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Donnerstag, 07. September 2017

Weinlese in Bierstadt Dortmund: Am Phoenixsee werden Oechsle gewogen

Zugegeben, es braucht Fantasie, sich das bierbauchige Ruhrgebiet als Weinbauregion vorzustellen. Dabei ist der Anfang l√§ngst gemacht. An einem S√ľdhang in der N√§he des Phoenixsees, bew√§ssert aus der einstigen Vorzeigekloake der Republik, der Emscher, wird dieser Tage wieder Wein geerntet. ‚Ä®‚Ä®Die Emschergenossenschaft begann im Mai 2012 damit, auf drei Fl√§chen von jeweils 50 Quadratmetern 23 Rebzeilen mit je 4 Pflanzen zu pflocken (der kompottsurfer berichtete). Insgesamt 92 Rebst√∂cke, an der Treppenanlage zur Bellevue-Aussichtsplattform am Nordufer des Phoenix Sees gelegen. Warum ausgerechnet 92?¬† Es k√∂nnte mit der angebauten Rebsorte zu tun haben, die ausgerechnet ‚ÄěPh√∂nix‚Äúhei√üt und 1992 Sortenschutz erhielt. Eine Kreuzung aus Bacchus und Villard Blanc, die einen Hieb Winterfrost vertragen kann und au√üergew√∂hnlich resistent ist gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau. Die international renommierte Forschungsanstalt f√ľr Weinbau in Geisenheim unterst√ľtzt die auf Wasserwirtschaft spezialisierte Emschergenossenschaft bei dem nur auf den ersten Blick kurios wirkenden Versuchsprojekt.

Denn schon seit vielen Jahren ist klar, dass der Klimawandel auch die Welt des Weinbaus grundlegend ver√§ndern wird. Ein Prozess, der bereits im vollen Gange ist. Das belegen Aufzeichnungen zahlreicher Winzer, deren Betriebe bereits seit √ľber 200 Jahren Temperaturdaten sowie die Zeitpunkte von Austrieb, Weinbl√ľte, Reifeprozess der Trauben sowie Lese aufzeichnen. Allein in den letzten 20 Jahren hat sich vielerorts der Lesebeginn durchschnittlich um eine Woche nach vorne verschoben. In Zukunft wird es auch in n√∂rdlichen Regionen m√∂glich sein, in gr√∂√üerem Ma√üe Wein anzubauen.

Nun sind Klimaver√§nderungen nicht immer vom Menschen gemacht.¬† Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert, in der sogenannten Mittelalterlichen Warmzeit, war es tief im Westen schon einmal w√§rmer als √ľblich. Erdgeschichtlich betrachtet also erst ein Wimpernschlag her. In dieser Zeit wurde auch im Ruhrgebiet Wein angebaut. Ausgerechnet am Remberg in Dortmund-H√∂rde, also unweit des Phoenixsees, hat ein gr√§flicher Weingarten gestanden, wie alte Urkunden belegen.‚Ä®‚Ä® Als Folge der Klimaerw√§rmung werden auf den Weinbau in Deutschland aber nicht nur geographische Ver√§nderungen zukommen. Auch der Rebsortenspiegel wird sich √ľber die n√§chsten Jahrzehnte ver√§ndern. Experten wie der Direktor am Max-Plank-Institut f√ľr Meteorologie in Hamburg, Hartmut Gra√ül, empfiehlt den Winzern deshalb experimentierfreudig zu sein und eine behutsame Neuausrichtung zu wagen, die Raum l√§sst f√ľr den Anbau ortsun√ľblicher Rebsorten. Auch der Riesling war nicht immer die unangefochtene Hauptrebsorte in Deutschland. Noch 1972 lag der Gr√ľne Silvaner bei den Anbaufl√§chen nahezu gleichauf, wogegen der M√ľller-Thurgau sogar 20 Prozent mehr Anbaufl√§che als der Riesling beanspruchte.

Aber zur√ľck zur Rebsorte Ph√∂nix, dessen pr√§gnantestes Geschmacksmerkmal das Muskataroma ist sowie eine frische, kr√§ftige S√§ure. Gerade wird in Dortmund der 2017er Jahrgang geerntet. Das Mostgewicht taxiert der zust√§ndige Projektleiter Helmut Herter auf 70¬į Oechsle, womit sich ein nat√ľrlicher Alkoholgehalt von etwa 9 Vol% erzielen l√§sst. Nach der Lese werden die Trauben ins Pf√§lzische Duttweiler transportiert und dort im Weingut Mohr-Gutting vinifiziert.

Dortmund ist aber nicht der einzige Ort im Ruhrgebiet, wo mit der neuen Rebsorte experimentiert wird. Auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig stehen die Rebst√∂cke sogar schon etwas l√§nger ‚Äď zu Ausbildungszwecken f√ľr den gastronomischen Nachwuchs. Wird wohl Zeit, im Paragraphen 3 des Deutschen Weingesetzes ein neues Anbaugebiet verankern zu lassen: Ruhr.

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Freitag, 25. August 2017

Kein Witz: Der Staat kann auch Dinge richtig machen. Zum Beispiel in Sachen Wein.

Bevor mich Heerscharen von Winzern einem Shitstorm aussetzen, weil allein die Überschrift sie schon in Wallung bringt, möchte ich beschwichtigen und betonen, dass es hier um einen Einzelfall geht, der seinen Ursprung im Jahr 1970 hat.

Auf den Weg in den Kurzurlaub machten wir eine Stop in Neustadt an der Weinstra√üe. Dort ist das Staatsweingut mit Johannitergut zu Hause. Das Johannitergut, √§ltester Weinbaubetrieb der Pfalz und von 1290 bis 1970 im Besitz des Johanniterordens, wurde 1970 vom Land Rheinland-Pfalz √ľbernommen und mit dem Staatsweingut der damaligen Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt f√ľr Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau vereinigt. Ministerpr√§sident damals √ľbrigens, in seinem ersten Amtsjahr: Helmut Kohl. Aber das nur am Rande.

Heute firmiert der Betrieb als Staatsweingut mit Johannitergut. Interessant ist, dass hier Traditionspflege und Weinforschungsgeschichte eine selten anzutreffende Verbindung eingehen, da der Lehr- und Versuchsbetrieb des Staatsweingutes auch schon bis ins 16. Jahrhundert zur√ľckgeht. Kurf√ľrst Johann Casimir hatte damals f√ľr seine Lieblingssorte ‚ÄěG√§nsf√ľ√üer‚Äú eine eigene Pflanzungsverordnung erlassen. Diese Rotweinsorte, andernorts l√§ngst verschwunden, wird im Staatsweingut mit Johannitergut weiterhin gepflegt und vor dem Aussterben bewahrt. √Ąlteste Einzellage des Hauses und zudem kleinste Lage der Pfalz ist der Mu√übacher Johannitergarten. Weitere bekannte Lagen wie die Mu√übacher Eselshaut und der Deidesheimer Herrgottsacker z√§hlen ebenfalls zum Grundstock des Betriebs, der j√§hrlich acht bis zehn Auszubildenden aus dem dualen Studiengang B.Sc. Weinbau und Oenologie Praxisn√§he vermittelt.

Ja, es sind all’ diese Dinge, die mich neugiegig auf einen Besuch vor Ort gemacht haben, nachdem mich der √ľberaus barmherzig kalkulierte 2015er Riesling vom Deidesheimer Herrgottsacker bei einer Verkostung geradezu verz√ľckt hatte. So viel Weinqualit√§t f√ľr so wenig Geld, das gef√§llt. Nach der Probierrunde vor Ort ist die Liste der Lieblinge noch l√§nger geworden, was auch daran liegt, dass die Stilistik eher klassisch gehalten ist, die Weine nicht durch √ľberm√§√üige Alkoholisierung aufgemotzt wirken.

Und so liegen nun ein paar Kisten im Kofferraum, und ich fahre mit dem guten Gef√ľhl nach Hause, dass diesmal der Staat nicht mich, sondern ich den Staat angezapft habe. Und das total legal.

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Donnerstag, 11. Mai 2017

Trinken die Deutschen wirklich zu viel Alkohol?

Du, die Wanne ist voll war Ende der 1970er Jahre ein Partyhit, gesungen von der legend√§ren Helga Feddersen im Duett mit Didi Hallervorden. Daran musste ich gerade denken als ich auf Spiegel Online den Aufmacher zur aktuellen Aktionswoche der Deutschen Hauptstelle f√ľr Suchtgefahren (DHS) las. Eine Badewanne voller alkoholischer Getr√§nke, so hei√üt es in einem Interview unter der Spiegel-Meldung, trinke der Durschschnittsdeutsche pro Jahr. Wobei nicht definiert wird, ob es Getr√§nke auf dem Alkoholniveau von Bier mit 4,9 Vol.% sind oder dem von Strohrum (80 Vol%). Welchen Unterschied das macht, wei√ü jeder, der von beidem schon mal ein paar Schlucke genommen hat.

Um gar nicht erst missverstanden zu werden, ich sehe in unserer Gesellschaft auch einen deutlich zu unreflektierten und sorglosen Umgang mit alkoholischen Getr√§nken. Die gesundheitlichen Gefahren durch √ľberh√∂hten Konsum sind ohnehin unumstritten, noch heikler aber ist, dass nur schwer zu vermitteln sein d√ľrfte, was “√ľberh√∂ht” √ľberhaupt bedeutet. Ich kann da erst recht keine Empfehlungen geben, maximal indiviuelle Erfahrungswerte, und die sind ganz sicher nicht auf die Allgemeinheit √ľbertragbar. Es h√§ngt von einer Menge Einflussfaktoren ab, wieviel Alkohol bei wem welchen Schaden anrichtet.
Wenn aber nun der Gesch√§ftsf√ľhrer des DHS, Dr. Raphael Ga√ümann, verlauten l√§sst ‚ÄěDie Aktionswoche Alkohol kratzt am Mythos, Alkohol sei ein Kulturgut” und dann einen Zusammenhang zu den Gefahren herstellt, dann l√§sst mich das als Leser irritiert zur√ľck. Alkohol ‚Äď wahrscheinlich gemeint: alkoholische Getr√§nke ‚Äď sind aus meiner Sicht unbedingt Kulturgut. Aber der Fehler liegt darin, daraus eine individuelle Rechtfertigung f√ľr ungehemmten Konsum herzuleiten. Aufgabe sollte sein, den B√ľrger zum m√ľndigen Konsumenten zu bef√∂rdern, was auch bedeutet, schon in der Schule auf die Gefahren von Alkoholkonsum hinzuweisen, was ja l√∂blicher Weise auch zunehmend gemacht wird.

Trinken die Deutschen nun wirklich zu viel Alkohol? Wenn wir es mal an einer Badewanne mit einem g√§ngigen Fassungsverm√∂gen von 140 Litern bemessen, k√§men wir pro Tag auf ein Glas Bier von 0,38 l. Aber es wurde ja nicht explizit formuliert, womit die Wanne gef√ľllt ist. Vermutlich bezieht sich die Aussage auf eine Ver√∂ffentlichung des Spirituosenverbandes, wonach der Durchschnittsdeutsche in 2015 etwa 135,5 Liter unterschiedlicher alkoholischer Getr√§nke konsumiert hat. Davon entfallen auf Bier 105,9 l, Wein 20,5 l, Spirituosen 5,4 l und Schaumwein 3,7 l. Pro Tag also ein 0,3-l-Glas Bier, pro Woche eine 0,4-l-Karaffe Wein, alle zweieinhalb Monate ist eine Flasche Schaps leergetrunken und f√ľnf Mal im Jahr pl√∂ppen die Sektkorken. Klingt vielleicht nicht nach √ľber die Ma√üen viel, aber nun gibt es diesen Durchschnittskonsument eben kaum. Vielmehr aber gibt es zigtausende Erwachsene die keinen, oder nur extrem wenig Alkohol trinken. Bleibt also f√ľr die anderen definitiv mehr √ľbrig als h√∂chstwahrscheinlich empfehlenswert ist, ganz unabh√§ngig von weiteren Einflussfaktoren.

Was können Freunde eines guten Tropfens daraus schließen? Qualität statt Quantität könnte eine Lösung sein. Lieber eine gute Flasche Wein pro Woche trinken als zwei schlechte. Nur mal so als Idee.

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Montag, 03. April 2017

ProWein (2): Besuch bei den Siegerwinzern des rewirpower-Weintests

Ja, die gesammelten Eindr√ľcke von der letzten ProWein mussten erstmal reifen, bevor ich das eine oder andere Detail in die Tastatur hacken konnte. Quark. Ist nat√ľrlich nur eine billige Ausrede. Ich bin einfach nicht fr√ľher dazu gekommen, Teil 2 von insgesamt drei oder vier Beitr√§gen zusammenzufassen. Aber jetzt.

Was mir immer ein besonderes Anliegen ist, wenn ich durch die Messehallen an den St√§nden der ProWein entlanglaufe (Betonung auf LANG ‚Äď mein Fitnesstracker zeigte 15.356 Schritte an einem Tag an): ein Besuch bei den siegreichen Winzern unseres rewirpower-Weintests. Nicht immer klappt das √ľberall, weil die St√§nde oft belagert sind von H√§ndlern und anderweitig Interessierten. In diesem Jahr konnte ich jedenfalls beim Weingut Bernhard (Anbaugebiet Rheinhessen) und bei K√∂ster-Wolf ( ebenfalls Rheinhessen) mit den Verantwortlichen sprechen und erfahren, dass die guten Ergebnisse im Test positive Resonanz brachte. “Wir z√§hlen ja noch zu den Newcomern, und da k√∂nnen gute Verkostungsergebnisse schon f√ľr Aufmerksamkeit sorgen” sagte mir J√∂rg Bernhard, der gemeinsam mit seiner Tochter Martina das Familienweingut auf der ProWein repr√§sentierte. Eigenst√§ndigkeit und Charakter ‚Äď ein Credo, das so viele Winzer f√ľr sich reklamieren ‚Äď bei den Bernhards dr√ľckt sich das im Wein tats√§chlich aus. Ein Geheimtipp ist der Sp√§tburgunder des Hauses, der ‚Äď so Bernhard ‚Äď ein paar “Ecken und Kanten” haben soll. Und die hat er im besten Sinne. Sie k√∂nnen also nicht nur Wei√ü in Wolfsheim.

Nur wenige Schritte von Bernhards entfernt, stellte sich das Weingut K√∂ster-Wolf den Messebesuchern vor. B√§rbel Wolf berichtete erleichtert von den guten Ergebnissen, die man in dem schwierigen Jahr 2016 erzielen konnte, denn “einige Winzerkollegen verloren aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen fast den gesamten Ertrag.” Tats√§chlich forderte das Wetter den Winzern in 2016 alles ab. Erst gab es einen sehr milden Winter, √ľber den sich nur die vielen √ľberlebenden Weinsch√§dlinge freuen konnten. Dann kam der Sp√§tfrost, der die Knospen in Gefahr brachte, und schlie√ülich pl√§tscherten auch noch Unmengen Niederschl√§ge im Mai und Juni auf die Reben herab, was den Pilzbefall beg√ľnstigte. Und weil das alles nicht reichte, kam im hei√üen Juli auch noch Trockenstress dazu. Wer bis Ende August mit Gl√ľck und Geschick seine Trauben gerettet hatte, profitierte immerhin vom warmen September, der beim Abbau der S√§ure half. Was man bei K√∂ster-Wolf schlie√ülich auf die Flasche bringen konnte, macht der Winzerfamilie Hoffnung. Und den Konsumenten vermutlich √§hnliche Freude wie die Weine aus dem Vorg√§ngerjahrgang.

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Freitag, 24. März 2017

ProWein 2017 (1): Wo der Mondwein hinters Licht f√ľhrte und die Zeit f√ľr die Sonnenuhr nicht reichte.

Neulich telefonierte ich mit einem K√ľchenchef aus dem erlauchten Kreis der mit drei Michelinsternen erleuchteten. Ob er denn auch zur ProWein k√§me, wollte ich wissen, nachdem wir beide feststellten, dass wir uns schon eine ganze Weile nicht gesehen hatten. Ich hatte gedacht, so bei einem guten Glas Wein, lie√üe sich doch nett plaudern. “Was soll ich denn da?” kam zur Antwort, erg√§nzt um wenig schmeichelhafte Auslassungen zu einer besonderen Besucherklientel, die dort in stattlicher Anzahl durch die G√§nge wankt und die abenteuerlichsten Aromen im Wein entdeckt und herausschmeckt. Ach, was haben wir gelacht am Telefon. Bis mir der Gedanke kam, ob ich nicht vielleicht auch dazu geh√∂rte. Nee, v√∂llig unm√∂glich. Ich wanke doch nicht.¬†Bis auf ein paar Schlucke ‚Äď in diesem Jahr aus dem Sortiment der Domaine Bichot und dem Mondwein von Wanne-Eickel, quatsch, von Tesch ‚Äď wird immer alles brav ausgespuckt. Sonst k√§me ich doch niemals den vielen au√üergew√∂hnlichen Aromen auf die Spur, die es in so manchem Tropfen zu entdecken gibt.

Der Mondwein. Als ich in einer Pressemitteilung des Hauses dar√ľber las, f√ľrchtete ich, im Weingut Tesch (ja, das sind die mit dem Toten Hosen Wein, der kompottsurfer berichtete) st√ľnde neuerdings Esoterik hoch im Kurs. Man erntete Trauben bei Vollmond und streute vielleicht sogar im Sommer Globolik√ľgelchen unter den Rebst√∂cken aus, damit die Pflanzen gegen Hitzestress gewappnet sind. Aber nein. Es ist nicht das, wonach es aussieht. Obwohl ein ziemlich esoterisch anmutender Mond auf dem Etikett zu sehen ist. Meine Frage am Stand des immer sehr belagerten Nahe Winzers, was es denn bitte mit dem Mond auf sich hat, wurde schmunzelnd √ľberh√∂rt. Alles andere aber umf√§nglich beantwortet. Und keine Frage, der Wein ist tats√§chlich so au√üergew√∂hnlich wie rar. Nur knapp 600 Liter, so verriet man mir, konnten davon auf die Flasche gebracht werden.

Es ist ein Wein mit Gen-defektem Lesegut. In jedem Weinberg gibt es eine geringe Anzahl kleiner goldgelber Trauben, die keine Kerne haben. Und je √§lter der Weinberg, um so h√∂her ist der Anteil dieser Sonderlinge. Nur in Jahren, in denen das Wetter durchg√§ngig perfekt ist, k√∂nnen diese Trauben gesondert gesammelt werden. Erstens, weil sei √ľberhaupt noch h√§ngen, denn sie wachsen an kleinen Seitentrieben, die unter Umst√§nden im Laufe ihres Wachstums weggeschnitten werden. Und zweitens, weil auch bei der Ernte das Wetter stabil sein muss, damit gen√ľgend Zeit f√ľr die aufw√§ndige Handarbeit bleibt. F√ľr ein kleines Fass m√ľssen √ľber 12 Hektar Rieslingweinberge durchk√§mmt werden. Bei der Verarbeitung der Trauben kann der Winzer dann die Extraktion auf die Spitze treiben, da nach dem Abbeeren der Anteil Tannin besonders gering ist, weil die Bitterstoffe aus den Kernen fehlen.

Ich muss zugeben, dass mich dieser trocken ausgebaute Wein wirklich gepackt hat. Extrem konzentrierte Frucht und eine ‚Äď f√ľr diesen niedrigen Alkoholgehalt (13 Vol.%) ‚Äď unglaubliche Tiefe und L√§nge. Wer eine dieser raren Flaschen ergattern will, muss 20 Euro investieren (zum Beispiel hier). Ein geradezu barmherziger Preis f√ľr diesen Wein, wie ich finde. Ach ja, und lange √ľberlegen ist keine gute Idee.

Einen Nachteil hatte die lange Besch√§ftigung mit dem Mondwein allerdings schon. Es blieb nicht mehr genug Zeit f√ľr die Wehlener Sonnenuhr Riesling Sp√§tlese von Dr. Loosen. Die wollte ich ‚Äď nach vielen lobenden Kommentaren von guten Weinfreunden ‚Äď unbedingt noch vor Ort probiert haben. Sei’s drum, dann muss ich wohl irgendwo mal ein ganzes Fl√§schchen ordern.

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Freitag, 10. Februar 2017

Ausblick ProWein 2017: Die besten 100 Bordeaux zum Entdecken.

Wenn Weintrinken konzentriertes Beurteilen und Ausspucken der angestellten Tropfen erfordert, hat das immer mit Arbeit zu tun. Nun sagt aber niemand, dass Arbeit nicht auch Vergn√ľgen bereiten darf. Und das war bei der Verkostung zur Auswahl der besten 100 Bordeaux zum Entdecken uneingeschr√§nkt gegeben. Eine so fachkundige wie kurzweilige Runde war da in Essers Gasthaus (K√∂ln-Ehrenfeld) zusammengekommen, um in f√ľnf Panels die geographisch kleine, aber in Sachen Wein so gro√üe und legend√§re Welt der Anbaugebiete von Bordeaux zu vermessen. Das Preisfeld, auf dem das Geschehen spielte: 6 bis 30 Euro. Und so viel vorweg: Es gibt wirklich eine Menge guten bis sehr guten Stoff in diesem Kosmos. Guter Bordeaux muss also wirklich nicht teuer sein, wie wir auch beim letzten rewirpower-Weintest feststellen konnten, wo ein roter Ch√Ęteau les Rambauds aus 2010 den ersten Platz bei den Weinen unter 8 Euro belegte.

Die Ergebnisse unserer aktuellen Verkostung werden zur ProWein 2017 verk√ľndet, die vom 19.-21. M√§rz in D√ľsseldorf stattfindet. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Besuch der ersten ProWein, eine damals noch kleine Veranstaltung, deren Zukunft h√∂chst ungewiss schien. Heute ist sie eine der bedeutendsten Fachmessen weltweit. Und die nun schon im zehnten Jahr von der Sommelier-Consult K√∂ln unter Mitwirkung vieler Experten erstellte Liste mit den 100 Bordeauxweinen zum Entdecken ist eine der besonderen Ankerpunkte f√ľr die Besucher, die im Rahmen der Messe an gut strukturierten Verkostungen teilnehmen wollen. Jurypr√§sident Markus Del Monego wird auch 2017 wieder im Rahmen der ProWein, gewohnt kurzweilig und informativ, ausgew√§hlte Weine aus der 100er Liste vorstellen (19.3. //17:15-17:45 // Halle 11, Stand J6). Veranstaltet wird das Ganze von der L’√Čcole du Vin de Bordeaux Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux (CIVB).

Nat√ľrlich darf im Vorfeld nichts von den Ergebnissen durchsickern, und ich werde mich hier h√ľten, Konkretes auszuplaudern. Aber was ich verraten kann, ist, dass mir ganz pers√∂nlich die Ros√©weine aus 2016, die getrennt von den Clairets probiert wurden, √ľberraschend viel Vergn√ľgen bereitet haben. Auch die angestellten Weine aus Margaux (Jahrg√§nge 2010-2014) markierten in meiner individuellen Beurteilungskurve Gipfelpunkte.

Sobald die Liste √∂ffentlich werden kann, gibt’s an dieser Stelle einen Link als Update.

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Freitag, 30. Dezember 2016

kompottsurfers Lieblingsweine aus dem Trinkjahr 2016

Normalerweise listet der kompottsurfer zum Jahreswechsel immer zehn Lieblingsprodukte rund ums Essen auf. Aber in diesem Jahr gab es nicht so viele Produkte, die nicht schon in den Vorjahren Ber√ľcksichtigung gefunden h√§tten. Daf√ľr umso mehr √ľberragenden, neu entdeckten Trinkstoff. Also schwenken wir ausnahmsweise mal um.

Neben meinen pers√∂nlichen Favoriten aus den Top 10 des rewirpower-Weintests sind auch ein paar Tropfen aus √úbersee aufgelistet, die mich zuk√ľnftig mehr auf S√ľdafrika und Chile blicken lassen, wenn es um au√üergew√∂hnliche Weine geht. Die Liste ist jedoch nicht nach den H√∂chstbewertungen aller von mir in 2016 getrunkenen Weine zusammengestellt, sondern nach pers√∂nlichem Preis-Genuss-Verh√§ltnis. Klar, dass ein Champagner wie Pol Rogers 2004er Jahrgangs-Cuvee ‚ÄúSir Winston Churchill‚Äú gro√ües Trinkvergn√ľgen bereitet, wenn man ihn – wie bei der Prowein in diesem Jahr ‚Äď mal vor die Flinte bekommt. Aber 199 Euro Einkaufspreis sind dann schon ein reichlich √ľppiges Trinkgeld f√ľr diese rare Perle unter den Champagnern. Deshalb finden solche Kreszenzen keine Aufnahme in meine Hitliste. Und doch bleibt gen√ľgend wunderbarer Stoff √ľbrig.

1. Domaine de Rochegrès // 2014 // Moulin a Vent // Beaujolais // Frankreich // Gamay // 12,5 Vol.% // EUR 25,90
2. Montes Alpha // 2012 // Colchagua Valley / Chile // Syrah // 14,5 Vol.% // EUR 14,95
3. Deidesheimer Herrgottsacker // 2015 // Staatsweingut mit Johannitergut // Pfalz // Deutschland // Riesling Kabinett trocken // 11,5 Vol. % // EUR 5,50
4. Kloof Street ‘Bush Vines’ // 2012 //Mullineux & Leeuw Family Wines // Swartland // S√ľdafrika // Syrah // 13,5 Vol. % // EUR 14,90
5. Les Courtines Grande R√©serve // 2015 // Cave de Cruzy // Pays d’Oc // Frankreich //¬† Sauvignon Blanc, Colombard, Gros Manseng // 12 Vol. % // EUR 7,95
6. Vidal-Fleury // 2013 // Cotes du Rhone // Frankreich // Grenache, Syrah, Mourvèdre, Carignan // 14 Vol. % // EUR 9,90
7. 1838 // 2014 // Weingut Bergdolt, Reif & Nett // Pfalz // Deutschland // Cabernet, Merlot, Lagrein, Dornfelder // 13 Vol. % // EUR 7,80
8. Riesling Sekt Brut Tradition Flaschengärung // Winzervereinigung Die Weinmacher // Pfalz // Deutschland // 12,5 Vol % // EUR 6,95
9. Chasslie // Heitersheimer Maltesergarten // Weingut Zotz // Baden // Deutschland // 12 Vol. % // EUR 6,90
10. Edition Riesling // 2007 // Weingut Querbach // Rheingau // Deutschland // 12 Vol. % // EUR 9,40

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Mittwoch, 07. Dezember 2016

Wine Spectator k√ľrt die besten 100 Weine des Jahres

Seit 28 Jahren gibt es sie nun schon, die Top 100 Liste des Fachmagazins Wine Spectator. Damals, im Jahre 1988, wurde alles noch auf Papier gedruckt, und die Urteile der Experten schienen wie in Stein gemei√üelt. Der 1976 in New York City aus der Taufe gehobene Wine Spectator bildete anfangs ein Gegengewicht zum britischen Decanter, der 1975 gegr√ľndet wurde. Dann trat auch noch Robert M. Parker auf den Plan und machte die vormals nur Spezialisten zug√§ngliche Weinbewertung zu einem marktrelevanten Kriterium. Weing√ľter mit hohen Punktebewertungen von Parker k√∂nnen sich heutzutage eines Verkaufserfolgs sicher sein, so umstritten manche Bewertung vielleicht auch sein mag. Und wenn H√§ndler f√ľr ihre Weine nicht mit Parkerpunkten punkten k√∂nnen, dann tun es notfalls auch die Punkte von anderen Kritikern, um f√ľr den Wein zu werben. Alles das mag mit Schw√§chen behaftet sein, aber es kann f√ľr einen vom gigantischen Angebot schlicht √ľberforderten Konsumenten ein Fingerzeig sein zu einem guten Wein.

Aber zur√ľck zur Wine Spectator Top 100 List. Im Jahre 1988 f√ľhrte ein 1985er Lynch-Bages die Liste an, vor Chateau Margaux aus dem gleichen Jahrgang. Unter den ersten 10 Weinen waren damals sieben (!) Weine aus Frankreich zu finden. Zu Preisen, die jedem Weinliebhaber heute nur ein Kopfsch√ľtteln entlocken. Sparsame 38 $ kostete der Lynch-Bages damals, und der Chateau Margaux war f√ľr 76 $ zu haben. Heute muss man bei Chateaux Margaux mit dem vierfachen Preis f√ľr einen aktuellen Jahrgang kalkulieren.

Die Liste allerdings hat sich in ihrer Zusammensetzung komplett ver√§ndert. Die gro√üen Bordeauxweine sucht man inzwischen meist vergebens in den Top 100. √úberhaupt spielt die alte Weinmacht Europa in der Liste nicht mehr die √ľberragende Rolle von einst. Nur noch zwei franz√∂sische und zwei italienische Weine sind 2016 dort zu finden. Die neue Welt und ihre guten Tropfen haben aufgeholt. Bewertet werden alle von WS in 2016 getesteten Weine, deren Zahl in die Zigtausende geht. Zumeist sind es die gerade erschienenen aktuellen Jahrg√§nge, die man unter die Lupe genommen hat.

Wirklich interessant wird die Liste, wenn man sie nach Preisen sortiert und einen Blick auf Weine bis 15 $ wirft. Da gibt es das eine oder andere Schn√§ppchen zu entdecken. Davor aber hei√üt es: suchen.¬† Also ein bisschen Ostern, kurz vor Weihnachten. Welcher H√§ndler in Deutschland hat den Wein √ľberhaupt vorr√§tig und zu welchem (Euro-)Preis?

Diese 11 Weine sind in der aktuellen Top 100 Liste mit Preisen bis 15 Dollar zu finden:

2014 Villa Pillo Toscana Borgoforte
2015 Kono Sauvignon Blanc Marlborough
2015 Charles Smith Riesling Ancient Lakes Of Columbia Valley Kung Fu Girl Evergreen
2014 Vi√Īa Montes Cabernet Sauvignon Colchagua Valley Classic Series
2014 Real Companhia Velha Douro Evel Red
2014 Fritz Hasselbach Riesling QbA Rheinhessen Fritz’s
NV   Korbel Brut California Organic Grapes
2014 M. Chapoutier C√ītes du Roussillon-Villages Les Vignes de Bila-Haut
2014 Bodegas Onta√Īon Viura Rioja Vetiver
2014 Mud House Pinot Noir Central Otago

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Montag, 21. November 2016

Weingut Tesch und Die Toten Hosen f√ľllen neuen Jahrgang Wei√ües Rauschen ab

Dem Rausch von eisgek√ľhltem Bommerlunder kann die legend√§re D√ľsseldorfer Punkband anscheinend nicht mehr viel abgewinnen. Die Herren sind √§lter geworden und l√§ngst stilvoller unterwegs. Wei√ües Rauschen hei√üt ein Wein, den Campino und Co. zusammen mit dem namhaften Nahe-Winzer Martin Tesch kreiert haben. Seit 2008 arbeiten man nun schon zusammen, und mit dem gro√üartigen Rieslingjahrgang 2015 wird der Rebensaft sogar erstmals auf Magnumflaschen gef√ľllt. Und so d√ľrfte nicht nur den Fans der Toten Hosen Wei√ües Rauschen Trinkvergn√ľgen bereiten, den der Gault Millau Weinguide als “unkomplizierten, zug√§nglichen Trinkwein” beschreibt. Wer eine der nur sehr begrenzt verf√ľgbaren Flaschen an Land ziehen will, muss f√ľr die 1,5-Liter-Magnumflasche 35 Euro (plus Versandkosten) investieren. Und kann direkt ab Weingut bestellen.

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Sonntag, 30. Oktober 2016

rewirpower-Weintest 2016: Limitierte Probierpakete sichern

Wie in den vorausgegangen 13 Austragungen des rewirpower-Weintests werden auch in diesem Jahr wieder Probierpakete mit den besten drei Wei√ü- und Rotweinen geschn√ľrt. Wer sich das eine oder andere Sch√§chtelchen sichern m√∂chte, kann das hier tun.

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