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Montag, 30. April 2018

Cabernet Blanc: Eine neue Rebsorte mischt Deutschlands Weinlandschaft auf

Zugegeben, es wĂ€re schon gewaltig ĂŒbertrieben, aus der interessanten NeuzĂŒchtung Cabernet Blanc einen Kandidaten fĂŒr die Spitzenposition im heimischen Rebsortenspiegel zu machen. Der wird bei den AnbauflĂ€chen fĂŒr Weißwein in Deutschland weiterhin angefĂŒhrt vom Riesling, dahinter kommen – mit großem Abstand – MĂŒller-Thurgau, Grauburgunder und Silvaner. Aber wer weiß. Auch der Riesling war nicht zu allen Zeiten die dominierende Rebsorte hierzulande. Und je wĂ€rmer und feuchter es bei uns durch zu befĂŒrchtende KlimaverĂ€nderungen der kommenden Jahre vielleicht wird, umso besser wĂ€ren Winzer mit einer Rebosrte wie Cabernet Blanc aufgestellt. Bis dahin nehmen wir Cabernet Blanc als das was es ist: eine spannende Erweiterung des Angebots.

Offen gestanden hatte ich beim ersten Blick auf ein Flaschenetikett mit der Aufschrift Cabernet Blanc angenommen, es handele sich um eine spezielle Variante des Blanc de Noir, einem aus roten Traubensorten gekelterten Weißwein. In diesem Fall also um einen aus Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc hergestellten Weißen. Im Glas sah der Wein aber erstaunlich weiß aus, er hatte nichts von der ĂŒblichen grau-rosa-farbenen Optik, die ich von Blanc de Noirs kannte. Dank Smartphone mit Intenetanbindung gab es schnell Klarheit, dass es sich beim Cabernet Blanc tatsĂ€chlich um eine neue Rebsorte handelt, die in der PfĂ€lzer Rebschule Freytag im Versuchanbau war und von dort 2010 zur Klassifizierung angemeldet wurde.

Seither wagen sich einige Winzer der Region an diese weiße Kreuzungsvariante auf Basis des Cabernet Sauvignons, deren StĂ€rke die Resistenz gegen Pilzbefall ist. Jungwinzer Hendrik Schweder, Absolvent der Hochschule in Geisenheim und im Familienbetrieb verantwortlich fĂŒr den An- und Ausbau der Weine, ist einer, der Cabernet Blanc im Bestand hat. Und ich muss sagen, dass mich die von ihm aus Rebsorte und Boden gezogene Stilistik beeindruckt hat. Spontan war ich versucht zu sagen, es sei eine deutsche Version des Sauvignon Blanc, was reichlich bescheuert klingt, weshalb ich mir im Probierkreis auch auf die Zunge gebissen habe. Was ich meine ist, dass mir da kein knalliges Fruchtbonbon Nase und Mund attackierte, sondern sich ein von wĂŒrzigen und vegetabilen Noten durchzogenes Aromanbild entfaltete, dass umgeben war von dezenter Frucht wie Schwarze Johannisbeere und gerĂ€ucherte Paprika erkennen ließ. Dieser Wein hatte nichts von der Austauschbarkeit diverser gĂ€ngiger Weißweine, denen mit Aromahefen ein standardisiertes Geschmacksbild verpasst wurde. Dieser Wein wirkt eigenstĂ€ndig.

Hendrik Schweder wird mit seiner Kollektion schon in KĂŒrze im Ruhrgebiet zu erleben sein. Zum wiederholten Mal tritt er als einer von ĂŒber 30 Winzern bei der Bochumer Veranstaltung Weine vor Freude an, einer dreitĂ€gigen Publikumsmesse zum Thema Wein, die in der Rotunde des alten Katholikentagsbahnhofs abgehalten wird. Los geht’s am 24. Mai. Hingehen sollte sich lohnen. Nicht nur wegen Schweder.

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Montag, 09. April 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (III).

Cheers Mr. Koegelenberg! Foto: Martina Katz

Dem aufmerksamen Leser wird das Fehlen von SĂŒdafrika in meinem bisherigen ProWein2018-RĂŒckblick nicht entgangen sein. Hat ein bisschen gedauert, weil, ja weil … ich war Ostereier suchen. Aber jetzt berichte ich gerne von meiner Begeisterung fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine, die schon eine Weile anhĂ€lt und auf der ProWein, dank Melanie und Martina von Geradeaus Kommunikation, weiter angeheizt wurde. Grund dafĂŒr ist das von den beiden eingefĂ€delte Zusammentreffen mit Hein Koegelenberg CEO von La Motte Wine Estate. Mein Interesse fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine war ĂŒber die Jahre durch ein anhaltend ĂŒberragendes Preis-LeistungsverhĂ€ltnis gewachsen, das Rote wie Weiße vom Kap so liebenswĂŒrdig machen. Stellvertretend fallen mir da Weingut Kaapzicht, Allesverloren, Mullineux & Leeuw, The Sadie Family und Laibach ein.

Mit La Motte hatte ich noch keine Bekanntschaft machen können, was sich als VersĂ€umnis herausstellte als ich mit Hein Koegelenberg zusammentraf und mit ihm eine Auswahl seiner Weine probierte. Das Weingut liegt im Franschhoek Valley, in der Gemeinde Stellenbosch, Distrikt Cape Winelands. Es beherbergt ein ĂŒberregional bekanntes Restaurant sowie eine Museum. Erstaunlich, wie filigran und strukturiert sich die Weine prĂ€sentierten. Wer sĂŒdafrikanische Weine gedanklich als Alkoholbomben abgespeichert hat, muss spĂ€testens beim Genuss der Kollektion von La Motte umdenken. Die Weine sind allesamt zurĂŒckhaltend im Alkohol, bieten guten Trinkfluss und eine Mineralik, die verfĂ€ngt. Hein Koegelenberg verriet mir, mit welcher Strategie sie an die Bewirtschaftung der RebflĂ€chen herangehen. Exakte Bodenanalysen sowie die BerĂŒcksichtigung des Mikroklimas bilden die Basis fĂŒr die Anbaustrategie. Reben und Böden mĂŒssen bestmöglich miteinander harmonieren können, um außergewöhnliche Terroir-Weine entstehen zu lassen. Bevor man irgendwo neu bestockt oder AnbauflĂ€che kauft, wird ganz genau hingeschaut.

Syrah, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Co. stehen also genau da, wo sie hingehören. Selten habe ich einen so mineralischen Sauvignon Blanc getrunken wie den 2017er von La Motte, was umso erstaunlicher ist angesichts seiner Jugend. Zu meinen absoluten Favoriten zĂ€hlte der 2015 Pierneef Syrah Viognier, eine spannende CuvĂ©e mit pfeffrigen und floralen Noten, dezenter HolzwĂŒrze, einer guten Struktur und einem Finale, das erfreulich lange anhĂ€lt. Mit 13,5 Vol% Alkohol bei nur 3 g/l Restzucker ist der Pierneef ein anspruchsvoller Wein der als Solist Spaß macht, gleichwohl sehr gut als Speisenbegleiter taugt.

Ich hatte ĂŒber die gesamte Kollektion von La Motte gesehen ĂŒberhaupt nicht Eindruck, es mit einer international austauschbaren Stilistik fĂŒr einen Massenmarkt zu tun zu haben. Und doch sind die Weine nicht so kompliziert, dass nur Freaks ihre Freude daran haben können. Im Gegenteil, sie sind ungemein trinkig.

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Donnerstag, 29. MĂ€rz 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (II).

Was bei der Messe ProWein am meisten Freude bringt sind die Entdeckungen. Unbekannte, persönlich noch nicht erschlossene Weinregionen, junge Winzertalente, neue Rebsorten. Davon gibt es mehr als genug im Rahmen einer Veranstaltung mit fast 7.ooo internationalen Ausstellern (siehe auch Teil I).

In meinem Messeprogramm gesetzt ist immer der Besuch eines Weinguts, das im vergangenen Jahr beim rewirpower-Weintest zu den besten zĂ€hlte. Im Herbst 2017 sorgte das Weingut Landerer fĂŒr Furore, weil es gleich mit zwei Weinen einen Podestplatz schaffte. Es war ein angenehmer Besuch am Stand, der mit einer fĂŒr mich sehr erheiternden Entdeckung endete: Das Weingut Landerer (Baden) bringt doch tatsĂ€chlich Weine aus der Lage Henkenberg auf die Flasche. Der Henkenberg ist die höchste natĂŒrliche Erhebung meiner Heimatstadt Bochum und ist eines meiner liebsten Trainingsreviere, wenn es darum geht, mich fĂŒr Ultramarathons im Hochgebirge in Form zu bringen. Gute Form hatte auch der 2015er SpĂ€tburgunder Henkenberg Trocken, den ich probierte. In der Nase Noten von Kirsche, Zwetschge, etwas Cassis und angenehm frische SĂ€ure. Obwohl der Wein noch nicht so lang auf der Flasche ist, machte er schon richtig Spaß. Da das von mir sehr geschĂ€tzte Weingut Salwey ebenfalls Rebstöcke in der Lage Henkenberg hat, und auch die Winzergenossenschaft Oberrottweil, werde ich vielleicht mal eine Henkenberghorizontale machen. Wo ich doch sonst immer vertikal am Henkenberg unterwegs bin.

Aber zurĂŒck zur SĂŒdpfalz. Da entdeckte ich im Kreis der Generation Riesling, Hendrik Schweder vom Weingut Schweder in Hochstadt. Die Generation Riesling ist ein Verbund von Jungwinzern bis 35 Jahren – ins Leben gerufen vom Deutschen Weininstitut – das Jahr fĂŒr Jahr zehn von ihnen (insgesamt hat die Generation Riesling 580 Mitglieder) Gelegenheit gibt, ihre Weine auf der ProWein zu prĂ€sentieren. Voraussetzung ist, dass sie eine aktuelle Kollektion vorweisen können, die herausragt. Hendrik Schweders Weine taten genau das und ĂŒberzeugten bei der LandesweinprĂ€mierung im vergangenen Oktober.

Im GesprĂ€ch macht Hendrik Schweder sofort den Eindruck eines Jungwinzers, der eine klare Vorstellung davon hat, welche Art von Wein er machen möchte. Möglichst wenig Eingriffe in das Ökosystem Weinberg nimmt er vor, ĂŒberlĂ€sst aber beim GĂ€rungsprozess nicht alles dem Zufall. So setzt er zwar Weinberghefen ein, steuert aber gegebenenfalls mit Reinzuchthefen nach, wenn’s sein muss. Wirklich Spaß gemacht hat sein unfiltrierter SpĂ€tburgunder, der im Glas zwar eine gewöhnungsbedĂŒrftige farbliche TrĂŒbung zeigte, in der Nase und am Gaumen aber mit einer vielschichtigen Aromatik verzaubern konnte. Mir hat gefallen, dass er bei allem Engagement fĂŒr Terroir und AuthentizitĂ€t nicht den Eindruck eines Dogmatikers macht sondern offen ist fĂŒr Neues. So prĂ€sentierte er mir einen Roten aus einer neu gezĂŒchteten Rebsorte, um die er sich gemeinsam mit einigen anderen Winzern kĂŒmmert und deren geringe Ertragsmenge in nur wenigen Großflaschen abgefĂŒllt wird. Mal sehen, was daraus wird.

In Sachen Marketing fĂ€llt ihm auch was ein. So heißen einige seiner Weine  Alter Schwede oder Only for best friends. Die meisten mit dem Thema Weinvermarktung befassten Agenturen wĂŒrde das auch nicht besser hinbekommen. Das gesparte Geld kann er also direkt ins Produkt stecken. Und das macht er auch.

Seine Kollektion umfasst ĂŒberwiegend filtrierte Weine, die zur Zeit noch zu einem wahrhaft barmherzigen Preis zu haben sind.
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Freitag, 23. MĂ€rz 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (I).

Machte ich aus der ProWein eine nĂŒchterne Angelegenheit, wĂŒrde ich mich auf die Zahlen beschrĂ€nken, die der Veranstalter am Ende der internationalen Fachmesse in DĂŒsseldorf Jahr fĂŒr Jahr in einer Meldung zusammenfasst: 6.870 Aussteller aus 64 Nationen waren da und haben an drei Tagen ĂŒber 60.000 Fachbesuchern aus 133 LĂ€ndern ihre Kollektionen vorgestellt. Erste Überraschung, jedenfalls fĂŒr mich: Italien fĂŒhrt die Nationenwertung an mit 1.700 Ausstellern, vor Frankreich (1.550) und Deutschland (990). Produzenten aus Übersee waren immerhin mit 700 Ausstellern vertreten. Alles in allem mehr Aussteller und mehr Besucher als im Vorjahr, ein voller Erfolg also, wie Hans Werner Reinhard, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Messe DĂŒsseldorf betont: “Wer die Themen Wein und Spirituosen zu seiner Profession gemacht hat, kommt an der ProWein in DĂŒsseldorf einfach nicht vorbei.” Warum ich an den Spirituosen sehr wohl vorbei bin, hatte ich ja kĂŒrzlich schon erlĂ€utert.

Eine Weinmesse nĂŒchtern zu betrachten macht allerdings keinen Spaß, was nicht heißt, dass man dort als ernsthaft arbeitender Journalist – also echt gezz, kein Grund zu lachen – einen hohen Pegelstand anstrebt. Im Gegenteil. Jeder Probierschluck Wein wurde ordnungsgemĂ€ĂŸ in den Spucknapf befördert, was mir bei so manchem Wein wirklich leid tat. Aber im angetrunkenen Zustand wĂ€re man nun mal nicht mehr in der Lage, beim nĂ€chsten Winzer im Vollbesitz seiner degustatorischen FĂ€higkeiten ins Glas zu schauen und zu probieren.

Mir kam es in diesem Jahr aber so vor, als zĂ€hlte ich zum eher kleinen Kreis der ZurĂŒckhaltenden. Den passenden Slogan zu meinem Eindruck lieferte der Spruch eines jungen Mannes, der sich spĂ€ter als Filialleiter einer bekannten deutschen Einzelhandelskette zu erkennen gab: “Was ist ein Spucknapf?” Nur schwang nicht der Hauch von Ironie bei dieser Frage mit. Er schien mir zur tendenziell hemmungslosen Betankungsgruppe zu gehören, die einen nicht völlig unerheblichen Teil des Publikums ausmachte. Sollte das jetzt irgendwer als Kritik interpretieren – ist nicht so gemeint. Wenn man am Ende einer Weinmesse nicht mit Promille nach Hause gehen darf, wann dann?  Damit gerechnet, dass einige sogar mit Promille Auto fahren wĂŒrden, hatte in jedem Fall die Polizei, denn es wurde von einigen Kontrollen rund um den Messeort berichtet. Angesichts zahlreicher Warmstreiks beim ÖPNV in NRW waren möglicherweise mehr Besucher als sonst ein gewisses Promillerisiko eingegangen.

Ist ja auch verdammt schnell passiert, bei einer Weinmesse aus Versehen betrunken zu werden, zu sein, zu mĂŒssen. Da fĂ€ngt man zum Beispiel morgens mit besten VorsĂ€tzen ernsthaft mit dem Probieren und Spucken an, aber ĂŒber den Tag gesehen landet man dann doch bei zu vielen Edeltropfen, die auszuspucken man nicht ĂŒbers Herz bringt. Ich gehöre durchaus zu dieser GefĂ€hrdungsgruppe, und nicht jedes Jahr komme ich unter 0,8 Promille da raus wie 2018. Deshalb auch generell keine An- und Abreise mit dem Auto. Alkoholisiertes Fahren ist in der Weinszene ĂŒbrigens eine Thema ganz nah am Tabustatus.

Ich vertiefe das aber jetzt nicht, keine Sorge. Die zentrale Frage, die mich vor jeder ProWein beschĂ€ftigt ist die nach dem Programm. Was nehme ich mir vor? Zu viel ist immer schlecht, weil das frustet, wenn man nur einen Teil des Plans schafft. Deshalb waren fĂŒr dieses Jahr weniger Events und mehr freie Verkostungen geplant. Im Mittelpunkt standen meine Lieblingsregion hierzulande, die SĂŒdpfalz (wegen ihrer Rebsortenvielfalt und der enormen Anzahl engagierter Jungwinzer) sowie SĂŒdafrika, ist doch eine internationale Messe wie die ProWein bestens geeignet, sich einen Überblick ĂŒber dieses immer noch unterschĂ€tzte Weinland zu machen, wo es so viel QualitĂ€t zu barmherzigen Preisen gibt.

Einen idealen Einstieg in den Tag bot die von Markus Del Monego gewohnt eloquent und informativ gestaltete Reise durch die Weinpfalz. Besonders spannend wurde die Probe durch ihre kulinarischen BegleitumstĂ€nde. Jeweils zwei Weine wurden zunĂ€chst solitĂ€r, dann in Kombination mit einer Speise probiert. In guter Erinnerung blieben eine trockene 2016er GewĂŒrztraminer SpĂ€tlese vom Weingut Andres zum Karotten-OrangesĂŒppchen mit Ingwer und eine Chardonnay-Weißburgunder-CuvĂ©e von der Sektkellerei Schreier & Kohn zum Kohlrabi-Bratwurst-Carpaccio. Die Veranstaltung hat mich in meiner Vorliebe fĂŒr Weine aus der Pfalz mal wieder bestĂ€tigt. Da ist weiterhin richtig viel in Bewegung, vor allem im unteren Preissegment. Dazu spĂ€ter in Teil II noch mehr.

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Montag, 05. MĂ€rz 2018

Messegigant ProWein: ÜberflĂŒssiges Kontra im Konzept

Wie es sich fĂŒr eine ordentliche Messevorbereitung geziemt, schaute ich mich kĂŒrzlich auf den Programmseiten der ProWein um, inzwischen die weltweite Nummer Eins unter den Fachmessen in Sachen Wein. Nach so einem Erfolg sah es fĂŒr die Messe anfangs ĂŒberhaupt nicht aus. Ich erinnere mich noch gut an die erste Austragung 1994. Da traf ich bei einer Bordeauxprobe den Bochumer Gastronomen Udo Drews (der spĂ€ter einen Weinhandel aufmachte und vor wenigen Jahren leider verstarb), und beide waren wir der Ansicht, dass die seinerzeit dĂŒrftig besetzte und besuchte Fachmesse zwar eine gute aber wahrscheinlich keine zukunftstrĂ€chtige Idee sein dĂŒrfte. Damit lagen wir reichlich daneben. Heute ist das Welttreffen in Sachen Wein mit Schwerpunkt auf Verkostung aus dem Kalender von Winzern, HĂ€ndlern, Sommeliers und Fachjournalisten nicht mehr wegzudenken.

Mit Erstaunen stelle ich nun fest, dass in den letzten Jahren ProWein immer mehr weinfremde Themen reĂŒssieren. FĂŒr die in wenigen Wochen beginnende ProWein 2018 stellt der Veranstalter nun den interessierten Messebesuchern die Trendthemen des Jahres vor, kommentiert von Experten aus der Szene. Und was finde ich da? Zum Beispiel Whisky und Whiskey – FĂŒr Traditionalisten und Millennials. Und dieses Thema: Kreativbier-Boom – Der Durchbruch der neuen Biervielfalt. Auch zum Aperitif findet sich was.

Man mag es mir als Dogmatismus auslegen, aber du meine GĂŒte, hat die Weinwelt nicht wahrlich genug zu bieten als dass man sie noch mit Schnaps, Bier und sonstigem Gedöns ĂŒberfrachten muss? KĂ€me doch auch keiner auf die Idee, bei einer Fußballweltmeisterschaft ein paar Spiele Polo zu zeigen, nur weil da auch einem Ball hinterhergejagt wird.
Wie auch immer: Ich werde mich vom 18.-20. MĂ€rz wieder nach DĂŒsseldorf begeben und schauen, was es Neues gibt. Und bei der Gelegenheit auch wieder den einen oder anderen Winzer aus der Siegerliste des letzten rewirpower-Weintests besuchen. Dazu dann in 14 Tagen mehr.

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Mittwoch, 06. Dezember 2017

Fremdtrinken bei Deutschlands grĂ¶ĂŸtem WeinhĂ€ndler: Wie Aldi vor Weihnachten mit Aktionsweinen punkten will.

Als bekennender Fan des niedergelassenen Fachhandels könnte ich’s mir einfach machen und sagen: Was kĂŒmmern mich die Weine vom Discounter oder aus dem Supermarkt. Kann ich vor Ort nicht probieren, den Stoff, und Beratung gibt’s auch keine – also uninteressant. Aber wenn man seit ĂŒber zwei Jahrzehnten regelmĂ€ĂŸig Vergleichsproben von FachhĂ€ndlerweinen organisiert, ist es geradezu Pflichtprogramm auszuloten, was ĂŒber die Discounter an den Verbraucher gebracht wird. Meistens tue ich das im stillen KĂ€mmerlein, doch in diesem Jahr mache ich eine Ausnahme, weil allen voran Deutschlands grĂ¶ĂŸter WeinhĂ€ndler ALDI kurz vor Weihnachten mit besonders interessant erscheinenden Aktionsangeboten Aufmerksamkeit generiert. Bei ALDI-Nord geht das einher mit der grĂ¶ĂŸten Umstrukturierung der Firmengeschichte. Das neue Instore-Konzept des Essener Konzerns, der dafĂŒr Investitionen im Milliardenbereich tĂ€tigt, soll den Filialen eine wertigere Ausstrahlung geben. Und das bedeutet eben nicht nur hellere und ĂŒbersichtlichere Ladengestaltung und Abkehr vom gestalterischen Kernelement Europalette, sondern zugleich ein mehr an QualitĂ€t. Seit wenigen Wochen ĂŒbrigens auch bei mir um die Ecke zu besichtigen, in der ALDI-Filiale unweit des Eisenbahnmuseums Dahlhausen.

Drei der probierten Weine aus dem Weihnachtsprogramm verdienen aus meiner Sicht besondere Beachtung:
2016 // Riesling QbA // Pfalz // Wachtenburg Winzer eG // 5,99 €
2016 // Y Pinot Noir // South Island Neuseeland // Weinkellerei Oster // 4,99 €
2009 // Epulum // Rioja Gran Reserva DOC // Bodegas La Catedral // 6,99 €

Es ist kein Geheimnis, dass mir die Pfalz unter Deutschlands Anbaugebieten das liebste ist. Rebsortenvielfalt, die vielen jungen innovativen Winzer und auch der Umstand, dass ich ein AnhĂ€nger des Naturreservats PfĂ€lzerwald bin, das ich oft bereise, haben ĂŒber die Jahre dazu beigetragen. So lernte ich auch die Weine der Wachtenburger Winzergenossenschaft kennen, die in den Vorjahren ĂŒber Wir Winzer vertrieben wurden. Aber nun, da ALDI-Nord als prominenter Großabnehmer im Rennen ist, sind deren Weine aktuell bei Wir Winzer nicht mehr gelistet. So viel vorweg, bei ALDI dĂŒrfte der Riesling vermutlich nicht billiger sein, als er ĂŒber den anderen Vertriebsweg zu haben gewesen wĂ€re, aber das ist ohnehin nicht die spannendste Frage. Viel wichtiger: Was kann der Wein? FĂŒr mich ist er ein idealer Einsteiger in die Rieslingwelt. Die RebsortentypizitĂ€t ist da und die SĂ€ure alles andere als garstig. Im Duft mineralische Noten, Apfel, Mandarinenzeste und Pfirsich. Im Geschmack saftig und frisch mit leichten Zitrusnoten.

Besonders neugierig war ich auf den Y Pinot Noir, ein Wein, der von der Cochemer Kellerei Andreas Oster produziert wird. Zugegeben, völlig unvoreingenommen kann ich an Weine aus Übersee nicht mehr herangehen, weil ich immer den CO2-footprint-Aspekt mitdenken muss und es hierzulande wahrlich genug guten SpĂ€tburgunder gibt. Aber bei 4,99 Euro? Alter LandschaftsgĂ€rtner, da geht Ignorieren einfach nicht. Und tatsĂ€chlich prĂ€sentierte sich da ein frischer, blitzsauberer Einsteiger-Pinot-Noir, im Duft mit Noten von roten FrĂŒchten und Schokolade, am Gaumen mit etwas Kirsche und guter LĂ€nge.

Schließlich hatte ich auch noch den 2009er Epulum Rioja Gran Reserva im Glas, der deutlich jugendlicher wirkte als ich erwartet hatte. Der Einsatz neuer statt traditionell alter EichenfĂ€sser in der zwei- bis dreijĂ€hrigen Ausbauphase dieses Riojas, so erfuhr ich, sollen zu seiner guten Struktur und der geradezu jugendlichen Frische beigetragen haben. Im Duft Noten von Pflaume, etwas Vanille und GewĂŒrzen. Im Geschmack sauber mit leichter HolzwĂŒrze und Vanille.

Fazit: Die Weine sind allesamt ohne Fehl und Tadel. Zielgruppe sind hier nicht die Weinfreaks, die es eckig, kantig und unkonventionell mögen, sondern Weintrinker, fĂŒr die beim Weingenuss die Attribute gut und unkompliziert kein Widerspruch sind.

Schließlich darf auch ein Hinweis auf ALDI-SĂŒd nicht fehlen, fĂŒr die VDP-Topwinzer Raimund PrĂŒm, respektive seine Tochter Saskia Andrea, eine fruchtsĂŒĂŸe Riesling SpĂ€tlese aus der renommierten Saar-Lage Ockfener Bockstein bereitgestellt haben, ein Wein dessen Preis mit 15,99 € hochattraktiv kalkuliert ist. Nur mit dem Trinken wĂŒrde ich noch warten. Sein volles Potential wird dieser Wein wohl erst in einigen Jahren entfalten. Aber in den Keller könnte man ihn ja schon mal legen …

Und jetzt werde ich mich wieder mit Ruhe und Hingabe den Weinen aus dem Fachhandel widmen. Und denen, die mir die Winzer meines Vertrauens zum Probieren direkt vor Ort einschenken.

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Dienstag, 17. Oktober 2017

rewirpower-Weintest 2017: Jetzt Probierpakete mit den Siegertropfen sichern

In den 15 Jahren seines Bestehens hat der rewirpower-Weintest immer eine Sache in den Vordergrund gestellt: den interessierten Konsumenten nicht nur Empfehlungen fĂŒr gute Weine an die Hand zu geben, sondern auch zu unterstreichen, dass sich der Weg in den Fachhandel lohnt. Wo es ausgesuchte Weine, kompetente Beratung und nicht zuletzt Gelegenheit gibt, den einen oder anderen Wein selbst zu probieren. Nichts schafft mehr Klarheit darĂŒber, welcher Wein nach dem Kauf das grĂ¶ĂŸte TrinkvergnĂŒgen verspricht als der eigene Geschmack.

Nun gibt es im Ruhrgebiet eine Menge versierter FachhĂ€ndler. Einige wenige landeten mit ihren Lieblingsweinen unter 8 Euro beim rewirpower-Weintest 2017 sogar auf dem Treppchen. Mit der Möglichkeit, Probierpakete bestehend aus den drei besten Rot- und Weißweinen einer qualifizierten Verkostung zu ordern, nimmt der rewirpower-Weintest nach wie vor eine Sonderstellung unter den WeinprĂ€mierungen in Deutschland ein. Eine Möglichkeit, die man als Weinliebhaber nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Und auch wenn der Trend zum Weinkauf per Internet oder beim Discounter vor Ort anhĂ€lt – wir favorisieren weiterhin den persönlichen Kontakt zum FachhĂ€ndler. Deshalb bleibt die Abholung der Pakete vor Ort bei einem der prĂ€mierten HĂ€ndler auch 2017 Teil der Aktion. Denn wo sonst kĂ€me man seinen potentiellen Lieblingsweinen besser auf die Spur?

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Freitag, 06. Oktober 2017

Das war der rewirpower-Weintest 2017: ein FrĂŒhsport fĂŒr Nase und Gaumen.

Die Zahl des Tages lautet: 15. So viele Jahre gibt es ihn jetzt schon, den rewirpower-Weintest, fĂŒr den FachhĂ€ndler aus der Metropole Ruhr und Umgebung ihre besten Weine im Preissegment unter 8 Euro (frĂŒher 6 Euro) in einen Wettbewerb schicken. Im Rahmen einer Blindverkostung, bei der aus verdeckten Weinflaschen probiert wird, ermittelten wir heute wieder die besten zehn Rot- und Weißweine. Entscheidend ist der aktuelle Genusswert und nicht das Reifepotential der Weine, in diesem Preissegment ein zu vernachlĂ€ssigender Aspekt.

Schon mal um 9 Uhr morgens Wein probiert? Also, das ist wirklich FrĂŒhsport der besonderen Art. Und ich kenne mich aus mit Sport. Also zumindest theoretisch. Nach unserem ĂŒblichen BegrĂŒĂŸungsgesprĂ€ch – einige von uns haben sich schon eine Weile nicht gesehen – wird es schnell still im Probenraum, sobald die ersten Weine in die GlĂ€ser fließen. Den Raum konnten wir diesmal im beeindrucken neuen Ambiente des frisch renovierten Sternerestaurants Palmgarden (Spielbank Hohensyburg, Dortmund) beziehen. Gastgeberin Sabrina Koos, Sommeliere und Restaurantleiterin des Hauses, hatte perfekte Vorarbeit geleistet und uns zudem Platz fĂŒr die Testweine in den KlimaschrĂ€nken freigerĂ€umt. Beste Voraussetzungen also sowohl fĂŒr uns als auch fĂŒr die PrĂŒflinge, denen wir zu sechst zu Leibe rĂŒckten. Mit dabei auch in diesem Jahr wieder langjĂ€hriges Stamm- und Fachpersonal, allen voran Christine Dördelmann und Markus Del Monego. Außerdem Oliver Speh, gern gesehener Experte aus MĂŒlheim, und Gastgeberin Sabrina Koos.

Die Stille einer solchen Verkostung wird ĂŒbrigens nur von gelegentlichen SchlĂŒrf- und SpuckgerĂ€uschen unterbrochen. Spucken ist nötig, weil sonst alle Tester schon nach der HĂ€lfte der Probe hackenstramm in den Seilen hingen, was nicht Sinn der Übung wĂ€re. Die Reihe der Weißweine ist aufsteigend alkoholisch sortiert. BegĂ€nne man gleich mit den schweren GeschĂŒtzen, könnte das bei den Weinen mit weniger Alkohol zu Wahrnehmungseinbußen fĂŒhren. Das Feld bei den Weißen war in diesem Jahr stark dominiert von deutschen Weinen, die ĂŒber 70% stellten. Dabei wurden besonders viele Weiß- und Grauburgunder von den HĂ€ndlern eingereicht. Womit die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende auch ein Weißburgunder aus Deutschland auf dem  Treppchen stehen wĂŒrde, hoch war. Und doch landete die heimische Vorzeigerebsorte Riesling auf Platz Eins: 2016er Tandem Riesling vom Weingut Stefan Müller  an der Saar (eingereicht von der Weinhandlung Lapinski in Wuppertal). 2. Platz fĂŒr den 2016er Weißer Burgunder Classic vom Weingut Genheimer Kitz an der Nahe (eingereicht von der WeinMühle, Datteln) und auf dem 3.Platz landete der 2016er Grauburgunder vom Weingut Landerer aus Baden (eingereicht von Feinkost Hedtstück, Gevelsberg).

Bei den Rotwein war es – wie auch schon in den letzten Jahren – schwieriger, das Feld zu sondieren. Im Preissegment bis 8 Euro einen wirklich starken Roten auf die Flasche zu bringen, stellt sich fĂŒr viele Winzer offensichtlich als nicht ganz so leichtes Unterfangen heraus. Ja, wir sind da pingelig. Bei drei Weinen mussten wir zum Vergleich sogar die Konterflaschen bemĂŒhen, da wir beim Testen Korkfehler ausgemacht hatten. WĂ€hrend die Weißweine zu ĂŒber 90% mit Schraubverschluss versehen waren, bot sich bei den Roten ein ganz anderes Bild. Nur 20 Prozent hatten Schraubverschluss. Markus Del Monego machte uns darauf aufmerksam, dass es in einigen europĂ€ischen WeinanbaulĂ€ndern Pflicht sei, den Flaschenhals zu verstopfen, will man seine Klassifizierung nicht verlieren. Ein Unding, eigentlich. Am Ende staunten wir nicht schlecht, dass alle drei erstplatzierte Rote mit Schrauber verschlossen waren. Und so sah es auf dem Treppchen aus:

1. 2015er Cabernet Sauvignon Shiraz, SĂŒdafrika,Produzent: Simonsig (eingereicht von Der Weinhof, Herne)
2. 2016er SpĂ€tburgunder, Produzent: Weingut Landerer (eingereicht von: Feinkost Hedtstück, Gevelsberg)
3. 2016er SpÀtburgunder, Produzent: Lukas Kesselring (eingereicht von: Die Bodega, Castrop-Rauxel)

Alle weiteren Sofort-Ergebnisse hier. Weitere Infos folgen.

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Donnerstag, 07. September 2017

Weinlese in Bierstadt Dortmund: Am Phoenixsee werden Oechsle gewogen

Zugegeben, es braucht Fantasie, sich das bierbauchige Ruhrgebiet als Weinbauregion vorzustellen. Dabei ist der Anfang lĂ€ngst gemacht. An einem SĂŒdhang in der NĂ€he des Phoenixsees, bewĂ€ssert aus der einstigen Vorzeigekloake der Republik, der Emscher, wird dieser Tage wieder Wein geerntet. ‹‹Die Emschergenossenschaft begann im Mai 2012 damit, auf drei FlĂ€chen von jeweils 50 Quadratmetern 23 Rebzeilen mit je 4 Pflanzen zu pflocken (der kompottsurfer berichtete). Insgesamt 92 Rebstöcke, an der Treppenanlage zur Bellevue-Aussichtsplattform am Nordufer des Phoenix Sees gelegen. Warum ausgerechnet 92?  Es könnte mit der angebauten Rebsorte zu tun haben, die ausgerechnet „Phönix“heißt und 1992 Sortenschutz erhielt. Eine Kreuzung aus Bacchus und Villard Blanc, die einen Hieb Winterfrost vertragen kann und außergewöhnlich resistent ist gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau. Die international renommierte Forschungsanstalt fĂŒr Weinbau in Geisenheim unterstĂŒtzt die auf Wasserwirtschaft spezialisierte Emschergenossenschaft bei dem nur auf den ersten Blick kurios wirkenden Versuchsprojekt.

Denn schon seit vielen Jahren ist klar, dass der Klimawandel auch die Welt des Weinbaus grundlegend verĂ€ndern wird. Ein Prozess, der bereits im vollen Gange ist. Das belegen Aufzeichnungen zahlreicher Winzer, deren Betriebe bereits seit ĂŒber 200 Jahren Temperaturdaten sowie die Zeitpunkte von Austrieb, WeinblĂŒte, Reifeprozess der Trauben sowie Lese aufzeichnen. Allein in den letzten 20 Jahren hat sich vielerorts der Lesebeginn durchschnittlich um eine Woche nach vorne verschoben. In Zukunft wird es auch in nördlichen Regionen möglich sein, in grĂ¶ĂŸerem Maße Wein anzubauen.

Nun sind KlimaverĂ€nderungen nicht immer vom Menschen gemacht.  Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert, in der sogenannten Mittelalterlichen Warmzeit, war es tief im Westen schon einmal wĂ€rmer als ĂŒblich. Erdgeschichtlich betrachtet also erst ein Wimpernschlag her. In dieser Zeit wurde auch im Ruhrgebiet Wein angebaut. Ausgerechnet am Remberg in Dortmund-Hörde, also unweit des Phoenixsees, hat ein grĂ€flicher Weingarten gestanden, wie alte Urkunden belegen.‹‹ Als Folge der KlimaerwĂ€rmung werden auf den Weinbau in Deutschland aber nicht nur geographische VerĂ€nderungen zukommen. Auch der Rebsortenspiegel wird sich ĂŒber die nĂ€chsten Jahrzehnte verĂ€ndern. Experten wie der Direktor am Max-Plank-Institut fĂŒr Meteorologie in Hamburg, Hartmut Graßl, empfehlen den Winzern deshalb experimentierfreudig zu sein und eine behutsame Neuausrichtung zu wagen, die Raum lĂ€sst fĂŒr den Anbau ortsunĂŒblicher Rebsorten. Auch der Riesling war nicht immer die unangefochtene Hauptrebsorte in Deutschland. Noch 1972 lag der GrĂŒne Silvaner bei den AnbauflĂ€chen nahezu gleichauf, wogegen der MĂŒller-Thurgau sogar 20 Prozent mehr AnbauflĂ€che als der Riesling beanspruchte.

Aber zurĂŒck zur Rebsorte Phönix, dessen prĂ€gnantestes Geschmacksmerkmal das Muskataroma ist sowie eine frische, krĂ€ftige SĂ€ure. Gerade wird in Dortmund der 2017er Jahrgang geerntet. Das Mostgewicht taxiert der zustĂ€ndige Projektleiter Helmut Herter auf 70° Oechsle, womit sich ein natĂŒrlicher Alkoholgehalt von etwa 9 Vol% erzielen lĂ€sst. Nach der Lese werden die Trauben ins PfĂ€lzische Duttweiler transportiert und dort im Weingut Mohr-Gutting vinifiziert.

Dortmund ist aber nicht der einzige Ort im Ruhrgebiet, wo mit der neuen Rebsorte experimentiert wird. Auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig stehen die Rebstöcke sogar schon etwas lĂ€nger – zu Ausbildungszwecken fĂŒr den gastronomischen Nachwuchs. Wird wohl Zeit, im Paragraphen 3 des Deutschen Weingesetzes ein neues Anbaugebiet verankern zu lassen: Ruhr.

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Freitag, 25. August 2017

Kein Witz: Der Staat kann auch Dinge richtig machen. Zum Beispiel in Sachen Wein.

Bevor mich Heerscharen von Winzern einem Shitstorm aussetzen, weil allein die Überschrift sie schon in Wallung bringt, möchte ich beschwichtigen und betonen, dass es hier um einen Einzelfall geht, der seinen Ursprung im Jahr 1970 hat.

Auf den Weg in den Kurzurlaub machten wir eine Stop in Neustadt an der Weinstraße. Dort ist das Staatsweingut mit Johannitergut zu Hause. Das Johannitergut, Ă€ltester Weinbaubetrieb der Pfalz und von 1290 bis 1970 im Besitz des Johanniterordens, wurde 1970 vom Land Rheinland-Pfalz ĂŒbernommen und mit dem Staatsweingut der damaligen Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt fĂŒr Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau vereinigt. MinisterprĂ€sident damals ĂŒbrigens, in seinem ersten Amtsjahr: Helmut Kohl. Aber das nur am Rande.

Heute firmiert der Betrieb als Staatsweingut mit Johannitergut. Interessant ist, dass hier Traditionspflege und Weinforschungsgeschichte eine selten anzutreffende Verbindung eingehen, da der Lehr- und Versuchsbetrieb des Staatsweingutes auch schon bis ins 16. Jahrhundert zurĂŒckgeht. KurfĂŒrst Johann Casimir hatte damals fĂŒr seine Lieblingssorte „GĂ€nsfĂŒĂŸer“ eine eigene Pflanzungsverordnung erlassen. Diese Rotweinsorte, andernorts lĂ€ngst verschwunden, wird im Staatsweingut mit Johannitergut weiterhin gepflegt und vor dem Aussterben bewahrt. Älteste Einzellage des Hauses und zudem kleinste Lage der Pfalz ist der Mußbacher Johannitergarten. Weitere bekannte Lagen wie die Mußbacher Eselshaut und der Deidesheimer Herrgottsacker zĂ€hlen ebenfalls zum Grundstock des Betriebs, der jĂ€hrlich acht bis zehn Auszubildenden aus dem dualen Studiengang B.Sc. Weinbau und Oenologie PraxisnĂ€he vermittelt.

Ja, es sind all’ diese Dinge, die mich neugiegig auf einen Besuch vor Ort gemacht haben, nachdem mich der ĂŒberaus barmherzig kalkulierte 2015er Riesling vom Deidesheimer Herrgottsacker bei einer Verkostung geradezu verzĂŒckt hatte. So viel WeinqualitĂ€t fĂŒr so wenig Geld, das gefĂ€llt. Nach der Probierrunde vor Ort ist die Liste der Lieblinge noch lĂ€nger geworden, was auch daran liegt, dass die Stilistik eher klassisch gehalten ist, die Weine nicht durch ĂŒbermĂ€ĂŸige Alkoholisierung aufgemotzt wirken.

Und so liegen nun ein paar Kisten im Kofferraum, und ich fahre mit dem guten GefĂŒhl nach Hause, dass diesmal der Staat nicht mich, sondern ich den Staat angezapft habe. Und das total legal.

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