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Samstag, 19. November 2016

Precht, Proteine und die fortgeschrittene Entwicklung von Kunstfleisch

Der Philosoph Richard David Precht hat ein neues Buch geschrieben. Titel: Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen. Das Thema passt perfekt in eine Zeit, die Ern√§hrung als eine Art Ersatzreligion hervorgebracht hat. Precht setzt sich allerdings schon l√§nger damit auseinander. Vor 16 Jahren ver√∂ffentlichte er im Rowohlt Verlag Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen. Und in seinem millionenfach verkauften Bestseller Wer bin ich ‚Äď und wenn ja, wie viele? widmet er der Problematik ein ganzes Kapitel, der kompottsurfer berichtete 2008 dar√ľber.

Nun habe ich, offen gestanden, Prechts neuestes Werk noch gar nicht gelesen. Es steht auf der Leseliste ziemlich weit oben, aber vorher muss noch Geronimo von Leon de Winter vertilgt werden, einer meiner erkl√§rten Lieblingsautoren. Spannung geht halt vor, in meiner immer viel zu knappen Zeit zum B√ľcher lesen. Und au√üerdem: Ob ich so kurz vor Weihnachten meinen Appetit auf Wildschweinbraten und Gans gef√§hrden will, wei√ü ich auch nicht wirklich. Mehr zum Buch also vermutlich erst in ein paar Wochen an dieser Stelle, falls ich es mir nicht noch anders √ľberlege.

Halte ich es also erst mal, zumindest ungef√§hr, mit dem alten Stoiker Lucius Annaeus Seneca: Die Seele mu√ü frisch, voll Zuversicht und √ľber alles erhaben sein. Ich bin zuversichtlich, dass der Mensch schon bald in der Lage sein wird, k√ľnstliches Fleisch zu produzieren, das dem nat√ľrlichen Fleisch geschmacklich und texturell nahe kommt. Das Thema hat der kompottsurfer erstmals vor acht Jahren aufgebracht, seither ist einiges passiert. Das Fraunhofer Institut, so berichtete vor wenigen Tagen der IT-Nachrichtendienst Heise Online, will Anfang 2017, in Zusammenarbeit mit der Amidori Food Company, Schnitzel aus Pflanzenproteinen herstellen. Das Verfahren wird als Nasstexturierung beschrieben. “Fast genauso bissfest und saftig wie echtes H√ľhnchenfleisch” wird der Leiter des Food Technology Teams am Fraunhofer Institut M√ľnchen, Raffael Osen, zitiert. In einer von den Wissenschaftlern angesetzten Verkostungsreihe sollen acht von zehn Testern keinen Unterschied zwischen echtem und “Kunstfleisch” festgestellt haben. Liegt es an den degenerierten Geschmacksnerven der Tester? Oder ist das Kunstfleisch wirklich schon so weit entwickelt?

Wie dem auch sei, es gibt Menschen, denen der Geschmack offensichtlich gar nicht so wichtig ist, daf√ľr aber der T√∂tungsakt gegen√ľber Tieren wie es k√ľrzlich James Hetfield, S√§nger der Band Metallica in einem Spiegel-Interview eingestand. Es sei sein “Hobby” Tiere zu t√∂ten, sagte er. Klingt erstmal erschreckend und st√∂√üt schnell auf Emp√∂rung, ist rein faktisch aber letztendlich kaum von dem zu unterscheiden, was Privatpersonen mit Jagdschein kennzeichnet: Jagen und Tiere t√∂ten als Hobby. Im Gegensatz zum Berufsj√§ger ist es f√ľr sie purer Zeitvertreib. Anders herum: Ich esse gerne von Hobbyj√§gern geschossenes Wild, mache aber um Fleisch aus Massentierhaltung einen weiten Bogen.

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