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Montag, 23. September 2013

Wurde die Wahrheit ĂĽber EHEC vertuscht?

“Die Bundesregierung hat die Bevölkerung beim weltweit größten EHEC-Ausbruch im FrĂĽhjahr 2011 bewusst getäuscht.” Diese drastische Formulierung wählten die Verantwortlichen von foodwatch nach Auswertung der Akten. Man könnte das jetzt fĂĽr medienwirksame Ăśbertreibung halten, allerdings soll das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt haben, dass die Ursachen der Epidemie, an deren Folgen in Deutschland 53 Menschen starben, weitgehend ungeklärt sind. Mindestens 87 Prozent aller gemeldeten EHEC-Fälle sollen ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt worden sein.

Der kompottsurfer hatte seinerzeit umfänglich ĂĽber die EHEC-Geschehnisse berichtet. Und es war damals schon abzusehen, dass die Klärung der Ursachen kompliziert werden wĂĽrde. Wenn aber nun das stimmt, was foodwatch behauptet, nämlich dass die Verlautbarung der Bundesregierung “Bockshornkleesamen aus Ă„gypten sowie Sprossen und Keimlinge, die daraus gezogen wurden, waren fĂĽr den Ausbruch verantwortlich” wider besseres Wissen herausgegeben wurde, dann ist das ein handfester Skandal. So soll eine Gesamtliste mit allen 3.842 EHEC-Erkrankungen, die Verbindungen zu dem Sprossenbetrieb aufzeigen, nie existiert haben. Wie foodwatch mitteilt, soll das RKI bereits eingestanden haben, lediglich 500 Fälle seien untersucht und aufgelistet worden.

Was können wir daraus schließen? Beruhigungspillen sind anscheinend wichtiger als Aufklärungsarbeit. Die nächste Lebensmittelverseuchung wird kommen, und dann fliegt den Verantwortlichen vielleicht das unzureichende EHEC-Krisenmanagement um die Ohren.

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Samstag, 31. Dezember 2011

Das beste Jahr des kompottsurfers ist abgefrĂĽhstĂĽckt. Allen Lesern einen guten Rutsch und ein gesundes und genussvolles 2012

Auf ein gesundes und genussvolles 2012! Prost!

Satte 49 Prozent mehr Leser brachte dem kompottsurfer das Jahr 2011, und darüber herrscht hier natürlich große Freude zum Jahresabschluss. Dass ausgerechnet die sehr unerfreuliche Thematik der EHEC-Krise zu den höchsten Tagesbesuchswerten beigetragen hat, dokumentiert sowohl das Maß an Verunsicherung in Deutschland als auch einen hohen Informationsbedarf. Auch wenn vieles dafür spricht, dass uns in den nächsten Jahren weitere Lebensmittelskandale ins Haus stehen, hofft der kompottsurfer natürlich das Gegenteil.

So, das war’s fĂĽr 2011. Rutscht gut rein! Prost!

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Freitag, 17. Juni 2011

EHEC: Jetzt ist er da, der Hygiene-GAU

Nichts wäre dem kompottsurfer lieber gewesen als dass seine Befürchtungen hinsichtlich der Ausbreitungswege von EHEC durch Schmierinfektion nicht so krass bestätigt worden wären wie mit dem heute bekannt gewordenen Fall, wo im Rahmen einer Familienfeier in Niedersachsen, die von einem nordhessischen Catering Service beliefert wurde, 20 der 65 Gäste erkrankten. Nach Angaben des Hessischen Gesundheitsministeriums ist der Erreger im Verlauf des Zubereitungsprozesses auf die Speisen gelangt.

Die an dieser Stelle seit Ausbruch der Seuche wiederholt formulierte Kritik gegenüber den verantwortlichen Stellen, bei ihren Warnungen immer die Produkte und deren Herkunft in den Mittelpunkt zu rücken statt die Hygienefrage, kann der kompottsurfer nur erneuern. Eine solche Schwerpunktsetzung führt – völlig erwartbar – dazu, dass der Hygienefrage in der Bevölkerung weit weniger Bedeutung beigemessen wird als nötig. Hygienehinweise wurden von verschiedener Seite zwar gegeben, aber sie standen immer deutlich an zweiter Stelle, nach den Produktwarnungen. Und jetzt haben wir den Salat. Die verantwortlichen Stellen müssen sich fragen lassen, ob sie die Gefährdungen durch Schmierinfektionen weiterhin so geringschätzig einstufen wollen wie bisher. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie schnell ein gefährlicher Erreger den Weg durch die Republik finden kann. Man stelle sich nur vor, das Catering wäre für ein Volksfest vorgesehen gewesen.

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Freitag, 10. Juni 2011

Aktuelle Meldung zu EHEC: Rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie liefert Sprossen als Verursacher. Tomaten, Gurken und Blattsalate von der Verzehrwarnung ausgenommen

Auf der gerade laufende Pressekonferenz beim Bundesinstitut fĂĽr Risikobewertung zum Thema EHEC – der kompottsurfer sieht’s gerade live auf n-tv – wird verkĂĽndet, dass die Ursache fĂĽr den EHEC-Ausbruch den Sprossen zuzuordnen ist. Aber es gelang kein direkter Nachweis. Möglicherweise sei die Quelle versiegt. Aber der Ausbruch ist noch nicht vorbei, heiĂźt es. Die Zuordnung von EHEC zu den Sprossen aufgrund einer Indizienkette, geschieht auf Basis eines neues Verfahrens, das Rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie heiĂźt und auf Basis von Modellrechnungen Wahrscheinlichkeiten liefert. Es liegt demnach ein neunfach erhöhtes Risiko fĂĽr EHEC-Erkrankungen durch Sprossenkonsum vor. Obwohl der von den Behörden als Verursacher klar ausgemachte Betrieb auch andere GemĂĽsesorten als Sprossen vertreibt und vertrieben hat, werden die Verzehrwarnungen fĂĽr die anderen Lebensmittel aufgehoben. Schon merkwĂĽrdig.

Die Hygienempfehlungen sollen aber weiter strikt beachtet werden, heißt es von Seiten des BfR. Die Beendigung der Verzehrwarnung geschieht auf Basis einer Neubewertung der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme.

Bei der Pressekonferenz waren Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Prof. Dr. Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts und Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anwesend. Bei Nachfragen einiger Journalistenkollegen wirkten einige der Herren doch reichlich unwirsch. Daraus könnte man die Spekulation ableiten, dass der Druck auf die beteiligten Behörden und Institutionen, den Verzehrverzicht für Tomaten, Gurken und Salat aufzuheben, immens groß war. Denn wirklich sicher wirkten die Herren in ihrer Argumention nicht. Und überzeugend leider auch nicht.

Warum der kompottsurfer skeptisch bleibt und die Entwarnung für verfrüht hält, ist dem Posting von heute früh zu entnehmen.

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Freitag, 10. Juni 2011

EHEC: Entwarnungsmeldungen fĂĽr Gurken, Tomaten und Salat verfrĂĽht

Gestern bedenklich, heute okay? Gurken, Tomaten und Salat auf dem PrĂĽfstand

Mehrere Onlinedienste (unter anderem Spiegel Online) haben auf Basis von Agenturmeldungen (dpa, afp) heute frĂĽh Entwarnung in Bezug auf den Verzehrverzicht von Gurken, Tomaten und Salat gegeben und sich dabei auf eine fĂĽr heute Vormittag 10.30 Uhr angekĂĽndigte, gemeinsame Pressekonferenz von Verbraucherministerium und Robert-Koch-Institut bezogen, auf der eine entsprechende Mitteilung erfolgen soll.

Weder das RKI noch das Bundesministerium fĂĽr Verbraucherschutz, noch das Bundesamt fĂĽr Risikobewertung haben aber bisher eine offizielle Entwarnung verkĂĽndet. Noch gestern hatte es in einer Stellungnahme des RKI geheiĂźen, die sich auf Aussagen des Bundesamtes fĂĽr Risikobewertung (BfR) bezog, die ausgesprochenen Verzehrempfehlungen sollten weiterhin beachtet werden.

Wenn nicht völlig neue Fakten auftauchen, sieht der kompottsurfer eine solche Entwarnung als verfrüht und eher dem wirtschaftlichen Druck geschuldet an, als dass tatsächlich eine grundätzlich veränderte Lage als die bisherige eingetreten ist. Angesichts aller aktuell bekannten Erkenntnisse ist nicht nachvollziehbar, inwieweit sich die Ausgangslage entscheidend verändert hätte. Es werden immer noch neue Fälle gemeldet (auch wenn die Zahlen rückläufig sind), und die Wege einer möglichen Verunreinigung, wenn sie denn überhaupt den Sprossen nachweislich und ursächlich zugeordnet werden können, sind keineswegs ergründet. Zu viele der Patienten haben offensichtlich gar keine Sprossen gegessen und sind trotzdem infiziert worden. Und über den Umstand, dass es schon im bisherigen Krisenmanagement zu viele fragwürdige Empfehlungen gegeben hat, sollte eine Entwarnungsmeldung – so sie denn tatsächlich heute verkündet wird – mit Vorsicht genossen werden.

Was weiterhin auf keinen Fall vernachlässigt werden sollte ist die Küchen- und Handhygiene. Das sollten die Verbraucher ohnehin verinnerlichen. Denn der Bakterienbefall auf Lebensmitteln wird in Zukunft ein wachsendes Problem werden. Warum das so ist, hat der kompottsurfer in den vergangenen Wochen mehrfach erläutert.

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Mittwoch, 08. Juni 2011

Was lehrt uns der Ausbruch der EHEC-Epidemie? Braucht Deutschland ein Superseuchenamt? Kann ein GemĂĽse SCHULD tragen?

Informationen, Spekulationen, Schuldzuweisungen, Warnungen – die EHEC-Krise hat gezeigt, wie schnell und offensichtlich Ernährungsgesundheit und Wirtschaftsinteressen auf Kollisionskurs geraten können. Nicht nur die Behörden, auch die Medien konnten in diesem Kreuzfeuer zwischen den Interessengruppen offensichtlich keine klare Orientierung finden. Seit Ausbruch der Seuche hat der kompottsurfer die Entwicklungen intensiv beobachtet und kommentiert. Und ein paar grundsätzliche Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst:

1. Den Menschen in Deutschland ist die Hygienesensibilität in den letzten Jahrzehnten zunehmend abhanden gekommen. Die Verbreitung von Bakterien, allen voran die bislang unbekannten und daher schwer behandelbaren, kann durch Hand- und Küchenhygiene, deutlich eingegrenzt werden.

2. Gesundheit ist wichtiger als Wirtschaftsinteressen. Immer. In der medialen Berichterstattung erhielt – aus Sicht des kompottsurfers – der Aspekt der wirtschaftlichen Schäden, die durch behördliche Empfehlungen auf Konsumverzicht bestimmter Produkte entstanden sind, zu viel Raum. So fragwürdig sich bestimmte Entscheidungen auf Konsumverzicht am Ende auch erweisen mögen – wenn es um elementare Gesundheitsfragen, in diesem Fall sogar um eine Epidemie geht, gehören solche Diskussionen aufs Nebengleis. Sie können nach der erfolgreichen Bekämpfung der Seuche immer noch ausgiebig ausgetragen werden.

3. Schuldzuweisungen gehören nicht in die akute Phase einer Seuchenbekämpfung. Das sollten auch die Landes- und Bundesministerien begreifen. Wenn tatsächlich spanische Gurken Träger der gefährlichen Bakterien gewesen wären, hätte das nicht bedeuten dürfen, dass die Spanier Schuld am Ausbruch sind. Genauso wenig wie jetzt im Ausland die Deutschen Schuld sein sollten. Oder einzelne Gastronomen. Die Schuldfrage gipfelte sogar in der Zuordnung des prinzipiell ethisch geprägten Begriffs von Schuld in Bezug auf einzelne Gemüsesorten. Angesehene Medien wie die Welt, der stern , das ZDF, das Hamburger Abendblatt und einige mehr erklärten Gemüse für schuldig beziehungsweise unschuldig. Auch ein Indiz dafür, wie sehr wir in Deutschland von der fortwährenden Suche nach Schuldigen dominiert sind.

4. Das Krisenmanagement erwies sich als erheblich verbesserungswürdig. Die Forderung nach einem Superseuchenamt (wie es auf Spiegel Online formuliert wurde), einer Art Bundesgesundheitsamt (BGA) hält der kompottsurfer jedoch für wenig durchdacht. Das BGA wurde 1994 aufgrund des Skandals um HIV-verseuchte Blutpräparate aufgelöst und in drei einzelnen Instituten neu gegliedert: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Robert-Koch-Istitut (RKI), Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV). Andere Aufgabenbereiche des BGA wurden auf bestehende Ministerien verteilt. Ob die Gliederung im Einzelnen ideal war, darüber kann und will sich der kompottsurfer kein Urteil erlauben, aber dass es keinen großen trägen Behördentanker braucht, um Seuchenprobleme schnell zu lösen, sondern ein gut durchstrukturiertes Erfassungs-, Melde-, Maßnahmen- und Kommunikationssystem, das hat die Vergangenheit klar gezeigt. Schnelles und gezieltes, ja im Grunde sogar eingeübtes Handeln wie es für andere Katastrophenszenarien vorgesehen ist, ist nötig.

5. Die Gefährdung der Lebensmittelqualität ist Ergebnis des immens hohen Preisdrucks am Markt.  In kaum einem anderen Industrieland weltweit sind die Menschen so preisorientiert in Sachen Lebensmittel wie in Deutschland. Es ist also vor allem ein hausgemachtes Problem, wenn – in welcher Art auch immer – belastete Lebensmittel in den Handel der Verbraucher gelangen. Viele Menschen wollen möglichst billig essen, aber dass auf der anderen Seite dieser Medaille Nachteile zu Buche schlagen, Einsparungen bei Kontrolle, Lagerung, Transport und Behandlung, die das Lebensmittel qualitativ beeinträchtigen und verunreinigen können, das will man nicht sehen. Und zum Thema ethische Aspekte in Bezug auf die Bauern in so genannten Drittweltländern bräuchte es noch mal eine gesonderte Auseinandersetzung.

6. Verstärkt regionale Produkte konsumieren. Das Lebensmittelhandelskarussel dreht sich schnell und über den gesamten Globus. Ursachen für Verseuchung sind, wie es die aktuelle Situation zeigt, umso schwerer zu finden, je schwieriger die Handels- und Verbreitungswege nachzuvollziehen sind. Darüber hinaus wird die Ausbreitung einer bakteriellen Verseuchung von Lebensmitteln, unter Einbeziehung der bereits genannten Punkte, weiter eingedämmt.

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Montag, 06. Juni 2011

EHEC und die Angst vor jedem Magengrummeln. Und was den Sprossenverdacht so unheimlich macht.

Geringer Konsum, groĂźe Wirkung: Sind Sprossen der Ursprung fĂĽr die EHEC-Verbreitung? (Foto: Frank C. MĂĽller/bearbeitet/ GNU)

FrĂĽher war Magengrummeln nur ein Magengrummeln. Inzwischen ist mir aber der selbstverständliche Umgang mit einer so unspezifischen und harmlos scheinenden Symptomatik grĂĽndlich abhanden gekommen. Sind das schon die Vorboten von EHEC und HUS? Im Kopf gehe ich dann schnell die letzten Tage durch. Wo bin ich gewesen, was habe ich angefasst, und was habe ich gegessen. Okay, ich geb’s zu, inzwischen pflege ich sogar ein Online-Ernährungstagebuch. Kann ja ohnehin nicht schaden, mal die kalorischen Aspekte meines Essens zu verinnerlichen. In Wahrheit ist das aber nur dem Umstand geschuldet, dass die Ausbreitung des EHEC-Erregers weiterhin fĂĽr steigende Fallzahlen sorgt – auch und gerade solche mit HUS-Symptomatik.

Jetzt also Sprossen. Tatsächlich wurde schon im vergangenen Juni vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) vor dem Konsum von Sprossen gewarnt, weil sie sich in Untersuchungen als wahrer Tummelplatz für Listerien, Salmonellen, E. coli-Bakterien, Noroviren und Hepatitis A-Viren entpuppt hatten. Warum den kompottsurfer der Verdacht, Sprossen könnten der ursprüngliche Bakterienherd sein, so beunruhigt, hat einen einfachen Grund: Wie viele Menschen um alles in der Welt essen in Deutschland regelmäßig Sprossen? Der kompottsurfer kennt keine Konsumzahlen, aber der Gemüsehändler meines Vertrauens verkauft das Zeug nur in vergleichsweise homöopathischen Dosen. Wenn es also tatsächlich die Sprossen sind, die den Ausbruch verursachten, dann dürfte der EHEC-Erreger schnell auf andere Lebensmittel übergegangen zugleich unglaublich resistent und über Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerdem sehr verbreitungsfähig sein. Zugegeben, das sind allesamt Überlegungen, die nicht gerade zur Beruhigung beitragen, aber Beruhigung ist im Moment auch überhaupt keine Lösung.

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Samstag, 04. Juni 2011

Katstrophales Krisenmanagement: EHEC-Erkrankungen durch Infizierung in LĂĽbecker Restaurant wochenlang nicht aufgefallen

Die Gefahr lauerte in einem Lübecker Restaurant. Wie heute durch einen Bericht der Lübecker Nachrichten bekannt wurde, infizierten sich 17 Personen in besagtem Lokal mit dem EHEC-Erreger. Eine Frau starb an den Folgen des durch EHEC ausgelösten HU-Syndroms. Die betroffenen Personen hatten allerdings nicht erst vor wenigen Tagen das Lübecker Lokal besucht, nein, sie waren dort bereits zwischen dem 12. und 14. Mai zu Gast gewesen.

Bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von drei bis vier Tagen drängt sich die Frage auf, warum diese extreme Häufung nicht früher aufgefallen ist. Während eine harmlose Durchfallerkrankung bei einer handvoll Gäste eines Spitzenrestaurants in England die Presse in halb Europa zu Spekulationen über eine angebliche Gefährlichkeit molekular inspirierter Küche veranlasste (der kompottsurfer berichtete), wird in Zeiten einer handfesten Epidemie so ein auffälliger Vorfall wie der in Lübeck übersehen. Wie viele Tomaten müssen Krisenmanager auf den Augen haben, um so eine Häufung nicht zu entdecken? Die Chance, mit einer derart guten Spur schon viel früher den Ausgangspunkt des Erregers entdecken zu können, wurde jedenfalls vertan. Trotzdem gibt es jetzt Anlaß zur Hoffnung, über die Lieferkanäle neue Spuren generieren zu können. Da darf man nur hoffen, dass die Betreiber ihre Ware nicht über heimliche Hinterhoflieferungen bezogen haben.

Ganz offensichtlich funktionieren die Mechanismen nicht, beziehungsweise es gibt keine entsprechenden Notfallpläne, die umgehend greifen, sobald eine Häufung von Infektionen auftritt. Das wird vor allem schon daran deutlich, dass das Robert-Koch-Institut, wie es scheint, erst am 30. Mai einen Aufruf zur (freiwilligen) Teilnahme an einem Meldesystem startete, mit dem Informationen über Fälle von blutigen Durchfallerkrankungen in Notaufnahmen von Krankenhäusern an das RKI weitergeleitet werden sollen. Das sieht der kompottsurfer jedoch nicht hauptsächlich als Problem des RKI an, sondern als Beleg einer grundsätzlichen politischen und behördlichen Unorganisiertheit in derartigen Gesundheitsfragen.

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Freitag, 03. Juni 2011

EHEC und die Entscheidung des kompottsurfers, einen Bogen um Eisdielen zu machen

Vorsicht bei Eis aus der Eisdiele: EHEC-Keime sind kälteresistent

Der Hybrid-Klon des EHEC-Bakterium, der in den letzten Wochen schon so viel Unheil anrichtete, ist tückischer, langlebiger und gefährlicher als alle anderen bekannten Varianten. Exakt 1213 Infektionsfälle wurden seit Ausbruch an das Robert-Koch-Institut bis heute gemeldet. 520 der Infizierten (43%) zeigten und zeigen die bedrohliche HUS-Symptomatik. Elf Menschen starben bereits. Alles zusammen traurige Rekordzahlen.

Da dieser Erreger im menschlichen Darm besonders aggressiv zu Werke geht, öffnet er auch anderen Bakterien den Weg in einen immungeschwächten Körper, was ihn noch gefährlicher macht. Auch Temperaturen unter 0° Celsius zerstören ihn nicht, was mich heute zu der Entscheidung veranlasste, vorerst kein Eis in Eisdielen mehr zu essen. Es reicht eine Schmierinfektion ĂĽber Besteck, Gläser oder TĂĽrklinken, mangelnde Hygiene beim Eismacher, und schon sind die Bakterien da, wo sie am meisten Unheil anrichten können – im Essen. Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei.

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Donnerstag, 02. Juni 2011

EHEC und seine gefährlichen Verwandten

Während die Diskussion um Herkunft, Serotyp und Behandlungsmethoden in Sachen EHEC weitergeht, sickert beim Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz immerhin endlich die Erkenntnis durch, dass möglicherweise gar kein Agrarprodukt für die Verbreitung des Bakteriums verantwortlich ist. Schon zu Beginn der Erkrankungswelle hatte der kompottsurfer davor gewarnt, den Fokus zu sehr auf bestimmte Produktarten sowie bestimmte Regionen zu richten, weil die großen Umschlagplätze von Lebensmitteln und die verzweigten Verteilungswege zu viele Optionen für eine mögliche Verunreinigung offen lassen. Die Spanier sind aus Sicht des kompottsurfers nicht ganz zu Unrecht verärgert darüber, dass die Deutschen Behörden ihre Gurken in Verruf gebracht haben und die Ursache für EHEC zu einem spanischen Problem machen wollten.

Unabhängig von der jetzt in Umlauf befindlichen, gefährlichen Kreuzungsvariante des E.coli-Bakteriums sollte sich der Konsument ins Gedächtnis rufen, dass ständig Bakterien auf Lebensmitteln unterwegs sind, die unsere Gesundheit gefährden können. Weshalb entsprechende Hygiene nicht nur ein Gebot der Stunde ist, sondern generell mehr Beachtung finden sollte. Nicht nur in der Gemeinschaftsverpflegung sowie in der Gastronomie sondern auch im privaten Haushalt. Folgende bakterielle Toxine bereiten immer wieder Probleme*:

1. Bacillus Cereus Kann Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Wird zumeist über warmgehaltene, getreidehaltige Gerichte in der Gemeinschaftsverpflegung verbreitet. Inkubationszeit: 1-12 Stunden. Die Dauer der Erkrankung beträgt maximal einen Tag.

2. Staphylococcus Aureus Kann Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Bakterien treten in Wurst- und Käseaufschnitt sowie in schwach sauren Salaten, Mayonnaise und Cremefüllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit 2-6 Stunden. Dauer der Erkrankung 1-3 Tage.

3. Clostridium Botulinum Lähmt die Nervenzentren des verlängerten Rückenmarks. Inkubationszeit: 1-3 Tage. Kann in den ersten 8 Tagen tödlich enden. Bei Überleben ist mit einer Erkrankungsdauer von 6-8 Monaten zu rechnen.

4. Clostridium Perfringens Symptome sind Bauchkrämpfe, Diarrhoe, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Tritt zumeist im Zusammenhang mit Gemeinschaftsverpflegung in lange warmgehaltenen Fleischgerichten sowie lange warm gehaltene Desserts sowie in Cremefüllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit: 8-24 Stunden, Erkrankungsdauer: bis zu einem Tag.

* Quelle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie vom Belitz, Grosch, Schieberle / Springer Verlag

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