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Montag, 09. Januar 2012

Keimbelastetes Hähnchenfleisch im Supermarkt: BUND sieht gefährliches und flächendeckendes Problem

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) informierte heute in einer Pressemitteilung über eine Stichprobenuntersuchnung, bei der jede zweite Hähnchenfleischprobe in deutschen Supermärkten und bei Discountern in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und der Region Stuttgart entweder mit ESBL- oder MRSA-Keimen belastet war. ESBL-produzierende Darmkeime (Extended Spectrum Beta-Lactamase) und MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) können, laut Auskunft des Verbandes, bei anfälligen Menschen zu schweren Erkrankungen oder gar zum Tod führen.

Das Problem ist nicht neu, schon seit über zehn Jahren weisen Verbraucherschützer immer wieder darauf hin. Vor genau einem Jahr warnte der kompottsurfer explizit vor der tickenden Zeitbombe antibiotikaresistenter Keime, und natürlich ist das keine Prognose mit der man unbedingt Recht haben will. Ursache ist, ganz offensichtlich, die industrielle Massentierhaltung. Reinhild Benning Agrarexpertin beim BUND, fordert von Bundesverbraucherministerin Aigner, umfassend Daten über die Keimbelastungen von Lebensmitteln zu erheben und offenzulegen: “Hähnchen, Hühner, Schweine und Kälber leiden millionenfach unter inakzeptablen Haltungsbedingungen und erkranken daran. Bekämen sie keine Antibiotika verabreicht, würden sie in vielen Fällen nicht bis zum Schlachten durchhalten. Selbst gesunde Tiere bekommen die Antibiotika, weil in der industriellen Tierhaltung in der Regel ganze Tierbestände damit behandelt werden.”

Es wird höchste Zeit, dass ein Umdenkprozess in Gang kommt. So lange ein Kilo Fleisch billiger sein kann als ein Kilo Äpfel, läuft gewaltig was schief im Ernährungsverhalten der Deutschen. Ja, es wird vielen Verbrauchern nicht schmecken, aber sie sind es, die das Problem verstärken, wenn sie Fleisch nach den Regeln des Schnäppchenjagens einkaufen.

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Dienstag, 22. November 2011

Lehren aus der EHEC-Krise: Bundesrechnungshof fordert nationalen Krisenstab

Es war der mit Abstand meistgelesene Themenblock in über fünf Jahren kompottsurfer: die EHEC-Krise. Nun hat der Bundesrechnungshof den behördlichen Umgang mit EHEC untersucht und in seinem Dokument über die Organisation des gesundheitlichen Verbraucherschutzes nach Informationen einiger Online-Medien, denen der Bericht bereits vorliegt, systemimmanente Schwächen des deutschen Krisenmanagements ausgemacht und fordert einen nationalen Krisenstab. Dem kompottsurfer ist diese Forderung zu schwammig. Was es aber braucht und an dieser Stelle auch bereits gefordert wurde ist ein durchstrukturiertes Erfassungs-, Melde-, Maßnahmen- und Kommunikationssystem. Die Strukturen müssen aufgebaut sein und reibungslos funktionieren sonst nutzt auch ein nationaler Krisenstab herzlich wenig.

Dass Veränderungen bei der Lebensmittelüberwachung notwendig sind, stellt der Bericht ebenfalls fest. Dazu sollen Spezialeinheiten des Bundes eingerichtet werden, die Lebensmittelhersteller und Handelsketten kontrollieren, die einen überregionalen Markt bedienen. Kommt da nun also ein Bundesgesundheitsamt durch die Hintertür hereinspaziert? Und das mit Segnung des Bundesrechnungshofes? Genug spekuliert. Warten wir erst mal den kompletten Bericht ab.

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Montag, 26. September 2011

Listeriengefahr: Feinkosthändler Momeni ruft Produkte zurück

Das Tübinger Unternehmen Momeni, spezialisiert auf Convenience-Produkte, ruft gefüllte Antipasti aus ihrem Sortiment zurück und warnt vor dem Verzehr bereits gekaufter Ware. Interne Kontrollen haben ergeben, dass Minipaprika gefüllt mit Frischkäse sowie Rote und Grüne Peperoni ebenfalls mit Frischkäse gefüllt, einen Listerienbefund aufwiesen (Listeria monocytogenes). Das Problem ist, vermutet der kompottsurfer, wahrscheinlich von kontaminierter Milch verursacht worden, die für den Frischkäse verwendet wurde.

Im letzten Jahr war der Discounter LIDL von Listerien-kontaminierten Produkten eines Herstellers aus Österreich betroffen. Was es mit der Problematik auf sich hat, darüber hat der kompottsurfer seinerzeit ausführlich berichtet.

Das news-aktuell-Presseportal listet alle Händler, die von der Firma Momeni mit den entsprechenden Produkten beliefert worden sind. Guckst du hier

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Montag, 05. September 2011

Etikettenschwindel? Wie regional sind regionale Produkte?

Bonus Ost: Kennzeichnung für Lebensmittel aus den neuen Bundesländern

Immer mehr Supermärkte bewerben einzelne Produkte nicht mehr nur mit guten Bewertungen von Ökotest und Stiftung Warentest, sondern auch mit dem Hinweis, dass es sich gegebenenfalls um ein regionales Erzeugnis handelt. Nur ist eine derartige Kennzeichnung nirgendwo geregelt, das heißt, dem Verbraucher kann auch ein Produkt aus 200 Kilometern Entfernung als ein regionales empfohlen werden. Supermarktketten erschaffen sogar eigene Labels, damit die Kunden bei ihren emotionalen Einkaufspräferenzen gepackt werden können. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts aus 2010 bevorzugen nämlich 65% der Verbraucher angeblich Produkte aus der Region.

Zugegeben, das Thema ist nicht neu, aber Regelungen, die einem Missbrauch vorbeugen könnten, gibt es immer noch nicht. In den neuen Bundesländern ist sogar ein Trend zu erkennen, der die regionale Trennung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verortet, wie mir bei einer Reise nach Sachsen-Anhalt auffiel. Der Hinweis Ostprodukte steht dort neben der Preisangabe zu Erzeugnissen, die aus den neuen Bundesländern stammen. Was gäbe es wohl für ein Geschrei, wenn zum Beispiel Aldi oder REWE in ihren Filialen in den alten Bundesländern Westprodukte als Kennzeichnungselement einsetzen würden?

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Freitag, 17. Juni 2011

EHEC: Jetzt ist er da, der Hygiene-GAU

Nichts wäre dem kompottsurfer lieber gewesen als dass seine Befürchtungen hinsichtlich der Ausbreitungswege von EHEC durch Schmierinfektion nicht so krass bestätigt worden wären wie mit dem heute bekannt gewordenen Fall, wo im Rahmen einer Familienfeier in Niedersachsen, die von einem nordhessischen Catering Service beliefert wurde, 20 der 65 Gäste erkrankten. Nach Angaben des Hessischen Gesundheitsministeriums ist der Erreger im Verlauf des Zubereitungsprozesses auf die Speisen gelangt.

Die an dieser Stelle seit Ausbruch der Seuche wiederholt formulierte Kritik gegenüber den verantwortlichen Stellen, bei ihren Warnungen immer die Produkte und deren Herkunft in den Mittelpunkt zu rücken statt die Hygienefrage, kann der kompottsurfer nur erneuern. Eine solche Schwerpunktsetzung führt – völlig erwartbar – dazu, dass der Hygienefrage in der Bevölkerung weit weniger Bedeutung beigemessen wird als nötig. Hygienehinweise wurden von verschiedener Seite zwar gegeben, aber sie standen immer deutlich an zweiter Stelle, nach den Produktwarnungen. Und jetzt haben wir den Salat. Die verantwortlichen Stellen müssen sich fragen lassen, ob sie die Gefährdungen durch Schmierinfektionen weiterhin so geringschätzig einstufen wollen wie bisher. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie schnell ein gefährlicher Erreger den Weg durch die Republik finden kann. Man stelle sich nur vor, das Catering wäre für ein Volksfest vorgesehen gewesen.

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Montag, 30. Mai 2011

EHEC-Ausbreitung: Was heißt denn hier “Panikmache”, Herr Montgomery?

Okay, Udo Lindenberg hätte das sagen können. So was in der Art wie “Keine Panik Leute, dieses EHEC-Bakterchen kann uns gar nichts. Einfach immer schön die Patschehändchen waschen, n’ bisschen Wodka rüberkippen und dann sind wir wieder Chef im Ring. Alles klar, Leute?”

Nun wird aber nicht Udo Lindenberg sondern der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, in der Passauer Neuen Presse mit der Aussage zitiert, er warne vor Panikmache. Also, er warnt nicht vor EHEC, vor unzureichender Hygiene, vor dem Verzehr in Verdacht geratener Lebensmittel, nein, der Vorzeigedoc warnt vor Panikmache und wird mit seiner Aussage auch in den Nachrichten diverser großer Radiosender zitiert.

Panikmache würde bedeuten, es gäbe Leute, die – medial verstärkt – einen Teil der Bevölkerung in einen Zustand äußerster Angst versetzen und dazu bringen würden, unkontrolliert in ein Fluchtverhalten oder in eine lähmende Angststarre zu verfallen. Bei aller kritischer Betrachtung hat der kompottsurfer solche Panikmacher noch nirgends ausmachen können. Im Gegenteil erschreckt den kompottsurfer der eher sorglose Umgang der Politik mit der Problematik. Nach dem Motto: wird schon werden.

Während Ärzte von erkrankten Patienten berichten, die absolut sicher sind, in den letzten Wochen keine Gurken verzehrt zu haben, bleibt der Haupttenor der Empfehlungen der Verzicht auf Gurken, Tomaten und Salat. Schon gestern hatte der kompottsurfer darauf hingewiesen, dass in früheren Fällen oft lange mit falschen Annahmen über die tatsächliche Herkunft der Erreger hantiert wurde, bevor Ursache und Verbreitungswege endgültig ausgemacht wurden. Insofern sind und bleiben die wichtigsten Vorkehrungsfaktoren Hand- und Küchenhygiene.

Erstaunlich ist, dass scheinbar erst jetzt ein Krisenstab des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eingerichtet wurde, der Erkenntnisse und Maßnahmen zwischen Landes- Bundes- und Europabehörden kommunizieren soll. Der kompottsurfer hatte angenommen, eine solche Krisenstabsstruktur gäbe es dauerhaft, und sie würde in solchen Fällen gleich aktiv sowie bedarfsmäßig um Experten zu den jeweiligen Problembereichen erweitert. Ich stelle mir da gerade einen Brand im Bundeskanzleramt vor, zu dem erst eine Woche später ein paar einzelne Feuerwehrleute aus Berlin zum Löschen angerufen werden.

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Sonntag, 29. Mai 2011

EHEC und die Fälle aus der Vergangenheit: Das Stochern im Nebel gehört dazu.

Bei meinen Recherchen zu EHEC stieß ich auf ein paar interessante Altfälle von E.-coli-Verseuchungen, die ebenfalls zu Erkrankungen mit Hämolytisch-Urämischem-Syndrom führten. So gab es 2009 in den USA den Verdacht,  Industrieprodukte des Herstellers Nestlé, genauer gesagt dessen Toll House Cookie Doughs seien mit dem Bakterium verseucht. Nestlé startete eine umfangreiche Rückrufaktion. Letzten Endes konnte aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass die Cookies tatsächlich befallen waren. Auch da gab es ein langes Stochern im Nebel nach den Ursachen für die Kontamination und deren Verbreitung, die am Ende einer Verseuchung von Rindhackfleisch zugeordnet wurde.

Ähnlich war es bei einer HUS-Erkrankungswelle in den USA 2006, wo zunächst Lauchzwiebeln, dann Rohmilch, schließlich wieder Lauchzwiebeln als Ursache ausgemacht wurden. Im gleichen Jahr gab es eine Kontamination, wo abgepackter Spinat Erkrankungen verursacht hatte.

Es gab auch Fälle, wo verseuchtes Wasser und unpasteurisierter Apfelsaft die Ursache waren. Die meisten Vorfälle hatten allerdings bekanntlich mit Hackfleisch zu tun. Aber fast immer war da auch die lange Suche nach der Ursache. Und so, wie der Lebensmittelhandel in den Industrienationen funktioniert, verwundert das überhaupt nicht. Der kompottsurfer befürchtet, dass uns in den nächsten Jahren eine massive Zunahme derartiger Probleme bevorsteht, weil der Markt sich weiter internationalisiert und Produzenten sowie Händler aufgrund von Kostendruck Hygienemaßnahmen und regelmäßige Produktkontrollen auf das Mindeste beschränken werden.

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Freitag, 27. Mai 2011

EHEC und die Suche nach den Schuldigen: So langsam wird’s peinlich

Blinder Aktionismus in peinlicher Vollendung, anders sind viele Maßnahmen und Empfehlungen von Politikern, Verbandsfunktionären und Behörden im Zusammenhang mit der EHEC-Ausbreitung kaum zu beschreiben. So wird ein Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, auf Spiegel Online mit der Aussage zitiert Es kann nicht sein, dass in Spanien bei der Lebensmittelkontrolle geschlampt wird und in Deutschland dadurch Menschen krank werden. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, haut in die gleiche Kerbe und äußert sich in der Rheinischen Post so: Wir fordern, dass es in der EU einheitliche Standards gibt. Diese Regeln müssen auch für Drittländer gelten, die zu uns liefern. Also gleich mal die Chance nutzen, ein bisschen Lobbyarbeit zu machen. Die Spanier wehren sich und behaupten, das spanische Gemüse sei erst beim Verladen in Deutschland verseucht worden.

Gestern in den Tagesthemen kam die EHEC-Patientin Karoline E. zu Wort, die aufgrund ihrer Schwangerschaft derzeit besonders ernährungsbewusst lebt und berichtet, sie habe ihr Gemüse nur im Bioladen eingekauft und auch auf regionale Herkunft geachtet. Genau dieses Beispiel zeigt, dass es für den Umgang mit der EHEC-Gefährdung völlig unerheblich ist, über die Schuldfrage zu debattieren. Und so sinnvoll wie ein nationales Einmaleins. Es gibt nämlich tausendundeins Möglichkeiten, wie sich im weltoffenen Lebensmittelhandel gefährliche Erreger verbreiten können. Für die Wissenschaftler ist es zwar durchaus wichtig, die Quelle zu kennen, um die Ausbreitungswege nachvollziehen zu können, alle anderen sollten aber ihren Job machen und den Menschen Hinweise geben, wie die aktuellen Gefährungen zum Beispiel durch maximale Hygiene zu vermindern sind, statt unappetitliche Interessensüppchen zu kochen.

Eines muss in der jetzigen Situation an erster Stelle stehen, und das ist die Gesundheit der Konsumenten. Debatten und Beiträge über wirtschaftliche Folgen und absatzgeschädigte Bauern und Gemüsehändler gehören da erst einmal in den Hintergrund. So einfach ist das.

Der kompottsurfer empfiehlt derzeit folgende Maßnahmen:

1. Gründliche Hygiene, vor allem regelmäßiges Händewaschen, nachdem man außerhalb der eigenen vier Wände unterwegs war sowie nach der Verarbeitung von Obst und Gemüse und direkt vor dem Essen.

2. Verzicht auf Salat und andere Rohkost. Gemüse zumindest kurz dünsten oder kochen. Tomaten nach kurzem Erhitzen enthäuten. Der Verzehr von Spargel dürfte, nach Einschätzung des kompottsurfers, weitgehend unbedenklich sein, da er durch Schälen und Kochen zu einem eher unproblematischen Produkt wird. Obst schälen, auf Erdbeeren am besten verzichten, bei zu großer Genusssucht aber auf jeden Fall sehr gründlich abwaschen.

3. Schneidebretter und Messer immer gründlich reinigen, bevor verzehrfertige Lebensmittel damit in Kontakt kommen.

4. Beim Garen von Wildfleisch durch die Sous-Vide-Methode oder Niedrigtemperaturverfahren, darauf achten, dass die Temperatur signifikant oberhalb von 70° C. liegt und eine Kerntemperatur im Fleisch von mindestens 70° C. über drei bis fünf Minuten erreicht wird. Zum Thema Wildfleisch auch noch mal ein interessanter Beitrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) aus 2007.

Und trotzdem gilt bei allem Ernst der Lage: Immer schön gelassen bleiben, zugleich aber umsichtig und vorsichtig. Und bloß nicht den Spaß am Essen verderben lassen!

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Donnerstag, 26. Mai 2011

Maßnahmen gegen EHEC: Verzichtsratschläge (Tomate, Blattsalat, Gurke) bieten nur scheinbare Sicherheit

Tomaten: Produktverzicht ist nur eine scheinbar sichere Lösung

Dem kompottsurfer gefällt der mediale Umgang hinsichtlich der Vorsichtsmaßnahmen zu EHEC überhaupt nicht. Durch den Fokus auf einzelne Lebensmittel wie Blattalaten, Tomaten und Gurken, die aus Norddeutschland stammen, wird das Hauptproblem der Verbreitung von gefährlichen EHEC-Erregern zu sehr von einer hygienischen auf eine geographische und produktbezogene Ebene verschoben. Wie bereits vorgestern gebloggt, ist es aber der hygienische Aspekt, der in den Vordergrund gehört. Eine Gelegenheit, diese Problematik am akuten Beispiel von EHEC ausführlich und grundsätzlich darzustellen wird vertan, denn EHEC ist nun mal nicht die einzige problematische Verunreinigung von Lebensmitteln.

Statt nun die vom Robert-Koch-Institut im Zusammenhang mit EHEC veröffentlichten Empfehlungen zum Umgang mit lebensmittelbedingten Infektionsgefährdungen herauszustellen (u.a. strikte Händehygiene einhalten!), wird das Institut in zahlreichen Medien lediglich im Zusammenhang mit seinen Erkenntnissen zum Ursprung des Problems zitiert.

Der kompottsurfer möchte hier überhaupt keine spiegelreine Meister-Propper-Ernährung propagieren, bloß das nicht, aber die Sensibilität für das Vorhandensein und für die Verbreitung von gefährlichen Erregern über Schmierinfektion ist schlichtweg unterentwickelt. Wer übrigens seinen Kindern mal zeigen möchte, wie Händewaschen richtig funktioniert (den Eltern hören die Nachwüchsigen ja ohnehin selten aufmerksam zu), sollte den Kids mal dieses, fast schon 50er-Jahre-mäßige Video zur Ansicht auf dem iphone empfehlen. Ist so unhip gedreht, dass es schon fast wieder komisch ist.

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Dienstag, 24. Mai 2011

EHEC und die große Verunsicherung: Müssen wir jetzt auf Spargel und Erdbeeren verzichten?

EHEC: Verzehr von Erdbeeren nicht unbedenklich (Foto: Hedwig Storch, bearbeitet)

Die Nachricht vom aktiv gewordenen EHEC-Erreger platzt denkbar ungünstig in eine der schönsten kulinarischen Phasen des Jahres, in der uns vor allem frischer Spargel und Erdbeeren in Suchtzustand versetzen. EHEC ist ein Colibakterium, das nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung im Darm von Wiederkäuern natürlich vorkommt und über Verunreinigung im Melk- oder Schlachtprozess in Milch und Fleisch sowie über Gülledüngungen in Obst und Gemüse gelangen kann. Es kann lebensbedrohliche Darmerkrankungen verursachen, sowie Langzeitschäden wie Bluthochdruck und Nierenversagen auslösen.

So wichtig das Ausforschen der Ursache für die aktuelle Erkrankungswelle nun auch ist – viel wichtiger ist es jetzt, die weiter Ausbreitung durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu stoppen. Vor allem Kinder und immungeschwächte Menschen sind durch EHEC gefährdet.

Und die wichtigsten dieser Maßnahmen liegen nicht in der Vermeidung bestimmter Lebensmittel sondern in der Beachtung von Hygieneregeln, vor allem in der Gastronomie, da der Übertragungsweg durch Schmierinfektion für die schnellste Ausbreitung sorgt. Türklinken in öffentlichen Gebäuden und in Toiletten sind DER Bakterienverbreiter überhaupt. Was man also ohnehin immer tun sollte, nämlich regelmäßiges gründliches Händewaschen, gilt vor dem Hintergrund der EHEC-Ausbreitung erst recht.

Wer nun gerne Spargel isst, muss nicht darauf verichten, sollte aber nach dem Schälen unbedingt die Hände waschen. Der Spargel selbst wird durch die Hitze des Kochwassers von EHEC-Erregern befreit. Wildfleisch ist ebenfalls ein großer Tummelplatz für EHECs, Rindfleisch ist dagegen seltener betroffen (Ausnahme: Rinderhack). Das Problem ist nicht der Verzehr des ausreichend gebratenen Lebensmittels (mindestens 70° Celsius Kerntemperatur für zwei Minuten, besser länger), sondern der Zubereitungsprozess. Zumal grundsätzlich, und unabhängig vom EHEC-Problem, gilt, dass rohe tierische Lebensmittel wie Fleisch und Eier nicht in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, die roh verzehrt werden wie Obst und Salat. Weder unmittelbar noch über Umwege wie Messer oder Schneidebretter. Der kompottsurfer berichtete vor einiger Zeit über Listerien, einen Bakterientyp, der ähnlich gefährlich ist wie EHEC und sich immer mal wieder ausbreitet. Und der kompottsurfer kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass Hygiene das Maß aller Dinge bei der Zubereitung von Nahrung ist.

Was den Verzehr von Erdbeeren betrifft, so rät der kompottsurfer hier zu besonderer Vorsicht. Da Erdbeeren bodennah wachsen, der Boden durch Düngung verunreinigt sein könnte und die Früchte beim Pflücken in direkten Kontakt mit den Händen kommen, die möglicherweise bakteriell verunreinigt sind und die Frucht zudem meist roh verzehrt wird, stuft sie der kompottsurfer als problematisch ein. Abwaschen allein bringt keine ausreichende Sicherheit. Erdbeermarmelade machen wäre ein gute Alternative.

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