH 54470 Bernkastel-Kues, Abfüller D-RP 907021. Die Flasche stammte aus einem Ramschladen in Bad Oeynhausen und wurde für 4,99 Euro verkauft, wo angeblich immer wieder Mertesweine auftauchen, darunter auch viele für den US-Markt vorgesehene Abfüllungen. Ich frage mich, ob die vagabundierende Flasche tatsächlich einmal in China gewesen ist oder ob lediglich irgendeine Palette nicht verschifft werden konnte. Der Umstand, dass dieser Beitrag hier nicht posthum veröffentlicht wurde, bedeutet, dass ich mich an dem klitzekleinen Probierschlückchen nicht vergiftet habe. Man stelle sich vor, einfache Eisweine aus Deutschland würden in China verschnitten und wieder zurückgeschickt. Nee, ich will das gar nicht zu Ende denken.
Die Peter Mertes Weinkellerei ist übrigens ein bekannter, großer Weinabfüller, jedoch nicht zu verwechseln mit dem renommierten Weingut Johann Peter Mertes von der Saar.

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Sonntag, 13. Dezember 2009

Zahlen und fröhlich trinken

Gero von Randow beschreibt auf Zeit Online das Treiben während einer Weinauktion im Pariser Nobelrestaurant Latour d’Argent auf bewährt unterhaltsame Art. Und schießt nebenbei eine Pulle 1999er La Chapelle. Coole Art der Altersvorsorge.

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