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Montag, 23. September 2013

Wurde die Wahrheit ĂŒber EHEC vertuscht?

“Die Bundesregierung hat die Bevölkerung beim weltweit grĂ¶ĂŸten EHEC-Ausbruch im FrĂŒhjahr 2011 bewusst getĂ€uscht.” Diese drastische Formulierung wĂ€hlten die Verantwortlichen von foodwatch nach Auswertung der Akten. Man könnte das jetzt fĂŒr medienwirksame Übertreibung halten, allerdings soll das zustĂ€ndige Robert-Koch-Institut (RKI) bestĂ€tigt haben, dass die Ursachen der Epidemie, an deren Folgen in Deutschland 53 Menschen starben, weitgehend ungeklĂ€rt sind. Mindestens 87 Prozent aller gemeldeten EHEC-FĂ€lle sollen ohne KlĂ€rung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt worden sein.

Der kompottsurfer hatte seinerzeit umfĂ€nglich ĂŒber die EHEC-Geschehnisse berichtet. Und es war damals schon abzusehen, dass die KlĂ€rung der Ursachen kompliziert werden wĂŒrde. Wenn aber nun das stimmt, was foodwatch behauptet, nĂ€mlich dass die Verlautbarung der Bundesregierung “Bockshornkleesamen aus Ägypten sowie Sprossen und Keimlinge, die daraus gezogen wurden, waren fĂŒr den Ausbruch verantwortlich” wider besseres Wissen herausgegeben wurde, dann ist das ein handfester Skandal. So soll eine Gesamtliste mit allen 3.842 EHEC-Erkrankungen, die Verbindungen zu dem Sprossenbetrieb aufzeigen, nie existiert haben. Wie foodwatch mitteilt, soll das RKI bereits eingestanden haben, lediglich 500 FĂ€lle seien untersucht und aufgelistet worden.

Was können wir daraus schließen? Beruhigungspillen sind anscheinend wichtiger als AufklĂ€rungsarbeit. Die nĂ€chste Lebensmittelverseuchung wird kommen, und dann fliegt den Verantwortlichen vielleicht das unzureichende EHEC-Krisenmanagement um die Ohren.

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Samstag, 31. Dezember 2011

Das beste Jahr des kompottsurfers ist abgefrĂŒhstĂŒckt. Allen Lesern einen guten Rutsch und ein gesundes und genussvolles 2012

Auf ein gesundes und genussvolles 2012! Prost!

Satte 49 Prozent mehr Leser brachte dem kompottsurfer das Jahr 2011, und darĂŒber herrscht hier natĂŒrlich große Freude zum Jahresabschluss. Dass ausgerechnet die sehr unerfreuliche Thematik der EHEC-Krise zu den höchsten Tagesbesuchswerten beigetragen hat, dokumentiert sowohl das Maß an Verunsicherung in Deutschland als auch einen hohen Informationsbedarf. Auch wenn vieles dafĂŒr spricht, dass uns in den nĂ€chsten Jahren weitere Lebensmittelskandale ins Haus stehen, hofft der kompottsurfer natĂŒrlich das Gegenteil.

So, das war’s fĂŒr 2011. Rutscht gut rein! Prost!

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Freitag, 17. Juni 2011

EHEC: Jetzt ist er da, der Hygiene-GAU

Nichts wĂ€re dem kompottsurfer lieber gewesen als dass seine BefĂŒrchtungen hinsichtlich der Ausbreitungswege von EHEC durch Schmierinfektion nicht so krass bestĂ€tigt worden wĂ€ren wie mit dem heute bekannt gewordenen Fall, wo im Rahmen einer Familienfeier in Niedersachsen, die von einem nordhessischen Catering Service beliefert wurde, 20 der 65 GĂ€ste erkrankten. Nach Angaben des Hessischen Gesundheitsministeriums ist der Erreger im Verlauf des Zubereitungsprozesses auf die Speisen gelangt.

Die an dieser Stelle seit Ausbruch der Seuche wiederholt formulierte Kritik gegenĂŒber den verantwortlichen Stellen, bei ihren Warnungen immer die Produkte und deren Herkunft in den Mittelpunkt zu rĂŒcken statt die Hygienefrage, kann der kompottsurfer nur erneuern. Eine solche Schwerpunktsetzung fĂŒhrt – völlig erwartbar – dazu, dass der Hygienefrage in der Bevölkerung weit weniger Bedeutung beigemessen wird als nötig. Hygienehinweise wurden von verschiedener Seite zwar gegeben, aber sie standen immer deutlich an zweiter Stelle, nach den Produktwarnungen. Und jetzt haben wir den Salat. Die verantwortlichen Stellen mĂŒssen sich fragen lassen, ob sie die GefĂ€hrdungen durch Schmierinfektionen weiterhin so geringschĂ€tzig einstufen wollen wie bisher. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie schnell ein gefĂ€hrlicher Erreger den Weg durch die Republik finden kann. Man stelle sich nur vor, das Catering wĂ€re fĂŒr ein Volksfest vorgesehen gewesen.

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Freitag, 10. Juni 2011

Aktuelle Meldung zu EHEC: Rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie liefert Sprossen als Verursacher. Tomaten, Gurken und Blattsalate von der Verzehrwarnung ausgenommen

Auf der gerade laufende Pressekonferenz beim Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung zum Thema EHEC – der kompottsurfer sieht’s gerade live auf n-tv – wird verkĂŒndet, dass die Ursache fĂŒr den EHEC-Ausbruch den Sprossen zuzuordnen ist. Aber es gelang kein direkter Nachweis. Möglicherweise sei die Quelle versiegt. Aber der Ausbruch ist noch nicht vorbei, heißt es. Die Zuordnung von EHEC zu den Sprossen aufgrund einer Indizienkette, geschieht auf Basis eines neues Verfahrens, das Rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie heißt und auf Basis von Modellrechnungen Wahrscheinlichkeiten liefert. Es liegt demnach ein neunfach erhöhtes Risiko fĂŒr EHEC-Erkrankungen durch Sprossenkonsum vor. Obwohl der von den Behörden als Verursacher klar ausgemachte Betrieb auch andere GemĂŒsesorten als Sprossen vertreibt und vertrieben hat, werden die Verzehrwarnungen fĂŒr die anderen Lebensmittel aufgehoben. Schon merkwĂŒrdig.

Die Hygienempfehlungen sollen aber weiter strikt beachtet werden, heißt es von Seiten des BfR. Die Beendigung der Verzehrwarnung geschieht auf Basis einer Neubewertung der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit der Maßnahme.

Bei der Pressekonferenz waren Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, PrĂ€sident des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung, Prof. Dr. Reinhard Burger, PrĂ€sident des Robert Koch-Instituts und Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, PrĂ€sident des Bundesamts fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anwesend. Bei Nachfragen einiger Journalistenkollegen wirkten einige der Herren doch reichlich unwirsch. Daraus könnte man die Spekulation ableiten, dass der Druck auf die beteiligten Behörden und Institutionen, den Verzehrverzicht fĂŒr Tomaten, Gurken und Salat aufzuheben, immens groß war. Denn wirklich sicher wirkten die Herren in ihrer Argumention nicht. Und ĂŒberzeugend leider auch nicht.

Warum der kompottsurfer skeptisch bleibt und die Entwarnung fĂŒr verfrĂŒht hĂ€lt, ist dem Posting von heute frĂŒh zu entnehmen.

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Freitag, 10. Juni 2011

EHEC: Entwarnungsmeldungen fĂŒr Gurken, Tomaten und Salat verfrĂŒht

Gestern bedenklich, heute okay? Gurken, Tomaten und Salat auf dem PrĂŒfstand

Mehrere Onlinedienste (unter anderem Spiegel Online) haben auf Basis von Agenturmeldungen (dpa, afp) heute frĂŒh Entwarnung in Bezug auf den Verzehrverzicht von Gurken, Tomaten und Salat gegeben und sich dabei auf eine fĂŒr heute Vormittag 10.30 Uhr angekĂŒndigte, gemeinsame Pressekonferenz von Verbraucherministerium und Robert-Koch-Institut bezogen, auf der eine entsprechende Mitteilung erfolgen soll.

Weder das RKI noch das Bundesministerium fĂŒr Verbraucherschutz, noch das Bundesamt fĂŒr Risikobewertung haben aber bisher eine offizielle Entwarnung verkĂŒndet. Noch gestern hatte es in einer Stellungnahme des RKI geheißen, die sich auf Aussagen des Bundesamtes fĂŒr Risikobewertung (BfR) bezog, die ausgesprochenen Verzehrempfehlungen sollten weiterhin beachtet werden.

Wenn nicht völlig neue Fakten auftauchen, sieht der kompottsurfer eine solche Entwarnung als verfrĂŒht und eher dem wirtschaftlichen Druck geschuldet an, als dass tatsĂ€chlich eine grundĂ€tzlich verĂ€nderte Lage als die bisherige eingetreten ist. Angesichts aller aktuell bekannten Erkenntnisse ist nicht nachvollziehbar, inwieweit sich die Ausgangslage entscheidend verĂ€ndert hĂ€tte. Es werden immer noch neue FĂ€lle gemeldet (auch wenn die Zahlen rĂŒcklĂ€ufig sind), und die Wege einer möglichen Verunreinigung, wenn sie denn ĂŒberhaupt den Sprossen nachweislich und ursĂ€chlich zugeordnet werden können, sind keineswegs ergrĂŒndet. Zu viele der Patienten haben offensichtlich gar keine Sprossen gegessen und sind trotzdem infiziert worden. Und ĂŒber den Umstand, dass es schon im bisherigen Krisenmanagement zu viele fragwĂŒrdige Empfehlungen gegeben hat, sollte eine Entwarnungsmeldung – so sie denn tatsĂ€chlich heute verkĂŒndet wird – mit Vorsicht genossen werden.

Was weiterhin auf keinen Fall vernachlĂ€ssigt werden sollte ist die KĂŒchen- und Handhygiene. Das sollten die Verbraucher ohnehin verinnerlichen. Denn der Bakterienbefall auf Lebensmitteln wird in Zukunft ein wachsendes Problem werden. Warum das so ist, hat der kompottsurfer in den vergangenen Wochen mehrfach erlĂ€utert.

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Mittwoch, 08. Juni 2011

Was lehrt uns der Ausbruch der EHEC-Epidemie? Braucht Deutschland ein Superseuchenamt? Kann ein GemĂŒse SCHULD tragen?

Informationen, Spekulationen, Schuldzuweisungen, Warnungen – die EHEC-Krise hat gezeigt, wie schnell und offensichtlich ErnĂ€hrungsgesundheit und Wirtschaftsinteressen auf Kollisionskurs geraten können. Nicht nur die Behörden, auch die Medien konnten in diesem Kreuzfeuer zwischen den Interessengruppen offensichtlich keine klare Orientierung finden. Seit Ausbruch der Seuche hat der kompottsurfer die Entwicklungen intensiv beobachtet und kommentiert. Und ein paar grundsĂ€tzliche Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst:

1. Den Menschen in Deutschland ist die HygienesensibilitĂ€t in den letzten Jahrzehnten zunehmend abhanden gekommen. Die Verbreitung von Bakterien, allen voran die bislang unbekannten und daher schwer behandelbaren, kann durch Hand- und KĂŒchenhygiene, deutlich eingegrenzt werden.

2. Gesundheit ist wichtiger als Wirtschaftsinteressen. Immer. In der medialen Berichterstattung erhielt – aus Sicht des kompottsurfers – der Aspekt der wirtschaftlichen SchĂ€den, die durch behördliche Empfehlungen auf Konsumverzicht bestimmter Produkte entstanden sind, zu viel Raum. So fragwĂŒrdig sich bestimmte Entscheidungen auf Konsumverzicht am Ende auch erweisen mögen – wenn es um elementare Gesundheitsfragen, in diesem Fall sogar um eine Epidemie geht, gehören solche Diskussionen aufs Nebengleis. Sie können nach der erfolgreichen BekĂ€mpfung der Seuche immer noch ausgiebig ausgetragen werden.

3. Schuldzuweisungen gehören nicht in die akute Phase einer SeuchenbekĂ€mpfung. Das sollten auch die Landes- und Bundesministerien begreifen. Wenn tatsĂ€chlich spanische Gurken TrĂ€ger der gefĂ€hrlichen Bakterien gewesen wĂ€ren, hĂ€tte das nicht bedeuten dĂŒrfen, dass die Spanier Schuld am Ausbruch sind. Genauso wenig wie jetzt im Ausland die Deutschen Schuld sein sollten. Oder einzelne Gastronomen. Die Schuldfrage gipfelte sogar in der Zuordnung des prinzipiell ethisch geprĂ€gten Begriffs von Schuld in Bezug auf einzelne GemĂŒsesorten. Angesehene Medien wie die Welt, der stern , das ZDF, das Hamburger Abendblatt und einige mehr erklĂ€rten GemĂŒse fĂŒr schuldig beziehungsweise unschuldig. Auch ein Indiz dafĂŒr, wie sehr wir in Deutschland von der fortwĂ€hrenden Suche nach Schuldigen dominiert sind.

4. Das Krisenmanagement erwies sich als erheblich verbesserungswĂŒrdig. Die Forderung nach einem Superseuchenamt (wie es auf Spiegel Online formuliert wurde), einer Art Bundesgesundheitsamt (BGA) hĂ€lt der kompottsurfer jedoch fĂŒr wenig durchdacht. Das BGA wurde 1994 aufgrund des Skandals um HIV-verseuchte BlutprĂ€parate aufgelöst und in drei einzelnen Instituten neu gegliedert: Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Robert-Koch-Istitut (RKI), Bundesinstitut fĂŒr gesundheitlichen Verbraucherschutz und VeterinĂ€rmedizin (BgVV). Andere Aufgabenbereiche des BGA wurden auf bestehende Ministerien verteilt. Ob die Gliederung im Einzelnen ideal war, darĂŒber kann und will sich der kompottsurfer kein Urteil erlauben, aber dass es keinen großen trĂ€gen Behördentanker braucht, um Seuchenprobleme schnell zu lösen, sondern ein gut durchstrukturiertes Erfassungs-, Melde-, Maßnahmen- und Kommunikationssystem, das hat die Vergangenheit klar gezeigt. Schnelles und gezieltes, ja im Grunde sogar eingeĂŒbtes Handeln wie es fĂŒr andere Katastrophenszenarien vorgesehen ist, ist nötig.

5. Die GefĂ€hrdung der LebensmittelqualitĂ€t ist Ergebnis des immens hohen Preisdrucks am Markt.  In kaum einem anderen Industrieland weltweit sind die Menschen so preisorientiert in Sachen Lebensmittel wie in Deutschland. Es ist also vor allem ein hausgemachtes Problem, wenn – in welcher Art auch immer – belastete Lebensmittel in den Handel der Verbraucher gelangen. Viele Menschen wollen möglichst billig essen, aber dass auf der anderen Seite dieser Medaille Nachteile zu Buche schlagen, Einsparungen bei Kontrolle, Lagerung, Transport und Behandlung, die das Lebensmittel qualitativ beeintrĂ€chtigen und verunreinigen können, das will man nicht sehen. Und zum Thema ethische Aspekte in Bezug auf die Bauern in so genannten DrittweltlĂ€ndern brĂ€uchte es noch mal eine gesonderte Auseinandersetzung.

6. VerstĂ€rkt regionale Produkte konsumieren. Das Lebensmittelhandelskarussel dreht sich schnell und ĂŒber den gesamten Globus. Ursachen fĂŒr Verseuchung sind, wie es die aktuelle Situation zeigt, umso schwerer zu finden, je schwieriger die Handels- und Verbreitungswege nachzuvollziehen sind. DarĂŒber hinaus wird die Ausbreitung einer bakteriellen Verseuchung von Lebensmitteln, unter Einbeziehung der bereits genannten Punkte, weiter eingedĂ€mmt.

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Montag, 06. Juni 2011

EHEC und die Angst vor jedem Magengrummeln. Und was den Sprossenverdacht so unheimlich macht.

Geringer Konsum, große Wirkung: Sind Sprossen der Ursprung fĂŒr die EHEC-Verbreitung? (Foto: Frank C. MĂŒller/bearbeitet/ GNU)

FrĂŒher war Magengrummeln nur ein Magengrummeln. Inzwischen ist mir aber der selbstverstĂ€ndliche Umgang mit einer so unspezifischen und harmlos scheinenden Symptomatik grĂŒndlich abhanden gekommen. Sind das schon die Vorboten von EHEC und HUS? Im Kopf gehe ich dann schnell die letzten Tage durch. Wo bin ich gewesen, was habe ich angefasst, und was habe ich gegessen. Okay, ich geb’s zu, inzwischen pflege ich sogar ein Online-ErnĂ€hrungstagebuch. Kann ja ohnehin nicht schaden, mal die kalorischen Aspekte meines Essens zu verinnerlichen. In Wahrheit ist das aber nur dem Umstand geschuldet, dass die Ausbreitung des EHEC-Erregers weiterhin fĂŒr steigende Fallzahlen sorgt – auch und gerade solche mit HUS-Symptomatik.

Jetzt also Sprossen. TatsĂ€chlich wurde schon im vergangenen Juni vom Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BFR) vor dem Konsum von Sprossen gewarnt, weil sie sich in Untersuchungen als wahrer Tummelplatz fĂŒr Listerien, Salmonellen, E. coli-Bakterien, Noroviren und Hepatitis A-Viren entpuppt hatten. Warum den kompottsurfer der Verdacht, Sprossen könnten der ursprĂŒngliche Bakterienherd sein, so beunruhigt, hat einen einfachen Grund: Wie viele Menschen um alles in der Welt essen in Deutschland regelmĂ€ĂŸig Sprossen? Der kompottsurfer kennt keine Konsumzahlen, aber der GemĂŒsehĂ€ndler meines Vertrauens verkauft das Zeug nur in vergleichsweise homöopathischen Dosen. Wenn es also tatsĂ€chlich die Sprossen sind, die den Ausbruch verursachten, dann dĂŒrfte der EHEC-Erreger schnell auf andere Lebensmittel ĂŒbergegangen zugleich unglaublich resistent und ĂŒber Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerdem sehr verbreitungsfĂ€hig sein. Zugegeben, das sind allesamt Überlegungen, die nicht gerade zur Beruhigung beitragen, aber Beruhigung ist im Moment auch ĂŒberhaupt keine Lösung.

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Samstag, 04. Juni 2011

Katstrophales Krisenmanagement: EHEC-Erkrankungen durch Infizierung in LĂŒbecker Restaurant wochenlang nicht aufgefallen

Die Gefahr lauerte in einem LĂŒbecker Restaurant. Wie heute durch einen Bericht der LĂŒbecker Nachrichten bekannt wurde, infizierten sich 17 Personen in besagtem Lokal mit dem EHEC-Erreger. Eine Frau starb an den Folgen des durch EHEC ausgelösten HU-Syndroms. Die betroffenen Personen hatten allerdings nicht erst vor wenigen Tagen das LĂŒbecker Lokal besucht, nein, sie waren dort bereits zwischen dem 12. und 14. Mai zu Gast gewesen.

Bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von drei bis vier Tagen drĂ€ngt sich die Frage auf, warum diese extreme HĂ€ufung nicht frĂŒher aufgefallen ist. WĂ€hrend eine harmlose Durchfallerkrankung bei einer handvoll GĂ€ste eines Spitzenrestaurants in England die Presse in halb Europa zu Spekulationen ĂŒber eine angebliche GefĂ€hrlichkeit molekular inspirierter KĂŒche veranlasste (der kompottsurfer berichtete), wird in Zeiten einer handfesten Epidemie so ein auffĂ€lliger Vorfall wie der in LĂŒbeck ĂŒbersehen. Wie viele Tomaten mĂŒssen Krisenmanager auf den Augen haben, um so eine HĂ€ufung nicht zu entdecken? Die Chance, mit einer derart guten Spur schon viel frĂŒher den Ausgangspunkt des Erregers entdecken zu können, wurde jedenfalls vertan. Trotzdem gibt es jetzt Anlaß zur Hoffnung, ĂŒber die LieferkanĂ€le neue Spuren generieren zu können. Da darf man nur hoffen, dass die Betreiber ihre Ware nicht ĂŒber heimliche Hinterhoflieferungen bezogen haben.

Ganz offensichtlich funktionieren die Mechanismen nicht, beziehungsweise es gibt keine entsprechenden NotfallplĂ€ne, die umgehend greifen, sobald eine HĂ€ufung von Infektionen auftritt. Das wird vor allem schon daran deutlich, dass das Robert-Koch-Institut, wie es scheint, erst am 30. Mai einen Aufruf zur (freiwilligen) Teilnahme an einem Meldesystem startete, mit dem Informationen ĂŒber FĂ€lle von blutigen Durchfallerkrankungen in Notaufnahmen von KrankenhĂ€usern an das RKI weitergeleitet werden sollen. Das sieht der kompottsurfer jedoch nicht hauptsĂ€chlich als Problem des RKI an, sondern als Beleg einer grundsĂ€tzlichen politischen und behördlichen Unorganisiertheit in derartigen Gesundheitsfragen.

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Freitag, 03. Juni 2011

EHEC und die Entscheidung des kompottsurfers, einen Bogen um Eisdielen zu machen

Vorsicht bei Eis aus der Eisdiele: EHEC-Keime sind kÀlteresistent

Der Hybrid-Klon des EHEC-Bakterium, der in den letzten Wochen schon so viel Unheil anrichtete, ist tĂŒckischer, langlebiger und gefĂ€hrlicher als alle anderen bekannten Varianten. Exakt 1213 InfektionsfĂ€lle wurden seit Ausbruch an das Robert-Koch-Institut bis heute gemeldet. 520 der Infizierten (43%) zeigten und zeigen die bedrohliche HUS-Symptomatik. Elf Menschen starben bereits. Alles zusammen traurige Rekordzahlen.

Da dieser Erreger im menschlichen Darm besonders aggressiv zu Werke geht, öffnet er auch anderen Bakterien den Weg in einen immungeschwĂ€chten Körper, was ihn noch gefĂ€hrlicher macht. Auch Temperaturen unter 0° Celsius zerstören ihn nicht, was mich heute zu der Entscheidung veranlasste, vorerst kein Eis in Eisdielen mehr zu essen. Es reicht eine Schmierinfektion ĂŒber Besteck, GlĂ€ser oder TĂŒrklinken, mangelnde Hygiene beim Eismacher, und schon sind die Bakterien da, wo sie am meisten Unheil anrichten können – im Essen. Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei.

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Donnerstag, 02. Juni 2011

EHEC und seine gefÀhrlichen Verwandten

WĂ€hrend die Diskussion um Herkunft, Serotyp und Behandlungsmethoden in Sachen EHEC weitergeht, sickert beim Bundeministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz immerhin endlich die Erkenntnis durch, dass möglicherweise gar kein Agrarprodukt fĂŒr die Verbreitung des Bakteriums verantwortlich ist. Schon zu Beginn der Erkrankungswelle hatte der kompottsurfer davor gewarnt, den Fokus zu sehr auf bestimmte Produktarten sowie bestimmte Regionen zu richten, weil die großen UmschlagplĂ€tze von Lebensmitteln und die verzweigten Verteilungswege zu viele Optionen fĂŒr eine mögliche Verunreinigung offen lassen. Die Spanier sind aus Sicht des kompottsurfers nicht ganz zu Unrecht verĂ€rgert darĂŒber, dass die Deutschen Behörden ihre Gurken in Verruf gebracht haben und die Ursache fĂŒr EHEC zu einem spanischen Problem machen wollten.

UnabhÀngig von der jetzt in Umlauf befindlichen, gefÀhrlichen Kreuzungsvariante des E.coli-Bakteriums sollte sich der Konsument ins GedÀchtnis rufen, dass stÀndig Bakterien auf Lebensmitteln unterwegs sind, die unsere Gesundheit gefÀhrden können. Weshalb entsprechende Hygiene nicht nur ein Gebot der Stunde ist, sondern generell mehr Beachtung finden sollte. Nicht nur in der Gemeinschaftsverpflegung sowie in der Gastronomie sondern auch im privaten Haushalt. Folgende bakterielle Toxine bereiten immer wieder Probleme*:

1. Bacillus Cereus Kann Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Wird zumeist ĂŒber warmgehaltene, getreidehaltige Gerichte in der Gemeinschaftsverpflegung verbreitet. Inkubationszeit: 1-12 Stunden. Die Dauer der Erkrankung betrĂ€gt maximal einen Tag.

2. Staphylococcus Aureus Kann Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Bakterien treten in Wurst- und KĂ€seaufschnitt sowie in schwach sauren Salaten, Mayonnaise und CremefĂŒllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit 2-6 Stunden. Dauer der Erkrankung 1-3 Tage.

3. Clostridium Botulinum LĂ€hmt die Nervenzentren des verlĂ€ngerten RĂŒckenmarks. Inkubationszeit: 1-3 Tage. Kann in den ersten 8 Tagen tödlich enden. Bei Überleben ist mit einer Erkrankungsdauer von 6-8 Monaten zu rechnen.

4. Clostridium Perfringens Symptome sind BauchkrĂ€mpfe, Diarrhoe, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Tritt zumeist im Zusammenhang mit Gemeinschaftsverpflegung in lange warmgehaltenen Fleischgerichten sowie lange warm gehaltene Desserts sowie in CremefĂŒllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit: 8-24 Stunden, Erkrankungsdauer: bis zu einem Tag.

* Quelle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie vom Belitz, Grosch, Schieberle / Springer Verlag

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