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Montag, 25. Februar 2013

Betrug bei Bio-Eiern entlarvt einen noch größeren Skandal: Die Geheimhaltung des Problems seit 2011.

Eier-Skandal: Wenn Bio nicht Bio ist

Januar 2011. Dioxinskandal. Bei Eiern aus konventioneller Haltung wurden erh√∂hte Dioxinwerte festgestellt (der kompottsurfer berichtete). Der Skandal l√∂ste einen Boom auf Bio-Eier aus. Februar 2013. Millionen H√ľhnereier, die in Deutschland als Bio- oder Freilandeier verkauft worden sind, sollen nicht den vorgeschriebenen Normen entsprochen haben. √úber 200 Betriebe sollen in den Skandal verwickelt sein. Ein systematischer Betrug gegen√ľber dem Verbraucher.

Um den Betrug aufzudecken und die Ermittlungen nicht zu gef√§hrden, soll sich ‚Äď nach Angaben des Spiegel ‚Äď die seit September 2011 ermittelnde Staatsanwaltschaft Oldenburg entschieden haben, die Thematik nicht √∂ffentlich zu machen. Selbst am heutigen Montag, Stand 10.30 Uhr, ist noch keine offizielle Stellungname der Staatsanwaltschaft auf deren Internetseite zu finden. Der kompottsurfer fragt sich: Was ist da los? Wer entscheidet bei einer so hochsensiblen Problematik √ľberhaupt dar√ľber, dass Erkenntnisse geheimgehalten werden d√ľrfen? Vor allem √ľber einen derart langen Zeitraum. Ermittlungsbeh√∂rden? Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner? War sie eingeweiht? Wahrscheinlich nicht. Tja, da kommen mir doch gleich die Ereignisse um die rechtsextreme Terrorgruppe NSU hoch, auch wenn das, zugegeben, ein ganz anderer Kontext ist.

Der kompottsurfer vertritt in Fragen der Lebensmittelsicherheit eine glasklare Haltung: Nichts, wirklich nichts, darf bei derartig brisanten Problemen aus ermittlungstaktischen Gr√ľnden der √Ėffentlichkeit verheimlicht werden. Nach zwei Wochen mit zwei Lebensmittelskandalen bleibt nun die zutiefst ern√ľchternden Erkenntnis zur√ľck, dass es nicht nur erschreckende Kontrollm√§ngel bei Lebensmitteln (Pferdefleischskandal) gibt, sondern dass auch in F√§llen, wo bereits Erkenntnisse vorliegen, nicht gehandelt wird (Bio-Eier).

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Freitag, 08. Juni 2012

Teller des Schreckens: Neunj√§hrige Schottin bloggt √ľber ihr Schulessen.

Ein Beitrag in der Holzausgabe des aktuellen stern machte mich neugierig auf das, was die neunj√§hrige Sch√ľlerin Martha Payne aus Schottland Tag f√ľr Tag √ľber ihr Schulessen bloggt. Mindestens so eindrucksvoll wie ihre Beschreibungen in ihrem Blog auf NeverSeconds sind ihre dokumentarischen Fotos. Der kompottsurfer wei√ü, dass Schulessen auch in Deutschland kaum besser aussieht ‚Äď und schmeckt. An der Schule meines Sohnes zum Beispiel werden die Kinder und Jugendlichen mit dem Kantinenfra√ü ‚Äď anders kann man es leider nicht bezeichnen ‚Äď einer Beh√∂rde abgespeist, der in unvertretbaren Ma√ü aus Pommes, Mayonnaise, Wurst und Schnitzel besteht.

Jamie Oliver engagiert sich schon seit vielen Jahren f√ľr besseres Schulessen, nicht nur in Gro√übritannien. Er wird auch nicht m√ľde, seine Botschaft in die Welt zu tragen, wie ein Vortrag in den USA (s. unten) verdeutlicht. Der kompottsurfer kann √ľber die allgemeine Ern√§hrungslage in den USA keine Einsch√§tzung aus erster Hand treffen, f√ľr Deutschland aber sehr wohl. Und hier bleibt ‚Äď allen erfolgreichen Kochsendungen im Fernsehen zum Trotz ‚Äď der Qualit√§tsanspruch ans Essen weiterhin bescheiden. Entscheidend ist nach wie vor der Preis.

In Deutschland, so erl√§uterte es mir einmal Frau Dr. Monika Hartmann, Professorin f√ľr Marktforschung der Agrar- und Ern√§hrungswirtschaft am Institut f√ľr Lebensmittel- und Ressourcen√∂konomik der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universit√§t Bonn, reagieren die Verbraucher besonders sensibel auf Preisver√§nderungen bei Lebensmitteln. Entsprechend logisch ist der Preiskampf, den sich die Discounter bei Preisen f√ľr Milch, Butter, vor allem aber Fleisch liefern. Obwohl dieser Preiskampf im Grunde nur eines dokumentiert: den Irrweg, den Verbraucher in Tateinheit mit Erzeugern, Industrie und Handel beschritten haben.

Aber zur√ľck zum Schulessen. Frau Prof. Hartmann best√§tigte mir, dass es eine inverse Relation von Ern√§hrungswissen und Ern√§hrungsweise von Kindern und Jugendlichen zum Bildungsstand der Eltern gibt. Die Erkenntnis ist schon seit einiger Zeit Gewissheit. Nur passieren tut fast nichts. Ein Ansatzpunkt, gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien zu f√∂rdern, und das nicht nur in Hinblick auf eine Verbesserung des Ern√§hrungswissens, w√§ren Ganztagsschulen, sagt Hartmann. Sie b√∂ten die M√∂glichkeit, auch jungen Menschen, bei denen frisches Obst, Salat und Gem√ľse zuhause nicht oder selten auf dem Speiseplan stehen mit diesen Produkten vertraut zu machen. So weit die Theorie. Nur wenn das Essen dann so aussieht wie bei Martha, dann ist es am Ende nat√ľrlich v√∂llig egal, wo es die Sch√ľler in sich reinschaufeln. Was es braucht, ist ein Pflichtfach Ern√§hrung und Kochen in der Schule, findet der kompottsurfer. Unabh√§ngig davon, welche berufliche Richtung die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler sp√§ter einschlagen, k√∂nnte kein anderes Fach f√ľr das sp√§tere Leben eine so hohe praktische Relevanz vorweisen wie das Kochen. An diesem Punkt sollte angesetzt werden.

Ach ja: Die EU hat 2009 ein internationales Schulobstprogramm aufgelegt, das im März 2010 hierzulande gestartet wurde und in NRW vom Lehrstuhl von Frau Prof. Hartmann begleitet wird. Fazit nach zwei Jahren Laufzeit: NRW hatte sich seinerzeit bewusst dazu entschieden, den Erfolg des EU-Schulobstprogramms nicht
an der Gewichtsentwicklung der beteiligten Kinder und Jugendlichen zu messen sondern anhand einer Umfrage. “Bei weit uŐąber 100 identifizierten Einflussfaktoren auf die Entwicklung von √úbergewicht sei ein Nachweis der Einflussnahme auf die Gewichtsentwicklung durch Schulobst nicht zu erbringen”, hei√üt es zur Begr√ľndung, die durchaus plausibel erscheint, aber letztendlich mit Vorsicht zu genie√üen ist, eben weil die Aktion lediglich auf ihre marketingtechnische Wirkung untersucht wurde und nicht auf ihre tats√§chliche gesundheitliche, die ja weit mehr umfasst als nur die Entwicklung des K√∂rpergewichts. Immerhin, es w√§re ein guter Anfang, wenn in den K√∂pfen tats√§chlich schon etwas passiert ist. Sogar ein wichtiger.

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Montag, 09. Januar 2012

Keimbelastetes Hähnchenfleisch im Supermarkt: BUND sieht gefährliches und flächendeckendes Problem

Der Bund f√ľr Umwelt und Naturschutz (BUND) informierte heute in einer Pressemitteilung √ľber eine Stichprobenuntersuchnung, bei der jede zweite H√§hnchenfleischprobe in deutschen Superm√§rkten und bei Discountern in Berlin, Hamburg, K√∂ln, N√ľrnberg und der Region Stuttgart entweder mit ESBL- oder MRSA-Keimen belastet war. ESBL-produzierende Darmkeime (Extended Spectrum Beta-Lactamase) und MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) k√∂nnen, laut Auskunft des Verbandes, bei anf√§lligen Menschen zu schweren Erkrankungen oder gar zum Tod f√ľhren.

Das Problem ist nicht neu, schon seit √ľber zehn Jahren weisen Verbrauchersch√ľtzer immer wieder darauf hin. Vor genau einem Jahr warnte der kompottsurfer explizit vor der tickenden Zeitbombe antibiotikaresistenter Keime, und nat√ľrlich ist das keine Prognose mit der man unbedingt Recht haben will. Ursache ist, ganz offensichtlich, die industrielle Massentierhaltung. Reinhild Benning Agrarexpertin beim BUND, fordert von Bundesverbraucherministerin Aigner, umfassend Daten √ľber die Keimbelastungen von Lebensmitteln zu erheben und offenzulegen: “H√§hnchen, H√ľhner, Schweine und K√§lber leiden millionenfach unter inakzeptablen Haltungsbedingungen und erkranken daran. Bek√§men sie keine Antibiotika verabreicht, w√ľrden sie in vielen F√§llen nicht bis zum Schlachten durchhalten. Selbst gesunde Tiere bekommen die Antibiotika, weil in der industriellen Tierhaltung in der Regel ganze Tierbest√§nde damit behandelt werden.”

Es wird h√∂chste Zeit, dass ein Umdenkprozess in Gang kommt. So lange ein Kilo Fleisch billiger sein kann als ein Kilo √Ąpfel, l√§uft gewaltig was schief im Ern√§hrungsverhalten der Deutschen. Ja, es wird vielen Verbrauchern nicht schmecken, aber sie sind es, die das Problem verst√§rken, wenn sie Fleisch nach den Regeln des Schn√§ppchenjagens einkaufen.

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Dienstag, 22. November 2011

Lehren aus der EHEC-Krise: Bundesrechnungshof fordert nationalen Krisenstab

Es war der mit Abstand meistgelesene Themenblock in √ľber f√ľnf Jahren kompottsurfer: die EHEC-Krise. Nun hat der Bundesrechnungshof den beh√∂rdlichen Umgang mit EHEC untersucht und in seinem Dokument √ľber die Organisation des gesundheitlichen Verbraucherschutzes nach Informationen einiger Online-Medien, denen der Bericht bereits vorliegt, systemimmanente Schw√§chen des deutschen Krisenmanagements ausgemacht und fordert einen nationalen Krisenstab. Dem kompottsurfer ist diese Forderung zu schwammig. Was es aber braucht und an dieser Stelle auch bereits gefordert wurde ist ein durchstrukturiertes Erfassungs-, Melde-, Ma√ünahmen- und Kommunikationssystem. Die Strukturen m√ľssen aufgebaut sein und reibungslos funktionieren sonst nutzt auch ein nationaler Krisenstab herzlich wenig.

Dass Ver√§nderungen bei der Lebensmittel√ľberwachung notwendig sind, stellt der Bericht ebenfalls fest. Dazu sollen Spezialeinheiten des Bundes eingerichtet werden, die Lebensmittelhersteller und Handelsketten kontrollieren, die einen √ľberregionalen Markt bedienen. Kommt da nun also ein Bundesgesundheitsamt durch die Hintert√ľr hereinspaziert? Und das mit Segnung des Bundesrechnungshofes? Genug spekuliert. Warten wir erst mal den kompletten Bericht ab.

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Montag, 26. September 2011

Listeriengefahr: Feinkosth√§ndler Momeni ruft Produkte zur√ľck

Das T√ľbinger Unternehmen Momeni, spezialisiert auf Convenience-Produkte, ruft gef√ľllte Antipasti aus ihrem Sortiment zur√ľck und warnt vor dem Verzehr bereits gekaufter Ware. Interne Kontrollen haben ergeben, dass Minipaprika gef√ľllt mit Frischk√§se sowie Rote und Gr√ľne Peperoni ebenfalls mit Frischk√§se gef√ľllt, einen Listerienbefund aufwiesen (Listeria monocytogenes). Das Problem ist, vermutet der kompottsurfer, wahrscheinlich von kontaminierter Milch verursacht worden, die f√ľr den Frischk√§se verwendet wurde.

Im letzten Jahr war der Discounter LIDL von Listerien-kontaminierten Produkten eines Herstellers aus √Ėsterreich betroffen. Was es mit der Problematik auf sich hat, dar√ľber hat der kompottsurfer seinerzeit ausf√ľhrlich berichtet.

Das news-aktuell-Presseportal listet alle Händler, die von der Firma Momeni mit den entsprechenden Produkten beliefert worden sind. Guckst du hier

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Montag, 05. September 2011

Etikettenschwindel? Wie regional sind regionale Produkte?

Bonus Ost: Kennzeichnung f√ľr Lebensmittel aus den neuen Bundesl√§ndern

Immer mehr Superm√§rkte bewerben einzelne Produkte nicht mehr nur mit guten Bewertungen von √Ėkotest und Stiftung Warentest, sondern auch mit dem Hinweis, dass es sich gegebenenfalls um ein regionales Erzeugnis handelt. Nur ist eine derartige Kennzeichnung nirgendwo geregelt, das hei√üt, dem Verbraucher kann auch ein Produkt aus 200 Kilometern Entfernung als ein regionales empfohlen werden. Supermarktketten erschaffen sogar eigene Labels, damit die Kunden bei ihren emotionalen Einkaufspr√§ferenzen gepackt werden k√∂nnen. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts aus 2010 bevorzugen n√§mlich 65% der Verbraucher angeblich Produkte aus der Region.

Zugegeben, das Thema ist nicht neu, aber Regelungen, die einem Missbrauch vorbeugen k√∂nnten, gibt es immer noch nicht. In den neuen Bundesl√§ndern ist sogar ein Trend zu erkennen, der die regionale Trennung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verortet, wie mir bei einer Reise nach Sachsen-Anhalt auffiel. Der Hinweis Ostprodukte steht dort neben der Preisangabe zu Erzeugnissen, die aus den neuen Bundesl√§ndern stammen. Was g√§be es wohl f√ľr ein Geschrei, wenn zum Beispiel Aldi oder REWE in ihren Filialen in den alten Bundesl√§ndern Westprodukte als Kennzeichnungselement einsetzen w√ľrden?

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Freitag, 17. Juni 2011

EHEC: Jetzt ist er da, der Hygiene-GAU

Nichts w√§re dem kompottsurfer lieber gewesen als dass seine Bef√ľrchtungen hinsichtlich der Ausbreitungswege von EHEC durch Schmierinfektion nicht so krass best√§tigt worden w√§ren wie mit dem heute bekannt gewordenen Fall, wo im Rahmen einer Familienfeier in Niedersachsen, die von einem nordhessischen Catering Service beliefert wurde, 20 der 65 G√§ste erkrankten. Nach Angaben des Hessischen Gesundheitsministeriums ist der Erreger im Verlauf des Zubereitungsprozesses auf die Speisen gelangt.

Die an dieser Stelle seit Ausbruch der Seuche wiederholt formulierte Kritik gegen√ľber den verantwortlichen Stellen, bei ihren Warnungen immer die Produkte und deren Herkunft in den Mittelpunkt zu r√ľcken statt die Hygienefrage, kann der kompottsurfer nur erneuern. Eine solche Schwerpunktsetzung f√ľhrt ‚Äď v√∂llig erwartbar ‚Äď dazu, dass der Hygienefrage in der Bev√∂lkerung weit weniger Bedeutung beigemessen wird als n√∂tig. Hygienehinweise wurden von verschiedener Seite zwar gegeben, aber sie standen immer deutlich an zweiter Stelle, nach den Produktwarnungen. Und jetzt haben wir den Salat. Die verantwortlichen Stellen m√ľssen sich fragen lassen, ob sie die Gef√§hrdungen durch Schmierinfektionen weiterhin so geringsch√§tzig einstufen wollen wie bisher. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie schnell ein gef√§hrlicher Erreger den Weg durch die Republik finden kann. Man stelle sich nur vor, das Catering w√§re f√ľr ein Volksfest vorgesehen gewesen.

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Montag, 30. Mai 2011

EHEC-Ausbreitung: Was hei√üt denn hier “Panikmache”, Herr Montgomery?

Okay, Udo Lindenberg h√§tte das sagen k√∂nnen. So was in der Art wie “Keine Panik Leute, dieses EHEC-Bakterchen kann uns gar nichts. Einfach immer sch√∂n die Patscheh√§ndchen waschen, n’ bisschen Wodka r√ľberkippen und dann sind wir wieder Chef im Ring. Alles klar, Leute?”

Nun wird aber nicht Udo Lindenberg sondern der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, in der Passauer Neuen Presse mit der Aussage zitiert, er warne vor Panikmache. Also, er warnt nicht vor EHEC, vor unzureichender Hygiene, vor dem Verzehr in Verdacht geratener Lebensmittel, nein, der Vorzeigedoc warnt vor Panikmache und wird mit seiner Aussage auch in den Nachrichten diverser großer Radiosender zitiert.

Panikmache w√ľrde bedeuten, es g√§be Leute, die ‚Äď medial verst√§rkt ‚Äď einen Teil der Bev√∂lkerung in einen Zustand √§u√üerster Angst versetzen und dazu bringen w√ľrden, unkontrolliert in ein Fluchtverhalten oder in eine l√§hmende Angststarre zu verfallen. Bei aller kritischer Betrachtung hat der kompottsurfer solche Panikmacher noch nirgends ausmachen k√∂nnen. Im Gegenteil erschreckt den kompottsurfer der eher sorglose Umgang der Politik mit der Problematik. Nach dem Motto: wird schon werden.

W√§hrend √Ąrzte von erkrankten Patienten berichten, die absolut sicher sind, in den letzten Wochen keine Gurken verzehrt zu haben, bleibt der Haupttenor der Empfehlungen der Verzicht auf Gurken, Tomaten und Salat. Schon gestern hatte der kompottsurfer darauf hingewiesen, dass in fr√ľheren F√§llen oft lange mit falschen Annahmen √ľber die tats√§chliche Herkunft der Erreger hantiert wurde, bevor Ursache und Verbreitungswege endg√ľltig ausgemacht wurden. Insofern sind und bleiben die wichtigsten Vorkehrungsfaktoren Hand- und K√ľchenhygiene.

Erstaunlich ist, dass scheinbar erst jetzt ein Krisenstab des Bundesministeriums f√ľr Ern√§hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eingerichtet wurde, der Erkenntnisse und Ma√ünahmen zwischen Landes- Bundes- und Europabeh√∂rden kommunizieren soll. Der kompottsurfer hatte angenommen, eine solche Krisenstabsstruktur g√§be es dauerhaft, und sie w√ľrde in solchen F√§llen gleich aktiv sowie bedarfsm√§√üig um Experten zu den jeweiligen Problembereichen erweitert. Ich stelle mir da gerade einen Brand im Bundeskanzleramt vor, zu dem erst eine Woche sp√§ter ein paar einzelne Feuerwehrleute aus Berlin zum L√∂schen angerufen werden.

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Sonntag, 29. Mai 2011

EHEC und die Fälle aus der Vergangenheit: Das Stochern im Nebel gehört dazu.

Bei meinen Recherchen zu EHEC stie√ü ich auf ein paar interessante Altf√§lle von E.-coli-Verseuchungen, die ebenfalls zu Erkrankungen mit H√§molytisch-Ur√§mischem-Syndrom f√ľhrten. So gab es 2009 in den USA den Verdacht,¬† Industrieprodukte des Herstellers Nestl√©, genauer gesagt dessen Toll House Cookie Doughs seien mit dem Bakterium verseucht. Nestl√© startete eine umfangreiche R√ľckrufaktion. Letzten Endes konnte aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass die Cookies tats√§chlich befallen waren. Auch da gab es ein langes Stochern im Nebel nach den Ursachen f√ľr die Kontamination und deren Verbreitung, die am Ende einer Verseuchung von Rindhackfleisch zugeordnet wurde.

√Ąhnlich war es bei einer HUS-Erkrankungswelle in den USA 2006, wo zun√§chst Lauchzwiebeln, dann Rohmilch, schlie√ülich wieder Lauchzwiebeln als Ursache ausgemacht wurden. Im gleichen Jahr gab es eine Kontamination, wo abgepackter Spinat Erkrankungen verursacht hatte.

Es gab auch F√§lle, wo verseuchtes Wasser und unpasteurisierter Apfelsaft die Ursache waren. Die meisten Vorf√§lle hatten allerdings bekanntlich mit Hackfleisch zu tun. Aber fast immer war da auch die lange Suche nach der Ursache. Und so, wie der Lebensmittelhandel in den Industrienationen funktioniert, verwundert das √ľberhaupt nicht. Der kompottsurfer bef√ľrchtet, dass uns in den n√§chsten Jahren eine massive Zunahme derartiger Probleme bevorsteht, weil der Markt sich weiter internationalisiert und Produzenten sowie H√§ndler aufgrund von Kostendruck Hygienema√ünahmen und regelm√§√üige Produktkontrollen auf das Mindeste beschr√§nken werden.

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Freitag, 27. Mai 2011

EHEC und die Suche nach den Schuldigen: So langsam wird’s peinlich

Blinder Aktionismus in peinlicher Vollendung, anders sind viele Ma√ünahmen und Empfehlungen von Politikern, Verbandsfunktion√§ren und Beh√∂rden im Zusammenhang mit der EHEC-Ausbreitung kaum zu beschreiben. So wird ein Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, auf Spiegel Online mit der Aussage zitiert Es kann nicht sein, dass in Spanien bei der Lebensmittelkontrolle geschlampt wird und in Deutschland dadurch Menschen krank werden. Der Pr√§sident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, haut in die gleiche Kerbe und √§u√üert sich in der Rheinischen Post so: Wir fordern, dass es in der EU einheitliche Standards gibt. Diese Regeln m√ľssen auch f√ľr Drittl√§nder gelten, die zu uns liefern. Also gleich mal die Chance nutzen, ein bisschen Lobbyarbeit zu machen. Die Spanier wehren sich und behaupten, das spanische Gem√ľse sei erst beim Verladen in Deutschland verseucht worden.

Gestern in den Tagesthemen kam die EHEC-Patientin Karoline E. zu Wort, die aufgrund ihrer Schwangerschaft derzeit besonders ern√§hrungsbewusst lebt und berichtet, sie habe ihr Gem√ľse nur im Bioladen eingekauft und auch auf regionale Herkunft geachtet. Genau dieses Beispiel zeigt, dass es f√ľr den Umgang mit der EHEC-Gef√§hrdung v√∂llig unerheblich ist, √ľber die Schuldfrage zu debattieren. Und so sinnvoll wie ein nationales Einmaleins. Es gibt n√§mlich tausendundeins M√∂glichkeiten, wie sich im weltoffenen Lebensmittelhandel gef√§hrliche Erreger verbreiten k√∂nnen. F√ľr die Wissenschaftler ist es zwar durchaus wichtig, die Quelle zu kennen, um die Ausbreitungswege nachvollziehen zu k√∂nnen, alle anderen sollten aber ihren Job machen und den Menschen Hinweise geben, wie die aktuellen Gef√§hrungen zum Beispiel durch maximale Hygiene zu vermindern sind, statt unappetitliche Interessens√ľppchen zu kochen.

Eines muss in der jetzigen Situation an erster Stelle stehen, und das ist die Gesundheit der Konsumenten. Debatten und Beitr√§ge √ľber wirtschaftliche Folgen und absatzgesch√§digte Bauern und Gem√ľseh√§ndler geh√∂ren da erst einmal in den Hintergrund. So einfach ist das.

Der kompottsurfer empfiehlt derzeit folgende Maßnahmen:

1. Gr√ľndliche Hygiene, vor allem regelm√§√üiges H√§ndewaschen, nachdem man au√üerhalb der eigenen vier W√§nde unterwegs war sowie nach der Verarbeitung von Obst und Gem√ľse und direkt vor dem Essen.

2. Verzicht auf Salat und andere Rohkost. Gem√ľse zumindest kurz d√ľnsten oder kochen. Tomaten nach kurzem Erhitzen enth√§uten. Der Verzehr von Spargel d√ľrfte, nach Einsch√§tzung des kompottsurfers, weitgehend unbedenklich sein, da er durch Sch√§len und Kochen zu einem eher unproblematischen Produkt wird. Obst sch√§len, auf Erdbeeren am besten verzichten, bei zu gro√üer Genusssucht aber auf jeden Fall sehr gr√ľndlich abwaschen.

3. Schneidebretter und Messer immer gr√ľndlich reinigen, bevor verzehrfertige Lebensmittel damit in Kontakt kommen.

4. Beim Garen von Wildfleisch durch die Sous-Vide-Methode oder Niedrigtemperaturverfahren, darauf achten, dass die Temperatur signifikant oberhalb von 70¬į C. liegt und eine Kerntemperatur im Fleisch von mindestens 70¬į C. √ľber drei bis f√ľnf Minuten erreicht wird. Zum Thema Wildfleisch auch noch mal ein interessanter Beitrag des Bundesinstituts f√ľr Risikobewertung (BfR) aus 2007.

Und trotzdem gilt bei allem Ernst der Lage: Immer schön gelassen bleiben, zugleich aber umsichtig und vorsichtig. Und bloß nicht den Spaß am Essen verderben lassen!

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