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Freitag, 20. September 2019

17. rewipower-Weintest: Warum es sinnvoll ist, beim FachhÀndler vor Ort zu kaufen.

Ich bin wirklich stolz auf unsere Jury. Seit 2003 sitzen wir einmal im Jahr beisammen, um Weine von FachhĂ€ndlern aus der Region zu verkosten und die besten auszuzeichnen. In diesem Jahr war Patrick Jabs von lecker werden unser Gastgeber und hat uns 1a Rahmenbedingungen geschaffen, danke Patrick! FĂŒr viele von uns ist die aktuelle Preisgrenze von 8 Euro pro Flasche, die wir beim rewirpower-Weintest festgelegt haben, der untere Bereich dessen, was man so trinkt, wenn man Lust auf eine gute Flasche Wein hat. Andererseits liegt der durchschnittliche Endverbraucherpreis fĂŒr eine Flasche Wein in Deutschland bei 2,19 Euro, wie es das Deutsche Weininstitut in seiner Jahresstatistik ausweist.

Als Weintrinker sollte man also erwarten können, dass ein Wein im Preissegment zwischen 6 und 8 Euro ĂŒberdurchschnittliche QualitĂ€t hat, wenn man schon einen ĂŒberdurchschnittlichen Preis dafĂŒr bezahlt. Nun sind wir Deutschen nicht gerade dafĂŒr bekannt, gerne viel Geld fĂŒr gutes Essen und Trinken auszugeben. Im Gegenteil, Deutschlands Lebensmittelmarkt gilt als der preislich am hĂ€rtesten umkĂ€mpfte unter den Industrienationen der Welt. Und die Doppelmoral feiert Kirmes, weil wir BundesbĂŒrger trotzdem erwarten, dass Lebensmittel und GetrĂ€nke top sind, obwohl man sie fĂŒr Niedrigstpreise erwerben will. Das funktioniert natĂŒrlich nicht, weder bei GemĂŒse, Fleisch und KĂ€se noch bei Wein.

So ist die Preisgrenze von 8 Euro, die wir fĂŒr den rewirpower-Weintest festgelegt haben, Ergebnis der Überlegung, einen Preisbereich in den Blick zu nehmen, der fĂŒr die einen Maximalbetrag, fĂŒr die anderen Einstiegspreis fĂŒr Alltagsweine ist. Unsere Auswahl soll also fĂŒr alle funktionieren, das war und ist immer der Plan. Nun fragen mich immer wieder Leute: Warum testet ihr keine Supermarktweine? Meine Antwort: Weil Weine im Supermarkt oder beim Discounter kaufen keine gute Idee ist, wenn man einen Tropfen finden will, der einem persönlich wirklich schmeckt. Denn dort kann der Kunde nicht probieren und vergleichen. Beim FachhĂ€ndler vor Ort sehr wohl. Mehr noch, er erfĂ€hrt dort etwas ĂŒber den Winzer und unter UmstĂ€nden auch noch, welches Essen zu diesem oder jenem Wein am besten passt. Entscheidend ist doch, dass jeder den Wein seines Geschmacks findet. Und das geht am besten beim FachhĂ€ndler vor Ort. Genau das will der rewirpower-Weintest unterstĂŒtzen.

Sicher gibt es auch den einen oder anderen Wein im Supermarkt, der gut gemacht und fĂŒr unter 8 Euro zu haben ist. Aber so einen Wein kauft man blind, man kann ihn nicht probieren und niemand erzĂ€hlt einem etwas darĂŒber. Wer nun wissen will, welche Weine uns in diesem Jahr am meisten ĂŒberzeugt haben, der findet hier alle Einzelheiten. Und kann sogar Probierpakate mit den drei besten Weißen und Roten bestellen und bei einem HĂ€ndler seiner Wahl persönlich abholen.

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Freitag, 13. September 2019

Flop 8: Wo Wein und Essen selten Freunde werden

Das Leben ist zu kurz fĂŒr schlechte Weine lautet ein Allgemeinplatz vinophiler Genießer. FĂŒnf Euro ins Phrasenschwein, wĂŒrden Fußballfans sagen, so sie denn mit den Gepflogenheiten in der Fernsehsendung Doppelpass vertraut sind, wovon ich ausgehe, sonst wĂ€ren es keine Fußballfans.

Manchmal – und ja, jetzt wird es spitzfindig – ist der Wein aber nicht schlecht, sondern er schmeckt nur schlecht. Ist das nicht das Gleiche, werden sie vielleicht verwundert fragen? Ist es nicht. Beim Teutates, sogar ĂŒberhaupt nicht! Die TĂŒcken liegen oft an den BegleitumstĂ€nden seines Genusses. Sie wundern sich, warum ein Wein, von dem Sie schon mindestens zehn Flaschen des selben Jahrgangs in den letzten Monaten getrunken haben, plötzlich keinen Spaß mehr macht? Sie mutmaßen, der Tropfen tauge nichts mehr, weil ĂŒberlagert oder MontagsabfĂŒllung, oder was auch immer? Nehmen Sie das Essen als möglichen ÜbeltĂ€ter ins Visier, und die Erkenntnis wird Ihnen wie Schuppen aus den Haaren, Ă€hem, von den Augen fallen. Ja, ich seh’s ein: 5 Euro ins Phrasenschwein.

Wir Weintrinker spielen die WeingenussgefĂ€hrdung durchs Essen gerne herunter. Wird schon passen, ungefĂ€hr. Denken Sie bloß nicht, ich sei vor derartigen Katastrophen gefeit. Mein Gehirn ist auch nicht immer eingeschaltet. Vor allem dann nicht, wenn mich Heißhungerattacken auf Chips oder ErdnĂŒsse befallen und der Wein, der vom Abendmahl ĂŒbrig blieb, als Begleiter herhalten muss, nur weil ich zu faul bin, in den Keller hinabzusteigen und Bier raufzuholen. Die einzige Bank, wenn es darum geht, salziges Knabberzeug geschmacksvertrĂ€glich runterzuspĂŒlen.

Und es gibt eine weitere TĂŒcke, wenn es um die Liason von Wein und Speisen geht. Gerade Experten, ob echte oder halbgare wie ich, legen den Fokus auf die Frage: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Ist schön und gut, fĂŒr große MenĂŒabende zu Feiertagen oder im Freundeskreis alles detailliert und langfristig im Voraus zu planen. Aber mal im Ernst: Wie viele Tage gibt es davon im Jahr? Im Regelfall ist es doch so, dass man Essen einkauft und vorbereitet und erst anschließend ĂŒberlegt, welche Flasche man dazu aus dem Keller holt. Und nicht jeder hat daheim einen Keller, der fĂŒr alle EventualitĂ€ten gerĂŒstet ist. So nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ich habe mal meine persönliche Flop 8 zusammengestellt (zu mehr hat es – zum GlĂŒck fĂŒr uns Weinfreunde – nicht gereicht). Zutaten und Gerichte ĂŒber die ich aus Erfahrung sage: Wein besser weglassen.

GrĂŒnkohl mit Speck Gar nicht erst auf krumme Gedanken kommen, sondern gleich Bier aus dem KĂŒhlschrank holen. Ich kann mir vorstellen, dass der hohe Anteil Apfel- und CitronensĂ€ure im GrĂŒnkohl (215/220 mg pro 100g) zur UnvertrĂ€glichkeit mit Wein beitrĂ€gt.

Kaviar FĂŒr mich eines der grĂ¶ĂŸten und teuersten geschmacklichen MissverstĂ€ndnisse, ihn mit Champagner kombinieren zu wollen, wie das in feinen Kreisen gerne zelebriert wird. Akzeptabel ist, wenn ĂŒberhaupt, ein wuchtiger Vertreter aus der Prickelfraktion wie Bollinger. In Paris wurde mir mal bei einer privaten Einladung im kleinen, hĂ€uslichen Kreis Kaviar mit Blini und Sauerrahm aufgetischt. Dazu gab es Krimsekt brut. Ich hab’ nur kurz dran genippt (bbbrrr), und dann das Essen pur genossen.

RĂ€uchermatjes Ohne Beilagen verspeist, passt nur Schnaps oder trockener Sherry. RĂ€uchermatjes mit Guacamole, wie ich es gerne mal kombiniere, kann mit Chardonnay funktionieren, kann aber auch schiefgehen.

RĂŒhrei Ganz schwieriger Fall. Da passt nichts, außer – theoretisch vielleicht – Champagner. Praktisch habe ich nach zwei Fehlversuchen aufgegeben, mehr von dem guten Zeug zu vergeuden. Wobei, da fĂ€llt mir ein: Vor zig Jahren hab’ ich mal bei Gerad Boyer im Les CrayerĂšs zum FrĂŒhstĂŒck TrĂŒffelrĂŒhrei mit Champagner von Pommery (CuvĂ©e Louise) serviert bekommen. Und das passte sogar, wenn auch nur einigermaßen, was wohl am TrĂŒffel lag. Angesicht des Umstands, dass sowohl TrĂŒffel als auch CuvĂ©e Louise solitĂ€r betrachtet Köstlichkeiten sind, ganz sicher nichts, was unbedingt zusammen genossen werden sollte.

Salat mit Vinaigrette Die SĂ€ure des Essigs killt jeden Wein. Das pure Geschmacksmassaker.

Schokolade Über mögliche Kombinationen mit Wein habe ich schon viel zweifelhaftes Zeug gelesen. So wird Banyuls gerne als Empfehlung genannt, weil er im Aroma Noten von Kaffee und Vanille aufweist. Bei einer Verkostung, Anfang der Nuller-Jahre, haben wir mal in einem großen Kreis von Weinfreunden alle erdenklichen Kombinationen von Wein mit diversen Schokoladen (Vollmilch bis 99% Bitter) ausprobiert, und nur ein gespriteter Wein brachte erfreuliche Ergebnisse.

Spinat Ganz schwere Kost fĂŒr jeden Wein. Geschmacklich ungefĂ€hr so, wie auf rostiger Stahlwolle herumzukauen.

Tomaten
Der Liebesapfel ist zu Wein gar nicht lieb, was an den sauren Noten im Aromaprofil liegt. Nur wenn die SÀure durch Beilagen oder ergÀnzende Zutaten gut gepuffert wird, nimmt der Weingeschmack am Gaumen keinen Schaden.

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Dienstag, 04. Juni 2019

Es muss nicht immer Bier sein: Der passende Wein zur sommerlichen Grillparty

Wenn es um die Frage geht, welcher Wein zu welchen Speisen passt, holen Experten ganz tief Luft und aus zu einen epischen Vortrag. Gern beginnen sie den mit einem “Kommt drauf an …”. Auch ich werde oft gefragt, welchen Wein ich empfehlen wĂŒrde zu diesem oder jenem Gericht. Ich hole dann ganz tief Luft, sage “ich bin kein Experte” und leite meinen epischen Vortrag ein mit einem “kommt drauf an”. Ja, es kommt wirklich drauf an. Zum Beispiel, wie verwegen und aufgeschlossen die Tischgenossinnen und -genossen sind, denen man das Ganze serviert. Aber weil GĂ€ste keine Versuchskaninchen sind, kommen nur Kombinationen in Betracht, die man selbst schon ausprobiert hat, deren Spannungsfeld fĂŒr den Gastgeber kein Neuland und deren Zumutbarkeit vertretbar ist. No risk, no fun ist nur was fĂŒr Leute die von Genuss keine Ahnung haben.

Nun bietet ein sommerliches Grillfest ein besonders hohes Kollisionsrisiko was Wein und Essen betrifft. Da haben wir den Salat als grĂ¶ĂŸte Gefahrenquelle. Genauer gesagt sind es sĂ€urelastige Vinaigrette, Mayonnaise und frische Tomaten die beinahe jede Kombination mit Wein kontaminieren. Bei Gegrilltem kann es ebenfalls problematisch werden, was aber selten am gegrillten Fleisch, Fisch oder GemĂŒse liegt, sondern an Dips, Saucen und Beilagen.

Was im Sommer ebenfalls eine Rolle spielt: die Lust auf kalte GetrĂ€nke. Weil man in Deutschland praktisch veranlagt ist, kauft man zum Grillfest gerne kistenweise Bier, kĂŒhlt es eiskalt runter und gluckert es literweise weg. Ganz anders die Franzosen. So oft ich in den vergangenen Jahrzehnten dort war – Wein war immer das HauptgetrĂ€nk beim Barbecue. Nicht nur Weiß- sondern auch und besonders Rotwein gehörte dazu. Gegen den Durst wurde kaltes Mineralwasser getrunken, fĂŒr den Genuss der Wein. Nicht, dass ich an einem bierseligen Grillfest irgendwas auszusetzen hĂ€tte, im Gegenteil, ich liebe solche Partys. Aber meine Freude ist dann besonders groß, wenn es Wein gibt und der auch noch mit Sinn und Verstand ausgewĂ€hlt wurde.

Hier mal eine kleine Liste von Gerichten fĂŒr eine Grillparty und die dazu passenden Weine:

1. LÖWENZAHNSALAT MIT SPECK UND CROUTONS. Salatsauce wird nur aus Olivenöl, jungem Knoblauch und scharfem Senf hergestellt, der gegrillte oder gebratene Speck mit ein paar Spritzern Balsamico abgelöscht. Bratensatz lösen und mit in den Salat geben. WEIN: BEAUJOLAIS VILLAGES
2. PFÄLZER ODER FRÄNKISCHE BRATWURST MIT FOLIENKARTOFFELN Alternativ auch andere grobe BratwĂŒrste aus Schweinefleisch. WEIN: GEWÜRZTRAMINER TROCKEN
3. KNOBLAUCH AUS DER ASCHE Simpler Imbiss, ideal fĂŒr den spĂ€ten Nachthunger auf jeder Party. Die Knoblauchzehen werden ungepellt in heißer Asche gegart, anschließend gepellt und mit etwas Butter auf Weißbrotscheiben gegessen. WEIN: JUNGER, FRISCHER WEISSBURGUNDER ODER SAUVIGNON BLANC
4.  GEGRILLTE CHAMPIGNONS MIT ESTRAGON-SENFSAUCE Dazu etwas Weißbrot servieren, fertig. WEIN: TROCKENER UND REIFER SPÄTBURGUNDER
5. COUSCOUS MIT GEMÜSE z.B. Gegrillte Zucchini, Lauchzwiebeln, Paprika, Chili, Basilikum, Minze. WEIN: SYRAH

Die Weinempfehlungen sind ĂŒber die Jahre durch viel Ausprobieren entstanden und als Anregung zu verstehen, es mal mit Wein zum Barbecue zu versuchen. NatĂŒrlich gibt es noch reihenweise gute oder gar bessere Optionen. Ideen gerne an mich weiterleiten. Ich bin ein wissensdurstiger Zeitgenosse.

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Dienstag, 19. MĂ€rz 2019

Der kompottsurfer auf der ProWein: O’zapft is!

Keine Sorge, ich bin nĂŒchtern und hab’ mich auch nicht in der Veranstaltung vertan. DafĂŒr liegen das MĂŒnchener Oktoberfest und die internationale Fachmesse ProWein in DĂŒsseldorf rĂ€umlich wie zeitlich zu weit auseinander. Was also  – werden Sie zurecht fragen – hat dieser bierselige Ausruf in einem Beitrag ĂŒber eine Weinmesse zu suchen? Gegenfrage: Was hat Bier auf einer Weinmesse zu suchen?

Kein Witz, vor ein paar Wochen wurde ich von einer Medienagentur per Mail tatsĂ€chlich darauf aufmerksam gemacht, dass die legendĂ€re DĂŒsseldorfer Altbierbrauerei Uerige auf der ProWein einen Stand unterhalten wird. Okay, dachte ich, soll fĂŒr die knapp 60.000 Besucher aus aller Welt vielleicht ein bisschen Lokalkolorit ins Messegeschehen bringen. Zumal DĂŒsseldorf eine Bierstadt ist. Aber dann entdeckte ich im Ausstellerverzeichnis eine ganze Reihe Craft-Beer-Produzenten. Damit nicht genug: Die Toten Hosen sind auch als GĂ€ste der ProWein angekĂŒndigt. Der aufmerksame kompottsurfer-Leser wird sofort aufmerken und rufen: Ja, die machen doch mit dem namhaften Weingut Tesch zusammen ihren eigenen Tropfen Weißes Rauschen. Aber nein, sie kommen wegen Bier. Hosen Hell heißt es und soll in KĂŒrze den Markt erobern. Und die bereits erwĂ€hnte Brauerei Uerige bringt den Stoff auf die Flasche. Ein untergĂ€riges helles Bier im Namen einer DĂŒsseldorfer Kultband? Sollte ich Campino und Co. auf der Messe treffen, werde ich ihnen ein lautstarkes “Ja sind wir im Wald hier, wo bleibt unser Altbier!”entgegenschleudern. Zum GlĂŒck bin ich kein DĂŒsseldorfer, sonst wĂŒrde ich vermutlich handgreiflich und den Jungs ihr Zeug ĂŒber die RĂŒbe kippen.

Ja, mich irritiert das mit dem Bier auf der Weinmesse, werden Sie im Verlauf des Beitrags schon gemerkt haben. Mag sein, ich bin nur furchtbar altmodisch. Aber mich wĂŒrde auch ein Toten-Hosen-Konzert verstören, bei dem im Vorprogramm ein SchlagersĂ€nger aus dem Ort als Einheizer auftritt. Hinkt der Vergleich? Ach was. Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich, wer wĂŒsste das besser als ich mit meinen zahlreichen Sportverletzungen. Wo war ich? Ach ja, das Bier und der Wein. Also, ich mag beides, aber bitte nicht durcheinander. Höchstens nacheinander, wie es die Hosen im Altbierlied singen: “Machen wir ‘ne Herrentour an die schöne Ahr, trinken wir Burgunder nur, das ist sonnenklar! SpĂ€testens um Mitternacht ist die Sehnsucht groß, nach dem Glas vom Altbierfass und der ganze Verein brĂŒllt dann los: Ja sind wir im Wald hier …”.

Soll man nicht glauben, aber ernsthaft Wein probiert hab’ ich im Verlauf der Messe trotzdem noch. Traditionell beginne ich den Messebesuch am Stand der Pfalzwein e.V. mit einer PrĂ€sentation von Markus Del Monego, seit Jahr und Tag auch geschĂ€tzter Mitstreiter bei unserem rewirpower-Weintest. Immer geht es um die Verbindung von PfĂ€lzer Weinen mit diversen Speisen. FĂŒr 2019 stand die Grumbeere auf dem Programm. WĂŒrde ich nicht so hĂ€ufig die Pfalz bereisen, hĂ€tte ich mir – dem Namen nach – darunter irgendein ein neumodisches Superfood vorgestellt. Aber nein, wir reden von der PfĂ€lzer Kartoffel. Neben Wein das zweite landwirtschaftliche Hauptprodukt der Region. Es wurde in der KĂŒche mit drei unterschiedlichen Sorten hantiert, wobei mich die sattgelbe Melody am meisten beeindruckt hat. Was fĂŒr ein Aroma! Serviert wurden Schupfnudeln mit Sauerkraut, Pellkartoffeln mit Schnittlauchquark, Bratkartoffeln mit Bratwurst, Kartoffelstampf mit gebackener Blutwurst und Kartoffelknödel mit Bio Glanrind-Gulasch. Dazu probierten wir je zwei Weine im Vergleich, um herauszufinden, welcher Wein zu welchem Essen am besten passt. Die Meinungen gingen oft auseinander, meist bildeten sich etwa zwei gleich große Lager. Ausnahme: die Schupfnudeln mit Sauerkraut. Da teilten nur eine handvoll der 60 Teilnehmer meine PrĂ€ferenz fĂŒr den trockenen MĂŒller-Thurgau vom Weingut Rosenhof anstelle eines feinherben Silvaners von der Kallstadter Winzergenossenschaft. FĂŒr mich war das dominante Sauerkraut mit der leichten SĂŒĂŸe des Silvaners kaum vereinbar.

Gleich im Anschluss besuchte ich den beim rewirpower-Weintest ĂŒber Jahre erfolgreichsten deutschen Winzer an seinem Stand in Halle 14. Claus und BĂ€rbel Wolf vom rheinhessischen Weingut Köster-Wolf nahmen sich erfeulicher Weise reichlich Zeit, mir ihre aktuelle Kollektion vorzustellen, darunter neue CuvĂ©es, an deren Entstehung die beiden Söhne Max und Ferdi maßgeblich beteiligt waren. Sehr gespannt sein darf man auf den jĂŒngsten Eisweinjahrgang des Hauses, der erst im Januar eingefahren werden konnte, zu einem Zeitpunkt als man bei Köster-Wolf schon kaum mehr daran glaubte, dass es noch klappt mit einer erfolgreichen Ernte der rosinigen Trauben. Ganz ohne Botrytis, wie Claus Wolf berichtet. Dieser Schimmelpilz, so er denn voll ausgereifte Trauben befĂ€llt, gilt vielen SĂŒĂŸweinliebhabern als qualitĂ€tssteigernd. Er erhöht die Konzentration an Zucker und sorgt fĂŒr eine VerĂ€nderung des ursprĂŒnglichen Aromenspektrums. FĂŒr die SĂŒĂŸweine des französischen Anbaugebiets Sauternes wie Chateau d’Yquem ist das ein Markenzeichen. Ich bin ein Fan von Sauternes, nur damit keine MissverstĂ€ndnisse aufkommen, aber wer einmal perfekte Eisweine ohne Pilzbefall verkostet hat, wird auch diese Weine lieben.

Apropos Weine zum Verlieben: Zwei großartige WeingĂŒter haben mich mit ihren Kreszenzen im Verlauf der Messe besonders begeistert. Das eine kenne und schĂ€tze ich schon eine Weile, Celler Vall Llach, ein Priorat-Weingut  aus dem katalonischen Porrera, wohin ich bei meinem nĂ€chsten lĂ€uferischen Aufenthalt in den PyrenĂ€en unbedingt mal einen Abstecher machen muss. Sehr dankbar war ich auch fĂŒr eine Entdeckung aus Sizilien, die mir Christine Dördelmann – ebenfalls geschĂ€tzte Kollegin in der rewirpower-Weintest-Jury – am Stand von Schlumberger vorstellte: Tenuta delle Terre Nere. Das Weingut bewirtschaftet Einzellagen am Ätna. Darunter solche, auf denen noch sehr alte Rebstöcke stehen und die von der Reblauskatastrophe verschont geblieben waren, was der Winzer auf den Lavaboden zurĂŒckfĂŒhrt, der wohl ein Graus fĂŒr die Laus ist. FĂŒr die Rotweine verwendet man die autochthonen Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio. Ich konnte einige sehr elegante, wunderbar ausbalancierte Rote probieren, die so gar nichts von dem hochkonzentrierten marmeladigen Typus haben, den ich bei sĂŒditalienischen Weinen so fĂŒrchte.

Was nehme ich mit von dieser Messe? Ganz klar: eine wiedererwachte Lust auf internationale Neuentdeckungen.

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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Die MĂ€r vom unschlagbar gĂŒnstigen Discounter-Wein und die Besonderheit des rewirpower-Weintests.

Der 16. rewirpower-Weintest ist ein paar Wochen vorbei, die Probierpakete mit den Siegern sind zusammengestellt (hier kann man ordern), und wie jedes Jahr werde ich von unterschiedlichen Leuten gefragt, ob denn die FachhĂ€ndler mit ihrer Weinauswahl – gleiches QualitĂ€tsniveau vorausgesetzt – nicht deutlich teurer seien als die Discounter, deren Angebote in den letzten Jahren, das ist unbestritten, besser und besser geworden sind.

Ich hole dann gerne etwas aus, wie das so meine Art ist. Und verweise auf meine Ursprungsidee zum rewirpower-Weintest. Es beginnt damit, zu erklĂ€ren, dass wir aus einem schier unerschöpflichen Reservoir Roter und Weißer die ganz besonderen Tropfen herauspicken wollen. Weine aus einem fĂŒr viele Konsumenten erschwinglichen Preissegment, die aktuell besonders hohen Trinkgenuss bieten. Die Vorauswahl treffen FachhĂ€ndler aus der Region. Sie suchen aus ihrem Angebot Weine unter 8 Euro Verkaufspreis heraus, denen sie gute Chancen einrĂ€umen, unsere kritische Expertenjury zu ĂŒberzeugen. Seit 15 Jahren stellen wir die besten drei Roten und Weißen zu einem Probierpaket zusammen, das online bestellt, aber nur vor Ort beim beteiligten FachhĂ€ndler abgeholt werden kann. Warum das so ist, hat mit der Ursprungsidee zu tun. NĂ€mlich, es auch Einsteigern leichter zu machen, Weine nach ihrem Geschmack zu finden, was mit dem Probierpaket schon recht gut funktioniert. Langfristig betrachtet aber noch besser ist, wenn man seine Weine eben nicht hauptsĂ€chlich im Supermarkt sondern beim regional ansĂ€ssigen FachhĂ€ndler kauft. Wo probiert werden kann und kundig beraten wird. Diesen Weg zu ebnen, auch dafĂŒr ist der rewirpower-Weintest gedacht. Die Idee mit den Probierpaketen haben lĂ€ngst auch große Zeitungen und Magazine ĂŒbernommen. Vollkommen uneitel könnten wir sagen: Oft kopiert, nie erreicht.

Als wir die Idee 2003 in die Tat umsetzen, war das Ganze noch ein Projekt mit ungewissem Ausgang. Und eine große Herausforderung. Nicht zuletzt organisatorisch. Man bringe die Weine von sechs FachhĂ€ndlern aus dem Ruhrgebiet und Umgebung in eine Kiste und stelle sicher, dass auch an jedem Abholort die nötige Anzahl Vorbestellungen abrufbereit ist. Was bis heute tatsĂ€chlich unerreicht ist bleibt der Umstand, dass da ein Expertenteam Jahr fĂŒr Jahr vorausgewĂ€hlte FachhĂ€ndlerweine in einer Blindverkostung auf ihren Genusswert prĂŒft und aus den besten davon eine Probierkiste zusammenstellt. Da spielt eben nur geprĂŒfte QualitĂ€t eine Rolle und keine Verkaufsstrategie, irgendwelche ĂŒberschĂŒssigen BestĂ€nde unterzubringen.

Nun steht aber immer noch die Frage im Raum, ob Weine beim Discounter grundsĂ€tzlich gĂŒnstiger zu haben sind als beim FachhĂ€ndler. Ganz unabhĂ€ngig vom Umstand, dass man bei Letzterem probieren kann. KĂŒrzlich machte ich – und das zum wiederholten Mal – die Erfahrung, dass der gleiche Wein beim FachhĂ€ndler gĂŒnstiger ist als beim Discounter. Namen tun nichts zur Sache. Aber es ging um die Liebfraumilch des PfĂ€lzer Weinguts Hammel. Eine restsĂŒĂŸ ausgebaute WeißweincuvĂ©e aus 2017, die beim FachhĂ€ndler 5,95 Euro kostete und bei einem namhaften Discounter zeitgleich fĂŒr 6,99 Euro im Regal stand. Das sind stattliche 17% mehr.

Und die Moral von der Geschicht? Unschlagbar gĂŒnstig ist das nicht.

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Montag, 24. September 2018

16. rewirpower-Weintest: So findet man die besten Tropfen unter 8 Euro.

Weine verkosten ist Arbeit. Auch wenn das niemand glauben mag, der nicht selbst schon vor einer langen Reihe neutral verpackter Flaschen gestanden, und deren Inhalt, Buddel fĂŒr Buddel, kritisch schmeckend ĂŒber die Zunge hat gleiten lassen, um schließlich aus jedem Schluck einen Spuck zu machen und ein Maul voll Wein in einen KĂŒbel zu speien. Andererseits: Dem kompottsurfer kam zu Ohren, dass es sogar noch hĂ€rtere Arbeit geben soll. Schwer zu glauben, aber auszuschließen ist das natĂŒrlich nicht. Also wollen wir mal nicht meckern, wir Tester.

Wie auch immer, die Arbeit fĂŒr heute ist getan. Dreißig FachhĂ€ndler aus dem Ruhrgebiet und Ungebung hatten ihre besten Rot- und Weißweine unter 8 Euro fĂŒr den Wettbewerb angemeldet, bei dem es jeweils nur drei aufs Podest schaffen konnten. Beim Weißwein kamen Zweidrittel der eingereichten Flaschen von Winzern aus Deutschland, bei den Roten war die Verteilung zwischen Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich nahezu ausgeglichen, dazu gesellten sich, unter anderem, Kreszenzen aus Österreich und Portugal.

Was uns am meisten erstaunte, war die Tatsache, dass es bei den Weißweinen weniger qualitative Ausreißer nach oben gab als in den Vorjahren. Ob es am geringen Ernteertrag des Jahrgangs 2017 lag, der hauptsĂ€chlich eingereicht worden war, und der möglicherweise auf das QualitĂ€tsniveau in der untersuchten Preiskategorie insgesamt durchgeschlagen ist, darĂŒber können wir nur mutmaßen. Da aber auf den vorderen PlĂ€tzen trotzdem ĂŒberzeugende Weine aus 2017 landeten, zeigt das: Der Jahrgang hat auch im Preissegment unter 8 Euro etwas zu bieten. Wobei ganz oben auf dem Podest ein Wein aus Spanien steht.

Bei den Rotweinen gab es in diesem Jahr weniger Ausreißer nach unten als in den Vorjahren, was uns natĂŒrlich gefreut hat. Auch abzulesen an den Bewertungen der Tester fĂŒr die einzelnen Weine. Der Sieger bekam durchweg von allen Testern die höchste Bewertung. Hinten raus, zwischen Platz 5 und 15, ging es deutlich enger zu. Das Rennen machten schließlich zwei SpĂ€tburgunder, weil es einfach die Rotweine mit dem aktuell höchsten Trinkgenuss sind. Gefolgt von einer CuvĂ©e aus dem Roussilion.

Unsere AnsprĂŒche sind hoch, das geben wir gerne zu. Und auch deshalb ist es Arbeit, aus einer Reihe Weine mit Ă€hnlicher Charakteristik die Perlen herauszufischen. Manche Weine prĂ€sentieren sich im Geruch reizvoll, verflachen aber am Gaumen völlig. Andere wirken in der Nase verschlossen, entfalten sich dann aber ĂŒber den Gaumen. Wir suchen Weine, die von vorne bis hinten reizvoll sind. Wo Alkohol, SĂ€ure und FruchtsĂŒĂŸe gut eingebunden sind, TypizitĂ€t und Charakter erkennbar werden. Weine, wo das Trinken einfach Spaß macht. Die Korkfehler haben aufgrund der zunehmenden Schraubverschlussung der Weine in diesem Preissegment deutlich nachgelassen, kein Vergleich mehr zu den Anfangsjahren des rewirpower-Weintests, wo wir uns oft von mehr als einer handvoll Weine die Konterflaschen ziehen mussten.

Bedanken möchte mich ausdrĂŒcklich beim Gastgeber, Knut Hannappel, der sein Restaurant Hannappel in Essen-Horst als Probenort zur VerfĂŒgung stellte (wo man ĂŒbrigens hervorragend tafeln kann), und natĂŒrlich bei meinem geschĂ€tzten Verkostungsteam, Christine Dördelmann und Sabrina Koos, Markus Del Monego und Oliver Speh sowie Hannappel-KĂŒchenchef Tobias Weyers.

Und nun, tÀtÀ, die Ergebnisse (wer die Siegerweine im Probierpaket ordern möchte, bitte hier entlang):

Rotweine

1. 2015er Sasbacher Rote Halde SpÀtburgunder, Sasbacher Winzerkeller eG
2. 2016er Landerer SpÀtburgunder, Weingut Landerer
3. 2015er Dona Baissas, Dona Baissas
4. 2017er Castillo de Monte La Reina Joven, Monte La Reina
5. 2014er Salice Salentino Anticaia, Cantina San Donaci
6. 2017er Les Courtines, Caves de Cruzy
7. 2015er Mascoloso Appassimento Rosso del Veneto, Mascoloso, Terre di Campo Sasso
7. 2015er Altos de la Hoya Jumilla D.O., Bodegas Olivares
9. 2017er Cantina Due Palme Sangaetano Primitivo di Manduria Apulien, Cantine Due Palme
10. 2016er Appassionante, Ca’del Sette SrL
10. 2015er La Legua Roble, Bod. La Legua

Weißweine

1. 2017er Falcata Blanco, Pago Casa Gran
2. 2017er GewĂŒrztraminer DĂŒrkheimer Nonnengarten, Winzer EG Herrenberg-H. Bad DĂŒrkheim
3. 2017er Lecker Weiss, Weingut Mack
4. 2017er UBY No. 1, Domaine Uby
5. 2017er Bischoffinger Weißer Burgunder BB, Winzergenossenschaft Bischofflingen
5. 2017er Hochdörffer Weißburgunder Riesling trocken, Weingut Hochdörffer
7. 2017er Scheurebe von Simon MĂŒller-Oswald, Simon MĂŒller-Oswald
8. 2017er Grauburgunder, Matthias Gaul
9. 2015er Falkenstein, DĂŒrnberg Fine Wine GmbH
10. 2017er Le Rune Bianco di Custoza, Cantine Aldegheri

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Mittwoch, 22. August 2018

Neue Rebsorten braucht das Land. Ein Besuch bei Winzertalent Hendrik Schweder.

Bei mir geht Urlaub nur mit Wein. Und mit Laufen. Und Wandern. Wenn meine GrĂ€ten es denn hergeben. FĂŒr so eine Kombination wie geschaffen ist das Naturreservat PfĂ€lzer Wald. Anspruchsvolle, felsige Pfade auf der einen Seite und eine vielfĂ€ltige Weinlandschaft abseits des Waldes auf der anderen.

Als ich im MĂ€rz dieses Jahres im Rahmen der DĂŒsseldorfer Fachmesse ProWein den PfĂ€lzer Jungwinzer Hendrik Schweder an einem Stand entdeckte und mich durch seine Kollektion probierte, war klar: Beim nĂ€chsten Trip in die Pfalz wĂŒrde ich seinem Betrieb einen Besuch abstatten. Am letzten Wochenende klappte das auch. Nur stand bei der Anfahrt auf das im Örtchen Hochstadt gelegene Weingut erstmal ein großer Reisebus im Weg. Einfahrt in die Straße zu Schweders Domizil unmöglich. Wie sich spĂ€ter herausstellte, war eine Gruppe von 40 Weinfreunden aus Schweden mit diesem GefĂ€hrt unterwegs, die jedes Jahr Touren durch europĂ€ische Anbaugebiete machen. Dort besuchen sie Winzer und packen den Bus randvoll mit Wein fĂŒr den Genuss daheim. In Hochstadt machte die Gruppe nun Zwischenstop auf dem Weg ins Elsass. Aber wie kommen 40 Schweden auf den Gedanken, einen (noch) eher unbekannten Weinbaubetrieb in der Pfalz zu besuchen, die doch so viele große Winzernamen zu bieten hat? Nun, einer aus der Truppe hatte Hendrik Schweder bei der Traditionsveranstaltung Wein am Dom in Speyer kennengelernt und seine GefĂ€hrten ĂŒberzeugen können, ihn bei ihrem nĂ€chsten Trip nach Deutschland aufzusuchen.

Sicher war diese Entscheidung nicht nur dem Umstand geschuldet, dass zwei Weine in Schweders Sortiment unter der Bezeichnung Alter Schwede(r) firmieren. Der Stoff ĂŒberzeugt einfach. Hendrik Schweder ist nach Ausbildung, Oenologie-Studium sowie Auslandsaufenthalten in Frankreich, Kalifornien und Österreich in den elterlichen Betrieb eingestiegen, der nun nach und nach erweitert wird. Nachhaltigkeit und UmweltvertrĂ€glichkeit sind ihm ein besonderes Anliegen, deshalb pflegt er nicht nur die Flagschiffe unter den heimischen Rebsorten, Riesling und SpĂ€tburgunder, sondern auch NeuzĂŒchtungen wie Cabernet Blanc. „Wir wollen mit so wenig Pflanzenschutzmitteln wie möglich auskommen, und einige neue PIWI-Rebsorten helfen dabei“, sagt Schweder. PIWI steht fĂŒr PilzwiderstandsfĂ€higkeit. PIWI International fĂŒr eine Arbeitsgemeinschaft, die im Jahre 2000 in der Schweiz mit dem Ziel gegrĂŒndet wurde, die Entwicklung solcher Sorten voranzubringen und Erfahrungsaustausch unter den Winzern zu pflegen. Bekannteste heimische PIWI-Rebsorte ist der Regent, entwickelt in den 1960er Jahren. Im Erprobungsanbau ist bei den Schweders auch eine weiße Rebsorte, die noch den sperrigen Forschungsnamen CAL 604 trĂ€gt, aber wohl bald „irgendwas mit Blanc“ heißen wird, wie Hendrik Schweder spekuliert. Und der sich sichtlich darĂŒber freut, wie wenig er bei dieser Rebsorte gegen Pilzbefall tun muss. Irgendwas mit Blanc ist in der Weißwein-CuvĂ©e Alter Schwede(r) zusammen mit anderen weißen Rebsorten des Hauses verschnitten. FĂŒr meinen Geschmack ein Alltagsweißwein im besten Sinne mit Frische, Frucht und Mineralik, aber vor allem einer guten Portion TypizitĂ€t.

Einen Besuch im alten Weinkeller gab‘s auch noch. Hendrik Schweder prĂ€sentierte dort unter anderem alte HolzfĂ€sser, die sein Großvater mal gebaut hatte und die jetzt nur noch Zierwert haben. Gleich gegenĂŒber wird es irgendwann einen Durchbruch zum benachbarten GebĂ€ude geben, das vor Kurzem von den Schweders ĂŒbernommen wurde und die Möglichkeiten der Weinverarbeitung vor Ort erheblich verbessern sollen.

NatĂŒrlich lassen sich solche Auf- und UmbrĂŒche nicht im Alleingang wuppen. Im schwederschen Familienbetrieb sind auch noch Frau und Eltern im vollen Einsatz. Man darf gespannt sein, wie sich das Weingut in Zukunft entwickelt. Wenn ich mir das Engagement und die Freude an der Arbeit bei Hendrik Schweder so ansehe – es kann nur eine erfolgreiche werden.
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Montag, 30. April 2018

Cabernet Blanc: Eine neue Rebsorte mischt Deutschlands Weinlandschaft auf

Zugegeben, es wĂ€re schon gewaltig ĂŒbertrieben, aus der interessanten NeuzĂŒchtung Cabernet Blanc einen Kandidaten fĂŒr die Spitzenposition im heimischen Rebsortenspiegel zu machen. Der wird bei den AnbauflĂ€chen fĂŒr Weißwein in Deutschland weiterhin angefĂŒhrt vom Riesling, dahinter kommen – mit großem Abstand – MĂŒller-Thurgau, Grauburgunder und Silvaner. Aber wer weiß. Auch der Riesling war nicht zu allen Zeiten die dominierende Rebsorte hierzulande. Und je wĂ€rmer und feuchter es bei uns durch zu befĂŒrchtende KlimaverĂ€nderungen der kommenden Jahre vielleicht wird, umso besser wĂ€ren Winzer mit einer Rebosrte wie Cabernet Blanc aufgestellt. Bis dahin nehmen wir Cabernet Blanc als das was es ist: eine spannende Erweiterung des Angebots.

Offen gestanden hatte ich beim ersten Blick auf ein Flaschenetikett mit der Aufschrift Cabernet Blanc angenommen, es handele sich um eine spezielle Variante des Blanc de Noir, einem aus roten Traubensorten gekelterten Weißwein. In diesem Fall also um einen aus Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc hergestellten Weißen. Im Glas sah der Wein aber erstaunlich weiß aus, er hatte nichts von der ĂŒblichen grau-rosa-farbenen Optik, die ich von Blanc de Noirs kannte. Dank Smartphone mit Intenetanbindung gab es schnell Klarheit, dass es sich beim Cabernet Blanc tatsĂ€chlich um eine neue Rebsorte handelt, die in der PfĂ€lzer Rebschule Freytag im Versuchanbau war und von dort 2010 zur Klassifizierung angemeldet wurde.

Seither wagen sich einige Winzer der Region an diese weiße Kreuzungsvariante auf Basis des Cabernet Sauvignons, deren StĂ€rke die Resistenz gegen Pilzbefall ist. Jungwinzer Hendrik Schweder, Absolvent der Hochschule in Geisenheim und im Familienbetrieb verantwortlich fĂŒr den An- und Ausbau der Weine, ist einer, der Cabernet Blanc im Bestand hat. Und ich muss sagen, dass mich die von ihm aus Rebsorte und Boden gezogene Stilistik beeindruckt hat. Spontan war ich versucht zu sagen, es sei eine deutsche Version des Sauvignon Blanc, was reichlich bescheuert klingt, weshalb ich mir im Probierkreis auch auf die Zunge gebissen habe. Was ich meine ist, dass mir da kein knalliges Fruchtbonbon Nase und Mund attackierte, sondern sich ein von wĂŒrzigen und vegetabilen Noten durchzogenes Aromanbild entfaltete, dass umgeben war von dezenter Frucht wie Schwarze Johannisbeere und gerĂ€ucherte Paprika erkennen ließ. Dieser Wein hatte nichts von der Austauschbarkeit diverser gĂ€ngiger Weißweine, denen mit Aromahefen ein standardisiertes Geschmacksbild verpasst wurde. Dieser Wein wirkt eigenstĂ€ndig.

Hendrik Schweder wird mit seiner Kollektion schon in KĂŒrze im Ruhrgebiet zu erleben sein. Zum wiederholten Mal tritt er als einer von ĂŒber 30 Winzern bei der Bochumer Veranstaltung Weine vor Freude an, einer dreitĂ€gigen Publikumsmesse zum Thema Wein, die in der Rotunde des alten Katholikentagsbahnhofs abgehalten wird. Los geht’s am 24. Mai. Hingehen sollte sich lohnen. Nicht nur wegen Schweder.

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Montag, 09. April 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (III).

Cheers Mr. Koegelenberg! Foto: Martina Katz

Dem aufmerksamen Leser wird das Fehlen von SĂŒdafrika in meinem bisherigen ProWein2018-RĂŒckblick nicht entgangen sein. Hat ein bisschen gedauert, weil, ja weil … ich war Ostereier suchen. Aber jetzt berichte ich gerne von meiner Begeisterung fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine, die schon eine Weile anhĂ€lt und auf der ProWein, dank Melanie und Martina von Geradeaus Kommunikation, weiter angeheizt wurde. Grund dafĂŒr ist das von den beiden eingefĂ€delte Zusammentreffen mit Hein Koegelenberg CEO von La Motte Wine Estate. Mein Interesse fĂŒr sĂŒdafrikanische Weine war ĂŒber die Jahre durch ein anhaltend ĂŒberragendes Preis-LeistungsverhĂ€ltnis gewachsen, das Rote wie Weiße vom Kap so liebenswĂŒrdig machen. Stellvertretend fallen mir da Weingut Kaapzicht, Allesverloren, Mullineux & Leeuw, The Sadie Family und Laibach ein.

Mit La Motte hatte ich noch keine Bekanntschaft machen können, was sich als VersĂ€umnis herausstellte als ich mit Hein Koegelenberg zusammentraf und mit ihm eine Auswahl seiner Weine probierte. Das Weingut liegt im Franschhoek Valley, in der Gemeinde Stellenbosch, Distrikt Cape Winelands. Es beherbergt ein ĂŒberregional bekanntes Restaurant sowie eine Museum. Erstaunlich, wie filigran und strukturiert sich die Weine prĂ€sentierten. Wer sĂŒdafrikanische Weine gedanklich als Alkoholbomben abgespeichert hat, muss spĂ€testens beim Genuss der Kollektion von La Motte umdenken. Die Weine sind allesamt zurĂŒckhaltend im Alkohol, bieten guten Trinkfluss und eine Mineralik, die verfĂ€ngt. Hein Koegelenberg verriet mir, mit welcher Strategie sie an die Bewirtschaftung der RebflĂ€chen herangehen. Exakte Bodenanalysen sowie die BerĂŒcksichtigung des Mikroklimas bilden die Basis fĂŒr die Anbaustrategie. Reben und Böden mĂŒssen bestmöglich miteinander harmonieren können, um außergewöhnliche Terroir-Weine entstehen zu lassen. Bevor man irgendwo neu bestockt oder AnbauflĂ€che kauft, wird ganz genau hingeschaut.

Syrah, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Co. stehen also genau da, wo sie hingehören. Selten habe ich einen so mineralischen Sauvignon Blanc getrunken wie den 2017er von La Motte, was umso erstaunlicher ist angesichts seiner Jugend. Zu meinen absoluten Favoriten zĂ€hlte der 2015 Pierneef Syrah Viognier, eine spannende CuvĂ©e mit pfeffrigen und floralen Noten, dezenter HolzwĂŒrze, einer guten Struktur und einem Finale, das erfreulich lange anhĂ€lt. Mit 13,5 Vol% Alkohol bei nur 3 g/l Restzucker ist der Pierneef ein anspruchsvoller Wein der als Solist Spaß macht, gleichwohl sehr gut als Speisenbegleiter taugt.

Ich hatte ĂŒber die gesamte Kollektion von La Motte gesehen ĂŒberhaupt nicht Eindruck, es mit einer international austauschbaren Stilistik fĂŒr einen Massenmarkt zu tun zu haben. Und doch sind die Weine nicht so kompliziert, dass nur Freaks ihre Freude daran haben können. Im Gegenteil, sie sind ungemein trinkig.

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Donnerstag, 29. MĂ€rz 2018

ProWein 2018: der kompottsurfer zwischen SĂŒdpfalz und SĂŒdafrika (II).

Was bei der Messe ProWein am meisten Freude bringt sind die Entdeckungen. Unbekannte, persönlich noch nicht erschlossene Weinregionen, junge Winzertalente, neue Rebsorten. Davon gibt es mehr als genug im Rahmen einer Veranstaltung mit fast 7.ooo internationalen Ausstellern (siehe auch Teil I).

In meinem Messeprogramm gesetzt ist immer der Besuch eines Weinguts, das im vergangenen Jahr beim rewirpower-Weintest zu den besten zĂ€hlte. Im Herbst 2017 sorgte das Weingut Landerer fĂŒr Furore, weil es gleich mit zwei Weinen einen Podestplatz schaffte. Es war ein angenehmer Besuch am Stand, der mit einer fĂŒr mich sehr erheiternden Entdeckung endete: Das Weingut Landerer (Baden) bringt doch tatsĂ€chlich Weine aus der Lage Henkenberg auf die Flasche. Der Henkenberg ist die höchste natĂŒrliche Erhebung meiner Heimatstadt Bochum und ist eines meiner liebsten Trainingsreviere, wenn es darum geht, mich fĂŒr Ultramarathons im Hochgebirge in Form zu bringen. Gute Form hatte auch der 2015er SpĂ€tburgunder Henkenberg Trocken, den ich probierte. In der Nase Noten von Kirsche, Zwetschge, etwas Cassis und angenehm frische SĂ€ure. Obwohl der Wein noch nicht so lang auf der Flasche ist, machte er schon richtig Spaß. Da das von mir sehr geschĂ€tzte Weingut Salwey ebenfalls Rebstöcke in der Lage Henkenberg hat, und auch die Winzergenossenschaft Oberrottweil, werde ich vielleicht mal eine Henkenberghorizontale machen. Wo ich doch sonst immer vertikal am Henkenberg unterwegs bin.

Aber zurĂŒck zur SĂŒdpfalz. Da entdeckte ich im Kreis der Generation Riesling, Hendrik Schweder vom Weingut Schweder in Hochstadt. Die Generation Riesling ist ein Verbund von Jungwinzern bis 35 Jahren – ins Leben gerufen vom Deutschen Weininstitut – das Jahr fĂŒr Jahr zehn von ihnen (insgesamt hat die Generation Riesling 580 Mitglieder) Gelegenheit gibt, ihre Weine auf der ProWein zu prĂ€sentieren. Voraussetzung ist, dass sie eine aktuelle Kollektion vorweisen können, die herausragt. Hendrik Schweders Weine taten genau das und ĂŒberzeugten bei der LandesweinprĂ€mierung im vergangenen Oktober.

Im GesprĂ€ch macht Hendrik Schweder sofort den Eindruck eines Jungwinzers, der eine klare Vorstellung davon hat, welche Art von Wein er machen möchte. Möglichst wenig Eingriffe in das Ökosystem Weinberg nimmt er vor, ĂŒberlĂ€sst aber beim GĂ€rungsprozess nicht alles dem Zufall. So setzt er zwar Weinberghefen ein, steuert aber gegebenenfalls mit Reinzuchthefen nach, wenn’s sein muss. Wirklich Spaß gemacht hat sein unfiltrierter SpĂ€tburgunder, der im Glas zwar eine gewöhnungsbedĂŒrftige farbliche TrĂŒbung zeigte, in der Nase und am Gaumen aber mit einer vielschichtigen Aromatik verzaubern konnte. Mir hat gefallen, dass er bei allem Engagement fĂŒr Terroir und AuthentizitĂ€t nicht den Eindruck eines Dogmatikers macht sondern offen ist fĂŒr Neues. So prĂ€sentierte er mir einen Roten aus einer neu gezĂŒchteten Rebsorte, um die er sich gemeinsam mit einigen anderen Winzern kĂŒmmert und deren geringe Ertragsmenge in nur wenigen Großflaschen abgefĂŒllt wird. Mal sehen, was daraus wird.

In Sachen Marketing fĂ€llt ihm auch was ein. So heißen einige seiner Weine  Alter Schwede oder Only for best friends. Die meisten mit dem Thema Weinvermarktung befassten Agenturen wĂŒrde das auch nicht besser hinbekommen. Das gesparte Geld kann er also direkt ins Produkt stecken. Und das macht er auch.

Seine Kollektion umfasst ĂŒberwiegend filtrierte Weine, die zur Zeit noch zu einem wahrhaft barmherzigen Preis zu haben sind.
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