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Dienstag, 03. Januar 2017

Kocht die Jugend ihre Eltern ab? Ministerium stellt Ernährungsreport 2017 vor. Und der gibt Anlass zu Optimismus.

Deutschland, wie es isst ‚Äď so betitelt das Bundeministerium f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft ihren Ern√§hrungsreport 2017. Erinnert entfernt an K√∂ln wie es singt und lacht, aber Anlass zum Lachen bietet der Bericht nicht, es sei denn, man hat vorher ein paar Haschkekse gegessen. Aber nein, geht ja gar nicht, Kekse will n√§mlich kaum einer mehr backen. Zumindest macht das Ministerium in seinem Bericht auf die mangelnde Bereitschaft der Bundeb√ľrger aufmerksam, selbst und frisch Essen zuzubereiten.

Schrieb ich gerade, der Bericht b√∂te keine Erheiterung? Okay, ich muss das revidieren. Vielleicht sind meine Lieblingskekse, die ich gerade zum Espresso knabbere, auch etwas angereichert. Wie auch immer ‚Äď unter der √úberschrift Stimmt’s oder nicht? gibt der Report reichlich Kostfaktisches zum Besten:

1. Mehr Frauen (63 %) als Männer (46 %) bevorzugen die schnelle und einfache Essenszubereitung.
2. Je √§lter die Deutschen sind, desto h√§ufiger trinken sie t√§glich Tee oder Kaffee, entsprechend fast alle √ľber 60-J√§hrigen (97 %)
3. Im Vergleich zu Männern achten Frauen häufiger auf Biosiegel (58 zu 39 %), Fairer-Handel-Siegel (52 zu 35 %) und auch auf Tierwohllabel (52 zu 40 %).
4. Menschen im Westen greifen h√§ufiger t√§glich zu S√ľ√üigkeiten (23%) als Ostdeutsche (11%). Entsprechend stehen Obst und Gem√ľse im Osten eher auf dem Speiseplan (82 %) als im Westen (73%).
5. Die gro√üe Mehrheit h√§lt vegane Lebensmittel auch auf lange Sicht f√ľr relevant (71 %). Gleichwohl stehen Zubereitungen mit Fleisch auf Platz 1 der aktuellen Lieblingsgerichte (53%).

Der kompottsurfer kann derartigen Umfragereports kaum etwas abgewinnen. Was um alles in der Welt hilft es dem Verbraucher, wenn er wei√ü, dass er mit zunehmendem Alter anf√§lliger f√ľr den Konsum von Kaffee und Tee wird? Oder, dass Frauen einfachere Essenszubereitung bevorzugen als M√§nner? Liegt das vielleicht einfach nur daran, dass Frauen meist diejenigen in der Familie sind, die deutlich h√§ufiger den Kochl√∂ffel schwingen und auch die Zutaten (Stichwort: Biosiegel, Punkt 3) besorgen m√ľssen? Nicht selten neben Beruf und Kindererziehung? Ob die Untersuchung diese Faktoren ber√ľcksichtigt hat, wagt der kompottsurfer mal zu bezweifeln. √úber das Erhebungsverfahren der Daten erf√§hrt der Leser n√§mlich herzlich wenig.

Wir lesen auch , dass 89% der Befragten ein Schulfach Ern√§hrung f√ľr w√ľnschenswert halten. Wie gut, dass Schulpolitik L√§ndersache ist. Da muss sich der Bund mit der Umsetzung nicht herum√§rgern. Gleichwohl stellt der Ern√§hrungsreport auch fest, dass es bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren einen gro√üen Trend zum Kochen gibt. W√§hrend sich also die Eltern Ern√§hrungslehre und Kochen als Schulf√§cher w√ľnschen, steht der Nachwuchs bereits mit Begeisterung am Herd. Macht die Jugend aus der Not eine Tugend? Weil Eltern und Gro√üeltern immer weniger Ahnung davon haben, wie man mit frischen Zutaten etwas Leckeres zubereitet? Komm’ mir jetzt keiner mit “die Eltern haben keine Zeit”. Denn ginge es danach, m√ľssten Sch√ľler, vor allem die vielen G8-Penn√§ler, einen gro√üen Bogen um den Herd machen. Tun sie aber nicht, wenn man den Umfrageergebnisse zumindest ansatzweise trauen kann. Und dank youtube-Kan√§len wie yumtamtam bekommen sie hilfreiche Tipps f√ľrs Zubereiten einfacher Gerichte serviert.

Auch wenn sich am Beispiel Jugendkochtrend mal ein interessanter Aspekt aus dem Umfragesumpf des Ern√§hrungsreports fischen l√§sst ‚Äď dem kompottsurfer w√§ren eine dichtere Lebensmittelkontrolle und Erhebungen √ľber Produktqualit√§t lieber als eine Ansammlung von Umfrageergebnissen, die eher f√ľr Industrie und Handel von Belang sind als f√ľr den Verbraucher.

So, Kekse sind alle. Jetzt wird gekocht.

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Dienstag, 02. Juni 2015

Diabetes und die Frage: Ist gesunde Ernährung eine Sache des Geldbeutels?

Schon bei der Diskussion um einen direkten Zusammenhang zwischen Ernährung und Cholesterinspiegel gibt es mehr Fragen als Antworten, und der kompottsurfer verweist in diesem Zusammenhang immer gerne auf das Buch von Uffe Ravnskov Mythos Cholesterin, weil darin die vermeintliche Gefahrenzone anschaulich hinterfragt wird und der Leser im Anschluss gelassener mit seinen Cholesterinwerten umgehen kann.

Was Diabetes Typ 2 betrifft, z√§hlen Ern√§hrungsfaktoren dagegen durchaus zu den relevanten Ursachen f√ľr die Erkrankung. Erst letztens berichtete mir Prof. Dietrich Gr√∂nemeyer in einem Gespr√§ch, dass er mit gro√üer Sorge die unter Jugendlichen deutlich zunehmende Erkrankungsrate von Typ-2-Diabetes sieht, fr√ľher auch als Altersdiabetes bekannt. Ohne Frage eine besorgniserregende Entwicklung.

Heute erreichte den kompottsurfer nun eine Meldung der Deutschen Diabetes Hilfe, wonach es einen engen Zusammenhang g√§be zwischen Diabetesrisiko und Armut. Nachvollziehbar argumentiert wird da allerdings nicht, sondern lediglich abgeleitet vom unbestreitbar vorhandenem, allgemeinen Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozialer Lage. Es erinnert ein wenig an die leidige Fahrradhelmdiskussion, wonach die Gegner des Helmtragens mit einer Statistik argumentieren, die besagt, Radfahrer mit Helm verungl√ľckten h√§ufiger als Radfahrer ohne Helm. Dabei ist doch die entscheidende Frage eine andere: Was passiert mir, wenn ich ohne Helm mit dem Kopf irgendwo aufpralle und was, wenn ich beim Aufprall einen Helm trage. Der Helm wird schlie√ülich f√ľr den Fall des Fallens aufgesetzt.

Aber zur√ľck zum eigentlichen Thema. Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE ‚Äď Deutsche Diabetes-Hilfe argumentiert so: “W√§hrend sich Kinder von Eltern mit hoher Schulbildung und hohem Haushaltseinkommen h√§ufiger nach einem gesunden Ern√§hrungsmuster ern√§hren, essen Kinder aus sozial benachteiligten Verh√§ltnissen eher nach einem ‚Äös√ľ√üen Schema‚Äė, das viel verarbeitete und hochkalorische Lebensmittel einschlie√üt.” Soweit, so gut, wenn wir mal davon ausgehen, dass es f√ľr diese Aussage eine belastbare Datenlage gibt. Was ja, wie der kompottsurfer erst k√ľrzlich berichtete, alles andere als selbstverst√§ndlich ist. Trotzdem geht hier einiges durcheinander. Hohe Schulbildung und hohes Haushaltseinkommen m√ľssen n√§mlich nicht zwingend zusammengeh√∂ren. Und da wir sowohl wissen, dass die Ausgaben der Bundesb√ľrger f√ľr Ern√§hrung nur zwischen 10 und 11 Prozent ihres Einkommens ausmachen, als auch, dass eine Ern√§hrung mit s√ľ√üen sowie industriell verarbeiteten Lebensmitteln nicht unbedingt billiger ist als frisch zubereitetes Essen, f√§llt das finanzielle Argument praktisch weg, und es bliebe nur die Frage der Schulbildung. Aber da sich l√§ngst nicht jeder gut ausgebildete, gut verdienende Bundesb√ľrger gesund ern√§hrt (ich kenne sogar einige √Ąrzte, die dringend eine Beratung ben√∂tigen w√ľrden) kann es das auch nicht sein. Zumal man in anderen Regionen Europas wie zum Beispiel Frankreich oder Italien auch bei der einfachen Landbev√∂lkerung oft vorz√ľglich und gesund zu Hause bekocht wird.

Also was bleibt? Der kompottsurfer sieht den Grund f√ľr die missliche Lage in einem mangelnden Ern√§hrungswissen in Tateinheit mit einer immer noch viel zu geringen Bereitschaft vieler Bundesb√ľrger, einen h√∂heren Anteil ihres Einkommens f√ľr gute Ern√§hrung auszugeben. Statt Sky Abo, monstr√∂ses LCD TV, Designerjeans und neuestes iPhone ‚Äď wie w√§r’s mal mit t√§glich frischer K√ľche. Und wer jetzt mit fehlender Zeit argumentiert, der darf gerne mal alle Minuten zusammenrechnen, die er allein f√ľr sinnlose Kommunikation in den sozialen Medien, zielloser Internetsurferei und den Konsum von kompletten DVD-Staffeln verprasst ;-) .

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Samstag, 11. August 2012

Freiheit oder Fressverbote?

In der Holzausgabe des Spiegel berichtet der gesch√§tzte Kollege Ullrich Fichtner √ľber die Initiative von New Yorks B√ľrgermeister Michael Bloomberg, Softdrinks in XXL-Format verbieten zu lassen. Hintergrund: Rund 65 Prozent aller erwachsenen US-B√ľrger gelten als √ľbergewichtig. Eine tickende Kalorienbombe, die das amerikanische Gesundheitssystem zu sprengen droht, so explosiv entwickeln sich die Kosten durch Folge-Erkrankungen von √úbergewicht.

Nun will Bloomberg XXL-F√ľllungen bei Softdrinks verbieten lassen, um ein Zeichen gegen unkontrollierte Kalorienzufuhr zu setzen. Zugleich begr√ľ√üte er aber Amerikas Nationalfeiertag des Donuts, der in den USA am 1. Juni gefeiert wurde. Lassen wir mal die aberwitzige Widerspr√ľchlichkeit von Bloombergs Verhalten Au√üen vor und stellen uns mal nicht nur die Frage, ob die Verbote tats√§chlich etwas bewirken k√∂nnen. Denn es geht um mehr: Freiheit.

Wie stark darf der Staat das Konsumverhalten seiner B√ľrger einschr√§nken, ohne deren Freiheit zu tangieren? Wo f√§ngt die Freiheit des Einen an, wo h√∂rt die des Anderen auf? Bei Zigarettenkonsum f√§llt die Abgrenzung noch vergleichsweise leicht. Wer raucht und dabei andere mit seinem Qualm bel√§stigt oder sogar auf Dauer sch√§digen k√∂nnte, muss seiner Lust, seinem Laster, wie auch immer, dort fr√∂nen, wo er Nichtraucher nicht st√∂rt. Nun k√∂nnte man auch versuchen, die Logik auf den Konsum von Alkohol anzuwenden. Nach dem Motto, wer Alkohol trinkt, gef√§hrdet den Stra√üenverkehr, die Kommunikation in der Familie, die Arbeit in der Firma. Wer aber Single ist, dazu Rentner und Alkohol nur Zuhause trinkt und danach nicht vor die T√ľr geht, der sollte keine direkte Gef√§hrdung f√ľr die Allgemeinheit darstellen. Oder?

Aber was ist nun mit den √úbergewichtigen? Wen gef√§hrden sie direkt, wenn sie zuviel essen? Tja, da wird die Argumentation schon schwieriger, und deshalb wird das Feld der Folgekosten beackert. Die Kostenexplosion belastet das Gesundheitssystem und deshalb unser aller Freiheit, eventuell weniger Beitr√§ge zahlen zu m√ľssen. So k√∂nnte man argumentieren. Ein, zwei Gedanken gesammelt und schon f√§llt auf, dass man dieses Argument auf Raucher und Trinker ebenfalls anwenden kann. Zus√§tzlich zu den anderen Argumenten. Risikosportler fielen mir auch noch ein und Leute, die k√∂rperliche Aktivit√§t f√ľr ein Kapitalverbrechen halten. Wer lange genug sucht, wird bei einem erheblichen Teil unserer Gesellschaft Verhaltensweisen und Konsum entdecken, der relevante gesundheitliche Folgekosten nach sich ziehen k√∂nnte.

Aber was ist mit der Freiheit zur Selbstzerst√∂rung? Die sollte doch jeder haben, oder vielleicht doch nicht? Weil n√§mlich vor jeder Selbstzerst√∂rung der Kostenapparat angeworfen wird, um die Selbstzerst√∂rung hinauszuz√∂gern. Und schon sind wir wieder bei den Krankenversicherungsbeitr√§gen und dem Argument, dass die Gemeinschaft der Versicherten f√ľr das vermeintliche Fehlverhalten der anderen mitbezahlen muss. Wie schwer aber wiegt dieses Fehlverhalten? Wie falsch parken? Wie betrunken Autofahren?

Man k√∂nnte dieses Spiel endlos weitertreiben. Am Ende aber ist es eine Frage der Abw√§gung, wie auf bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen bei Ern√§hrung und Genussmitteln reagiert werden muss. Nat√ľrlich sollten Nahrungsmittel verboten werden, wenn sie akut gesundheitsgef√§hrdend sind. Dar√ľber d√ľrfte Einigkeit herrschen. Aber ist EINE XXL-Cola gesundheitsgef√§hrdend? Oder ZWEI XL-Colas? Von allen M√∂glichkeiten, das Problem des √úbergewichts in den Griff zu bekommen, ist die Regulierung von Gebindegr√∂√üen nach Ansicht des kompottsurfers die patentiert haarstr√§ubendste Idee.

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Freitag, 08. Juni 2012

Teller des Schreckens: Neunj√§hrige Schottin bloggt √ľber ihr Schulessen.

Ein Beitrag in der Holzausgabe des aktuellen stern machte mich neugierig auf das, was die neunj√§hrige Sch√ľlerin Martha Payne aus Schottland Tag f√ľr Tag √ľber ihr Schulessen bloggt. Mindestens so eindrucksvoll wie ihre Beschreibungen in ihrem Blog auf NeverSeconds sind ihre dokumentarischen Fotos. Der kompottsurfer wei√ü, dass Schulessen auch in Deutschland kaum besser aussieht ‚Äď und schmeckt. An der Schule meines Sohnes zum Beispiel werden die Kinder und Jugendlichen mit dem Kantinenfra√ü ‚Äď anders kann man es leider nicht bezeichnen ‚Äď einer Beh√∂rde abgespeist, der in unvertretbaren Ma√ü aus Pommes, Mayonnaise, Wurst und Schnitzel besteht.

Jamie Oliver engagiert sich schon seit vielen Jahren f√ľr besseres Schulessen, nicht nur in Gro√übritannien. Er wird auch nicht m√ľde, seine Botschaft in die Welt zu tragen, wie ein Vortrag in den USA (s. unten) verdeutlicht. Der kompottsurfer kann √ľber die allgemeine Ern√§hrungslage in den USA keine Einsch√§tzung aus erster Hand treffen, f√ľr Deutschland aber sehr wohl. Und hier bleibt ‚Äď allen erfolgreichen Kochsendungen im Fernsehen zum Trotz ‚Äď der Qualit√§tsanspruch ans Essen weiterhin bescheiden. Entscheidend ist nach wie vor der Preis.

In Deutschland, so erl√§uterte es mir einmal Frau Dr. Monika Hartmann, Professorin f√ľr Marktforschung der Agrar- und Ern√§hrungswirtschaft am Institut f√ľr Lebensmittel- und Ressourcen√∂konomik der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universit√§t Bonn, reagieren die Verbraucher besonders sensibel auf Preisver√§nderungen bei Lebensmitteln. Entsprechend logisch ist der Preiskampf, den sich die Discounter bei Preisen f√ľr Milch, Butter, vor allem aber Fleisch liefern. Obwohl dieser Preiskampf im Grunde nur eines dokumentiert: den Irrweg, den Verbraucher in Tateinheit mit Erzeugern, Industrie und Handel beschritten haben.

Aber zur√ľck zum Schulessen. Frau Prof. Hartmann best√§tigte mir, dass es eine inverse Relation von Ern√§hrungswissen und Ern√§hrungsweise von Kindern und Jugendlichen zum Bildungsstand der Eltern gibt. Die Erkenntnis ist schon seit einiger Zeit Gewissheit. Nur passieren tut fast nichts. Ein Ansatzpunkt, gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien zu f√∂rdern, und das nicht nur in Hinblick auf eine Verbesserung des Ern√§hrungswissens, w√§ren Ganztagsschulen, sagt Hartmann. Sie b√∂ten die M√∂glichkeit, auch jungen Menschen, bei denen frisches Obst, Salat und Gem√ľse zuhause nicht oder selten auf dem Speiseplan stehen mit diesen Produkten vertraut zu machen. So weit die Theorie. Nur wenn das Essen dann so aussieht wie bei Martha, dann ist es am Ende nat√ľrlich v√∂llig egal, wo es die Sch√ľler in sich reinschaufeln. Was es braucht, ist ein Pflichtfach Ern√§hrung und Kochen in der Schule, findet der kompottsurfer. Unabh√§ngig davon, welche berufliche Richtung die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler sp√§ter einschlagen, k√∂nnte kein anderes Fach f√ľr das sp√§tere Leben eine so hohe praktische Relevanz vorweisen wie das Kochen. An diesem Punkt sollte angesetzt werden.

Ach ja: Die EU hat 2009 ein internationales Schulobstprogramm aufgelegt, das im März 2010 hierzulande gestartet wurde und in NRW vom Lehrstuhl von Frau Prof. Hartmann begleitet wird. Fazit nach zwei Jahren Laufzeit: NRW hatte sich seinerzeit bewusst dazu entschieden, den Erfolg des EU-Schulobstprogramms nicht
an der Gewichtsentwicklung der beteiligten Kinder und Jugendlichen zu messen sondern anhand einer Umfrage. “Bei weit uŐąber 100 identifizierten Einflussfaktoren auf die Entwicklung von √úbergewicht sei ein Nachweis der Einflussnahme auf die Gewichtsentwicklung durch Schulobst nicht zu erbringen”, hei√üt es zur Begr√ľndung, die durchaus plausibel erscheint, aber letztendlich mit Vorsicht zu genie√üen ist, eben weil die Aktion lediglich auf ihre marketingtechnische Wirkung untersucht wurde und nicht auf ihre tats√§chliche gesundheitliche, die ja weit mehr umfasst als nur die Entwicklung des K√∂rpergewichts. Immerhin, es w√§re ein guter Anfang, wenn in den K√∂pfen tats√§chlich schon etwas passiert ist. Sogar ein wichtiger.

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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Nach der Einf√ľhrung in Frankreich: Cola-Steuer auch in Deutschland sinnvoll?

Wie ich gestern Abend in der digitalen Financial Times Deutschland lesen konnte, hat die geplante Cola-Steuer in Frankreich ihre letzte H√ľrde genommen. Eine Verfassungsbeschwerde gegen die neue Abgabe wurde von den Richtern abgewiesen. Damit ist der Weg frei f√ľr eine Steuer, deren vorgeblicher Zweck die Gesundheitsf√ľrsorge sein soll. In Zeiten hochnotklammer Haushaltskassen wirkt diese hehre Absicht allerdings reichlich unglaubw√ľrdig.

Bereits im Juli dieses Jahres forderte Thomas Danne, Chefarzt der Kinderklinik Hannover, medienwirksam via BILD die Einf√ľhrung einer Steuer auf zuckerhaltige Getr√§nke in Deutschland, um Diabetes und Adipositas besser bek√§mpfen zu k√∂nnen. Diesem Mann ist es abzunehmen, dass er tats√§chlich ein Gesundheitsinteresse hat. Und nat√ľrlich liegt er mit dem Vorschlag, dass gegen den hohen Zuckerkonsum etwas getan werden muss, auch √ľberhaupt nicht daneben, wie der kompottsurfer findet. Aber muss es die Einf√ľhrung einer Steuer sein? Und warum der Begriff Cola-Steuer? Warum nicht Nutella-Steuer? Schlie√ülich kann der von diversen Fu√üballprofis gef√∂rderte Nutellakonsum √§hnliche Zuckermengen in kariesgeplagte Kinderm√ľnder bringen. Von den versteckten Zuckergaben in Ketchup und zahlreichen anderen Lebensmitteln ganz zu schweigen.

Der kompottsurfer findet, dass die Steuer nicht der richtige Ansatz ist, wenn man es mit der Gesundheitsf√ľrsorge ernst meint. Besser w√§re es, auf stark zuckerhaltige Genussmittel eine Altersbegrenzung wie beim Alkohol einzuf√ľhren. Dann k√∂nnen Kinder vor und nach der Schule¬† wenigstens nicht mehr unkontrolliert S√ľ√üzeug einkaufen und konsumieren.

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Freitag, 23. Dezember 2011

Jetzt mal im Ernst: Wie schmeckt Schuhbecks H√ľttengaudi wirklich?

Ganz anders als in der Werbung: Schuhbecks Feines Zweierlei

Im Zusammenhang mit dem Besuch von Spitzenrestaurants wird oft von Schwellenängsten gesprochen, die unroutinierten Besuchern die Einkehr erschweren. Meine Schwellenangst äußerst sich dagegen beim Betreten eines Fastfood Restaurants. Kein Witz. Aber ich wollte nicht länger kneifen und dem von vielen Gourmets kritisierten Engagement des Sternekochs Alfons Schuhbeck bei Mc Donalds einmal konkret nachgehen.

So viel vorweg: Schuhbeck war nicht da. Und der Uli Hoene√ü auch nicht. Da war ich schon ein bisschen entt√§uscht, muss ich sagen. Aber vielleicht w√ľrde es seine H√ľttengaudi-Teil-3- Kreation ja rausrei√üen. Nun stehe ich da also am Tresen, und die Schwellenangst ist wieder da. Mit welcher Souver√§nit√§t die Jugendlichen vor mir ihre Bestellungen aufgeben ‚Äď Hut ab. Kleines Men√ľ, gro√ües Men√ľ, Ketchup, Majo, sonstige Saucen und Getr√§nke. Also ich finde mich in diesem Gewusel nur schwer zurecht. Vielleicht fehlt mir auch nur der Wille.

Also ich nehme Schuhbecks Feines Zweierlei. Weizenbr√∂tchen mit Rindfleischbulette, N√ľrnberger Rostbratw√ľrstchen, H√ľttenkraut und Tomaten-Chili-Vanille-Sauce. Klingt gar nicht mal unappetitlich, obwohl dieses Fleischdoppel von Rostbratw√ľrstchen und Bulette schon speziell ist. Aber was ich dann auf dem Pappdeckel hatte, schmeckte f√ľr mich eher nach H√ľttengrausi. Denn H√ľttenkraut und Sauce waren sehr spartanisch dosiert, ganz anders als es auf den Fotos in der Werbung aussieht. Weshalb das Ding doch arg trocken r√ľberkam, so sehr wie es dominiert war von Fleisch und weichem Weizenbr√∂tchen. Immerhin, die Fleischw√ľrzung war in Ordung, genauso wie die Textur des Fleischs. Wird Zeit, das der Alfons durch die Filialen in den St√§dten zieht und nachschaut, wie ernst es um seine H√ľttengaudi steht.

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Freitag, 10. Dezember 2010

Es ist v√∂llig wurscht, was du isst …

Hauptnahrung S√ľ√üigkeiten - geht das?

Zu dieser Folgerung kommt der Ern√§hrungswissenschaftler Uwe Knop in seinem neuen Buch Hunger und Lust. Der gesch√§tzte Kollege Hajo Schumacher, alias Achim Achilles, l√§sst in seiner Laufkolumne auf Spiegel Online Knop im Interview zu Wort kommen. Und da lese ich S√§tze wie: “Es gibt keine Beweise f√ľr irgendeine der g√§ngigen Ern√§hrungsregeln. Es gibt nur statistische Zusammenh√§nge, das hei√üt vage Vermutungen, sonst gar nichts. Und daraus irgendwelche Regeln f√ľr das Individuum abzuleiten ist v√∂lliger Quatsch.”

Knop weiss offensichtlich, welche Kn√∂pfe man dr√ľcken muss, um beim Thema Ern√§hrung PR-Punkte zu sammeln. Was taugte daf√ľr besser, als den Menschen inhaltlich bei seiner Bequemlichkeit und seinen Gewohnheiten abzuholen? Ich bin ja selbst kein Freund von Ern√§hrungsdogmatismus, aber wenn deutliche statistische Zusammenh√§nge in den Rang vager Vermutungen herabgestuft werden, dann kann ich die Positionen dieses Mannes wirklich nicht mehr ernst nehmen.

Er selbst sagt: “Der K√∂rper hat √ľber Jahrzehnte gelernt, was wo drin ist. Das ist die kulinarische K√∂rperintelligenz.” Woher wei√ü er das? Gibt es zumindest statistische Zusammenh√§nge, die ihn daraus wenigstens eine vage Vermutung ableiten lassen, oder gibt seine Aussage nicht mal das her?

Dass es keine gesunden und ungesunden Lebensmittel gibt, ist nun wirklich nicht neu. Das lernt fast jeder angehende Ern√§hrungswissenschaftler schon im ersten Semester. Ich h√∂rte sogar mal von einem Professor, der seinen Studenten Strafz√∂lle abn√∂tigte, wenn sie von einem “gesunden Lebensmittel” sprachen. Funktionierte so √§hnlich wie das Phrasenschwein in der Fu√üballsendung Doppelpass auf DSF. Aber von gesunder und ungesunder Er√§hrung darf auch bei den Ern√§hrungswissenschaftlern gesprochen werden.

In einer systematischen Metastudie von Renehan, Tysen, Egger und Kollegen der University of Manchester (LANCET 16.2.2008) wurde das Verh√§ltnis von Krebs und K√∂rpergewicht (orientiert am BMI) untersucht. F√ľr die Analyse wurden 141 Publikationen mit insgesamt 282.137 Krebspatienten aus 76 Studien herangezogen. Mit folgenden Ergebnissen: Erh√∂ht sich der BMI nur um 5 kg /m2 steigen die Risiken f√ľr viele Krebsarten deutlich. Bei den M√§nnern liegt die Gefahr f√ľr Speiser√∂hrenkrebs um 52%, Schilddr√ľse 33%, Dickdarm 24% und Niere ebenfalls um 24% h√∂her. Bei den Frauen machen Karzinome der Geb√§rmutterschleimhaut 59%, Gallenblase 59%, Speiser√∂hrenkrebs 51% und Niere 34% die deutlichsten Gefahrenherde aus.

So viel zu den vagen Vermutungen. Und dass Ern√§hrung ‚Äď neben Bewegungsmangel ‚Äď zu den Hauptfaktoren f√ľr √úbergewicht z√§hlen, daran d√ľrfte niemand ernsthafte Zweifel haben, der noch alle Tassen im Schrank hat.

Wer mal in den Podcast zur Studie reinhören will, surft hier entlang (lange Ladezeit).

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Freitag, 19. Februar 2010

Kampfsage von √Ąrzten und Krankenkassen: Die Lebensmittelampel leuchtet wieder

Die Nährwertampel

Der Kampf f√ľr eine Ampel-Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln schien sp√§testens nach dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl aussichtsloser denn je. √úber das F√ľr und Wider hatte der kompottsurfer in den letzten Jahren immer wieder berichtet und dabei klar f√ľr eine Kennzeichnungspflicht votiert.

Nun, wo der Kampf gegen die lobbystarke Lebensmittelindustrie schon fast verloren schien, legen die Bef√ľrworter der Kennzeichnungspflicht noch mal einen Gang zu. Wie der digitale Spiegel heute berichtet, fordern √Ąrzte und Krankenkassen in einem Brief an deutsche EU-Abgeordnete, sich im europ√§ischen Parlament f√ľr die Ampel einzusetzen. Und es sind nicht nur ein paar versprengte Funktion√§re und Gutmenschen√§rzte, die das Papier unterzeichnet haben, sondern es sind der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen, der AOK-Bundesverband, die Verbraucherzentralen, die Bundes√§rztekammer sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugend√§rzte und die deutsche Herzstiftung. Da ist m√§chtig Druck hinter. Und endlich kommt richtig Bewegung ins Geschehen. Die Schlacht ist also noch nicht verloren.

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Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ampelkennzeichnung abgeblockt. Generation XXL darf kommen

Wie gerade auf Spiegel Online gemeldet, wird die Ampelkennzeichnung f√ľr Lebensmittel h√∂chstwahrscheinlich nicht kommen. Die Lobby der Industrie hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Wie im kompottsurfer bereits vor l√§ngerer Zeit berichtet, hat auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in der Vergangenheit alles getan, um den Eindruck zu erwecken, sie lie√üe sich vor den Karren der Industrie spannen. Die Generation XXL wird also weiterhin mit staatlicher Unterst√ľtzung gem√§stet. Wie gut, dass die Krankenkassen volle Konten haben, da k√∂nnen sie ja die Kostenbomben von morgen locker wegstecken.

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Montag, 11. Februar 2008

Eine Adipositas-Steuer f√ľr Schokolade und Chips muss her!

Schon vor einigen Wochen war mir im Supermarkt der enorme Anstieg der Schokoladenpreise aufgefallen. Ritter Sport, Mars, Kitkat und Milka kosten jetzt deutlich mehr als zuvor. Nicht, dass ich ein besonderer Freund gro√üindustriell hergestellter Schokolade w√§re, aber die Preiserh√∂hung, quer durch die Herstellerlager, kam mir schon merkw√ľrdig vor.

Heute meldet die Financial Times Deutschland in ihrer Holzausgabe, dass die Unternehmen Nestl√© (kitkat), Kraft Foods (Milka), Mars und Ritter von Fahndern im Auftrag des Kartellamts durchsucht worden sind. Vorwurf: Preisabsprache. Kurios finde ich allerdings die Angabe, dass die Preiserh√∂hungen im Schnitt lediglich um 10-12 Prozent gestiegen seien. Meine Beobachtungen haben ergeben, dass die Preise teilweise um 25% erh√∂ht wurden. Einige Superm√§rkte haben zum Beispiel Ritter Sport Schokolade nicht mehr f√ľr 69 Cent sondern f√ľr 85 Cent im Programm.

Als Grund f√ľr die Erh√∂hung werden die erh√∂hten Kosten f√ľr Kakao und N√ľsse angegeben. Tats√§chlich stiegen vor allem die Preise bei Mandeln und N√ľssen, auch Milch wurde deutlich teurer, ganz zu schweigen von den Energiekosten. Bei Ritter wurde im vergangenen Jahr allerdings schon eine 20-prozentige Preiserh√∂hung wegen schlechter Gesch√§ftszahlen angek√ľndigt (die wiederum auch wieder mit den erh√∂hten Kosten begr√ľndet wurden).
So kritikw√ľrdig Preisabsprachen auch sind ‚Äď gegen deutlich h√∂here Preise bei S√ľ√üigkeiten und Chips h√§tte ich nichts. Im Gegenteil, ich w√ľrde das sogar begr√ľ√üen, weil diese Kalorienbomber schon seit Jahren von vielen Deutschen wie Grundnahrungsmittel vertilgt werden. Am besten sollte eine Adipositas-Steuer aufgeschlagen werden, die komplett in Projekte f√ľr bessere und ges√ľndere Ern√§hrung und Abspeckprogramme flie√üt (und nicht in die Sanierung des Staatshaushalts). Mir tut es in der Seele weh, wenn ich die vielen mopsigen Kinder auf der Stra√üe sehen muss, die unter ihrem Gewicht leiden, aber deren Familien nicht Willens und in der Lage sind, dass Problem zu l√∂sen. Und in den Schulen passiert auch zu wenig.

√úber die gesellschaftlichen Zusammenh√§nge in Sachen √úbergewicht wurde an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon einiges geschrieben. Wenn diese s√ľ√üen und fettigen Gesundheitskiller deutlich teurer w√§ren, w√ľrde das niemandem schaden und der Umgang damit k√∂nnte – in Verbindung mit entsprechender Aufkl√§rung – ein verantwortlicherer werden. Mit Genuss hat das oft v√∂llig hemmungslos praktizierte Hineinschaufeln von Junk Food nach meiner √úberzeugung jedenfalls √ľberhaupt nichts zu tun.

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