Sie ist zur mächtigsten Frau der internationalen Gastronomieszene aufgestiegen und leitet seit einem Jahr den legendären Michelin Guide France. Als erste Frau überhaupt. Und zum ersten Mal ist diese Position nicht mit einem Franzosen besetzt. Nachdem Juliane Caspar (39), die aus dem Ruhrgebiet stammt, in ihrem ersten Paris-Jahr keinerlei Interviews gegeben hatte, stand sie dem Kompottsurfer nun für ein ausführliches Gespräch zur Verfügung.
Frau Caspar, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erscheinen des ersten Michelin Guide France unter Ihrer Leitung. Wie lautet eigentlich Ihre offizielle Bezeichnung? Chefinspektorin?
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Donnerstag, 11. März 2010
Michelin-Chefin Juliane Caspar im Kompottsurfer-Interview: „Man überschätzt den Chauvinismus der Franzosen“
Samstag, 06. März 2010
The Flemish Primitives (5): Milchsäurebakterien en vogue
Sang-Hoon Degeimbre, besternter Küchenchef aus dem belgischen Restaurant l’air du temps (der kompottsurfer berichtete) stellte im Rahmen der Flemish Primitives in Brügge eine spannende Entwicklungsarbeit vor, die das koreanische Nationalgericht kimchi in einer ungewöhnlichen Art von mit Milchsäure fermentierten Variation hervorbrachte. Mehr zu dem Thema bloggte der hochgeschätzte Kollege Martin Lersch auf khymos.org. Martin wies auch noch mal auf die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Lebensmitteltechniker, Prof. Stefan Töpfl vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück und Peter Goossens (Hof van Cleve in Kruishoutem) hin, bei der es um Hochdruckverfahren geht. So war wenigstens ein Vertreter aus Deutschland auf der Bühne der The Flemish Primitives in Aktion zu sehen. Bin gespannt, wann Kooperationen zwischen Wissenschaftlern und Spitzenköchen auch in Deutschland Normalitätsstatus haben werden.
Donnerstag, 04. März 2010
47 neue Sterne: Guide Michelin Frankreich 2010 ist erschienen
Mit Gilles Goujon aus der Auberge du Vieux Puits im südfranzösischen Dörfchen Fontjoncouse hat Frankreich nun einen weiteren Dreisternekoch und bringt es auf aktuell 26 (Deutschland hält 9). Zwei Sterne halten 77 Restaurants (Deutschland 17) und einen Stern insgesamt 455 Häuser (Deutschland 199). Damit scheint die gastronomische Strahlkraft Frankreichs aus Sicht des Guide Michelin mit 661 zu 260 fast dreimal so stark wie in Deutschland (Anzahl aller Sterne, nicht Anzahl der Betriebe). Mal wieder Grund genug, den kulinarischen Kulturvorsprung im Nachbarland neidlos anzuerkennen oder die Bewertungen des Guide France für überbewertet zu halten. Goujon ist 2010 übrigens der einzige Aufsteiger in den Kocholymp. Er pflegt inmitten der Weinlandschaft der Corbières eine Küche mit regionalen Produkten, die er teils molekular inspiriert in Szene setzt.
Interessant im Ländervergleich ist allerdings, dass die Zahl der Bib-Gourmand-Adressen (Gute Küche zu moderaten Preisen / ohne Stern) in Frankreich mit 555 nur knapp doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Also dort, wo man den größten Vorsprung vermuten könnte, nämlich bei den einfachen Gasthöfen, die für kleines Geld viel zu bieten haben, liegt Deutschland nach Ansicht des Michelin gar nicht so schlecht.
Montag, 01. März 2010
Geschafft: Molekularküche endlich auch in Deutschland etabliert
Sie haben geschwafelt, gedroht und gelogen und den Vergiftungsteufel heraufbeschworen: Den Gegnern der angewandten Molekularküche war in ihrem Kampf gegen den kulinarischen Fortschritt jedes Mittel recht. Der Chefredakteur des Gault Millau Guide, Manfred Kohnke, drohte den Spitzenköchen offen mit Punktabzug, wenn sie weiterhin Texturgeber einsetzen würden und der Stern stufte sie gar als gesundheitsgefährdend ein. Auch das Traditionsmagazin der deutschen Kulinarik, Der Feinschmecker, stimmte zwischenzeitlich in die Kampfgesänge gegen das wissenschaftlich inspirierte Kochen ein, und die internationalen Superstars unter den Köchen wie Ferran Adriá und Heston Blumenthal wurden plötzlich angefeindet. Überall in der Welt arbeiten Spitzenköche wie selbstverständlich mit Instituten, Universitäten und einzelnen Wissenschaftlern zusammen, um das Kochen endlich aus der Bastelecke herauszuholen. Nur in Deutschland war eine Schar Apokalyptischer Reiter unterwegs, der kulinarischen Ausgeburt des Bösen, der Molekularküche und ihren Protagonisten den Kampf anzusagen. Vergleichbar den religiösen Anhängern der Neo-Kreationisten in den USA, die Charles Darwins Evolutionstheorie aus dem Biologieunterricht verbannen wollen, zogen die Gegner der Molekularküche gegen das wissenschaftlich inspirierte Kochen zu Felde. So jedenfalls kam es mir zeitweilig vor.
Dabei war und ist die Molekularküche nicht mehr und nicht weniger als Erkenntnis- und Erforschungsfeld in Bezug auf das Gelingen von Kochprozessen. Sie ist kein Trend, sondern Rüstzeug. Sie ist Basis jedweder Landes- und Regionalküche und Fundament der Haute Cuisine. Denn jeder Kochprozess funktioniert nach Regeln, die wissenschaftlich hergeleitet werden können. Bis vor wenigen Jahren waren uns die meisten dieser Regeln nicht bekannt. Schlimmer noch, sie waren uns egal. Deshalb glaubten Profi- wie Hobbyköche sogar noch lange nachdem das Gegenteil bewiesen war, dass beim Braten Poren verschlossen werden und dass die Zugabe von Salz im Kochwasser das Grün der Bohnen vor dem Ausbleichen schützt, wie es Heiko und ich in unserem Buch Verwegen kochen schrieben.
Nun ist das Thema endlich durch. In der Druckausgabe 02/2010 von Der Feinschmecker fasste der geschätzte Kollege Jürgen Dollase die wichtigsten Argumente für das wissenschaftlich inspirierte Kochen so überzeugend zusammen, dass es sich beinahe liest wie eine extrahierte Version von vier Jahren kompottsurfer-Argumentation
. Und eine Reihe Spitzenköche, wie Joachim Wissler und Thomas Bühner bekennen offen, dass sie der Molekularküche gegenüber aufgeschlossen sind. Was der kompottsurfer von den deutschen Spitzenköchen immer gefordert hat – nämlich trotz des erzeugten Drucks Flagge zu zeigen – ist endlich eingetreten. Und dann erobert auch noch der Molekularkoch Maravan mit Martin Suters Roman Der Koch die Spitze der Bestsellerlisten Belletristik. Endlich ist die Zeit gekommen, auch in Deutschland alle Energie auf die Entwicklung der Kochkunst ausrichten zu können. Und vielleicht entschließen sich ja sogar einige der Kritiker von einst, diesen Weg mitzugehen. Ich würde es mir wünschen.
Dienstag, 02. Februar 2010
Video: Sang-Hoon Degeimbre zeigt Räuchertechnik mit Pfeffer
Er ist der wahrscheinlich erfolgreichste Umschüler der aktuellen Kochwelt: Sang-Hoon Degeimbre wechselte vom Schlachter- ins Servicefach, wurde Sommelier und landete erst in den 90er Jahren in der Küche. Heute fasziniert er mit seinem modernen, von der Molkularküche inspirierten Stil Kritiker und Gäste. Zwei Sterne im Michelin und 18 von 20 Punkten im Gault Millau untermauern seinen Stellenwert. In seinem belgischen Restaurant l’air du temps ist Degeimbre dem Thema Food Pairing und der Aromenharmonie zugewandt, nutzt auch wissenschaftiche Analysedaten für seine Arbeit. Ich hoffe, Sang-Hoon Degeimbre am kommenden Montag bei den flemish primitives treffen und auch sprechen zu können. An dieser Stelle aber schon mal ein Video zur Arbeit an einer seiner Zubereitungen, bei der er eine interessante Räuchertechnik zeigt.
Samstag, 16. Januar 2010
Superchef Gordon Ramsay verliert Michelinstern im Claridge’s
Der nach Jamie Oliver international beliebteste Koch aus Großbritannien hat nach Angaben des Guardian einen von vormals acht Michelinsternen für eines seiner vielen Restaurants verloren. Betroffen ist das Claridge’s in der Londoner Brook Street, das nun ganz ohne den Glanz eines Sterns auskommen muss. Der Schotte Gordon Ramsay ist in Deutschland vor allem bekannt durch seine Sendung Chef ohne Gnade (DMAX), sozusagen die Mutter aller televisionären Gastronomierettungskommandos, die auf der Insel schon seit 2004 läuft.
Laut Wikipedia besitzt Ramsay weltweit 18 Restaurants, ist unter anderem in den USA, Japan und Dubai vertreten. Pikant sind die Details, auf welchem Weg das heiße Gerücht in Umlauf kam. Denn der neue Guide Michelin soll in England erst in einigen Tagen erscheinen. Angeblich, so berichtet Guardian Blogger Richard Ehrlich in einem Posting von gestern, habe ein Mitarbeiter aus dem Restaurant 21212 bei Amazon ein Exemplar des neuen Guide Michelin vorbestellt und, zu seiner Verwunderung, prompt geliefert bekommen. Darin fand sich dann die für Ramsay ärgerliche Neuigkeit. Im Gegensatz zu Ramsay hat ein anderer Superchef mit Restaurants in aller Welt, der Franzose Alain Ducasse, jetzt einen Stern mehr auf dem Konto, weil sein Haus in Dorchester nun den dritten erhielt.
Ich frage mich, brauchen wir diese Superchefs, diese miles-and-more-maker wirklich? Ansätze davon haben wir ja auch inzwischen in Deutschland, wo Juan Amador seinen Ruhm durch Dependancen zu mehren sucht. Gewinnträchtig ist die Strategie nicht unbedingt, wie das Beispiel Ramsay zeigt. Denn wenn es an einer Stelle im imagelastigen Unternehmensgefüge Probleme gibt, laufen die anderen Betriebe schnell Gefahr in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Nicht viele Geldgeber machen so etwas lange mit.
Mittwoch, 02. Dezember 2009
Rezept des Monats: Wolfsbarsch mit Rote Beete und Perigordtrüffel von Erika Bergheim
Der kompottsurfer präsentiert das neue Rezept des Monats. Es kommt von Erika Bergheim, Küchenchefin im gerade frisch mit einem Michelinstern ausgezeichneten Restaurant NERO auf Schloss Hugenpoet. Alles weitere gibt’s hier








