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Donnerstag, 12. Mai 2011

Steigende Lebensmittelpreise und was daran gut ist

Preiserhöhung bei Lebensmitteln: Beim Bauern kommt nichts an

Nirgendwo in der Welt, so scheint es, sind die Konsumenten bei Lebensmitteln so preisempfindlich, wird der Preiskampf in Superm√§rkten und bei Discountern so erbittert gef√ľhrt wie in Deutschland. Diesen Eindruck best√§tigte mir im letzten Jahr auch Monika Hartmann, Professorin f√ľr Marktforschung der Agrar- und Ern√§hrungswirtschaft am Institut f√ľr Lebensmittel- und Ressourcen√∂konomik der Universit√§t Bonn, mit der ich in einem Interview √ľber die Lebensmittelampel und Kennzeichnungspflicht sprach.

Besonders Preisver√§nderungen bei Schl√ľsselprodukten wie Butter, Milch, Kaffee und Brot nehmen die Verbraucher in Deutschland sehr genau wahr, weshalb die Handelsketten mit Preiserh√∂hung dort am vorsichtigsten sind. Und in diesen Segmenten enormen Druck auf die Erzeuger und die verarbeitende Lebensmittelwirtschaft aus√ľben, um die Preise halten zu k√∂nnen. Welche Folgen das auf die Produktions-, Arbeits- und Haltungsbedingungen in den jeweiligen Erzeugerl√§ndern hat, ist schon erschreckend genug. Dazu kommt das wachsende Spekulationsgesch√§ft mit Lebensmitteln an den Rohstoffb√∂rsen (der kompottsurfer berichtete). Regulierungsma√ünahmen sind da aus Sicht des kompottsurfers durchaus in Betracht zu ziehen.

Steigende Lebensmittelpreise sind bei der Konsumentenmehrheit vermutlich nur dann vermittelbar, wenn deutlich wird, dass davon die vielen kleinen, am Existenzminimum wirschaftenden Erzeuger profitieren. Dass Qualität ihren Preis hat, wird beim Verbraucher hierzulande mehrheitlich scheinbar weiterhin nur auf den Autokauf bezogen begriffen.

Aber das Tiefk√ľhlpommes, wie Spiegel Online berichtet, mit 43 Prozent Preisanstieg innerhalb eines Jahres verteuert wurden, finde ich aus ern√§hrungsphysiologischer Sicht eine wirklich gute Nachricht. In dem Beitrag wird auch erl√§utert, dass von den meisten Preiserh√∂hungen beim Erzeuger offensichtlich nichts h√§ngen bleibt.

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Mittwoch, 27. Oktober 2010

ARD-Themenwoche Ernährung (II): Gute Argumente bei Maischberger

Was bin ich dankbar f√ľr diese Sendung bei Maischberger von heute Abend in der ARD-Themenwoche Ern√§hrung: Karotten gegen Krebs, Fisch gegen Herzinfarkt – ist Essen die beste Medizin? Mit den √Ąrzten Dr. Gunter Frank und Dr. Werner Bartens waren zwei √ľberzeugende G√§ste dabei, die ‚Äď ohne jeden Dogmatismus ‚Äď nicht nur klarstellten, dass Essen keine Medizin ist und das vermaledeite Functional Food eine Ver√§ppelung des Verbrauchers, sondern dass es belastbare Studien braucht, um wissen zu k√∂nnen, was Ern√§hrung bewirken kann und was nicht.

Die Frontlinien zwischen Frank und Bartens auf der einen ‚Äď und TV-K√∂chin Sarah Wiener sowie Klinik-Chefin Dr. Francoise Wilhelmi de Toledo auf der anderen Seite, d√ľrften hinichtlich der pr√§ferierten Ern√§hrungsempfehlungen kaum zu erkennen sein, so nah liegen sie beieinander, was in der Sendung vielleicht nicht deutlich genug wurde. Aber darum ging es thematisch ja auch gar nicht. Und genau das schienen Sarah Wiener und de Toledo leider nicht zu verstehen. Sie machten auf mich den Eindruck eines Kirchg√§ngers, der mit dem festen Glauben, dass ihn Gebete gesund machen, missioniert, so wie sie die positiven gesundheitlichen Wirkungen von vielen Nahrungsbestandteilen postulierten, obwohl sie es schlichtweg nicht wissen k√∂nnen, weil es nicht belegt ist.

Um nicht misverstanden zu werden: Jeder soll seinen Weg finden d√ľrfen, aber wenn individuelle Erfahrungen als allgemeing√ľltige Erkenntnis in die Welt gesendet werden, wird der Weg der verantwortungsvollen Darstellung verlassen. So erfreulich und wundersch√∂n die Heilung von Todkranken auch ist ‚Äď sie sollte immer im individuellen Kontext gesehen werden und nicht f√ľr moralische Feldz√ľge missbraucht werden. Was in diesem Zusammenhang an Falschinformation verbreitet wird, wurde in der Sendung auch gleich deutlich, als ein von schwerstem Krebsleiden geheilter Gast von Darmreinigung und Entschlackung redete, was Frank und Bartens zum Gl√ľck schnell richtigstellten. Der Mensch braucht nun mal keinen gereinigten Darm, blo√ü das nicht, und eine Entschlackung des K√∂rpers gibt es ebensowenig wie Poren im Fleisch, die beim Braten verschlossen werden. Aber solche Geschichten wird die Welt vermutlich nie los.

An einer anderen Stelle hie√ü es, der Mensch h√§tte seine Probleme damit, ja, er sei gar nicht dazu gemacht, tierische Eiwei√üe aufzuspalten und deshalb sollte er auf die Zufuhr m√∂glichst verzichten. Jeder Evolutionsbiologe droht bei solchen Aussagen einen Lachkrampf oder vor Schreck einen Herzinfarkt zu bekommen, weil sich der Mensch √ľberhaupt erst durch den Konsum von tierischem Eiwei√ü und hochwertigen tierischen Fetten entwickeln konnte. Auch Sarah Wiener machte mit einigen Aussagen zu Nahrungsempfehlungen bei Erkrankungen aus meiner Sicht eine ungl√ľckliche Figur. Dass sie es gut meint, steht nat√ľrlich au√üer Frage. Aber gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Und wer w√ľsste das besser als K√∂che.

Alles in allem aber eine sehr gute Sendung, und Sandra Maischberger gelang es zumeist auch, ein Abdriften der Diskussion in abseitige Gebiete zu verhindern. Alle die’s verpasst haben, k√∂nnen vielleicht auf eine baldige Online-Verf√ľgbarkeit in der ARD-Mediathek hoffen.

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Donnerstag, 17. Juni 2010

Warum das Nein zur Ampel kein Sieg der Lebensmittelindustrie ist

Die Nährwertampel

Verbrauchersch√ľtzer gegen Lebensmittelindustrie ‚Äď was wie die Ansetzung einer Fu√üballpartie klingt, wurde von einigen Medien und Organisationen wie foodwatch immer wieder als Kern der Auseinandersetzung um eine Kennzeichnungspflicht f√ľr Lebensmittel dargestellt. Und auch der kompottsurfer ‚Äď das muss ich an dieser Stelle selbstkritisch feststellen ‚Äď hat in den letzten Jahren reichlich zu diesem Lagerkampf beigetragen.

Inzwischen ist mir aber klargeworden, dass eine solche Art der Auseinandersetzung die Sache nicht voranbringt. Es sind ja keinesfalls nur die Lobbyisten der Industrie, die eine Ampel ablehnen. Auch unabh√§ngige Wissenschaftler kritisieren das Modell als unzureichend bis fragw√ľrdig. Ein auf Kampf gegen das vermeintlich B√∂se, die gro√üe Lebensmittelindustrie, ausgerichtetes Vorgehen verstellt jedenfalls den Blick aufs Wesentliche. Und das Wesentliche ist aus meiner Sicht, eine Kennzeichnung zu etablieren, die nicht nur plakativ ist, sondern den Erfordernissen an eine gesunde Ern√§hrung gerechter wird.

Hier noch mal wesentliche Punkte im √úberblick, die gegen die Ampel sprechen:

1. Festlegen von Grenzwerten √ľber alle Produktgruppen hinweg. N√ľsse haben Fette, aber viele davon sind gesund. Sind also Di√§tjoghurts wirklich empfehlenswerter als N√ľsse? Kann ich Brot mit K√§se vergleichen?
2. Kunstprodukte wie Cola Light bekommen durchweg Gr√ľn.
3. Die Ampel suggeriert eine grundsätzliche Bewertung des Lebensmittel an sich.
4. Das tats√§chlich Kaufverhalten des Verbrauchers in Bezug auf eine Kennzeichnung ist √ľberhaupt noch nicht umf√§nglich erforscht. Bekannt ist lediglich, dass die Ampel verstanden wird. Ob sie wirklich wirkt, h√§tte zun√§chst breit angelegt untersucht werden m√ľssen. Letzteres gilt selbstverst√§ndlich auch f√ľr andere Kennzeichnungen.

Und was spricht gegen die jetzt beschlossene GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount)?
1. Zu ungenau. Orientiert am Tagesbedarf einer Frau mittleren Alters mit durchschnittlicher körperlicher Aktivität.
2. Portionsgr√∂√üen sind zu klein definiert, wodurch die N√§hrwerte aufgeh√ľbscht werden.
3. Die Grenzwerte, zum Beispiel bei Zucker, gelten bei Ernährungswissenschaftlern als umstritten.
4. Wird Untersuchungen zufolge schlechter verstanden als die Ampel.
5. Wie bei der Ampel: Auswirkungen auf das tatsächliche Verbraucherverhalten sind nicht erforscht.

Wie könnte eine langfristige Lösung aussehen?

Es m√ľssten unabh√§ngige Studien in Auftrag gegeben werden, die das Kaufverhalten in Bezug auf unterschiedliche Kennzeichnungen umf√§nglich untersuchen. Erst daraus lie√üe sich ein tats√§chlich wirksames Kennzeichnungssystem entwickeln.

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Dienstag, 16. März 2010

EU: Knapper, aber noch nicht entscheidender Beschluss gegen Nährwertampel gefallen. Medien blicken teilweise nicht mehr durch

Die Nährwertampel

Es war möglicherweise nur ein Pyrrhussieg, den die Kritiker der Nährwertampel heute im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments errungen haben. Mit den denkbar knappsten Ergebnissen von 30 zu 30 beziehungsweise 32 zu 30 Stimmen lehnte der Ausschuss zwei Antragsvorlagen zur Kennzeichnungspflicht ab. Jetzt muss das Parlament entscheiden, und da ist bei einer derart knappen Lage keineswegs gesagt, dass die Ampel nicht doch noch kommt.

Mit Taschenspielertricks hatten die Kritiker der Ampel, nicht zuletzt die gro√üe Lebensmittelindustrie, in der Vergangenheit immer wieder f√ľr Verwirrung gesorgt. So wird zum Beispiel gerne das Beispiel Bio-Apfelsaft versus Cola Light angef√ľhrt. Durch Weglassen wichtiger Details hei√üt es dann in den Nachrichten, zum Beispiel heute auf 1Live im WDR-Radio, dass Cola Light eine gr√ľne und Bio-Apfelsaft eine rote Ampel bek√§me. √Ąhnlich unzul√§nglich war auch schon im Zusammenhang mit Vollkornbrot und Wei√übrot von Bundesregierungsseite argumentiert worden (der kompottsurfer berichtete), denn im Ampelsystem gibt es nicht nur ein Signal sondern mehrere zu bewertende Aspekte. Eine Cola Light, die weder Fett, ges√§ttigte Fetts√§uren, Zucker und Salz enth√§lt, h√§tte durchg√§ngig gr√ľne Kennzeichnungen. Ein Bio-Apfelsaft hat in jedem Fall drei gr√ľne Kennzeichnungen, eventuell die vierte in Gelb, wegen des Fruchtzuckers, in manchen F√§llen vielleicht sogar Rot. Cola Light ist also nicht besonders gesund, was die gr√ľnen Farben ja auch gar nicht symbolisieren sollen, sondern enth√§lt ‚Äď im Gegensatz zum Apfelsaft ‚Äď nur keinen Zucker. Die Ampel ist eben keine Universalkennzeichnung f√ľr gute oder schlechte Lebensmittel, sie ist nicht mehr oder weniger als eine schnell wahrnehmbare Orientierung f√ľr enthaltene N√§hrwerte. Die Verbraucherlizenz zum genauerem Hingucken. Die Ampel deswegen abzulehnen, weil sie nicht auch noch auf alle Probleme der Inhaltsstoffe eingehen kann, l√§sst die Verschleierer aus der Industrie nur noch mehr jubeln.

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Freitag, 19. Februar 2010

Kampfsage von √Ąrzten und Krankenkassen: Die Lebensmittelampel leuchtet wieder

Die Nährwertampel

Der Kampf f√ľr eine Ampel-Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln schien sp√§testens nach dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl aussichtsloser denn je. √úber das F√ľr und Wider hatte der kompottsurfer in den letzten Jahren immer wieder berichtet und dabei klar f√ľr eine Kennzeichnungspflicht votiert.

Nun, wo der Kampf gegen die lobbystarke Lebensmittelindustrie schon fast verloren schien, legen die Bef√ľrworter der Kennzeichnungspflicht noch mal einen Gang zu. Wie der digitale Spiegel heute berichtet, fordern √Ąrzte und Krankenkassen in einem Brief an deutsche EU-Abgeordnete, sich im europ√§ischen Parlament f√ľr die Ampel einzusetzen. Und es sind nicht nur ein paar versprengte Funktion√§re und Gutmenschen√§rzte, die das Papier unterzeichnet haben, sondern es sind der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen, der AOK-Bundesverband, die Verbraucherzentralen, die Bundes√§rztekammer sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugend√§rzte und die deutsche Herzstiftung. Da ist m√§chtig Druck hinter. Und endlich kommt richtig Bewegung ins Geschehen. Die Schlacht ist also noch nicht verloren.

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Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ampelkennzeichnung abgeblockt. Generation XXL darf kommen

Wie gerade auf Spiegel Online gemeldet, wird die Ampelkennzeichnung f√ľr Lebensmittel h√∂chstwahrscheinlich nicht kommen. Die Lobby der Industrie hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Wie im kompottsurfer bereits vor l√§ngerer Zeit berichtet, hat auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in der Vergangenheit alles getan, um den Eindruck zu erwecken, sie lie√üe sich vor den Karren der Industrie spannen. Die Generation XXL wird also weiterhin mit staatlicher Unterst√ľtzung gem√§stet. Wie gut, dass die Krankenkassen volle Konten haben, da k√∂nnen sie ja die Kostenbomben von morgen locker wegstecken.

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