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Montag, 22. Februar 2021

Begegnung mit einem Garagenwein

Wie eine Garage riecht, davon hab’ ich eine ziemlich genaue Vorstellung: Primäraromen von Benzin, Anklänge von Motorenöl, ein Hauch Chrompolitur und im Abgang eine Spur Reifengummi. Als Kind spielte ich oft in der Garage einer Oldtimerwerkstatt, wenn ich in den Ferien meine Lieblingstante in Ostwestfalen besuchte. Da haben sich diese GerĂĽche eingebrannt und sind heute im Reich des Unbewussten mit positiven Erinnerungen belegt. Kein Wunder – so ziemlich jeden raren Mercedes habe ich damals besessen, im wahrsten Sinne des Wortes, auch wenn ich kaum ĂĽbers Lenkrad gucken konnte. Ein Paradies war das. Meistens saĂź ich in einem schwarzen 170 V, der auf der Wiese gleich neben der Garage stand. Die Räder waren abmontiert, und das Chassis hatte man mit Backsteinen abgestĂĽtzt. Ab und zu fuhren schmucke alte Karossen auf den Hof, aus denen ältere Herren stiegen, die aussahen wie aus einem Heinz-RĂĽhmann-Film gesprungen.

Abgesehen von meinen persönlichen Erinnerungen, haften der Garage als solche noch ganz andere, geradezu phänomenale Geschichten an. So starteten einige bedeutende Hightech-Unternehmen, wie Hewlett-Packard, ihr Business in einer Garage. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob die populäre Wortschöpfung Garagenwein von den Amerikanern erfunden wurde, mit Bezug auf die kreativen Gründer des Silicon Valley oder von den Franzosen, die den Begriff mit Kleinstmengen einer Weinproduktion erklären, die in eine Garage passen.

Aber was ist ĂĽberhaupt ein Garagenwein? Ginge es allein um Kleinstmengen, wäre der Begriff heute sicher nicht so populär. Kleinstmengen produzieren manche namhafte WeingĂĽter schon seit Jahrhunderten, allen voran in Burgund wie das Beispiel der Domaine de la RomanĂ©e-Conti zeigt. Niemand aber wäre im letzten Jahrhundert auf die Idee gekommen, einen RomanĂ©e-Conti als Garagenwein zu bezeichnen, weshalb ich auch davon ausgehe, dass der Begriff nicht auf den Umstand kleiner Produktionsmengen zurĂĽckgeht, sondern sich auf den Anspruch vereinzelter Winzer bezieht, herausragende Weine höchster GĂĽte zu produzieren. Unabhängig davon, ob sie damit Geld verdienen. Es ist eher ein Aushängeschild fĂĽr High-End-Ambitionen: “Seht her, was möglich ist!” Gleichwohl werden fĂĽr viele Garagenweine hohe Liebhaberpreise gezahlt. Es muss also keineswegs ein Zuschussgeschäft sein.

Am Wochenende hatte ich mal wieder Gelegenheit, einen echten Garagenwein zu trinken. Schon sein Name machte klar, womit ich es zu tun hatte: Le Garage de Papa. Das Etikett – das ich erst nach der Verkostung zu Gesicht bekam – verriet aber nichts, was auf einen groĂźen Wein schlieĂźen lieĂź: “Haut-Medoc, Jahrgang 2015, Cabernet Sauvignon – Merlot”. Kein berĂĽhmter Château-Name, keine Klassifizierung wie Grand Cru ClassĂ©, nichts dergleichen. Im Kleingedruckten, auf der RĂĽckseite der Flasche, fand ich immerhin den schlichten Hinweis auf den AbfĂĽllort: 33012 Gironde. Man muss schon solide geographische und postalische Kenntnisse der Bordeaux-Region haben, um die Postleitzahl als zum Ă–rtchen Arsac gehörend zu dechiffrieren, das kaum 5 Kilometer sĂĽdwestlich vom legendären Château Margaux entfernt liegt und Sitz von Château d’Arsac ist. Es ist am Ende eine Email-Adresse, die den Wein entlarvt und einen auf der Webseite www.pr-ws.com und im Universum von Pierre Raoux landen lässt.

Pierre Raoux’s Vater Philippe ist Besitzer von Chateau d’Arsac. Obwohl nur als Cru Bourgeois klassifiziert, haben die d’Arsac-Weine in den letzten Jahren ein Niveau erreicht, wo selbst manch’ höher eingestufte Cru-ClassĂ©-Wein nicht mithalten kann. Von dort also kommt Le Garage de Papa, gemacht von Pierre Raoux – in der Garage von Papa Philippe sozusagen. 2014 holte er davon den ersten Jahrgang ein. Aber erst Ende 2019 kam die auf 5.000 Flaschen limitierte Menge in den Handel. Idee dahinter: Der Wein (eine CuvĂ©e aus 70% Cabernet Sauvignon und 30% Merlot) soll einerseits trinkfertig sein, wenn er ausgeliefert wird, zugleich aber noch Lagerpotenzial besitzen.

Pierre Raoux weiß, was es für einen außergewöhnlichen Wein braucht. Sein Unternehmen zählt zu den namhaftesten Exportfirmen für berühmte Bordeaux-Weine. Chateau Petrus, Margaux, Mouton und Lafite-Rothschild, Haut-Brion – er hat alles im Portfolio.

Den ersten Probierschluck 2015 Le Garage de Papa bekam ich blind serviert, in einer Reihe anderer Bordeaux-Weine unterschiedlicher Jahrgänge vom linken und rechten Ufer. Nun trinke ich nicht jede Woche Wein aus dem Anbaugebiet Bordeaux, und so balancierte ich solide an der Grenze zur patentierten Ahnungslosigkeit, die Weine geographisch und altersmäßig zu verorten. Als ich Le Garage de Papa vor der Nase hatte, pendelten meine ersten Gedanken hin und her zwischen Margaux und Paulliac. Irgendwas erinnerte mich an Margaux, aber etwas anderes an Paulliac. Schnell wurde mir klar: Ich muss mehr Weine aus der Region trinken, kann doch nicht sein, dass ich so unterschiedliche Stile nicht auseinanderhalten kann. Wie auch immer, der Stoff war großartig, ich notierte 93+/100 Punkte. Die Farbe: dunkles Purpur mit violetten Reflexen und schwarzem Kern. Im Duft opulent mit Aromen von Roter und Schwarzer Johannisbeere, Erdbeere, balsamische Noten, Gewürze und feine Röstaromen. Am Gaumen sauber, gut strukturiert, mit üppiger, reifer Beerenfrucht, gut eingebundenen Tanninen und sehr guter Länge. Jeder Cent der rund 30 Euro, die dieser Wein im Handel vermutlich kosten wird, ist bestens angelegt für ein außergewöhnliches Weinerlebnis zu einem besonderen Anlass. Einziger Haken: die geringe verfügbare Menge.

Es gibt übrigens einen Garagenwein aus Israel (eine Cuvée aus 70% Syrah und 30% Petit Syrah/Durif), der ebenfalls unter dem Namen Garage de Papa verkauft wird, produziert vom Weingut Lewinsohn. Vielleicht kann ich den mal bei der nächsten ProWein probieren, die nach zwei ausgefallenen Messejahren hoffentlich 2021 endlich wieder stattfinden kann.

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Montag, 08. Februar 2021

Mehr Wein, weniger Bier – wie Corona unser Trinkverhalten verändert hat.

Nüchtern betrachtet, sind es nur Zahlen. Das Statistische Bundesamt meldet einen um 5,5% gesunkenen Bierabsatz für 2020 gegenüber dem Vorjahr. Der Bierbranche allerdings bereiten die nüchternen Zahlen reichlich Kopfschmerzen. Für sie braut sich gerade eine Krise zusammen, die vor allem kleine, regional aktive Betriebe in finanzielle Bedrängnis bringt. Sie leiden besonders unter den Schließungen in der Gastronomie und der Absage zahlreicher Großveranstaltungen.

Als die Meldungen dazu durch die Medien gingen, fragte ich mich sofort, welchen Anteil ich am sinkenden Absatz habe. Anders als bei meinen Laufkilometern, halte ich meinen Bier- und Wein- konsum nicht nach. Aber allein der Umstand, dass 2020 nur zwei statt der ĂĽblichen 15 bis 20 Stadionbesuche samt Vorspielbier, Stadionbier und Nachspielbier in meinem Kalender stehen, sagt einiges aus. Rudelgucken zur (verschobenen) FuĂźball-EM nicht eingerechnet.

Durchschnittlich 0,75 l Bier trinkt ein Zuschauer pro Saison im Stadion, wenn er denn nur ein Spiel besuchen wĂĽrde, was – zugegeben – eine höchst theoretische Annahme ist, zumal der Anteil Kinder in den Zuschauerstatistiken nicht herausgerechnet ist. Die Menge hab’ ich mal ĂĽber den dicken Daumen geschätzt, anhand der einzigen Zahlen, die ich ohne viel Aufwand auftreiben konnte und die aus 2013 stammen (also ohne Gewähr). Demnach hätte ich als Durchschnittstrinker wegen der Pandemie nur ein paar kräftige Schlucke weniger Stadionbier getrunken als ĂĽblich. Fällt also kaum ins Gewicht, könnte man meinen, aber auf die ĂĽblichen Zuschauerzahlen an 100 Spieltagen in Erster, Zweiter und Dritter Liga hochgerechnet, sieht das schon anders aus. Gut 35 Mio. Zuschauer pro Saison mal 0,75 Liter macht 26,25 Mio. Liter Stadionbier. Kneipenkonsum drumherum noch gar nicht berĂĽcksichtigt. Ebensowenig die unteren Ligen 4 bis 13. Ich versteige mich mal zu der steilen Annahme, dass von den 508 Mio. Litern Absatzverlust mindestens ein FĂĽnftel aufs Konto des FuĂźballs gehen. Denn es sind ja nicht nur die Ränge im Stadion, die wegen der Pandemie leer bleiben mĂĽssen. Auch das Public Viewing fehlt. Wer vor Corona an Spieltagen von Bundesliga und Champions League durchs Bochumer Bermuda-Dreieck ging, sah die Fans zu Hunderten in den Kneipen vor den GroĂźbildschirmen sitzen. Und die haben nicht alle Buttermilch getrunken. Beim FuĂźball gucken vor dem Fernseher daheim, komme ich dagegen nur selten auf die Idee Bier zu trinken. Zumindest nicht zu den ĂĽblichen AnstoĂźzeiten der Ersten oder Zweiten Liga. Um 13 Uhr die erste Maurerbombe Fiege aufplöppen zu lassen, käme mir auf dem Sofa sitzend nicht in den Sinn. Es sei denn, der VfL könnte mit dem Spiel den Aufstieg klarmachen. Aber soweit sind wir noch nicht. Und mehr als ein Appell im Sinne von Brösel Feldmanns Comicfigur Werner, fällt mir zur UnterstĂĽtzung der Brauereien im Moment auch nicht ein: “Auch Du brauchst die GeWERNERschaft! Denn WERNER hilft Dir, Dein Bier auszutrinken!”

Und was ist mit Wein? Weder im FuĂźballstadion, noch in der Kneipe oder beim Wacken Open Air ist der Rebensaft erste Wahl. Im Restaurant dagegen schon. Aber die hatten ĂĽber Monate dicht oder nur eingeschränkten Betrieb plus AuĂźer-Haus-Service. Trotzdem ging der Absatz von Wein im letzten Wirtschaftsjahr deutlich nach oben. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilte, stieg der Weinabsatz allein im Quartal April bis Juni 2020 um 12,5 Prozent. Man darf davon ausgehen, dass der gestiegene Heimkonsum die UmsatzrĂĽckgänge durch GastronomieschlieĂźungen in 2020 mehr als nur kompensiert hat. Wenn ich das mal wieder auf meine Situation herunterbreche, muss ich feststellen: passt. Auch in Vor-Corona-Zeiten hab’ ich im Restaurant wenig Wein getrunken, schlieĂźlich musste man anschlieĂźend noch heimfahren, und wer mit dem Auto unterwegs ist, beschränkt sich dann eben auf ein kleines Glas statt eine halbe Flasche zum Essen zu leeren. Jetzt gönnt man sich Zuhause mehr gutes Essen und trinkt auch mehr guten Wein dazu. Gilt zumindest fĂĽr mich und einige Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die mir ähnliches berichten.

In einem Interview mit der Autorin Stefanie Sargnagel auf Spiegel Online las ich kürzlich über deren leicht sedierendes Trinken im Lockdown. Das trifft es gut. Die Lage ist zu ernst, um sich zuzudröhnen und zu bedrückend, um sie stocknüchtern ertragen zu wollen. Auch da ist Wein aus meiner Sicht das ideale Getränk. Na dann, prost! Und bleiben Sie tapfer in diesen Zeiten!

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Mittwoch, 16. Dezember 2020

Die besten Weine bis 10 Euro: Experten empfehlen ihre Favoriten

Bei mir hat vieles gelitten 2020. Das Knie, die Nerven, der Geldbeutel. Und ja, da mache ich gar keinen Hehl draus: Auch die Weinvorräte haben gelitten. Manchmal musste ich mir die Lage schöntrinken. Gastronomie dicht, Laufveranstaltungen abgesagt, Reisen verboten, Covidioten im TV zu spät den Ton abgedreht. Die Liste ließe sich fortsetzen. Eine gute Flasche Wein, zusammen mit einem köstlichen Essen, konnte da so manches Wunder bewirken im Scharmützel mit dem Corona-Blues.

Nun fiel auch der alljährliche rewirpower-Weintest den Umständen zum Opfer. Und wie die Dinge stehen, wird es nach 17 erfolgreichen Jahren auch keine Fortsetzung mehr geben. Ohne Zeifel haben wir in dieser langen Zeit Trends setzen können mit unserer Veranstaltung. Wer bot 2003 schon Probierpakete mit Weinen regional ansässiger, konkurrierender Fachhändler an, die sorgfältig und unabhängig von Experten und Weinenthusiasten getestet und ausgewählt worden waren? Wer bot überhaupt schon Probierpakete an, damals? Über den dicken Daumen gerechnet, haben wir in diesen Jahren insgesamt über 1.300 Weine getestet, je zur Hälfte Rot und Weiß. Anfangs lag unsere Preisgrenze bei 6 Euro, später bei 8 Euro. Und ich erinnere mich an so manche Perlen, deren Nachfolgejahrgänge ich noch heute gerne trinke.

Geheimtipp aus Bordeaux: Château Recougne (fotografiert und probiert von Uwe Bende)

Ich bin wirklich stolz auf unsere Arbeit über die ganzen Jahre. Und ohne jede Übertreibung kann ich sagen, dass es mir immer eine große Freude war, im Rahmen der Verkostung mit so vielen wunderbaren Menschen zusammengearbeitet zu haben. Das schließt selbstverständlich auch jene ein, die hinter den Kulissen mit dafür gesorgt haben, dass alles rund lief, wie Ingo Adam, Christian Mark und Constance Scheffler. Dazu kommen Gunnar Arends mit seiner Agentur Seitenplan und der Fotograf Jens Nieth. Natürlich wäre das alles auch ohne die vielen Fachhändler aus dem Ruhrgebiet und Umgebung nicht möglich gewesen, die sich Jahr für Jahr diesem Wettstreit gestellt und im Anschluss gemeinsam mit ihren Mitbewerbern die Probierpakete an ihre Kunden ausgegeben haben. Vielen Dank für Euer engagiertes Mitwirken, so haben nicht nur wir, sondern auch viele Fans der Probierpakete viele interessante Entdeckungen machen können.

Nun wollte ich das Jahr 2020 nicht ganz ohne Weinempfehlungen ausklingen lassen und hörte mich deshalb bei unserer Jury um, welche ganz persönlichen Empfehlungen sie in diesem Jahr geben können. Vorgegeben war diesmal nur die Preisgrenze: 10 Euro. Da die Empfehlungen ganz individuell und abseits von Vergleichsverkostungen und Einreichungen aus dem Fachhandel zustande gekommen sind, werde ich – der Fairness halber – auch keine Bezugsadressen angeben. Da möge jede(r) Interessierte über das Internet selbst suchen und entscheiden. Lediglich ein Link zum Weingut wird angehängt. Manche der guten Tropfen sind ohnehin nur über Direktbestellung beim Winzer erhältlich.

Alle Tipps im Ăśberblick:

Christine Dördelmann
Weißwein: 2019 // Maximin Riesling // Feinherb // Weingut Maximin Grünhaus //  Mosel // Deutschland (ca. EUR 8,50)
Rotwein: 2019 // Kalterersee Classico Superiore (Rebsorte: Vernatsch) // Kellerei Kaltern (Winzergenossenschaft) // SĂĽdtirol // Italien (ca. EUR 8,00)

Markus Del Monego
WeiĂźwein: 2019 // Schiefer Riesling QbA // Trocken // Villa Huesgen // Mosel // Deutschland (ca. EUR 9,50)
Rotwein: 2018 // Walsheimer Silberberg QbA // Spätburgunder //Trocken - Im Holzfass gereift – // Weingut Karl Pfaffmann // Pfalz // Deutschland (ca. EUR 7,00)

Oliver Speh
Weiß: 2018 // WEISSBURGUNDER “T” // QbA Trocken // Weingut Tesch // Nahe // Deutschland (ca. EUR 8,60)
Rot: 2019 // Blauer Zweigelt “Elegant” // Weingut Türk // Kremstal // Österreich (ca. EUR 10,00)

Uwe Bende
Weiß: 2019 // Ürziger Würzgarten // Riesling Spätlese (Fruchtsüß) // Geschwister Albertz Erben – Weingut Merkelbach // Mosel // Deutschland (ca. EUR 8,50)
Rot: 2017 // Château Recougne // Bordeaux Supérieur // Frankreich (ca. EUR 10,00)

Klaus Dahlbeck
Weiß: 2019 // Weißer Burgunder “S” // QbA Trocken // Weingut Schweder // Pfalz // Deutschland (ca. EUR 8,90)
Rot: 2017 // Côtes-du-Rhône Réserve Rouge //  Famille Perrin // Frankreich (ca. EUR 9,30)

Bei einigen der Roten empfiehlt es sich, den Wein fĂĽr mindestens eine Stunde zu dekantieren. Insbesondere der Blaue Zweigelt und die beiden Franzosen brauchen vor dem Trinken Luft. Viel SpaĂź beim Probieren!

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Samstag, 04. Juli 2020

Bordeaux 2019: Ein großartiger Jahrgang kommt – zu fallenden Preisen.

Ralf Weilbächer von Les Grands Chais de France führte mich klug und kurzweilig durch die Bordeauxweine des eindrucksvollen 2019er Jahrgangs

Zwei Dinge gehen im Weingeschäft grundsätzlich nicht zusammen: Ein herausragender neuer Bordeaux-Jahrgang kommt auf den Markt – und die Preise sinken. Obwohl das Wörtchen grundsätzlich im Juristensprech bedeutet, dass Ausnahmen möglich sind, musste man diese Ausnahmen in den vergangenen Jahrzehnten mit der Lupe suchen.

Aufmerksame Leser meines blogs werden sich vielleicht daran erinnern, welcher Wein meine vinophile Leidenschaft wach küsste: St. Émilion. Die typischen Roten aus diesem Anbaugebiet werden zumeist als Cuvée mit hohem Merlot-Anteil vinifiziert, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc finden ebenfalls Verwendung. St. Émilion gehört – wie sein Nachbar Pomerol – zum so genannten rechten Ufer der großflächigen Appellation Bordeaux, während Medoc und Haut-Medoc das linke Ufer prägen. Gemeint sind die Ufer der Flüsse Garonne und Dordogne, die beide ins atlantische Becken der Gironde münden, wobei die Fließrichtung die Zuordnung für Links und Rechts vorgibt. Zahlreiche Satelliten-Appellationen komplettieren das Gesamtbild aller zur Weinregion Bordeaux zählenden Anbaugebiete.

Weil es der Ausgangspunkt meiner Weinleidenschaft ist, verfolge ich bis heute mit großem Interesse, was sich bei den Jahrgängen in Bordeaux tut. Normalerweise besuche ich dafür die Seiten von Heiner Lobenberg. Heiner ist im Frühjahr immer in Bordeaux, um Fassproben zu verkosten und sich ein Bild von der Qualität des jüngsten Jahrgangs zu machen. Wie seinem Blog zu entnehmen ist, schaffte er es sogar im Corona-lockdown runter nach Frankreich. So konnte er, unter teils abenteuerlichen Umständen, den mit reichlich Vorschusslorbeeren gesegneten 2019er Jahrgang höchstselbst und vor Ort beurteilen.

Nun muss man wissen, dass die 2019er Rotweine jedes besseren bis herausragenden Chateau noch längst nicht auf Flaschen abgefüllt sind, sondern noch ein bis zwei Jahre in Eichenfässern vor sich hin reifen, bevor sie weit genug sind und ausgeliefert werden. Da der Weinmarkt für Bordeaux aber auf besondere Weise funktioniert (mit Vorbestellungen und Bezahlung lange vor Abfüllung und Versand) ist es für potentielle Käufer wichtig zu wissen, mit welcher Qualität sie rechnen können. Wein ist nun mal ein Naturprodukt, enorm abhängig vom Wetter, und das ist eben nicht in jedem Jahr gleich, dazu kommen die Veränderungen durch den Klimawandel.

Warum warten Käufer nicht einfach ab bis der Wein abgefüllt und fertig für die Auslieferung ist? Ganz einfach: Weil sie den Wein dadurch deutlich günstiger bekommen, was besonders für Händler wichtig ist. Und weil man auf diesem Weg sicher sein kann, dass man den Wein überhaupt bekommt. Manche weltweit begehrten Tropfen sind nämlich rasch vergriffen. Den Weingütern spült diese so genannte Subskription Geld in die Kassen, während ihr flüssiges Kapital noch im Weinkeller festliegt.

Leider hinderte die Corona-Pandemie viele Fachhändler und Journalisten daran, selbst nach Bordeaux zu reisen, um sich einen Eindruck vom 2019er Jahrgang zu verschaffen. Dass man viele Weine doch noch verkosten konnte, ist einer Initiative von Crus et Domaines de France zu verdanken, die kurzfristig alle namhaften Weingüter vom linken und rechten Ufer angeschrieben und um Fassmuster gebeten hatte. Die Resonanz war beeindruckend. Die Organisation nicht minder, denn für die vier Termine in Deutschland und je einen in der Schweiz und in Österreich schickte jedes Chateau per Overnight Express jeweils einen neuen Satz Flaschen mit Fassmustern. Ein immenser Aufwand also, der da betrieben werden musste. Ich ergriff in Düsseldorf Glas und Gelegenheit, und probierte innerhalb von zwei Stunden rund 30 Weine durch, versiert begleitet von Ralf Weilbächer, Key Account Director bei Crus et Domaines de France. Fassproben zu verkosten, um daraus das Entwicklungspotential eines Weins abzuleiten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, für die es Erfahrung und Vorstellungsvermögen braucht. Da ich mittlerweile nur noch alle Jubeljahre mal Fassproben vor der Flinte habe, war ich sehr dankbar für den begleitenden Austausch mit Ralf.

Ausgerechnet die Weine aus Pomerol, die ich zugänglicher erwartet hatte,  präsentierten sich noch etwas sperrig. La Conseillante zum Beispiel, ein Weingut, das ich in den frĂĽhen 1990ern ein paar Mal besucht und von dem ich mir immer ein paar wenige Flaschen mitgenommen hatte, weil mich der Wein begeisterte wie kaum ein anderer. Seither haben die vielen Preisexplosionen fĂĽr Bordeauxweine auch La Conseillante so teuer gemacht, dass ich als Käufer raus bin. Wenn ich mich recht entsinne, zahlte ich vor Ort damals fĂĽr eine Flasche umgerechnet kaum mehr als 40 DM. Heute sind Preise jenseits der 170 Euro Standard. Trotz aller Sperrigkeit ahnt man, welch’ gewaltiges Potential in diesem 2019er Jahrgang von La Conseillante steckt.

Über kleine Unzugänglichkeiten hinweg betrachtet, offenbarte sich mir insgesamt ein Jahrgang, der sowohl vom linken wie auch rechten Ufer Großes erwarten lässt. Zum Abschluss der ohnehin schon großartigen 2010er Jahre kommt noch einmal ein Jahrgang der Superlative hinzu. Es hat wohl noch keine Dekade in der langen Geschichte der Bordeauxweine gegeben, die so viel Spitzenjahrgänge hervorbrachte. Nun sind bereits viele wunderbare Jahrgänge im Markt, und mit dem 2019 wird ein weiterer hinzukommen. Allerdings zu einer Zeit, wo nicht nur die Corona-Pandemie die weltweite Nachfrage ins Stocken bringt. Auch die ungewisse politische Lage in den USA vor den Präsidentschaftswahlen – was die drohenden Einfuhrzölle betrifft – sowie die Situation in Großbritannien vor dem Brexit drücken aufs Geschäft. Einige namhafte Weingüter haben deshalb ihre Preise für die Subskription des 2019er Jahrgangs um 30% gesenkt, worauf viele andere mitzogen. Weinliebhaber, die jetzt ein paar Euro fürs Aufstocken ihres Weinkellers erübrigen können, werden All in gehen. Denn lange wird diese Baisse wohl nicht anhalten. Und worin ließe sich besser investieren als in zukünftige Genussfreuden?

Hier die Weine, die mich bei der Verkostung besonders beeindruckt haben. Ich werde mich auch mal an Punktevergabe wagen, wohl wissend, dass das alles noch vage ist. Nehmt es also mit vorsichtiger Skepsis zur Kenntnis, liebe Leser. Es ist nicht mehr als ein Fingerzeig.

Saint Emilion: Château La Gaffeliere (95+/100), Château Yon Figeac (95+/100), Château Haut-Brisson (93+/100) Château Cadet Bon, Château Cantin, Château Pressac (alle 92+/100)
Pomerol: La Conseillante (96+/100), L’Eglise (93+/100), Clos Beauregard (92+/100)
Haut-Medoc: Château Citran (92+/100), Château Lamarque (92+/100)
Margaux: Château Labegorce (93+/100)
Saint-Julien: Château Leoville Barton (95+/100)
Saint-Estephe: Château Phelan Segur (96+/100)
Sauternes: Château Bastor Lamontagne (91+/100)

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Samstag, 30. Mai 2020

Die passenden Weine zur FrĂĽhsommerkĂĽche

Kombiniert man guten Wein mit gutem Essen, kann das Geschmackserlebnis durchaus ein lausiges sein. Aber wie lässt sich der Genussgau vermeiden und ein harmonisches Zusammenspiel realisieren?

Vermeidungsstrategien sind das Grundgerüst für eine genussvolle Liason von Essen und Trinken. Es ist wichtig zu wissen, welche Weine zu welchen Speisen grundsätzlich gemieden werden sollten, wobei Sommeliers mit großer Expertise bei ihren Empfehlungen gelegentlich davon abweichen, weil sie genau wissen, in welchen Fällen Ausnahmen die Regel bestätigen. Die bekannteste Regel ist diese: Kein Rotwein zu Fisch! Eine Regel, die vor wirklich grauenvollen Geschmackserlebnissen schützen kann. Wenn plötzlich der Rotwein einen metallischen Nachgeschmack am Gaumen entwickelt, liegt das an einem in Rotwein häufig vorkommenden erhöhten Eisenanteil, der in Weißwein so nicht zu finden ist. Eine Studie von Takayuki Tamura und Mitautoren vom Product Development Research Laboratory in Fujisawa (Japan) konnte diesen Zusammenhang in einer Untersuchung aus dem Jahre 2009 eindrucksvoll bestätigen. Leichte Rotweine, vor allem Burgunder können als Ausnahme von der Regel funktionieren, wenn gegrillte oder gebratene fettreiche Fische serviert werden, zum Beispiel Lachs oder Tunfisch. Spargel ist auch ein heikler Weinpartner, mit Vinaigrette kombiniert sogar ein bissiger Weinzerstörer. Mit Butter gereicht, offenart sich Spargel dagegen reichlich handzahmer. Da kann zum Beispiel ein trockener Chardonnay oder Weißburgunder die passende Begleitung sein. Hier mal eine kleine Liste von Kombinationen zu Frühsommergerichten, die ich in guter Erinnerung habe. Es passen natürlich auch ähnliche Weine anderer Winzer:

Spargel mit Butter, Drillingen, luftgetr. Rohschinken // Chardonnay Trocken, F. Becker (DE, Pfalz)
Gazpacho // Sauvignon Blanc Trocken, Weingut Knipser (DE, Pfalz)
Tortilla // TobĂ­a DaĂ­mon, Crianza (ES, Rioja)
Gegrillte Lammkoteletts // Nectar des Betrtrands (FR, Blaye, CĂ´tes de Bordeaux)
Paella // SolĂ  Fred Rosat (ES, Montsant)
Guacamole // Riesling Kabinett Trocken, Hermann Dönnhoff (DE, Nahe)
Erdbeeren mit Schlagsahne // Château Doisy-Vedrines (FR, Sauternes)

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Donnerstag, 26. Dezember 2019

Vom Genuss alter Weine

Läuft bei mir gerade nicht. Ich sag’ nur: Augen auf beim Geländelauf! Downhill, Kurve, Wurzel, Rumms. Vorderes Kreuzband gerissen, Meniskus gerissen, dazu diverse kleine Kollateralschäden. Operation war unumgänglich, und das kurz vor Weihnachten.

Nun ist ja die Einkauferei vor den Feiertagen schon mit gesunden Haxen abstrengend genug. Auf eineinhalb Beinen mit Gehstützen mag man sich die Sache gar nicht erst ausmalen, es sei denn man ist Masochist. Immerhin können heutzutage Online-Bestellungen das Problem mildern. Beim Kochen aber schlägt die Unbeholfenheit voll durch. Jeder, der mal an Krücken in der Küche gewirkt hat, weiß, was ich meine. Zubereitungstechnisch anspruchsvolle Gerichte kann man da vergessen.

Da heißt es also, früh genug den Druck rausnehmen, und sich irgendwie auf leichte Art und Weise Genuss verschaffen, wenn man sich das Fest nicht verderben will. Zum Beispiel hätte ich mir eine Trüffelknolle bei Bosfood bestellen, und einfach über schlichte Pasta oder Kartoffelsuppe hobeln können – die Sache mit dem Essen wäre geritzt gewesen. Aber diese Lösung fiel mir leider erst viel zu spät ein. Vielleicht lag die Einfallslosigkeit  am Oxycodonrausch, den mir die Ärzte im Krankenhaus genehmigten, weil so eine Operation am Kreuzband schon reichlich autsch ist. Klar denken war da nicht. Also keine Trüffel. Stattdessen Lammkeule mit Wurzelgemüse in den Ofen geschoben. Notlösung.

Glücklicherweise war mir aber noch ein anderer Gedanke gekommen, wie ich dem drohenden Genussmangel zu Weihnachten entkommen könnte: Ich nahm Kontakt zu meinem alten Weinfreund Uwe Bende auf, der viele Jahre auch bei uns in der Jury zum rewirpower-Weintest aktiv war. Uwe hat sich schon lange auf den Handel mit Weinraritäten spezialisiert. Mit großem Erfolg sucht er in ganz Europa nach außergewöhnlichen alten Flaschen, die oft über Jahrzehnte vergessen in tiefen Kellern schlummerten.

Mit dem Aufstöbern allein ist es für ihn aber meist nicht getan. Schließlich gilt es sicherzustellen, dass es sich bei den Weinen nicht um Fälschungen handelt. Und da ufern seine Recherchen gelegentlich in echte Detektivarbeit aus. Um kein Opfer betrügerischer Offerten zu werden, geht Uwe Bende weit zurück in die Vergangenheit, beschäftigt sich mit den Abläufen der Abfüllung im 19. und frühen 20. Jahrhundert, dem Design der Flaschen zu dieser Zeit, den Lagenbezeichnungen auf den Etiketten. Mir erzählte er mal: „Wer nicht weiß, wie eine mundgeblasene Flasche oder ein gezogener Hals aussieht und auch die Merkmale nicht kennt, die gewissen Zeiten zuzuordnen sind, der erwischt viel schneller mal eine gefälschte Flasche. Zu den besonders häufig gefälschten Raritäten zählen die Flaschen des renommierten belgischen Abfüllers Vandermeulen, der von Beginn des 20. Jahrhunderts bis etwa 1955 nicht zuletzt zahlreiche Premier Cru aus dem Bordeaux vom Fass auf die Flasche füllte. Die Vandermeulen-Flaschen weisen zahlreiche unverkennbare Merkmale an der Flasche, an der Kapsel und am Korken auf. Das Problem ist nur, dass der Korkbrand nicht das Château, also den Erzeuger des Weins kennzeichnet, sondern den Abfüller Vandermeulen. So kann mit einem einfachen Austausch des Etiketts aus einem mittelklassigen Bordeaux ein 1er Cru Classé gezaubert werden. Am besten kaufst du als Raritätensammler also direkt aus einem Keller, wo erkennbar ist, dass die Flaschen dort mit hoher Wahrscheinlichkeit seit Jahrzehnten nicht bewegt wurden.“

Es ist erstaunlich, wie sehr der Handel mit alten Weinen floriert. Vor allem wenn sich runde Geburtsjahrgänge mit sehr guten Weinjahrgängen ĂĽberschneiden, wird das Geschäft interessant. FĂĽr 2020 ist damit zu rechnen, dass es einen Run auf 1970er Bordeaux geben wird, der beste Jahrgang zwischen 1961 und 1982, zudem war das Jahr mit hohem Ertrag gesegnet. Aber Vorsicht!  „Viele Weinsammler werden relativ schnell blind, wenn der Preis auĂźergewöhnlich attraktiv ist. Und nicht selten entpuppt sich ein Schnäppchen später als Fake. So findet man immer mal wieder gefälschte Flaschen bei eBay und auch bei Auktionveranstaltungen im In- und Ausland,” warnt Uwe.

Ich hatte mir nun also bei Uwe einen alten St. Emilion geordert: 1962 Château Magnan La Gaffeliere. In St. Emilion erwachte Mitte der 1980er Jahre meine Liebe zum Wein, damals beim Besuch eines Grand Cru Weinguts mit einem anschließenden Abendessen im Privathaus der Eigentümer. Werde ich nie vergessen. Château Magnan La Gaffeliere übrigens zählt seit zwei Jahren zum Besitz des Hauses Jean-Pierre Moueix, unter anderem auch Eigentümer des legendären Château Petrus in Pomerol. Magnan La Gaffeliere hat heute den Status eines Grand Cru.

Und wie war sie nun, die Begegnung mit dem Wein aus 1962? Kurz gesagt: Faszinierend! Erstaunlich, wie gechmeidig sich dieser eher kleine Wein aus dem guten, oft unterschätzten Jahrgang 1962 noch präsentierte. Natürlich haben derart reife Weine in Farbe, Geruch und Geschmack kaum noch etwas gemein mit genussreifen jüngeren Tropfen. Das sollte der Konsument auf dem Schirm haben. Die Farbe am Glasrand zeigte deutliche Orange- und Bernsteintöne. In die Nase stieg ein Duft aus Nuancen von Zedernholz, Tabak und erdigen Noten. Im Geschmack kaum mehr Tannine spürbar, was zu erwarten war, trotzdem blieb dieser Wein noch bis zum letzten Schluck stabil. Und so hatte ich ihn dann doch noch, meinen Genussmoment zu den Feiertagen.

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Dienstag, 12. November 2019

Panizzi: Wie aus dem unterschätzten Vernaccia ein Spitzenwein wurde.

Angiolino Amato vom Weingut Panizzi

Es ist bereits einige Wochen her, da lernte ich den wunderbaren Angiolino Amato kennen. Angiolino ist Markenbotschafter des toskanischen Weinguts Panizzi und ein alter Freund des inzwischen verstorbenen GrĂĽnders Gianni Panizzi. Die von mir sehr geschätzte Sommeliere Christine Dördelmann, Verkaufsleiterin bei Schlumberger, hatte mich zu einer Verkostung in die Essener Osteria da Pandi eingeladen, bei der es um die Weine von Panizzi gehen sollte. “Freu’ dich auf wirklich auĂźergewöhnliche Vernaccia Weine,” sagte sie mir, und hinterlieĂź damit ein kleines Fragezeichen in meinem Kopf. Vernaccia? AuĂźergewöhnlich? Ich hatte schon mal davon gehört, dass es auch sehr guten Vernaccia geben soll, aber noch nie Gelegenheit gehabt, solchen probieren zu können. Bekannt ist die Rebsorte, die eigentlich Canaiolo Bianco heiĂźt, nämlich eher fĂĽr Allerweltsqualitäten. Dass Vernaccia auch als Synonym fĂĽr diverse italienische Weine mit beigefĂĽgter Ortsbezeichnung benutzt wird, macht die Differenzierung fĂĽr Unwissende noch schwerer. Aber ich wollte ja nun zu einem Wissenden werden.

Angiolino erwies sich jedenfalls als bestmöglicher Lotse für eine geführte Vernaccia-Weinprobe. Kundig und kurzweilig erzählte er von der Geschichte des Weinguts Panizzi, eingebettet in die Geschichte der toscanischen Weinbauregion, zu der die Ortschaft San Gimignano gehört, wo Panizzi zuhause ist. Gianni Panizzi kaufte das Weingut 1979, arbeitet mit einem namhaften Oenologen zusammen, der ihn beriet und erntete zehn Jahre später den ersten Wein. Immer mit dem Anspruch, das beste aus dem heimischen Vernaccia herauszuholen. Das gelang recht schnell. Schon in der 2001er Ausgabe des Gambero Rosso, maßgeblicher Wine Guide für Tropfen aus Italien,  erhielt die 1998er Abfüllung die Höchstbewertung von 3 Gläsern. Längst hat das ganze Anbaugebiet von Panizzis Initiativen und Anstrengungen profitiert, darf es doch heute das höchste offizielle Qualitätsiegel für Weine aus Italien für sich beanspruchen: DOCG.

Meine besondere Begeisterung weckten der Vigna Santa Margherita und der Riserva, wobei auch Chianti und Rosato großen Eindruck auf mich machten. Sie alle zeichnet individueller Charakter aus. Da langweilt keine international austauschbare Stilistik, sondern Mineralität, Frucht, Säure und Alkohol kulminieren zu finessenreichen Kreszenzen, die ein ums andere Mal zum Riechen, Schlürfen und Trinken verführen. Wer gerne selbst probieren möchte, kann bei einem Besuch in der Osteria da Pandi zur guten italienischen Küche einen Wein von Panizzi trinken. Und ein genussreicher Abend ist gesichert.

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Freitag, 20. September 2019

17. rewipower-Weintest: Warum es sinnvoll ist, beim Fachhändler vor Ort zu kaufen.

Ich bin wirklich stolz auf unsere Jury. Seit 2003 sitzen wir einmal im Jahr beisammen, um Weine von Fachhändlern aus der Region zu verkosten und die besten auszuzeichnen. In diesem Jahr war Patrick Jabs von lecker werden unser Gastgeber und hat uns 1a Rahmenbedingungen geschaffen, danke Patrick! Für viele von uns ist die aktuelle Preisgrenze von 8 Euro pro Flasche, die wir beim rewirpower-Weintest festgelegt haben, der untere Bereich dessen, was man so trinkt, wenn man Lust auf eine gute Flasche Wein hat. Andererseits liegt der durchschnittliche Endverbraucherpreis für eine Flasche Wein in Deutschland bei 2,19 Euro, wie es das Deutsche Weininstitut in seiner Jahresstatistik ausweist.

Als Weintrinker sollte man also erwarten können, dass ein Wein im Preissegment zwischen 6 und 8 Euro überdurchschnittliche Qualität hat, wenn man schon einen überdurchschnittlichen Preis dafür bezahlt. Nun sind wir Deutschen nicht gerade dafür bekannt, gerne viel Geld für gutes Essen und Trinken auszugeben. Im Gegenteil, Deutschlands Lebensmittelmarkt gilt als der preislich am härtesten umkämpfte unter den Industrienationen der Welt. Und die Doppelmoral feiert Kirmes, weil wir Bundesbürger trotzdem erwarten, dass Lebensmittel und Getränke top sind, obwohl man sie für Niedrigstpreise erwerben will. Das funktioniert natürlich nicht, weder bei Gemüse, Fleisch und Käse noch bei Wein.

So ist die Preisgrenze von 8 Euro, die wir für den rewirpower-Weintest festgelegt haben, Ergebnis der Überlegung, einen Preisbereich in den Blick zu nehmen, der für die einen Maximalbetrag, für die anderen Einstiegspreis für Alltagsweine ist. Unsere Auswahl soll also für alle funktionieren, das war und ist immer der Plan. Nun fragen mich immer wieder Leute: Warum testet ihr keine Supermarktweine? Meine Antwort: Weil Weine im Supermarkt oder beim Discounter kaufen keine gute Idee ist, wenn man einen Tropfen finden will, der einem persönlich wirklich schmeckt. Denn dort kann der Kunde nicht probieren und vergleichen. Beim Fachhändler vor Ort sehr wohl. Mehr noch, er erfährt dort etwas über den Winzer und unter Umständen auch noch, welches Essen zu diesem oder jenem Wein am besten passt. Entscheidend ist doch, dass jeder den Wein seines Geschmacks findet. Und das geht am besten beim Fachhändler vor Ort. Genau das will der rewirpower-Weintest unterstützen.

Sicher gibt es auch den einen oder anderen Wein im Supermarkt, der gut gemacht und für unter 8 Euro zu haben ist. Aber so einen Wein kauft man blind, man kann ihn nicht probieren und niemand erzählt einem etwas darüber. Wer nun wissen will, welche Weine uns in diesem Jahr am meisten überzeugt haben, der findet hier alle Einzelheiten. Und kann sogar Probierpakate mit den drei besten Weißen und Roten bestellen und bei einem Händler seiner Wahl persönlich abholen.

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Freitag, 13. September 2019

Flop 8: Wo Wein und Essen selten Freunde werden

Das Leben ist zu kurz für schlechte Weine lautet ein Allgemeinplatz vinophiler Genießer. Fünf Euro ins Phrasenschwein, würden Fußballfans sagen, so sie denn mit den Gepflogenheiten in der Fernsehsendung Doppelpass vertraut sind, wovon ich ausgehe, sonst wären es keine Fußballfans.

Manchmal – und ja, jetzt wird es spitzfindig – ist der Wein aber nicht schlecht, sondern er schmeckt nur schlecht. Ist das nicht das Gleiche, werden sie vielleicht verwundert fragen? Ist es nicht. Beim Teutates, sogar ĂĽberhaupt nicht! Die TĂĽcken liegen oft an den Begleitumständen seines Genusses. Sie wundern sich, warum ein Wein, von dem Sie schon mindestens zehn Flaschen des selben Jahrgangs in den letzten Monaten getrunken haben, plötzlich keinen SpaĂź mehr macht? Sie mutmaĂźen, der Tropfen tauge nichts mehr, weil ĂĽberlagert oder MontagsabfĂĽllung, oder was auch immer? Nehmen Sie das Essen als möglichen Ăśbeltäter ins Visier, und die Erkenntnis wird Ihnen wie Schuppen aus den Haaren, ähem, von den Augen fallen. Ja, ich seh’s ein: 5 Euro ins Phrasenschwein.

Wir Weintrinker spielen die Weingenussgefährdung durchs Essen gerne herunter. Wird schon passen, ungefähr. Denken Sie bloß nicht, ich sei vor derartigen Katastrophen gefeit. Mein Gehirn ist auch nicht immer eingeschaltet. Vor allem dann nicht, wenn mich Heißhungerattacken auf Chips oder Erdnüsse befallen und der Wein, der vom Abendmahl übrig blieb, als Begleiter herhalten muss, nur weil ich zu faul bin, in den Keller hinabzusteigen und Bier raufzuholen. Die einzige Bank, wenn es darum geht, salziges Knabberzeug geschmacksverträglich runterzuspülen.

Und es gibt eine weitere Tücke, wenn es um die Liason von Wein und Speisen geht. Gerade Experten, ob echte oder halbgare wie ich, legen den Fokus auf die Frage: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Ist schön und gut, für große Menüabende zu Feiertagen oder im Freundeskreis alles detailliert und langfristig im Voraus zu planen. Aber mal im Ernst: Wie viele Tage gibt es davon im Jahr? Im Regelfall ist es doch so, dass man Essen einkauft und vorbereitet und erst anschließend überlegt, welche Flasche man dazu aus dem Keller holt. Und nicht jeder hat daheim einen Keller, der für alle Eventualitäten gerüstet ist. So nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ich habe mal meine persönliche Flop 8 zusammengestellt (zu mehr hat es – zum Glück für uns Weinfreunde – nicht gereicht). Zutaten und Gerichte über die ich aus Erfahrung sage: Wein besser weglassen.

Grünkohl mit Speck Gar nicht erst auf krumme Gedanken kommen, sondern gleich Bier aus dem Kühlschrank holen. Ich kann mir vorstellen, dass der hohe Anteil Apfel- und Citronensäure im Grünkohl (215/220 mg pro 100g) zur Unverträglichkeit mit Wein beiträgt.

Kaviar FĂĽr mich eines der größten und teuersten geschmacklichen Missverständnisse, ihn mit Champagner kombinieren zu wollen, wie das in feinen Kreisen gerne zelebriert wird. Akzeptabel ist, wenn ĂĽberhaupt, ein wuchtiger Vertreter aus der Prickelfraktion wie Bollinger. In Paris wurde mir mal bei einer privaten Einladung im kleinen, häuslichen Kreis Kaviar mit Blini und Sauerrahm aufgetischt. Dazu gab es Krimsekt brut. Ich hab’ nur kurz dran genippt (bbbrrr), und dann das Essen pur genossen.

Räuchermatjes Ohne Beilagen verspeist, passt nur Schnaps oder trockener Sherry. Räuchermatjes mit Guacamole, wie ich es gerne mal kombiniere, kann mit Chardonnay funktionieren, kann aber auch schiefgehen.

RĂĽhrei Ganz schwieriger Fall. Da passt nichts, auĂźer – theoretisch vielleicht – Champagner. Praktisch habe ich nach zwei Fehlversuchen aufgegeben, mehr von dem guten Zeug zu vergeuden. Wobei, da fällt mir ein: Vor zig Jahren hab’ ich mal bei Gerad Boyer im Les Crayerès zum FrĂĽhstĂĽck TrĂĽffelrĂĽhrei mit Champagner von Pommery (CuvĂ©e Louise) serviert bekommen. Und das passte sogar, wenn auch nur einigermaĂźen, was wohl am TrĂĽffel lag. Angesicht des Umstands, dass sowohl TrĂĽffel als auch CuvĂ©e Louise solitär betrachtet Köstlichkeiten sind, ganz sicher nichts, was unbedingt zusammen genossen werden sollte.

Salat mit Vinaigrette Die Säure des Essigs killt jeden Wein. Das pure Geschmacksmassaker.

Schokolade Über mögliche Kombinationen mit Wein habe ich schon viel zweifelhaftes Zeug gelesen. So wird Banyuls gerne als Empfehlung genannt, weil er im Aroma Noten von Kaffee und Vanille aufweist. Bei einer Verkostung, Anfang der Nuller-Jahre, haben wir mal in einem großen Kreis von Weinfreunden alle erdenklichen Kombinationen von Wein mit diversen Schokoladen (Vollmilch bis 99% Bitter) ausprobiert, und nur ein gespriteter Wein brachte erfreuliche Ergebnisse.

Spinat Ganz schwere Kost für jeden Wein. Geschmacklich ungefähr so, wie auf rostiger Stahlwolle herumzukauen.

Tomaten
Der Liebesapfel ist zu Wein gar nicht lieb, was an den sauren Noten im Aromaprofil liegt. Nur wenn die Säure durch Beilagen oder ergänzende Zutaten gut gepuffert wird, nimmt der Weingeschmack am Gaumen keinen Schaden.

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Dienstag, 04. Juni 2019

Es muss nicht immer Bier sein: Der passende Wein zur sommerlichen Grillparty

Wenn es um die Frage geht, welcher Wein zu welchen Speisen passt, holen Experten ganz tief Luft und aus zu einen epischen Vortrag. Gern beginnen sie den mit einem “Kommt drauf an …”. Auch ich werde oft gefragt, welchen Wein ich empfehlen wĂĽrde zu diesem oder jenem Gericht. Ich hole dann ganz tief Luft, sage “ich bin kein Experte” und leite meinen epischen Vortrag ein mit einem “kommt drauf an”. Ja, es kommt wirklich drauf an. Zum Beispiel, wie verwegen und aufgeschlossen die Tischgenossinnen und -genossen sind, denen man das Ganze serviert. Aber weil Gäste keine Versuchskaninchen sind, kommen nur Kombinationen in Betracht, die man selbst schon ausprobiert hat, deren Spannungsfeld fĂĽr den Gastgeber kein Neuland und deren Zumutbarkeit vertretbar ist. No risk, no fun ist nur was fĂĽr Leute die von Genuss keine Ahnung haben.

Nun bietet ein sommerliches Grillfest ein besonders hohes Kollisionsrisiko was Wein und Essen betrifft. Da haben wir den Salat als größte Gefahrenquelle. Genauer gesagt sind es säurelastige Vinaigrette, Mayonnaise und frische Tomaten die beinahe jede Kombination mit Wein kontaminieren. Bei Gegrilltem kann es ebenfalls problematisch werden, was aber selten am gegrillten Fleisch, Fisch oder Gemüse liegt, sondern an Dips, Saucen und Beilagen.

Was im Sommer ebenfalls eine Rolle spielt: die Lust auf kalte Getränke. Weil man in Deutschland praktisch veranlagt ist, kauft man zum Grillfest gerne kistenweise Bier, kühlt es eiskalt runter und gluckert es literweise weg. Ganz anders die Franzosen. So oft ich in den vergangenen Jahrzehnten dort war – Wein war immer das Hauptgetränk beim Barbecue. Nicht nur Weiß- sondern auch und besonders Rotwein gehörte dazu. Gegen den Durst wurde kaltes Mineralwasser getrunken, für den Genuss der Wein. Nicht, dass ich an einem bierseligen Grillfest irgendwas auszusetzen hätte, im Gegenteil, ich liebe solche Partys. Aber meine Freude ist dann besonders groß, wenn es Wein gibt und der auch noch mit Sinn und Verstand ausgewählt wurde.

Hier mal eine kleine Liste von Gerichten fĂĽr eine Grillparty und die dazu passenden Weine:

1. LÖWENZAHNSALAT MIT SPECK UND CROUTONS. Salatsauce wird nur aus Olivenöl, jungem Knoblauch und scharfem Senf hergestellt, der gegrillte oder gebratene Speck mit ein paar Spritzern Balsamico abgelöscht. Bratensatz lösen und mit in den Salat geben. WEIN: BEAUJOLAIS VILLAGES
2. PFĂ„LZER ODER FRĂ„NKISCHE BRATWURST MIT FOLIENKARTOFFELN Alternativ auch andere grobe BratwĂĽrste aus Schweinefleisch. WEIN: GEWĂśRZTRAMINER TROCKEN
3. KNOBLAUCH AUS DER ASCHE Simpler Imbiss, ideal für den späten Nachthunger auf jeder Party. Die Knoblauchzehen werden ungepellt in heißer Asche gegart, anschließend gepellt und mit etwas Butter auf Weißbrotscheiben gegessen. WEIN: JUNGER, FRISCHER WEISSBURGUNDER ODER SAUVIGNON BLANC
4.  GEGRILLTE CHAMPIGNONS MIT ESTRAGON-SENFSAUCE Dazu etwas Weißbrot servieren, fertig. WEIN: TROCKENER UND REIFER SPÄTBURGUNDER
5. COUSCOUS MIT GEMĂśSE z.B. Gegrillte Zucchini, Lauchzwiebeln, Paprika, Chili, Basilikum, Minze. WEIN: SYRAH

Die Weinempfehlungen sind ĂĽber die Jahre durch viel Ausprobieren entstanden und als Anregung zu verstehen, es mal mit Wein zum Barbecue zu versuchen. NatĂĽrlich gibt es noch reihenweise gute oder gar bessere Optionen. Ideen gerne an mich weiterleiten. Ich bin ein wissensdurstiger Zeitgenosse.

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