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Donnerstag, 17. Juni 2010

Warum das Nein zur Ampel kein Sieg der Lebensmittelindustrie ist

Die Nährwertampel

Verbraucherschützer gegen Lebensmittelindustrie – was wie die Ansetzung einer Fußballpartie klingt, wurde von einigen Medien und Organisationen wie foodwatch immer wieder als Kern der Auseinandersetzung um eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel dargestellt. Und auch der kompottsurfer – das muss ich an dieser Stelle selbstkritisch feststellen – hat in den letzten Jahren reichlich zu diesem Lagerkampf beigetragen.

Inzwischen ist mir aber klargeworden, dass eine solche Art der Auseinandersetzung die Sache nicht voranbringt. Es sind ja keinesfalls nur die Lobbyisten der Industrie, die eine Ampel ablehnen. Auch unabhängige Wissenschaftler kritisieren das Modell als unzureichend bis fragwürdig. Ein auf Kampf gegen das vermeintlich Böse, die große Lebensmittelindustrie, ausgerichtetes Vorgehen verstellt jedenfalls den Blick aufs Wesentliche. Und das Wesentliche ist aus meiner Sicht, eine Kennzeichnung zu etablieren, die nicht nur plakativ ist, sondern den Erfordernissen an eine gesunde Ernährung gerechter wird.

Hier noch mal wesentliche Punkte im Überblick, die gegen die Ampel sprechen:

1. Festlegen von Grenzwerten über alle Produktgruppen hinweg. Nüsse haben Fette, aber viele davon sind gesund. Sind also Diätjoghurts wirklich empfehlenswerter als Nüsse? Kann ich Brot mit Käse vergleichen?
2. Kunstprodukte wie Cola Light bekommen durchweg Grün.
3. Die Ampel suggeriert eine grundsätzliche Bewertung des Lebensmittel an sich.
4. Das tatsächlich Kaufverhalten des Verbrauchers in Bezug auf eine Kennzeichnung ist überhaupt noch nicht umfänglich erforscht. Bekannt ist lediglich, dass die Ampel verstanden wird. Ob sie wirklich wirkt, hätte zunächst breit angelegt untersucht werden müssen. Letzteres gilt selbstverständlich auch für andere Kennzeichnungen.

Und was spricht gegen die jetzt beschlossene GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount)?
1. Zu ungenau. Orientiert am Tagesbedarf einer Frau mittleren Alters mit durchschnittlicher körperlicher Aktivität.
2. Portionsgrößen sind zu klein definiert, wodurch die Nährwerte aufgehübscht werden.
3. Die Grenzwerte, zum Beispiel bei Zucker, gelten bei Ernährungswissenschaftlern als umstritten.
4. Wird Untersuchungen zufolge schlechter verstanden als die Ampel.
5. Wie bei der Ampel: Auswirkungen auf das tatsächliche Verbraucherverhalten sind nicht erforscht.

Wie könnte eine langfristige Lösung aussehen?

Es müssten unabhängige Studien in Auftrag gegeben werden, die das Kaufverhalten in Bezug auf unterschiedliche Kennzeichnungen umfänglich untersuchen. Erst daraus ließe sich ein tatsächlich wirksames Kennzeichnungssystem entwickeln.

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Dienstag, 16. März 2010

EU: Knapper, aber noch nicht entscheidender Beschluss gegen Nährwertampel gefallen. Medien blicken teilweise nicht mehr durch

Die Nährwertampel

Es war möglicherweise nur ein Pyrrhussieg, den die Kritiker der Nährwertampel heute im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments errungen haben. Mit den denkbar knappsten Ergebnissen von 30 zu 30 beziehungsweise 32 zu 30 Stimmen lehnte der Ausschuss zwei Antragsvorlagen zur Kennzeichnungspflicht ab. Jetzt muss das Parlament entscheiden, und da ist bei einer derart knappen Lage keineswegs gesagt, dass die Ampel nicht doch noch kommt.

Mit Taschenspielertricks hatten die Kritiker der Ampel, nicht zuletzt die große Lebensmittelindustrie, in der Vergangenheit immer wieder für Verwirrung gesorgt. So wird zum Beispiel gerne das Beispiel Bio-Apfelsaft versus Cola Light angeführt. Durch Weglassen wichtiger Details heißt es dann in den Nachrichten, zum Beispiel heute auf 1Live im WDR-Radio, dass Cola Light eine grüne und Bio-Apfelsaft eine rote Ampel bekäme. Ähnlich unzulänglich war auch schon im Zusammenhang mit Vollkornbrot und Weißbrot von Bundesregierungsseite argumentiert worden (der kompottsurfer berichtete), denn im Ampelsystem gibt es nicht nur ein Signal sondern mehrere zu bewertende Aspekte. Eine Cola Light, die weder Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz enthält, hätte durchgängig grüne Kennzeichnungen. Ein Bio-Apfelsaft hat in jedem Fall drei grüne Kennzeichnungen, eventuell die vierte in Gelb, wegen des Fruchtzuckers, in manchen Fällen vielleicht sogar Rot. Cola Light ist also nicht besonders gesund, was die grünen Farben ja auch gar nicht symbolisieren sollen, sondern enthält – im Gegensatz zum Apfelsaft – nur keinen Zucker. Die Ampel ist eben keine Universalkennzeichnung für gute oder schlechte Lebensmittel, sie ist nicht mehr oder weniger als eine schnell wahrnehmbare Orientierung für enthaltene Nährwerte. Die Verbraucherlizenz zum genauerem Hingucken. Die Ampel deswegen abzulehnen, weil sie nicht auch noch auf alle Probleme der Inhaltsstoffe eingehen kann, lässt die Verschleierer aus der Industrie nur noch mehr jubeln.

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Freitag, 19. Februar 2010

Kampfsage von Ärzten und Krankenkassen: Die Lebensmittelampel leuchtet wieder

Die Nährwertampel

Der Kampf für eine Ampel-Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln schien spätestens nach dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl aussichtsloser denn je. Über das Für und Wider hatte der kompottsurfer in den letzten Jahren immer wieder berichtet und dabei klar für eine Kennzeichnungspflicht votiert.

Nun, wo der Kampf gegen die lobbystarke Lebensmittelindustrie schon fast verloren schien, legen die Befürworter der Kennzeichnungspflicht noch mal einen Gang zu. Wie der digitale Spiegel heute berichtet, fordern Ärzte und Krankenkassen in einem Brief an deutsche EU-Abgeordnete, sich im europäischen Parlament für die Ampel einzusetzen. Und es sind nicht nur ein paar versprengte Funktionäre und Gutmenschenärzte, die das Papier unterzeichnet haben, sondern es sind der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen, der AOK-Bundesverband, die Verbraucherzentralen, die Bundesärztekammer sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und die deutsche Herzstiftung. Da ist mächtig Druck hinter. Und endlich kommt richtig Bewegung ins Geschehen. Die Schlacht ist also noch nicht verloren.

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Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ampelkennzeichnung abgeblockt. Generation XXL darf kommen

Wie gerade auf Spiegel Online gemeldet, wird die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel höchstwahrscheinlich nicht kommen. Die Lobby der Industrie hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Wie im kompottsurfer bereits vor längerer Zeit berichtet, hat auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in der Vergangenheit alles getan, um den Eindruck zu erwecken, sie ließe sich vor den Karren der Industrie spannen. Die Generation XXL wird also weiterhin mit staatlicher Unterstützung gemästet. Wie gut, dass die Krankenkassen volle Konten haben, da können sie ja die Kostenbomben von morgen locker wegstecken.

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