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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Die MĂ€r vom unschlagbar gĂŒnstigen Discounter-Wein und die Besonderheit des rewirpower-Weintests.

Der 16. rewirpower-Weintest ist ein paar Wochen vorbei, die Probierpakete mit den Siegern sind zusammengestellt (hier kann man ordern), und wie jedes Jahr werde ich von unterschiedlichen Leuten gefragt, ob denn die FachhĂ€ndler mit ihrer Weinauswahl – gleiches QualitĂ€tsniveau vorausgesetzt – nicht deutlich teurer seien als die Discounter, deren Angebote in den letzten Jahren, das ist unbestritten, besser und besser geworden sind.

Ich hole dann gerne etwas aus, wie das so meine Art ist. Und verweise auf meine Ursprungsidee zum rewirpower-Weintest. Es beginnt damit, zu erklĂ€ren, dass wir aus einem schier unerschöpflichen Reservoir Roter und Weißer die ganz besonderen Tropfen herauspicken wollen. Weine aus einem fĂŒr viele Konsumenten erschwinglichen Preissegment, die aktuell besonders hohen Trinkgenuss bieten. Die Vorauswahl treffen FachhĂ€ndler aus der Region. Sie suchen aus ihrem Angebot Weine unter 8 Euro Verkaufspreis heraus, denen sie gute Chancen einrĂ€umen, unsere kritische Expertenjury zu ĂŒberzeugen. Seit 15 Jahren stellen wir die besten drei Roten und Weißen zu einem Probierpaket zusammen, das online bestellt, aber nur vor Ort beim beteiligten FachhĂ€ndler abgeholt werden kann. Warum das so ist, hat mit der Ursprungsidee zu tun. NĂ€mlich, es auch Einsteigern leichter zu machen, Weine nach ihrem Geschmack zu finden, was mit dem Probierpaket schon recht gut funktioniert. Langfristig betrachtet aber noch besser ist, wenn man seine Weine eben nicht hauptsĂ€chlich im Supermarkt sondern beim regional ansĂ€ssigen FachhĂ€ndler kauft. Wo probiert werden kann und kundig beraten wird. Diesen Weg zu ebnen, auch dafĂŒr ist der rewirpower-Weintest gedacht. Die Idee mit den Probierpaketen haben lĂ€ngst auch große Zeitungen und Magazine ĂŒbernommen. Vollkommen uneitel könnten wir sagen: Oft kopiert, nie erreicht.

Als wir die Idee 2003 in die Tat umsetzen, war das Ganze noch ein Projekt mit ungewissem Ausgang. Und eine große Herausforderung. Nicht zuletzt organisatorisch. Man bringe die Weine von sechs FachhĂ€ndlern aus dem Ruhrgebiet und Umgebung in eine Kiste und stelle sicher, dass auch an jedem Abholort die nötige Anzahl Vorbestellungen abrufbereit ist. Was bis heute tatsĂ€chlich unerreicht ist bleibt der Umstand, dass da ein Expertenteam Jahr fĂŒr Jahr vorausgewĂ€hlte FachhĂ€ndlerweine in einer Blindverkostung auf ihren Genusswert prĂŒft und aus den besten davon eine Probierkiste zusammenstellt. Da spielt eben nur geprĂŒfte QualitĂ€t eine Rolle und keine Verkaufsstrategie, irgendwelche ĂŒberschĂŒssigen BestĂ€nde unterzubringen.

Nun steht aber immer noch die Frage im Raum, ob Weine beim Discounter grundsĂ€tzlich gĂŒnstiger zu haben sind als beim FachhĂ€ndler. Ganz unabhĂ€ngig vom Umstand, dass man bei Letzterem probieren kann. KĂŒrzlich machte ich – und das zum wiederholten Mal – die Erfahrung, dass der gleiche Wein beim FachhĂ€ndler gĂŒnstiger ist als beim Discounter. Namen tun nichts zur Sache. Aber es ging um die Liebfraumilch des PfĂ€lzer Weinguts Hammel. Eine restsĂŒĂŸ ausgebaute WeißweincuvĂ©e aus 2017, die beim FachhĂ€ndler 5,95 Euro kostete und bei einem namhaften Discounter zeitgleich fĂŒr 6,99 Euro im Regal stand. Das sind stattliche 17% mehr.

Und die Moral von der Geschicht? Unschlagbar gĂŒnstig ist das nicht.

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Montag, 24. September 2018

16. rewirpower-Weintest: So findet man die besten Tropfen unter 8 Euro.

Weine verkosten ist Arbeit. Auch wenn das niemand glauben mag, der nicht selbst schon vor einer langen Reihe neutral verpackter Flaschen gestanden, und deren Inhalt, Buddel fĂŒr Buddel, kritisch schmeckend ĂŒber die Zunge hat gleiten lassen, um schließlich aus jedem Schluck einen Spuck zu machen und ein Maul voll Wein in einen KĂŒbel zu speien. Andererseits: Dem kompottsurfer kam zu Ohren, dass es sogar noch hĂ€rtere Arbeit geben soll. Schwer zu glauben, aber auszuschließen ist das natĂŒrlich nicht. Also wollen wir mal nicht meckern, wir Tester.

Wie auch immer, die Arbeit fĂŒr heute ist getan. Dreißig FachhĂ€ndler aus dem Ruhrgebiet und Ungebung hatten ihre besten Rot- und Weißweine unter 8 Euro fĂŒr den Wettbewerb angemeldet, bei dem es jeweils nur drei aufs Podest schaffen konnten. Beim Weißwein kamen Zweidrittel der eingereichten Flaschen von Winzern aus Deutschland, bei den Roten war die Verteilung zwischen Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich nahezu ausgeglichen, dazu gesellten sich, unter anderem, Kreszenzen aus Österreich und Portugal.

Was uns am meisten erstaunte, war die Tatsache, dass es bei den Weißweinen weniger qualitative Ausreißer nach oben gab als in den Vorjahren. Ob es am geringen Ernteertrag des Jahrgangs 2017 lag, der hauptsĂ€chlich eingereicht worden war, und der möglicherweise auf das QualitĂ€tsniveau in der untersuchten Preiskategorie insgesamt durchgeschlagen ist, darĂŒber können wir nur mutmaßen. Da aber auf den vorderen PlĂ€tzen trotzdem ĂŒberzeugende Weine aus 2017 landeten, zeigt das: Der Jahrgang hat auch im Preissegment unter 8 Euro etwas zu bieten. Wobei ganz oben auf dem Podest ein Wein aus Spanien steht.

Bei den Rotweinen gab es in diesem Jahr weniger Ausreißer nach unten als in den Vorjahren, was uns natĂŒrlich gefreut hat. Auch abzulesen an den Bewertungen der Tester fĂŒr die einzelnen Weine. Der Sieger bekam durchweg von allen Testern die höchste Bewertung. Hinten raus, zwischen Platz 5 und 15, ging es deutlich enger zu. Das Rennen machten schließlich zwei SpĂ€tburgunder, weil es einfach die Rotweine mit dem aktuell höchsten Trinkgenuss sind. Gefolgt von einer CuvĂ©e aus dem Roussilion.

Unsere AnsprĂŒche sind hoch, das geben wir gerne zu. Und auch deshalb ist es Arbeit, aus einer Reihe Weine mit Ă€hnlicher Charakteristik die Perlen herauszufischen. Manche Weine prĂ€sentieren sich im Geruch reizvoll, verflachen aber am Gaumen völlig. Andere wirken in der Nase verschlossen, entfalten sich dann aber ĂŒber den Gaumen. Wir suchen Weine, die von vorne bis hinten reizvoll sind. Wo Alkohol, SĂ€ure und FruchtsĂŒĂŸe gut eingebunden sind, TypizitĂ€t und Charakter erkennbar werden. Weine, wo das Trinken einfach Spaß macht. Die Korkfehler haben aufgrund der zunehmenden Schraubverschlussung der Weine in diesem Preissegment deutlich nachgelassen, kein Vergleich mehr zu den Anfangsjahren des rewirpower-Weintests, wo wir uns oft von mehr als einer handvoll Weine die Konterflaschen ziehen mussten.

Bedanken möchte mich ausdrĂŒcklich beim Gastgeber, Knut Hannappel, der sein Restaurant Hannappel in Essen-Horst als Probenort zur VerfĂŒgung stellte (wo man ĂŒbrigens hervorragend tafeln kann), und natĂŒrlich bei meinem geschĂ€tzten Verkostungsteam, Christine Dördelmann und Sabrina Koos, Markus Del Monego und Oliver Speh sowie Hannappel-KĂŒchenchef Tobias Weyers.

Und nun, tÀtÀ, die Ergebnisse (wer die Siegerweine im Probierpaket ordern möchte, bitte hier entlang):

Rotweine

1. 2015er Sasbacher Rote Halde SpÀtburgunder, Sasbacher Winzerkeller eG
2. 2016er Landerer SpÀtburgunder, Weingut Landerer
3. 2015er Dona Baissas, Dona Baissas
4. 2017er Castillo de Monte La Reina Joven, Monte La Reina
5. 2014er Salice Salentino Anticaia, Cantina San Donaci
6. 2017er Les Courtines, Caves de Cruzy
7. 2015er Mascoloso Appassimento Rosso del Veneto, Mascoloso, Terre di Campo Sasso
7. 2015er Altos de la Hoya Jumilla D.O., Bodegas Olivares
9. 2017er Cantina Due Palme Sangaetano Primitivo di Manduria Apulien, Cantine Due Palme
10. 2016er Appassionante, Ca’del Sette SrL
10. 2015er La Legua Roble, Bod. La Legua

Weißweine

1. 2017er Falcata Blanco, Pago Casa Gran
2. 2017er GewĂŒrztraminer DĂŒrkheimer Nonnengarten, Winzer EG Herrenberg-H. Bad DĂŒrkheim
3. 2017er Lecker Weiss, Weingut Mack
4. 2017er UBY No. 1, Domaine Uby
5. 2017er Bischoffinger Weißer Burgunder BB, Winzergenossenschaft Bischofflingen
5. 2017er Hochdörffer Weißburgunder Riesling trocken, Weingut Hochdörffer
7. 2017er Scheurebe von Simon MĂŒller-Oswald, Simon MĂŒller-Oswald
8. 2017er Grauburgunder, Matthias Gaul
9. 2015er Falkenstein, DĂŒrnberg Fine Wine GmbH
10. 2017er Le Rune Bianco di Custoza, Cantine Aldegheri

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Mittwoch, 22. August 2018

Neue Rebsorten braucht das Land. Ein Besuch bei Winzertalent Hendrik Schweder.

Bei mir geht Urlaub nur mit Wein. Und mit Laufen. Und Wandern. Wenn meine GrĂ€ten es denn hergeben. FĂŒr so eine Kombination wie geschaffen ist das Naturreservat PfĂ€lzer Wald. Anspruchsvolle, felsige Pfade auf der einen Seite und eine vielfĂ€ltige Weinlandschaft abseits des Waldes auf der anderen.

Als ich im MĂ€rz dieses Jahres im Rahmen der DĂŒsseldorfer Fachmesse ProWein den PfĂ€lzer Jungwinzer Hendrik Schweder an einem Stand entdeckte und mich durch seine Kollektion probierte, war klar: Beim nĂ€chsten Trip in die Pfalz wĂŒrde ich seinem Betrieb einen Besuch abstatten. Am letzten Wochenende klappte das auch. Nur stand bei der Anfahrt auf das im Örtchen Hochstadt gelegene Weingut erstmal ein großer Reisebus im Weg. Einfahrt in die Straße zu Schweders Domizil unmöglich. Wie sich spĂ€ter herausstellte, war eine Gruppe von 40 Weinfreunden aus Schweden mit diesem GefĂ€hrt unterwegs, die jedes Jahr Touren durch europĂ€ische Anbaugebiete machen. Dort besuchen sie Winzer und packen den Bus randvoll mit Wein fĂŒr den Genuss daheim. In Hochstadt machte die Gruppe nun Zwischenstop auf dem Weg ins Elsass. Aber wie kommen 40 Schweden auf den Gedanken, einen (noch) eher unbekannten Weinbaubetrieb in der Pfalz zu besuchen, die doch so viele große Winzernamen zu bieten hat? Nun, einer aus der Truppe hatte Hendrik Schweder bei der Traditionsveranstaltung Wein am Dom in Speyer kennengelernt und seine GefĂ€hrten ĂŒberzeugen können, ihn bei ihrem nĂ€chsten Trip nach Deutschland aufzusuchen.

Sicher war diese Entscheidung nicht nur dem Umstand geschuldet, dass zwei Weine in Schweders Sortiment unter der Bezeichnung Alter Schwede(r) firmieren. Der Stoff ĂŒberzeugt einfach. Hendrik Schweder ist nach Ausbildung, Oenologie-Studium sowie Auslandsaufenthalten in Frankreich, Kalifornien und Österreich in den elterlichen Betrieb eingestiegen, der nun nach und nach erweitert wird. Nachhaltigkeit und UmweltvertrĂ€glichkeit sind ihm ein besonderes Anliegen, deshalb pflegt er nicht nur die Flagschiffe unter den heimischen Rebsorten, Riesling und SpĂ€tburgunder, sondern auch NeuzĂŒchtungen wie Cabernet Blanc. „Wir wollen mit so wenig Pflanzenschutzmitteln wie möglich auskommen, und einige neue PIWI-Rebsorten helfen dabei“, sagt Schweder. PIWI steht fĂŒr PilzwiderstandsfĂ€higkeit. PIWI International fĂŒr eine Arbeitsgemeinschaft, die im Jahre 2000 in der Schweiz mit dem Ziel gegrĂŒndet wurde, die Entwicklung solcher Sorten voranzubringen und Erfahrungsaustausch unter den Winzern zu pflegen. Bekannteste heimische PIWI-Rebsorte ist der Regent, entwickelt in den 1960er Jahren. Im Erprobungsanbau ist bei den Schweders auch eine weiße Rebsorte, die noch den sperrigen Forschungsnamen CAL 604 trĂ€gt, aber wohl bald „irgendwas mit Blanc“ heißen wird, wie Hendrik Schweder spekuliert. Und der sich sichtlich darĂŒber freut, wie wenig er bei dieser Rebsorte gegen Pilzbefall tun muss. Irgendwas mit Blanc ist in der Weißwein-CuvĂ©e Alter Schwede(r) zusammen mit anderen weißen Rebsorten des Hauses verschnitten. FĂŒr meinen Geschmack ein Alltagsweißwein im besten Sinne mit Frische, Frucht und Mineralik, aber vor allem einer guten Portion TypizitĂ€t.

Einen Besuch im alten Weinkeller gab‘s auch noch. Hendrik Schweder prĂ€sentierte dort unter anderem alte HolzfĂ€sser, die sein Großvater mal gebaut hatte und die jetzt nur noch Zierwert haben. Gleich gegenĂŒber wird es irgendwann einen Durchbruch zum benachbarten GebĂ€ude geben, das vor Kurzem von den Schweders ĂŒbernommen wurde und die Möglichkeiten der Weinverarbeitung vor Ort erheblich verbessern sollen.

NatĂŒrlich lassen sich solche Auf- und UmbrĂŒche nicht im Alleingang wuppen. Im schwederschen Familienbetrieb sind auch noch Frau und Eltern im vollen Einsatz. Man darf gespannt sein, wie sich das Weingut in Zukunft entwickelt. Wenn ich mir das Engagement und die Freude an der Arbeit bei Hendrik Schweder so ansehe – es kann nur eine erfolgreiche werden.
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Montag, 30. April 2018

Cabernet Blanc: Eine neue Rebsorte mischt Deutschlands Weinlandschaft auf

Zugegeben, es wĂ€re schon gewaltig ĂŒbertrieben, aus der interessanten NeuzĂŒchtung Cabernet Blanc einen Kandidaten fĂŒr die Spitzenposition im heimischen Rebsortenspiegel zu machen. Der wird bei den AnbauflĂ€chen fĂŒr Weißwein in Deutschland weiterhin angefĂŒhrt vom Riesling, dahinter kommen – mit großem Abstand – MĂŒller-Thurgau, Grauburgunder und Silvaner. Aber wer weiß. Auch der Riesling war nicht zu allen Zeiten die dominierende Rebsorte hierzulande. Und je wĂ€rmer und feuchter es bei uns durch zu befĂŒrchtende KlimaverĂ€nderungen der kommenden Jahre vielleicht wird, umso besser wĂ€ren Winzer mit einer Rebosrte wie Cabernet Blanc aufgestellt. Bis dahin nehmen wir Cabernet Blanc als das was es ist: eine spannende Erweiterung des Angebots.

Offen gestanden hatte ich beim ersten Blick auf ein Flaschenetikett mit der Aufschrift Cabernet Blanc angenommen, es handele sich um eine spezielle Variante des Blanc de Noir, einem aus roten Traubensorten gekelterten Weißwein. In diesem Fall also um einen aus Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc hergestellten Weißen. Im Glas sah der Wein aber erstaunlich weiß aus, er hatte nichts von der ĂŒblichen grau-rosa-farbenen Optik, die ich von Blanc de Noirs kannte. Dank Smartphone mit Intenetanbindung gab es schnell Klarheit, dass es sich beim Cabernet Blanc tatsĂ€chlich um eine neue Rebsorte handelt, die in der PfĂ€lzer Rebschule Freytag im Versuchanbau war und von dort 2010 zur Klassifizierung angemeldet wurde.

Seither wagen sich einige Winzer der Region an diese weiße Kreuzungsvariante auf Basis des Cabernet Sauvignons, deren StĂ€rke die Resistenz gegen Pilzbefall ist. Jungwinzer Hendrik Schweder, Absolvent der Hochschule in Geisenheim und im Familienbetrieb verantwortlich fĂŒr den An- und Ausbau der Weine, ist einer, der Cabernet Blanc im Bestand hat. Und ich muss sagen, dass mich die von ihm aus Rebsorte und Boden gezogene Stilistik beeindruckt hat. Spontan war ich versucht zu sagen, es sei eine deutsche Version des Sauvignon Blanc, was reichlich bescheuert klingt, weshalb ich mir im Probierkreis auch auf die Zunge gebissen habe. Was ich meine ist, dass mir da kein knalliges Fruchtbonbon Nase und Mund attackierte, sondern sich ein von wĂŒrzigen und vegetabilen Noten durchzogenes Aromanbild entfaltete, dass umgeben war von dezenter Frucht wie Schwarze Johannisbeere und gerĂ€ucherte Paprika erkennen ließ. Dieser Wein hatte nichts von der Austauschbarkeit diverser gĂ€ngiger Weißweine, denen mit Aromahefen ein standardisiertes Geschmacksbild verpasst wurde. Dieser Wein wirkt eigenstĂ€ndig.

Hendrik Schweder wird mit seiner Kollektion schon in KĂŒrze im Ruhrgebiet zu erleben sein. Zum wiederholten Mal tritt er als einer von ĂŒber 30 Winzern bei der Bochumer Veranstaltung Weine vor Freude an, einer dreitĂ€gigen Publikumsmesse zum Thema Wein, die in der Rotunde des alten Katholikentagsbahnhofs abgehalten wird. Los geht’s am 24. Mai. Hingehen sollte sich lohnen. Nicht nur wegen Schweder.

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Montag, 09. April 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (III).

Cheers Mr. Koegelenberg! Foto: Martina Katz

Dem aufmerksamen Leser wird das Fehlen von SĂŒdafrika in meinem bisherigen ProWein2018-RĂŒckblick nicht entgangen sein. Hat ein bisschen gedauert, weil, ja weil … ich war Ostereier suchen. Aber jetzt berichte ich gerne von meiner Begeisterung fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine, die schon eine Weile anhĂ€lt und auf der ProWein, dank Melanie und Martina von Geradeaus Kommunikation, weiter angeheizt wurde. Grund dafĂŒr ist das von den beiden eingefĂ€delte Zusammentreffen mit Hein Koegelenberg CEO von La Motte Wine Estate. Mein Interesse fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine war ĂŒber die Jahre durch ein anhaltend ĂŒberragendes Preis-LeistungsverhĂ€ltnis gewachsen, das Rote wie Weiße vom Kap so liebenswĂŒrdig machen. Stellvertretend fallen mir da Weingut Kaapzicht, Allesverloren, Mullineux & Leeuw, The Sadie Family und Laibach ein.

Mit La Motte hatte ich noch keine Bekanntschaft machen können, was sich als VersĂ€umnis herausstellte als ich mit Hein Koegelenberg zusammentraf und mit ihm eine Auswahl seiner Weine probierte. Das Weingut liegt im Franschhoek Valley, in der Gemeinde Stellenbosch, Distrikt Cape Winelands. Es beherbergt ein ĂŒberregional bekanntes Restaurant sowie eine Museum. Erstaunlich, wie filigran und strukturiert sich die Weine prĂ€sentierten. Wer sĂŒdafrikanische Weine gedanklich als Alkoholbomben abgespeichert hat, muss spĂ€testens beim Genuss der Kollektion von La Motte umdenken. Die Weine sind allesamt zurĂŒckhaltend im Alkohol, bieten guten Trinkfluss und eine Mineralik, die verfĂ€ngt. Hein Koegelenberg verriet mir, mit welcher Strategie sie an die Bewirtschaftung der RebflĂ€chen herangehen. Exakte Bodenanalysen sowie die BerĂŒcksichtigung des Mikroklimas bilden die Basis fĂŒr die Anbaustrategie. Reben und Böden mĂŒssen bestmöglich miteinander harmonieren können, um außergewöhnliche Terroir-Weine entstehen zu lassen. Bevor man irgendwo neu bestockt oder AnbauflĂ€che kauft, wird ganz genau hingeschaut.

Syrah, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Co. stehen also genau da, wo sie hingehören. Selten habe ich einen so mineralischen Sauvignon Blanc getrunken wie den 2017er von La Motte, was umso erstaunlicher ist angesichts seiner Jugend. Zu meinen absoluten Favoriten zĂ€hlte der 2015 Pierneef Syrah Viognier, eine spannende CuvĂ©e mit pfeffrigen und floralen Noten, dezenter HolzwĂŒrze, einer guten Struktur und einem Finale, das erfreulich lange anhĂ€lt. Mit 13,5 Vol% Alkohol bei nur 3 g/l Restzucker ist der Pierneef ein anspruchsvoller Wein der als Solist Spaß macht, gleichwohl sehr gut als Speisenbegleiter taugt.

Ich hatte ĂŒber die gesamte Kollektion von La Motte gesehen ĂŒberhaupt nicht Eindruck, es mit einer international austauschbaren Stilistik fĂŒr einen Massenmarkt zu tun zu haben. Und doch sind die Weine nicht so kompliziert, dass nur Freaks ihre Freude daran haben können. Im Gegenteil, sie sind ungemein trinkig.

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Donnerstag, 29. MĂ€rz 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (II).

Was bei der Messe ProWein am meisten Freude bringt sind die Entdeckungen. Unbekannte, persönlich noch nicht erschlossene Weinregionen, junge Winzertalente, neue Rebsorten. Davon gibt es mehr als genug im Rahmen einer Veranstaltung mit fast 7.ooo internationalen Ausstellern (siehe auch Teil I).

In meinem Messeprogramm gesetzt ist immer der Besuch eines Weinguts, das im vergangenen Jahr beim rewirpower-Weintest zu den besten zĂ€hlte. Im Herbst 2017 sorgte das Weingut Landerer fĂŒr Furore, weil es gleich mit zwei Weinen einen Podestplatz schaffte. Es war ein angenehmer Besuch am Stand, der mit einer fĂŒr mich sehr erheiternden Entdeckung endete: Das Weingut Landerer (Baden) bringt doch tatsĂ€chlich Weine aus der Lage Henkenberg auf die Flasche. Der Henkenberg ist die höchste natĂŒrliche Erhebung meiner Heimatstadt Bochum und ist eines meiner liebsten Trainingsreviere, wenn es darum geht, mich fĂŒr Ultramarathons im Hochgebirge in Form zu bringen. Gute Form hatte auch der 2015er SpĂ€tburgunder Henkenberg Trocken, den ich probierte. In der Nase Noten von Kirsche, Zwetschge, etwas Cassis und angenehm frische SĂ€ure. Obwohl der Wein noch nicht so lang auf der Flasche ist, machte er schon richtig Spaß. Da das von mir sehr geschĂ€tzte Weingut Salwey ebenfalls Rebstöcke in der Lage Henkenberg hat, und auch die Winzergenossenschaft Oberrottweil, werde ich vielleicht mal eine Henkenberghorizontale machen. Wo ich doch sonst immer vertikal am Henkenberg unterwegs bin.

Aber zurĂŒck zur SĂŒdpfalz. Da entdeckte ich im Kreis der Generation Riesling, Hendrik Schweder vom Weingut Schweder in Hochstadt. Die Generation Riesling ist ein Verbund von Jungwinzern bis 35 Jahren – ins Leben gerufen vom Deutschen Weininstitut – das Jahr fĂŒr Jahr zehn von ihnen (insgesamt hat die Generation Riesling 580 Mitglieder) Gelegenheit gibt, ihre Weine auf der ProWein zu prĂ€sentieren. Voraussetzung ist, dass sie eine aktuelle Kollektion vorweisen können, die herausragt. Hendrik Schweders Weine taten genau das und ĂŒberzeugten bei der LandesweinprĂ€mierung im vergangenen Oktober.

Im GesprĂ€ch macht Hendrik Schweder sofort den Eindruck eines Jungwinzers, der eine klare Vorstellung davon hat, welche Art von Wein er machen möchte. Möglichst wenig Eingriffe in das Ökosystem Weinberg nimmt er vor, ĂŒberlĂ€sst aber beim GĂ€rungsprozess nicht alles dem Zufall. So setzt er zwar Weinberghefen ein, steuert aber gegebenenfalls mit Reinzuchthefen nach, wenn’s sein muss. Wirklich Spaß gemacht hat sein unfiltrierter SpĂ€tburgunder, der im Glas zwar eine gewöhnungsbedĂŒrftige farbliche TrĂŒbung zeigte, in der Nase und am Gaumen aber mit einer vielschichtigen Aromatik verzaubern konnte. Mir hat gefallen, dass er bei allem Engagement fĂŒr Terroir und AuthentizitĂ€t nicht den Eindruck eines Dogmatikers macht sondern offen ist fĂŒr Neues. So prĂ€sentierte er mir einen Roten aus einer neu gezĂŒchteten Rebsorte, um die er sich gemeinsam mit einigen anderen Winzern kĂŒmmert und deren geringe Ertragsmenge in nur wenigen Großflaschen abgefĂŒllt wird. Mal sehen, was daraus wird.

In Sachen Marketing fĂ€llt ihm auch was ein. So heißen einige seiner Weine  Alter Schwede oder Only for best friends. Die meisten mit dem Thema Weinvermarktung befassten Agenturen wĂŒrde das auch nicht besser hinbekommen. Das gesparte Geld kann er also direkt ins Produkt stecken. Und das macht er auch.

Seine Kollektion umfasst ĂŒberwiegend filtrierte Weine, die zur Zeit noch zu einem wahrhaft barmherzigen Preis zu haben sind.
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Freitag, 23. MĂ€rz 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (I).

Machte ich aus der ProWein eine nĂŒchterne Angelegenheit, wĂŒrde ich mich auf die Zahlen beschrĂ€nken, die der Veranstalter am Ende der internationalen Fachmesse in DĂŒsseldorf Jahr fĂŒr Jahr in einer Meldung zusammenfasst: 6.870 Aussteller aus 64 Nationen waren da und haben an drei Tagen ĂŒber 60.000 Fachbesuchern aus 133 LĂ€ndern ihre Kollektionen vorgestellt. Erste Überraschung, jedenfalls fĂŒr mich: Italien fĂŒhrt die Nationenwertung an mit 1.700 Ausstellern, vor Frankreich (1.550) und Deutschland (990). Produzenten aus Übersee waren immerhin mit 700 Ausstellern vertreten. Alles in allem mehr Aussteller und mehr Besucher als im Vorjahr, ein voller Erfolg also, wie Hans Werner Reinhard, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Messe DĂŒsseldorf betont: “Wer die Themen Wein und Spirituosen zu seiner Profession gemacht hat, kommt an der ProWein in DĂŒsseldorf einfach nicht vorbei.” Warum ich an den Spirituosen sehr wohl vorbei bin, hatte ich ja kĂŒrzlich schon erlĂ€utert.

Eine Weinmesse nĂŒchtern zu betrachten macht allerdings keinen Spaß, was nicht heißt, dass man dort als ernsthaft arbeitender Journalist – also echt gezz, kein Grund zu lachen – einen hohen Pegelstand anstrebt. Im Gegenteil. Jeder Probierschluck Wein wurde ordnungsgemĂ€ĂŸ in den Spucknapf befördert, was mir bei so manchem Wein wirklich leid tat. Aber im angetrunkenen Zustand wĂ€re man nun mal nicht mehr in der Lage, beim nĂ€chsten Winzer im Vollbesitz seiner degustatorischen FĂ€higkeiten ins Glas zu schauen und zu probieren.

Mir kam es in diesem Jahr aber so vor, als zĂ€hlte ich zum eher kleinen Kreis der ZurĂŒckhaltenden. Den passenden Slogan zu meinem Eindruck lieferte der Spruch eines jungen Mannes, der sich spĂ€ter als Filialleiter einer bekannten deutschen Einzelhandelskette zu erkennen gab: “Was ist ein Spucknapf?” Nur schwang nicht der Hauch von Ironie bei dieser Frage mit. Er schien mir zur tendenziell hemmungslosen Betankungsgruppe zu gehören, die einen nicht völlig unerheblichen Teil des Publikums ausmachte. Sollte das jetzt irgendwer als Kritik interpretieren – ist nicht so gemeint. Wenn man am Ende einer Weinmesse nicht mit Promille nach Hause gehen darf, wann dann?  Damit gerechnet, dass einige sogar mit Promille Auto fahren wĂŒrden, hatte in jedem Fall die Polizei, denn es wurde von einigen Kontrollen rund um den Messeort berichtet. Angesichts zahlreicher Warmstreiks beim ÖPNV in NRW waren möglicherweise mehr Besucher als sonst ein gewisses Promillerisiko eingegangen.

Ist ja auch verdammt schnell passiert, bei einer Weinmesse aus Versehen betrunken zu werden, zu sein, zu mĂŒssen. Da fĂ€ngt man zum Beispiel morgens mit besten VorsĂ€tzen ernsthaft mit dem Probieren und Spucken an, aber ĂŒber den Tag gesehen landet man dann doch bei zu vielen Edeltropfen, die auszuspucken man nicht ĂŒbers Herz bringt. Ich gehöre durchaus zu dieser GefĂ€hrdungsgruppe, und nicht jedes Jahr komme ich unter 0,8 Promille da raus wie 2018. Deshalb auch generell keine An- und Abreise mit dem Auto. Alkoholisiertes Fahren ist in der Weinszene ĂŒbrigens eine Thema ganz nah am Tabustatus.

Ich vertiefe das aber jetzt nicht, keine Sorge. Die zentrale Frage, die mich vor jeder ProWein beschĂ€ftigt ist die nach dem Programm. Was nehme ich mir vor? Zu viel ist immer schlecht, weil das frustet, wenn man nur einen Teil des Plans schafft. Deshalb waren fĂŒr dieses Jahr weniger Events und mehr freie Verkostungen geplant. Im Mittelpunkt standen meine Lieblingsregion hierzulande, die SĂŒdpfalz (wegen ihrer Rebsortenvielfalt und der enormen Anzahl engagierter Jungwinzer) sowie SĂŒdafrika, ist doch eine internationale Messe wie die ProWein bestens geeignet, sich einen Überblick ĂŒber dieses immer noch unterschĂ€tzte Weinland zu machen, wo es so viel QualitĂ€t zu barmherzigen Preisen gibt.

Einen idealen Einstieg in den Tag bot die von Markus Del Monego gewohnt eloquent und informativ gestaltete Reise durch die Weinpfalz. Besonders spannend wurde die Probe durch ihre kulinarischen BegleitumstĂ€nde. Jeweils zwei Weine wurden zunĂ€chst solitĂ€r, dann in Kombination mit einer Speise probiert. In guter Erinnerung blieben eine trockene 2016er GewĂŒrztraminer SpĂ€tlese vom Weingut Andres zum Karotten-OrangesĂŒppchen mit Ingwer und eine Chardonnay-Weißburgunder-CuvĂ©e von der Sektkellerei Schreier & Kohn zum Kohlrabi-Bratwurst-Carpaccio. Die Veranstaltung hat mich in meiner Vorliebe fĂŒr Weine aus der Pfalz mal wieder bestĂ€tigt. Da ist weiterhin richtig viel in Bewegung, vor allem im unteren Preissegment. Dazu spĂ€ter in Teil II noch mehr.

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Montag, 05. MĂ€rz 2018

Messegigant ProWein: ÜberflĂŒssiges Kontra im Konzept

Wie es sich fĂŒr eine ordentliche Messevorbereitung geziemt, schaute ich mich kĂŒrzlich auf den Programmseiten der ProWein um, inzwischen die weltweite Nummer Eins unter den Fachmessen in Sachen Wein. Nach so einem Erfolg sah es fĂŒr die Messe anfangs ĂŒberhaupt nicht aus. Ich erinnere mich noch gut an die erste Austragung 1994. Da traf ich bei einer Bordeauxprobe den Bochumer Gastronomen Udo Drews (der spĂ€ter einen Weinhandel aufmachte und vor wenigen Jahren leider verstarb), und beide waren wir der Ansicht, dass die seinerzeit dĂŒrftig besetzte und besuchte Fachmesse zwar eine gute aber wahrscheinlich keine zukunftstrĂ€chtige Idee sein dĂŒrfte. Damit lagen wir reichlich daneben. Heute ist das Welttreffen in Sachen Wein mit Schwerpunkt auf Verkostung aus dem Kalender von Winzern, HĂ€ndlern, Sommeliers und Fachjournalisten nicht mehr wegzudenken.

Mit Erstaunen stelle ich nun fest, dass in den letzten Jahren ProWein immer mehr weinfremde Themen reĂŒssieren. FĂŒr die in wenigen Wochen beginnende ProWein 2018 stellt der Veranstalter nun den interessierten Messebesuchern die Trendthemen des Jahres vor, kommentiert von Experten aus der Szene. Und was finde ich da? Zum Beispiel Whisky und Whiskey – FĂŒr Traditionalisten und Millennials. Und dieses Thema: Kreativbier-Boom – Der Durchbruch der neuen Biervielfalt. Auch zum Aperitif findet sich was.

Man mag es mir als Dogmatismus auslegen, aber du meine GĂŒte, hat die Weinwelt nicht wahrlich genug zu bieten als dass man sie noch mit Schnaps, Bier und sonstigem Gedöns ĂŒberfrachten muss? KĂ€me doch auch keiner auf die Idee, bei einer Fußballweltmeisterschaft ein paar Spiele Polo zu zeigen, nur weil da auch einem Ball hinterhergejagt wird.
Wie auch immer: Ich werde mich vom 18.-20. MĂ€rz wieder nach DĂŒsseldorf begeben und schauen, was es Neues gibt. Und bei der Gelegenheit auch wieder den einen oder anderen Winzer aus der Siegerliste des letzten rewirpower-Weintests besuchen. Dazu dann in 14 Tagen mehr.

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Mittwoch, 06. Dezember 2017

Fremdtrinken bei Deutschlands grĂ¶ĂŸtem WeinhĂ€ndler: Wie Aldi vor Weihnachten mit Aktionsweinen punkten will.

Als bekennender Fan des niedergelassenen Fachhandels könnte ich’s mir einfach machen und sagen: Was kĂŒmmern mich die Weine vom Discounter oder aus dem Supermarkt. Kann ich vor Ort nicht probieren, den Stoff, und Beratung gibt’s auch keine – also uninteressant. Aber wenn man seit ĂŒber zwei Jahrzehnten regelmĂ€ĂŸig Vergleichsproben von FachhĂ€ndlerweinen organisiert, ist es geradezu Pflichtprogramm auszuloten, was ĂŒber die Discounter an den Verbraucher gebracht wird. Meistens tue ich das im stillen KĂ€mmerlein, doch in diesem Jahr mache ich eine Ausnahme, weil allen voran Deutschlands grĂ¶ĂŸter WeinhĂ€ndler ALDI kurz vor Weihnachten mit besonders interessant erscheinenden Aktionsangeboten Aufmerksamkeit generiert. Bei ALDI-Nord geht das einher mit der grĂ¶ĂŸten Umstrukturierung der Firmengeschichte. Das neue Instore-Konzept des Essener Konzerns, der dafĂŒr Investitionen im Milliardenbereich tĂ€tigt, soll den Filialen eine wertigere Ausstrahlung geben. Und das bedeutet eben nicht nur hellere und ĂŒbersichtlichere Ladengestaltung und Abkehr vom gestalterischen Kernelement Europalette, sondern zugleich ein mehr an QualitĂ€t. Seit wenigen Wochen ĂŒbrigens auch bei mir um die Ecke zu besichtigen, in der ALDI-Filiale unweit des Eisenbahnmuseums Dahlhausen.

Drei der probierten Weine aus dem Weihnachtsprogramm verdienen aus meiner Sicht besondere Beachtung:
2016 // Riesling QbA // Pfalz // Wachtenburg Winzer eG // 5,99 €
2016 // Y Pinot Noir // South Island Neuseeland // Weinkellerei Oster // 4,99 €
2009 // Epulum // Rioja Gran Reserva DOC // Bodegas La Catedral // 6,99 €

Es ist kein Geheimnis, dass mir die Pfalz unter Deutschlands Anbaugebieten das liebste ist. Rebsortenvielfalt, die vielen jungen innovativen Winzer und auch der Umstand, dass ich ein AnhĂ€nger des Naturreservats PfĂ€lzerwald bin, das ich oft bereise, haben ĂŒber die Jahre dazu beigetragen. So lernte ich auch die Weine der Wachtenburger Winzergenossenschaft kennen, die in den Vorjahren ĂŒber Wir Winzer vertrieben wurden. Aber nun, da ALDI-Nord als prominenter Großabnehmer im Rennen ist, sind deren Weine aktuell bei Wir Winzer nicht mehr gelistet. So viel vorweg, bei ALDI dĂŒrfte der Riesling vermutlich nicht billiger sein, als er ĂŒber den anderen Vertriebsweg zu haben gewesen wĂ€re, aber das ist ohnehin nicht die spannendste Frage. Viel wichtiger: Was kann der Wein? FĂŒr mich ist er ein idealer Einsteiger in die Rieslingwelt. Die RebsortentypizitĂ€t ist da und die SĂ€ure alles andere als garstig. Im Duft mineralische Noten, Apfel, Mandarinenzeste und Pfirsich. Im Geschmack saftig und frisch mit leichten Zitrusnoten.

Besonders neugierig war ich auf den Y Pinot Noir, ein Wein, der von der Cochemer Kellerei Andreas Oster produziert wird. Zugegeben, völlig unvoreingenommen kann ich an Weine aus Übersee nicht mehr herangehen, weil ich immer den CO2-footprint-Aspekt mitdenken muss und es hierzulande wahrlich genug guten SpĂ€tburgunder gibt. Aber bei 4,99 Euro? Alter LandschaftsgĂ€rtner, da geht Ignorieren einfach nicht. Und tatsĂ€chlich prĂ€sentierte sich da ein frischer, blitzsauberer Einsteiger-Pinot-Noir, im Duft mit Noten von roten FrĂŒchten und Schokolade, am Gaumen mit etwas Kirsche und guter LĂ€nge.

Schließlich hatte ich auch noch den 2009er Epulum Rioja Gran Reserva im Glas, der deutlich jugendlicher wirkte als ich erwartet hatte. Der Einsatz neuer statt traditionell alter EichenfĂ€sser in der zwei- bis dreijĂ€hrigen Ausbauphase dieses Riojas, so erfuhr ich, sollen zu seiner guten Struktur und der geradezu jugendlichen Frische beigetragen haben. Im Duft Noten von Pflaume, etwas Vanille und GewĂŒrzen. Im Geschmack sauber mit leichter HolzwĂŒrze und Vanille.

Fazit: Die Weine sind allesamt ohne Fehl und Tadel. Zielgruppe sind hier nicht die Weinfreaks, die es eckig, kantig und unkonventionell mögen, sondern Weintrinker, fĂŒr die beim Weingenuss die Attribute gut und unkompliziert kein Widerspruch sind.

Schließlich darf auch ein Hinweis auf ALDI-SĂŒd nicht fehlen, fĂŒr die VDP-Topwinzer Raimund PrĂŒm, respektive seine Tochter Saskia Andrea, eine fruchtsĂŒĂŸe Riesling SpĂ€tlese aus der renommierten Saar-Lage Ockfener Bockstein bereitgestellt haben, ein Wein dessen Preis mit 15,99 € hochattraktiv kalkuliert ist. Nur mit dem Trinken wĂŒrde ich noch warten. Sein volles Potential wird dieser Wein wohl erst in einigen Jahren entfalten. Aber in den Keller könnte man ihn ja schon mal legen …

Und jetzt werde ich mich wieder mit Ruhe und Hingabe den Weinen aus dem Fachhandel widmen. Und denen, die mir die Winzer meines Vertrauens zum Probieren direkt vor Ort einschenken.

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Dienstag, 17. Oktober 2017

rewirpower-Weintest 2017: Jetzt Probierpakete mit den Siegertropfen sichern

In den 15 Jahren seines Bestehens hat der rewirpower-Weintest immer eine Sache in den Vordergrund gestellt: den interessierten Konsumenten nicht nur Empfehlungen fĂŒr gute Weine an die Hand zu geben, sondern auch zu unterstreichen, dass sich der Weg in den Fachhandel lohnt. Wo es ausgesuchte Weine, kompetente Beratung und nicht zuletzt Gelegenheit gibt, den einen oder anderen Wein selbst zu probieren. Nichts schafft mehr Klarheit darĂŒber, welcher Wein nach dem Kauf das grĂ¶ĂŸte TrinkvergnĂŒgen verspricht als der eigene Geschmack.

Nun gibt es im Ruhrgebiet eine Menge versierter FachhĂ€ndler. Einige wenige landeten mit ihren Lieblingsweinen unter 8 Euro beim rewirpower-Weintest 2017 sogar auf dem Treppchen. Mit der Möglichkeit, Probierpakete bestehend aus den drei besten Rot- und Weißweinen einer qualifizierten Verkostung zu ordern, nimmt der rewirpower-Weintest nach wie vor eine Sonderstellung unter den WeinprĂ€mierungen in Deutschland ein. Eine Möglichkeit, die man als Weinliebhaber nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Und auch wenn der Trend zum Weinkauf per Internet oder beim Discounter vor Ort anhĂ€lt – wir favorisieren weiterhin den persönlichen Kontakt zum FachhĂ€ndler. Deshalb bleibt die Abholung der Pakete vor Ort bei einem der prĂ€mierten HĂ€ndler auch 2017 Teil der Aktion. Denn wo sonst kĂ€me man seinen potentiellen Lieblingsweinen besser auf die Spur?

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