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Freitag, 01. Dezember 2017

Interview mit Chefredakteurin Patricia Br√∂hm √ľber den Gault&Millau 2018: “in jungen deutschen Restaurantk√ľchen wird immer weniger gekocht.”

Gerade ist der Restaurantf√ľhrer Gaul&Millau in seiner 2018er Edition erschienen, erstmals nicht mehr im Christian Verlag sondern beim ZS Verlag M√ľnchen. F√ľr den kompottsurfer ein willkommener Anlass, Chefredakteurin Patricia Br√∂hm Fragen zur aktuellen Entwicklung in der heimischen Gastronomieszene und der Ausrichtung des Gault&Millau zu stellen.

Liebe Frau Br√∂hm, welche Herausforderungen galt es zu meistern, den Gault&Millau Deutschland nach einer gef√ľhlten Ewigkeit beim Christian Verlag nun innerhalb kurzer Zeit unter neuem Dach erscheinen zu lassen?

F√ľr die Testequipe und die Redaktion konnte die Arbeit diesmal leider erst im Mai beginnen. Aber wir mussten ja unsere Freude am Genuss und am Guide nicht neu erfinden, sondern setzten uns wie immer mit gro√üer Begeisterung und vorurteilsfrei zu Tisch. Die gr√∂√üere logistische Herausforderung hatte der neue Verlag als vierter in unserer 35-j√§hrigen Geschichte zu meistern.

Die 2018er Ausgabe Ihres Restaurantf√ľhrers ist gestern in M√ľnchen vorgestellt worden. Was hat Sie im abgelaufenen Jahr kulinarisch am meisten √ľberrascht, positiv wie negativ?

Dass die deutsche K√ľche heute so facettenreich und kreativ wie nie zuvor ist und keinen internationalen Vergleich scheuen muss. Dass vor allem in jungen deutschen Restaurantk√ľchen immer weniger gekocht und immer mehr mit Technologie hantiert wird, ohne dadurch Geschmack und Genuss zu bereichern.

In der absoluten Spitze haben Deutschlands beste K√∂che Weltniveau erreicht. Der Gault&Millau hat aber immer auch Restaurants aus dem gesamten Unterbau im Blick, der im Grunde viel mehr √ľber die Durchdringung eines Landes mit guter K√ľche aussagt als das Geschehen an der Spitze. Wie sehen Sie die Entwicklung bei den H√§usern mit 13 oder 14 Punkten ‚Äď Stagnation, R√ľckschritt oder Fortschritt?

Chefredakteurin Gault&Millau, Patricia Bröhm (Foto: Gault&Millau)

Es freut mich, dass es immer mehr Restaurants auf diesem Niveau gibt. Ich w√ľrde mich noch mehr freuen, wenn deren K√ľchen nicht so oft dem Mainstream folgen, sondern eher einen hauseigenen Stil entwickeln w√ľrden.

Ich kann mich noch gut an eine hei√üe Diskussion vor etwa zehn Jahren mit Ihrem Vorg√§nger, Herrn Kohnke, erinnern. Er widersprach vehement meiner Ansicht, dass es schon in absehbarer Zukunft Spitzenk√ľche ohne wissenschaftlich basiertes Kochen nicht mehr g√§be. Er reduzierte das, was damals unter ‚Äď etwas unzutreffend ‚Äď Molekulark√ľche firmierte, zu einer stilistischen Angelegenheit, die f√ľr ihn so etwas wie Verrat an der Kochkunst darstellte. Heute gibt es in der kulinarischen Champions League kein Restaurant mehr, dessen K√ľche die neue Technologie nicht nutzt. Wie steht der Gault Millau heute dazu?

Ich wei√ü nicht, was Manfred Kohnke in seinen Gault&Millau-Jahrzehnten bei Diskussionen gesagt hat. Im Guide selbst √§u√üerte er sich zu dem Thema nur 2010 im Vorwort u.a. so: ‚ÄěDie molekulare K√ľche ist bislang keine geschmackliche Bereicherung, was ihre intelligenten Bef√ľrworter zugeben ‚Ķ Gleichwohl versuchen moderne Markentender die von den Molekulark√∂chen genutzte Chemie f√ľr salonf√§hig zu erkl√§ren und zu geschmacklosen Gesch√§ften zu nutzen. Beispielsweise auch jene schwarzen K√ľgelchen, die hierzulande Heringskaviar oder ‚Äď was ja noch lautmalerischer klingt ‚Äď Avruga oder Harenga genannt werden und bei franz√∂sischen Beh√∂rden, die sich mit dessen Einfuhr und Erlaubnis besch√§ftigten, Heringsm√ľll hei√üen.‚Äú
Zum heutigen Stand: der Gault&Millau bewertet nach wie vor nicht die von K√∂chen im Rahmen ihrer kochk√ľnstlerischen Freiheit benutzte Technologie, sondern nur das geschmackliche Ergebnis, das den G√§sten serviert wird.

Als ich in jungen Jahren, Ende der 1980er, begann, gute Restaurants in Deutschland und Frankreich zu besuchen, war mir der Gault&Millau ein treuer Begleiter und Hinweisgeber. Ich mochte die etwas rotzige Art der Kritik, und mir gefiel auch, dass nicht einfach nur Noten verteilt, sondern Urteile auch begr√ľndet wurden. Nat√ľrlich machte man sich damit angreifbar, aber f√ľr den Leser war es hilfreich. Was mich allerdings damals wie heute irritiert hat: die regionale Ungleichheit der Benotung, gerade im unteren Bereich. Restaurants mit 13, 14 oder 15 Punkten, zum Beispiel in Bayern, waren oft nicht auf dem Niveau unterwegs wie gleich bepunktete Lokale in NRW oder Niedersachsen. Was tun Sie, um diese Diskrepanzen zu minimieren?

Ich tue das, was schon die Gr√ľnderv√§ter Henri Gault und Christian Millau taten. Tester haben zwar als erfahrene Essensgeher eingeschliffene Reflexe, die bei Tisch unabh√§ngig von ihren privaten Freuden oder Sorgen, von Tagesform oder Umgebungseinfl√ľssen funktionieren, aber sie sind auch immer Menschen, mal mit gro√üz√ľgiger, mal mit strengerer Wesensart. Die Diskrepanz zwischen weitherzigem Aufrunden und skeptischem Abrunden bei den Noten muss man anhand der gelieferten Begr√ľndungen oder bei Gespr√§chen im Testerkreis ausgleichen.

Die Produktion von Restaurantf√ľhrern ist eine immens teure Angelegenheit. Viele H√§user wird man aus Kostengr√ľnden nur einmal pro Jahr besuchen k√∂nnen. Haben Sie keine Sorgen, dass ein schiefes Bild entsteht, wenn Lokale, die zuletzt im Januar 2017 besucht wurden, im 2018er Guide als verl√§ssliche Orientierung dienen sollen? Nicht alle Restaurants bieten die Konstanz katholischer Osterliturgie, sondern offenbaren Leistungsspektren wie ein √úberraschungsei.

Da unsere Tester in ihrem Testgebiet leben und arbeiten, gewinnen sie ihre Urteile √ľber ein Restaurant nicht aus einmaligem Besuch, sondern aus ihren Erfahrungen bis zum Redaktionsschluss im Oktober. Tagesaktualit√§t k√∂nnen Guides allerdings genauso wenig bieten wie Foodblogger oder Bewertungsportale.

Sind papierne Gastronomief√ľhrer in Zeiten von Internet und Smartphone √ľberhaupt noch zeitgem√§√ü, oder sollte man die Kosten daf√ľr nicht einsparen und einem top aktuellen Onlinedienst zuschlagen?

Ich vermute mal, dass es den Gault&Millau und den Michelin solange gibt, wie sich die Gäste bei Tim Raue, in der Schwarzwaldstube oder im Tantris nicht sagen lassen möchten: Eine Speisekarte haben wir nicht mehr, Sie können ja auf Ihrem Handy schauen, was es heute bei uns zu essen gibt…

Frau Br√∂hm, herzlichen Dank f√ľr Ihre Einsch√§tzung.

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Montag, 14. November 2016

Gault Millau 2017 macht neue Deutsche K√ľche mit kompromisslosem Bekenntnis zur Region aus

Es ist wieder dieser Montag, mitten im November, an dem der Gastronomief√ľhrer Gault Millau traditionell seinen Guide Deutschland f√ľrs kommende Jahr pr√§sentiert. Die wichtigste Frage zuerst: Wer wurde zu Deutschlands Koch des Jahres gek√ľrt? Diesen begehrten Titel heimste Andreas Krolik aus dem Frankfurter Restaurant Lafleur im Gesellschaftshaus Palmengarten ein. Ihn machten die Tester unter anderem als einen der “besten Gem√ľsek√∂che Deutschlands” aus, was in diesen Zeiten den Einfall von Heerscharen Veganer nach Frankfurt bef√ľrchten l√§sst, die es auf die Beilagen abgesehen haben und den Karnivoren die Pl√§tze streitig machen. Denn Krolik kann auch Fleisch, findet der Gault Millau. Bei ihm probierten sie jedenfalls eines der komplexesten Gerichte der letzten Testsaison: Brust, Keule und Confit vom Schwarzfederhuhn mit pochiertem Ei auf wei√üem Bohnenp√ľree, Bohnenkrautsalat und Gefl√ľgel-Dashi-Sud. Erst 2015 war Krolik ins Lafleur gewechselt, zuvor hatte er sich bereits im Frankfurter Tiger-Restaurant einen Namen gemacht und dort zwei Michelinsterne erkocht. Davor holte er sich an vielen Stationen in Deutschland und der Schweiz das R√ľstzeug f√ľr seinen Weg nach oben.

Trotz des Titels ist Krolik noch nicht in der absoluten Spitze angekommen, wo mit 19,5 von 20 Punkten weiterhin Harald Wohlfahrt aus der Schwarzwaldstube in Baiersbronn, Joachim Wissler aus dem Vend√īme in Bergisch Gladbach, Christian J√ľrgens, √úberfahrt in Rottach-Egern, Klaus Erfort, aus dem G√§steHaus in Saarbr√ľcken und Helmut Thieltges, Waldhotel Sonnora in Dreis thronen. Bis dahin sind es f√ľr Krolik noch 1,5 Punkte, die nach wenig aussehen, aber in der Welt des Gault Millau ein sattes St√ľck kulinarischer Klasse ausmachen. Vor allem in der Spitze.

Auf dem Weg dahin ist auch Sascha Stemberg (Haus Stemberg / Velbert) f√ľr den es mich besonders freut, dass er nun erstmals mit 17 Punkten bewertet wird. Als ich vor zehn Jahren einen Beitrag f√ľr das Gault Magazin schrieb, war er gerade im elterlichen Gasthaus mit eigenem Programm gestartet. Und schon da war erkennbar, dass er ein Gro√üer werden kann, wenn er geduldig bleibt und seine Begeisterung f√ľr erstklassige Produkte ‚Äď nicht zuletzt auch aus der Region ‚Äď in aufregende K√ľche m√ľnden l√§sst. Nur noch zwei Restaurants in NRW werden vom Gault Millau besser beurteilt als Sascha Stemberg. Joachim Wissler (Vend√īme / Bergisch-Gladbach) und Eric Menchon (Le Moissonier / K√∂ln). Aus dem Kreis der deutschlandweit beliebten Fernsehk√∂che sieht der Gault Millau derzeit weder Frank Rosin (Rosin / Dorsten), noch Bj√∂rn Freitag (Goldener Anker / Dorsten) und Nelson M√ľller (Schote¬† Essen) auf gleicher H√∂he mit Stemberg, dem man da fast schon w√ľnschen m√∂chte, er m√∂ge zuk√ľnftig immer gen√ľgend Abstand zur Fernsehlandschaft halten.

Wenn in den n√§chsten Tagen der Guide Michelin seine Sterne f√ľr 2017 vergibt, k√∂nnte die Sache schon wieder anders aussehen. Aber sicher nicht viel anders.

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Montag, 09. November 2015

Gault Millau k√ľrt Peter Maria Schnurr vom Leipziger Restaurant Falco zu Deutschlands Koch des Jahres

Der Gastronomief√ľhrer Gault Millau Deutschland hat heute die Ergebnisse seiner Arbeit vorgestellt, die ja zuvorderst darin besteht, Restaurants zu besuchen und deren K√ľchenleistung zu bewerten. Mit einiger Aufmerksamkeit wird von Jahr zu Jahr die Inthronisierung von Deutschlands Koch des Jahres durch den Gault Millau verfolgt. Denn das ist in der Regel keiner aus der Riege, die schon √ľber Jahre die kleine Spitze von Deutschlands besten K√∂chen bildet. Sondern einer, der da noch hin will und das Potential dazu hat. So wie Peter Maria Schnurr aus dem Leipziger Restaurant Falco, den die Gault-Millau-Equipe in diesem Jahr auf den Schild hob und der seiner K√ľche einen markenrechtlich gesch√ľtzt aussehenden Anstrich verpasst hat. cuisine passion l√©g√®re ¬© Eine kulinarische Philosophie lautet sein Credo, und mag sein, dass ‚Äďneben der au√üergew√∂hnlichen K√ľchenleistung ‚Äď auch der sprachliche Ausdruck besonderen Anklang bei den frankophilen Millauisten fand. Schnurr, so schrieb der Gault Millau in der Vergangenheit einmal, sei ein “Besessener, dem es prim√§r nicht darum geht, seine G√§ste gl√ľcklich zu machen. Sein Hauptanliegen ist die Provokation.” Der kompottsurfer vermutet, dass Schnurr das anders sehen d√ľrfte. Kein Koch der noch alle Tassen im Schrank hat, will G√§ste provozieren.

Und es gab noch ein paar weitere Belobigungen:

Entdeckung des Jahres //  Jochim Busch // Gustav // Frankfurt
Sommelier des Jahres // Frank Gl√ľer // Ess.Zimmer // M√ľnchen
Oberkellner des Jahres // Kathrin Feix // Il Giardino // Bad Griesbach
Patissier des Jahres // Thomas Yoshida // Facil // Berlin

Ganz oben √ľber allen Wolken der Kritik schweben weiterhin f√ľnf sehr bekannte Namen: Harald Wohlfahrt aus der Schwarzwaldstube in Baiersbronn, Joachim Wissler aus dem Vend√īme in Bergisch Gladbach, Christian J√ľrgens, √úberfahrt in Rottach-Egern, Klaus Erfort, aus dem G√§steHaus in Saarbr√ľcken und Helmut Thieltges, Waldhotel Sonnora in Dreis.

Was ist sonst passiert? Der Essener Fernsehkoch Nelson M√ľller hat erstmals 16 Punkte erreicht mit seiner Schote in R√ľttenscheid. Und der aus dem Essener Weltkulturerbe Zollverein abgewanderte Bernd Stollenwerk holte in seinem neuen Zuhause, dem Nada in K√∂ln auf Anhieb 15 Punkte. Das vom kompottsurfer k√ľrzlich besuchte Restaurant Cielo in Dortmund erhielt 14 Punkte, eine Bewertung, die ‚Äď sieht man sich andere H√§user mit gleicher Punktzahl an ‚Äď vielleicht eine Spur zu hoch ausf√§llt.

Was bleibt? Nat√ľrlich das gro√üe Warten auf die Bekanntgabe der besternten H√§user im Guide Michelin. Nur noch wenige Tage, dann ist auch hier das letzte kleine Geheimnis gel√ľftet.

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Montag, 11. November 2013

Gault Millau Entscheidung: Daniel Achilles wird Koch des Jahres 2014. Und Sous Vide gerät in die Kritik.

In den sp√§ten Nachmittagsstunden sickerten die in der Gastronomieszene wie immer gespannt erwarteten Entscheidungen der Gault-Millau-Redaktion f√ľr den Guide 2014 durch. Der 37-j√§hrige Daniel Achilles vom Berliner Restaurant Reinstoff ist neuer Koch des Jahres. Begr√ľndung: ‚ÄěWie er aus vermeintlich einfachen Produkten gro√üe K√ľche macht, das empfinden wir als im h√∂chsten Ma√üe zeitgem√§√ü. Denn ein teuer eingekaufter Steinbutt schmeckt per se gut, doch weil ein Wels oder ein Peterm√§nnchen eher dem Budget eines jungen, selbstst√§ndigen Kochs entsprechen, wird hier der Mehrwert durch eigene Denkarbeit und hohen Aufwand in der K√ľche geleistet.‚Äú

Die anderen Auszeichnungen des Gault Millau Deutschland verteilen sich wie folgt:

Oberkellner des Jahres: J√©r√īme Pourch√®re vom G√§steHaus Erfort in Saarbr√ľcken
Sommelier des Jahres
: Markus Berlinghof vom Jacobs in Hamburg,
Restaurateur des Jahres
: Tim Raue, der in Berlin drei Restaurants mit unterschiedlichen kulinarischen Konzepten f√ľhrt
Kochschule des Jahres: Franz Feckl vom Landhaus Feckl in Ehningen bei Stuttgart,
Hotelier des Jahres: Dietmar M√ľller-Elmau vom Schloss Elmau in Elmau (Oberbayern).

Die H√∂chstnote im Guide Deutschland von 19,5 Punkten erreichen vier K√∂che und zwar: Harald Wohlfahrt (‚ÄěSchwarzwaldstube‚Äú in Baiersbronn), Joachim Wissler (‚ÄěVend√īme‚Äú in Bergisch Gladbach), Klaus Erfort (‚ÄěG√§steHaus‚Äú in Saarbr√ľcken), Helmut Thieltges (‚ÄěWaldhotel Sonnora‚Äú in Dreis bei Wittlich).

Wie immer l√§sst es sich die Chefredaktion nicht nehmen, zum Rundumschlag gegen Entwicklungen in der Spitzengastronomie auszuholen. Wieder einmal im Visier, die moderne Techniken. Waren es vor Jahren die Texturgeber, ist es heute das Sous-Vide-Garen: “Es gibt kaum noch Produkte, die nicht erbarmungslos in Plastik gepackt, vakuumverschwei√üt und ins Wasserbad gesenkt werden. Man verspricht eine sanfte Garung, bei der nat√ľrliche Aromen ebenso erhalten bleiben wie N√§hrstoffe und Vitamine. Im Idealfall mag das stimmen. Doch der ist bei diesem Sous vide- oder Niedertemperaturverfahren leider die Ausnahme. Von Garmisch bis Sylt werden G√§ste vielmehr traktiert mit labbrig gegartem Fisch und gleichf√∂rmigem, saft- und kraftlosem Fleisch.”

Tja, das liest sich zwar provokativ, entlarvt aber eher eine √ľppige Portion Ahnungslosigkeit oder Ignoranz. Als ob die Technik das Problem w√§re. Tss. Muss man die Herr- und Damenschaften erst einmal in einen Sous-Vide-Kochkurs schicken, damit sie erkennen, dass es bei Sous Vide nicht anders ist als bei allen anderen Aspekten, die Bausteine f√ľr ein hervorragendes Essen sind? Wer die Technik richtig einsetzt, wird immer hervorragende Ergebnisse erzielen k√∂nnen, wenn alles andere auch stimmt. Und zwar Gang f√ľr Gang. Wer einmal Kartoffeln oder Wurzelgem√ľse selbst sous vide zubereitet hat, wei√ü, dass die Ergebnisse in der Regel um L√§ngen besser sind als die anderer Verfahren. Das gilt f√ľr die Aromatik wie f√ľr die Texturen. Auch viele Fleischvariationen profitieren von Sous Vide. Klar, ein Rinderfilet muss man wahrlich nicht vakuumiert garen. Genau hier reden wir von einer Ausnahme. Aber mit Differenzierungen macht man halt keine Schlagzeilen. Das muss sogar der kompottsurfer zugeben, der sich ansonsten seit Jahr und Tag von den teils bissigen Restaurantkritiken des Gault Millau durchaus gut unterhalten f√ľhlt.

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Montag, 12. November 2012

Gault Millau geißelt geheuchelte Regionalität

Wie immer deftig in der Ansprache, geht der heute vorgestellte Gault Millau Guide Deutschland 2013 die Arbeit in vielen Spitzenk√ľchen an. Und das, obwohl der einstige Zuchtmeister der deutschen Top-Gastronomie, Manfred Kohnke, gar nicht mehr Chef des Hauses ist. Aber bei seiner Nachfolgerin, Patricia B√∂hm, klingt die Kritik kaum weniger scharf: ‚ÄěRegionalit√§t gilt zwar als Mega-Trend, aber die K√∂che, die sich dem Thema wirklich mit viel eigenem Engagement widmen, bilden eine kleine Minderheit. Allzu oft bleibt es beim Lippenbekenntnis zur Heimat. Man setzt ein, zwei regionale Alibi-Produkte auf die Karte und ordert per Telefon bei gesch√§ftstuŐąchtigen Gro√üh√§ndlern, die allen K√∂chen die gleichen ‚ÄöNeuheiten‚Äė andrehen. Das Ergebnis: Von Sylt bis Garmisch bekommt der Gast austauschbare Produkte und uniforme Geschmackserlebnisse.‚Äú Auch scheinen die M√ľncher mit der Zugabe von Kraut und Gem√ľse zum Dessert ihre Probleme zu haben. Und begr√ľnden es so: ‚ÄěWenn das Hirn bereits deutliche S√§ttigungssignale sendet und der Gaumen durch das Wechselspiel unterschiedlicher Aromen ermattet ist, hat nur eine Geschmacksrichtung noch eine echte Chance, weil sie ganz anders ist: das SuŐą√üe.‚Äú

Das klingt laut, aber aus Sicht des kompottsurfers nicht gerade modern. Denn die kulinarische Revolution, die mit Beginn dieses Jahrtausends durchbrach, setzt doch gerade darauf, dass die klassische Struktur der Gerichte zerst√∂rt wird, und sich eine Symbiose aus der Welt des S√ľ√üen und der Welt des Salzigen bei Vor- und Nachspeisen entwickeln kann.

Und was gibt es sonst noch bei den Bewertungen? Sven Elverfeld aus dem Wolfsburger Aqua wird von der H√∂chstnote von 19,5 Punkten ‚Äď die jetzt noch vier K√∂che innehaben ‚Äď auf 19 Punkte herabgestuft, weil seine Gerichte “mehr auf den Wow-Effekt als auf die langanhaltende Genussbefriedigung ausgerichtet sind”.

Nat√ľrlich ist f√ľr den kompottsurfer das Ruhrgebiet ganz besonders interessant. Frank Rosin vom ‚ÄěRosin‚Äú in Dorsten scheint jetzt die Liste im GM anzuf√ľhren, da die R√©sidence (Essen-Kettwig) in meiner √úbersicht bis zu den Restaurant mit 17 Punkten (und drei Kochm√ľtzen) nicht genannt ist. Das aber mit Vorbehalt. Eine Toque aufgesetzt und mit 13 Punkte ausgezeichnet wurden erstmals ‚ÄěUlrichs Schifferb√∂rse‚Äú in Duisburg und das ‚ÄěNamaste‚Äú in Essen.

Soweit erst einmal.

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Montag, 12. November 2012

Gault Millau Guide 2013: Während beim Michelin mehr Häuser ausgezeichnet wurden, speckt der GM ab. Warum nur?

Nach und nach sickert durch, was am heutigen Abend offziell verk√ľndet wird. Vor allem, dass die Anzahl der ausgezeichneten H√§user kleiner werden d√ľrfte. Mehr dazu sp√§ter. Belobigt wurde nat√ľrlich auch wieder. Koch des Jahres wird, wie es scheint, Christian J√ľrgens, aus dem Seehotel Rottach-Egern, ein Haus der Althoff-Gruppe, die in den vergangenen Jahren viel investiert hat, um in ihren Hotels absolute Spitzengastronomie zu etablieren.

Schon ein paar Tage länger bekannt ist, dass Thomas Sommer vom Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach zum Sommelier des Jahres ausgezeichnet wurde. Ich habe ihn erst vor wenigen Wochen bei der Präsentation von AdVini-Weinen erleben können und darf sagen: Er strahlt große Kompetenz aus, und die Leidenschaft mit der er dabei ist, könnte kaum größer sein.

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Montag, 15. November 2010

Gault Millau 2011 ist da: Mario Lohninger wird Koch des Jahres

In diesen Minuten wird bei Mario Lohninger und seinem Team kr√§ftig gefeiert. Der in Frankfurt praktizierende Salzburger sorgte mit drei Gastronomien in der Mainmetropole f√ľr Begeisterung bei den Testern um Gault-Millau-Chef Manfred Kohnke: Silk, Micro und Lohninger.

Nils Henkel (Schloss Lerbach) musste im vergangenen Jahr als Opfer f√ľr die etwas schrullig wirkende Jagd des Gault Millau auf molekular inspirierte K√ľche herhalten. Inzwischen wurde er rehabilitiert. Ist ja auch kaum zu vermitteln, warum der eine f√ľr den Einsatz moderner Technologie abgestraft wird, w√§hrend andere, die √§hnlich klug kochen, weiterhin H√∂chstnoten einstreichen. Mehr als ein bisschen Erschrecken war also nicht. Und das ist gut so. Scheinbar hat Kohnke erkannt, dass er zu den Wurzeln zur√ľckkehren und den Gault Millau wieder als den aufgeschlossenen Guide gegen√ľber moderner, kluger und aufregender K√ľche positionieren muss, der er in den 1980er und 1990er Jahren war.

Im Ruhrgebiet behaupten √ľbrigens Frank Rosin in Dorsten und Henri Bach sowie Berthold B√ľhler in der R√©sidence mit 18 von 20 Punkten ihre Spitzenstellung.

Die weiteren bundesweiten Auszeichnungen des Gault Millau im √úberblick:

Oberkellner des Jahres: Ansgar Fischer von der ‚ÄěSchwarzwaldstube‚Äú in Baiersbronn
Sommelier des Jahres: Gunnar Tietz vom ‚ÄěFirst Floor‚Äú in Berlin
Restaurateur des Jahres: Fritz Keller vom ‚ÄěSchwarzen Adler‚Äú in Vogtsburg/Kaiserstuhl
P√Ętissier des Jahres: Nadja Hartl vom ‚ÄěAqua‚Äú in Wolfsburg
Kochschule des Jahres: das Studio von Alexander Herrmann in Wirsberg bei Bayreuth

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